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Full text of "Neues Archiv für sächsische Geschichte und Alterthumskunde"

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Neues  Archiv 


für 


Sächsische  Geschichte 


und 


Altertumskunde 


Herausgeg-eben 


Hubert  Ermiseh 


Achtundzwanzig-ster  Band 


.^^SD 


Dresden  1907 
Wilhelm  Baenseh,  Verlagshandlung. 


MGETTY  CENTER 
ÜBRARY 


Inhalt. 

Seite 

I.  Über  Totenbestattung  im  1 6.  Jahrhundert,  vornehm- 
lich in  Zwickau.     Von   Professor  Dr.  Otto  Langer 

in  Zwickau i 

II.  Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans? 
Von  Dr.  E.  Zimmermann,  Direktorialassistent  an  der 
Königlichen  Porzellansammlung  in  Dresden  ...     17 

III,  Das  Zeithainer   Lager   von    1730.      Von   Archivrat 

Dr.  Hans  Beschorner  in  Dresden.    (Mit  Karte)  .     .     50 

IV.  Kleinere  Mitteilungen 115 

1.  Zur  Kanonisation  Bennos.  Von  Oberlehrer  Lic. 
Dr.  Otto  Giemen  in  Zwickau.  S.  1 15.  —  2.  Dr. Johann 
von  Kitzscher  im  Dienste  des  Deutschen  Ordens. 
Von  Pfarrer  Hermann  Freytag  in  Reichenberg 
(Westpreufsen).  S.  117.  —  3.  Kleine  Beiträge  zur 
sächsischen  Gelehrtengeschichte.  Von  Oberlehrer 
Lic.  Dr.  Otto  Giemen  in  Zwickau.  S  122.  —  4.  Fried- 
rich Wilhelm,  Sohn  des  Moritz  von  Sachsen -Zeitz, 
ein  unbekannter  Wettiner.  Von  Hofrat  P.  E.  Richter 
in  Dresden.  S.  135.  —  5.  Georg  Heinrich  Sappuhn. 
Von  Rektor  Professor  Dr.  Otto  Eduard  Schmidt 
in  Würzen.  S.  135.  —  6.  Zur  Cronsch witzer  Aus- 
grabung. Eine  Erwiderung.  Von  Oberlehrer  Dr. 
Clemens  Pfau  in  Rochlitz.  S.  137. 
Literatur '144 

Nachrichten 176 

V.  Joachim  von  Schleinitz,  kursächsischer  General- 
quartiermeister unter  Johann  Georg  I.  Von  Dr-  J. 
H.  Gebauer,  Oberlehrer  an  der  Königlichen  Ritter- 
akademie in  Brandenburg  a.  H 187 

VI.  Das    Zeithainer    Lager    von    1730    (Schlufs).      Von 

Archivrat  Dr.  Hans  Beschorner  in  Dresden  .     .     .200 

VII.  Christian  Benjamin  Geifsler.  Ein  Beitrag  zur  Ge- 
schichte der  Bauernunruhen  d.  J.  1790.  Von  Hell- 
muth Schmidt  in  Leipzig 253 

VIII.  Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  Von  Ober- 
lehrer Dr.  W.  Clemens  Pfau  in  Rochlitz    .     .     .     .269 


IV  Inhalt. 

Seite 

IX.  Kleinere  Mitteilungen 305 

I.  Eine  Leipziger  Kleiderordnung  von  1506.  Von 
Oberlehrer  Lic.  Dr.  Otto  Giemen  in  Zwickau.  S.  305. 
—  2.  Ein  Epigramm  von  Hieronymus  Emser.  Von 
demselben.  S.  320  —  3.  30  weitere  Dohnische 
Schöppensprüche.  on  Dr.  med.  Georg  Schlauch 
in  Dohna.  S.  321.  —  4.  Das  Wappen  des  Bistums 
Meifsen.  Von  Regierungsrat  Professor  Dr.  Eduard 
Heydenreich  in  Dresden.  S.  329. 
Literatur 336 

Nachrichten  . 370 

Register 377 


Besprochene  Schriften. 


Beiträge  zur  sächsischen  Kirchengeschichte.   Heft  17  —  20  (Georg 

Müller) 347 

Berendt,   Die  Beziehungen  Anhalts  zu  Kursachsen  1212— 1485 

(Wäschke) 337 

Brück,  Friedrich  der  Weise  als  Förderer  der  Kunst  (Felix  Becker)  146 
Curschmann,  Die  Diözese  Brandenburg  (Rieh.  Becker)  .  .  .  349 
Däbritz,  Die  Staatsschulden  Sachsens  1763 — 1837  (Wuttke)  .      .     344 

Döhler,  Diplomatarium  Joachimsteinense  (Lippert) 151 

Erphurdianus  Antiquitatum  Variloquus,  bearbeitet  von  R.Thiele 

(F.  Gels) 336 

Gärtner,  Quellenbuch  zur  Geschichte  des  Gymnasiums  zu  Zittau 

I.  (G.  Müller) 348 

Hiltebrandt,  Die  polnische  Königswahl  von  1697  und  die  Kon- 
version Augusts  des  Starken  (Ziekursch) 343 

Kaemmel,  Sächsische  Geschichte  (Beschorner) 144 

Ludwig,  Die  Entstehung  der  kursächsischen  Schulordnung  von 

1580  (G.  Müller) 34° 

Mangner,  Geschichte  der  Leipziger  Winkelschulen  (G.  Müller)  155 
Meiche,  Die  Burgen  und  vorgeschichtlichen  Wohnstätten  der 

Sächsischen  Schweiz  (Ermisch) .152 

Rautenstrauch,  Luther  und  die  Pflege  der  kirchlichen  Musik  in 

Sachsen  (Wustmann) 339 

Schulze,  Paul,  Das  Dresdner  Volksschulwesen  im  18.  Jahrhundert 

(G.  Müller) 156 

Sturmhoefel,  Kurfürstin  Anna  von  Sachsen  (Beschorner)  .  .  341 
Voretzsch,     Der    sächsische     Prinzenraub    in    Altenburg    (K. 

V.  Kauffungen) .     145 

Weicker,  Die  Haltung  Kursachsens  im  Streit  um  die  unmittel- 
bare Reichsritterschaft  (Friedrich) 148 

Wetzel,  Die  Genesis  des  am  4.  April  1813  eingesetzten  Zentral- 

Verwaltungsrates  (Friedrich) 34^ 

Wostry,  König  Albrecht  II.  (Ermisch) 338 


I. 

über  Totenbestattung  im  16.  Jahrhundert, 
vornehmlieh  in  Zwickau. 

Von 
Otto  Langer. 


Kill  Zwickauer  Bürger,  Mitglied  der  Verwaltung  des 
Gemeinen  Kastens^),  zeichnete  im  Jahre  1561  alles  das  auf, 
was  ihm  in  Hinsicht  auf  Kirche,  Schule  und  Gemeinen  Kasten 
in  Zwickau  bemerkenswert  zu  sein  schien -j.  Seine  Arbeit 
führt  keinen  Titel.  Am  Anfang  hat  er  lediglich  bemerkt: 
,,Eine  Vorrede  uff  difs  vorzeichnus  1561".  Er  hat  das  ,, Ver- 
zeichnis", wie  er  versichert,  angelegt,  damit  er  sich  daraus 
unterrichten  könne,  da  ihm  wegen  seiner  ,,grosen  sauern 
arbeyt"  sein  ,,gedechtnus  und  gehör  gantz  entpfallen  und  ent- 
nommen" sei.  Die  Arbeit  besteht  aus  vielen,  meist  kurzen 
Sätzen,  die  oft  inhaltlich  nicht  zusammengehören,  und  ist 
stilistisch  recht  mangelhaft,  macht  aber  gerade  dadurch  den 
Eindruck,  dafs  das,  was  der  Verfasser  mitteilt  oder  fordert, 
den  tatsächlichen  Verhältnissen  entspricht,  dafs  er  also  wirklich 
berichtet,  wie  es  war  oder  doch  sein  sollte.  Daher  enthalten 
seine  Aufzeichnungen  eine  Reihe  von  Angaben,  die  neben 
dem,  was  die  Kirchenordnungen  usw.  bieten,  Beachtung  ver- 
dienen.     Hier    will   ich    nur    einige    am   Schlüsse    befindliche 


')  Obgleich  uns  die  Namen  der  „Kastenherren"  zu  dieser  Zeit 
vollständig;  überliefert  sind,  ist  mir  doch  noch  nicht  möglich  gewesen, 
festzustellen,  welcher  von  ihnen  mit  unserem  Anonymus  identisch  ist. 

-)  Das  ßändchen  in  Schmalfolio  fand  ich  unter  den  noch  un- 
geordneten Beständen  des  Zwickauer  Stadtarchivs;  jetzt  A*  C  laiJ. 
Es  besteht  aus  zwei  Teilen:  der  Abschrift  einer  kurfürstlichen 
Polizeiordnung  vom  Jahre  1555  und  dem  „Verzeichnis". 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVIII.    1.2.  I 


2  Otto  Langer: 

Sätze  hervorheben.  Nachdem  er  Kirche,  Schule,  BibHothek 
und  Gemeinen  Kasten  behandelt  hat,  kommt  er  noch  auf  den 
Totengräber  tuid  seine  Pflichten  zu  sprechen. 

Der  Totengräber  soll  an  sauberen  Orten  die  Gräber 
graben  und  jedem  Menschen  sein  eigenes  Grab  machen  und 
nicht  zwei  oder  drei  zusammen  begraben,  es  ,,were  denn, 
das  es  inn  sterbenslaufften  wegen  der  menge  nit  kont  under- 
komnien  werden".  Er  soll  ,,den  Gottesacker  rein  und  sauber 
halten,  das  nit  stein  darauf  liegen,  auch  nit  schwein  noch 
Genfse  ader  ander  vich  dorauff  gehen  lasen" ^).  Er  soll 
,, Achtung  geben,  uff  das  nicht  die  Pauren  oder  die  knaben 
ire  Unlust  dahin  werfl:en  oder  kericht  hineinschütten.  Die 
gepeine,  so  aufsgegraben  w^erden,  sal  er  an  ein  sonderlich 
ort  zusamme  in  ein  grabe  bescharren;  dieSerche  und  den 
wao' en  nicht  unter  dem  volck  stehen  lassen  ader  under 
das  volck  füren,  sonderlich  in  sterbenslaufften";  er 
soll  ,,die  Schwangeren  und  Sechswochnerin  an  ein  sonder  orth, 
do  nit  vil  leuth  hinkommen,  begraben,  da  die  weyber  ein 
sonderlich    Superstition    an    denselben    haben'-);    die    toten 


^)  Im  Mittelalter  widmete  man  in  Deutschland  den  Kirchhöfen 
und  Gottesäckern  keinerlei  Pflege,  so  dafs  sie,  wie  das  ja  auch  jetzt 
noch  in  katholischen  Gegenden,  z.  B.  in  Tirol,  zu  beobachten  ist, 
einen  trostlosen  Anblick  darboten.  Hierin  Wandel  zu  scharten  sind 
die  Behörden  in  den  protestantischen  Ländern  seit  Beginn  der 
Reformation  unablässig  bemüht;  doch  hatten  sie  mit  fast  unüber- 
windlicher Gleichgültigkeit  zu  kämpfen,  und  noch  1573  mufs  die 
Brandenburger  Visitations-  und  Kons.- Ordnung  „den  Rethen  in 
Stedten,  auch  Schultzen  und  Gemeinen  in  Dörflern  hiermit  im  ernste 
aufliegen,  das  sie  dieselbigen  allenthalben  mit  Mauren,  Plancken 
und  andern  guten  Zeunen,  auch  Schrancken  und  Thüren  wol  und 
mit  Fleifse  allenthalben  also  vermachen,  das  keine  Schwein,  Kühe 
oder  ander  Viehe  daraufl  kommen  können.  So  soll  auch  in  Stedten 
nicht  gestattet  werden,  das  darüber  gefahren  oder  Mist,  noch  ander 
Unflat,  wie  bifshero  geschehen,  dahin  geschüttet  werde."  (Richter, 
Kirchenordnungen  II,  367.)  Übrigens  kam  es,  wie  wir  in  dem  „Ver- 
zeichnis" lesen,  in  Zwickau  vor,  dafs  sich  Hunde,  Gänse,  Ziegen 
und  auch  Schweine  während  des  Gottesdienstes  vom  Kirchhof  aus, 
der  aber  nicht  mehr  Gottesacker  war,  in  die  Kirche  verirrten,  da 
während  des  Gottesdienstes  aus  Besorgnis  vor  etwaiger  Panik  die 
Türen  olfen  stehen  muisten,  weshalb  die  Kirchenväter  einen  „Hunds- 
peitscher" zu  halten  hatten. 

-)  M.Hippe,  Die  Gräber  der  Wöchnerinnen  (Mitteilungen  der 
Schles.  Gesellschaft  für  Volkskunde  13,  loift.)  gibt  folgende  aus  der 
Breslauer  Kirchen-  und  Schulordnung  von  1528  (vgl.  Drechsler, 
Sitte,  Braucli  u.  Volksglaube  in  Schlesien  I,  307)  genommene  Stelle: 
„Es  sollen  auch  die  Totengreber,  wo  sie  eme  Sechswecherin  be- 
graben wollen,  ejm  fleifsig  aufl'mercken  haben,  dorait  sie  nicht  graben 
am  wege,  do  man  pflegt  zu  gehen  oder  viel  zu  scliaflen  hot,  sondern 


über  Totenbestattung;  im  1 6.  Jahrhundert.  3 

corper  sittlich  und  mit  vornufft  in  das  grab  legen 
und  nicht  wie  ein  unvornufftig  thier  hineinwerffen; 
auf  bevelh  niemandt  mit  dem  Sarch  hineinlegen". 

Aus  den  im  Druck  hervorgehobenen  Worten  mufs  ohne 
Zweifel  der  Schlufs  gezogen  werden,  dafs  man  in  Zwickau 
bei  Begräbnissen  auf  dem  Gottesacker  die  Toten  ohne  Sarg 
ins  Grab  zu  legen  pflegte,  ja  dafs  es  der  Verfasser  unserer 
Handschrift  sogar  für  durchaus  unstatthaft  hält,  einen  Leichnam 
mit  dem  Sarge  oder  im  Sarge  zu  begraben.  Dieses  Ergebnis 
scheint  aber  der  landläufigen  Annahme,  dafs  im  allgemeinen 
in  Deutschland  seit  vielen  Jahrhunderten  vmd  jedenfalls  bereits 
im  16.  Jahrhundert  der  Sarg  beim  Begräbnis  verwandt,  der 
Leichnam  im  Sarge  liegraben  wurde,  zu  widersprechen. 
Freilich,  als  ich  mich  über  die  in  der  christlichen  Kirche 
herrschenden  Begräbnissitten  unterrichten  wollte,  mufste  ich 
die  Entdeckung  machen,  dafs  man  zwar  genaue  Untersuchungen 
angestellt  hat  über  die  Art  der  Totenbestattung  bei  den  alten 
Ägyptern  und  den  Inkas,  bei  den  wilden  ^'ölkern  Afrikas 
und  Asiens,  wohl  auch  bei  den  alten  Juden  und  den  Christen 
in  den  ersten  Jahrhunderten  der  christlichen  Kirche,  dafs  man 
sich  aber  wenig  dannii  gekümmert  hat,  welche  Bräuche  bei 
der  Beerdigung  im  Mittelalter  und  in  den  letzten  Jahrhunderten 
in  Europa  und  vor  allem  in  Deutschland  geherrscht  haben  ^j. 
Und  doch  müfsten  für  deutsche  Volkskunde  und  kirchliche  Sitte 
eino-ehende  Forschunoen   dieser  Art   recht  fruchtbar  werden. 

Hier  soll  es  sich  aber  nur  um  die  Frage  handeln:  Wurden 
wirklich,  wie  jene  Worte  zu  beweisen  scheinen,  im  16.  Jahr- 
hundert in  Zwickau  —  und  also  doch  auch  im  weiteren  Um- 
kreise dieser  Stadt  —  die  Toten  ohne  Sarg  zur  Erde  be- 
stattet? 

Ohne  Zweifel  war  der  Sarg  im  Mittelalter  bekannt  und 
wurde  überall  da  angewandt,  wo  es  sich  um  Beisetzung  in 
einer  Gruft,  also  in  der  Kirche  handelte;  es  war  aber  zunächst 
der  Steinsarg-),    der  hier  Verwendung  fand,   nicht  der  Holz- 


yndert  an  eynem  winkel  oder  an  der  Mauer,  do  man  am  wenitisten 
zu  thun  hot".  —  Wuttke,  Der  deutsche  Volksaberglaube,  2.  Aufl., 
gibt  keine  Auskunft. 

')  Das  gilt  sowohl  von  der  neuesten  Auflage  der  Realencyclopädie 
für  protestantische  Theologie,  als  auch  von  Wetzer  und  Welter, 
Katholisches  Kirchenlexikon  (2.  Aufl.),  wo  man  vergebens  Belehrung 
über  Sarg  und  Totenbrett  sucht. 

-)  Es  genügt,  an  den  Steinsarg  zu  erinnern,  den  Krienihiltl  für 
Siegfried  herstellen  liefs  (Nibelungenlied  Avent.  XV'IIj,  oder  an  den 
Sarg  Ottos  I.  im  Magdeburger  Dome. 

I* 


Otto  Lanier 


»^ 


sarg,  der  erst  später  gebräuchlich  ward  ^),  und  die  Toten  wurden 
auf  dem  Totenbrette-)  oder  der  Bahre  zur  Gruft  getragen 
und  hier,  wie  es  im  Nibelungenliede  heifst,  ,, besargt".  Und 
ebenso  steht  es  fest,  dafs  in  einigen  Gegenden  Deutschlands, 
namentlich  in  den  Alpenländern,  die  Toten  bis  vor  nicht 
ferner  Zeit  auf  dem  Brette  hinausgetragen  und  ohne  Sarg 
begraben  wurden'');  und  hie  und  da  verwendet  man  wohl  in 
Europa  den  Sarg  auch  jetzt  noch  nicht*),  wie  es  ja  auch  in 
einigen  Klöstern  und  Orden  Brauch  ist,  ohne  Sarg  zu  be- 
graben. 

Indessen  sind  das  doch  nur  vereinzelte  Erscheinungen, 
und  in  Deutschland  wird  jetzt  jedenfalls  der  Tote  überall  im 
Sarge  beerdigt.  Wann  ist  aber  diese  Sitte  herrschend  ge- 
worden?    Und  wie  verfuhr  man  im   i6.  Jahrhundert? 

Liest  man  die  bei  Richter  und  neuerdings  bei  Sehling 
abgedruckten  Kirchenordnungen,  Anweisungen  für  Visitatoren 
usw.  durch,  so  mufs  es  auffallen,  dafs  sich  hier  das  Wort 
,,sark"  fast  gar  nicht  findet^).     Und  doch  bot  sich  oft  genug 


^)  Doch  wurde  bereits  Rudolf  von  Habsburg  in  einem  einfachen 
Holzsarge  bestattet,  s.  Grauert  in  der  Beilage  zur  Allg.  Zeitung 
1906  Nr.  246. 

-)  Das  Totenbrett,  auf  dem  die  Kaiserin  Bertha,  Heinrichs  IV. 
erste  Gemahlin,  von  Mainz  nach  Speier  getragen  wurde,  ist  bei  den 
jüngst  vorgenommenen  Nachforschungen  in  den  Kaisergräbern  des 
Doms  zu  ispeier  aufgefunden  worden.  Vermutlich  wurde  das  Toten- 
brett so  verwandt,  wie  es  nach  den  Leges  ßajuvariorum  tit.  XIX 
c.  8:  Cum  cadaver  humo  immissus  fuerit  et  lignum  insuper  positum, 
geschehen  sollte;  s.  darüber  Alb.  Hellwig,  Das  bajuwarische 
Totenbrett,  in  der  Beilage  zur  Allg.  Zeitung  1906  Nr.  246.  —  Dafs 
man  im  Mittelalter  die  Toten  „ott  ohne  Sarg"  begrub,  bemerkt 
Gruppe,  Kulturgesch.desMA.il,  107.  Dagegen  ist  Kreutzwald 
(in  dem  Artikel  ,, Begräbnis"  bei  Wetzer  und  Welter)  der  Über- 
zeugung, dafs  ,,seit  ältester  Zeit  und  durch  das  ganze  M  A.  herab" 
der  Leichnam  feierlich  in  die  Kirche  getragen  und  hier  im  offenen 
Sarge  ausgesetzt  wurde. 

^)  In  Zürich  z.B.  noch  im  18.  Jahrhundert;  anderweit  sicher 
noch  viel  länger.  S.  in  dem  Aufsatz:  „Religiöse  Volksgebräuche 
im  Bistum  Augsburg"  im  Katholik  LXXXIII,  531  —  533:  5.  Das 
Totenbrett. 

^)  In  holzarmen  (legenden  Spaniens  steht  wohl  in  einer  Ecke 
der  Kirche  der  Sarg  zu  allgemeiner  Benutzung.  Aber  in  dem 
Artikel:  „Religiöse  Volksgebräuche  im  Bistum  Augsburg"  im  Katholik 
LXXXIII,  533  lesen  wir:  „In  Uttenhofen,  O.-B.,  konnte  man  noch 
vor  50  Jahren  auf  dem  Dachboden  der  Kirche  einen  zum  Aufklappen 
eingerichteten  hölzernen  Sarg  sehen,  mittels  dessen  die  Leichen 
vom  Sterbehause  zum  Grab  befördert  wurden". 

'■')  Aufgestofsen  ist  mir  das  Wort  sarg  —  abgesehen  von  der 
gleich  zu  erwähnenden  Verordnung  der  Visitatoren  für  Olsnitz  1582 
(Sehling,  Die  evangelischen  Kirchenordnungen  des  16.  Jahrhunderts  I, 


über  Totenbestattung  im  1 6.  Jahrhundert.  5 

Gelegenheit,  es  zu  gebrauchen,  da  sich  die  Ordnungen  usw. 
auch  mit  den  Toten,  den  Begräbnissen  und  den  Kirchhöfen 
zu  befassen  hatten^).  Finden  sich  darauf  bezüghche  Be- 
stimmungen, so  wird  vor  allem  ein  geordnetes  christliches 
Begräbnis  gefordert.  ,,So  sollen  auch  —  heifst  es  in  der 
„Constitution  und  [den]  Artikeln  des  geistlichen  Consistorii 
zu  Wittenberg  1542"-)  —  die  commissarien  darauf  achtung 
geben  und  verschaifung  thun,  das  es  mit  den  sepulturen  oder 
begrebnissen  ordentlich  und  gleichförmig  gehalten  werde  und 
sonderUch,  das  sich  nimands  unterstehen,  abends  und  frü,  one 
vorwissen  des  pfarrherrns  heimlich  zu  begraben  ...  Zu 
dem,  das  es  nicht  allein  wider  christlichen,  sondern  auch  der 
beiden  brauch  ist,  menschliche  leichen,  wie  ein  as  oder 
vihe,  one  orebürliche  cäremonien  heimlich  hinzu- 
schleifen."  Am  Tage  also  und  unter  bestimmten  Zere- 
monien, die  jedoch  allen  Prunk  und  jeden  Luxus  ausschlössen^), 
sollten  die  Toten  „zur  Erde  bestattet  (bestettiget)"  oder 
„begraben"  werden'^).  Doch  soll  der  Tote  nicht  sogleich  be- 
erdigt werden,  sondern  man  soll  ihn  ,,ein  weil  ligenn  lassen"'^), 
ihn  frühestens  acht,  zehn  oder  zwölf  Stunden  nach  dem  Ein- 


I,  621)  —  nur  in  der  Ordnung  Kurfürst  Augusts  von  1580  (Sehling  I, 
I,  374),  wo  in  dem  Beispiele  einer  Leichenpredigt  die  Erzählung  von 
der  Aufervveckung  des  Jünglings  von  Nain  aus  Lukas  VII  gegeben 
wird:  „und  rüret  den  sark  an  und  die  träger  stunden". 

1)  Wären  Särge  gebraucht  worden,  so  würden  bald  Vorschriften 
wegen  der  Kosten  nötig  gewesen  und  gemacht  worden  sein,  wie  in 
der  Ordnung  Kurfürst  Augusts  (Sehling  a.  a.  O.  S.  439)  „der  un- 
nütze kosten  mit  ausgeben  "der  vielen  trauer binden  und  anderm,  so 
bis  daher  bei  den  begrebnissen  an  etUchen  orten  gebreuchlich 
gewesen  und  die  leute  damit  nicht  wenig  beschwert  werden",  gänz- 
lich abgeschafft  werden  soll. 

■-)  Sehling  a.  a.  O.  S.  203.  Ebenso  in  der  Schweinfurter  Kirchen- 
ordnung 1543  (Richter,  Kirchenordnungen  II,  23):  „Drumb  sollen 
die  todten  nicht  als  heimlich  und  stillschweigend  hingetragen  und 
verscharrt  werden  ..." 

^)  Die  „Artikel  gemeiner  Verschaffung"  aus  der  Visitation  in 
Thüringen  1533  (Sehling  a.  a.  O.  S.  195)  nehmen  allerdings  unter 
Hinweis  auf  Wittenberg  drei  Begräbnisklassen  an:  „gemein  mensch", 
„mittelmessige  burger"  und  „redliche  leute";  später  findet  sich  aber 
diese  Scheidung  nicht  mehr,  es  wird  vielmehr,  wie  oben,  betont, 
dafs  die  Begräbnisse  „ordentlich  und  gleichförmig  gehalten",  „der 
Christen  verstorbene  cörper  christlich  und  ehrlich  beleitet  und  be- 
graben werden"  und  dergl. 

^)  Man  hat  an  ein  Beerdigen  im  eigentlichen  Sinne  zu  denken, 
wenn  man  in  den  obenerwähnten  Thüringer  Visitationsartikeln  liest: 
„Wen  man  nue  zu  grab  kommen  ist,  weil  man  die  leich  zu- 
scharret, so  singt  der  Schulmeister  usw."  (Sehling  a.  a.  O.). 

°)  Sehling  a.  a.  O.  S.  565  (Gnandstein  1540)- 


6  Otto  Langer: 

tritt  des  Todes  begraben^).  Beim  Begräbnis  wird  wohl  in 
der  Regel  der  Tote  auf  einer  Bahre  hinausgetragen,  doch 
ist  ohne  Zweifel  auch  das  Brett  allein,  wenn  es  auch  an 
keiner  Stelle  in  den  Kirchenordnungen  usw.  Erwähnung  findet, 
noch  häufig  gebraucht  worden-).  Der  auf  der  Bahre  oder 
dem  Brette  liegende  Leichnam  sollte  mit  einem  Tuche  bedeckt 
sein.  ,,Und  so  ein  mensch  stirbet"  —  heifst  es  in  der  Ver- 
ordnung der  Visitatoren  für  das  Amt  Leisnig  1529  — ,  ,, ordnen 
wir  visitatores,  das  die  bahr  oder  (!)  leichnam  nit  heimlich, 
sunder  am  ofi^entlichen  tag  mit  einem  weifsen  tuch  bedackt 
und  mit  christlichem  deutschen  gesang  ....  zu  grab  getragen 
und  begraben  soll  werden'^-").  Ebenso  lesen  wir  in  der 
,, Gemeinen  verordnmig  und  den  artikeln  der  Visitation  in 
Meifsen  und  des  Voitland  1533":  ,,So  ein  mensch  stirbt,  soll 
der  leichnam  nicht  heimlich  und  in  der  nacht,  sondern  am 
tage  und  öffentlich  (andere  Lesart:  ordenthch)  mit  bedackter 
par,  wie  hievor  gewonlich  gewesen,  mit  wissen  des  pfarrers 
und  beisein  desselben  oder  caplan  oder  custers  und  der  nach- 
barschaft  mit  christlichem  deutschen  gesang  ehrlich  begraben 
werden"*). 

Als  Begräbnisstätte   dient  zunächst  überall  der  Kirchhof 
im  eigentlichen  Sinne,  der  Raum,  der  die  Kirche  umgibt,  so- 


*)  Hallische  Kirchenordnung  1541  (Richter  I,  341):  „Es  soll 
auch  niemand  vor  8  oder  10  Stunden  begraben  werden''.  „General- 
Artikel  und  gemeiner  Bericht"  für  Kursachsen  vom  8.  Mai  1557  bei 
Sehling  a.  a.  O.  S.  320:  „Do  jemand  von  Gott  ....  von  diesem 
Jammerthal  abgefordert  wurde,  sol  derselbige  nicht  also  bald  be- 
graben, besondern  zum  wenigsten  zwelf  stunden  doheim  im  hause 
behalten  werden".  Dagegen  verlangt  die  Hennebergische  Ord- 
nung von  1582  (Sehling  I,  2,  316),  dafs  die  Toten  „aufs  wenigste 
nach  15  oder  i6  oder  nach  gelegenheit  mehr  stunden"  begraben 
werden. 

-)  Freilich  habe  ich  weder  bei  Richter  noch  bei  Sehling  das 
Totenbrett  ausdrücklich  erwähnt  gefunden.  Aber  wenn  die  Bahre 
nicht  angewandt  wurde  —  und  dals  das  nicht  durchweg  geschah, 
zeigt  vielleicht  die  im  Texte  gleich  zu  erwähnende  vStelle  — ,  so 
l)lieb  nur  das  Brett  übrig.  Und  wenn,  wie  gleich  anzuführen  ist, 
aus  den  eingepfarrten  Dörfern  um  Ölsnitz  die  Toten  auf  Wagen 
zum  Ölsnitzer  Kirchhof  gefahren  wurden,  so  lagen  sie  doch  wohl 
noch  nach  uraltem  Brauche  auf  dem  Totenl:)rette.  Übrigens  lebt, 
wie  Wendungen  in  der  volkstümlichen  Redeweise  bezeugen,  nocli 
heute  in  manchen  Gegenden  Sachsens  im  Volke  die  Erinnerung  an 
den  Gebrauch  des  Leichenbretts. 

^)  Sehling  I,  i,  610,  ebenso  S.  661:  Herzbergisch  kreis  u.  amt 
Schlieben  (1529). 

')  a.  a.  O.  S.  189  und  ebenso  für  Gnandstein  (1540  S.  565),  Oschatz 
(1540  S.  625)  usw. 


über  Totenbestattung  im  1 6.  Jahrhundert.  y 

dann  auch,  wie  es  in  Zwickau  der  Fall  war^),  der  für  Begräb- 
nisse bestimmte,  vielleicht  schon  vor  der  Stadt  gelegene 
Gottesacker,  der  aber  gleichfalls  Kirchhof  genannt  ward. 

Der  Kirchhof  oder  Gottesacker  soll  umfriedet  sein,  aber 
nicht  nur  deshalb  wird  das  gefordert,  um  ihn  in  sauberem 
Zustande  zu  halten  und  vor  Vermireinigung  zu  schützen, 
sondern  auch  aus  einem  anderen  Grunde.  ,,Es  soll  derwegen 
der  kirchhof  mit  vleifs  befridet  werden,  domit  die  thier 
den  corper  nicht  widerumb  ausgraben"-),  heifst  es  in  den 
„Generalia.  aller  derfer  im  amt  Beizig  1534",  und  in  der 
Ordnung  des  Kurfürsten  August  von  1580  wird  also  bestimmt: 
,, Nachdem  sich  auch  an  etlichen  orten  begeben,  das  die 
todten  cörper  durch  unvernünftigen  thier,  da  die  kirch- 
höfe  nicht  zum  besten  verwaret,  weil  sie  nicht  tief  in  die 
erden  gelegt,  ausgegraben  worden,  sol  jedes  orts  obrigkeit 
diese  Verordnung  thun,  das  die  greber  für  die  alten  und  er- 
wachsenen leute  aufs  wenigste  eines  mannes  tief,  desgleichen 
auch  der  kinder  also  gegraben  werden,  das  dergleichen  nicht 
mehr  zu  besorgen"'^). 

Niemand  kann  angesichts  dieser  klaren  Worte  zweifeln, 
dafs  hier  an  einen  Sarg  nie  zu  denken  ist,  dafs  vielmehr  stets 
als  selbstverständlich  angenommen  ist,  dafs  der  Tote  ohne  Sarg 
beerdigt  wird.  Aber  der  Sarg  mufs,  wie  sich  ja  aus  jener  Stelle 
in  unserm  Manuskript  ergibt,  doch  gelegentlich  verwandt  worden 
sein ;  in  welcher  Weise,  zeigt  uns  eine  Verordnung  der  Visi- 
tatoren für  Ölsnitz  1582,  die  zugleich  auch  den  besten  Beweis 
dafür  gibt,  dafs  noch  zu  dieser  Zeit  die  Toten  in  dieser 
Gegend  ohne  Sarg  begraben  wurden.  „Die  leichen  von  land 
—  lesen  wir  dort  —  sollen  uf  wagen  und  pferden  allein 
bis  zum  thor  oder  sonst  gewissen  ort  vor  die  stat  bracht 
werden  und  alsdenn  in  ein  sark  uf  ein  bar,  welliche  — 
also  Bahre  und  Sarg  —  der  rat  wil  schaffen,  der  procefs 
nach  durch  etliche  bauersleut  getragen  werden;   sollen  auch 


1)  Gottesacker  in  Zwickau  1521  angelegt,  s.  Herzog,  Chronik 
von  Zwickau  I,  169.  Bereits  in  der  Bremischen  Kirchenordnung 
von  1534  wird  geradezu  empfohlen,  vor  der  Stadt  einen  Begräbnis- 
platz anzulegen:  ,,Und  wäre  wol  geraden,  sunder lick  thor  tidt  der 
pestilentie,  dat  ein  Erb.  Radt  vorschaffede  wor  buten  vor  der  Stadt 
einen  gemenen  Kerckhoff,  alse  des  by  den  olden  de  brück  gewest 
ys"  usw.  (Richter,  Kirchenordnungen  I,  247). 

-)  Sehling  a.  a.  O.  S.  529.  —  In  der  „Ordination  der  dorfer  des 
Churfurstenthums  Sachsen  dem  Jungfrauen  closter  Plotzk  zustendig. 
1529"  (a.  a.  O.  S.  626)  heifst  es:  „.  .  .  .  domit  den  toden  von  den 
thiern  nicht  unehr  widc-fahre".     Ebenso  S.  647  Gommern  betr.  (1329)- 

')  a.  a.  O.  S.  439. 


8  Otto  Langer: 

alle  dorfschaften  einlegen  und  ein  schwarz  leichentuch  schaöen 
(und  auch  ein  geringes,  do  etwas  zwo  leichen  würden), 
welliches  —  also  zunächst  das  gute  Tuch,  aber  natürlich  auch 
das  geringe  —  im  hospital  soll  verwahret  werden,  darinnen 
sie  es  sollen  abfodern  und  wieder  einantworten;  wie  es  denn 
die  leut  auch  gewilligt"^).  Hier  wird  also,  und  zwar  —  sehen 
wir  von  jener  Stelle  aus  dem  Evangelium  Lucä  ab  —  zum 
ersten  Male  der  Sarg  erwähnt ;  aber  er  ward  nicht  etwa  mit 
dem  Toten  begraben,  sondern  fand  nur  für  die  feierliche 
,,procefs"  Verwendung.  Beim  Grabe  wurde  der  Leichnam 
herausgehoben  und  ins  Grab  gelegt,  der  Sarg  wurde  ebenso 
wie  das  Bahrtuch  für  weiteren  Gebrauch  aufbewahrt"-).  — 

Es  kann  wohl  angesichts  all  dieser  Zeugnisse  darüber 
kein  Zweifel  sein,  dafs  man  im  aUgemeinen  im  1 6.  Jahrhundert 
nicht  nur  in  Zwickau,  sondern  überhaupt  in  Deutschland  die 
Toten  auf  Kirchhöfen  ohne  Sarg  zu  begraben  pflegte.  Aber 
die  Quellen  sind,  was  Zwickau  anlangt,  noch  keineswegs 
erschöpft. 

Im  Jahre  1582  wurde  Zwickau  von  einer  furchtbaren 
Pest  heimgesucht,  ,,also  dafs  1500  Menschen  daran  gestorben". 


1)  a.  a.  O.  S.  621. 

-)  Natürlich  ward  der  Sarg  auch  nicht  geschlossen,  sondern  war 
offen,  wie  der,  in  dem  der  Jüngling  von  Nain  lag.  Auch  das  mufs 
sehr  lange  Brauch  gewesen  sein.  Goethe  läfst  im  Qavigo  5.  Akt 
Clavigo  rufen,  nachdem  die  Bahre  und  der  „bedeckte '  Sarg  nieder- 
gesetzt worden  ist:  ,,  .  .  .  Ich  mufs  sie  sehen!  (Er  wirft  das  Tuch 
ab.  Marie  liegt  weifsgekleidet  ...  im  Sarge  .  .  .)".  Dagegen  hob 
der  Ritter  in  dem  von  Goethe  1771  im  Elsafs  aufgezeichneten  Volks- 
lied, an  das  der  Schlufs  des  Clavigo  gemahnt  (Strophe  zitiert  von 
Erich  Schmidt,  Clavijo,  Beaumarchais,  Goethe  in  Charakteristiken  II, 
115)  „den  Ladendeckel  ab  und  schaut  ihr  unter  die  Augen''.  (Anders 
in  des  Knaben  Wunderhorn:  „Es  spielt  ein  Ritter  mit  seiner  Magd".) 
So  erklärt  es  sich  auch,  wenn  in  einem  der  Bilder  zu  Shakespeares 
Hamlet,  auf  die  ich  zufällig  in  Urania,  Taschenbuch  auf  das  Jahr 
1820,  stiefs,  Ophelia  im  offenen  Sarge  im  Grabe  liegt;  sieht  man 
freilich  im  Hamlet  genauer  zu,  so  findet  man,  dafs  Ophelia  ohne 
Sarg  ins  Grab  gelegt  wird.  Laertes:  „Lafst  noch  die  Erde  weg, 
bis  ich  sie  nochmals  in  die  Arme  fasse.  (Springt  ins  Grab.)  Nun 
häuft  den  Staub  auf  Lebende  und  Tote!"  —  Dafs  in  Sachsen  hier 
und  da  die  Leichen  in  der  ersten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  noch 
im  offenen  Sarge  auf  den  Kirchhof  getragen  worden  seien,  ver- 
sicherte mir  ein  älterer  Geistlicher.  Und  noch  um  1870  war  es  in 
der  Umgegend  von  Zwickau,  z.  B.  in  Reinsdorf,  Brauch,  dafs  zwar 
der  Sarg  geschlossen  auf  den  Kirchhof  getragen,  dann  aber  über 
das  oifene  Grab  gesetzt  und  nochmals  geöffnet  wurde;  am  offenen 
Sarge  wurde  die  Grabrede  gehalten.  Damit  hing  wohl  das  Deck- 
geld, das  die  Sargträger  erhielten  und  das  dann  verboten  wurde, 
zusammen. 


über  Totenbestattung  im   1 6.  Jahrhundert.  ^ 

So  berichtet  Engelhard  Forstmann,  der  damals  Vorsteher  des 
Gemeinen  Kastens  war.  Und  da  nun,  fährt  er  fort,  zu  be- 
sorgen war,  ,,das  Gott  umb  unserer  Sünden  willen  solche 
Straffe  hinforder  und  zu  anderer  Zeit  mehr  über  uns  mocht 
schicken  und  kommen  lassen  und  die  Zeit  Ordnung  so  woll 
von  noten  als  itzt  gescheen  ist,  habe  ich  mir  zum  besten, 
da  ich  dis  erlebe,  unnd,  [falls  es]  wider  zu  versorgen  an  mich 
kemmen  sollte,  mir  zum  Gedechtnis,  wie  es  die  Jahr  gehalten 
und  hinfort  noch  besser  zu  halten  ist,  furgeschrieben.  Lebe 
ich  aber  nicht,  so  schreib  ichs  euch,  meinen  Nachkommen  am 
Gasten,  zum  besten  hiermit  hin." 

Diese  Arbeit,  etwas  breit  zwar  wie  alles,  was  Forstmann 
geschrieben,  aber  doch  recht  wertvoll,  hat  sich  im  Stadtarchiv 
erhalten^).  Angeheftet  sind  ihr  noch  verschiedene  auf  die 
Pest  bezügliche  Aufzeichnungen,  auf  die  Forstmann  stiefs, 
als  er  1592  auf  dem  Rathause  ,, neben  Mag.  Wolfgang  Reyer 
die  Brieffe  und  anders  in  Ordnung  gebracht"-).  Zunächst 
,,Etzliche  ungeverliche  Artickel  inn  sterbslaufften  zu  bestellen 
imd  zu  haben",  die  von  mehreren  Händen  geschrieben  sind; 
sodann  ,,Eine  trewhche  Erinnerung  vmd  Warnung  an  einen 
Erbarn  Radth  zw  Zwickow"  vom  Stadtpfarrer  Nikolaus  Haus- 
mami;  ferner  ,, Bestallung  des  Pestilentzartztes  Wolffen  Hoflf- 
manfs  von  Geringsroda  (!)"  u.  a.  Beigelegt  waren  dem  Hefte 
noch  kurze  die  Pest  betreffende  Artikel,  die  Stephan  Roth 
geschrieben:  ,, Bestellung  der  Krancken  inn  dieser  fehrlichen 
zeit  der  Sterbenslauffte".  Hausmanns  Eingabe  an  den  Rat 
setzt  Herzog'^)  offenbar  mit  Hinsicht  darauf,  dafs  er  die  Schweifs- 
krankheit als  ,,jvingst  gewesen"  bezeichnet,  diese  aber  1529 
die  Stadt  heimsuchte^),  ins  Jahr  1530.  Gegen  Ende  des  um- 
fangreichen Schriftstückes  lesen  wir  nun:  ,,Mit  dem  Begräbnis 
—  nämlich  in  Pestzeiten  —  werdet  ihr  wohl  mas  treffen,  wie 
und  wo,  wie  tieff  tzu  graben  se}',  dan  awch  awfsehen,  da 
von  nothen  ist,  wan  awch  die  Toden  Corper  tzw  begraben 
sein,  frw  oder  spatt,  damit  nicht  alle  weit  mit  lawfft  über  den 
Kirchoff;  ist  awch  noth  zu  bedencken,  dan  es  tzw  den  tzeiten 
gar  unbeqwem  ist  mit  den  toden  alweg  tzw  grabe  gehen 
umb   der  dünst  willen,   die  bein  gräbern  ist.     So  sieht 


1)  A*C  12a  (i). 

-)  Es  wurde  damals  das  noch  jetzt  benutzte  LJrkundenrepertorium 
angelegt;  1594  war  die  Arbeit  beendet. 

ä)  Er  hat  es  auf  dem  Schriftstück  vermerkt. 

■*)  s.  Herzog  II,  218.  —  Hierin  findet  sich  auch  die  bekannte 
Stelle  über  die  dichte  Bevölkerung  Zwickaus,  aus  der  Herzog  I,  226 
einige  Worte  abgedruckt  hat. 


lo  Otto  Langer: 

man  wol,  das  die  iugent  iürbitzig  ist  und  wil  am  nesten  beym 
grabe  sein  und  nein  kucken,  wan  die  toden  awfgedackt 
werden,  davon  dann  ymmer  vergifftigunge  folget."  Er 
empfiehlt  schliefslich,  die  Leichen  nicht  auf  Bahren  zu  tragen, 
weil  es  gefährlich  sei  —  ,,die  tücher  sind  dann  auch  nicht 
reine"  — ,  sondern  auf  einem  Wagen  zu  fahren,  der  freilich, . 
damit  die  Erschüttermig  nicht  zu  grofs  werde,  nicht  mit  Eisen 
l)eschlagen  sein  dürfe. 

Aus  jenen  Worten  ergibt  sich  nun  ganz  klar,  dafs  in 
Zwickau  —  und  zwar  nicht  etwa  blofs  in  Pestzeiten,  sondern 
bei  allen  Beerdigungen  —  die  mit  einem  Tuche  bedeckte 
Leiche  ins  Grab  gesenkt  und  das  Tuch  dann  weggezogen, 
der  Tote  ,, aufgedeckt"  wurde.  Vom  Gebrauche  des  Sarges 
hören  wir  hier  überhaupt  nichts;  dagegen  wird  in  den  „Un- 
geverlichen  Artickeln  in  sterbslaufften  usw."  vorgeschrieben, 
dafs  die  Leichen  der  von  der  ,, Ungnade",  d.  i.  der  Pest  dahin- 
gerafften Menschen  nicht  feierUch  begraben,  ,, sondern  uff  ein 
glegene  stunde  frue  zu  sauchen  (?  =^  zu  Seuchenzeiten?)  uff 
einen  wagen  in  einer  Truhen  hinaus  zum  begrebnis  gefurd" 
werden,  d.  h.  sie  sollen  im  Sarge  oder  einem  Kasten  hinaus- 
gefahren, aber  natürlich  nicht  darin  begraben  werden.  Engelh. 
Forstmanns  Angaben  lassen  darüber  keinen  Zweifel  zu. 

,,Zu  dieser  Zeit",  d.  h.  zur  Zeit  der  Pest  —  so  lesen  wir 
dort  — ,  ,, bedarf  man  sonderlichs  4  Todentreger,  sowoll,  da  das 
sterben  zu  n3anpt,  eyn  pferdt  unnd  einen  forrman  .  .  .  Das 
pferdt  erhelt  der  Gasten.  Der  pferdtstall  ist  gewest  im  toden- 
haus,  da  der  wage  und  sarck  sint;  kont  mans  aber  wo 
anders  haben,  wers  besser.  Die  Serck  und  Wagen  hat 
man  an  die  Mauer  getain  und  mit  breten  e3-n  Verdecknis 
gemacht,  das  man  die  nicht  gesehen  hat."  In  der  Not  sollen 
auch  der  Totengräber  und  seine  Gesellen  mit  tragen  helfen. 
Zunächst  aber  haben  sie  die  Gräber  herzustellen.  ,,Zwey 
greber  sollen  sie  eynen  tag  machen,  darin  des  morgens  für 
mittage  getragen,  das  andere  grab,  daryn  nach  Mittage  ge- 
tragen werde.  Sollen  das  so  gros  und  breit  machen,  als  sie 
personen  haben,  darzu  das,  wie  gemelt,  allzeit  3  Ellen  über 
der  Leich  bliebe.  Sollens  aber  also  machen:  wen  sie  eyne, 
2,  3  oder  mer  personen  neben  e3'nander  legen,  das  sie  allezeit 
solche  personen  oder  leichen  mit  Erden  zu  decken,  darnach 
aber  mall  mit  Erden  zu  decken,  darnach  abermall  e}!!  ander 
Schicht  legen  und  abermall  Erde  däruff,  das  mans  ke}'ns  syhet, 
und  so  viell  sie  dieser  Schicht  machen,  das  alsdcn  3  Ellen 
nber  der  obern  Schicht  se}^  und  bleibe,  damit  keyne  ver- 
gifftung  aus   den   grebern    andere  jar  kommen  möge  .  .  .  ." 


über  Totenbestattung  im  i6.  Jahrliun  !ert.  il 

Wenn  nun  aber  auch  bei  dem  hier  empfohlenen  Ver- 
fahren der  Sarg  völHg  ausgeschlossen  war,  so  verstiefs  es 
doch  zu  dieser  Zeit  (1582)  nicht  mehr  gegen  Sitte  und  Her- 
kommen, Tote  im  Sarge  zu  beerdigen.  Denn  Engelh.  Forst- 
mann schreibt  noch  folgendes:  „Dem  Todengreber  ist  ernstlich 
zu  bevelen,  das  er  keynen  mit  dem  Sarcke  lege,  er 
habe  den  zuvor  vom  Gasten  eynen  zettel,  das  er  das 
thun  soll.  Welche  Zettel  mit  des  Castens  poletzeichen^) 
sollen  versiegelt  sein  und  des  Vorstehers  namen  darunther 
sthen,  das  si  (!)  schreibet  (!)  und  solch  Sarckgeld  empfahet  (!), 
denn  hie  an  dem  Gasten  gelegen." 

In  seine  Arbeit  hat  später  Engelh.  Forstmann  Bemerkungen 
und  Zusätze  eingefügt,  wenn  etwa  eine  Bestimmmig  auf- 
gehoben wurde  oder  Ergänzungen  sich  nötig  machten.  So 
auch  hinter  der  letzten  Stehe.  Die  Bestimmung,  dafs  nur 
gegen  einen  Erlaubnisschein  Leichen  im  Sarge  begraben 
werden  dürften,  liefs  sich  nämlich  für  die  Dauer  nicht  aufrecht 
halten,  und  so  sah  sich  denn  Forstmann  genötigt,  durch  jene 
Worte   einen  Strich   zu   machen   und   darunter   zu  bemerken: 

,,Nota.  Die  Sarckgelt  abgangen,  dorumb  auch 
nicht  zu  l)evelen."  — 

Wann  wurde  es  nun  den  Bürgern  Zwickaus  erlaubt,  ihre 
Toten  auch  ohne  für  Geld  erworbenen  Erlaubnisschein  im 
Sarge  zu  begraben?  Schlägt  man  die  Rechnungen  des  Ge- 
meinen Kastens-)  auf,  so  findet  man  unter  den  Einnahmen 
der  siebziger  und  achtziger  Jahre  regelmäfsig  auch  verzeichnet 
,, Sarggeld'",  sei  es  nun  unter  besonderer  Rubrik,  sei  es  in 
Verbindung  mit  dem  Läutegeld  wie  1572/73  S.  396:  „Ein- 
nahme Leutgeldt  und  von  den  Personen  so  mit  den 
Sarcken  begraben  werden";  seit  1593  aber  oder  genauer 
vom  Rechnungsjahre  1593/94  an  wird  diese  Einnahme  nicht 
mehr  gebucht. 

Veranlassung  hatte  dazu  eine  Beschwerde  der  Handwerker 
gegeben,  die  diese  gegen  das  Sarggeld  und  gegen  Engelh. 
Forstmann  auf  dem  Schlosse  vor  den  kurfürstlichen  Kom- 
missaren =^)  erhoben.  Die  Handwerker  forderten  Aufhebung 
dieser  Einrichtung;  sie  führten  Klage  gegen  den  Verwaher 
der  Kasse  des  Gemeinen  Kastens,  gegen  Engelh.  Forstmann, 


')  d.  i.  Siegel;  vergl.  ital.  bollo  =  obrigkeitliches  Siegel,  bollato  — 
besiegelt. 

2)  Stadtarchiv  A*B  (Rechnungen). 

^)  Es  erschienen  im  Juni  1593  kurfürstliche  Kommissare  in 
Zwickau,  um  Streitigkeiten  zwischen  Rat  und  Bürgerschaft  zu 
schlichten;  s.  Herzog  II,  353- 


12  Otto  Langer: 

der  angeblich  dem  Totengräber  die  Weisung  gegeben  hatte, 
falls  kein  Sarggeld  bezahlt  sei,  den  Toten  aus  dem  Sarge 
,, herauszuschütten".  Die  Folge  war,  dafs  am  9.  Juli  1593  das 
Sarggeld  abgeschafft  wurde.'  Genauere  Kenntnis  über  diese 
Vorgänge  verdanken  wir  wieder  imserem  Engelh.  Forstmann, 
der  zu  seiner  Rechtfertigung  einen  ausführlichen  Bericht  auf- 
setzte und  ihn  durch  den  Kastenschreiber  der  im  September 
1593  aufgestellten  Rechnung  des  Gemeinen  Kastens  für  das 
Jahr  1592/93  einverleiben  liefs.  Dieser  Bericht  ist  aber  für 
die  hier  behandelte  Frage  so  wertvoll,  dafs  ich  es  für  nötig 
halte,  ihn  hier  einzufügen. 

„Dis  Sarckgelt  ist  von  den  9.  Julii  1593  nicht  mehr  eingefordert 
wordenn,  dahero  das  die  Bürger  unnd  Handtwerger  sich  für  den 
Fürstlichen  Commissarien  alhier  uff  dem  Schlos  beschweret  habenn, 
dasselbe  ferner  tzu  gebenn,  und  mich  Engelhart  Forstman,  be- 
schuldiget, dafs  ich  dem  Thodengreber  bevholen,  wer  nicht  gelt 
gebe,  den  sol  er  aufs  dem  Sarck  schütten  und  b  1  o  s  in  die  erden 
iegenn.  Dieweil  ich  aber  bey  ihrer  Clage  für  den  Herren  Com- 
missarien nicht  gewesen,  viel  weniger  dartzu  erfordert  worden, 
sondernn  dem  Rath  bevholen  wordenn,  uns  gegen  einander  zu  ver- 
hörenn,  und  da  sich  ihre  Clage  in  warheit  also  befinde,  mir  einhält 
zu  thua  und  das  Sarggelt  abschaffen:  nachdem  aber  diese  verhör 
bifs  dahero  nicht  gescheen  und  diese  Castens  Rechnung  gemacht 
worden  und  Ihr,  unsere  kommende  Vorsteher,  Wissenschaft  haben 
möget,  warumb  das  Sarggelt  nicht  mehr  eingefordert  worden  und  ich 
etwas  uff  ihre  Clage  antworte,  so  thue  ichs  in  dieser  Rechnung  also : 

Dafs  Sarggelt  zu  nehmen  habe  ich  nicht  geordnet,  dann  ich 
viel  zu  wenig  dartzu  gewesen,  sondern  ist  vor  21  Jahren  lauts  Gasten 
Rechnung  von  dem  Pfarrer  und  Rath  umb  genügsamer  Ursach  willen 
den  armuth  zum  besten  geordnet  und,  wafs  einkommen  in  21  Rech- 
nungen, alle  Jhar  inn  beysein  und  angehör  des  pfarrers  und  Raths 
berechnet  wordenn  und  under  dieser  Zeit  cu  zween  underschied- 
licher  malen  vom  Rath  und  Pfarrer  uns  Vorstehern  bevholen  wordenn 
über  diese  Einnahme  tzu  haltenn. 

Die  weil  mir  nun  die  gantze  Einnahme  des  Kastens  bevholen, 
habe  ich  diis  Sarggelt  auch  innehmen  mufsen  und  habe  selbst  von 
meinen  verstorbenen  dafs  Sarggelt  gegebenn.  Das  ich  aber  meiner 
Cleger  beschuldigung  nach  diesen  uncristlichen  ernnst  und  die  grofse 
Unehre  den  Verstorbenen  solte  beweist  habenn,  das,  wehre  mir 
nicht  gelt  gegebenn,  das  solcher  vonn  den  Thodengräber  uff  meinen 
bevhel  aufs  dem  Sarck  solte  aul'<geschüttet  werden,  daran  geschiet 
mir  zum  höchsten  unrecht;  denn  die  Thodten  also  verunehren,  ist 
in  meine  gedancken  niemals  kommen,  viel  weniger  habe  ichs  be- 
vholen, ist  auch  von  den  Thodengräber  niemals  meinem  bevhel 
nach  gescheen,  seind  darumb  meiner  Cleger  beschuldigung  wieder 
mich  iautter  beschmutzunge  und  ungegründete  ufflagen. 

Ich  binn  in  dieser  Einnahme  viel  gelinder  gewest  als  zunehmen 
geordnet  wordenn.  Urmd  das  ich  meine  gelindigkeit  inn  diesem 
Jhar  mit  gründe  und  warheit  beweise,  thue  ich  dais  also: 

Von  Michaelis  Ao.  1592,  wen  sich  unfser  Jhar  und  Einnahme 
anfehet,  bifs  uff  den  9.  Julii  Ao.  1593  seindt  42  Wochen;  darinnen 
seindt  verstorben  und  begraben  wordenn  143  personen,  welche  alle 


über  Totenbestattung  mi  1 6.  Jahrhundert,  13 

mit  nahmen  bey  den  Kirchnern,  wie  gebreuchhch  vertzeichnet  worden, 
idls  87  personen  bey  dem  Kirchner  zu  unser  frauenn,  56  personen 
bey  dem  Kirchner  zu  S.  Katharinen.  Von  diesen  143  personen  allen 
habe  ich  nicht  mehr  den  von  23  personen  Sarggelt  8  fl,  i  gr.  9  Pf. 
bekommen,  da  doch  zum  meisten  alle  mit  dem  Sarg  be- 
graben werdenn. 

Was  nun  in  diesem  Jhar  gescheen,  das  ist  zu  vorigen  und  ver- 
gangenen Jahren  auch  gescheen,  wie  die  Jhar  Rechnungen  aus- 
weisen. Und  wenn  ich  gleich  über  dieser  Einnahme  Vheste  gehalten 
hette,  were  mir  solches  zuthun  gevholen  gewest;  habe  mich  aber 
alzeit  nach  gelegenheit  unnd  Vermögen  der  Verstorbenen  gerichtet, 
und  was  ich  eingenommen,  hab  ich  nicht  mir  eingenommen  unnd 
behaltenn,  sondern  dem  Gasten  unnd  den  Armen  und  das  richtigk 
berechent  —  um  derowegen  der  Handtwerger  ungegründte  Clage 
unnd  unbillige  uflage  zum  Danck  nehmen,  das  ich  bey  dem  Kastenn 
die  grose  muhe,  Sorge  unnd  bekummernufs  habe,  das  ihnen  und 
ihren  Kindernn  Kirchen-  unnd  Schuldiener  gehalten,  Hospitahen  und 
eine  grofse  menge  armer  leute  mit  besoldung  unnd  aufsteilen  (und)  er- 
haltenn  werdenn  und  andere  Kastens  Sachen  inn  guter  Ordnung  unnd 
Richtigkeit  haltenn  helffe.  Engelhardt  Forstman 

meyn  handtschrift." 

So  gelangen  wir  mit  dieser  Untersuchung  zu  folgendem 
Ergebnis. 

Während  bei  Beisetzungfen  in  Kirchenofrüften  der  Sarof 
regelmäfsig  verwendet  wurde,  herrschte  im  16.  Jahrhundert 
—  in  Zwickau  und  natürlich  auch  in  einem  weiteren  Umkreis  — 
bei  Beerdigungen  auf  Kirchhöfen  zunächst  ein  anderer  Brauch. 
Der  Sarg  w-urde  nämlich  anfangs  überhaupt  nicht  benutzt,  die 
Leiche  wurde  vielmehr  nach  altem  Herkommen  auf  dem  Brette 
oder  der  Bahre  auf  den  Kirchhof  getragen  und  ins  Grab 
gelegt.  Bevor  man  die  Erde  darauf  warf,  wurde  das  Tuch, 
mit  dem  nach  der  Vorschrift  die  Leiche  zu  bedecken  w^ar, 
heruntergenommen.  Da  aber  mit  diesem  Verfahren  für  die 
Träger  leicht  Ansteckungsgefahr  verbunden  war,  so  wairde 
der  Sarg  (Truhe)  eingeführt,  damit  darin  die  Leichen  hinaus- 
getragen oder  gefahren  würden.  Und  damit  es  feierlicher 
aussehe,  wurde  später  über  den  Sarg  das  Bahrtuch  gedeckt'). 


1)  In  den  Rechnungen  des  Gemeinen  Kastens  finden  wir  seit 
1586  87  das  Bahrtuchgeld  verzeichnet.  Es  bringt  aber  nicht  viel  ein, 
jede  Benutzung  kostet  2  Groschen,  und  nur  wenige  gebrauchen  es. 
Wahrscheinlich  hatten  auch  die  bedeutenden  Zünfte,  wie  das  später 
Brauch  ist,  ihre  besonderen  Leichentücher.  Engelh.  Forstmann 
bemerkt  in  seinem  Bericht  über  die  Pest  usw.:  „Wen  das  gelt  von 
den  Leichtüchern  auch  zum  Gasten  wider  kempt,  ist  hir  innen 
grosser  vleis  zu  haben  mit  auff  sehen  (!)  die  dem  Gasten  eyn  kome, 
den  es  viell  zu  dieser  zeit  tregt  undt  darvon  eynkompt.  Der  Kyr- 
gener  hat  des  woll  genossen,  den  es  tregt  so  viell  als  das  leutten 
aufserhalb  der  grofsen  Glocken  und  will  woll  sagen  mehr;  denn  er 


14  Otto  Langer: 

Der  Sarg  selbst  wurde  aber  nicht  mit  ins  Grab  gesenkt,  viel- 
mehr immer  wieder  benutzt  und  an  dem  alten  Brauche,  den 
Toten  unmittelbar  ins  Grab  zu  senken,  festgehalten. 

Es  lag  nun  nahe^  dafs  der  bei  Beisetzungen  übliche 
Brauch  als  vornehmer  empfunden  wurde  und  dafs  wohlhabende 
Einwohner,  wenn  es  ihnen  nicht  möglich  war,  die  Beisetzung 
in  der  Kirche  zu  erwirken,  jedenfalls  ihre  Angehörigen  und 
sich  selbst  im  Sarge  bestattet  wissen  wollten.  Und  in  der 
Tat  fafste  am  ii.  Februar  1549  der  Rat  der  Stadt  Zwickau 
folgenden  darauf  hinzielenden  Beschlufs^): 

„Todensarch.  Dieweyl  es  «leichwol  ein  wolstand  ist,  so  ein 
ehrbarer  burger  oder  Bürgerin  mit  einem  sarch  zur  erden  gestadt 
werdenn,  darumb  ist  durch  bede  Rethe  beschlossen  wurden,  das 
man  hinfort,  doch  nach  gelegenheit,  vergönnen  solle,  das  dy 
todten  mit  einem  sarch  zur  erden  gestadt  unnd  begraben  werden 
sollenn." 

Indessen  scheint  dieser  Beschlufs  noch  nicht  den  Emp- 
findungen der  grofsen  Menge  entsprochen  zu  haben,  vielmehr 
wurde  vermutlich  dort  wie  im  Kreise  der  Geistlichen  ein 
solches  Verlangen  noch  als  Hochmut  und  Überhebung  emp- 
funden. Und  jedenfalls  vertrat  diesen  Standpunkt  der  Ver- 
fasser unsres  ,, Verzeichnisses"  vom  Jahre  1561,  der  ja  auf 
das  entschiedenste  fordert,  dafs  überhaupt  nicht  gestattet 
werde,  jemand  im  Sarge  zu  begraben.  Aber  die  Anschauvmg 
änderte  sich,  und  nach  kurzem  erschien  die  Forderung,  den 
Toten  im  Sarge  begraben  zu  dürfen,  nicht  mehr  unbillig, 
wenn  es  auch  zuerst  nur  vereinzelte  waren,  die  dieses  Vor- 
recht begehrten.  So  wurde  denn  1572  in  Zwickau  die  Be- 
erdigung im  Sarge  gegen  eine  Geldabgabe  an  den  Gemeinen 
Kasten  gestattet;  im  Rechnungsjahre  1572/73  wird  das  „Sarg- 
geld" zum  ersten  Male  verzeichnet.  Aber  es  waren  ihrer 
anfangs  doch  nur  wenige,  die  von  der  Erlaubnis  Gebrauch 
machten;  im  ersten  Jahre  wurde  das  Sarggeld  zweimal  gezahlt: 

,,i  fl.   3  gr.  eingenommen   von    Leonhardt    Rosenlecher,    das 

sein  weib  im  Sargk  begraben  worden; 
2  il.  6  gr.   Ursula  M.  Kuhncns  Wittbe   von   Freibergk  auch 

entricht,    das   ihr  herr  mit   dem  Sarck  begraben 

worden"; 
1573/74  nur  einmal: 
,,i  d.   3  gr.  entpfangen   von  Markus    Messerkramers  Wittben, 

das  ir  hauswirt  seliger  im  Sargk  begraben  worden" ; 

keyns  weg  giebt,  er  bekome  zuerst  gelt.      Wem  das  one  gelt  sali 
gegeben  werden,  soll  des  eyn  zettel  vom  Gasten  bringen." 
')  Ratsprotokoll  1549  Bl.  25. 


über  Totenbestattung  im  16.  Jahrhundert.  15 

1574/75  nicht,  iSJS/l^  finden  wir  6  Posten,  darunter  ,,3  fl. 
Georg  Maurers  Erben",  1576/77  7  Posten,  darunter  ,,4  fl.  12  gr. 
Christoph  Kirsch,  das  sein  weib,  die  von  Bora,  mit  dem  Sargk 
begraben  worden";  dann  5,  8,  13  und  (1580/81)  15  Posten. 
UrsprüngUch  scheint  wenigstens  i  fl.  3  Gr.  für  die  Lizenz 
gefordert  worden  zvi  sein;  aber  an  diesem  Preise  konnte  man 
nicht  festhalten,  und  1580/81  finden  wir  neben  i  fl.  3  Gr.  und 
,,für  Sarck  und  Leittgeldt"  2  fl,  18  Gr.  noch  18,  12  und  sogar 
IG  Gr.  angegeben,  insgesamt  14  fl.  4  Gr. 

Gerade  zu  dieser  Zeit  scheint  aber  die  neue  Mode  sehr 
um  sich  gegriffen  zu  haben:  von  den  1500  Menschen,  die 
nach  Forstmann  von  der  Pest  dahingerafft  wurden,  ist  doch 
ein  recht  beträchthcher  Teil  im  Sarge  begraben  worden,  oder 
genauer,  ist  doch  für  sehr  viele  das  Sarggeld  bezahlt  worden, 
nämlich  1581/82  für  185  Personen  und  1582/83  —  die  Pest 
wütete  noch  im  Herbst  des  Jahres  1582  —  noch  für  157. 
Die  Lizenzgebühr  betrug  jetzt  gewöhnlich  12  Gr.  für  Er- 
wachsene, 6  und  3  Gr.  für  Kinder;  doch  zahlte  Matthes  Spring 
für  sein  ,,kleens  Mägdlein"  10  Gr.  6  Pf.  Dann  sinkt  die  Zahl, 
1583/84  sind  es  22,  1584/85  38,  darunter,  was  sehr  bezeichnend 
ist,  ,,6  gr.  Wolff  Brückners  Taglöhners  Weib". 

Wir  sehen  also,  wie  die  Sitte  um  sich  griff,  wie  jetzt 
sogar  i\rme,  die  doch  der  grofsen  Ersparnis  halber  an  dem 
alten  Brauche  hätten  festhalten  sollen,  der  neuen  Sitte  ihren 
Tribvit  zollten.  Wir  begreifen  auch,  wenn  sich  unter  solchen 
Umständen  das  Verlangen  geltend  machte,  von  dem  Sarg- 
geld befreit  zu  werden,  wenn  man  zu  erreichen  suchte,  dafs 
der  Tote  auch  ohne  den  Erlaubnisschein  des  Gemeinen 
Kastens  mit  dem  Sarge  begraben  wurde.  Vergebens  suchte 
Forstmann  das  Interesse  des  Gemeinen  Kastens  zu  wahren^); 
vergebens  wies  er  immer  und  immer  wieder  den  Totengräber 
an,  nur  gegen  Erlaubnisschein  im  Sarge  zu  begraben.  Der 
Totengräber  sah  sich  oft  genug  genötigt,  w^ollte  er  nicht 
böses  Ärgernis  erregen,  im  Sarge  zu  beerdigen,  ohne  dafs 
für  den  Toten  das  Sarpo^eld  orezahlt  war.  Endlich  erhoben 
die  Handwerker  Beschwerde  vor  den  kurfürstlichen  Kom- 
missarien; und  da  es  inzwischen  vermutlich  auch  anderweit 
Brauch  geworden  war,  Tote  im  Sarge  ohne  besondere  Er- 
laubnis zu  beerdigen,  so  konnte  auch  in  Zwickau  nicht  mehr 
am    Sarggeld    festgehalten    werden:    am    9.  Juli    1593    wurde 


')  1584/85  ist  fol.  54'i  bemerkt:  „An  Sarchgeldt  eingenommen 
15  fl.  12  gr.  Steigt  gegen  dem  jhärigen  umb  3  fl."  Und  ähnliche 
Notizen  finden  sich  auch  weiterhin. 


l6  Otto  I^anger:  Über  Totenbestattung  im  1 6.  Jahrhundert. 

es  abgeschafft.  Und  wenn  auch  in  Zwickau  und  anderweit 
noch  immer  manche  die  Toten  nach  alter  Weise  beerdigen 
liefsen,  nach  und  nach  verschwand  —  von  Pest-  und  Kriegs- 
zeiten abgesehen')  —  dieser  Brauch  mehr  und  mehr,  und 
schliefslich  galt  es  als  selbstverständlich,  im  Sarge  zu  Ije- 
graben.  Und  hatte  man  sich  früher  bei  Begräbnissen  gröfster 
Einfachheit  beflissen,  so  wurde  jetzt,  zunächst  vom  Adel, 
gewifs  aber  bald  auch  von  wohlhabenden  Bürgern,  dabei 
solcher  Prunk  entfaltet,  dafs  die  Obrigkeit  einschreiten  mufste. 
Endlich  wurde  auch  mit  dem  Sarge  nach  der  Auffassung  der 
Obrigkeit  übermäfsiger  Luxus  getrieben,  und  es  wurde  des- 
halb in  der  sächsischen  Kleiderordnung  vom  21.  Februar  1750 
befohlen:  [n.]  ,,Zu  Bekleidung  der  Leichen  und  Ausschlagung 
der  Särge  dürfen  keine  andere  als  innerhalb  des  Landes 
fabrizierte  Waaren  genommen  werden"  -).  — 

Es  ist  vielleicht  nicht  zu  erwarten,  dafs  sich  für  diese 
Frage  in  anderen  Archiven  eine  Antwort  von  ähnlicher  Be- 
stimmtheit findet,  wie  es  hier  der  Fall  war ;  aber  wunderbar 
wäre  es  doch,  wenn  man  nunmehr  nicht  auch  anderweit  auf 
Belege  für  diese  Art  von  Bestattung  stofsen  sollte.  Und  wenn 
meine  Untersuchung  Anlafs  böte,  in  dieser  Richtung  Nach- 
forschungen anzustellen,  so  würde  ich  das  als  den  besten 
Lohn  derselben  betrachten.  Aber  es  verlohnt  sich,  solche 
Untersuchungen  nicht  blofs  auf  jene  Zeit  zu  erstrecken;  es 
scheint  mir  vielmehr  sehr  dankenswert  zu  sein,  wenn  auch 
die  Begräbnisgebräuche,  die  noch  im  vorigen  Jahrhundert 
geherrscht  haben,  von  älteren  Geistlichen  aus  ihrer  Erfahrung 
oder  nach  den  Angaben  alter  Leute  gesammelt  vmd  auf- 
gezeichnet werden.  Nur  zu  schnell  verweht  unsere  Zeit  die 
Sj)uren  alter  Sitten  und  Bräuche,  und  nicht  immer  werden 
glückliche  Funde  gestatten,  die  vergangenen  Zeiten  und  die 
in  ihnen  herrschenden  Anschauungen  so  zu  beleuchten,  wie 
es  mir  dank  der  Reichhaltigkeit  des  Zwickauer  Stadtarchivs 
vergönnt  war. 


')  s.  Codex  Augusteus  I,  qoi  2  (Verordnung  vom  2.  Dez,  1713): 
„dafs  .  .  .  ,  wo  kein  absonderliclier  Pestkirchhof  vorhanden  •  •  .  ■ 
auf  die  ordentliche  Kirchhöfe  an  einem  abgesonderten  Orte  .  .  .  die 
Gräber  ein  paar  Fufs  tiefer  als  sonst  gewöhnlich  gemachet,  nicht 
minder  die  darein  gebrachten  Leichen  mit  ungelöschtem  Kalck,  wo 
solcher  zu  haben,  überschüttet  werden  sollen  .  .  .  ." 

-;  Codex  Augusteus,  C^ontin.  I,  752. 


IT. 

Wer  war 
der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans? 


Von 

E.    ZurMEKMANN. 


Es  giljt  in  jeder  Wissenschaft  Streitfragen,  die  nicht  zur 
Kühe  kommen  wollen,  obwohl  sie  für  die  grofsen  Massen 
längst  entschieden  sind,  ja  diese  kamii  noch  ahnen,  dafs  sie 
überhaupt  noch  Streitfragen  darstellen. 

Zu  diesen  gehört  im  Gebiet  der  Keramik  die  Frage  nach 
dem  Erfinder  des  Meifsner  und  damit  des  europäischen  Por- 
zellans überhaupt. 

Durch  nun  bald  zwei  Jahrhunderte  hindurch  ist  es  der 
ganz  allgemeine,  niemals  ernstlich  erschütterte  Glaube  ge- 
wesen, dafs  der  Erfinder  oder  vielmehr  der  Nacherfinder 
dieses  kostbaren  keramischen  Erzeugnisses  Johann  Friedrich 
Böttger  gewesen  ist,  jener  Apothekerlehrling  und  Alchimist 
aus  Schleiz,  den  der  König  August  der  Starke  am  Anfange 
des  i8.  Jahrhunderts  in  seinen  Landen  gefangen  hielt,  dafs  er 
ihm  seine  vermeintliche  Kunst,  Gold  auf  künstlichem  Wege  zu 
gewinnen,  zu  seinem  reichlichen  Vorteil  erzeige.  Als  solcher 
ist  Bötto-er  immer  eine  der  bekanntesten,  volkstümlichsten 
Persönlichkeiten  Sachsens  gewesen,  ja  auch  Gegenstand  seines 
Ruhmes  und  Stolzes.  Als  solchen  hat  man  ihm  in  Meifsen, 
an  der  Stätte  seiner  Taten,  sein  Denkmal  gesetzt,  als  solchen 
kennt  ihn  die  o^anze  Welt.  Für  alle  diese  Kreise  ist  die 
Erfinduno-  des  Porzellans  unzertrennbar  mit  seinem  Namen 
verknüpft;  man  würde  hier  nicht  wenig  erstaunt  sein,  erführe^ 
man,  dafs  es  in  dieser  Hinsicht  noch  eine  Frage  gibt,  dafs 
Böttgers  Erfinderruhm  auch  nur  im  geringsten  in  Zweifel  ge- 
zogen werden  kann. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVIII.    i.  2.  2 


l8  E.  Zimmermann: 

Dennoch  hat  es  gewisse  Zeiten  gegeben,  ja  es  gibt  diese 
gerade  jetzt  wieder,  die  dies  mit  ganzer  Entschiedenheit  ge- 
tan haben,  die  behaupteten,  nicht  ßöttger,  der  ehemahge  Gold- 
macher und  alchimistische  Windbeutel,  vielmehr  der  seiner- 
zeit hochberühmte  sächsische  Gelehrte  Walter  von  Tschirn- 
hausen, der  Mathematiker  und  Ph3'siker  von  Weltruf,  der  Edel- 
mann und  kaiserliche  Rat  am  Dresdner  Hofe,  sei  der  Erfinder 
des  Porzellans  gewesen,  Böttger  hätte  nur  das  von  jenem  ge- 
fundene Geheimnis  nach  dessen  plötzlichem  Tode  übernommen, 
es  für  die  eigene  Erfindung  ausgegeben.  Böttger  sei,  so 
sagen  diejenigen  weiter,  die  die  letzten  Konsequenzen  dieser 
Ansicht  ziehen,  überhaupt  gar  keine  Erfindernatur  gewesen, 
nur  ein  durchaus  rml^edeutender  Handlanger,  ein  Schwindler, 
der  völlig  unrechtmäfsiger  Weise  von  den  Resultaten  der 
Arbeiten  eines  anderen  gelebt  hätte.  Er  sei  demnach  nicht 
blos  auf  dem  Gebiete  der  Goldmacherei  als  ein  Charlatan 
anzusehen,  er  sei  auch  auf  dem  der  Keramik  ein  frecher  Be- 
trüger gewesen.  Zeit  sei  es,  dem  wirklichen  Erfinder  des 
Porzellans  die  ihm  so  lange  vorenthaltenen  Ehren  endlich 
zurückzugeben,  dem  vermeintHchen,  bisher  geglaubten  die- 
selben wieder  zu  entziehen  und  ihn  als  das  für  alle  Zeiten 
hinzustellen,  als  was  er  sich  jetzt  endlich  offenbart  hätte. 

Auffallend  ist,  dafs  diese  Angriffe  gegen  die  bisher  ganz 
allgemein  geglaubten  Verdienste  Böttgers  sich  in  Perioden 
wiederholt  haben,  ebenso  auffallend  aber,  dafs  sie  bisher  nie- 
mals durchzudringen  vermochten.  Sie  sind,  wenigstens  so- 
weit sie  der  Vergangenheit  angehören,  kaum  ausgesprochen, 
schon  wieder  verhallt,  ohne  auch  nur  eine,  wenn  auch  noch 
so  kleine  Schar  von  Anhängern  gefunden,  geschweige  denn  die 
Öffentlichkeit  irgendwie  merklich  erregt  zu  haben:  sie  haben 
den  allgemeinen  Glauben  an  das  Erfindertum  Böttgers  niemals 
ernstlich  zu  erschüttern  vermocht.  Dennoch  läfst  die  stete 
Wiederkehr  dieser  Angriffe,  die  stets  zu  denselben  für  Böttger 
so  ungünstigen  Schlüssen  gelangen,  von  vornherein  die  Ver- 
mutung erstehen,  dafs  in  dieser  Angelegenheit  tatsächlich 
etwas  nicht  in  jeder  Beziehung  klar  sein  kann,  dafs  es  hier 
Punkte  geben  mufs,  an  denen  der  Zweifel  —  und  immer  wieder 
—  ansetzen  kann,  und  da  gerade  die  jüngste  Gegenwart 
eine  jener  Perioden  zu  sein  scheint,  in  denen  diese  Zweifel 
wieder  mit  aller  Macht  auftreten,  ja  da  sie  diesmal  auch 
bereits  in  die  breitere  Öffentlichkeit  gedrungen  sind,  so  ist 
es  sicherhch  an  der  Zeit,  die  ganze  Frage  nach  dem  Erfinder 
des  Meifsner  Porzellans  hier  noch  einmal  vorzunehmen  und 
alle   Bedenken,    die   gegen    die   Erfinderschaft    Böttgers    von 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans?  19 

ihrem  ersten  Auftreten  an  bis  zur  Gegenwart  geltend  gemacht 
worden  sind,  noch  einmal  auf  ihre  Ursachen  hin  zu  prüfen. 
Denn  es  ist  die  Aufgabe  derjenigen  Wissenschaft,  die  man  die 
(leschichte  nennt,  nicht  allein  das  in  der  Vergangenheit  Ge- 
schehene auch  für  die  Gegenwart  wieder  in  voller  Klarheit 
und  Wahrheit  erstehen  zu  lassen:  es  ist  auch  ihre  Pflicht, 
die  Verdienste  um  die  Förderung  der  Menschheit  denjenigen, 
denen  sie  gebühren,  zuzuweisen  und  damit  die  Dankbarkeit 
der  folgenden  Generationen   an   die  richtige  Stelle  zu  leiten. 


Die  Behauptung,  dafs  nicht  Böttger,  sondern  Tschirn- 
hausen der  Erfinder  des  europäischen  Porzellans  gewesen  sei, 
ist  zum  ersten  Male  schon  zu  Böttgers  Lebzeiten  ausgesprochen 
worden,  freilich  nur  wenige  Monate  vor  seinem  Tode,  als  er 
bereits  für  einen  totkranken  Mann  galt.  Damals  ^)  behauptete 
ein  gewisser  Bussius,  der  zuerst  Kassierer,  dann  Sekretär  bei 
der  für  die  Meifsner  Porzellanmanufaktur  eingesetzten  Kom- 
mission war,  in  einem  vom  19.  Januar  17 19  datierten  Berichte, 
in  dem  Böttger  u.  a.  auch  der  Trunksucht,  der  Treulosigkeit, 
der  schlechten  Administration,  kurz  aller  möglichen  Schand- 
taten angeklagt  wurde,  ,,dafs  die  Porzellanerfindung  nicht  von 
Böttger,  sondern  von  selbigem  Herrn  von  Tschirnhausen  her- 
komme und  dessen  schriftliche  Wissenschaft  ihm  durch  den 
Inspektor  Steinbrück  zugebracht  worden  sei".  Hier  wird  also 
tatsächlich  Böttger  ganz  unumwunden  die  Erfindung  des 
Porzellans  abgesprochen,  ohne  dafs  freilich  im  Geringsten  Be- 
weise für  die  auch  damals  ganz  neue  Behauptung  gegeben 
werden.  Doch  schon  diese  Behauptung  ist  durch  das  ganze  Jahr- 
hundert hindurch  ohne  jeghche  Wirkung  gebheben.  Man  hat 
ihr  damals,  als  sie  ausgesprochen  ward,  anscheinend  nicht  die 
geringste  Beachtung  geschenkt:  sie  ist  mitsamt  dem  Berichte 
in  den  Akten  der  Porzellanmanufaktur  verschwunden  und  dort 
über  100  Jahre  vergessen  worden,  bis  sie  nach  jener  Zeit, 
wieder  aufgefunden,  von  neuem,  wie  unten  gezeigt  werden  wird, 
den  Zweifel  an  Böttgers  Erfinderschaft  rege  machte. 

Ganz  unabhängig  von  diesen  Anschuldigungen  erfolgte  der 
zweiteVorstofs  gegen  Böttgers  Erfindertum,  freilich  erst  12  Jahre 
nach  dessen  Tode.  Damals,  d.  h.  im  Jahre  173 1,  erschien  in 
der  zu  dieser  Zeit  viel  gelesenen,  zu  Dresden  erscheinenden 


1)  Vgl.  den  Aufsatz  von  Hern pel  in  der  Ersch  und  Gruberschen 
Encyklopädie  XI,  289  ii. 

,* 


2' 


20  E.Zimmermann: 

Zeitschrift  „Das  sächsische  Curiositäten  -  Cabinet"  eine  Ab- 
handkmg  über  Tschirnhausen,  betitelt  ,,Die  denkwürdigste 
Lebensbeschreibung  des  Weltberühmten  Herrn  Ehrenfried 
Walther  von  Tschirnhaus  auf  Kiefslingswaldau  und  Holzen- 
berg  Sr.  Königl.  Maj.  aus  Pohlen  gewesenen  hochbestallten 
Rath,  ingleichen  Nachricht  von  seinen  Schriften  und  seltenen 
Erfindungen",  in  der  —  nun  vor  aller  Öffentlichkeit  und  mit 
merkbarem  Nachdriick,  ja  ganz  ersichtlich  zu  dem  Zwecke, 
einen  allgemeinen  Irrtum  zu  beseitigen  —  der  Mann,  dem 
diese  Lebensbeschreibung  galt,  als  der  wirkliche  Erfinder  des 
Porzellans,  Böttger  dagegen  nur  als  der  Verbesserer  der  Masse 
hingestellt  wird.  ,,Denn  eben  der  Herr  von  Tschirnhausen", 
so  heifst  es  hier,  ,,ist  derjenige,  so  die  Massen  zum  Porcellain 
am  ersten  glücklich  erfunden,  und  hat  sie  erst  nach  ihm  der 
bekannte  Baron  Bötticher  völlig  ausgearbeitet  und  zu  Stande 
oebracht.  Der  Todt  nehmlich  unterbrach  alle  schönen  Be- 
mühungen  des  Herrn  von  Tschirnhausen,  welche  die  Welt 
itzo  nicht  mit  Golde  bezahlen  kann"^j.  Freilich  Beweise  für 
diese  neue  Behauptung  gibt  auch  dieser  Verfasser  nicht.  Es 
handelt  sich  hier  eben  wieder  lediglich  um  eine  blofse  Be- 
haupttfhg,  die  auf  die  Autorität  dessen,  der  sie  ausspricht, 
geglaubt  werden  mufs.  Auch  sie  hat  daher  in  keiner  Weise 
den  Glauben  gefunden,  den  sich  der  Verfasser  von  ihr  ganz 
sicher  versprochen  hat. 

Aber  freilich  ein  merkwürdiges  Schwanken  hinsichtlich 
dieser  Frage  durchzieht  nach  Böttgers  Tode  dennoch  die  wissen- 
.schaftliche  Welt.  Behauptungen  der  verschiedensten  ja  un- 
mittelbar sich  widersprechenden  Art  stellen  sich  gegenüber. 
Da  ist  zunächst  Iccander,  der  in  seiner  im  Jahre  1730  zu  Dresden 
erschienenen  Beschreibung  Meifsens  ganz  ohne  Umschweife 
erklärt,  dal's  auch  Tschirnhausen  im  ,, vorigen  Jahrhundert 
Porzellan  aber  ohne  Effekt  gearbeitet  habe"-).  Sieben  Jahre 
früher  berichtet  der  Breslauer  Arzt  und  Polyhistor  Kundmann: 
,,Nach  der  Zeit  hat  der  berühmte  Herr  von  Tschirnhausen 
in  Dressden  dem  damaligen  Herrn  Baron  Bötticher  eine 
Methode  eröffnet,  wie  man  auch  allda  könnte  dem  Sinesischen 
gleichendes  F^orcellain  machen;  welches  dieser  auch  aus  einer 
geschwemmten  aschfarbigten  Land  Erde,  wie  selbige  unlängst 


'j  Sachs.  Curiositäten -Cabinet.  Drittes  Repositorium.  Dresden, 
bey  Peter  George  Mohrenthalen  1732. 

-)  Iccander,  Das  wegen  seines  Altertums,  Ruhms  und  lustigen 
angenehmen  Gegend  in  ganz  Europa  bekannte  krmigliche  Meilsen 
in  Sachsen  (Dresden  1730J  S.  53. 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans?  21 

von  einem  guten  Freund  erhalten,  zu  Stande  gebracht"^). 
Hier  wird  also  Tschirnhausen  schon  ein  wesentUcher  Anteil 
an  der  Porzellanerfindung  zuerkannt.  Diese  Stelle  findet  sich 
dann  im  Jahre  1741  in  Zedlers  Universallexikon  in  der  dem  Por-  ' 
zellan  gewidmeten  Abhandlung  nachgedruckt").  Weit  unbe- 
stimmter hat  man  sich  wieder  an  anderen  Stellen  ausgedrückt. 
So  sagt  Budäus  in  dem  „glorreichen  Leben  Friedrich  Augusts, 
König  von  Pohlen"  nur,  dafs  Böttger  das  Porzellan  ,, durch  Ver- 
mittlung Tschirnhausens"  erfunden  hätte '^l,  während  Milly  in 
seiner  bekannten  Abhandlung  ,,Die  Kunst  das  echte  Porzellan 
zu  verfertigen"  berichtet:  „Herr  von  Tschirnhausen  erfand  eine 
Komposition  zu  Porzellan,  welche  allem  Ansehen  nach  eben 
dieselbe  war,  die  in  Sachsen  gebräuchlich  ist^),  eine  Ansicht, 
die  sich  dann  noch  mehrfach  in  den  Schriften  der  Zeit  nach- 
gedruckt findet-^).  Ein  unmittelbares  Absprechen  der  Erfindung 
Böttger  gegenüber  ist  aber  allem  Anscheine  nach  in  diesem 
Jahrhundert  nicht  wieder  erfolgt. 

Dies  geschah  erst  wieder  am  Beginne  des  folgenden  Jahr- 
hunderts und  war  in  der  Hauptsache  eine  Folge  des  nun  wieder 
in  den  Akten  aufgefundenen  oben  erwähnten  Berichtes  von 
Bussius.  Es  geschah  in  der  von  Hempel  für  die  Ersch  und 
Grubersche*^)  Encyklopädie  geschriebenen  Biographie  Böttgers. 
Auch  Hempel  nahm  an,  dafs  jener  schon  oben  erwähnte  Stein- 
brück, der  anfangs  Gehilfe  Tschirnhausens,  dann  nach  dessen 
Tode  Böttgers  gewesen  war  und  später  Inspektor  der  Manu- 
faktur und  Schwager  Böttgers  ward,  Böttgern  das  von  Tschirn- 
hausen entdeckte  Geheimnis  übermittelt  hätte,  und  er  ward 
in  dieser  Ansicht  scheinbar  noch  dadurch  bestärkt,  dafs  sich 
ein  Schriftstück  aus  dem  Jahre  1715  vorfand,  dessen  Titel 
er:  „Nachrichten  von  denen  im  Kursächsischen  Erzgebirge 
befindlichen  und  raren  Gesteinen  u.  s.  w.  von  J.  H.  Stein- 
brück, Inspektor  der  Manufaktur  des  sächs.  Porzellans  1715 
mense   Majo   zu   Dresden"   nennt,   ferner  durch  eine  Anzeige 

i|  Vgl.  Braun,  Joh.  Christ.  Kundmann  als  Quelle  für  die  Kunst- 
geschichte des  X\11I.  Jahrhunderts,  in  Schlesiens  Vorzeit  in  Bild 
und  Schrift  N.  F.  III,  109. 

-')  Ygl  Mitteilungen  zur  Geschichte  der  Medizin  und  Natur- 
wissenschaften Nr.  19,  V  (1900),  535. 

ä|  Budäus,  Glorreiches  Leben  Friedrich  August,  Königs  von 
Pohlen  usw.     2.  Auflage.     Leipzig  1734- 

^)  Abgedruckt  in  Schauplatz  der  Künste  und  Handwerke  XIII 

^)  Siehe  B.  We inert,  Topog.  Geschichte  der  Stadt  Dresden 
U777),  S.  339.  ^ 

*')  Ersch  und  Gruber  Encyplopädie  XI,  279—293. 


2  2  E.  Zimmermann: 

Böttgers  vom  ii.  April  1709,  ,, welcher  gestalt  er  eine  ganz 
neue  Art  von  massiven  Glasstücken  zu  machen  wisse,  aus 
welchen  schätzbare  Sachen,  so  aller  Welt  Admiration  ver- 
dienen sollte  u.  s.  w.".  Denn  beide  Angaben  schienen,  da 
Tschirnhausen  mit  ganz  besonderem  Eifer  ganz  Sachsen  auf 
seine  kostbaren  und  verwertbaren  Gesteine  hin  durch  Jahre 
hindurch  geprüft  hatte  und  gleichfalls  künstliche  Edelsteine 
hergestellt  haben  sollte,  nur  die  Bestätigung  der  Annahme 
zu  sein,  dafs  Böttger  und  Steinbrück  sich  Tschirnhausens 
geistiges  Eigentum  angeeignet  und  für  das  ihrige  ausgegeben 
hätten.  Auch  berief  sich  Hempel  auf  das  Zeugnis  Fontenelles, 
der  in  seinem  Eloge  de  Mrs.  Tschirnhaus  ^),  das  er  nach  dessen 
Tode  in  der  Pariser  Academie  des  sciences  vorgelesen,  berichtet 
hatte:  ,,Mr.  de  Tschirnhaus  revint  ä  Paris  pour  la  quatrieme  (et 
derniere)  fois  en  1701  et  fut  assez  assidu  ä  l'academie: 
Pendant  ce  sejour  ä  Paris  il  fit  part  ä  Mr.  Homberg  d'un 
secret  qu'il  avait  trouve  aussi  surprenant  que  celui  de  tailla 
ses  grands  verres;  c'est  de  faire  de  la  porcellaine  toute  pareille 
ä  Celle  de  la  Chine;  ....  Mr.  Tschirnhaus  avait  donne  ä 
Mr.  Homberg  sa  porcellaine  en  echange  de  quelques  secrets 
de  chimie"  usw.  Hier  schien  es  in  der  Tat  ganz  deutlich 
zu  stehen,  dafs  Tschirnhausen  das  Porzellan  erfunden  hätte, 
ein  Zweifel  daran  schien  kaum  noch  möglich. 

Doch  auch  diese  nunmehr  in  voller  Öffentlichkeit  vor- 
getragenen Angriffe  gegen  Böttgers  Erfinderruhm  hatten  keinen 
gröfseren  Erfolg  als  alle  vorhergehenden.  Es  ist  mir  nicht 
bekannt,  dafs  sie  in  irgend  einem  über  Böttger  oder  Tschirn- 
hausen handelnden  Werke  oder  Aufsatze  der  folgenden  Zeit 
Aufnahme  gefunden  hätten,  ja  sie  wären  vielleicht  gänzlich 
in  Vergessenheit  geraten,  hätte  sie  nicht  C.  A.  Engelhardt, 
der  erste  und  bisher  einzige  beachtenswerte  Biograph  Böttgers, 
in  seiner  Biographie  dieses  Mannes  noch  einmal  angeführt, 
nur  um  sie  gründlich  zu  widerlegen  und  Böttger  seinen  alten 
Ruhm  zu  bewahren. 

Wiederum  fast  ein  ganzes  Jahrhundert  lang  ist  dann 
Böttgers  Erfinderruhm  unangetastet  gebliöben.  Man  hat  ihm 
sein  Denkmal  in  Meifsen  gesetzt,  man  hat  ihm  auch  sonst  bei 
allen  Gelegenheiten  den  schuldigen  Dank  abgestattet.  Erst 
der  allerjüngsten  Zeit  ist  es  vorbehalten  geblieben,  hier  wieder 
eine  Änderung  eintreten  zu  lassen,  und  gleich  von  zweien,  wie 
es  scheint  gänzlich  voneinander  unabhängigen  Seiten  sind 
die  Angriffe   gegen   seinen   vermeintlich   falschen    Ruhm    von 


^      *)  Fontenelle,  Eloges  des  academiciens.    i.  Ausgabe.    1708.  J 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans?  23 

neuem  erfolgt.  Zunächst  durch  Reinhardt  in  seinen  in  dem 
Jahresbericht  der  Fürsten-  und  Landesschule  St.  Afra  in  Meifsen 
1903  abgedruckten  „Beiträgen  zur  Lebensgeschichte  von 
Ehrenfried  Walther  von  Tschirnhaus".  An  Beweisen  seiner 
Ansicht  o-]aubt  er  deren  drei  zu  besitzen.  Zunächst  handelt 
es  sich  um  eine  bisher  schon  ganz  allgemein  bekannte,  zu 
diesem  Zwecke  aber  bisher  noch  nicht  ausgenutzte  Angabe 
der  ersten  vorhandenen  Lebensbeschreibung  Tschirnhausens 
in  der  damals  hoch  angesehenen  Gelehrtenzeitung  der  acta 
eruditorum^),  die  schon  wenige  Monate  nach  dessen  Tode 
am  Anfange  des  Jahres  1709  erschien  und  neben  der  Lebens- 
schilderung dieses  Mannes  auch  das  Lob  seiner  Verdienste  in 
den  Wissenschaften  singt.  Sie  besagt:  ,,Unum  memoramus, 
quod  massam,  ex  qua  vasa  Porcellana  confici  possunt,  aptissi- 
mam  in  nostra  regione  invenit,  ut  vasa  inde  facta,  quamvis 
minori  longe  pretio  parentur,  bonitate  tamen  aequent  orien- 
talia,  id  quod  justi  harum  rerum  aestimatores  candide  testati 
sunt".  Hier  schien  gleichfalls,  wie  in  den  oben  erwähnten 
Angaben  Fontenelles,  aufs  allerdeutlichste  Tschirnhausen  als 
Porzellanerfinder  angegeben  zu  sein.  Weiter  werden  die  oben 
bereits  angeführten  Angaben  der  im  Sächsischen  Curiositäten- 
Cabinet  vom  Jahre  1 7  3 1  erschienenen  Lebensschilderung  Tschirn- 
hausens wiederholt,  und  dann  wird  schliefslich  als  einziger 
neuer  Beweis  ein  bisher  noch  nicht  beachteter  Brief  Böttgers 
herangezogen,  den  dieser  unmittelbar  nach  Tschirnhausens 
Tode  an  den  damaligen  Statthalter  des  Königs,  den  Fürsten 
von  Fürstenberg,  schrieb,  in  dem  von  einem  ,, kleinen  porcellan 
becherchen,  so  Herr  von  Schürnhausen  gemacht",  berichtet 
wird,  den  damals  in  der  durch  Tschirnhausens  Krankheit  und 
Tod  entstandenen  Verwirrung  ein  Arbeiter  desselben  mit 
mehreren  Wertsachen  zusammen  sich  angeeignet  hatte,  doch 
allem  Anscheine  nach,  da  dieses  Becherchen  damals  als  etwas 
ganz  Besonderes,  als  der  Träger  eines  grofsen  Geheimnisses  galt. 
Nur  drei  Jahre  später,  im  vergangenen  Jahre,  hat  dann 
Hermann  Peters  in  einer  bisher  nur  als  Manuskript  vorhandenen 
Abhandlung  gleiche  Versuche  wie  Reinhardt  unternommen. 
Was  aber  bisher  über  diese  bekannt  geworden  ist^),  gibt  nicht 


')  Elogium  Ehrenfridi  Waltheri  von  Tschirnhaus.  Acta  Eru- 
ditorum  publicata  Lipsiae  Calendis  Januarii  Anno  1709.     S.  41 — 48. 

-)  Vgl.  in  den  Mitteilungen  zur  Geschichte  der  Medizin  und  Natur- 
wissenschaften V  (1906),  534,  den  Bericht  über  den  Vortrag  von  Paul 
Diergart:  Was  wissen  wir  gegenwärtig  von  der  Erfindung-sgeschichte 
des  europäischen  Porzellans  mit  Benutzung  eines  Manuskriptes  des 
Herrn  Peters-Hannover. 


24 


E.  Zimmermann: 


die  geringsten  neuen  Argumente  oder  Beweise.  Es  scheint 
lediglich  ein  Teil  der  vorher  angeführten  Stellen  gewesen  zu 
sein,  die  ihn  zu  seiner  Ansicht  geführt  haben.  Man  kann  daher 
diese  Darstellung,  die  leider  einen  ziemlich  dilettantischen  Ein- 
druck zu  machen  scheint,  bei  der  folgenden  Untersuchung 
über  die  Berechtigung  aller  dieser  soeben  aufgeführten  Be- 
hauptungen und  Ansichten  wohl  ganz  aufser  acht  lassen. 


Bevor  diese  Untersuchung  angestellt  werde,  ist  es  zu- 
nächst unumgänglich  nötig,  aufs  allergenaueste  festzustellen, 
was  wirklich  Authentisches  und  Glaubwürdiges  über  Tschirn- 
hausens Verhältnis  zu  den  damaligen  Bestrebungen,  das  Por- 
zellan zu  erfinden,  und  zu  dessen  endlicher  Erfindung,  nament- 
Hch  aus  seiner  eigenen  Zeit,  berichtet  wird.  Vor  allem  aber 
gilt  es  sich  darüber  völlig  klar  zu  werden,  worin  diese  Er- 
findung bestand,  womit  sie  begann,  womit  sie  endete.  Erst 
dann  wird  es  überhaupt  möghch  sein,  den  Anteil,  der  Tschirn- 
hausen an  dieser  Erfindung  gebührt,  genau  festzustellen,  erst 
dann  möglich  sein,  zu  erkennen,  ob  dieser  ein  ganzer,  ein 
teilweiser  oder  gar  keiner  war.  Denn  die  Erfindung  des  Por- 
zellans war,  wenn  sie  in  logischer  Weise  vor  sich  gegangen, 
d.  h,  nicht  lediglich,  wie  man  lange  geglaubt  hat,  die  Folge 
eines  blofsen  Zufalls  gewesen  ist,  die  Aufeinanderfolge  von 
mehreren  Entwicklungsstufen:  es  galt  zunächst  das  Prinzip 
der  Zusammensetzung  dieses  rätselhaften  Stoffes  theoretisch 
zu  erkennen,  d.  h.  in  der  Hauptsache  das  Wesen  seiner  ver- 
schiedenen Bestandteile,  es  galt  weiter  auf  Grund  dieser  Er- 
kenntnis die  richtigen  Materialien  in  der  Natur  aufzufinden,  um 
diesen  Stoft"  dann  in  der  Praxis  erstehen  zu  lassen,  schliefs- 
lich  die  Technik  seiner  Bearbeitung  so  zu  erlernen,  dafs  man 
ihn  wirklich  zu  dem  zu  verwenden  vermochte,  zu  dem  man 
das  Porzellan  damals  zu  verwenden  pflegte.  Das  besondere 
Prinzip  der  Zusammensetzung  lag  darin,  dals  beim  Porzellan 
gegenüber  den  sonstigen  in  der  Keramik  verwandten  Materi- 
alien, die  fast  alle  in  der  Natur  beinahe  schon  fertige 
Töpfertone  darstellen,  hier  zwei  ganz  verschieden  geartete, 
ja  sogar  entgegengesetzte  Stoft'e  miteinander  verbunden  werden 
mufsten,  ein  in  der  Gluthitze  des  Brennofens  beständiger  und 
ein  dort  schmelzender,  flüssiger.  Diese  für  die  Keramik  ganz 
neue  Erkenntnis  war  die  eigentliche  Schwierigkeit  der  ganzen 
Porzellannacherrindung,  diejenige,  die,  da  sie  der  ganzen  bis- 
herigen Keramik  so  gänzlich  fern  lag,  diese  Erfindung  in  der 
Hauptsache   so   lange    verzögert   hatte.      Die  Gewinnung  der 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans?  25 

richtigen  Materialien  beruhte  dann  auf  der  Auffindung  des  in 
der  Natur  an  vielen  Stellen  in  reinem  Zustande  vorkommenden 
Kaolins  als  des  feuerfesten  Bestandteils,  und  des  Feldspats 
als  flüssigen.  Hier  konnte  naturgemäfs  der  Zufall  eine  grofse 
Rolle  spielen,  hier  war.  der  Erfolg  lediglich  vom  Probieren 
und  Experimentieren  mit  immer  neuen  Erdarten  zu  erhoffen. 
Aber  selbst  dann  war,  ganz  abgesehen,  dafs  auch  noch 
immer  die  beim  Porzellan  gleichfalls  ganz  besonders  geartete 
Glasur  fehlte,  mit  dem  erfundenen  Stoffe  nicht  allzuviel  an- 
zufangen, so  lange  man  es  nicht  verstand,  die  vielen  techni- 
schen Schwierigkeiten,  die  das  Porzellan  bei  seiner  praktischen 
Verwendung  darbietet,  zu  überwinden.  Alle  diese  drei  Etappen 
erforderten  zu  ihrer  Überwindung  eine  ganz  besondere  origi- 
nale Begabung.  Vorurteilslos  mufste,  wer  dieser  schwierigen 
Aufgabe  sich  unterziehen  wollte,  an  sie  herantreten,  er  mufste 
einen  grofsen  Teil  dessen  vergessen,  was  sonst  die  Keramik 
lehrte,  mufste  immer  neue  Auswege  finden,  wenn  immer  neue 
Schwierigkeiten  sich  einstellten.  Nur  als  eine  Folge  aller  dieser 
Schwierigkeiten  ist  es  zu  erklären,  warum  das  Porzellan  der 
Chinesen  für  uns  Europäer  so  lange  ein  Problem  blieb,  warum 
seine  Lösung,  obwohl  sich  nicht  die  schlechtesten  Köpfe  ihrer 
Zeit  darum  bemühten,  über  200  Jahre  gedauert  hat,  undschliefs- 
lich,  als  es  erfunden  ward,  das  Verdienst  des  glücklichen  Er- 
finders als  ein  so  grofses  da  stand,  ja  bis  auf  den  heutigen 
Tag  noch  da  steht,  dafs  man  immer  ein  so  grofses  Interesse 
daran  gehabt  zu  haben  scheint,  den  wirklichen  Erfinder  end- 
gültisf  festzustellen. 

Was  ist  nun  Tschirnhausens  erkennbares,  beweisbares  Ver- 
dienst an  dieser  ganzen  Entwicklung  gewesen?  Hat  er,  wenn 
nicht  —  was  feststeht  —  an  allen  Etappen,  so  doch  wenig- 
stens an  einer  derselben  einigen  oder  gar  den  Hauptanteil 
gehabt,  so  dafs  ihm  daraufhin  wenigstens  ein  Teil  der  Er- 
findung zu  gute  gerechnet  werden  mufs?  Um  diese  Frage 
klarzustellen,  sei  jetzt  die  Feststellung  alles  dessen,  was  wirk- 
lich Begründetes  über  Tschirnhausens  Verhältnis  zur  Porzellan- 
erfindung  berichtet  worden  ist,  vor  allem  was  die  eigenen 
Zeitgenossen  hierüber  ausgesagt  haben,  begonnen. 

Fest  steht  zunächst,  dafs  Tschirnhausen,  dessen  eifrigstes 
Bestreben  dahin  ging,  Sachsen,  seinem  Vaterlande,  in  einer 
Zeit,  in  der  nach  dem  Vorbilde  Frankreichs  allgemein  der 
nationale  Industrialismus  erwachte,  eine  einträgliche  Industrie 
zu  verschaffen,  mit  allem  Eifer  und  aller  Konsequenz  sich 
auch  an  das  wichtigste  industrielle  Problem  seiner  Zeit  machte, 
dessen  Lösung,    da   sie   zunächst   konkurrenzlos   dastand  und 


20  E.  Zimmermann: 

Europa  auf  diesem  Gebiete  von  China  und  Japan  gänzlich 
unabhängig  machen  konnte,  eine  ganz  ungewöhnliche  Einnahme- 
quelle zu  werden  versprach.  Da  er  aus  ähnlichen  Gründen 
schon  früher  ganz  Sachsen  auf  seine  Gesteine  und  Erden  hin 
untersucht  hatte,  so  lebte  er  sicherlich  der  Hoffnung,  dafs 
hierbei  das  Auffinden  der  zur  Porzellanfabrikation  notwendigen 
Materien  sich  für  ihn  wesentlich  erleichtern  dürfte. 

F^t  steht  weiter,  dafs  Tschirnhausen  lange  schon,  bevor 
Böttger  im  Jahre  1701  in  Dresden  erschien  und  hier  mit  seiner 
Goldmacherei  sich  abquälte,  mit  obigen  Bestrebungen  begonnen 
hatte,  d.  h.  noch,  am  Ende  des  18.  Jahrhunderts,  und  dafs  er 
eine  Zeitlang  und  gerade  damals  der  festen  Überzeugung  ge- 
lebt   hat,    das   Porzellan    auch    wirklich    erfunden    zu  haben. 

Weiter  läfst  sich  authenthisch  nachweisen,  dafs  er  dann 
nach  einer  ganzen  Reihe  von  Jahren  —  fest  bestimmen  läfst 
sich  zunächst  nur  das  Jahr  1708  —  die  Erfindungsversuche  mit 
Böttger  wieder  aufnahm,  dafs  aber  die  erste  Nachricht  von 
der  nun  wirklich  geglückten  Erfindung  des  Porzellans,  die 
dann  zur  Begründung  der  Meifsner  Manufaktur  geführt  hat, 
erst  vom  März  des  Jahres  1709  stammt.  Damals  zeigte  Bött- 
ger dem  König  diese  Erfindung  mit  mehreren  anderen  an  und 
bat  um  Einsetzung  einer  Kommission  zu  ihrer  Prüfung^).  In- 
zwischen jedoch  war  Tschirnhausen  ganz  unerwartet  nach 
kurzer  Krankheit  am  11.  Oktober  des  vergangenen  Jahres 
gestorben.  Er  hatte  das  Ende  dieser  Entwicklung  nicht  mit 
erlebt. 

Für  Tschirnhausens  eingehende  Beschäftigung  mit  dem 
Problem  des  Porzellans  noch  im  17.  Jahrhundert  dient  zunächst 
als  Zeugnis  ein  von  Leibnitz  an  Tschirnhausen  geschriebener 
Brief  vom  20.  Oktober  1694.  Es  heifst  hierin:  ,, Dürfte  ich 
wohl  umb  ein  stückgen  von  ihrem  mit  dem  Brennglas  ge- 
schmolzenen porcellan  bitten,  darauff  angeflogen  gold,  dabei 
man  siehet,  wie  es  gleichw^ohl  dem  glass  die  Farbe  mitteilet". 

Doch  gesetzt  selbst,  die  Theorie  Tschirnhausens  hätte 
dadurch  aufklärend  gewirkt,  dafs  sie  die  landläufige  Ansicht 
der  Zeit  von  einer  besonderen  ,, Porzellanerde"  dauernd  be- 
seitigt und  auf  diese  Weise  wenigstens  den  Ausgangspunkt 
für  das  Suchen  nach  dem  Geheimnis  des  Porzellans  richtig 
bezeichnet  hätte,  der  scharfe  Gegensatz  zwischen  den  beiden 
Hauptbestandteilen  dieses  Stoffes,  zwischen^  dem  feuerbestän- 
digen und  dem  schmelzbaren,  der  erst  die  eigentliche  Haupt- 


')  Vgl.  hierüber  meinen  Aufsatz   in  dieser  Zeitschrift  XXVII: 
In  welchem  jähre  wurde  das  Meifsner  Porzellan  erfunden?    S.  73. j' 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans?  27 

eigeutümlichkeit  des  Porzellans  ausmacht,  war  dadurch  noch 
in  keiner  Weise  erkannt.  Das  schwierigste  Stück  der  theo- 
retischen Erkenntnis  war  damit  immer  noch  erst  zu  leisten. 
Dafs  Tschirnhausen  aber  auch  dieses  damals  schon  getan  hat, 
dafs  er  damals  schon  irgendwie  die  Natur  der  Porzellan- 
bestandteile gekannt  hat,  dafür  fehlt  jegliche  Nachricht,  wie 
auch  jeglicher  Anlafs  es  zu  vermuten.  Wir  haben  daher  auch 
nicht  das  geringste  Recht,  diese  für  die  ganze  Weiterent- 
wickelung dieser  Bestrebungen  so  wichtige  Tat  an  dieser 
Stelle  schon  Tschirnhausen  zuzuschreiben. 

Wie  aber  stand  es  mit  den  rein  praktischen  Resultaten  der 
damaligen  vermeintlichen  Porzellanerfindung  Tschirnhausens? 
Was  ergab  sich,  wenn  er  seine  Theorie  in  die  Praxis  um- 
setzen wollte?  Die  Angaben  Fontenelles,  denen  wir  die 
Nachricht  von  Tschirnhausens  obengenannter  Theorie  ver- 
danken,  enthalten  hierüber  nichts.  Doch  besitzen  wir  ein  anderes 
Zeugnis,  freilich  das  einzige,  das  sich  aus  dieser  Zeit  hierüber 
erhalten  hat.  Es  findet  sich  in  dem  schon  in  meinem  ersten  an 
dieser  Stelle  veröffentlichten  Aufsatz  über  das  Jahr  der  Por- 
zellanerfindung erwähnten,  im  Besitz  der  Königlichen  Porzellan- 
sammlung zu  Dresden  befindlichen  Bericht  vSteinbrücks  aus 
dem  Jahre  17 17,  der  nichts  weniger  als  eine  vollständige 
Darstellung  der  ganzen  industriellen  Tätigkeit  Tschirnhausens 
und  Böttgers  bis  zum  Jahre  17 17  gibt.  Dieser  Bericht, 
wie  schon  damals  gesagt,  hier  aber  wiederholt  werden  mufs, 
stellt  sich  als  ein  ungemein  klar  und  sachlich  geschriebenes, 
281  Seiten  umfassendes  Schriftstück  dar  und  war  zur  Vorlage 
für  den  König  August  den  Starken  bestimmt.  Er  ist  die 
wichtigste  QueUe,  die  wir  über  Böttgers  industrielle  Bestre- 
bungen besitzen,  und  kann  auch  als  eine  der  allerzuverlässigsten 
gelten.  Denn  sie  stützt  sich  zunächst,  wie  man  heute  noch 
auf  dem  Dresdner  Hauptstaatsarchiv  nachprüfen  kann,  wo  es 
nur  irgend  anging,  auf  die  Dokumente,  die  Akten  der  Zeit. 
Im  übrigen  hat  keiner  den  ganzen  hier  geschilderten  Be- 
strebungen so  nahe  gestanden  wie  ihr  Verfasser.  Er  war 
anfangs  Erzieher  der  Söhne  Tschirnhausens  gewesen,  dann 
sein  Gehilfe  bei  seinen  wissenschaftlichen  Arbeiten.  Nach 
Tschirnhausens  Tode  ward  er  die  rechte  Hand  Böttgers,  bald 
auch  sein  Schwager  und  schliefslich  Inspektor  der  Meifsner 
Porzellanmanufaktur.  Er  erscheint  allen,  die  vorurteilslos  an  ihn 
herantraten  und  seine  ganze  Lebensgeschichte  kennen,  als  ein 
durchaus  ehrlicher,  zuverlässiger,  gewissenhafter  und  beschei- 
dener Mensch,  der  niemals  selbstsüchtige  Absichten  verraten, 
niemals  von  Ehrgeiz  sich  geplagt  gezeigt  hat.    Er  ist  sicherlich. 


28  E.  Zimmermann: 

wie  ich  schon  früher  gesagt,  unter  allen  Leuten,  die  damals  mit 
Böttger  und  seinen  Bestrebungen  in  nähere  Berührung  gekommen 
sind,  die  allers\'mpathischste  Persönlichkeit  gewesen.  Dieser 
berichtet  nun  in  dem  Kapitel,  in  dem  er  von  dem  Bestreben 
Böttgers,  auch  eine  Fa3-encefabrik  zu  begründen,  spricht: 
,, Dieser  von  Tschirnhaus  hatte  bereits  ao.  1699,  bevor  der 
H.  von  Böttger  in  Sachsen  kommen,  sich  mit  porcellain- 
Machen  bemühet,  und  weifse  unglasierte  Gefäsgen  bev  denen 
Töpfern  und  in  der  Glashütte  zu  Dresden  brennen  lassen, 
hat  es  aber  nachgehends  wieder  davon  abstrahiret,  weil  ihm 
vielleicht  die  Glasur  nicht  bekannt  gewesen  oder  Er  aus 
anderen  Ursachen  zu  dieser  invention  kein  rechtes  Vertrauen 
gehabt"  1). 

Was  geht  aus  diesem  Zeugnis  hervor?  Dafs  Tschirn- 
hausens praktische  Ergebnisse  auf  dem  Gebiet  der  Porzellan- 
erzeugung in  keiner  Weise  brauchbar  waren,  dafs  man  von 
einer  wirklich  gelungenen  Porzellanerfindung  damals  in  keiner 
Weise  sprechen  konnte.  Ja  wenn  Steinbrück  berichtet,  dafs 
Tschirnhausen  in  seinen  Glashütten  und  bei  den  Töpfern 
in  der  Stadt  sein  Porzellan  damals  hat  brennen  lassen,  so 
läfst  diese  Nachricht  es  so  gut  als  ausgeschlossen  erscheinen, 
dafs  die  von  ihm  verwandte  Masse  die  wirklich  echte  oben 
charakterisierte  Porzellanmasse  o-ewesen  sein  kann.  In  den 
Ofen  einer  Glashütte  und  denen  gewöhnlicher  Töpfer  —  um 
solche  kann  es  sich  damals  nur  gehandelt  haben,  da  es  in 
Dresden  keine  anderen  gab  —  kann  man  die  echte  Porzellan- 
masse nicht  gar  brennen.  Dafür  erfordert  sie  einen  zu  hohen 
Hitzegrad,  den  nur  eigens  hierfür  gebaute  Öfen  gewähren 
können,  deren  Konstruktion  neues  Nachdenken,  neues  Experi- 
mentieren erfordert  hätte.  Von  derartigen  Dingen  ist  aber 
niemals  in  dieser  Zeit  die  Rede. 

Doch  mehr  als  alles  andere  beweist  Tschirnhausens  ganzes 
späteres  Verhalten  in  dieser  Angelegenheit  den  damaligen  vollen 
Mifserfolg,  ja  das  Angelangtsein  an  einem  völlig  toten  Punkt. 
Er,  der  so  eifrig  darauf  ausging,  Sachsen  eine  grofse  gewinn- 
bringende Industrie  und  auch  sonstige  neue  Einnahmequellen 
zu  verschaflen,  er,  der  Schleifmühlen  und  Glashütten  anlegt 
und  vom  König  subventionieren  läfst,  er  läfst  jetzt  diese  ver- 
meintliche Erfindung  des  Porzellans,  die  tausendmal  wichtiger 
und  gewinnbringender  war  als  alles  üljrige,  was  er  bisher 
für  die  Industrie  Sachsens  unternommen  hat,  völlig  liegen. 
Man  hört  zunächst  nichts  von  weiteren  Versuchen  auf  diesem 

'j  Steinbrück  a.  a.  Ü.  S.  47. 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans? 


29 


Gebiet,  nichts  von  dem  Bestreben,  nun  auf  seine  Erfindung 
hin  ernstlich  eine  Porzellanmanufaktur  zu  begründen,  mit 
anderen  Worten,  nichts  von  der  geringsten  Ausnutzung  seiner 
scheinbar  epochemachenden  Erfindung,  die  für  ihn  eine  ganz 
selbstverständliche  gewesen  wäre.  Ja,  als  im  Jahre  1703  von 
Tschirnhausen  einmal  Bericht  abgefordert  wird  über  seine 
ganze  bisherige  industrielle  Tätigkeit,  da  weifs  er  über  alle 
übrigen  Unternehmungen  die  genauesten  positiven  Angaben 
zu  machen,  über  die  Porzellanerfindung  und  ihre  Ausnützung 
aber  berichtet  er: 

„Des  Porcellains  wegen  habe  dieses  wenige  mit  Dero  hohen 
Erlaubniss  gedenken  wollen,  dafs  der  Herr  Baron  Kannenstein  zeit 
dero  Abwesenheit  in  Dresden  gewesen,  und  diese  Invention  wie  vor- 
mals noch  von  mir  verlanget  auch  darnach  diese  Sache  ferner  durch 
Brieffe  urgirt.  Nun  hätte  es  zwar  höchstnöthig  gehabt,  meinen 
Credit  zu  retten  und  da  so  lange  hiermit  aufgehalten  worden:  Ich 
habe  aber  dennoch  etwas  Geduld  noch  haben  wollen  etwan  dem- 
jenigen Projekt  und  Memorial  nach,  so  selbst  die  Ehre  gehabt  zu 
übergeben  eine  erfreuliche  Revolution  hierüber  zu  vernehmen" '). 

Gewundener,  ausweichender  kann  man  sich  doch  wohl 
kaum  ausdrücken,  als  es  hier  geschieht.  Man  wird  stark  an 
die  Anworten  erinnert,  die  Böttger  gab,  wenn  man  endlich 
von  ihm  das  gewünschte  künstliche  Gold  verlangte').  Kurz, 
wer  Tschinihausens  Tätigkeit  kennt  und  seine  ganzen  Bestre- 
bungen, der  wird  sofort  erkennen,  hier  hat  allem  Anscheine 
nach  eine  grofse  Selbsttäuschung  vorgelegen,  die  sicherlich 
als  solche  sich  offenbart  haben  wird,  sobald  man  in  die  eigent- 
liche Praxis  treten  w-ollte. 

Diese  Selbsttäuschung  aber  wird  aller  Wahrscheinlichkeit 
nach  darin  bestanden  haben,  dafs  Tschirnhausen  es  ergangen 
ist  wie  allen  seinen  Vorgängern  auf  dem  Gebiet  der  Porzellan- 
erfindung, die  sich  in  völlig  gleicher  Weise  gerühmt  hatten, 
das  chinesische   Porzellan    nacherfunden   zu    haben,    und    aus 


1)  S.  HStA.  Loc.  7416. 

■-)  Übrigens  ist  Tschirnhausen  keineswegs  ein  so  bescheidener 
und  gewissenhafter  Gelehrter  gewesen,  wie  man  allgemein  auf  Grund 
des  elogiums  in  den  acta  eruditorum  anzunehmen  pflegt.  Kein 
geringerer  als  Leibnitz,  mit  dem  Tschirnhausen  eine  Zeit  lang  im 
eifrigsten  Briefwechsel  stand,  hat  ihn  einen  Menschen  genannt,  der 
„bissweilen  ein  wenig  zu  geschwind  gehet  und  doch  dabej'  gar  hoch 
spricht;  ich  möchte  ihm  aber  candorem  dabey  wünschen,  den  er 
zwar  otft  recommandirt,  aber  nicht  allemahl  selbst  übet".  Diese  Be- 
urteilung ist  doch  für  einen  Gelehrten  etwas  bitter.  Unter  diesem 
Fehler  scheinen  auch  seine  wissenschaftlichen  Taten  gelitten  zu 
haljen.  Vgl.  Weifsenborn  ,  Lebensbeschreibung  des  E.  \V.  von 
Tschirnhaus  (Eisenach  1866)  S.  203  fl. 


5  0  E.  Zimmermann: 

der  vermeintlich  echten  Porzellanmasse  auch  bereits  Gefäfse 
herzustellen  gewufst  hatten:  sie  hatten  alle,  wie  oben  schon 
kurz  angedeutet,  eine  Masse  zusammengebracht,  die  äufserlich, 
d.  h.  namentlich  hinsichtlich  der  Farbe  und  der  Durchschein- 
l)arkeit,  dem  echten  Porzellan  glich,  innerlich  aber,  d.  h.  vor 
allem  hinsichtlich  ihrer  Festigkeit  (da  es  sich  so  gut  wie 
immer  um  eine  Art  Glasmasse,  um  eine  ,,Fritte",  gehandelt  hat, 
nicht  aber  um  ein  wirkliches  keramisches  Produkt)  aller  jener 
Vorzüge  entbehrte,  um  derentwillen  das  Porzellan  so  geschätzt, 
seine  Nacherfindung  damals  so  lebhaft  anerstrebt  ward.  Weich - 
oder  Frittenporzellan  nennt  die  Technik  heute  diese  Surrogate, 
man  sollte  sie  eigentlich  gar  nicht  mehr  mit  dem  Namen 
,, Porzellan"  belegen,  der  immer  nur  Verwirrung  angestiftet 
hat,  vor  allem  auch,  wie  später  gezeigt  werden  wird,  in  der 
hier  zur  Untersuchung  stehenden  Frage,  ja  vielleicht  allein 
Schuld  daran  ist,  dafs  es  noch  immer  hinsichtlich  des  Er- 
finders  des  wirklich  echten  Porzellans  eine  Frage  gibt. 

Somit  ergibt  sich  aus  allen  Berichten  der  Zeit,  dafs  man 
mit  allergröfster  Wahrscheinlichkeit  annehmen  darf,  dafs  Tschirn- 
hausen damals  weder  theoretisch  das  Prinzip  des  Porzellans 
gekannt,  noch  diesen  Stoff  praktisch  hat  herstellen  können. 
Die  \yeiterentwicklung  dieser  Bestrebungen,  die  zweite 
Periode  der  Porzellanerfindung,  die  der  gemeinsamen  Arbeit 
Böttgers  und  Tschirnhausens,  macht  diese  Annahme  zur  Ge- 
wifsheit.  Sie  zeigt  nach  allem,  was  wir  über  sie  wissen,  aufs 
allerdeutlichste,  dafs  damals  die  Arbeiten  zum  Zwecke  der 
Porzellanerfindung  wieder  gänzlich  von  neuem  begonnen 
wurden,  dafs  sie  von  einem  gänzlich  anderen  Punkte  als  vor- 
dem ihren  Ausgang  nahmen,  und  dafs  nur  deshalb,  weil  man 
von  diesem  neuen  Ausgangspunkt  ausging  und  dadurch  auf 
ganz  andere  Wege  gelangte,  man  endlich  an  das  Ziel  kam, 
das  allen  diesen  Bestrebungen  von  Anfang  an  zu  Grunde  lag. 

Wir  sind  heute  genauer  orientiert,  auf  welche  Weise 
schliefslich  das  Geheimnis  des  echten  Porzellans  in  Dresden 
aufgedeckt  und  seine  Masse  wirklich  zum  ersten  Male  ge- 
funden wurde.  Wir  wissen  jetzt  ganz  genau,  dafs  diese  Ent- 
deckung im  Verlauf  der  alchimistischen  Untersuchungen 
fiöttgers  und  Tschirnhausens  erfolgte,  als  eine  fast  logische 
Folge  der  durch  diese  Untersuchungen  festgestellten  Resultate. 
Schon    von    anderer   Seite')    ist    vor   einigen  Jahren   —    aber 


fc. 


^)  Heintze,  Beitrag:  zur  Geschichte  der  europäischen  Porzellan- 
fabrikation. Zeitschrift  für  Arc^iitektur  und  Ingenieurwesen  (1878) 
S.  387. 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans?  31 

weil  an  entlegener  Stelle,  viel  zu  wenig  beachtet  und  da- 
her kaum  noch  von  der  Wissenschaft  benutzt  —  ein  früher 
völlig  unbekannter  Bericht  des  18.  Jahrhunderts  über  Böttgers 
alchimistische  Tätigkeit  und  seine  sich  daran  anschliefsenden 
keramischen  Bestrebungen  veröffentlicht  worden,  em  Bericht, 
dessen  Darstellung  innerlich  so  wahr  und  folgerichtig  erscheint, 
dafs  an  seiner  Glaubwürdigkeit  in  der  Hauptsache  nicht  ge- 
zweifelt werden  kann.  Eine  so  logische  Aufeinanderfolge  von 
Tatsachen,  Untersuchungen,  Feststellungen  und  hierauf  sich 
aufbauenden  Weiterbestrebungen  kann  niemals  nachträglich 
zusammenerfunden  werden,  um  für  das  Phänomen  der  endlichen 
Porzellanerfindung  eine  Erklärung  zu  geben.  Hier  mufs  in 
dieser  späteren  Darstellung  ein  älterer  Bericht  oder  eine 
sichere  Tradition  verarbeitet  sein.  In  diesem  Bericht  wird 
nun  aufs  allerdeutlichste  geschildert,  dafs  und  wie  Böttger 
imd  Tschinihausen  von  ihren  eingehenden  alchimistischen  Unter- 
suchungen aus  fast  wie  von  selber  auf  die  Idee  kamen,  auch 
keramische  Versuche  zu  unternehmen,  wie  sie  hierbei  anfangs 
noch  gar  nicht  auf  die  Gewinnung  von  Porzellan  ausgingen, 
wie  aber  dann  ein  zur  Überwindung  gewisser  keramischer 
Schwierigkeiten  neu  eingeführtes  Prinzip  sie  auf  den  Gedanken 
brachte,  auf  Grund  desselben  Prinzips  auch  das  Porzellan 
zu  suchen,  das  dann  auch  tatsächlich  auf  diese  Weise  nach 
vielen  Versuchen  glücklich  gefunden  ward.  Es  ist  hier  nicht 
der  Ort,  die  Darstellung  dieser  Entwickelung  mit  ganzer  Aus- 
führlichkeit vorzuführen.  Es  ist  bereits  vom  glücklichen  Auf- 
finder dieses  Berichtes  unternommen  worden  und  wird  auch 
vom  Verfasser  vorliegender  Untersuchung  an  anderer  Stelle 
versucht  werden.  So  viel  jedoch  mufs  hier  gesagt  werden,  dafs 
dieses  neu  entdeckte  Prinzip  eben  das  oben  angegebene  des 
Porzellans,  d.  h.  das  des  Vermengens  zweier  sich  im  Feuer 
entoeo-engesetzt  verhaltener  Bestandteile  war,  dafs  auf  diese 
Weise  zunäch.st  das  noch  heute  so  sehr  geschätzte  bekannte 
rote  oder  Böttgersteinzeug  gefunden  ward,  das  man  damals 
schon  für  Porzellan  hielt,  und  dafs  dieses  nun  so  glänzend 
bewährte  Prinzip  dann  weiter  entwickelt  und  auf  weifslar- 
bige  Stoffe  systematisch  übertragen,  die  Entdeckung  des  Por- 
zellans herbeiführte,  sobald  den  Suchenden  die  richtigen 
Materialien  in  die  Hände  fielen. 

Dreierlei  ist  bei  diesem  Berichte  für  die  hier  vorliegende 
Frage  von  gröfster  Wichtigkeit:  zunächst  eben,  dafs  man  da- 
mals bei  den  keramischen  Versuchen,  die  zur  Porzellanerfin- 
dung führten,  wieder  ganz  von  vorne  anfing,  weiter  dafs  man 
als  Endziel  anfangs  noch   gar  nicht   die  Erfindung  des   Por- 


22'  E.  Zimmermann: 

zellans  ansah,  endlich  dafs  das  Prinzip,  das  scWiefsUch  zu 
dieser  Ertindung  führte,  erst  jetzt  ganz  neu,  ja  zunächst  nicht 
einmal  im  Hinblick  auf  diese,  gefunden  ward.  Was  ergibt 
sich  aus  diesen  drei  Feststellungen  mit  zwingender  Gewalt? 
Ganz  ohne  Zweifel,  dafs  diese  letzten  keramischen  Ver- 
suche nichts  mit  jenen  früheren,  scheinbar  geglückten 
Tschirnhausens  zu  tun  gehabt  haben,  dafs  sie  nicht  als  eine 
blofse,  nur  noch  glücklichere  Fortsetzung  derselben  zu  gelten 
haben,  sondern  dafs  sie  einen  gänzlich  neuen  Anfang  dar- 
stellen, einen  Anfang,  bei  dem  man  zunächst  betreffs  der  Her- 
stellung des  Porzellans  ebenso  klug  war,  als  wenn  Tschirn- 
hausen sich  früher  niemals  mit  diesem  Problem  beschäftigt, 
ja  niemals  jenen  Stoff  erfunden  hätte,  den  er  damals  für  Por- 
zellan gehalten  und  ausgegeben  hatte.  Für  die  wirkliche 
Porzellanerfindung  sind  demnach  jene  früheren  Versuche 
Tschirnhausens  völlig  bedeutungslos  gewiesen.  Auf  Grund 
dieser  —  das  ist  das  wichtige  Endresultat  dieser  ganzen  bis- 
herigen Feststellungen  —  gebührt  ihm  darum  auch  nicht 
der  geringste  Anteil  an  ihr,  weder  hinsichlich  der  Erkenntnis 
des  Prinzips,  noch  hinsichtlich  seiner  praktischen  Durchführung. 

Was  Tschirnhavisen  früher  erfunden  und  hergestellt  hatte, 
kann  tatsächHch  demnach  nur  eines  jener  Porzellansurrogate 
gewesen  sein,  wie  sie  bisher  alle  vermeintlichen  Porzellan- 
entdecker hergestellt  hatten,  eine  jener  Glasmassen,  die,  weil 
sie  \veifs  und  durchscheinend  waren,  für  Porzellan  gehalten 
wurden.  Diese  Ansicht  ist  auch  bereits  ziemlich  früh  mit 
grofser  Sicherheit  ausgesprochen  worden,  ohne  dafs  man 
freilich  die  Quelle,  aus  der  sie  stammt,  heute  noch  feststellen 
könnte.  Schon  Engelhardt,  der  spätere  bekannte  Biograph 
Böttgers,  hat  in  seiner  Besprechung  Meifsens  in  Merkels  Erd- 
beschreibung Kursachsens  über  Tschimhausens  Porzellane  be- 
richtet: ,, Tschirnhausen  erfand  eine  Art  Porzellan,  wozu  ihn 
wahrscheinlich  die  Glasmacherei  führte,  allein  es  war  mehr 
glas-  als  porzellanartig"  \).  Diese  Angabe  Engelhardts  ist  viel- 
fach wiederholt  worden.  Sie  fand  ihre  Erweiteruns:  durch 
Graesse"-),  der  von  ,, einem  glasartigen  Porzellan,  das  aber 
weder  die  Härte  noch  die  l'euerbeständigkeit  des  chinesischen 
besafs,  also  eine  Art  Milchglas  (verre  de  phosphat  ä  chaux)" 
gesprochen  hat. 

')  Merkel ,  Erdbeschreibuno;  Kursachsens,  bearbeitet  von  Engel- 
hardt V,  (1806)  236. 

')  Graesse,  Beiträge  zur  Geschichte  der  Gefäfsbildnerei,  Por- 
zellanfabrikation (Dresden  1853),  S.  26. 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans?  33 

Für  das  vermeintliche  Gelingen  dieser  Versuche  liegt 
dann  der  Beweis  in  jener  oben  schon  erwähnten  Angabe 
Fontenelles  in  seinem  bei  Tschirnhausens  Tode  vor  der  Pariser 
Academie  des  sciences  vorgelesenen  eloge  de  Tschirnhausen, 
nach  welchem  Tschirnhausen  im  Jahre  1701  während  seines 
vierten  und  letzten  Aufenthaltes  in  Paris  dem  holländischen 
Chemiker  Holmberg  die  Mitteilung  von  seiner  Porzellan- 
erfindung gemacht  hätte.  Aus  diesem  Berichte  geht  klar 
hervor,  dafs  wenigstens  damals  Tschirnhausen  selber  ganz 
fest  an  seine  Erfindung  geglaubt  hat,  es  geht  auch  daraus 
hervor,  dafs  er  schon  damals  das  Porzellan  nicht  mehr  für 
einen  ganz  besonderen,  in  der  Natur  als  fertig  vorkommenden 
Stoff  ansah,  vielmehr,  der  Wirklichkeit  durchaus  entsprechend, 
als  ein  Gemisch  verschiedener  Erden  d.  h.  Stoffe.  ,,0n  a 
cru  jusqu'ici,  que  la  Porcellaine  etait  un  don  particulier,  dont 
la  nature  avait  favorise  les  Chinois,  et  que  la  terre,  dont  eile 
est  faite,  n'etait  que  dans  leurs  pays.  Cela  n'est  pas  ainsi, 
c'est  un  melange  de  quelques  terres,  qui  se  trouvent  com- 
munement  partous  ailleurs,  mais  qu'il  faut  s'aviser  de  mettre 
ensemble."  So  berichtet  Fontenelle  in  seinem  eloge  auf 
Grund  dessen,  was  Tschirnhausen  ganz  allgemein  über  seine 
Erfinduno^  damals  mitoeteilt  zu  haben  scheint.  Tschirnhausen 
trat  mit  dieser  Ansicht  entschieden  über  das  hinaus,  was  da- 
mals noch  ganz  allo-emein  über  die  Natur  des  chinesischen  Por- 
zellans  geglaubt  und  in  vielen  Büchern  weiterverbreitet  wurde. 
Von  einer  besonderen  ,, Porzellanerde"  und  einer  wunderlichen 
Zubereitung  derselben  ist  damals  viel  auf  Grund  phantastischer 
Reiseberichte  über  China  gefaselt  worden.  Er  trat  mit  seiner 
Ansicht  aber  durchaus  nicht  über  die  Anschauungen  der  kerami- 
schen Praktiker  weder  seiner  Zeit  noch  der  vorangegangenen 
hinaus.  Von  allem  Anfange,  d.  h.  von  der  Wende  des  16.  Jahr- 
hunderts an,  als  man  in  Italien  in  der  Zeit  der  Blüte  der 
Majolika  sich  auch  an  das  damals  schon  so  aktuelle  Problem 
des  Porzellans  gemacht  und  Erzeugnisse  zu  Wege  gebracht 
hatte,  die  man,  da  sie  in  mehreren  Punkten  dem  Porzellan 
ähnelten,  auch  fälschlich  für  solches  hielt,  bis  zu  den  gerade 
zu  Tschirnhausens  Zeit  in  Frankreich  wieder  unternommenen 
Versuchen,  die  zuerst  in  Ronen,  dann  in  St.  Cloud  zu  ähn- 
lichen Resultaten  führten,  hat  man  das  Porzellan  durch  das 
Zusammenmischen  aller  möglichen,  in  der  Hauptsache  freilich 
der  Glaserzeuorunp;  entnommenen  Bestandteile  herzustellen 
gesucht.  Was  Tschirnhausen  über  die  Natur  des  Porzellans 
und  die  Art  es  herzustellen  gesagt  hat,  war  also  durchaus 
keine  neue  Entdeckung.     Die  Praxis  kannte  sie  längst.     Diese 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A,    XXVIII.    I.  2.  3 


iA  E.Zimmermann: 

scheinbar  neue  Feststellung  des  Prinzips  des  Porzellans  konnte 
daher  auch  keineswegs  der  Anlafs  zu  seiner  Entdeckung 
werden:  aber  auch  darin  lag  kein  Fortschritt  der  theoretischen 
Erkenntnis,  dafs  Tschirnhausen  behauptete,  dafs  die  Bestand- 
teile des  Porzellans  sich  überall  in  der  Natur  und  nicht  blofs 
in  China,  wie  man  von  der  ,, Porzellanerde"  angenommen, 
vorfänden.  Auch  hierin  waren  wieder  die  Praktiker  der 
Keramik  scheinbar  schon  weiter  gewesen  als  die  Theoretiker: 
sie  hatten  zu  ihren  Surroo-aten  stets  die  Materialien  ihres 
Landes  verwandt,  sich  nicht  etwa  die  Rohstoffe  des  Porzellans, 
wie  es  später  mehrfach  geschehen,  aus  China  kommen  lassen. 
Tschirnhausens  theoretische  Erkenntnis  des  Porzellans  gab 
mithin,  wenigstens  soweit  wir  dies  heute  noch  zu  beurteilen 
vermögen,  der  damaligen  Keramik  keine  neuen  Wege  auf 
ihrer  Suche  nach  dem  Geheimnis  des  Porzellans  an.  Ihr  ist 
daher  auch  zimächst  kein  irgendwie  besonderes  Verdienst  zu- 
zuschreiben. 

Vielleicht  war  Ursache  dieser  Ansicht,  dafs  man  glaubte, 
in  der  damals  noch  im  Japanischen  Palais  zu  Dresden-Neustadt 
aufgestellten  Porzellan-  und  Gefäfssammlung  einige  Proben 
der  Tschirnhausenschen  Kvmst  zu  besitzen.  Schon  Engelhardt 
selber  erwähnt  in  der  angeführten  Merkeischen  Erdbeschrei- 
bung^) bei  Erwähnung  dieser  Sammlung,  dafs  sich  dort  auch 
,, weisses  Porzellan"  befände,  ,,das  lange  vor  Böttcher  der 
bekannte  Baron  von  Tschirnhausen  1630  (!)  aber  freilich  nicht 
so  gut  als  das  Meifsner  fertigte".  Klemm,  der  erste  wissen- 
schaftliche Leiter  dieser  Sammlung,  bezeichnet  dann  diese 
Stücke  genauer.  In  der  ersten  Auflage  des  ersten  Führers 
dieser  Sammlung,  die  im  Jahre  1834  erschien,  wird  auf 
,,6  kleine  Krüge  aus  einer  milchglasartigen  Masse,  welche 
durch  Tschirnhaus  gefertigt  wurden",  hingewiesen,  in  der 
zweiten  Auflage-),  die  sieben  Jahi'e  später  folgte,  ist  dann 
merkwürdiger  Weise  nur  noch  von  zweien  die  Kede.  Worauf 
die  Bestimmung  dieser  Krüge  als  Tschirnhausensche  beruht, 
ist  freilich  nirgends  ersichtlicli.  In  den  alten  Inventaren  der 
Sammlung,  die  noch  aus  dem  18.  Jahrhundert  stammen,  das 
erste  sogar  noch  aus  dem  Jahre  1721,  hnden  sich  derartige 
Erzeugnisse  nicht  angeführt.  Allzu  grofses  Vertrauen  kann 
man  daher  diesen  Bestimmungen  nicht  entgegenbringen,  zumal 
damals  ja  nicht  einmal  ihre  Zahl  feststand.  Ebensowenig 
läfst  sich  noch   heute  mit  voller  Sicherheit   die  Anwesenheit 


')  Merkel  a.  a.  ü.  V,  29. 

-)  Klemm,  Die  kgl.  sächs.  Porzellansammlung  (1843). 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans?  3^ 

dieser  Krüge  in  der  Porzellansammlung  nachweisen.  Aller 
Wahrscheinlichkeit  nach  sind  jedoch  mit  diesen  einige  kleinere, 
seltsame  Henkelkrüge  gemeint  gewesen,  die  sich  in  der  Tat 
in  jeder  Beziehung  als  Versuchsstücke  ausnehmen-').  Ihre 
Mache  ist  noch  sehr  unbehilflich,  sie  sind  sämtlich  verschieden 
ausgefallen ,  sowohl  hinsichtlich  der  Farbe  wie  der  Glasur. 
Vor  allem  aber,  es  sind  ganz  unverkennbar  Fritten-  und  Weich- 
porzellane, auf  keinen  Fall  Erzeugnisse  aus  echtem  Porzellan, 
kurz,  handelt  es  sich  hier  wirklich  um  Tschirnhausensche 
Erzeugnisse,  dann  sind  sie  in  keiner  Weise  ein  Zeugnis  dafür, 
dafs  Tschirnhausen  das  echte  Porzellan  erfunden  hat,  dann 
beweisen  sie  vielmehr  gleichfalls  mit  Sicherheit,  dafs  er,  als 
er  um  die  Wende  des  17.  Jahrhunderts  seine  Porzellan- 
krügelchen machte,  sich  hinsichtlich  der  Porzellanerfindung 
noch  völlig  auf  einem  Abw^eg  befand. 

Doch  mag  auch  jenes  erste  ,, Porzellan"  Tschirnhausens 
kein  wirkliches  gewesen  sein,  kann  es  als  gänzlich  aus- 
geschlossen gelten,  dafs  Tschirnhausen  durch  dieses  Böttger 
den  Ruhm  der  Porzellanerfindung  je  wird  streitig  machen 
können,  so  scheint  doch  durch  jenen  oben  besprochenen 
Bericht  des  Meifsner  Manuskripts,  in  dem  uns  in  so  über- 
zeugender Weise  der  ganze  Gang  der  endlichen  Erfindung  des 
Porzellans  geschildert  wird,  die  Möglichkeit  gegeben  zu  sein, 
Tschirnhausen  mit  dieser  Porzellanerfindung  enger  in  Ver- 
bindung zu  setzen,  ja  ihn  vielleicht  trotz  alledem  zum  Erfinder 
des  Porzellans  zu  machen.  Ausdrücklich  bezeichnet  dieses 
Manuskript  die  Arbeiten  Böttgers  und  Tschirnhausens,  die  zu 
dieser  Erfindung  führten,  als  gemeinsame  oder  w^enigstens  zur 
gleichen  Zeit  gemachte.  Nirgends  erlischt  hierbei  die  Tätig- 
keit Tschirnhausens,  an  keiner  Stelle  tritt  der  Tod  dieses 
Mannes  dazwischen,  der  nach  der  landläufigen,  auch  von  mir 
in  meinem  ersten  Aufsatze  an  dieser  Stelle  vertretenen  Ansicht 
der  endlichen  Erfindung  des  Porzellans  vorangegangen  ist. 
Kann  da  nicht  Tschirnhausen  bei  diesem  zweiten  Suchen  nach 
dem  Porzellan  am  Ende  seines  Lebens  noch  der  Erfinder  des 
echten  Porzellans  greworden  sein? 

Zunächst  könnte  darauf  hingewiesen  werden,  dafs  diese 
Darstellung  hinsichtlich  dieses  Punktes  durchaus  im  Wider- 
spruch steht  zu  anderen  Nachrichten,  ja  Dokumenten,  die 
diese  Erfindung  erst  im  Jahre  1709  erfolgen  lassen,  also  nach 
dem  Tode  Tschirnhausens.  Diese  Dokumente,  die  ich  in 
meinem   ersten  Aufsatz   an   dieser  Stelle,    dem   über  das  Jahr 


')  Sie  sind  zur  Zeit  ausgestellt  im  Pult  67  A. 


3* 


^6  E.  Zimmermann: 

der  Erfindung  des  Porzellans,  bereits  angeführt  habe,  auf  die 
ich  daher  hier  nur  zu  verweisen  brauche,  gehören  der  un- 
mittelbaren Zeit  dieser  Vorgänge  an,  sie  entstammen  aucli 
ihrer  nächsten  Umgebung  und  können  daher  als  mindestens 
ebenso  glaubwürdig  gelten  wie  jener  Meifsner  Bericht,  ja 
eigentlich  als  noch  glaubwürdiger,  da  dieser  einer  späteren 
Zeit  anzugehören  scheint.  Ein  teilweiser  Irrtum,  der  sich  auf 
eine  teilweise  Unrichtigkeit  der  Tradition  stützt,  erscheint  da- 
her durchaus  nicht  ausgeschlossen.  Er  kann  sich  aber  gar  wohl 
auf  die  Angabe  der  Personen,  die  bei  der  Erfindung  beteiligt 
waren,  beziehen,  da  dieser  Bericht  ganz  ersichtlich  durchaus 
nicht  eine  historische  Darstellung  der  Erfindung  bieten 
soll,  sondern  in  allererster  Linie  der  Methode  derselben.  Die 
Personen,  die  sie  durchgeführt  haben,  die  Zeit,  in  der  sie  er- 
folgt ist,  erscheinen  hierbei  ganz  gleichgültig:  eine  zeitliche 
Angabe  findet  sich  nirgends,  auch  Böttger  und  Tschirnhausen 
werden  nur  einmal  ganz  am  Anfang  mit  Namen  genannt. 
Hernach  wird  die  ganze  Darstellung  der  Arbeit  ganz  gleich- 
mäfsig  in  der  dritten  Person  Pluralis  durchgeführt.  So  kommt 
es,  dafs  auch  die  Erfindung  des  Porzellans  zum  Schlufs  als  eine 
gemeinsame  erscheint.  ,,Auf  diese  Art  sind  sie  auch  zu  dem 
w-eisen  Porcellaine  gelanget."  Mit  dieser  Wendung  schliefst 
diese  Darstellung,  ohne  dafs  jedoch  irgendwo  ein  besonderes 
Gewicht  auf  diese  Gemeinsamkeit  der  Arbeit  gelegt  oder  die 
endliche  Erfindung  als  eine  gemeinsame  betont  worden  wäre. 
Kann  es  da  nicht  möglich  sein,  dafs  hier  die  Erwähnung  des 
Todes  des  einen  Teilnehmers   einfach  vergessen  worden  i.st? 

Doch  diese  Frage  ist  an  sich  für  die  hier  vorgenommene 
Untersuchung  ziemlich  belanglos.  Gesetzt,  selbst  der  Verfasser 
hätte  sich  geirrt,  hätte  zu  Unrecht  die  endliche  Erfindung  des 
Porzellans  als  eine  gemeinsame  hingestellt,  es  ist  dann  noch 
immer  Raum  genug  vorhanden  für  die  Vermutung,  dafs  die 
gemeinsame  Arbeit  beider  wenigstens  noch  zur  Entdeckung 
des  Prinzips  des  Porzellans  geführt  hat,  damit  zu  jener  Tat, 
die  doch  wohl  als  die  wichtigste,  die  eigentlich  bahnbrechende 
innerhalb  der  Porzellanerfindung  zu  gelten  hat.  Dann  aber 
wäre  die  Möglichkeit  gegeben,  Tschirnhausen  als  wenigstens 
immer  noch  teilweisen  Erfinder  des  Porzellans  anzusehen. 

Da  aber  erhebt  sich  die  für  diese  ganze  Untersuchung 
ungemein  wichtige,  aber  bisher  noch  von  keiner  Seite  in 
Betracht  gezogene  Frage:  wenn  beide  Männer,  Tschirnhausen 
wie  Böttger,  in  gleicher  Weise  für  die  Erfindung  des  Por- 
zellans in  Frage  kommen,  mufs  da  unbedingt  Böttger  hinter 
Tschirnhausen   zurücktreten,   kann   da  Böttger  allein   als   der 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans? 


37 


nehmende,  Tschirnhausen  dagegen  nur  als  der  gebende  Teil 
aufgefafst  werden?  Mit  anderen  Worten:  ist  man  dann  irgend- 
wie berechtigt  oder  gezwungen,  ohne  das  geringste  Zögern 
Tschirnhausen  als  den  alleinigen  Erfinder  zu  betrachten,  Böttger 
nur  als  seinen  Handlanger,  der  nichts  als  der  Ausführer  seiner 
Erfindung  nach  seinem  frühen  Tode  wurde?  Diese  Frage 
hängt  eng  mit  der  nach  der  Persönlichkeit  Böttgers  zusammen, 
mit  der  Frage:  war  Böttger  ein  Charlatan  oder  ein  Gelehrter, 
war  er  nur  ein  ,, hergelaufener''  Apothekerlehrling  und  aber- 
gläubischer Alchimist  oder  ein  ausgebildeter  Apotheker  und 
wissenschaftlicher  Vertreter  der  Chemie,  wenigstens  nach  den 
damaligen  Begriffen?  Diese  Frage  ganz  zu  beantworten,  ein 
volles  abgerundetes  Bild  dieser  seltsamen  Persönlichkeit  zu 
geben,  ist  an  dieser  Stelle  nicht  möglich,  es  soll  bei  anderer 
Gelegenheit  nachgeholt  werden.  Nur  soviel  kann  auch  hier, 
wie  in  meinem  ersten  Aufsatze  an  dieser  Stelle,  gesagt  werden, 
dafs  Böttger  zu  seinen  Lebzeiten,  obwohl  die  bedeutendsten 
Leute,  darunter  Gelehrte  und  Praktiker,  wie  Tschirnhausen 
selber,  mit  ihm  in  die  innigste  Berührung  kamen,  ja  zum  Teil 
seine  Arbeiten  sorgfältig  beaufsichtigten,  ohne  Unterbrechung 
das  denkbar  gröfste  Ansehen  genofs,  dafs  sich,  soweit  bekannt, 
nicht  eine  einzige  ernsthafte  Stimme  aus  dieser  Zeit  findet, 
die  seine  Begabung  anzweifelt.  Erstaunliches  Lob  hat  ihm 
Steinbrück  in  dem  erwähnten  Manuskript  der  Porzellansamm- 
lung gespendet:  es  ist  die  Schilderung  eines  wirklichen  Genies, 
die  hier  vor  den  Ohren  des  König-s  erfolgt.  Steinbrück 
nennt  ihn  geradezu  einen  ,, Erfinder",  einen  inventor  rerum, 
,,wie  deren  in  loo  Jahren  kaum  einer  vorkäme".  Als  solcher, 
ist  er  dann  auch  sein  ganzes  Leben  lang  behandelt  worden. 
Derselbe  Steinbrück  spricht  dann  aber  weiter  auch  von 
dem  geistigen  \^erhältnis  zwischen  Böttger  und  Tschirnhausen. 
Wir  erfahren '^),  dafs  Tschirnhausen,  der  in  keiner  Weise  an 
die  Alchimie  und  ihre  Lehren  geglaubt  hatte,  durch  Böttger 
teilweise  für  dieselbe  gewonnen  wurde,  er  erwähnt  weiter 
das  Erstaunen  Tschirnhausens,  ,,mit  was  vor  Fähigkeiten 
Herr  von  Böttger  die  Mathematica,  so  Er  ihm  gezeiget,  be- 
griffen und  \\'ie  geschwind  Er  darinnen  fortgegangen".  Dieses 
Ansehen  ist  Böttger  durch  das  ganze  1 8.  Jahrhundert  bewahrt 
geblieben.  So  weit  mir  bekannt,  hat  während  dieser  ganzen 
Zeit  niemand  auch  nur  im  geringsten  Böttger  als  Intelligenz 
anzuzweifeln  gewagt.  Erst  dem  Beginn  des  19.  Jahrhunderts 
ist  diese  neue  Anschauung  vorbehalten  geblieben.     Die  damals 

1)  a.  a.  O.  S.  19. 


2  8  E.  Zinimetmann: 

im  Gefolge  des  Aufblühens  der  Naturwissenschaft  allgemein 
anhebende  Verachtmig  der  Alchimie  und  ihrer  Vertreter  traf 
auch  Böttger  mit  der  vollen  Wucht  ihrer  Überzeugung,  machte 
ihn  zum  Aufschneider  und  Windbeutel,  zum  Glückspilz,  ja  sogar 
zum  Betrüger,  der  sich  in  keiner  Weise  gescheut  haben  sollte, 
sich  mit  fremden  Federn  zu  schmücken.  Sind  wir  aber  wirklich 
zu  solcher  Umänderung  des  Urteils  über  diese  Persönlichkeit 
post  festum  berechtigt?  Fliefsen  uns  heute  wirklich  in  dieser 
Frage  die  Quellen  reichlicher  als  den  Zeitgenossen  und  ihren 
nächsten  Generationen?  Ich  glaube,  man  darf  mit  Bestimmt- 
heit behaupten,  Böttgers  geistige  Befähigung  ist  durch  das 
Zeugnis  und  Verhalten  seiner  Zeitgenossen  ihm  gegenüber  so 
aufser  allen  Zweifel  gestellt,  dafs  man  in  dieser  Beziehung 
nicht  die  geringste  Veranlassung  haben  dürfte,  ihm  die  Er- 
findung des  Porzellans  abzusprechen  und  ihn  hinter  Tschirn- 
hausen zui'ückstehen  zu  lassen,  l^lofs  weil  dieser  ein  zünftiger 
Gelehrter  war. 

Aber  es  scheint  auch  Gründe  zu  o-eben,  die  Böttoer  in 
dieser  Beziehung  Tschirnhausen  gegenüber  sogar  überlegen 
sein  lassen.  Zunächst  noch  einmal  die  Frage:  wie  war  der 
ganze  Gang  der  Porzellanerfindung  gewesen?  Tschirnhausen 
hatte  sich  lange  Zeit  vor  dem  Erscheinen  Böttgers  in  Dresden 
mit  der  Erfindung  des  Porzellans  abgequält.  Er  war  zu 
einem  Erfolg  gelangt,  der  sich  später  als  Mifserfolg  heraus- 
stellte. Da  kommt  Böttger  hinzu,  die  Arbeit  wird  noch  ein- 
mal ganz  von  vorne  begonnen,  von  einem  Ausgangspunkt 
aus,  der  zunächst  ausschliefslich  aus  den  Bestrebungen  Böttgers 
hervorging,  und  nun  auf  einmal  gelingt  die  Erfindung,  gelingt 
sie  wirklich:  das  Prinzip  des  echten  Porzellans  wird  wirklich 
erkannt,  das  echte  Porzellan  wirklich  hergestellt.  Für  wen 
ist  da  die  Wahrscheinlichkeit  gröfser  als  Erfinder?  Für  Tschirn- 
hausen, der,  so  lange  er  allein  arbeitete,  mit  diesem  Problem 
nicht  zustande  gekommen  war,  oder  für  den  Neuankömmling, 
während  dessen  Mitarbeiterschaft  die  grofse  Erfindung  end- 
lieh  gelingt?  Auf  diese  Frage  bedarf  es  wohl  kaum  einer 
Antwort. 

Doch  Steinbrück  scheint  in  seiner  kurzen  Darstellun«!'  der 
Erfindung  des  Porzellans  direkt  anzudeuten,  dafs  Tschirn- 
hausen und  Böttger  hinsichtlich  der  Methode  des  Suchens 
nach  dem  Porzellan  ganz  verschiedener  Meinung  waren  ^)  und 


^)  Auch  Enpjelhardt  in  seiner  Biographie  Böttgers  S.  190  führt 
einen  Punkt  an,  wo  Bi'ittger  und  Tschirnhausen  über  einen  wissen- 
schaftUchen  Punkt  verschiedener  Meinung  waren. 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meilsner  Porzellans?  30 

dafs  Böttgers  Ansicht  schliefslich  siegte.  Tschirnhausen,  so 
berichtet  er^),  glaubte,  das  Geheimnis  des  Porzellans  mittelst 
Schmelzens  finden  zu  können,  ,,wie  er  denn  unter  anderem 
sein  porcellan  (d.  h.  sein  erstes,  fälschlich  als  „Porzellan" 
ausgegebenes  Produkt)  dadurch  erfunden".  ,,Hier  wieder  hat 
zwar  Herr  von  Böttger  obstat  gehalten  und  behauptet,  dafs 
die  Brennspiegel  durch  ihr  Schmelzen  eine  Sache  nicht  in 
ihrem  Esse  liefsen,  sondern  destruierten  und  endlich  ein  neues 
Produktum  hervorbrächten."  Tatsächlich  hat  ja  auch  Tschirn- 
hausen, wie  früher  erwähnt,  Porzellanschmelzversuche  unter- 
nommen. Niemandem  aber  kann  heute  zweifelhaft  sein,  dafs  da- 
mals Böttger  den  fortgeschritteneren  Standpunkt  einnahm,  mit- 
hin in  dieser  für  die  Porzellanentdeckung  so  wichtioen  Sache 
Tschirnhausen  überlegen  war,  ja  dafs  er  hier  eine  Methode 
ausschlug,  die  ihn  wahrscheinlich  ebensowenig  wie  früher 
Tschirnhausen  zu  wirklicher  Porzellanerfinduno-  oeführt  hätte. 
Denn,  wenn  Steinbrück  auch  hinzufügt,  dafs  Böttger  ,, nichts 
desto  weniger  sich  eines  solchen  Spiegels  bediente",  so  kann 
dies  gar  wohl  zum  Schmelzen  und  Untersuchen  der  Einzel- 
stoffe geschehen  sein.  Steinbrück  selber  läfst  es  zw^eifelhaft, 
ob  Böttger  ,, durch  diesen  oder  einen  anderen  chimischen  Weg" 
das  Porzellan  gefunden  hat.  Dann  aber  nennt  Steinbrück-)  an 
anderer  Stelle  Böttger  geradezu  ,, einen  besseren  Chemiker  als 
Tschirnhausen",  der  eben  in  erster  Linie  Physiker  und  Mathe- 
matiker war. 

Tschirnhausens  und  Böttgers  keramische  Arbeit  dürfte 
überhau])t  im  allgemeinen  bisher  als  eine  zu  gemeinsame  auf- 
gefafst  worden  sein.  Zunächst  steht  fest,  dafs  jeder  von  beiden 
in  Dresden  sein  eigenes  Laboratorium  hatte,  da  in  einem  Be- 
soldungsreglement vom  12.  Januar  1708  ,,für  das  von  Böttger 
(also  nicht  auch  von  Tschirnhausen!)  angenommene  Personale" 
Arbeiter  sowohl  für  Böttgers  ,, Laboratorium  auf  der  Vestung" 
wie  für  das  ,, Laboratorium  by  dem  Tzschirnhaus"  angeführt 
werden'^).  Böttger  hat  damals  auch  doppelt  soviel  Arbeiter 
zur  Verfügung  gehabt  wie  Tschirnhausen.  Auch  erscheint 
hier  Tschirnhausen  unter  den  Leuten,  die  damals  wie  der 
Kammerrat  Michael  Nehmitz  und  der  Leibmedikus  Bartelmei 
Böttger  nur  zur  Beaufsichtigung  seiner  Arbeiten  beigegeben 
waren;  Tschirnhausen,  der  vermeintliche  Mitarbeiter  Böttgers, 
erhält  sogar  bedeutend  weniger  Besoldung  als  der  Kammerrat 


^)  Steinbrück  a.  a.  O.  S.  26. 
-)  Steinbrück  a.  a.  O.  S.  47. 
^)  Engelhardt  a.  a.  O.  S.  260. 


40 


E,  Zimmermann : 


Nehmitz.  Schon  auf  Grund  dieses  Aktenstückes  ist  es  fast 
unmöglich,  Tschirnhausen  wirklich  als  einen  gleichwertigen 
Mitarbeiter  Böttgers  anzusehen.  Doch  die  folp-enden  Akten 
der  Zeit  wissen  dann  überhaupt  noch  kaum  etwas  von  Tschim- 
hausens  Tätigkeit  auf  diesem  Gebiet  zu  berichten.  Kaum  iindet 
sich  in  ihnen  noch  einmal  der  Name  Tschirnhausen.  Nicht 
einmal  bei  den  wichtigsten  Handlungen,  wie  z.  B.  den  Eides- 
ablegungen  der  in  die  Geheimnisse  der  Arbeiten  Einzuweihen- 
den, ist  Tschirnhausen  weder  als  Mitarbeiter  noch  als  Beauf- 
sichtigrer  Bötto^ers  als  anwesend  bezeichnet.  Die  auf  dem 
Dresdner  Hauptstaatsarchiv  befindlichen,  auf  die  keramischen 
Bestrebungen  dieser  Zeit  bezüglichen  Akten  drehen  sich  über- 
haupt sämtlich  um  Böttger  als  den  geistigen  Mittelpunkt  der- 
selben. Von  ihm  erwartet  man  die  Lösung  des  Problems,  die 
Ausführung  aller  Arbeiten.  Es  ist  undenkbar,  dafs,  wenn 
Tschirnhausen  damals  anhaltender  mit  Böttger  gemeinsam 
gearbeitet  und  wirklich  ernsthaft  nach  den  gleichen  Zielen 
gestrebt  hätte,  sein  Name  nicht  häufiger  in  diesen  Akten  er- 
wähnt worden  wäre.  Kurz,  aus  den  Dokumenten  der  unmittel- 
baren Zeit  oreht  nirgends  eine  o-emeinsame  Tätiokeit  Bötto;ers, 
wie  sie  das  Meifsner  Manuskript  scheinbar  schildert,  hervor. 
Doch  es  gibt  ja  noch  einen  und  keinen  ganz  wertlosen 
Bericht  aus  dieser  Zeit,  der  unumwunden  von  einer  schein- 
bar völlig  gelungenen  Porzellanerfindung  Tschimhausens 
spricht,  den  man  in  Anbetracht,  dafs  er  gerade  am  Anfang 
des  Jahres  1709  erschienen  ist,  wenn  man  will,  gar  wohl  mit 
der  letzten  und  wirklichen  Porzellanerfindung  in  Verbindung 
bringen  kann.  Es  ist  das  bereits  oben')  genannte,  in  den 
Acta  eruditorum  erschienene  Elogium  Tschirnhausens,  in  dem, 
um  es  noch  einmal  zu  sagen,  berichtet  wird,  dafs  Tschirn- 
hausen eine  Masse  erfunden  hätte,  aus  der  Porzellangefäfse 
hätten  hergestellt  werden  können,  die  den  chinesischen  gleich- 
kämen. Von  welcher  Porzellanerfindung  ist  hier  die  Rede? 
Von  der  ersten  vermeintlichen  Tschirnhausens  aus  dem  Ende 
des  17.  Jahrhunderts  oder  der  sich  gerade  damals  vollziehen- 
den? Ja  sie  kann  sich  zur  Not  sogar  auch  auf  die  der  Porzellan- 
erfindung vorangehenden  Herstellung  jenes  schönen  roten 
„Böttger -Steinzeugs"  beziehen,  das  man  damals  ganz  all- 
gemein und  noch  für  lange  Zeit  für  Porzellan  ansah.  Diese 
dreifache  Beziehungsmöglichkeit  der  viel  benutzten  Stelle 
zeigt  zur  Genüge,  dafs  sie  schwerlich  berufen  ist,  Klarheit 
in    die    hier    in    Untersuchung    stehende    Frage    zu    bringen. 

')  Vgl.  S.  23. 


Wer  war  der  Er  linder  des  Meifsner  Porzellans?  41 

Stellt  sie  doch  aufserdem  noch  allem  Anscheine  nach  eine 
starke  Übertreibung  dar,  eine  von  jenen,  die  man  freilich  in 
Elogien  nicht  gerade  übel  zu  nehmen  pflegt,  da  die  Tatsache 
doch  sicher  feststeht,  dafs  es  damals,  d.  h.  im  Anfang  des 
18.  Jahrhunderts,  durch  keine  der  eben  genannten  Erfin- 
dungen möglich  war  Erzeugnisse  herzustellen,  die  denen  aus 
chinesischem  Porzellane  gleichkamen,  am  wenigsten  durch 
die  des  echten  Porzellans,  deren  Erzeugnisse  nachweislich, 
als  Böttger  im  April  dieses  Jahres  die  Porzellanerfindung 
zum  ersten  Male  durch  eine  Kommission  prüfen  liefs,  noch 
so  unbefriedigend  erschienen,  dafs  diese  Kommission  es  noch 
nicht  einmal  für  nötig  hielt,  über  diese  Erfindung,  wie  sie  es 
hätte  tun  sollen,  an  den  König  zu  berichten^).  Am  wahr- 
scheinhchsten  ist  wohl,  dafs  an  dieser  Stelle  des  Elogiums 
Tschirnhausens  erste  ,, Porzellanerfindung"  gemeint  ist,  die- 
jenige, deren  Verfehltheit  Tschirnhausen  später  selber  einge- 
sehen haben  mufs.  Dafür  scheint  auch  schon  die  Unbestimmt- 
heit des  Ausdrucks  dieser  Stelle  zu  sprechen:  es  wird  durch 
dieselbe  keineswegs  erzählt,  dafs  Tschirnhausen  das  Porzellan 
erfunden  hat,  sondern  nur  eine  Masse,  aus  der  vasa  porzellana 
hergestellt  werden  konnten,  d.  h.  Porzellan-  oder  auch  nur 
porzellanartige  Gefäfse,  Diese  Gewundenheit  des  Ausdrucks 
kann  ein  Zufall  sein,  doch  auch  die  Folge  des  Bewufstseins, 
dafs  die  Masse,  die  Tschirnhausen  allein  erfand,  nicht  das 
echte  Porzellan  war,  sondern  nur  ein  verwandter  Stoff.  Man 
kann  ein  Surrogat  des  Porzellans  kaum  besser  in  Kürze  be- 
schreiben, als  es  hier  geschehen  ist. 

Doch  einerlei,  welche  der  keramischen  Erfindungen  dieser 
Zeit  mit  dieser  Stelle  der  Acta  eruditorum  gemeint  sein  kann, 
auf  alle  J^älle  führt  sie  zu  einer  Erwägung,  die  den  bisherigen 
Resultaten  dieser  ganzen  Untersuchung  noch  einen  ganz  be- 
sonderen Nachdruck  zu  creben  vermao-.  Hier  haben  wir  aus 
der  unmittelbaren  Zeit  der  Erfindung  des  Porzellans  eine  Be- 
hauptung von  angesehenster,  viel  beachteter  Stelle,  nach  der 
Tschirnhausen  durchaus  als  Porzellanerfinder  erscheinen  könnte; 
diese  Stelle  ist  sicher  von  allen,  die  Böttger  damals  nahe 
standen,  gelesen  worden,  da  diese  sich  ganz  ohne  allen  Zweifel 
auch  für  das  Leben  dieses  Mannes,  der  in  Böttgers  Umgebung 
eine  so  grofse  Rolle  gespielt  hatte,  interessieren  mufsten.  Sie 
werden  sogar  die  erste  Lebensdarstellung  dieses  so  bedeutenden 
einflufsreichen  Mannes  und  allbekannten  Einwohners  Dresdens 
mit  ganz  besonderem  Interesse  verschlungen  haben.     Dennoch 


')  Vgl.  meinen  ersten  Aufsatz  im  Bd.  XXVII  dieser  Zeitschrift. 


42  E.  Zimmermann: 

galt  allen  diesen  Leuten,  der  ganzen  näheren  Umgebung 
Böttgers,  dem  Könige  selbst  Böttger  sein  ganzes  Leben 
hindurch  als  der  alleinige  völlig  unbestrittene  Erfinder  des 
Porzellans.  Niemand  von  jenen,  die  gegen  Böttger,  den 
jungen  seltsamen  Mann  aus  der  Fremde,  ob  seiner  ständigen 
alchimistischen  Blamage  mifstrauisch  geworden  oder  ihm  auch 
aus  anderen  Gründen  nicht  freundlich  gesinnt  waren,  dachte 
jemals  daran,  allein  schon  auf  Grund  dieser  Stelle  der  Acta 
eruditorum  Böttger  die  Porzellanerfindung  abzusprechen.  Sie 
beliefsen  stillschweigend  dem  Fremdling  diesen  Ruhm,  obwohl 
hier  scheinbar  einer  der  angesehensten  Gelehrten  der  Zeit, 
ja  sogar  ein  einheimischer,  den  alle  kannten,  zu  dem  viele 
von  ihnen  die  intimsten  Beziehungen  gehabt  hatten,  seiner- 
seits  Anspruch  darauf  zu  erheben  schien;  sie  beliefsen  ihm 
diesen  Ruhm,  obwohl,  wenn  spätere  Generationen  es  noch 
nachträglich  herausfinden  zu  können  glaubten,  dafs  Tschirn- 
hausen der  Erfinder  des  europäischen  Porzellans  war,  es 
sicherlich  damals  auch  Menschen  gegeben  haben  müfste  ■ — 
und  zwar  in  der  allernächsten  Umgebung  Böttgers  und  Tschirn- 
hausens selber  — ,  die  in  dieser  Angelegenheit  den  wahren 
Sachverhalt  kannten  und  ihm  zu  seinem  vollen  Rechte  hätten 
verhelfen  müssen^).  Wahrlich,  wenn  irgend  etwas  gegen  das 
Erfindertum  Tschirnhausens  und  für  das  Böttgers  spricht, 
dann  ist  es  das  Nichtbeachten  dieser  Stelle  zugleich  mit  der 
allgemeinen  Anerkennung  des  Erfindertums  Böttgers  seitens 
seiner  eigenen  Zeit!  Es  ist  einfach  undenkbar,  dafs  hier  in 
diesem  festen  Glauben  einer  ganzen  Zeit  eine  völlige  Selbst- 
täuschung vorliegen  kann,  eine  Täuschung,  die  auf  so  un- 
sicheren Füfsen  stand,  dafs  spätere  Zeiten  sich  mit  leichter 
Mühe  ihr  noch  entziehen  konnten. 


Wie  aber  verhalten  sich  gegenüber  diesen  Feststellungen, 
die  Tschirnhausens  Ansprüche  auf  die  Erfindung  des  echten 
Porzellans  in  das  richtige  Licht  haben  setzen  sollen,  jene 
oben  angeführten  Behauptungen,  die  der  Ausgangspunkt 
dieser  ganzen  Untersuchung  geworden  sind?    Sind  die  Gründe, 


')  ^'or  allem  hätte  man  doch  erwarten  können,  dafs  Holmberg, 
dem  Tschirnhausen  1701  in  Paris  das  C Geheimnis  seiner  Porzellan- 
erfindung unter  dem  Versprechen,  es  bis  zu  seinem  Tode  zu  be- 
wahren, anvertraut  hatte,  da  er  Tschirnhausen  lange  überlebte,  sich 
veranlafst  gesehen  hätte,  den  Sachverhalt  zu  Gunsten  seines  ver- 
storbenen Freundes  richtig  zu  stellen. 


Wer  war  der  Erlinder  des  Meilsner  Porzellans?  43 

die  sie  dazu  führten,  Tschirnhausen  zum  Erfinder  des  Porzellans 
zu  proklamieren,  wirklich  Tatsachen  und  Beweise,  oder  sind 
sie  die  Folge  mangelhafter  ünterrichtung,  von  Irrtümern 
und  Mifsverständnissen,  die  neue  Irrtümer  und  Mifsverständ- 
nisse  im  Gefolge  gehabt  haben? 

Zunächst,  wie  verhält  es  sich  mit  der  Behauptung  des 
damahgen  Sekretärs  Bussius,  der  noch  im  letzten  Lebensjahre 
Böttgers  die  Behauptung  aufstellte,  dafs  diesem  durch  Stein- 
brück die  oresamte  Wissenschaft  Tschirnhausens  nach  dessen 
Tode  zugetragen  worden  sei,  darunter  auch  das  Geheimnis 
des  echten  Porzellans?  Woher  weifs  Bussius  diese  Tatsachen, 
die  er  hier  ganz  ohne  Beweise  gibt,  woher  war  er,  der  nur 
ein  Beamter  der  Manufakturkommission  war,  klüger  als  alle 
jene  anderen  Herren,  die  mit  dem  ganzen  inneren  Getriebe 
dieser  Angelegenheit  aufs  engste  und  von  Anfang  an  in  Be- 
rührung gekommen  waren?  Schätzen  wir  diese  Behauptmig 
Bussius'  nicht  höher  ein,  als  sie  eingeschätzt  zu  werden  ver- 
dient, als  schriftUch  fixierten  Fabrikklatsch,  den  es  zu  allen 
Zeiten  in  solchen  Anstalten  gegeben  hat,  entstanden  zu  einer 
Zeit,  da  bei  der  sichtbaren  Abnahme  der  Lebenskräfte  Böttgers 
alles  in  der  Manufaktur  drunter  und  drüber  ging,  Parteien 
entstanden,  die  sich  gegenseitig  nichts  Gutes  wünschten, 
nichts  Gutes  übereinander  redeten.  Als  solchen,  als  Fabrik- 
klatsch, scheint  auch  die  Mitwelt  diese  Behauptungen  Bussius' 
aufgefafst  zu  haben.  Es  ist  ihnen  ja  damals,  wie  erwähnt, 
nicht  die  geringste  Folge  gegeben  worden,  der  Glaube  an 
Böttger,  als  den  Erfinder  des  Porzellans,  in  den  Kreisen,  denen 
sie  zu  Ohren  gekommen,  nicht  im  geringsten  erschüttert  wor- 
den. Soll  daher  diese  völlig  beweislose  Behauptung  eines 
einzelnen  Marmes  für  unsere  Zeit  beweiskräftiger  sein,  als 
sie  es  für  die  eigene  Zeit,  die,  wie  schon  oben  gesagt,  ihre 
eigenen  Vorgänge  doch  noch  ganz  anders  kontrollieren  konnte, 
gewesen  ist,  soll  sie  für  uns  beweiskräftiger  sein  als  der  ganze 
übrige  feste  Glauben  einer  Zeit,  der  Glaube  von  Menschen, 
die  die  Verhältnisse  dieser  Zeit  viel  besser  kannten  und  kennen 
mufsten,  als  jener  einzelne,  der  doch  in  einem  ganz  anderen 
Abstand  von  ihnen  stand  als  jene.  Über  das  Zeugnis  dieses 
Mannes  kann  man  daher  wohl  zur  Tagesordnung  übergehen. 

Wie  verhält  es  sich  aber  weiter  mit  jenen  Angriffen  und 
Behauptungen,  die  Böttger  nach  seinem  Tode  die  Ehre  seiner 
Erfindung  streitig  machen  wollten,  beginnend  mit  den  Be- 
hauptungen der  Lebensbeschreibung  Tschirnhausens  im  Säch- 
sischen Curiositäten-Cabinet  und  endigend  mit  denen  der  aller- 
letzten  Jahre?      Wodurch    erklärt    sich   jenes    merkwürdige 


44 


E.  Zimmermann: 


Schwanken  in  dieser  Frage,  das  so  ziemlich  das  ganze  i8.  Jahr- 
hundert anhält?  Ich  glaube,  es  genügt  schon  auf  eine  ein- 
zige Quelle,  einen  einzigen  Ursprung  hinzuweisen,  um  für 
alle  diese  seltsamen  Widersprüche  gegen  die  eben  versuchten 
Feststellungen  den  Ausgangspunkt  zu  finden.  Es  ist  die 
mangelnde  Kenntnis  des  i8.  Jahrhunderts  hinsichtlich  des  Por- 
zellans selber  gewesen,  der  Mifsbrauch,  der  mit  dieser  Be- 
zeichnung damals  getrieben  ward,  dann  schliefslich,  dafs  in 
unserem  Jahrhundert  die  Tatsache  dieses  damaligen  allge- 
meinen Mifsbrauches  nicht  genügend  bekannt  gewesen,  nicht 
genügend  beachtet  ward  und  darum  zu  ganz  falschen  Folge- 
rungen und  Behauptungen  Anlafs  geben  mufste.  Ich  habe  auf 
diese  Sache  bereits  in  meinem  ersten  Aufsatz  an  dieser  Stelle 
mit  allem  Nachdruck  hingewiesen.  Hier  sei  noch  einmal  mit 
demselben  Nachdruck  wiederholt,  dafs,  wer  heutzutage  es 
unternehmen  will,  über  die  Geschichte  der  Keramik  vom 
15.  Jahrhundert  an  im  allgemeinen  und  über  die  des  Porzellans 
im  besonderen  zu  schreiben,  sich  vorher  darüber  völlig  klar 
sein  mufs,  dafs  die  Erwähnung  des  blofsen  Wortes  ,, Porzellan" 
ohne  irgend  welche  nähere  Bezeichnung  oder  Charakterisie- 
rung noch  nicht  die  geringsten  Schlüsse  hinsichtlich  des  Vor- 
handenseins des  wirklich  echten  harten  Porzellanes  gestattet. 
Porzellan  hiefs  damals  alles  —  darüber  kann  nicht  der  ge- 
ringste Zweifel  herrschen  — ,  was  irgendwie  dem  Porzellan 
innerlich  oder  äufserlich  verwandt  war,  die  Fayence,  sowie 
die  treueren  Nachahmungen  des  echten  Porzellans,  schliefslich 
sogar  alles  Keramische,  das  aus  China  kam,  somit  auch  jenes 
schöne,  feste,  rote  Steinzeug,  das  Böttger  durch  sein  ,,Böttger- 
steinzeug",  damals  ,, Jaspisporzellan"  genannt,  nachgeahmt  hat. 
Diese  Unklarheit  der  technischen  Bezeichnungen  gab  damals 
eine  grofse  Verwirrung,  für  unsere  Zeit  hat  sie  scheinbar  eine 
noch  gröfsere  bewirkt.  Sie  dürfte  auch  die  Unklarheit  über 
den  Erfinder  des  echten  Porzellans  in  erster  Linie  verschuldet 
haben. 

Zunächst  schon  im  18.  Jahrhundert  selber.  Welche  Un- 
kenntnis, welche  Konfusion  hinsichtlich  des  Begriffs  ,, Porzellan" 
zeigt  schon  der  obengenannte  Breslauer  Arzt  und  Pol3'histor 
Kundmann,  der  nach  Bussius  der  erste  war,  der  Tschim- 
hausen  an  der  Erfindung  des  Porzellans  einen  grofsen  Anteil 
zuschrieb!  In  demselben  Absatz,  wo  er  dies  zu  tun  versucht, 
heifst  es  am  Anfange:  ,, Nirgends  so  viel  als  mir  wissend,  ist 
das  Ost  -  Indische  Porcellain  in  Europa  besser  nachgeahmt 
worden,  als  wie  zu  St.  Cloud,  nahe  bei  Paris  noch  bis  dato 
geschiehet."    Nun  aber  ist  gerade  das  Porzellan  von  St.  Cloud, 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans?  45 

wie  jeder,  der  die  Geschichte  dei-  Keramik  zur  Genüge  kennt, 
ein  typisches  Beispiel  jener  obgenannten  ,, Weich-  oder  Fritten- 
porzellane".  Kundmann  hat  demnach  keine  Ahnung  von  dem 
Unterschiede  dieses  und  des  echten  Porzellans  gehabt.  Er 
ahnt  gar  nicht,  dafs  die  Erfindung  des  Porzellans  durch  Böttger 
etwas  ganz  anderes  gewesen  ist  wie  die  der  Masse  von 
St.  Cloud.  Da  kann  er  wohl  schwerlich  als  vollgewichtiger 
Zeuge  hinsichtlich  der  Frage  nach  dem  Erfinder  des  Meifsner 
Porzellans  betrachtet  werden. 

Geradezu  verhängnisvoll  aber  dürfte  dann  die  obener- 
wähnte Mitteilung  der  Acta  eruditorum  über  Tschirnhausens  Er- 
findung  einer  Porzellanmasse  für  die  Nachwelt  geworden  sein, 
die  nicht  mehr  auf  die  Geschehnisse  selber,  sondern  nur  auf 
die  Berichte  über  dieselbe  sich  zu  stützen  vermochte.  Diese 
eine  Notiz  an  dieser  so  hervorragenden  Stelle  dürfte  allein 
schon  genügt  haben,  um  das  ganze  Schwanken  dieses  Jahr- 
hunderts in  dieser  Frao-e  zu  erklären.  Man  mufste  sich  da- 
mals  genötigt  sehen,  zwei  sich  scheinbar  völlig  widersprechende 
Traditionen,  die  dieser  Gelehrtenzeitschrift  und  die  der  grofsen 
Menge,  zu  vereinigen,  um  Klarheit  über  diesen  so  wichtigen 
und  interessanten  Punkt  zu  erlangen,  man  tat  es,  indem  man 
das  Verdienst  der  Erfindung  auf  beide  Männer  verteilte  oder 
gar  jetzt  Tschirnhausen,  dem  berühmten  Gelehrten,  den  gröfsten 
Teil  derselben  zuwies.  Dafs  diese  Vermutung  hier  keine  will- 
kürliche ist,  dafür  spricht  schon  stark  genug  der  Bericht  des 
Sächsischen  Curiositätencabinets  vom  Jahre  173 1.  Klingt  es 
doch,  indem  er  Tschirnhausen  zum  Erfinder  der  ,, Masse" 
des  Porzellans  macht,  die  Böttger  nur  verbessert  und  aus- 
gearbeitet hätte,  fast  wie  eine  Übersetzung  jener  Stelle  der 
Acta  eruditorum,  in  der  gleichfalls  zunächst  nur  die  Rede  von 
der  Erfindung  einer  Masse  ist,  die  aber,  wie  oben  zu  zeigen 
versucht  worden,  niemals  die  Masse  des  echten  Porzellans 
gewesen  sein  kann.  Der  Verfasser  dieser  Lebensbeschreibung 
Tschirnhausens  hat  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  Tschirn- 
hausen ziemlich  nahe  gestanden'),  er  war  ihm  vielleicht  sogar 
verpflichtet.  So  mag  er  die  Stelle  der  Acta  eruditorum 
mit  stark  parteiischem  Auge  gelesen  haben,  so  mag  er  es 
für  nötig  gehalten  haben,  hier  eine  ,,  Rettung"  vorzunehmen, 
die  Tschirnhausens  Verdienste  um  ein  ganz  beträchtliches  er- 
höhen sollte'-). 


J)  Vgl.  Reinhardt  a.  a.  O.  S.  40. 

-)  Wie  sehr  man  den  Nachrichten  über  Tschirnhausens  Porzellan- 
erfindung, die  aus  dessen  eigenen  Kreisen  stammen,  mifstrauen  mufs, 


aS  E.  Zimmermann: 

Dafs  ihm  freilich  die  Mit-  und  Nachwelt  keinen  Glauben 
geschenkt  hat,  dafs  ein  gewisses  Schwanken  hinsichtlich  der 
Person  des  Erfinders  des  Porzellans  durch  das  ganze  Jahrhundert 
hindurch  bei  vielen  bestehen  blieb,  dafs  ist  doch  wohl  Beweis 
genug,  dafs  die  Behauptung  dieses  Verfassers  nicht  so  be- 
gründet, nicht  so  zuverlässig  war,  wie  sie  sich  gab.  So  blieb 
der  Einflufs  der  Stelle  der  Acta  eruditorum,  unterstützt  dvirch 
die  allgemeine  keramische  Begriffsverwirrung  dieser  Zeit,  be- 
stehen, ohne  dafs  jedoch  wie  erwähnt,  während  dieses  ganzen 
Jahrhunderts  von  neuem  ein  Angriff  gegen  Böttgers  Erfinder- 
ruhm unternommen  wäre. 

Hempels  völlige  Absprechung  am  Beginn  des  19.  Jahr- 
hunderts sucht  sich  dann  freilich  auf  Beweise  zu  stützen. 
Doch  es  ist  zunächst  nur  der  oben  charakterisierte  Bericht 
des  Sekretärs  Bussius,  den  er  zu  diesem  Zwecke  herbeizieht, 
daneben  auch  die  Stelle  der  Acta  eruditorum  und  schliefslich 
Fontenelles  Äufserung  in  der  Akademie.  Das  dreifache  Zeugnis 
gegen  Böttger  schien  erdrückend  zu  werden.  Doch  wir 
wissen  jetzt,  wie  wenig  beweiskräftig  für  die  hier  vorliegende 
Frage  alle  diese  drei  Aussagen  sind.  Nur  wer  den  damaligen 
Begriff  des  Wortes  Porzellan  nicht  kannte  —  und  den  kannte 
bei  der  damaligen  allgemeinen  Unkenntnis  der  Geschichte 
der  Keramik  sicherlich  kaum  einer  — ,  konnte  in  ihnen 
wirklich  so  kräftige  Beweise  erblicken,  dafs  sie  die  Be- 
rechtigung zu  so  kühnen  Angriffen  gegen  Böttgers  alten  Ruhm 
gewährten,  konnte  wirklich  meinen,  mittelst  ihrer  einen  groben 
historischen    Irrtum    korrigieren    zu    dürfen.      Doch    Hempel 


zeigt  übrigens  auch  die  Grabschrift,  die  ihm  sein  Bruder  freilich  erst 
im  Jahre  1739  unter  sein  Grabmonument  in  Kiefslingswalde  setzen 
liefs.  Es  heifst  da  in  deutscher  Übersetzung  (vgl.  Sächsisches  Curio- 
sitäten-Cabinet  1739  S.  314): 

„Worüber  man  bey  unserer  Zeit  erstaunet,  auch  in  Zukunft  be- 
wundern wird 

In  den  durchscheinenden  Porcellanen 
(porcellanae  pellucidae  omnis  coloris) 

So  die  Indianischen  Gefäfse  in  Glantz,  Schönheit,  Härte  und  Dauer- 
hafhigkeit  unter  allen  Europäern  übertrifft  die  erste  Probe  gemachet." 

„Durchscheinende  Porzellane  von  allen  Farben"  hat  die 
keramische  Industrie  noch  bis  auf  den  heutigen  Tag  nicht  erfunden. 
Diese  Angabe  ist  also  barer  Unsinn.  Wäre  aber  hiermit  überhaupt 
die  Porzellanerfindung,  die  zur  Begründung  der  damals  fast  schon 
zwanzig  Jahre  bestehenden  Meifsner  Manufaktur  gemeint,  dann  wäre 
dies  doch  wohl  mit  ziemlicher  Sicherheit  in  dieser  Grabschrift  zum 
Ausdruck  gebracht  worden.  Diese  auffallende  Zurückhaltung  hier 
an  einer  Stelle,  wo  man  sonst  den  Mund  doch  ziemlich  voll  zu 
nehmen  pflegt,  sagt  mehr  als  genug. 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meifsner  Porzellans?  a'i 

rückt  jetzt,  namentlich  auf  Grund  des  Berichtes  des  Bussius, 
die  Behauptung  in  den  Vordergrund,  dafs  Böttger  durch 
Steinbrück,  seinen  späteren  Schwager,  nach  Tschirnhausens 
Tode  das  von  diesem  aufgedeckte  Geheimnis  des  Porzellans 
übermittelt  worden  wäre.  Steinbrück  beginnt  damit  jetzt 
zum  Betrüger  zu  werden,  zu  einer  Kreatur  Böttgers,  die  mit 
schlauer  List  und  grofsem  Raffinement  Tschirnhausen  seinen 
Ruhm,  seine  ganzen  industriellen  Verdienste  zu  entziehen 
gesucht,  um  sie  seinem  neuen  Vorgesetzten  und  späteren 
Verwandten  zuzuwenden.  Was  aber  sind  für  diese  Übeltaten 
Steinbrücks  die  Beweise?  W^ir  haben  oben  gesehen,  dafs 
Hempel  aufser  auf  die  oben  besprochene  Angabe  des  Bussius 
auch  noch  auf  ein  Manuskript  hinweist,  betitelt:  ,, Nachrichten 
von  denen  im  kursächsischen  Erzgebirge  befindlichen  edlen 
und  raren  Gesteinen  u.  s.  w.  von  Steinbrück,  Inspektor  der 
Manufaktur  des  sächs.  Porzellans  u.  s.  w.  Anno  171 5  mense  Majo 
zu  Dresden".  In  gleicher  Weise  soll  Steinbrück,  so  wird 
dann  kühn  geschlossen,  auch  die  übrigen  Manuskripte  und 
Aufzeichnungen  Tschirnhausens  besessen  und  Böttger  über- 
mittelt haben. 

Doch  ganz  abgesehen  davon,  dafs  die  Erfindung  und 
Herstellung  des  Porzellans  doch  wohl  eine  etwas  zu  schwierige 
Sache  gewesen  sein  dürfte,  als  dafs  man  sie  einfach  vom 
Papier  hätte  ablesen  und  nachmachen  können;  was  findet  sich 
in  Wirklichkeit  auf  dem  Titel  jenes  noch  heute  in  der  Hand- 
schriftensammlung der  Kgl.  öffentl.  BibHothek  zu  Dresden 
befindlichen  Manuskript  Steinbrücks?  Es  heifst  da  ausdrück- 
lich, dafs  die  hier  gebrachten  Nachrichten  ,,theils  aus  eigener 
Erfahrung,  theils  auch  aus  bewehrter  Leute  Schriften"  stammen 
und  in  der  Einleitung  dieses  Manuskripts  wird  dann  unter 
den  bewährten  Leuten  ausdrücklich  Tschirnhausen  genannt. 
Ein  Weglassen,  ein  Unterdrücken  desselben  ist  nicht  erfolgt. 
So  verliert  dieses  Manuskript  jegliche  Beweiskraft  für  die 
beabsichtigten  Zwecke,  die  Anschuldigungen  gegen  Stein- 
brück sinken  in  Nichts  zusammen,  und  Steinbrücks  Charakter 
dürfte  damit  wieder  so  dastehen,  wie  er  oben  zu  charakterisieren 
versucht  worden  ist. 

Doch  Reinhardt  bringt  in  seinem  Aufsatz  über  Tschirn- 
hausen schliefslich  noch  ein  neues  Argument  zu  Gunsten 
Tschirnhausens  herbei,  jenes  kleine  „Porzellanbecherchen", 
das  ein  Arbeiter  Tschirnhausens  bei  dessen  Tode  gestohlen 
und  vergraben  hat.  Auch  hier  ist  wieder  nur  ganz  allgemein 
das  Wort  Porzellan  gebraucht.  Man  darf  daraus  keine  Schlüsse 
ziehen,   die  anderen  Ansichten  entgegenlaufen.     Wem  fallen 


48  E.  Zimmermann: 

aber  bei  diesem  ,, becherchen"  nicht  sofort  jene  „kleine  Krüge" 
ein,  die  angebhch  die  Porzellansammlung  zu  Dresden  von 
Tschirnhausens  Hand  noch  am  Antang  des  19.  Jahrhunderts 
besafs  und  vielleicht  auch  jetzt  noch  besitzt').  Auf  alle 
Fälle  ist  es  doch  sehr  viel  wahrscheinlicher,  dafs  dies 
,, Becherchen"  eines  der  früheren  Erzeugnisse  Tschirnhausens, 
deren  Existenz  feststeht,  gewesen  ist,  als  schon  ein  Produkt 
aus  jener  darnach  schon  jetzt  erfundenen  Masse,  die  noch 
nach  Monaten  nachweislich  so  unvollkommen  sich  darbot, 
dafs  an  ihrer  Brauchbarkeit  noch  völlig  gezweifelt  wurde. 
Und  so  zeigt  auch  dieses  Argument  nur  wieder,  wie  ungemein 
verwirrend  auf  die  hier  in  Untersuchung  stehende  Frage  der 
damals  so  unklare  Begriff  des  Wortes  Porzellan  zu  allen 
Zeiten  gewirkt  hat  und  wie  dringend  erwünscht  es  ist,  dafs, 
wer  sich  an  die  Frage  der  Erfindung  des  Porzellans  heran- 
wagt"-), diese  Unklarheit  vorher  begriffen  hat  und  sich  ihrer 
beständig  bewufst  bleibt.  Nur  dann  kann  er  wirklich  er- 
spriefslich  auf  diesem  Gebiete  arbeiten. 


Was  dürfte  nun  das  Endresultat  dieser  ganzen  Unter- 
suchungen sein,  dasjenige,  was  sich  aus  ihnen  als  ganz  sicher 
oder  doch  wenigstens  als  das  Wahrscheinlichste  für  alle  Ver- 
mutungen ergibt?  So  gut  wie  feststeht,  dafs  Tschirnhausens 
er.ste  vermeintliche  Porzellanerfindung  hinsichtlich  der  Er- 
findung des  wirklich  echten  Hartporzellans  völlig  resultatlos 
verlaufen  ist,  so  gut  wie  feststeht,  dafs  die  praktische  Her- 
stellung des  Porzellans,  die  wirkhche  Erzeugung  der  Porzellan- 
masse erst  nach  Tschirnhausens  Tode  gelang.  Nicht  fest 
steht  dagegen,  ob  das  Prinzip  des  Porzellans  erst  damals 
erkannt  und  angewendet  worden  ist,  ob  nicht  doch  schon 
zu  Tschirnhausens  Lebzeiten  dasselbe  aufgefunden  und  aus- 
probiert worden  ist.  Aber  ebenso  wenig  steht  dann  fest, 
dafs  Tschirnhausen  in  diesem  Falle  der  Entdecker  dieses 
Prinzipes,  weder  der  alleinige  noch  der  teilweise,  gewesen 
ist,  ja  es  kann  dies  eher  als  unwahrscheinlich  denn  als 
wahrscheinlich  bezeichnet  werden.  Somit  dürfte  auf  Grund 
dieser  F'eststellungen  und  Wahrscheinlichkeitsvermutungen  für 


')  Siehe  oben  S.  35. 

'-)  Es  ist  übrigens  ein  merkwürdiges  Zusammentreffen,  dafs  auch 
über  die  Zeit  der  Erfindung  des  chinesischen  Porzellans  aus  ganz 
ähnlichem  Grunde,  d.  h.  wegen  falscher  Auslegung  des  chinesischen 
Wortes  „Porzellan",  die  Ansichten  lange  geschwankt  haben. 


Wer  war  der  Erfinder  des  Meii*sner  Porzellans?  ^n 

uns  auch  nicht  die  geringste  zwingende  Veranlassung  vor- 
liegen, Tschirnhausen  einen  wesentlichen  Anteil  an  der  Er- 
findung des  Meilsner,  des  europäischen  Porzellans  zuzuweisen, 
den  man  Böttger,  dem  bisherigen  vermeintlichen  Erfinder, 
abziehen  müfste,  ja  nicht  einmal  den  geringsten,  den  irgend 
welche  Beweise  und  Tatsachen  festlegen.  Und  so  mufs  — 
das  kann  nach  allem,  was  hier  gesagt  worden  ist,  nur  das  End- 
resultat dieser  ganzen  Untersuchung  sein  — ,  der  alte  Ruhm 
Böttgers  als  Porzellanerfinder,  der  zu  seinen  Lebzeiten  so 
gut  wie  von  keiner  Seite  angefochten  ward  und  sich  dann 
auch  durch  fast  zwei  Jahrhunderte  hindurch  siegreich  gegen 
alle  Anfechtungen  erhalten  hat,  auch  ferner  bestehen  bleiben 
und  kann  ohne  die  geringste  Einschränkung  wieder  neuen 
Glanz  erhalten  an  dem  zweihundertjährigen  Jubiläum  dieser 
Erfindung,  das  schon  in  wenigen  Jahren  herannaht. 


Neues  Archiv  f,  S.  G.  u.  A.    XXVIII,    i.  2, 


III. 

Das  Zeithainer  Lager  von  1730. 

(Mit  einer  Karte  hinter  S.  113.) 

Von 
Hans  Beschorner. 


Wie  bereits  in  dem  Aufsatze  über  die  „Beschreibung-en 
und  bildlichen  Darstellungen  des  Zeithainer  Lagers"  in  dieser 
Zeitschrift  XXVII  (1906),  103 — 151,  betont  worden  ist,  kann 
hier  nicht  entfernt  daran  gedacht  werden,  eine  umfassende 
Darstellung  der  grofsen  sächsischen  Truppenschau  im  Juni  1730 
zu  geben.  Es  ist  vielmehr  lediglich  beabsichtigt,  in  einerii 
ersten  Kapitel  ganz  allgemein  das  Campement,  das  seiner 
Zeit  so  grofses  Aufsehen  in  der  Welt  gemacht  hat,  zu  schil- 
dern und  die  wichtigsten  Fragen,  die  an  dieses  Ereignis  an- 
knüpfen, zu  l:)erühren,  in  elf  weiteren  Kapiteln  aber  auf  eine 
Keihe  von  Einzelheiten  einzugehen,  die  für  sich  genommen  oft 
vielleicht  unwichtig  erscheinen,  im  Zusammenhange  betrachtet 
aber  doch  wesentlich  das  Gesamtbild  vervollständigen  und  be- 
leben helfen.  Dinge,  die  bereits  in  dem  ,,Staatskalenderbericlite" 
(a.a.O.  S.  118  Nr.  21)  oder  bei  von  Mansberg  (a.  a.  O.  S.  104 f. 
Nr.  i)  ausführlich  behandelt  sind,  wurden  entweder  ganz  un- 
berücksichtigt gelassen  oder,  nur  mit  einem  Hinweise  auf  diese 
beiden  Arbeiten  kurz  erwähnt.  Überhaupt  ist  auf  diese  beiden 
Darstellungen,  die  das  Beste  sind,  was  wir  bisher  über  das 
Zeithainer  Lager  Ijesitzen,  stets  in  weitgehender  Weise  Be- 
zug genommen. 

Ganze  grofse  Kapitel,  die  in  einer  erschöpfenden  Mono- 
graphie über  das  Zeithainer  Lager  nicht  fehlen  dürften,  sind 
hier  weggelassen  worden,  so  vor  allem  die  Kapitel  über  die 
Neuorganisation    des    Heeres,    die    dem   Campement    voraus- 


Das  Zei thainer  Lager  von  1730.  51 

ging,  über  die  Neuuniformierung,  über  die  Neubewaffnung, 
über  die  Verpflegung  der  Truppenmassen  usw.  Auch  konnten 
die  eigenhändigen  Aufzeichnungen  Augusts  des  Starken  nicht 
in  dem  Mafse  berücksichtigt  werden,  wie  es  vielleicht  wün- 
schenswert gewesen  wäre.  Erst  wenn  diese  von  der  Königl, 
Sachs.  Kommission  für  Geschichte  herausgegeben  sein  werden, 
wird  man  voll  erkennen  können,  wie  sehr  alle  das  Zeithainer 
Lager  betreffenden  Mafsnahmen  den  eigensten  Anregungen  des 
Königs  entsprangen,  wie  sehr  der  König  der  eigentliche  Mittel- 
punkt der  Veranstaltungen  war,  in  denen  man  mit  vollem 
Rechte  eine  der  gröfsten  Verwaltungsleistungen  aller  Zeiten 
erblickt  hat. 

Die  beigegebene  Kartenskizze  im  Mafsstab  i  :  100  000  ist 
auf  Grund  der  Generalstabskarte  i  :  100  000  und  der  von  der 
Abteilung  für  Landesaufnahme  des  Kgl.  Sachs.  Generalstabes 
1906  veröffentlichten  Karte  ,,  Truppen -Übungsplatz  Zeithain" 
I  :  25000  (dazu  noch  eine  besondere  Karte  ,, Artillerie-Schiefs- 
platz Zeithain"  1 125 000)  gezeichnet.  Sie  soll  vor  allen  Dingen 
Lage  und  Gröfsenverhältnisse  des  Manöverfeldes  von  1730 
im  Verhältnis  zu  den  heutigen  Zeithainer  Exerzierplätzen  ver- 
anschaulichen; aber  sie  soll  gleichzeitig  auch  ein  Hilfsmittel 
sein,  die  zahlreichen  in  dem  Aufsatze  vorkommenden  topo- 
graphischen Einzelheiten  besser  verfolgen  zu  können. 

I.    Das  Zeithainer  Lager  im  allgemeinen. 

Wer  1729  oder  Anfang  1730  von  auswärts  nach  Kur- 
sachsen kam,  dem  mufste  die  Emsigkeit  auffallen,  mit  der  alle 
Verkehrseinrichtungen  in  Stand  gesetzt  wurden.  Die  oft  in 
trauriger  Verfassung  befindlichen  Strafsen  wurden  ausgebessert, 
die  Zürnerschen  Meilensäulen,  die  vielfach  umgestürzt  waren, 
wieder  aufgerichtet  oder,  wo  man  ihre  Setzung  bisher  über- 
haupt unterlassen  hatte,  endlich  aufgestellt^).  Die  Brücken, 
über  die  die  Strafsen  führten,  wurden  auf  ihre  Haltbarkeit 
untersucht  und  die  Sicherheitsmafsregeln  ,, wider  die  Räuber 
und  Diebe"  in  den  Städten  und  auf  dem  Lande  verschärft'-}. 


^)  Vgl.  HStA.  Dresden,  Akten  der  Amtshauptmannschaft  Marien- 
berg Nr.  6:  Mandat  vom  29.  November  1729  wegen  Erneuerung  der 
Wegweiser  in  Anbetracht  „der  künfftiges  Jahr  sonderlich  bevor- 
stehenden   starken  Frequentirung  der  Strafsen". 

-)  Vgl.  das  diesbezügliche  Mandat  vom  13.  April  1730  und  sein 
Zustandekommen  in  Loc.  30638  f.  28—49.  (Alle  Aktenstücke,  die  sich 
in  Kapitel  II  aufgezählt  finden,  sind,  wie  hier,  so  auch  immer  im 
folgenden,  mit  den  dort  gewählten  Abkürzungen  bezeichnet.) 


4* 


ti  Hans  Beschorner: 

Kurz  man  tat,  was  man  für  das  reisende  Publikum  tun  konnte, 
und  auch  den  Gastwirten  in  den  Städten  und  auf  dem  Lande 
war  es  anzusehen,  dafs  sie  mit  einer  starken  Zunahme  des 
Verkehrs  in  nächster  Zeit  rechneten. 

Wer  aber  Dresden  besuchte  und  hier  einen  BUck  in  Hof- 
und  Verwaltungskreise  tun  konnte,  mufste  staunen  über  die 
fieberhafte  Tätigkeit,  die  bei  den  verschiedenen  Behörden 
herrschte.  Das  Oberhofmarschallamt  und  alle  mit  dem  Hofe 
in  Beziehung  stehenden  Dienststellen  hatten  alle  Hände  voll 
zu  tun.  Geradezu  beängstigend  aber  war  der  Betrieb  ])ei  den 
Militärbehörden.  Tagtäglich,  man  kann  beinahe  sagen  stünd- 
lich, trafen  bei  dem  Geheimen  Kriegsratskolleorium  und  beim 
Feldmarschallamte  eigenhändige  Weisungen  vom  Könige  ein 
und  veranlafsten  tausende  von  Befehlen  und  Instruktionen  an 
die  unteren  Kommandobehörden.  Unaufhörlich  trafen  auch 
beim  Zeughause  neue  Uniformlieferungen  von  Hübotter  und 
Schaaf  in  Grofsenhain  und  anderen  Fabrikanten  des  Landes 
ein  oder  Waffensendungen  von  Friderici  in  Suhl,  Clanberg 
in  Solingen,  aus  Dresden  und  Olbernhau.  Ja,  selbst  an  aus- 
ländische Firmen,  z.  B.  Celle,  Berlin,  Lüttich  (Luik)  wandte 
man  sich  zuletzt,  da  die  heimische  Industrie  nicht  imstande 
war,  alle  die  vielen  bestellten  Waffen  und  Ausrüstungsstücke 
rechtzeitig  zu  liefern^). 


^)  Auf  die  Neuuniformierung  und  Neubewaftnung  der  sächsischen 
Armee  in  den  Jahren  unmittelbar  vor  dem  Zeithainer  Lager  kann 
hier  nicht  näher  eingegangen  werden.  Man  vergleiche  darüber  im 
allgemeinen  den  Bericht  des  Staatskalenders  G.  4  Sp.  2  bis  H.  i 
Sp.  3,  der  bei  Schilderung  der  Zeithainer  Parade  auch  ziemlich  aus- 
führlich der  neuen,  farbenprächtigen  Uniformen  gedenkt,  ferner  die 
„Übersicht  der  sächsischen  Armee  im  Jahre  1730"  bei  Schuster 
und  Francke,  Geschichte  der  sächs.  Armee,  S.  366!,  die  9  farbigen 
Tafeln  „Abbildung  der  Königl.  polnischen  churfürstl.  sächsischen 
Kriegstruppen  im  Zeithayner  Lager  vom  Jahre  1730"  in  F.  Hauthals 
Geschichte  der  sächs.  Armee  in  Wort  und  Bild  (2.  Aufl.  Leipzig  1859) 
und  M.  Thierbachs  Arbeit  über  „die  Handfeuerwaffen  der  säch- 
sischen Armee"  (Zeitschrift  f  histor.  Warenkunde  111(1903  04),  89—96, 
126 — 137,  160 — 170,  191  — 199,  besonders  126 — 129),  zu  der  A.  Diener- 
Schönbergs  Aufsatz  über  die  „Geschichte  der  Gewehrfabrik  zu 
Olbernhau  in  Sachsen"  (m  den  M.  Thierbach  zu  seinem  80.  Geburts- 
tage gewidmeten  „Beiträgen  zur  Geschichte  der  Handfeuerwaffen" 
S.  155 — 195;  Nachtrag  dazu  in  der  Zeitschrift  f.  histor.  Walfen- 
kunde  IV,  3  (1906),  88  f.)  willkommene  Ergänzungen  bietet.  Flinten, 
Säbel,  Degen,  Spontons  u.  dergl.,  die  im  Zeithainer  Lager  getragen 
wurden,  besitzen  das  historische  Museum  und  die  Arsenalsammlung 
zu  Dresden  in  grofser  Zahl;  desgleichen  verfügen  die  Armeesramm- 
lung  (z.  B.  Unißrmierung  Ba  i  — 10,  auch  B''  i  — 18  und  C  i — 15)  und 
das  Kupferstichkahinett  daselbst  über  zahlreiche  Uniform bilder  aus 
alter  und  neuer  Zeit,  die  Soldaten  in  den  1730  getragenen  Monturen 


Das  Zeithainer  Laster  von  1730.  ^3 

Ganz  besonders  lebhaft  ging-  es  in  der  Grofsenhainer 
Gegend  zu.  Alle  Dörfer  in  weitem  Umkreise,  bis  Mühlberg 
und  jenseits  der  Elbe  weit  über  Riesa  hinaus,  trafen  Anstalten 
zur  Unterbringung  und  Beköstigung  ungezählter  Gäste.  Da 
die  Schlösser,  Rittergüter  und  Wirtshäuser  für  den  erwarteten 
Fremdenandrang  bei  weitem  nicht  ausreichend  erschienen,  so 
wurden  Ställe  und  Scheunen  in  Schlafsäle  umgewandelt,  und 
jeder  Bauer,  der  nur  irgend  eine  Stube  entbehren  konnte, 
richtete  diese,  so  gut  es  gehen  wollte,  als  Fremdenzimmer 
ein.  Auf  den  Feldern  aber  nordöstlich  Riesa,  zwischen 
Lichtensee,  Wülknitz,  Streumen,  Radewitz,  Glaubitz  und  Zeit- 
hain   konnte    man  schon  seit  dem  Frühjahre   1729  den  Feld- 


darstellen. An  letzteres  (Ca  88  s)  wurden  im  Jahre  1846  vom  Haupt- 
staatsarchiv 28  die  sächsische  Infanterie  und  Kavallerie  1730  be- 
treffende farbige  Uniformzeichnungen  abgegeben,  die  zu  dem 
Aktenstück  Loc.  1056  Acta  varia  (t.  183!)  gehörten.  Zwei  andere 
grofse  und  sehr  schön  ausgeführte  Zeichnungen  von  Grands  Mus- 
quetaires,  deren  wirkungsvolle  Uniform  eine  Modellpuppe  in  der 
Arsenalsammlung  veranschaulicht,  liegen  noch  in  Loc.  436  Acta 
Militärsachen  bei.  Vol.  IV  f.  91— 94. 

Von  Akten  kommen  für  dieses  weitschichtige  Thema,  das 
interessant  genug  wäre,  einmal  gesondert  behandelt  zu  werden,  so 
ziemhch  alle  zum  Zeithainer  Lager  gehörigen  und  aulserdem  noch 
viele  besondere  Akten  in  Frage,  die  hier  nicht  aufgeführt  werden 
können.  Wie  sehr  sich  August  der  Starke  selbst  um  die  Neu- 
uniformierung und  -bewaffnung  seines  Heeres  kümmerte,  lehren  die 
eigenhändigen  Bemerkungen,  die  man  allenthalben  in  diesen  Akten 
findet,  vor  allem  aber  das  Faszikel  12  in  Loc.  2097,  das  nur  „Mili- 
tärische Bekleidungs-  und  Bewaffnungs- Vorschriften  König  Augusts  IL 
von  Pohlen"  enthält.  Als  besonders  beachtenswert  sei  daraus  hervor- 
gehoben, dafs  der  König  f.  21  (bez.  25)  ausdrücklich  den  Offizieren 
eigenmächtige  Änderungen  an  den  Uniformen,  wie  sie  häufig  vor- 
gekommen waren,  verbietet:  „II  est  a  ordonner  que  les  officiers  ne 
fassent  rien  changer  aux  armes,  spontons,  hellebardes,  epees,  dra- 
peaux,  6tendards,  curasses,  mais  que  les  conserveat  dans  l't^tat 
et  mt^sure  oü  ils  les  recoient  et  qu'on  a  ordonn6.  L'experience 
a  donne  que  chacun  a  change  .  .  .  ii  sa  fantaisie;  mais  si  se  trouve 
quelquechose  a  mt-lioriser,  que  le  dissent  On  verra,  si  ce[la]  sera 
une  chose  ä  permettre". 

Mit  der  Neuequipierung  wurde  durchaus  radikal  verfahren. 
Alles  wurde  neu,  von  der  Uniform  der  Generale  (vgl.  Loc.  2097 
a.  a.  O.  f.  22  und  Loc.  1064  f.  148)  bis  hinab  zu  den  Knöpfen  und 
Flintensteinen  der  Gemeinen.  Für  die  Offiziere  waren  diese  ^lafsnahmen 
besonders  hart.  Da  ihnen  „auf  die  anzuschaffen  erforderte  kost- 
bahre und  ordinaire,  folghch  doppelte  Mundirung  soviel  abgezogen 
wurde",  blieb  ihnen,  wie  Wackerbarth  in  seinem  grofsen  Immediat- 
berichte  vom  8.  Mai  1730  (Loc.  1056  I  f.  iSz^)  rneinte,  „kaum  von 
ihrem  Tractament  soviel  übrig,  ihr  Leben  damit  kümmerlich  hin- 
zubringen". Am  28.  Mai  „legte  der  gantze  Hoff,  wie  auch  die  Armee, 
die  neue  Livree  und  Montur  an"  (OHA.  I  f.  6^). 


54  Hans  Beschorner: 

messer  Dietze  mit  seinen  Gehilfen  sehen,  wie  er  die  Fluren 
ausmafs  und  in  grofse  Risse  brachte,  während  in  dem  nahen 
Gohrischwalde  hunderte  von  Bauern  und  Bergleuten  damit 
beschäftigt  waren,  einen  Teil  des  Gehölzes  niederzulegen, 
die  Wurzehi  zu  sprengen  und  aus  dem  Boden  herauszureifsen. 
Seit  dem  Herbste  1729  blieben  alle  diese  vermessenen  Felder 
unbestellt^).  Wo  sonst  Saaten  sprofsten,  da  wuchs  jetzt  unter 
der  künstlerischen  Leitung  des  durch  den  Zwinoerbau  be- 
rühmt  gewordenen  Landbaumeisters  Pöppelmann  aus  Holz 
und  Leinwand  eine  luftige  Stadt  empor  mit  langen  Strafsen, 
weiten  Plätzen  und  kunstvollen,  nach  dem  Geschmacke  der 
Zeit  steif  und  symmetrisch  angelegten  Gärten.  Alles,  was 
man  nur  wünschen  konnte,  war  vorhanden  in  dieser  improvi- 
sierten Leinwand  -  und  Bretterstadt  mit  ihren  teilweise  ziem- 
lich entlegenen  Vorstädten,  zu  denen  man  die  Dörfer  Rade- 
witz, Streumen,  Glaubitz,  Zeithain  und  Moritz  ruhig  rechnen 
konnte.  Da  waren  anmutige  Sommerpalais  mit  den  zugehö- 
rigen Ställen  und  Wirtschaftsgebäuden,  grofse  Speicher  und 
Schuppen,  Schlacht-  und  Backhäuser,  Küchen,  Kneipen,  Ver- 
kaufsstände usw.  Ja  selbst  ein  eigenes  Kirchlein,  Lazarett, 
Postamt  und  Komödienhaus  fehlten  nicht! 

Südöstlich  aber  des  Gohrischwaldes  liefs  man  bis  nach 
Streumen,  Radewitz  und  Zeithain  hin  einen  4  km  breiten  und 
etwa  5  km  langen  Platz  frei,  dessen  Ausdehnung  durch  sechs 
gefällige,  ebenfalls  von  Pöppelmanns  Meisterhand  geschaffene 
Sandsteinpyramiden  gekennzeichnet  wurde.  Sorgfältig  ebnete 
man  diesen  Platz,  belegte  ihn,  zum  Teil  wenigstens,  mit 
Rasen  und  steckte  durch  bunte  Pfähle  gewisse  Richtlinien 
ab.  Ungefähr  in  der  Mitte  aber  führte  Pöppelmann  einen 
zierUchen,  mit  Wall  und  Graben  umgebenen  Pavillon  auf, 
von  dessen  Fenstern  aus  man  weithin  die  Gegend  übersah-). 

Man  kann  sich  denken,  wieviele  fleifsige  Hände  durch 
alle  diese  Vorbereitungen  in  Bewegung  gesetzt  wurden.  Aber 
das  rege  Treiben,  das  seit  dem  Herbste  1729  in  der  Zeit- 
hainer  Gegend  herrschte,  steigerte  sich  noch,  als  der  nächste 
Mai  ins  Land  zog.  Auf  allen  gröfseren  Strafsen  von  Dresden, 
aber    auch  von  Leipzig  her   sah   man  lange  Wagenreihen  in 


^)  Über  diese  Tätigkeit  Di  atz  es,  dem  der  Oberstleutnant 
Fürstenhoff  zur  Hand  ging;,  und  die  schwierige  ,Jndemnisation 
dererjenigen  Vasallen  und  Unterthanen,  deren  Grundstücke  zu  dem 
grofsen  Campement  bey  Mühlberg  gezogen  worden",  vgl.  Kapitel  III. 

-)  Über  das  ganz  aus  Zelten  bestehende  „Armeelager",  das 
„Hauptquartier"  bei  Radewitz  und  die  sonstigen  in  den  Dürfern  der 
Nachbarschaft  errichteten  Bauten  vgl.  Kapitel  IV. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  55 

der  Richtung  auf  Zeitliaiii  sich  bewegen.  Diese  Wagen, 
meist  vier-  und  sechssjDännig,  waren  hoch  bepackt  mit  allem, 
was  der  Mensch  nur  irgendwie  zu  seines  Lebens  Nahrung 
und  Notdurft  braucht.  Gleichzeitig  aber  glitten  zahllose 
mächtige  Kähne,  von  denen  zum  Zeichen  freier  Durchfahrt 
blau-gelbe  Fähnchen  wehten,  den  Eibstrom  herab  und  lieferten 
in  die  bei  den  Dörfern  Moritz  und  Nünchritz  gelegenen  Lager- 
häuser allerhand  Nahrungsmittel  und  Efswaren  ab:  Getreide, 
Gemüse,  Fleisch  und  Wildpret,  Fässer  voll  Wein  und  Bier, 
daneben  auch  Kisten  mit  Waffen,  Fahnen,  Uniformstücken 
u.  dergl.  Auch  an  allerhand  Kostbarkeiten  fehlte  es  nicht. 
Alles ,  was  die  Silberkammer,  das  Grüne  Gewölbe  und  das 
Holländische  Palais  irgend  an  Silber,  Gold  und  Porzellan  ent- 
behren konnten,  wurde  zur  Stelle  geschafft,  auch  manch 
neues  kostbares  Service  auswärts  bestellt^). 

Hatte  man  aber  bisher  nur  Handwerks-  und  Geschäfts- 
leute eilfertig  durcheinander  laufen  sehen,  so  begann  Mitte 
Mai  das  Bild  sich  mit  allerhand  Uniformen  zu  beleben.  Am 
10.  Mai  trafen  das  Bataillon  Janitscharen  und  zwei  Schwadronen 
Grenadiers  ä  cheval  ein  und  bezogen  ihre  Zeltlager  am  Süd- 
westrande des  grofsen  Manöverfeldes.  Es  folgten  an  den 
nächsten  Tagen  die  anderen  Regimenter,  die  Infanterie-Regi- 
menter „Königlicher  Prinz",  „Herzog  von  Sachsen-Weifsenfels", 
„von  Löwendal",  „von  Wilcke",  „von  Böhn"  und  wie  sie 
sonst  alle  heifsen,  bis  am  23.  Mai  die  ganze  sächsische  Armee 
versammelt  war"-),  zusammen  über  50  Schwadronen  und  gegen 


1)  Nähereshierübervo;!.  namentlich  in  Kapitel  VI.  Die  Transport- 
wagen mufsten  von  den  Untertanen  im  Lande  bespannt  werden. 
Die  nötigen  Pferde  und  Knechte  zusammen  zubekommen,  machte 
grofse  Mühe;  vgl.  Loc.  1056  II  f.  167  f.  (daselbst  zahlreiche  „Speci- 
ficationen  derer  "Knechte  und  Pferde,  so  zu  Bespannung  der  Proviant- 
Wagens  und  Zelt-Caleschen  bey  der  Armee  oder  den  einzelnen 
Regimentern  erfordert  worden").  Die  Kähne  Ueferten  namentlich 
Christoph  Weber  (3  grolse  Schiffe),  Gottfried  Krieger  (6  Schiffe 
und  5  Käffer)  und  Barthel  Weber  (1  Kahn). 

-)  Über  das  Einrücken  der  Regimenter  vgl.  von  Mansberg 
S.  289,  dazu  Loc.  1056  I  f.  105c  und  f.  146g:  f.,  II  f.  222—235  und  f. 
3691!.,  Acta  variaf.  161,  163,  193,  Loc.  106411731,  Loc.  10931  Vif. 
129!  und  Vll  f.  if.,  Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  270  — 394,  OHA. 
I  f.  99!  Die  Versammlung  der  Truppen  war  nicht  schon  am  18.  Mai, 
sondern  erst  am  23.  beendet.  An  diesem  Tage,  an  dem  auch  zum 
ersten  Male  die  „Retiraite  nach  geschehenem  Kanonenschufs  geblasen 
wurde"  (OHA.  I  f.  4),  trafen  als  letzte  die  ,, Ulaner  oder  Tartarn"  ein, 
die  so  grofses  Aufsehen  machten;  vgl.  über  sie  Staatskalender  G.  i 
Sp.  3,  von  Mansberg  S.  295,  Militärwochenblatt  XCI  (1906)  Nr.  40, 
auch  diese  Zeitschrift  XXVII,  114.  —  Zu  der  „Lista  derjenigen 
Generals-Persohnen ,  welche  während  der  grofsen  Revue  Dienst  thun 


e6  Hans  Beschorner: 

30  Bataillone,  d.  h.  mit  den  „Überkompleten",  den  zahlreichen 
Wachtmannschaften ')  und  Proviantknechten  etwa  30000  Mann-). 


werden",  bei  von  Mansberg  S.  290  vgl.  Loc.  1056  I  f.  i,  II  f.  212  f.  Was 
die  einzelnen  Offiziere,  vom  General  bis  hinunter  zum  jüngsten 
Kadetten,  an  Equipage,  Fourage,  Extrazulagen  usw.  bekamen,  er- 
sieht man  aus  Loc,  1056 II  f.  80 — 144,  woraus  von  Mansberg  als  Beispiel 
den  Fourierzettel  des  Herzogs  zu  Sachsen -Weifsenfeis  mitteilt,  und 
aus  Loc.  1056  Acta  varia  f.  39 f. 

')  Das  Campement  zog  natürlich  eine  Menge  Gesindel  in  die 
Gegend.  Am  18.  Juni  lieferte  z.  B.  der  Amtsfrohn  nicht  weniger  als 
1 1  Vagabunden  und  Bettler,  die  sich  im  Hof lager  herumgetrieben 
hatten,  und  einen  ,,Kerl,  so  am  15.  auf  dem  Pavillon  einem  Cavalier 
die  Uhr   stehlen    wollte",    nach   Grofsenhain    ins  Amt    ab    (OHA. 

I  f.  20  b).  Deshalb  und  zur  Aufrechterhaltung  der  militärischen  Ord- 
nung mufste  ein  grofser  Wachtapparat,  über  den  von  Mansberg  S.  294 
einiges  bringt,  aufgeboten  werden.  Welche  Schwierigkeiten  das 
Stellen  der  verschiedenen  Wachen  für  den  Hof,  die  Fürstlichkeiten, 
das  Lager  usw.  machte,  ersieht  man  am  besten  aus  dem  langen 
Promemoria  Wackerbarths  vom  16.  Juli  1729  Loc.  1056  II  f.24— 50,  dem 
zahlreiche  Pläne  und  Tabellen  beigegeben  sind;  dazu  Loc.  1056 
Acta  varia  f.  40  f.  Gegen  Feuersgefahr  wurden  noch  besondere 
Vorsichtsmafsregeln  getroffen.  Das  königliche  Palais  und  die  Küchen 
wurden   z.  B.    von    11  Feuerwächtern  und    5  Zimmerleuten   (OHA. 

II  f.  133I,  das  Illuminationsgebäude  von  20  Gemeinen  und  2  Unter- 
offizieren (Loc.  1093 1  f.  68),  die  ausgedehnten  Magazine  von  einem 
Invaliden-Bataillon  zu  vier  Kompagnien  bewacht,  die  aus  den  2^'., 
Wittenberger  und  den  3  Invalidenkompagnien  zu  Eisleben,  Wermsdorf 
und  Meifsen  gebildet  worden  waren  (vgl.  Kriegsarchiv,  Loc.  2219 
Acta  das  vorhabende  Campement  der  dienstleistenden  Invaliden- 
Kompagnien  betr.  1729). 

-)  Die  30000  Mann  in  Zucht  zu  halten,  war  nicht  leicht.  Deshalb 
wurden  genaue  Lager  Vorschriften  erlassen,  die  in  der  „Disposition 
g6n6rale,  wonach  sich  die  Armee  bey  der  Grofsen  Revue  zu  regu- 
liren",  (Loc.  1056  II  f.  249—298,  Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  178  —  250, 
Loc.  II 005  General-Dispositiones  Fascikel  II)  und  in  dem  ,, Reglement 
qui  contiendra  la  discipline  necessaire  convenable  aux  lois  militaires, 
comme  aussi  de  pr(§voir  ä  l'occasion  du  campement  en  lui-meme 
et  aux  environs  du  concours  extraordinaire"  (Loc.  10947  Paquet  Ordres 
f.  572 — 583),  enthalten  sind.  Erstere,  die  nicht  mit  den  in  Kapitel  X 
besprochenen  „Dispositiones  zu  den  Manoevern"  verwechselt  werden 
darf,  besteht  aus  dreizehn  meist  umfänglicheren  Kapiteln,  die  die 
Ausgebung  der  Parole  (I),  die  Rapports  (II),  die  Wachten  (III,  mit 
4  Tabellen  als  Beilagen),  die  Ordonnanzen  (IV,  mit  einer  Beilage),  das 
Piquet  (V),  die  Ronden  und  Visitirung  der  Lager-  und  Feldwachten 
(VI),  die  Honneurs  (VII),  den  Gottesdienst  (VIII),  die  Reveille  (IX),  die 
Retraite  (X),  die  Schaar-Wacht  (XL  das  Pferdetränken  (XII)  und  das 
Fourage-,  Holz-  und  Strohholen  (XIII)  behandeln.  Letztere  kommt 
namentlich  von  Seite  578  in  Betracht  und  ist  an  beachtenswerten 
Einzelheiten  reich.  U.  a.  wurde  die  Zahl  der  im  Lager  geduldeten 
Weiber  auf  das  AUernotwendigste  beschränkt.  „Hunde,  so  zur  Jagd 
gebraucht  werden,  mit  ins  Lager  zu  bringen",  wurde  verboten,  „weil  das 
zum  Campement  der  grofsen  Revue  destinirte  Terrain  beynahe  mitten 
im  Gehege  gelegen".    Das  Jagen  in  diesen  Gehegen  wurde  allen, 


Das  Zei thainer  Lager  von  1730.  cy 

Gleichzeitig  mit  den  ersten  Regimentern  war  der  König, 
August  der  Starke,  und  sein  Hofstaat  ,,aus  Leipzig  über 
Würzen  und  Kalbitz  im  Hauptquartier  bey  Rädzgen  (Rade- 
witz)" eingetroffen,  nachdem  er  bereits  einmal  vom  3.  bis 
5.  April  vorübergehend  im  Lager  geweilt  hatte,  vun  sich 
mit  eigenen  Augen  vom  Stande  der  Arbeiten  zu  über- 
zeugen-^). Vom  10.  Mai  an  musterte  er  täglich  vom  Morgen 
bis  zum  Abend  die  einzelnen  Regimenter  und  übte  persönlich 
mit  ihnen  schwierige  Bewegungen,  während  er  zwischendurch 
,,die  Handpferde,  die  neuen  Jagd-Chaisen,  Phaetons,  Berlinen, 
Wurstwagen''  und  die  sonstigen  Vorkehrungen  besichtigte. 
Mit  welchem  Eifer   der  König  bei   dem  Einexerzieren  seiner 


auch  den  Offizieren,  aufs  nachdrücklichste  untersagt  (Loc.  10947 
Paquet  Ordres  f.  107  f.,  Loc.  10931  VILf.  17).  Wie  streng  die  Disziplin 
gehandhabt  wurde,  lassen  die  zahlreichen  Strafen  (meist  6 — 12  maliges 
Gassenlaufen  durch  300  Mann)  erkennen ,  die  Wackerbarth  an  einem 
einzigen  Tage,  dem  28.  Mai,  für  Desertion,  verübte  Deuben,  Strafsen- 
raub  u.  dergl.  verhängte.  Der  Korporal  Vollmer  erhielt  zwei  Tage 
Kurz-Gewehr -Tragen,  des  Tages  vier  Stunden,  und  die  Musketiere 
P.  Schlencker ,  M.Simon  und  G.  Poetzsch  sechsmaliges  Gassenlaufen 
durch  300  Mann  „ihres  Verbrechens  halben,  dafs  sie  den  Maleficanten 
Blancken  aus  der  Wache  entspringen  lassen"  (Loc.  10931  VII  f.  60 — 62). 
Namentlich  für  die  Offiziere  war  der  eigenartige  Erlafs  vom  1 1 .  April  1730 
(Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  50  —  61,  dazu  Loc.  10931  VII  f.  i9f). 
„Nachdem  zur  Genüge  bekandt",  heifst  es  darin,  „dals  bej^  der  be- 
vorstehenden grofsen  Revue  nicht  allein  viele  und  grofse  Fürsten 
und  Herren,  sondern  auch  Generals  und  andere  Persohnen  von 
Distinction  erscheinen  werden  und  Ihro  Kgl.  Maj.  einen  jeden  nach 
Standesgebühr  mit  aller  Ehrerbietung  und  zu  bezeugen  vermögender 
Civilitaet  begegnet  wissen  wollen",  so  soll  solches  durch  die  Generale 
den  Offizieren  und  Mannschaften  bekannt  gegeben  werden.  Die 
Offiziere  und  Soldaten  sollen  „alles  vermeyden,  was  jedem  Frembden 
den  mindesten  Anlafs  zum  geringsten  Miisvergnügen  zu  verle5'hen 
fähig".  Alle  Discurse,  die  dazu  Gelegenheit  geben,  seien  zu  ver- 
meiden. Der  iibermäfsige  Trunk  sei  zu  unterlassen,  „da  zuweilen 
beym  Tnmcke  Sachen  auffs  Tapis  kommen,  die  öffters  nicht  so  übel 
gemeynet,  als  sie  bei  solcher  Beschaftenheit  aufgenommen  werden". 
Soupers,  Bälle  oder  Spiele  am  Abend  und  „alle  die  Nächte  con- 
sumierenden  Amüsements"  wurden  während  der  Revue  verboten,  damit 
die  Herren  Offiziere  beim  Dienste  frisch  seien.  Statt  der  Abend- 
unterhaltungen sollen  sie  sich  „im  voraus  mit  dem  bekannt  machen, 
was  sie  den  folgenden  Tag  beym  Exercice  zu  vollbringen  hätten",  usw. 
Dafür  will  der  König,  wenn  alles  gut  gegangen  ist,  den  Soldaten 
nachher  ,,jede  und  alle  Ergötzlichkeit,  so  der  bej  der  Miliz  intro- 
ducirten  Disciplin,  auch  ergangenen  Ordres  und  m  das  Land  ema- 
nirten  Ordonanzen  und  Mandaten,  folglich  auch  Ihro  Kgl.  Maj.  Dienst 
und  eines  jeglichen  selbsteigenem  Besten  nicht  zuwider,  gahr  gern 
vergönnen." 

^)  OHA.  J  31,  Reisen  in-  und  aufserhalb  Landes  1729  und  1730, 
f.  129—139. 


5  8  Hans  Beschorner: 

Truppen  war,  lehren  folgende  Einträge  in  dem  ,, Diarium" 
OHA  I  fol.  2f.:  „Am  19.  May  besah  Ihro  Königl.  Maj.  früh 
und  nachmittags  das  Lager,  früh  zu  Pferdt  und  nachmittags 
auf  einer  chaise  roulante  mit  zwei  Pferdten.  Am  20.  früh 
4  Uhr  fuhr  der  König  ins  Lager  und  sah  daselbst  die  völlige 
Cavallerie  exerciren,  kam  auch  erst  mittags  umb  2  Uhr  zurück. 
Am  21.  exercirte  er  nach  der  Tafel  etliche  Reo-imenter  Ca- 
vallerie,  am  22.  liefs  er  die  gantze  Infanterie  exerciren  und 
Chargiren,  so  bis  nachmittags  umb  2  dauerte,  am  23.  war  er 
wieder  früh  und  nachmittags  im  Lager,  am  24.  sah  er,  zu- 
sammen mit  dem  Kronprinzen  und  den  Ministers,  die  gantze 
Armee  vom  grofsen  Pavillon  aus  moviren  und  chargiren,  so 
bis  umb  5  Uhr  dauerte".  Endlich  exerzierte  die  ganze  Armee 
am  26.  Mai  von  6  bis  3  Uhr  unter  den  Augen  des  Königs 
und  formierte  die  Linien.  Am  28.  Mai  war  alles  so  weit  im 
Stande,  dafs  er  die  in  tadellos  neuen  Uniformen  und  Waffen 
glänzenden  Truppen  seiner  Schwiegertochter,  der  Kur- 
prinzessin Maria  Josepha,  und  gleichzeitig  dem  französischen 
Gesandten,  Marquis  Monti,  zeigen  konnte,  der  aus  politischen 
Gründen  die  folgenden  Veranstaltungen  mied^). 

Mittlerweile  aber  waren  auch  vmgezählte  Fremde  ein- 
getroffen. Von  Fern  und  Nah  strömten  die  Leute  herzu, 
hoch  und  niedrig,  arm  und  reich.  An  der  Spitze  der  vom 
Hofe  eingeladenen  hohen  Gäste,  die  in  einem  Umkreise  von 
vielen  Meilen  in  Städten,  Dörfern,  Schlössern  und  Rittergütern 
untergebracht  waren,  erschien  der  König  von  Preufsen,  Fried- 
rich Wilhelm  L  Mit  seinem  Sohne,  dem  nachmaligen  Friedrich 
dem  Grofsen,  und  seinem  aus  beinahe  150  Offizieren  bestehen- 
den Gefolge  wurde  er  am  30.  Mai  in  Kofsdorf  feierlich  emp- 
fangen und  am  folgenden  Tage  mit  festlichem  Gepränge  ins 
Lager  geleitet-).  Ein  grofses,  von  dem  Hofmaler  Alexander 
Thiele  gemaltes  Bild  im  Königlichen  Residenzschlosse  stellt 
diesen  Einzug  dar.  Es  bietet  zugleich  einen  trefflichen  Über- 
l)lick  über  die  ganze  Zeithainer  Gegend  mit  dem  Lager  und 
allem,  was  dazu  gehörte'^). 

')  Vgl.  von  Mansberg  S.  296;  der  daselbst  erwähnte  Brief  ist  zu 
finden  Loc  1056  II  f  363  t).  Monti  reiste  ab,  nachdem  ihm  der  König 
am  29.  INlai  noch  einige  Regimenter  Kavallerie  vorgeführt  hatte 
(OHA.  I  f.  61^  f.). 

-)  Wegen  des  oft  geschilderten  Empfanges  des  Preufsenkönigs 
mit  der  l)erühmten  Stallparade  vgl.  u.  a,  das  in  dieser  Zeitschrift 
XXVII,  115 — 117,  besprochene  Gedicht  U.  v.  Königs,  Staatskalender 
Sp.  G  1  f.  und  von  Mansberg  S.  293  f.,  296,  wegen  derBesucher  des 
Campements  und  ihrer  Unterbringung  Kapitel  V  dieser  Arbeit. 

■')  Vgl.  diese  Zeitschrift  XXVII,  137 f. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  ^c^ 

Wozu  nun  alle  diese  Riesenvorl^ereitungen?  Handelte  es 
sich  darum,  eine  glänzende  Schaustellung  zu  veranstalten, 
ähnlich  der  von  17 19,  da  in  Dresden  mit  verschwenderischer 
Pracht  die  Hochzeit  des  Kronprinzen  und  der  habsburgischen 
Prinzessin  Maria  Josepha  gefeiert  wurde,  oder  ähnlich  der 
von  1728,  da  derselbe  Preufsenkönig  und  sein  Sohn  Fritz 
vier  Wochen  lang  in  Dresden  mit  ausgesuchtester  Gast- 
freundschaft bewirtet  wurden? 

Viel  ist  über  das  Campement  bei  Radewitz  oder,  wie  es 
im  Volksmunde  heifst,  das  Zeithainer  Lustlager  geschrieben 
worden.  Schon  während  und  unmittelbar  nach  den  Manöver- 
tagen erschienen  zahlreiche  Schriften,  die  in  Prosa  oder  auch 
in  Versen,  bald  ernst,  bald  launig,  die  Begebenheiten  dieses 
denkwürdigen  Juni  darstellten  und  den  Unwillen  des  Königs 
erregten;  denn  aufser  dem  uns  vorliegenden  Kupferstichwerke 
plante  er  noch  die  Veröffentlichung  einer  genauen  amtlichen 
Beschreibung  des  Campements  durch  eine  berufene  Feder  und 
liefs  daher  gegen  die  meisten  Verfasser  dieser  minderwertigen 
Machwerke  einschreiten^).  Alle  diese  Schriften  erzählten 
natürlich  mit  Entzücken  von  dem  Glänze  der  Uniformen,  der 
Pracht,  die  der  König,  seine  hohen  Gäste  und  sein  grofses 
Gefolge  entfalteten,  von  den  pomphaften  Veranstaltungen 
beim  Empfange  und  namentlich  bei  der  Verabschiedving  des 
Preufsenkönigs ,  von  den  Theatervorstellungen,  der  Gaben- 
lotterie, dem  Tafelluxus,  dem  grofsen  Kuchen,  der  Bewirtung 
der  ganzen  Armee  am  letzten  Tage,  dem  Feuerwerke  und 
der  Schlufsjagd  bei  Lichtenburg-).  Aber  die  zeitgenössischen 
Schriftsteller  priesen  auch  die  militärischen  Darbietungen  in 
überschwänglichem  Tone.  Ebenso  schroff  verurteilten  dann 
spätere  Generationen  mit  wenigen  Ausnahmen  dieses  ,, Lust- 
lager" Augusts  des  Starken  als  eine  lächerliche  militärische 
Spielerei,  die  dem  Lande  nicht,  wie  man  manchmal  liest, 
tausende,  sondern  gewifs  Millionen  gekostet  habe  und  doch 
nur  in  Szene  gesetzt  worden  sei,  um  die  Welt  durch  ein 
Schauspiel  von  bisher  noch  nicht  dagewesenem  Glänze  in 
Erstaunen  zu  setzen  und  damit  auch  alles  von  Ludwig  XIV. 
Geleistete  in  den  Schatten  zu  stellen^).  Welche  Auffassung 
ist  nun  die  richtige?  Wie  müssen  wir  heute  bei  unserem 
Stande  der  Wissenschaft  über  das  Zeithainer  Lager  urteilen? 


1)  Vgl.  diese  Zeitschrift  XXVII,  108  f. 

2)  Über  hierher  gehöria^e   Einzelheiten  vgl.  S.  52  Anm.  i,  S.  58 
Anm.  2,  S.  72  Anm.  3  und  die  Kapitel  IV,  VI,  VlI,  VIIL 

3)  Vgl.  Kapitel  VIH  und  den  Schlufs  von  Kapitel  X. 


6o  Hans  Beschorner: 

Bis  in  unsere  Tage  hinein  war  man  gewöhnt,  in  August 
dem  Starken  den  unverwüsthchen  Genufsmenschen  zu  sehen, 
der,  im  Bunde  mit  Bacchus  und  Venus,  das  Leben  nur  von 
der  heitersten  Seite  nahm  imd  sich  um  alles  andere  wenig 
kümmerte.  Neuerdings  ist  man  aber  auf  dem  Wege,  den 
Könipf  auch  noch  von  einer  anderen  Seite  kennen  zu  lernen. 
Eingehende  archivaHsche  Studien,  die  seit  Jahren,  wie  die 
Leser  dieser  Zeitschrift  aus  mehreren  Aufsätzen  wissen,  l^rivat- 
dozent  Dr.  Haake  zum  Zwecke  einer  ausführlichen  Lebens- 
beschreibung Augusts  des  Starken  treibt,  lehren  uns,  dai's 
dieser  König  denn  doch  etwas  mehr  war,  als  ein  sein  Leben 
nach  allen  Regeln  der  Kunst  geniefsender  Epikuräer,  dafs  er 
sich  neben  zeitraubenden  Vero-nüo[uno^en  auch  viel  ernster  Arbeit 
gewidmet  hat.  Die  Stöfse  eigenhändiger  Briefe  und  Entwürfe, 
die  der  genannte  Gelehrte  im  Auftrage  der  Königl.  Sachs. 
Kommission  für  Geschichte  herausgibt,  bringen  den  Beweis, 
dafs  der  König  mit  grofsem  Fleii'se  seinen  Regierungsgeschäften 
oblag,  dafs  er  tatsächlich  der  Mittelpunkt  der  inneren  und 
äufseren  Politik  seines  Staates  war  und  sich  namentlich  aller 
militärischen  Angelegenheiten  von  Anbeginn  mit  gröfster  Liebe 
und  Hingebung  annahm^).  Von  Kindesbeinen  an  schwärmte 
er,  wie  er  selbst  mehrfach  bekannt  hat,  für  das  Soldaten- 
handwerk und  blieb  zeitlebens  ein  begeisterter  Soldat  vom 
Scheitel  bis  zur  Sohle.  Konnte  es  für  diese  Soldatennatur 
etwas  Schmerzlicheres  geben,  als  die  Erfahrungen  des  Nor- 
dischen Krieges,  in  dem  die  bisherige  sächsische  Heeresver- 
fassung völlig  Fiasko  machte?  Es  ist  bekannt,  wie  August 
der  Starke  durch  die  Niederlagen  der  Jahre  1702,  1703  und 
1706  an  der  Düna,  bei  Klissow,  Pultusk  und  Fraustadt,  denen 
gegenüber  die  Siege  bei  Thorn,  Kaiisch  und  Punitz  1704 
nichts  zu  bedeuten  hatten,  alle  seine  Hoffnungen  scheitern  sah, 
wie  er  Polen  einbüfste  und  soo^ar  den  feindlichen  Schweden 
seine  sächsischen  Länder  preisgeben  mufste.  Diese  Scharte 
auszuwetzen,  war  sein  sehnlichster  Wunsch.  Aber  er  liefs  sich 
nur  erfüllen  nach  völliger  Umgestaltung  der  sächsischen  Heeres- 
verfassung, die  im  Kampfe  gegen  Karl  XII.  so  gänzlich 
Schiffbruch  gelitten  hatte.  So  betrachtete  er  denn  diese  Um- 
gestaltung  als  eine  der  wichtigsten  Aufgaben  seines  weiteren 
Lebens. 


')  Zu  dem  Folsjenden  v^l.  meinen  Aufsatz  „Aui^ust  der  Starke 
als  Suldat"  in  den  von  J.  Jlberg  und  B.  Gerth  herausgegebenen 
Neuen  Jahrbüchern  für  das  klassische  Altertum,  Geschichte  und 
deutsche  Literatur  1905,  1.  Abteilung,  XV,  220—230. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  61 

Sachsen  besafs  zur  Zeit  des  Nordischen  Krieges  bereits  ein 
sogenanntes  „stehendes  Heer",  aber  diese  auf  Johann  Georg  III., 
den  Vater  Augusts  des  Starken,  zurückgehende  Schöpfung  hefs 
noch,  wie  der  Augenschein  lehrte,  viel  zu  wünschen  übrig. 
Kein  Regiment  besafs  beim  Ausrücken  die  vorgeschriebene 
Sollstärke,  Verluste  im  Kriege  aber  mufsten  unersetzt  bleiben, 
da  ein  geregeltes  Ersatzwesen  fehlte;  denn  der  uns  geläufige 
Gedanke,  dafs  jeder  gesunde  junge  Mann  seinem  Landesherrn 
zur  Heeresfolge  verpflichtet  sei,  war  damals  den  Untertanen 
noch  völlig  fremd.  Die  Waffen,  ferner  Uniformen  und  Aus- 
rüstungsstücke waren  entweder  in  unzureichender  Menge  vor- 
handen oder,  wenn  doch  vorhanden,  in  schlechtestem  Zustande. 
Die  nötige  Munition  liefs  sich  nur  mit  Mühe  beschaffen,  nament- 
lich fehlte  es  der  Artillerie  an  schwerem  Geschütz,  um  einio-er- 
mafsen  gut  befestigte  Plätze  mit  Erfolg  belagern  zu  können. 
Auch  die  ordentliche  Verpflegung  und  Unterbringung  der 
Truppen  machte  grofse  Schwierigkeiten.  Yov  allem  aber 
fehlte  es  immer  an  Geld,  um  die  Soldaten  pünkthch  zu  be- 
zahlen. War  es  unter  solchen  Umständen  ein  Wunder,  wenn 
sich  die  Leute  auf  eigene  Faust  zu  verschaffen  suchten,  was 
sie  zu  einem  einigermafsen  erträglichen  Leben  brauchten, 
und  wenn  so  die  Disziplinlosigkeit  der  sächsischen  Truppen 
einen  geradezu  sprichwörtlichen  Umfang  annahm? 

Das  alles  mufste  anders  werden,  sollte  das  sächsische 
Heer  in  Zukunft  den  Anforderuno-en  ernster  Krieefe  o-e- 
wachsen  sein.  Am  liebsten  wäre  August  der  Starke  gleich 
1707  nach  dem  Abzüge  der  Schweden  ans  Werk  gegangen. 
Aber  er  mufste  sich  gedulden;  denn  während  sich  Karl  XII. 
in  der  Türkei  herumtrieb,  dauerte  der  Nordische  Krieg  für 
Sachsen  noch  bis  in  den  Winter  17 16  fort.  Namentlich  die 
Belagerung  von  Stralsund  hielt  lange  auf.  Aber  auch  nach- 
dem friedlichere  Zeiten  eingekehrt  waren,  durfte  der  König 
seinen  Ständen  nicht  grleich  mit  a^rofsen  Militärforderuno-en 
kommen.  Er  sah  sich  im  Gegenteil  genötigt,  den  Bestand 
seines  Heeres  .stark  zu  vermindern.  Aber  sobald  die  Wunden 
des  Krieges  leidlich  vernarbt  waren,  begann  er  mit  den 
Reformen  und  setzte  sie  mit  immer  wachsendem  Eifer  bis 
an  sein  Lebensende  fort.  Der  Erfolg  war,  dafs  er  1733  die 
Augen  mit  dem  Bewufstsein  schHefsen  konnte,  seinem  Sohne 
eine  Armee  von  30000  Mann  zu  hinterlassen,  die  wirklich  den 
Namen  eines  gut  funktionierenden  stehenden  Heeres  ver- 
diente. Die  einzelnen  Truppengattungen  setzten  sich  nun- 
mehr aus  einer  ganz  Ijestimmten  Anzahl  fest  in  sich  geglie- 
derter Regimenter  zusammen,  diese  Regimenter  aber  blieben 


62  Hans  Beschorner: 

fortan  im  wesentlichen  unverändert  bestehen,  während  früher 
die  im  Kriege  gelichteten  Regimenter  einfach  zu  neuen  zu- 
sammengeschweifst  oder  überhaupt  aufgelöst  worden  waren.. 
Vor  allen  Dingen  aber  hatten  diese  Regimenter  den  Cha- 
rakter privater  Unternehmungen  verloren,  der  ihnen  bisher 
mehr  oder  weniger  innegewohnt  hatte.  Früher,  namentlich  in 
der  Zeit  des  Söldnerwesens,  hatte  die  Bildung  der  Regimenter 
in  den  Händen  von  Obersten  gelegen,  die  mit  diesem  Ge- 
schäfte möglichst  viel  Geld  zu  verdienen  trachteten.  Von 
ihnen  hatten  die  Fürsten  beim  Ausbruche  von  Kriegen  die 
Regimenter  gestellt  bekommen  und  zufrieden  entgegennehmen 
müssen,  was  ihnen  an  Offizieren,  Mannschaften,  Pferden, 
Waffen  und  Ausrüstungsstücken  geliefert  wurde.  Das  war 
nun  anders  geworden.  Die  Regimenter  waren  von  jetzt  ab 
staatliche  Institute,  an  deren  Spitze  der  Landesherr  stand. 
Er  überwachte  die  Vollständigkeit  des  Etats,  er  ernannte  und 
beförderte  die  Offiziere,  über  die  er  zu  diesem  Zwecke  genaue 
Konduiten  führte,  er  ordnete  Art  der  Bewaffnung,  Bekleidung 
und  Ausrüstung  an,  er  sorgte  für  eine  tüchtige  Ausbildung 
der  Mannschaften  und  hielt  strenge  militärische  Zucht  auf- 
recht i). 

Namentlich  seit  dem  Jahre  1729  nahmen  die  Heeres- 
reformen einen  erstaunlichen  Umfang  an,  vielleicht  in  Rücksicht 
auf  kriegerische  Verwickelungen  mit  den  Habsburgern,  zu 
denen  die  politischen  Verhältnisse")  zu  drängen  schienen.  Die 
ganze  Armee  wurde  zunächst  stark  vermehrt.  General  Graf 
Wackerbarth  erschrak  nicht  wenig,  als  ihm  Frühjahr  1729 
der  König  aus  Polen  die  geplante  Heeresvergröfserung  mit- 
teilte und  zugleich  seine  Absicht  zu  erkennen  gab,  die  ver- 
mehrte Armee  1730  in  ein  grofses  Campement  zusammen- 
zuziehen''j.     ,,Wie  Pilze  schössen  ja  jetzt,  wenn  es  nach  des 


*)  Vgl.  über  die  verwandten  Vorgänge  in  PreufsenG.  Schmoller, 
Die  Entstehung  des  preufsischen  Heeres  von  1640 — 1740,  in  seinen 
„Umrissen  und  Untersuchungen"  (1898)  S.  247 — 288  (zuerst  erschienen 
in  der  „Deutschen  Rundschau"  III  (1877J,  Heft  iij. 

-)  Über  diese  und  das  Verhältnis  zwischen  August  dem  Starken 
und  Friedrich  Wilhelm  I.  von  Preufsen  in  den  Jahren  1728 — 1730 
s.  J.  G.  Droysen,  Friedrich  Wilhelm  I.,  2.  Band  (=  Gesch.  der 
preufsischen  Politik  IV,  3-),  S.  gSf.,  und  P.  Haake,  La  soci6t6  des 
antisobres,  in  dieser  Zeitschrift  XXI,  241—254.  Darin  auch  mehrere 
treffende  Bemerkungen  über  das  Zeithainer  Lager  (S.  250  f.). 

")  Völlig  überraschend  kam  übrigens  dem  Grafen  Wackerbarth 
die  Nachricht  nicht;  denn  in  einem  eigenhändigen  Schriftstücke 
des  Königs  „vor  den  General  Wackerbart"  Loc.  2097  Nr.  15  f.  i,  das 
sjjätestens  in  den  Sommer  1728  gehört,  heifst  es:  „Les  gardes-du-corps 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  63 

Königs  Willen  gehe,  die  Bataillone  aus  der  Erde",  meinte 
er  und  schrieb  auch  etwas  derartiges  seinem  königlichen 
Herrn,  diesem  offen  seine  Verwunderung  und  seine  Be- 
fürchtungen aussprechend.  Als  August  der  Starke  die  Äufserung 
las,  brach  er  in  ein  herzliches  Lachen  aus  und  meinte: 
„Attendez!  Je  lui  rephqueroi  bien  ses  Champignons  et  je 
l'attraperoi  sur  le  projet  qu'il  m'a  envoj^e,  de  conserver  le 
surplus  de  4000  recrus."  In  mehreren  Briefen  enthüllte  er 
dann  dem  erstaunten  Generale  seine  weitgehenden  Pläne  und 
löste  ihm  —  die  Wendung  kehrt  mehrmals  in  den  Schreiben 
wieder  —  ,,das  Rätsel  von  dem  Garten  (oder  den  Gärten), 
worin  die  Kompagnien  wie  Champignons  aus  dem  Boden 
schössen"^). 

Die  Armee  wurde  aber  nicht  nur  beträchtlich  vermehrt, 
sie  wurde  auch  vollständig  neu  eingekleidet,  neu  bewaffnet 
und  nach  neuen  Exerzierreglements  eingedrillt.  Auf  die 
Neuausstattung  seines  Heeres  hat  August  der  Starke  nicht 
weniger  Sorgfalt  verwendet,  als  auf  die  Schaffung  der  neuen 
Exerziervorschriften-).  Sachsen  hatte  bereits  seit  den  neunziger 
Jahren  des  17.  Jahrhunderts  ein  festes  Exerzierreglement,  das 
den  Namen  ,, Anleitung  zur  Drillekunst"  führte  und  auf  den 
Generalfeldmarschall  H.  A.  vonSchöning  zurückging.  Diesem 
ersten  Versuche  waren  1704 — 1705  neue,  von  den  Generalen 
J,  M.  von  der  Schulenburg  und  J.  H.  von  Flemming 
stammende  Reglements  für  die  Infanterie  und  Kavallerie  ge- 
folgt,   hatten   aber,   trotzdem  sie  mehrfach  umgearbeitet  und 


viennent  l'annee  1728  dans  l'october,  Baudis  1729  juin,  [les]  chevalier- 
gardes  et  Baudis  seront  de  ret[o]ur  ä  Varsovie  1730  septembre. 
L'annee  1729  au  moi  de  juillet  l'armee  doit  faire  le  long  de  l'Elbe 
divers  campements  ä  2  et  3  regiments  et  les  generaux  devaient 
etre  partag^s,  pour  y  assister.  L'annee  1730  l'armee  doit  faire 
un  campement  general  ä  Torgau  ou  a  Mülberg  au  mois 
de  juillet.  Les  autres  ann^es  ils  devaient  toujours  faire  des 
campements  le  long  des  rivieres,  [ä]  Wittemberg  2  regiments  de 
dragon,  Pretzsch  2  regiments  de  cavallerie,  Torgau  3  regiments 
d'mfanterie,  Strehla  2  regiments  d'infanterie,  Meissen  3  regiments 
d'infanterie,  Dresden  2  regiments  de  cavallerie,  Pirna  2  regiments 
de  dragon. 

^)  Vgl.  das  Schreiben  des  Oberstleutnants  und  Generaladjutanten 
Carl  Friedrich  Pöppelmann  an  Wackerbarth  vom  15.  Juni  1729 
Loc.  10947  Pacjuet  Ordres  f.  sssf  und  die  verschiedenen  Briefe  des 
Königs  Loc.  2097  Nr.  15  f-s»,  s^  und  Loc.  1211  VlI»  (Brief  vom  6. Juli 
1729  aus  Warschau). 

'-)  Über  die  Akten  zur  Geschichte  der  sächsischen  Exerzier- 
reglements, die  im  Folgenden  nur  kurz  angedeutet  werden  konnte, 
und  über  das  Verhältnis  Folards  zum  Zeithainer  Lager  vgl.  Kapitel  X. 


64  Hans  Beschorner: 

enveitert  wurden^  doch  auf  die  Dauer  ihrem  Zwecke  nicht 
zu  genügen  vermocht.  Deshalb  hefs  August  der  Starke  in 
den  zwanziger  Jahren  auf  Grund  der  von  seinen  Generalen 
im  Kriege  gemachten  Erfahrungen  neue  Exerzierreglements 
ausarbeiten,  nachdem  er  die  alten  zunächst  durch  Interims- 
reglements ersetzt  hatte.  Der  Entwurf  des  neuen  Kavallerie- 
Exerzierreglements  stammt  aus  dem  Jahre  1720,  der  des  neuen 
Infanterie  -  Reglements,  das  den  Obersten  Hildebrand  zum 
Verfasser  hatte,  aus  dem  Jahre  1722.  An  diesen  Entwürfen 
wurde  noch  lange  herumgebessert.  Namentlich  wurden  wohl 
die  Neuerungen  berücksichtigt  oder  zum  mindesten  erwogen, 
die  der  Chevalier  J.  Ch.  de  Folard  in  seinen  1724  erschie- 
nenen ,,Nouvelles  decouvertes  sur  la  guerre  dans  une  disser- 
tation  sur  Polybe"  und  in  seiner  1727 — 1730  veröffentlichten, 
mit  breitem  \vissenschaftlichen  Apparat  versehenen  ,,Histoire 
de  Polybe  nouvellement  traduite  du  Grec  par  Dom  Vincent 
de  Thuillier"  vorgeschlagen  hatte.  Erst  1729  wurden  die 
neuen  Reglements  endgültig  in  der  Armee  eingeführt  und  zu- 
nächst regimenterweise  unter  Aufsicht  und  Anleitung  zweier 
Exerzitien meister  (Oberst  von  Ludewig  bei  der  Infanterie, 
Oberstleutnant  von  Milckau  bei  der  Kavallerie)  in  besonderen 
Exerzier-Campements  eingeübt.  Oktober  1729  besuchte  der 
König  in  eigener  Person  alle  diese  Übungslager  und  über- 
zeugte sich  vom  Stande  der  Dinge.  ,,Ich  weifs  nicht",  heilst 
es  in  einem  der  „remarquablen  curieusen  Briefe"  vom  7.  No- 
vember 1729^),  ,,ob  man  observiret,  dafs  unser  itztregirender 
allergnädigster  Landes  -  Fürst  jemahln  sein  getreues  Sachsen 
auf  einmahl  also  durchzogen  und  völlig  durchreiset,  auch  in 
einer  Zeit  von  vier  Wochen  eine  Tour  von  98'/.-,  Meilen  glück- 
lich zurückegelegt  und  darinnen  Dero  gesamte  Armee  besehen, 
allergnädigst  beliebet,  wie  im  verwichenen  Monath  October 
geschehen.  —  Der  Anfang  dieser  Landes-Reise  (bei  der  am 
24.  Oktober  die  beiden  Königlichen  Majestäten  August  der  Starke 
und  Friedrich  Wilhelm  I.  von  Preufsen  in  Lübben  zusammen- 
trafen) geschähe  den  5.  Oktober  von  Leipzig  aus,  da 

den  gedachten  5.  Oktolier   in   Gross-Zschocher  das  erste 
Reg.  Guarde- Infanterie, 


')  Iccander,  Kurtzgefafstes  sächsisches  Kern-Chronicon  (Zu- 
sammenfassung der  „Remar(iual)len  curieusen  Briefe  . . .  merkwürdiger 
Begebenheiten  ...  im  Churfürstentum Sachsen"),  anderer  Band,  Leipzig 
1732,  S.  636—638.  Nicht  ganz  mit  den  Angaben  Iccanders  über  die 
Inspektionsreise  des  Königs  stimmt  die  „Tabelle  des  revues"  in 
Loc.  3331  Lettres  du  comte  de  Wackerbarth  au  comte  de  Mann- 
teuffel  1728/29,  f.  233,  überein. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  65 

den  6.  Oktober  in  Gröbern  be}'  Leipzig  das  Hackeborn. 
Cuirassier-Reg., 

den  9.  Oktober  in  Kindelbrück  das  Weissenfelss.  Reg.  In- 
fanterie und  das  Goldacker.  Drag. -Reg., 

den  12.  Oktober  zu  Tröglitz  bey  Zeitz  das  Crüger.  Reg, 
Cavallerie, 

den  14.  Oktober  in  Zwickau  das  Höhnische  Reg.  Infanterie, 

den  15.  Oktober  zu  Planitz  bey  Zwickau  die  Kattischen 
Dragoner, 

den  16.  Oktober  in  Chemnitz  das  Printz-Gothische  Res:. 
Infanterie, 

den  17.  Oktober  in  Langenrinne  bc}-  Freyberg  das  Pr,- 
Friedr.-Reg.  Cuirassier, 

den  18.  Oktober  in  Dressden  das  March.  Regfiment  In- 
fanterie,  item  das  Weimar.  Bataill.  Guarde, 

den  20.  Oktober  in  Bautzen  das  Löwenthal.  Reg.  Infanterie, 

den  22.  Oktober  in  Guben  das  andere  Reo-.  Guarde -In- 
fanterie, 

den  23.  Oktober  in  Lübben  die  Klingenbergischen  Dragoner, 

den  25.  Oktober  zu  Zweta  bey  Torgau  die  Arnstadt. 
Dragoner, 

den  26.  Oktober  in  Torgau  die  Cailaische  Infanterie, 

den  27.  Oktober  in  Grossenhayn  das  Wilckische  Reg. 
Infanterie, 

den  28.  Oktober  eine  Stunde  von  Grossenhayn  die  Cron- 
printz.  Cavallerie, 

den  29.  Oktober  in  Döbeln  die  Cronprintz.  Infanterie 
die  Revue  passiret". 

Die  Einführung  dieser  neuen  Exerzierreglements,  zu  denen 
auch  neue  Reglements  für  die  Garnisontruppen  und  neue 
Marsch-,  Verpflegungs-  und  Besoldungsreglements  traten, 
kostete  natürlich  viel  Geld,  ebenso  wie  die  Anschaffung  der 
neuen  Waffen  und  die  Anfertigung  der  neuen  Uniformen. 
Aber  das  Geld  war  nützlich  angewendet;  denn  es  kam  nun 
wirklich  eine  Armee  zustande,  mit  der  man,  wie  August  der 
Starke  befriedigt  äufserte,  etwas  anfangen  und  sich  im  Felde 
sehen  lassen  konnte,  die,  wie  er  ebenfalls  mit  Genugtuung 
betonte,  der  Stellung  Sachsens  im  Reiche  entsprach  und  dem 
Lande  die  Möglichkeit  gab,  sich  im  Bunde  mit  anderen  Staaten 
seiner  Feinde  zu  erwehren^). 


*)  Vgl.  Loc.  2097  Nr,  2  f.  5  und  6,  wo  August  der  Starke  in  einem 
eigenhändigen  Schriftstücke  betont,  ,,avoir  mis  l'arm^e  sur  un  pied 
de  s'en  servire  et  de  se  laisser   voir  en  campagne   sur  le  pied  de 


Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVIII.    i.  2. 


66  Hans  Beschorner: 

Dafs  August  der  Starke  den  Wunsch  hatte,  diese  neu  ge- 
schaffene und  neu  einexerzierte  Armee  einmal  beisammen  zu 
sehen,  um  sich  an  ihrem  AnbHcke  zu  freuen  und  sie  mit  Ge- 
nugtuung der  staunenden  Welt  zu  zeigen,  ist  vom  mensch- 
lichen Standpunkte  wohl  verständlich.  So  veranstaltete  er 
denn  im  Juni  1730  das  Zeithainer  Lager,  um  hier  die  General- 
musterung über  seine  neu  gekleideten  und  bewaffneten  Truppen 
abzunehmen  und  im  Anschlüsse  daran  die  neuen  Reglements 
auf  ihre  Brauchbarkeit  beim  Exerzieren  in  grofsen  Verbänden 
zu  prüfen.  Dabei  sollte  sich  auch  praktisch  zeigen,  was  von 
den  theoretisch  viel  erörterten  Neuerungen  Folards  zu 
halten  war. 

Aber  es  leiteten  Augu.st  den  Starken  auch  noch  andere 
Gedanken,  die  ihn,  wie  seine  Papiere  lehren^),  sehr  lebhaft 
l)eschäftigt  haben.  Seit  16  Jahren  hatte  seine  Armee  nicht 
mehr  im  Felde  gestanden,  seit  18  Jahren  hatte  er  selbst  keine 
Gelegenheit  mehr  gehabt ,  seine  Truppen  gegen  den  Feind 
zu  führen.  Das  war  schlimm.  Die  alten  Generale,  die  Er- 
fahrung besafsen  und  etwas  von  Truppenführung  verstanden, 
waren  tot  oder  abgegangen,  die  neu  ernannten  aber  hatten 
keine  Ahnung  davon,  wie  es  im  Kriege  zuging  und  was  der 
Krieg  eigentlich  von  ihnen  verlangte.  Handgriffe  machen 
lassen  und  ein,  vielleicht  auch  zwei  Regimenter  kommandieren, 
verständen  sie  allenfalls,  meinte  August  der  Starke.  Das  ver- 
lange man  aber  schon  von  jedem  Major,  während  die  Generale 
zu  Höherem  berufen  seien.  Ebenso  ungewohnt  aber,  wie 
den  Generalen,  war  den  unteren  Offizieren  und  den  Soldaten 
die  Bewegung  in  gröfseren  Verbänden,  Zudem  kannten  die 
Untergebenen  ihre  höheren  Vorgesetzten  gar  nicht.  Mufsten 
nicht  diese  Übelstände,  die  die  Folge  einer  allzu  langen 
Kriegsentwöhnung  waren,  nachteilig  auf  die  Schlagfertigkeit 
der  Armee  wirken?  Und  weiter:  Änderten  sich  nicht  auch 
mit  den  Zeiten  die  miHtärischen  Grundsätze?  Die  Alten, 
bekannte  August  der  Starke  einsichtsvoll,  hatten  hinsichtlich 
der  Kriegsführung  ganz  andere  Anschauungen,  als  wir  Modernen, 
und  auch  unsere  Nachkommen  werden  wahrscheinlich  vieles 
ändern  und  einen  andern  Standpunkt  einnehmen. 


25000  hommes",  und  an  einer  anderen  Stelle,  „avoir  mis  l'armoe  sur 
un  pied  tel  (jui  conviens  pour  la  Saxe  laquelle,  i>ar  des  alliances,  se 
peut  soutenir  contre  un  ennemi  qui  l'a  voulu  atta(jue". 

')  Vgl.  die  Ka])itel  IX  und  XI,  wo  die  wichtigsten  Schriftstücke, 
auf  denen  die  foli^ende  IJarstellung  l)eruht,  im  Wortlaute  mit- 
geteilt sind. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  67 

Alle  diese  Erwägungen  liefsen  August  dem  Starken  für 
Sachsen  ebenso  wie  für  alle  mit  Armeen  ausgestatteten  Staaten 
die  Forderung  als  durchaus  notwendig  erscheinen,  im  Frieden 
schon  den  Krieg  zu  üben,  d.  h.  vonZeitzuZeit  sogenannte  Campe- 
ments  zu  veranstalten.  Diese  Übungslager  sollten  den  Gene- 
ralen, die  er  ,,die  Seele  der  Armeen"  nannte,  und  vor  allem  dem 
Chef  en  general  Gelegenheit  geben,  mit  gröfseren  Verbänden 
Formations-  und  Frontveränderungen,  Marschbewegungen  und 
Manöver  auszuführen ,  ähnlich  wie  sie  die  Majore  (colonels !) 
mit  ihren  Regimentern  übten,  und  zwar  schnell  und  unter 
möglichster  Ausnutzung  des  Geländes.  So  allein,  äufserte 
August  der  Starke,  lernten  die  Soldaten  und  ihre  Führer  schon 
in  Friedenszeiten,  was  sie  im  Ernstfalle  l^rauchten,  und  ent- 
behrten nicht  aller  Erfahrung,  wenn  es  zum  Kriege  käme, 
sondern  wüfsten  sich  vor  dem  Feinde  zu  benehmen.  Ins  Ein- 
zelne gehende  Regeln  liefsen  sich  dafür  nicht  geben.  Die 
Ordre  de  bataille  und  die  Art  des  Schiagens  hingen  stets 
von  den  besonderen  Umständen  ab  und  wechselten  je  nach 
dem  Feinde,  mit  dem  man  es  zu  tun  habe.  Sache  der  Führer 
sei  es,  in  jedem  einzelnen  Falle  anzuordnen,  was  ihnen  in 
Rücksicht  auf  Feind  und  Gelände  zweckdienlich  erscheine. 
Immer  aber  müfsten  sie  ihre  Truppen  in  der  Hand  haben. 
Das  sei  jedoch  nur  möglich,  wenn  sie  schon  in  Friedenszeiten 
daran  gewöhnt  worden  seien,  die  verschiedenen  Waffen  sach- 
gemäfs  zu  handhaben  und  die  mannigfaltigsten  Bewegungen 
auszuführen,  sodafs  sie  nach  Belieben  da  verwendet  werden 
könnten,  wo  sie  gebraucht  würden. 

Um  die  Truppen  in  Atem  zu  halten,  erachtete  es  August 
der  Starke  für  notwendig,  dafs  diese  grofsen  Armeeübungen, 
diese  Kriegsschulen  für  Offiziere  und  Mannschaften,  min- 
destens aller  drei  Jahre  wiederholt  würden,  natürlich  nicht 
immer  in  genau  derselben  Weise,  sondern  mit  Änderungen. 
In  den  dazwischen  liegenden  Jaliren  aber  sollten  kleinere 
Übungen,  Regimentsexerzieren  und  separierte  Camps,  abge- 
halten werden,  wie  sie  auch  früher  schon  stattgefunden  hatten, 
z.  B.  1718  und  1728  bei  Dresden,  1725  bei  Elstra  und 
gleichzeitig  bei  Pillnitz.  August  der  Starke  hat  auch  nach 
diesem  Grundsatze  gehandelt:  1731  begnügte  er  sich  mit 
kleineren  militärischen  Übungen').  Dagegen  veranstaltete  er 
1732,    ein    halbes   Jahr    vor    seinem    Tode,    bei    Warschau 


')  Vgl.  Kriegsarchiv,  Loc.  1842  Campements,  worein  sämtliche 
Gardes  und  Regimenter  zu  Pferde  und  zu  Fufs  der  Musterung  und 
des  Exercircns  halber  ."iusammengezogen  worden,  1731. 


5* 


68  Hans  Beschorner: 

wiederum  ein  grofses  Campement,  das,  wie  die  Akten  und 
namentlich  die  in  der  Königlichen  Bibliothek  zu  Dresden 
darüber  vorhandenen  Prachtwerke  ausweisen,  nicht  viel  hinter 
dem  Zeithainer  Lager  zurückblieb  ^). 

Ganz  neu  war  dieser  Gedanke  der  grofsen  Armeeübungen 
nicht,  wenn  sie  sich  auch,  wie  ein  Zeitgenosse,  der  bekannte 
General  Schulenburg,  bezeugt-),  bisher  in  engeren  Grenzen 
bewegt  hatten.  In  Frankreich  wurden  bereits  seit  den 
Tagen  Ludwigs  XIV.  von  Zeit  zu  Zeit  sämtliche  Truppen  zu 
gemeinsamen  Lagern  vereinigt,  von  denen  das  mit  gröfstem 
Pompe  1698  bei  Compiegne  veranstaltete  am  meisten  Auf- 
sehen machte,  und  auch  in  Sachsen  hatte  schon  Johann 
Georg  III.  mehrmals,  z.  B.  1685  und  1688,  ähnliche  Exerzier- 
lager abgehalten'^).  Ob  August  der  Starke  an  das  Vorbild 
seines  Vaters  gedacht,  ob  er  sich  der  schönen  Pariser  Parade 
erinnerte,  die  er  als  Jüngling  (1687)  auf  seiner  Kavaliertour 
voller  Begeisterung  sah,  bleibe  dahingestellt.  Jedenfalls  wurde 
bei  ihm  der  Gedanke,  die  grofsen,  in  bestimmten  Zwischen- 
räumen wiederkehrenden  Armeecampements  in  seinem  Lande 


^)  Genaueres  über  dieses  Lager  bei  Warschau  bringt  Kapitel  XI. 
Wegen  der  Truppenübungen  bei  Dresden  1718  vgl.  Kap.  X  (das  unter 
Nr.  II  aufgeführte  Aktenstück),  wegen  ,,des  zu  einer  Generalrevue 
anljeraumt  gewesenen  Campements  bey  dem  Dorffe  Elster  (Amt 
Wittenberg)  1725"  das  Aktenstück  Loc.  10944  (auch  Loc.  1057  Die 
Verstärckung  und  Mol^ilmachung  der  Armee,  ingl.  das  vorgewesene 
Campement  bey  Wittenberg  betr.,  1723,  1725;  Loc.  10922  Ordres 
die  zum  Campiren  bey  Wittenberg  destinirten  Regimenter  betr., 
1725;  Loc.  10923  Revue  im  Campement  1725,  mit  dazu  gehörigen 
Rissen  und  Plans),  wegen  des  Pillnitzer  Campements  S.  75  und  76 
mit  Anmerkung  x),  endlich  wegen  des  „Campements  bey  Dressden 
(( )stra),  worein  die  Regimenter  Cronprinz-Cuirassirer,  Frinz-Friedrich- 
CAÜrassirer  und  Klingenberg -Dragoner  1728  gezogen  worden",  das 
entsprechende  Aktenstück  im  Kriegsarchiv  Loc.  1841. 

-)  S.  in  dem  S.  69  Anmerkung  i  mitgeteilten  Schreiben  Schulen- 
burgs  vom  7.  Juli  1730. 

")  Über  die  Entwickelung  des  Manövergedankens  in  den  ver- 
schiedenen europäischen  Ländern  vgl.  neuerdings  die  vom  Grolsen 
Generalstabe  herausgegebene  Einzelschrift  (Abteilung  für  Kriegsge- 
schichte II,  Heft  28  —  30)  „Die  taktische  Schulung  der  Preufsischen 
Armee  durch  Kernig  Friedrich  den  Grossen  während  der  Friedens- 
zeit 1745  bis  1756",  Berlin  1900.  Es  kommen  vor  allem  S.  391  und 
der  Anhang  Nr.  2,  S.  657  f.,  in  Frage.  —  Die  beiden  ersten  sächsischen 
Exerzierlager  bei  Torgau  1685  und  1688  erwähnen  Schuster  und 
Francke,  Geschichte  der  sächsischen  Armee  I,  112  und  113.  Über 
letzteres  ist  ein  besonderes  Aktenstück  vorhanden  Loc.  10818  Campe- 
ment der  churfürstl.  sächfsischen  Infanterie  sowohl  Cavallerie  und 
Dragoner  vor  Turgau  1688. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  69 

einzuführen,  geboren  aus  der  Erkenntnis  ihrer  unbedingten 
Notwendigkeit  und  aus  dem  Zwange  der  Verhältnisse. 

Mit  welcher  Sorgfalt  und  Gründlichkeit  der  König  alle, 
auch  die  kleinsten  Vorbereitungen  traf,  ist  erstaunlich,  und 
man  darf  es  dem  eben  genannten  Schulenburg  ruhig  glauben, 
dafs  unter  allen  Zeitgenossen  er  allein  imstande  war,  sich 
eine  derartige  Schaustellung  auszudenken,  vorzubereiten  und 
durchzuführen.  Nur  ein  Mann  von  seinem  Genie,  von  seiner 
Geschicklichkeit  und  seiner  Grofsartigkeit  konnte  nach  Schulen- 
burgs  Ansicht  ein  so  weitschichtiges  Unternehmen,  das  nicht 
nur  an  sich  schon  eine  Riesenarbeit  bedeutete,  sondern  auch 
noch  eine  Unzahl  einzelner  Mafsregeln  vmd  Anordnungen  er- 
forderte, ins  Werk  setzen  und  die  für  die  Lösung  all  der 
schwierigen  Aufgaben  geeigneten  Kräfte  ausfindig  machen'). 

Die  erste  Sorge  des  Königs  war,  nachdem  er  sich  ein- 
mal für  die  Veranstaltung  des  Campements  entschlossen  hatte, 
einen  geeigneten  Platz  dafür  auszusuchen.  An  welche  Gegen- 
den er  vielleicht  noch  gedacht  hat,  lassen  die  Akten  nicht 
erkennen.  Jedenfalls  entschied  er  sich  für  den  oben  näher 
beschriebenen  zwischen  Mühlberg  und  Grofsenhain,  nachdem 
er  ihn  am  5.  April  1729  zusammen  mit  dem  Oberstleutnant 
Poeppelmann  genau  besichtigt  hatte.  Bereits  Juni  1729  Hefs 
er  von  Polen  aus  dem  Generale  Wackerbarth  den  Situations- 
plan zugehen,  auf  dem  das  ,,Campement,  la  grandeur  de  la 
place  pour  les  mouvements,  oü  doit  etre  mis  le  pavillon,  la 
place  choisie  pour  le  quartier  du  Roy  avec  d'autres  annotations" 
eingetragen  waren,  um  ihm  ,,eine  umfassende  Idee  seiner  In- 
tentionen"  zu  geben,    und  bat  ihn,    seine  Ansichten   darüber 


1)  Mit  Rücksicht  auf  das  Zeithainer  Lager  schrieb  Schulen- 
burg („Leben  und  Denkwürdigkeiten  Johann  Matthias  Reichsgrafen 
von  der  Schulenburg"  I  [1834J  S.  4971)' am  30.  Juni  1730:  „Le  roi  de 
Pologne  est  peut-etre  l'unique  sou verain  qui  soit  capable  de  lui-meme 
d'imaginer  et  d'executer  tout  ce  qu'on  voudrait  entreprendre,  soit  le 
s^rieux  et  le  magnifique  ou  le  divertissement.  II  serait  ä  souhaiter 
qu'il  y  eut  phisieurs  monarques,  princes  et  souverains  de  son  g^nie, 
de  son  habilett-  et  de  sa  magnincence."  In  einem  Schreiben  vom 
7.  Juli  1730  aber  meinte  er:  „II  faudra  convenir  que  le  roi  de  Pologne 
a  peut-etre  autant  de  connaissance  des  affaires  de  guerre  et  sans 
doute  plus  que  la  plupart  des  g^neraux  d'aujourd'hui,  6tant  outre 
cela  unique  ä  imaginer,  ;i  regier  et  ä  disposer  les  choses  le  plus 
ä  propos  pour  ces  sortes  de  spectacles,  et  ce  qu'il  y  a  de  plus  ä 
admirer,  c^est  que  ce.monarque  est  le  premier  mobile  d'une  aftaire 
d'une  si  grande  ^tendue,  qui  n'exige  pas  seulement  un  grand  travail, 
mais  encore  une  infinite  de  reglenients  et  de  dispositions  de  detail, 
ä  quoi  vient  encore  que  tant  de  diff6rents  genies  doivent  etre  mis 
en  6tat  de  bien  ex^cuter  ce  qui  leur  ä  ete  commis." 


70 


Hans  Beschorner: 


zu  äufsern^).  Der  Platz  l^efriedigte  den  König  in  hohem 
Mafse.  ,,Die  Natur",  so  begründete  er  seine  Wahl,  ,, bietet 
hier  nach  vorn  eine  Ebene  von  6000  Schritt  ohne  alle  Hinder- 
nisse, zur  Rechten  einen  Sumpf,  zur  Linken  ein  Gehölz  und 
im  Rücken  einen  Flufs,  so  dafs  man  von  drei  Seiten  gedeckt 
ist  und  in  der  Front  nach  Belieben  handeln  kann.  An  dieses 
Gelände  hat  man  sich  zu  halten,  um  die  Schaulustigen  zu 
befriedigen  (eine  der  wenigen  Stellen,  wo  der  König  auf  die 
Zuschauer  Rücksicht  nimmt!).  Hätte  man  andere  Bodenver- 
hältnisse vor  sich,  würde  man  andere  Anordnungen  treffen. 
Aber  für  diesmal  mufs  das  Publikum  mit  dem  zufrieden  sein, 
was  es  zu  sehen  bekommt." 

Wann  sollten  ferner  —  das  war  die  zweite  wichtige 
Frage  —  die  Manöver  stattfinden?  Frühjahr,  Herbst  und 
Wintet  kamen  natürlich  überhaupt  nicht  in  Frage,  Von  den 
Sommermonaten  aber  boten  auch  die  meisten  ihre  Nachteile. 
Abgesehen  davon,  dafs  selbstverständhch  die  Felder  un- 
bestellt bleiben  mufsten,  fehlte  es  im  Mai  an  Gras  und  Heu, 
wenn  man  dies  nicht  in  o-rofsen  Matjazinen  aufhäufte.  Im 
Juli  und  August  mufsten  Menschen  und  Tiere  allzu  sehr  unter 
Hitze  und  Staub  leiden.  Der  September  aber  war  seit  alters 
her  ausschhefslich  der  Jagd  vorbehalten.  Blieb  also  nur  der  Juni, 
und  für  diesen  entschied  sich  auch  schliefslich  der  König. 

Drittens  aber:  wie  lange  sollte  das  Campement  währen? 
Unter  10  Tagen  ging  es  auf  keinen  Fall.  Beschränkte  man  sich 
auf  diese  kürzeste  Dauer,  so  mufste  jeden  Tag  exerziert  werden. 
Das  aber  war  für  die  Truppen  zu  anstrengend.  Infolgedessen 
entschlofs  sich  der  König,  allemal  zwischen  zwei  Exerzier- 
tage einen  Rasttag  einzuschieben  und  so  die  ganze  Veran- 
staltung auf  einige  Wochen  auszudehnen.  Die  Zahl  der  Wochen 
aber  hing  wieder  davon  ab,  was  man  zeigen  wollte.  Alles 
im  Kriege  Vorkommende  konnte  man  unmöglich  bieten.  Vieles 
wurde  schon  durch  die  Rücksichtnahme  auf  das  eng  begrenzte 
Manöverfeld  ausgeschlossen.  Ganz  richtig  äufserte  der  König: 
„Wollte  man  zwei  in  ganz  getrennten  Gegenden  versammelte 
Armeen  gegeneinander  ojierieren  lassen,  so  gestatten  das  ein- 
fach der  Wassermangel,  die  Verlegung  der  Magazine,  die  Um- 
quartierung der  Truppen  und  tausend  andere  Unbequemlich- 
keiten nicht.  Wollte  man  aber  eine  Art  Belagerung  vorGrofsen- 
hain  darstellen,  so  verbieten  das  ebenfalls  die  Unbe(iuemlichkeit 
des  Marsches,  die  Verlegung  der  Magazine,  die  Unterbringung 

')  Vgl.  die  beiden  Briefe  P()ppe]manns  vom  5.  April  (aus  Zeyd- 
han  datiert)  und  15.  Juni  1729  Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  555!.  und  564. 


Das  Ztithainer  Lai:;er  von  1730.  yi 

der  Zuschauer  und  der  Mangel  an  Zeit.  Solche  grofs  an- 
gelegte Übungen,  die  etwa  drei  Monate  dauern  und  ganz 
andere  Magazine  beanspruchen  würden,  mufs  man  späteren 
Jahren  vorbehalten.  Fürs  erste  sind  sie  undurchführbar." 
Aber  auch  wenn  man  die  Lagerdauer  statt  auf  drei  Monate 
nur  auf  drei  oder  vier  Wochen  ansetzte,  mufste  man  von 
vornherein  auf  viele  wichtig^e  Dino^e  verzichten.  So  strich 
der  König  einfach  die  Vorführungen  des  Wacht-  und  Vor- 
postendienstes, Alarmes,  Abmarsches  und  Hinterhaltes,  der 
Fouragierung,  Eskorte,  Plünderung  und  Fascinage,  die  er  in  dem 
ersten  Programmentwurfe  auf  die  Rasttage  angesetzt  hatte. 
Ja  trotz  seiner  ausgesprochenenVorliebefür  alles  Artilleristische 
und  Fortitikatorische  gab  er  es,  wenn  auch  schweren  Herzens, 
auf,  die  Verwendung  der  Kanonen,  Mörser  und  Minen  dar- 
zutun. Ursprünglich  dachte  er  daran,  für  diese  Vorführungen 
den  II.  Juni  zu  benutzen^),  einen  Sonntag,  der  gerade  zwischen 
zwei  Rasttage  fiel.  Der  Morgen  sollte  der  Andacht  gewidmet 
sein  und  ohne  militärische  Übungen  verlaufen.  Aber  nach 
Tisch  sollte  sich  der  Hof  hinter  das  Lager  begeben,  um  die 
hier  in  Parade  aufgestellte  Artillerie  und  Pionierabteilung  zu 
besichtigen.  Zunächst  sollten  diese  Handgriffe  zeigen,  dann 
aber  sich  an  ihre  Geschütze  begeben  und  mit  ihren  Kanonen 
und  Mörsern  hantieren.  Mit  Kugeln. und  Bomben  sollte  gegen 
flüchtig  aus  Schanzkörben  hergerichtete  Befestigungen  ge- 
schossen werden.  Endlich  sollte  der  Feind  durch  Feuer  und 
unterirdische  Minen  zur  Aufgabe  seiner  Stellung  gezwungen 
werden.  In  dieser  Weise  wollte  August  der  Starke  die  Be- 
Stimmung  der  Artillerie  und  die  Tätigkeit  der  Mineure  ver- 
anschaulichen, die  sonst  im  Lager  ganz  unnütz  waren.  Die 
Schanzarbeiten  sollten  von  den  janitscharen,  deren  man  sich 
vielfach  als  Pioniere  bediente,  während  der  Revue  ausgeführt 
werden.  Aus  Mangel  an  Zeit  mufste,  wie  gesagt,  auch  auf 
diesen  Teil  des  Programms  verzichtet  werden.  Übrigens  sei 
noch  bemerkt,  dafs  August  der  Starke  streng  von  diesen 
artilleristischen  Übungen  das  feu  d'artifice,  das  Feuerwerk, 
schied,  das  bisher  immer  als  Sache  der  Artillerie  angesehen 


')  Das  Folgende  ist  im  grofsen  Ganzen  eine  Übersetzung  der 
eigenhändigen  Niederschrift  Augusts  des  Starken  Loc.  2097  Nr.  15 
f.  9  f.  (Abschrift  Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  506),  die  mit  den  Worten 
beginnt:  „Comme  pendant  la  revue  on  demontre  en  detail  l'^cole 
de  la  guerre  et  ensuite  comme  on  Joint  ensemble  tous  ces  pieces 
des  dragons,  [de  laj  cavallerie,  Infanterie,  artillerie,  pour  s'en  servire 
en  difterents  mouvements,  il  serait  dommage  de  ne  pas  produire  la 
Service  du  canon,  des  mortiers  et  mines". 


-7  2  Hans  Beschorner: 

worden  war.  „Es  diene",  sagte  er,  ,,dem  Vergnügen,  nicht 
dem  Ernste,  est  bien  pour  la  rejouissance,  mais  pas  pour 
le  serieux;  deshalb  gehöre  es  an  das  Ende  der  ganzen 
Revue"  1). 

Vom  I.  bis  23.  Juni  fanden  mm  die  Übungen  in  genauer 
Anpassung  an  die  Stärke  der  Truppen,  die  Beschaffenheit 
des  Geländes  imd  die  zur  Verfügung  stehende  Zeit  nach  dem 
vorgesehenen-)  Programme  statt,  das  sich  allerdings  infolge 
der  schlechten  Witterung  und  der  Erkrankung  der  beiden 
Könige  etwas  verschob.  Eröffnet  wvirde  die  Reihe  der  fest- 
Hchen  Tage  mit  einer  grofsartigen  Parade,  die  der  König 
über  seine  gesamte,  von  dem  Generalfeldmarschall  Grafen 
V.  Wackerbarth  befehligte  Armee  abnahm'^).  An  der  Seite 
König  Friedrich  Wilhelms  I,  von  Preufsen  ritt  er,  umgeben 
von  einer  farbenprächtigen  Ehrenwache  vmd  begleitet  von 
einem  glänzenden  Gefolge,  in  dem  auch  die  Damen ^)  nicht 
fehlten ,  die  zwei  hintereinander  aufgestellten  Treffen  ab 
und  begab  sich  dann  nach  den  Zelten,  die  vor  der  Front 
errichtet  waren.     Sobald  hier  alles  versammelt  war,  begannen 


1)  An  der  S.  71  Anmerkung  i  angegebenen  Stelle. 

-)  Vergl.  Loc.  1056  II  f.  371™,  Acta  varia  f.  42,  49,  50,  134;  Loc. 
1064  f.  i;  Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  547!;  dazu  OHA.  I  f.  i02f. 

^)  Die  genaueste  Schilderung  der  Parade  mit  Beschreibung 
der  Regimenter  im  Staatskalender  G.  3  Sp.  4  —  H.  i  Sp.  3.  Daselbst 
auch  eine  Bemerkung  über  die  Kleidung  des  Königs.  Das  mit 
silbergefafsten  „sächsischen  Diamanten"  (Zabeltitzer  Kieseln)  besetzte 
Zaumzeug  und  der  grünsammetne  Sattel  mit  Goldstickerei,  den 
August  der  Starke  im  Lager  bei  Radewitz  benutzte,  sind  im  Histo- 
rischen Museum  zu  Dresden  zu  sehen  (Katalog  S.  199).  Hinsichtlich 
der  Eskorte,  deren  auch  der  Staatskalender  (G.  2  Sp.  i)  gedenkt, 
besagt  eine  Nota  OHA.  I  f.  ii4t>:  „Wenne  beyde  Könige  ausfuhren, 
ritten  nicht  nur  9  Towarischen,  so  geharnischt  waren,  Tiegerhäute 
umb  und  kleine  Fahnen  in  Händen,  der  eine  aber  den  Rofsschweiflf 
führete,  voraus,  sondern  es  folgten  auch  8  rot  und  gold  propre  ge- 
kleidete Ungarische  Edelleuthe  und  soviel  Pockojovien  oder  Pohl- 
nische Pages  und  6  Türeken  und  soviel  Paicken  oder  Pohlnische 
Heyducken  in  sehr  prächtigen  Kleidern  zu  Fusse,  so  jedesmahl  also 
geschehen".  Über  die  „kostbahre  Kleidung  derer  sechs  grofsen 
Caramertürcken,  so  nach  der  Arth,  als  selbige  beym  Einzug  Ihro 
Königl.  Hoheit  der  Prinzessin  anno  1719  gewesen",  gibt  ein  Befehl 
des  Grafen  Brühl  vom  28.  April  1730  Aufschlufs  (Loc.  900  XXXI  f.  116). 
Sie  bestand  aus  „Oberrocken,  Unterröcken,  CafFtans,  grossen  Hosen, 
Echarpen,  Turbans  (davon  die  zwey  ältesten  zum  Wechfsel  jeder 
zwey  bekommen),  gelben  saffianisclien  türckischen  Stiefeln  (davon 
gedachte  zwey  auch  zwey  Paar  und  der  Grölste  überdieses  noch 
ein  Paar  ganz  grofse  erhalten),  cannefasnen  Camisöhlern  (jedem 
drey  und  hierüber  jedem  zwey  Paar  feine  Strümpffe),  weifs  tuchenen 
Mänteln  und  rothen  holländischen  tuchenen  türckischen  Hosen". 
')  Die  Liste  der  im  Lager  anwesenden  Damen  s.  S.  109  f. 


Das  Zeithain  er  Lager  von  1730.  73 

die  zwischen  den  Bataillonen  aufgestellten  Geschütze,  24  schwere 
und  48  Feldgeschütze,  den  Salut  zu  feuern,  der  zweimal 
wiederholt  wurde ^).  Zum  Schlüsse  fand  Parademarsch  korps- 
und  regimenterweise  statt,  wobei  die  einzelnen  Truppen- 
gattungen in  Kompagnie-  bez.  Schwadronfronten  unter  den 
Klängen  der  für  diese  Gelegenheit  komponierten  Parade- 
märsche'-) im  Schritt  vorbeidetilierten. 

Am  3.  Juni  begann  dann  das  Einzel-Exerzieren,  und  zwar 
ganz  allgemein  in  der  Weise,  dafs  die  verschiedenen  Truppen- 
gattungen an  verschiedenen  Tagen  unter  mannigfachen 
Evolutionen  nach  dem  Pavillon  rückten,  wo  der  Hof  ver- 
sammelt war,  sich  um  diesen  herum  aufstellten,  ihre  Griffe, 
Chargier ungen  usw.  zeigten  und  dann  wieder,  ebenfalls  unter 
gleichzeitiger  Vorführung    von    allerhand  Formationsverände- 


1)  Obwohl  das  Pulver  bei  dieser  Gelegenheit,  ebenso  wie  bei 
den  folgenden  Manövern,  nach  dem  einstimmigen  Zeugnis  aller 
Berichterstatter  nicht  geschont  wurde,  war  der  Verbrauch  nach 
unseren  Begriffen  nur  gering.  Der  Soldat  bekam  126  Patronen  zu 
verschiefsen,  auf  deren  Hülsen  16  Bogen  Papier  gingen,  so  dafs  ein 
Bataillon  16  Riefs  4  Buch  Papier  brauchte;  vgl.  Loc.  10947  Paquet 
Ordres  f.  147 — 177.  Aufserdem  wurden  60000  papierne  Handgranaten 
ausgegeben;  vgl.  Thierbach  a.  a.  O.  S.  129.  Den  gesamten  ., Munitions- 
aufgang bey  der  grofsen  Revue"  verzeichnet  Loc.  14573  Pulver- 
mühlenbau 1731  und '1 732  betr.  (am  Schlüsse). 

*)  Der  Staatskalender  J.  3  Sp.  4  berichtet  zwar  nur  bei  dem 
Feuerwerke,  dafs  die  auf  den  Schiffen  untergebrachten  „Musicchors, 
welche  von  allen  Trompetern,  Pauckern  und  Hautboisten  der  gantzen 
Armee  gebildet  wurden",  beim  Vorbeidefilieren  vor  den  hohen 
Herrschaften  die  Regimentsmärsche  gespielt  hätten,  , .jedes  Chor  den 
March  seines  Regiments".  Man  darf  aber  mit  Bestimmtheit  an- 
nehmen, dafs  diese  Märsche  auch  schon  bei  der  Parade  am  ersten 
Tage  gespielt  wurden.  Sie  sind,  wie  aus  einigen  Stellen  in  den 
Papieren  Augusts  des  Starken  hervorgeht,  auf  Anregung  des  Königs 
für  das  Zeithainer  Lager  komponiert  worden  und  die  ersten  Bei- 
spiele von  Regimentsmärschen  in  der  sächsischen  Armee;  vgl. 
K.  Xeefe,  Die  Entwicklung  der  kur-  und  königlich  sächsischen  bi- 
fanteriemusik  von  den  ältesten  Zeiten  bis  Ende  des  18.  Jahrhunderts, 
in  dieser  Zeitschrift  XVIII  (1897),  109 — 125  (namentlich  i"2of.).  Bisher 
wurden  die  Märsche  der  Regimenter:  Er.-^te  Garde  (jetzt  Grenadier- 
Regimenter  Nr.  100  und  loi),  zweite  Garde,  Königlicher  Prinz, 
Pnnz  von  Sachsen-Gotha  (jetzt  Regimenter  Nr.  102  und  103),  von  Böhn, 
du  Caüa  (jetzt  Regimenter  Nr.  104  und  105),  von  Löwendal,  Herzog 
von  Weifsenfeis,  von  Drefsky  (jetzt  Regimenter  Nr.  106  und  107), 
Marche  bez.  Graf  Rutowski  wieder  aufgetunden  und  von  O.  Schmid 
1902  unter  dem  Titel  „Die  Infanterie- Märsche  der  vormaligen  chur- 
fürstl.  Sächsischen  Armee  1729"  bei  C.  A.  Klemm  (Leipzig,  Dresden, 
Chemnitz)  herausgegeben  (eine  andere  Ausgabe  mit  farbigem  Titel- 
blatt, das  u.  a.  einen  Grenadier  von  1730  mit  geschultertem  Gewehr 
zeigt,  bei  Breitkopf  u.  Härtel).  —  Die  Musikkorps  der  einzelnen 
Regimenter  beschreibt  genauer  Staatskalerder  G.4  Sp.4undH.  i  Sp.2. 


74 


Hans  Beschurner: 


rungen  und  Marschbewegungen,  ins  Lager  zurückkehrten. 
Leider  wurde  dieses  Einzel -Exerzieren  durch  die  kahe  Witte- 
rung sehr  gestört.  Beide  Monarchen  zogen  sich  nämlich  am 
Abend  des  3.  Juni  infolge  der  „durchdringenden  Kälte"  ein 
böses  Schnupfenfieber  zu,  das  bei  dem  Preufsenkönige  am 
5.  Juni  einen  starken  Gichtanfall  mit  ,,grofsen  Schmerzen  an 
der  linken  Hand  und  im  linken  Arm"  zur  Folge  hatte  und 
ihn  veranlafste,  aus  seinem  luftigen  Prachtzelte  nach  ,,den 
vordersten  Zimmern  in  dem  königlichen  Hause  am  Berge,  so 
unser  allergnädigster  König  räumte",  überzusiedeln.  Da  beide 
Regenten  einige  Tage  das  Bett  hüten  mufsten,  konnte  das 
Einzel -Exerzieren,  das  am  3.  Juni  von  den  Dragonern  er- 
öffnet und  am  5.  von  der  gesamten  Kavallerie  fortgesetzt 
worden  war,  erst  am  10.  weitergehen,  und  zwar  fanden  die 
Vorstellungen  der  Infanterie  am  10.,  der  Artillerie  am  12.  und 
der  Lanzer  am  13.  nachmittags  statt.  Letztere  stachen  zu- 
sammen mit  den  Polnischen  Husaren  nach  Ringen  und  brachen 
schliefslich  ihre  Lanzen  an  eigens  dazu  aus  Stroh  hergerich- 
teten Maschinen.  Das  Wetter  blieb  während  all  dieser 
Übungen  schlecht.  Zu  der  Kälte  gesellte  sich  auch  noch 
am  12.  Regen  und  Wind.  Durch  diese  Unbilden  der  Witterung 
wurde  namentlich  die  Artillerievorstellung  sehr  beeinträchtigt, 
die  zweifellos  als  ein  Glanzpunkt  aller;  Darbietungen  ge- 
dacht war. 

Auf  diese  Besichtigungen  der  einzelnen  Truppengattungen 
folgten  vom  15.  bis  19.  Juni  Exerzitien  der  ganzen  Armee, 
und  zwar  am  15.  nach  Folardschen  Grundsätzen  in  Kolonnen, 
am  17.  in  Phalanges  oder  Linien  und  am  19.  in  Karrees.  An 
die  Leistungen  der  Truppen  wurden  hierbei  die  gröfsten  An- 
forderungen gestellt.  Bei  den  Phalanxübungen  führte  z.  B. 
die  ganze  in  drei  Gliedern  aufgestellte  Armee  eine  Achtel- 
schwenkung um, die  eigene  Mitte  aus!  Die  Karreeübungen 
hatten  teilweise  bereits  den  Charakter  exerziermäfsiger  Ge- 
fechte. So  wurde  u.  a.  gezeigt,  wie  sich  die  Infanterie  in 
verschiedener  Weise  durch  Karreebildung  gegen  anreitende 
Kavallerie  schützt.  Die  gesamte  Kavallerie  machte  vom 
Gohrischwalde  her  eine  Attacke,  wurde  aber  von  der  In- 
fanterie, die  ein  Breit -Karree  gebildet  hatte,  abgewiesen. 
Als  sich  die  Kavallerie  hierauf,  in  zwei  Abteilungen  geschie- 
den, zu  einem  Angriff  auf  die  beiden  Flanken  anschickte, 
formierte  die  Infanterie  schnell  Längs -Karree  und  fing  mit 
den  beiden  Langseiten  den  dopj^elten  Stofs  auf.  Hierauf  zog, 
oder  lichtiger  gesagt,  w  ickelte  sich  die  Infanterie,  jede  Kom- 
pagnie  immer   unter   dem  Schutze  der  anderen  KomiDagnien, 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  j^ 

nach  dem  Dorfe  Streumen,  von  wo  sie  auf  Umwegen  erst  gegen 
5  Uhr  abends  ms  Lager  zurückkehrte. 

Zwischendurch  besichtigte  der  König  von  Preufsen  an 
den  Rasttagen  einzehie  Truppengattungen,  z.  B.  am  14.  und 
20.  das  Leibreginient  Grenadiere  (OHA.  I.  f.  18  und  21b), 
besah  sich  die  Uniformen  genau  (vgl.  Journal  officiel  bei 
von  Mansberg  S.  302)  und  hefs  sich  militärische  Neuerungen 
vorführen,  wie  die  Maultiere  mit  den  türkischen  Wasser- 
schläuchen am  2. Juni  (Staatskalender  H.  i  Sp.  3).  Bei  einer  dieser 
Gelegenheiten  hat  er  gewifs  auch  den  grofsen  Paukenwagen, 
der  bei  dem  Artillerieexerzieren  am  12.  Juni  seine  besondere 
Aufmerksamkeit  erregte,  genauer  besehen  und  zeichnen  lassen 
(Staatskalender  H.  2  Sp.  i).  Das  Wunderwerk,  das  „im  Jahre  1730 
kurtz  vor  dem  in  aller  Welt  berühmten  Radewitzer  Campe- 
ment  von  Herrn  Gottfried  Schmidt  aus  Lauban  .  .  ,  erfunden" 
wurde  und  ,,aus  zehn  also  in  einer  erhabenen  Stellage 
rangirten  Paucken  bestand,  dafs  sie  alle  zehn  von  einer  Person 
o-eschlaofen  werden  konnten",  ist  wohl  beschrieben  in  dem 
Traktat  ,,Von  dem  königlichen  curieusen  completen  Paucken- 
spiel,  dergleichen  noch  niemahlen  vorher  in  der  Welt  gehört 
worden,  und  einem  ingenieusen  Pauckenschiff",  Nr.  178  der 
,,Remarquablen  curieusen  Briefe  ....  im  Churfürstenthum 
Sachsen  1731"  (S.  806  —  808). 

Den  Abschlufs  der  Manöver  bildeten  zwei  Felddienst - 
Übungen  gröfseren  Stils.  Bei  der  ersten  handelte  es  sich  um 
die  Erzwingung  eines  Eibüberganges  durch  ein  Armeekorps, 
ÄhnHche  Übungen  hatte  August  der  Starke  schon  früher  ge- 
sondert veranstaltet,  z.  B.  1725  bei  Pillnitz;  denn  nach  dem 
umfänglichen  Aktenmaterial  ist  diese  Pillnitzer  Übung,  an  der 
die  Garde  du  Corps,  die  Kadetten -Kompagnie,  die  beiden 
Infanterie  -  Regimenter  Marche  und  Rudolstadt,  zwei  Kom- 
pagnien Artillerie  und  die  drei  Kompagnien  des  sogenannten 
Lusthäuser-Bataillons  teilnahmen,  durchaus  ernst  zu  nehmen. 
Sie  ist  keinesfalls,  wie  man  häufig  lesen  kann,  nur  eine  be- 
sonders wirkungsvolle  Nummer  in  dem  reichhaltigen  Programme 
der  Festlichkeiten  gewesen,  die  anläfslich  der  Hochzeit  der 
Gräfin  Auouste  Constantia  Cosel  mit  dem  Oberkammerherrn 
Heinrich  Friedrich  Grafen  von  Friesen  veranstaltet  wurden. 
Es  handelte  sich  dabei  um  die  Erstürmung  einer  Befestigung, 
die  an  der  Elbe  aufo;eworfen  war  und  durch  eine  Flottille  von 
der  Wasserseite  her  geschützt  wurde.  Lange  wehrte  sich  die 
Besatzung  gegen  alle  Belagerungskünste  der  Angreifer,  mufste 
aber  schliefslich  doch  den  Widerstand  aufgeben.  Nachdem 
ein  Teil    der  Schanzen    durch  Minen    in    die   Luft    gesprengt 


y6  Hans  Beschorner: 

worden  war  (wobei,  wie  nicht  nur  der  Volksmund,  sondern 
auch  die  Akten  zu  erzählen  wissen,  15  ausgestopfte  Grenadiere 
mit  aufflogen!),  zog  sie  sich  zunächst  auf  die  benachbarte 
Eibinsel  zurück,  die  in  Eile  mit  Bollwerken  versehen  wurde, 
und  suchte  schliefslich  auf  der  zu  Hilfe  gekommenen  Flotte 
das  Weite'). 

Gröfser  als  diese  Pillnitzer  Übung  war  das  Manöver  am 
21.  Juni  1730  angelegt,  dem  der  König  mit  seinen  Gästen 
von  einer  auf  dem  linken  Eibufer  zwischen  Riesa  und  Gröba 
gelegenen  und  mit  9  kostbaren  grünen  Zelten  geschmückten 
Schanze  zusah.  Der  Grundgedanke  war  der,  dafs  ein  auf 
dem  linken  Eibufer  hinter  Gröba  stehendes  Armeekorps 
zwischen  Gröba  und  Bobersen  die  Elbe  überschreiten  wollte. 
Um  den  zwischen  Zeithain  und  Glaubitz  lagernden  Feind  irre 
zu  leiten,  liefs  der  Führer  des  Korps,  der  General  Wolff 
Heinrich  von  Baudis,  ein  paar  Bataillone  in  die  Nähe  des 
Dorfes  Moritz  marschieren  und  unter  dem  Schutze  einer 
Flotte  mit  grofsem  Lärm  einen  Scheinübergang  in  Szene 
setzen.  Während  sich  nun  zwischen  diesen  und  einiefen  vom 
Feinde  zur  Aufklärung  entsandtfen  Bataillonen  ein  hitziges 
Gefecht  entwickelte,  begann  die  Baudisische  Armee  den  ge- 
planten Übergang  auf  einer  sogenannten  Inventionsbrücke, 
d.  h.  einer  Brücke,  die  erst  längs  dem  Unken  Eibufer  lag  und, 
aufsen  mit  Buschwerk  versehen,  vom  jenseitigen  Ufer  nicht 
bemerkt  werden  konnte,  dann  aber  über  den  Strom  gezogen 
wurde.  Die  zuerst  übergesetzten  Truppen  warfen,  um  den 
Übergang  der  Nachfolgenden  zu  decken,  ein  Retranchement 
in  einem  rechten  Winkel  auf,  dessen  Scheitel  in  der  Richtung 
auf  Röderau  lag  und  dessen  einer  Schenkel  sich  an  Bobersen, 
der  andere  an  die  Elbe  (südwestlich  Lessa)  anlehnte.  Während 
nun  die  feindliche  Armee,  die  ihre  Täuschung  gemerkt  hatte, 
in  Doppelkolonne  von  Zeithain  über  Röderau  heranrückte  und 
den  Angriff  auf  die  Verschanzung  von  Promnitz  und  Röderau 
her  eröffnete,  segelte  die  Flotte,  mit  den  bei  dem  Schein- 
manöver verwendeten  Bataillonen  an  Bord,  die  Elbe  hinunter. 
Eine  die  Durchfahrt  hindernde  Schiffbrücke  bei  Riesa  wurde 
durch  schwimmende  Minen  in  die  Luft  gesprengt.  Darauf 
gingen  die  Schiffe,  nachdem  sie  die  Trvippen   ans   Land   ge- 

')  Genau  ist  dieses  Festungsmanüver,  dem  auch  Hansch  in 
seiner  Geschichte  des  Köni<2;l.  Sächsischen  higenieur-  und  Pionier- 
korps (Dresden  1898)  S.  82  einen  längeren  Abschnitt  widmet,  auf 
aktenmäfsiger  Grundlage  beschrieben  in  Über  Berg  und  Thal 
XXVIII.  Jahrgang  (1905),  S.  430—435  (,.,Die  Pillnitzer  Fest-  und 
Manövertage  Juni  1725"). 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  yy 

setzt  hatten,  bei  Lessa  vor  Anker  und  bombardierten  mit 
ihren  Geschützen  den  stürmenden  Feind  in  der  Flanke. 
Da  mit  Eintritt  der  Dunkelheit,  abends  V29  Uhr,  das  Re- 
tranchement  noch  nicht  genommen  war,  mufste  der  Über- 
gang der  Baudisischen  Armee  als  gelungen  betrachtet 
werden  ^). 

Auch  am  23.  Juni,  dem  Tage  des  Combats,  der  Schlacht, 
wurden  die  vorhandenen  Streitkräfte  in  zwei  Armeekorps  ge- 
teilt. Das  eine,  unter  dem  General  Adolph  Herzog  zu  Sachsen- 
Weifsenfels,  nahm  am  Rande  des  Gohrischer  Gehölzes  Auf- 
stellung, das  andere,  von  Wackerbarth  befehligte,  am  gegen- 
überliegenden Rande  des  Manöverfeldes.  Unter  den  üblichen 
Sicherheitsmafsregeln  rückten  dann  beide  Parteien,  selbst- 
verständlich vom  Pavillon  aus  gut  sichtbar,  gegeneinander 
vor.  Von  der  Kavallerie  wurden  Patrouillen  vorgeschickt 
und  Feldwachen  ausgestellt,  die  fleifsig  ,,recognoscirten  und 
zugleich  alle,  so  sie  verdächtig  hielten,  aufhüben,  zu  ihrem  Kom- 
mandeur führten  und  examinirten".  Dabei  kam  es  zwischen 
den  beiderseitigen  Vorposten,  den  Ulanen  und  Husaren,  zu 
einem  hitzigen  Vorpostengefechte,  das  infolge  seiner  Leb- 
haftigkeit bei  den  Zuschauern  groisen  Beifall  fand.  Mittler- 
weile hatten  sich  die  beiden  Armeen  einander  genähert, 
schwenkten  zur  Front,  zur  Schlachtlinie  ein  und  gingen 
unter  Kanonendonner  und  Flintengeknatter  gegeneinander  vor. 
Schritt  für  Schritt  mufste  die  Wackerbarthsche  Armee  zunächst 
weichen.  Bald  aber  wandte  sich  das  Glück  ihr  zu.  In  ein- 
stündigem zähen  Kampfe  gelang  es  ihr,  die  Weifsenfelsische 
Armee  bis  in  die  Nähe  des  Gohrischer  Holzes  zurückzutreiben 
und  sie  schliefslich  durch  Bedrohving  mit  einem  Kavallerie- 
Flankenangriffe  zur  Räumung  des  Feldes  zu  zwingen:  sie  ver- 
liefs  ihre  Aufnahmestellung  am  Rande  des  Gehölzes  und  trat 
den  Rückzug  durch  dieses  an.  Nach  diesem  rühmlichen 
Erfolge  marschierte  Wackerbarth  mit  seinen  siegreichen 
Truppen  nach  dem  Lager  zurück. 

Damit  endeten  die  militärischen  Darbietungen  des  Zeit- 
hainer Lagers,  die  auch  schon  bei  flüchtiger  Betrachtung  durch- 
aus nicht  den  Eindruck  machen,  als  seien  sie  nur  auf  Befriedi- 
gung einer  schaulustigen  Menge  berechnet  gewesen.  Wer  aber 
vollends  sie  unbefangen  afi  der  Hand  des  grofsen,  auf  Befehl 


1)  Eine  ausführliche  Schilderung  dieses  an  interessanten  Einzel- 
heiten reichen  Manövers  s.  im  Staatskalender  H.4  Sp.  i  —  I.2  Sp.i; 
desgl.  s.  1.2  Sp.  I  —  L3  Sp.i  eine  durch  zwei  einfache  Skizzen  er- 
läuterte Darstellung  der  folgenden  Schlacht. 


y8  Hans  Beschorner: 

des  Königs  herausgegebenen  Kartenwerkes  ^)  und  der  verschie- 
denen in  dieser  Zeitschrift  XXVII,  117  f.,  besprochenen  amt- 
lichen und  nichtamtHchen  Berichte  genauer  prüft,  kann  sich 
gewifs  dem  Eindrucke  nicht  verschUefsen,  dafs  es  sich  um 
durchaus  ernste  Absichten  handelte.  Zweifellos  war  Auoust 
der  Starke  bemüht,    seine  neu  geschaffene   Armee   der   Welt 


')  Über  dieses  Kartenwerk  ist  bereits  in  dieser  Zeitschrift 
XXVII,  i24f.,  ausführlich  gehandelt.  Die  daselbst  ausgesprochene 
Vermutung,  ,,dafs  es  von  Offizieren  des  Ingenieurkorps'', 
nicht  aber  von  Zürner  gezeichnet  worden  sei,  bestätigt  sich  durch 
Loc.  10947  f.  252!  In  einer  Registratur  vom  3.  März  1730  entschuldigt 
sich  nämlich  der  Oberstleutnant  Pöppelmann  (nicht  der  Oberland- 
baumeister) bei  mehreren  Generalen,  dafs  verschiedene,  näher  be- 
zeichnete Pläne  des  Zeithainer- Lager -Werkes  noch  nicht  vollendet 
seien ;  sie  würden  aber  demnächst  fertig  gestellt  werden.  Ungefähr 
in  dieselbe  Zeit  gehört  zweifellos  die  undatierte  ,,Specification  derer 
verfertigten  Zeignungen  mit  kleinen  Figuren  von  denen  Mouvements, 
so  im  grofsen  Campement  bey  Zeidhaj-n  1730  mit  der  Armee  repre- 
sentiret  worden,  wieviel  schon  albereits  in  Kupffer  gestochen  und 
was  sowohl  an  Zeignungen  als  Kupffern  zu  Complettirung  des 
grolsen  Werkes  fehlt"  (Loc.  1056  I  f.  332t)— d).  Danach  sind  127  Zeich- 
nungen fertig,  61  auch  schon  gestochen;  64  dagegeu,  das  Hoflager 
und  der  Situationsplan  müssen  noch  gestochen  werden.  Das  Werk 
ist  also  halb  fertig.  Dafs  es  aber  noch  vor  der  Revue  vollendet 
wurde,  darf  man  annehmen.  Zum  mindesten  wurden  alle  auf  die 
Manöver  bezüglichen  Pläne  vorher  fertig  gestellt;  denn  nach  Loc. 
10947  Paquet  Ordres  f.  244 — 269  bekamen  sie  alle  Generale,  General- 
leutnants und  Generalmajore  im  Laufe  des  März  ausgehändigt,  um 
mit  ihren  Offizieren  an  der  Hand  der  Risse  die  Bewegungen  und 
Manöver  durchzusprechen.  Nur  die  letzten  Blätter,  z.  B.  ,,die  Plans 
von  dem  Tage  du  passage  de  la  rivicre'',  wurden  erst  m  letzter 
Minute  fertig  und  konnten  daher  erst  im  Lager  selbst  vei  teilt  werden. 
Übrigens  wurden  die  Offiziere  streng  angewiesen,  „die  empfangenen 
Risse  und  Dispositiones  äufsersten  Fleifses  zu  secretiren  und  solche 
niemandem,  denen  sie  nicht  zu  wissen  nötig,  zu  communiciren". 
Ehe  die  Pläne  in  Kupfer  gestochen  wurden,  prüfte  sie  der  König 
sehr  genau  und  änderte  manches  noch  eigenhändig  daran;  vgl.  Loc. 
1056  II  f.  20.  Auch  entwarf  der  König,  wie  Loc.  1064  f.  285  zeigt, 
]iersönlich  den  Titel  für  das  Kartenwerk.  Er  sollte  ursprünglich  lauten : 
,, Topographie  du  Campement  de  Zeithayn  fait  par  les  troupes  de  Saxe 
de  Sa  Majesie  le  Roy  de  Pologne  oii  on  a  represente  les  difterents 
Corps  dont  eile  a  ete  composee,  leurs  ^volutions  en  particulier  et  en 
general,  apres  les  avoir  joints  ensemble".  An  Stelle  dieses  Titels 
wählte  man  aber  sj^äter  doch  einen  anderen;  vgl.  diese  Zeitschrift 
XX VII,  125.  Unter  den  Titel  wünschte  August  der  Starke  fol- 
gendes Register  gesetzt  zu  sehen:  i,  le  quartier  royal,  2.  tous  les 
camps,  3.  l'armee  en  parade  sur  2  lignes,  4.  exercice  des  dragons, 
5.  revue  de  l'infanterie,  6.  exercice  de  la  cavallerie,  7.  exercice  des 
lanciers  et  picjuiers,  8.  exercice  de  Tartillerie,  9.  mouvements  par  des 
colonnes,  10.  mouvements  par  des  lignes,  1 1.  meles  (=  melee)  et  combat 
de  la  cavallerie  et  Infanterie,  12.  passage  de  la  rivit-re  et  l'atta(|ue  d'un 
retranchement,  13,  bataille,  14.  teu  de  joj'e  ou  de  St. Jean,  15.  sepa- 


Das  Zeithainer  Lasjer  von  1730.  yg 

in  ihrem  vollen,  frischen  Glänze,  aber  auch  in  ihrer  trefflichen 
Schulung  zu  zeigen.  \'ür  allen  Dingen  lag  ihm  daran,  den 
König  von  Preufsen,  den  er  für  künftige,  vielleicht  gar  bald 
bevorstehende  Kriege  als  Bundesgenossen  geworben  hatte  und 
nun  noch  fester  an  sich  ketten  wollte,  von  der  kriegerischen 
Brauchbarkeit  seiner  Truppen  zu  überzeugen^).  Nach  preufsi- 
schem  Muster  hatte  er  seine  Armeereformen  durchgeführt. 
Sein  natürlicher  Sohn  Rutowski  hatte  in  die  preufsische  Armee 
eintreten  müssen,  um  deren  Einrichtungen  genau  zu  studieren. 
Proben  der  neu  einzuführenden  Waffen  und  Uniformen  hatte  der 
Preufsenkönio-  meist  erst  zurBeo-utachtung  vorgeleo^t  bekommen. 
Aufmerksam  hatte  endlich  August  der  Starke  selbst  mehrmals 
preufsische  Truppen  exerzieren  sehen,  das  letzte  Mal  auf  dem 


ration.  Das  Reg;ister  ist  in  mehrfacher  Hinsicht  beachtenswert; 
u.  a.  ersieht  man  daraus,  dafs  ursprünglich  in  dem  Kartenwerke  auch 
eine  Darstellung^  des  grofsen  Feuerwerks,  die  man  entschieden  ver- 
mifst  (s.  diese  Zeitschrift  XXVII,  140),  geplant  war. 

Dafs  Andrea  Zucchi  tatsächlich  das  von  Ingenieuroftizieren 
gezeichnete  Werk  gestochen  hat  und  andere  Stecher,  wie  Mylius 
und  Krügner  (vgl.  diese  Zeilschrift  XXVII.  125),  nicht  in  Frage 
kommen,  lehrt  der  Eintrag  indem  ,, Aufsatz  zur  Neujahrsmesse  1732" 
Loc.  354  (Chatoullensachen):  600  Tir.  dem  italienischen  Kupffer- 
stecher  Zuchi  wegen  in  Kupfer  gestochener  Platten  vom  Campement 
vermöge  des  mit  ihm  durch  den  Herrn  Obristlieutenaiit  Föppelmann 
geschlossenen  Contracts".  Den  Druck  besorgte  Accisrat  Weid- 
mann in  Leipzig,  der  bei  der  Michaelismesse  1730  (Loc.  354  Cha- 
toullensachen) .,auf  Abschlag  des  in  Kupffer  zu  stechenden  Campe- 
ments  und  [der]  Militär- Exercices  500  Tir.  zu  Anschaffung  des 
grofsen  Imperial- Pappiers  und  300  Tir.  zu  Anschaffung  der  Ku])ffer- 
Flatten''  erhielt.  Er  scheint  zunächst  nicht  melir  als  100  Exemplare 
gedruckt  zu  haben,  für  die  er  7256  Tir.  nach  und  nach  bekam. 
Erst  1742  tauchen  in  den  Chatoullensachen  (Loc.  354)  noch  einmal 
264  Tir.  für  vier  Exemplare  auf  Im  Ganzen  dürften  sich  nach 
diesen  Angaben  die  Kosten  für  das  Kartenwerk  auf  etwa  10 000  Tir. 
belaufen  haben.  Die  Summe  von  200000  Tir.,  die  Vehse  a.  a.  O.  V, 
63,  angibt,  kann  unmöglich  richtig  sein.  Sie  würde  zu  den  an- 
deren Campement- Ausgaben  in  keinem  Verhältnisse  stehen. 

Das  in  dieser  Zeitschrift  XXVII,  135,  bereits  erwähnte  Schreiben 
des  Grafen  Brühl  vom  19.  Oktober  1752,  das  die  Neuherausgabe  des 
Kartenwerkes  durch  den  Conducteur  Berggold  betrifft,  betindet 
sich  mit  drei  anderen,  auf  die  gleiche  Angelegenheit  bezüglichen 
Schriftstücken  Loc.  1056  III  f  164  —  170.  Das  kleinere  Format,  das 
Berggold  wählen  wollte,  ist  besonders  in  folgender  Stelle  hervor- 
gehoben: „So  sind  jedennoch  auch  sothane  Kupferplatten  deshalV) 
weiter  nicht  zu  gebrauchen,  weil  Ihro  Maj.  der  König  (Friedrich 
August  II.)  nunmehro  ein  ganz  anderes,  von  jenen  weit  unter- 
schiedenes Format  approbirt  und  dabe}-  das  ein  oder  das  andere 
annoch  zu  observiren  anbefohlen  haben". 

^)  Dies  und  das  Folgende  näher  ausgeführt  bei  Haake  in  dem 
S.  62  Anmerkung  2  genannten  Aufsätze. 


8o  Hans  Beschorner: 

Tempelhofer  Felde  1728  bei  seinem  Besuche  in  Berlin.  Nun 
wollte  er  zeigen,  dafs  das  preufsische  Vorbild  mit  Erfolg  nach- 
geahmt worden  war,  dafs  sich  die  sächsischen  Truppen  den 
preufsischen  an  die  Seite  stellen  liefsen.  Freilich  im  letzten 
Auo-enblicke  wurde  er  doch  unsicher.  Schon  in  seinem  ersten 
Schreiben  an  Friedrich  Wilhelm^),  worin  er  die  Absicht  kund- 
gab, eine  Revue  über  seine  Armee  zu  veranstalten,  und  die 
Wahl  des  Zeitpunktes,  am  besten  Mai  oder  September,  seinem 
Freunde  überliefs,  fügte  er  den  bescheidenen  Satz  ein:  ,,Ich 
weifs,  meine  Truppen  sind  nicht  so  brillant,  wie  die  Euren, 
aber  vielleicht  werden  sie  doch  Gnade  linden  vor  Euren  Auo-en; 
indem  man  versucht,  statt  unterhaltender  und  scherz- 
hafter Schauspiele  wirkliche  militärische  Übungen  zu 
bieten."  Auch  in  das  förmliche  Einladungsschreiben,  das  am 
IG.  Mai  1730  nach  Berlin  ging,  hatte  er  ursprünglich  eine  Be- 
merkung etwa  folgenden  Wortlautes  einflechten  wollen:  „Könnte 
ich  doch,  das  ist  mein  aufrichtiger  Wunsch,  Eurer  Majestät 
gespannten  Erwartungen  entsprechen  und  darauf  rechnen,  dafs 
Eure  Majestät  etwaige  Fehler  auf  Rechnung  meiner  eigenen 
18jährigen  Untätigkeit  und  der  16  jährigen  meiner  Truppen 
setzen".  Er  schwankte  jedoch,  ob  er  so  schreiben  könnte,  und 
versuchte  eine  andere  Fassung:  ,,Eine  1 8jährige  Untätigkeit 
müfsten  mich  eigentlich  zurückhalten,  den  erleuchteten  Augen 
Eurer  Majestät  die  Fehler  zu  zeigen,  die  sich  vielleicht  bei 
den  Manövern  meiner  Truppen  herausstellen;  aber  um  Eurer 
Majestät  Freude  zu  bereiten,  werde  ich  alles,  was  ich  in  meinem 
Alter  an  Erfahrung  noch  besitze,  zusammennehmen".  So  oder 
ähnlich  wollte  er  schreiben,  liefs  aber  schliefslich  doch  den 
Passus  weg,  da  dieser  nur  geeignet  war,  ihn  in  den  Augen 
seines  Bundesgenossen  herabzusetzen. 

Nur  zu  gern  nahm  Friedrich  Wilhelm  die  Einladung  an 
und  versicherte  in  seinem  Dankschreiben  vom  13.  Mai  1730 
seinem  Freunde,  ,,dafs  er  mit  gröfster  Freude  die  Gelegenheit 
ergreife,  sich  von  seines  Freundes  richtigem  Blicke  bei  der 
Veranstaltung  kriegsmäfsiger  tJbungen  uud  von  der  Güte 
seiner  Truppen  zu  überzeugen".  Ja  in  einem  zweiten  Schreiben 
vom  26.  Mai  sprach  er  sogar  ,,von  seiner  äufsersten  Ungeduld, 
seinen  königlichen  Freund  umarmen  und  seine  schöne  Armee 
sehen  zu  dürfen"-).     Geht    schon   aus  diesen  Schreiben  her- 

')  Dieses  und  die  folgenden  Schreiben  sind  wörtlich  abgedruckt 
in  Kapitel  XII. 

^)  Wenn  der  König  hier  von  der  „schönen  Armee"  Sachsens 
spricht,  so  ist  das  nicht  nur  eine  höfliche  Phrase.  Friedrich  Wil- 
helm I.  hat  fast  immer  einen  (i, einstigen  Eindruck  von  den  sächsischen 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  81 

vor,  dafs  Friedrich  Wilhelm  die  Einladung  zu  der  Truppen- 
schau ernst  nahm,  so  wird  dieser  Eindruck  noch  verstärkt 
durch  die  Briefe  des  nach  Berlin  gesandten  sächsischen 
Kammerherrn  Christian  Levyn  Grafen  von  Lynar  an  eine 
unp-enannte  Person  in  Dresden,  ü.  a.  heifst  es  da  in  einem 
Schreiben  vom  22.  Mai  1730,  dafs  der  König  von  Preufsen 
,,alle  Augenblicke  bis  zu  der  glücklichen  Zusammenkunft  zähle, 
die  er  mit  Ungeduld  erwarte",  ja  dafs  er  eines  Tages  sogar 
beim  Vorüberreiten  dem  Grafen  zugerufen  habe:  ,, Schon  wieder 
ein  Tag  näher  zur  Parade"'}.  Ganz  gewifs  aber  hätte  sich 
der  Preufsenkönig  nicht  so  auf  die  Zeithainer  Tage  gefreut, 
wenn  es  sich  dabei  nur  um  Gastereien,  Theatervorstellungen, 
Feuerwerke  und  Bälle  gehandelt  hätte.  Davon  hatte  er 
noch  seit  dem  denkwürdigen  Besuche  am  Dresdner  Hofe  von 
1728  genug,  wo  er  mit  derartigen,  ihm  nicht  nur  gleich- 
gültigen, sondern  geradezu  widerwärtigen  Belustigungen  bis 
zum  Cberdrusse  geplagt  worden  war.  Und  wenn  sich  Friedrich 
Wilhelm  wiederholt  in  anerkennendster  Weise  über  das  Ge- 
sehene und  die  untadelhafte  Haltung  der  sächsischen  Truppen 
aussprach  und  mit  vollster  Befriedigung  das  Zeithainer  Lager 
verliefs"-),  so  ist  das  ein  weiterer  Beweis  für  die  Ernsthaftig- 


Truppen  gewonnen,  wie  aus  zahlreichen  Äufserungen  hervorgeht; 
vgl.  O.  Krauske,  Die  Briefe  König  Friedrich  Wilhelms  L  an  den 
Fürsten  Leopold  zu  Anhalt -Dessau  1704 — 1740,  an  verschiedenen 
der  im  Register  S.  845  angegebenen  Stellen. 

*)  Loc.  1057  Cammerexpeditiones  f.  25  —  29:  drei  Briefe  Lynars 
vom  18.  April,  20.  und  22.  Mai  1730.  Der  erste,  der  nur  den  Ankauf 
einer  ,,argenterie''  für  1300  Tlr.  und  einer  Elenshaut  (peau  d'elan) 
betrifft,  kommt  für  das  Zeithainer  Lager  nicht  in  Frage.  Dagegen 
enthalten  die  beiden  anderen  noch  eine  ganze  Reihe  bemerkens- 
werter Einzelheittn.  U.  a.  ersieht  man  daraus,  dafs  Friedrich  Wil- 
helm L  vor  der  sächsischen  Truppenschau  durch  die  Besichtigung 
der  in  Berlin  garnisonierenden  Regimenter  und  durch  die  Feierlich- 
keiten anläfslich  der  Verlobung  seiner  Tochter  Charlotte  mit  dem 
Prinzen  von  Bevern  am  19.  Mai  den  Kopf  sehr  voll  hatte  und  infolge- 
dessen nicht  dazu  kam,  sein  Gefolge  endgültig  zu  bestimmen  [vg\. 
oben  S.  1081.  Am  30.  Mai  reiste  der  König,  der  gebeten  hatte,  den 
Capitain  Haacke  stets  in  seiner  Nähe  und  von  Keiserling  bei  dem 
Kronprinzen  einzuquartieren,  über  Elstra  und  Zelle  nach  Kossdorf. 
Er  traf  daselbst  mit  den  zur  Teilnahme  an  der  Revue  komman- 
dierten Offizieren  zusammen,  die  sich  auf  seinen  Befehl  mit  kalter 
Küche  und  Wein  versehen  hatten  und  eifrig  die  Frage  erörterten, 
ob  auch  für  die  Unterbringung  der  Pferde  gehörig  gesorgt  sein 
würde.  Auch  die  auswärtigen  Gesandten,  die  im  Lager  voraussicht- 
lich anwesend  sein  würden,  sind  in  einem  der  Briefe  genannt. 

-)  Vergl.  z.  B.  die  Bemerkung  des  Journal  officiel  zum  20.  Juni 
(von  Mansberg  S.  3031,  dafs  ,,Leurs  M^es  furent  toutes  Deux  fort 
satisfaites  des  exercices  du  corps  des  grenadiers",  oder  die  Angabe 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVIII.    i.  2.  6 


32  Hans  Beschorner: 

keit  des  Gebotenen,  um  so  mehr,  als  der  Preufsenkönig  ge- 
rade während  des  Campements  Schweres  durchmachen  mufste. 
Er  hatte  nicht  nur  körperUch  viel  zu  dulden  durch  den  tage- 
langen, heftigen  Gichtanfall,  der  ihm  gewifs  die  Freude  viel- 
fach beeinträchtigte.  Er  hatte  auch  seelisch  viel  zu  leiden 
durch  die  Mifshelligkeiten  mit  seinem  Sohne  Fritz,  die  gerade 
in  den  Zeithainer  Tagen  ihren  Höhepunkt  erreichten.  Im  Zeit- 
hainer  Lager  kam  es  zu  jenem  erregten  Auftritte  zwischen 
Vater  und  Sohn,  der  in  letzterem  unwiderruflich  den  Ent- 
schlufs  reifen  liefs,  sich  weiterer  unwürdiger  Behandlung 
durch  die  Flucht  zu  entziehen.  Nur  dem  Umstände,  dafs  der 
sächsische  Minister  Graf  Hoym  dem  Kronprinzen  und  seinem 
Freunde  Kattedie  erbetenen  Pässe  nach  Leipzig  verweigerte, 
ist  es  zuzuschreiben,  dafs  nicht  bereits  von  hier  die  Flucht 
erfolgte,  die  zwei  Monate  später,  am  5.  August,  bei  Steins- 
furth  ins  Werk  gesetzt  wurde  ^). 

Erscheint  somit  auf  aktenmäfsiger  Grundlage  die  bisher 
übliche  Auffassung,  die  von  einer  militärischen  Bedeutung 
der  Zeithainer  Tage  nichts  wissen  will  und  in  ihnen  nur  eine 
lange  Reihe  abwechslungsreicher  Vergnügungen  sieht,  nicht 
haltbar,  so  kann  im  Gegenteil  meiner  Meinung  nach  die 
vStellung  des  Zeithainer  Lagers  innerhalb  der  militärischen 
Bestrebungen  Augusts  des  Starken  nicht  hoch  genug  be- 
wertet werden.  Seit  den  Tagen  des  Nordischen  Krieges 
liatte  der  König  deutlich  erkannt,  dafs  Sachsen  unbedingt  ein 
tüchtiges,  ganz  anders  als  bisher  geartetes  Heer  brauchte, 
wollte  es  in  künftigen  Kriegen  mit  Ehren  bestehen  oder  sich 
auch  nur,  nach  dem  Grundsatze:  Si  vis  pacem,  para  bellum, 
eines  dauernden  Friedens  erfreuen.  Nur  eine  Armee,  wie  er 
sie  sich  in  der  zweiten  Hälfte  seines  Lebens  geschaffen  hatte 
und  wie  er  sie  nach  ihrer  Vollendung  1730  in  der  Mühlberger 
Ebene  vorführte,  konnte  nach  seiner  Überzeugung  ehien 
solchen  Frieden  verbürgen.  So  betrachtet,  liegt  ein  tiefer 
Sinn  in  den  meist  nicht  recht  verstandenen  Worten,  die  beim 
Schlufsfeuerwerke   am  24.  Juni  in  Riesenbuchstaben  glänzend 


des  „Lag;erpredigers"  (vgl.  diese  Zeitschrift  XX VII,  121  Nr.  34),  der 
K()nig  von  Freufsen  habe  am  2.  Juni  fieäufsert,  „dafs  Sie  in  Sachsen 
sich  wohl  viel  Proprete  und  Noblesse,  aber  dergleichen,  als  Sie 
gefunden,  doch  nicht  imaginiret". 

')  V^l.  u.  a.  J.  G.  Droysen,  Friedrich  Wilhelm  I.,  2.  Band 
(1869;  =:  Gesch.  der  preufsischen  Politik  IV  3'-)  S.  106,  L.  von  Ranke, 
Zwölf  Bücher  preulsischer  Geschichte  III  (1874),  107,  und  nament- 
lich R,  Koser,  Friedrich  der  Groise  als  Kronprinz,  2.  Auß.  (1901), 
S.  32 f 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  83 

aufleuchteten    und    von    einer   entsprechenden   Allegorie    be- 
gleitet waren: 

Sic  fulta  manebit  [sc.  pax]! 

Auf  eine  s(jlche  Armee  gestützt,  wird  er  dauern,  der  Friede! 


2.  Die   archivalischen    Quellen    für    das   Zeithainer 
Lager  nebst  Nachträgen  zur  Literatur. 

Akten  sind  über  das  Zeithainer  Lager  bei  der  Bedeutung 
und  dem  Umfange  der  Veranstaltung  sehr  reichlich  vor- 
handen, namentlich  wenn  man  alle  die  Akten  über  die  Neu- 
formierung der  Armee,  über  die  Neubekleidung  und  Neu- 
bewaffnung  der  einzelnen  Regimenter,  über  die  Verpflegung  usw. 
mit  in  Betracht  zieht. 

Als  die  wichtigsten  Aktenstücke  für  das  Campement  in 
engerem  Sinne  dürfen  i.  und  2.  die  beiden  Vol.  G^  Nr.  30  I  und  II 
des  Oberhofmarschallamts-Archives  in  Dresden  gelten 
(abgekürzt  mit  OHA.  I  und  11). 

Nächst  diesen  kommen  aus  den  Beständen  des  Haupt - 
Staatsarchivs  zu  Dresden  in  Frage: 

3.  Loc.  354  Acta  Chatoullensachen  1697  — 1747  betr., 
Vol.  I  (abgekürzt  Loc.  354  Chatoullensachen). 

4.  Loc.  431  Gesammelte  und  zusammengetragene  histo- 
risch-commissariatische  Nachrichten  von  dem  Chur-Sächssi- 
schen  Kriegsstaat  und  dessen  Wirtschafts -Verfassung  .  .  . 
1682  — 1782  .  .  .  .,  so  gefertiget  und  vollbracht  im  October 
des  1786^**°  Jahres  Elias  Unger,  Supernumerar.  Com- 
missariats-Secretarius  (abgekürzt  Loc.  431  Unger).  Aufser 
dem  kurzen  und  in  sehr  überschwenglichem  Tone  gehaltenen 
Abschnitte  über  das  Zeithainer  Lager  Bd.  I,  31  f.,  kommen 
noch  zahlreiche  andere  Partien  dieses  für  die  sächsische  Armee - 
geschichte  sehr  wichtigen  handschriftlichen  Werkes  in  Frage. 

5.  Loc.  900  Hof-  und  Obercämmerey-Cassesachen  anno 
1730,  Vol.  XXXI  (abgekürzt  Loc.  900). 

6.  Loc.  1056  Acta  das  [Anno  1730]  bey  Zeithayn  zu 
haltende  (bez.  gehaltene)  Campement  [und  grofse  Revue  der 
ganzen  Armee]  betr.  1729  — 1731,  III  Volumina  und  ein  Bei- 
lagekonvolut  ,,Acta  varia  das  grofse  Campement  bei  Radewitz 
und  Zeithayn  ....  betr.  1730"  (abgekürzt  Loc.  1056  I,  II,  III, 
Acta  varia). 

"'^  7.  Loc.  1057  Acta  das  bey  Mühlberg  gehaltene  Campe- 
ment bei.  1730  und  1802/3  (abgekürzt  Loc.  1057);  darin  ein 
besonders  foliiertes   Faszikel  „Acta   commissionis  die  in  dem 

6* 


84  Hans  Beschorner: 

Campement  .  .  .  vorgefallenen  Cammerexpeditiones  betr.  (ab- 
gekürzt Loc.  1057  Cammerexi-)editiones). 

8.  Loc.  1064  Das  Campement  zu  Zeithain  betreffende 
Schriften  (abgekürzt  Loc.  1064). 

9.  Aus  Loc.  2097  verschiedene  P'aszikel  der  eigenhändigen 
Niederschriften  Augusts  des  Starken,  z.  B.  Nr.  13,  14  und  15. 

10.  Loc.  6345  Das  Anno  1730  bey  Mühlberg  gehaltene 
grofse  Campement  und  besonders  die  Indemnisation  . . .  l3etr. 
1729 — 1735  (abgekürzt  Loc.  6345). 

11.  Loc.  10931  Ordres  von  des  Generals  en  chef  Grafen 
von  Wackerbarth  Exzellenz  1730,  Vol.  VI  und  VII  (abgekürzt 
Loc.  10 931,  VI  und  VII). 

12.  Loc.  10947  Paquet  Ordres  die  zum  grofsen  Cam- 
])ement  be\-  Zeithayn  gemachten  Veranstaltungen  betr.  1730 
(abgekürzt  Loc.  10947   Paquet  Ordre.s). 

13.  Loc.  10947  Rapports  von  der  Armee  im  Campement 
be}^  Zeitha}!!  de  anno  1730  (abgekürzt  Loc.  10947  Rapports). 

14.  Loc.  10947  Musterberichte  von  der  Cavallerie  und 
Infanterie  über  die  im  Campement  be\'  Zeithavn  gehaltene 
Musterung  derer  Regimenter  de  anno   1730. 

15.  Loc.  10948  Generaltabellen  de  anno  1730  (monat- 
liche Übersichten  über  den  Bestand  des  ganzen  Heeres  in 
Tabellenform). 

16.  Loc.  35043  Das  Lager  bei  Zeithayn  betr.  1729!". 
(abgekürzt  Loc.  35043). 

Andere  Aktenstücke  des  Hauptstaatsarchivs,  die  sich  auf 
ganz  bestimmte,  mit  dem  Zeithainer  Lager  zusammenhängende 
Dinge  beziehen,  z.  B.  auf  die  Indemnisationsfrage,  auf  die 
Kinführung  der  neuen  Reglements  usw.,  sind  o:eh()rigen  Ortes 
genau  angegeben  oder  gelegentlich  zitiert  worden.  Die  drei 
Akten.stücke: 

17.  Loc.  4637  Divulgirte  Beschreibung  von  dem  letzten 
Campement  bei  Zeitha3-n  de  anno   1730, 

18.  Loc.  10745  Acta  das  dem  Commercienrath  Weide- 
mann .  .  .  gestattete  Privilegium  betr.   1730. 

19.  Loc.  30638  Dafs  zu  Mühlberg  oder  Zeithayn  Anno 
1730  gehaltene  grofse  Campement  betr., 

die  sich  fast  ausschliefslich  auf  die  publizistische  Behandlung 
des  Zeithainer  Lagers  beziehen,  .sind  Ijereits  in  dieser  Zeit- 
schrift XW'II,  103  f.,  verwertet  und  erwähnt  worden.  Einige 
Nachträge  daraus  bringt  der  Schlufs  dieses  Kapitels. 

Aus  dem  Kriegsarchiv  zu  Dresden  verdient  haupt- 
sächlich der  Aktenliand  Loc.  2850   Acta  das   Campement  der 


Das  Zeithainer  Lat^er  vun  1730.  85 

Königl.  Pohl,  und  Churfürstl.  Sachs.  Armee  bei  Zeithayn  betr. 
1730,  Beachtung.  Dagegen  bietet  der  handschrifthche  Band: 
„Disposition  generale"  in  der  Bibliothek  des  General- 
stabes zu  Dresden  (B  V  Nr.  7450)  nichts,  was  in  den  Akten 
des  Hauptstaatsarchivs  nicht  auch  enthalten  wäre. 

Die  Literatur,  die  über  das  Zeithainer  Lager  erschienen 
ist,  wurde  bereits  eingehend  in  dieser  Zeitschrift  XXVII,  103  151 
(',, Beschreibungen  und  bildliche  Darstellungen  des  Zeithainer 
Lao"ers  von  1730"),  besprochen.  Von  neueren  Behandlungen 
.sei  hier  nur  noch  der  Abschnitt  ,,Das  Zeithainer  Lager"  in 
O.  Schusters  und  F.  A.  Franckes  Geschichte  der  sächsi- 
schen Armee  I  (1885),  200  —  203,  hervorgehoben  [37b];  da- 
selbst findet  sich  auch  am  Ende  des  Bandes,  Tafel  IV,  Skizze 
Nr.  6,  eine  recht  brauchbare  Orientierungskarte  für  das  Zeit- 
hainer Lager.  Von  dem  Aufsatze  ,,Etwas  Material  zur  Ge- 
schichte der  .sächsischen  Armee  unter  den  beiden  Friedrich 
August  1695  — 1763"  in  Schäfers  Sachsen-Chronik  I  (1854), 
196  —  222,  verdient  die  lange  Anmerkung  S.  218  f.  ,, Säch- 
sische Armee  im  Lager  bei  Zeitha3'n  1730"  [37c]  namentlich 
wegen  des  darin  enthaltenen  ,, Verzeichnisses  der  be}-  den 
Regimentern  angestellt  gewesenen  Stabsofficiers"  Beachtung. 

Zu  der  ungefähr  mit  dem  Campement  gleichzeitigen 
Literatur  sei  folgendes  nachgetragen:  Die  von  Clessel  ver- 
öifentlichte  ,, Nachricht  von  dem  bevorstehenden  Campement" 
(diese  Zeitschrift  XXVII,  107  Nr.  4)  führte  den  Titel:  ,,Kurtze 
Beschreibung  und  Vorstellung  des  kostbaren  Lagers  oder 
Sehens  -  würdigen  Lust  -  Campements  bey  INIühlberg,  welches 
von  Ihro  Königl.  Maj.  in  Fohlen  und  Churfl.  Durchl.  zu  Sachsen 
etc.  kommenden  Monats  Junii  dieses  i73oten  Jahres  zu  halten 
allergnädigst  angestellet".  Darunter  eine  Königskrone,  durch 
die  zwei  Lorbeerzweige  gesteckt  sind.  ,, Gedruckt  in  diesem 
i73oten  Jahre."  Die  vier  Seiten  starke  Druckschrift  in  Quart 
wies  nach  einer  Einleitung  im  Umfange  von  einer  Seite  den 
,,curieusen  Leser"  auf  die  acht  Pyramiden,  den  Pavillon,  die 
Backöfen,  die  ,,96  heimlichen  Gemächer  für  die  Cavallerie"  und 
die  90  für  die  Infanterie,  die  300  Heuschober,  die  drei  grofsen 
Eisgruben,  das  Hoflager,  die  Eibbrücken,  „die  grofse  gegossene 
und  sehr  kostbare  Statue  Ihro  Königl.  Majestät  zu  Pferde,  so 
en  fronte  orestellet  werden  soll",  u.  a.  hin  und  veröffentlichte 
das  Programm.  Loc.  1056  I  f.  272  f.  enthält  ein  Exemplar 
dieser  Clesselschen  Schrift,  ebenso  fol.  318  ein  Exemplar  des 
auch  schon  in  dieser  Zeitschrift  XX VH,  109,  unter  den 
beschlagnahmten  Schriften  erwähnten  ,,Glückwimsches  in  Form 
einer  Bataillon-Carree".     ,,Bey  dem  von  Ihro  Königl.  Majestät 


36  Hans  Beschorner: 

in  Pohlen  und  Churfiirstl,  Durchl.  zu  Sachsen  Herrn  Friedrich 
August  im  Monath  Junio  1730  höchst  ruhmwürdig  gehaltenen 
Campement  wollte  gegen  seinen  allerteuersten  Landes -Vater 
seine  allerunterthänigste  Devotion  durch  einen  in  Form  einer 
Bataillon  -  Carree  gesetzten  Reim  und  angehängten  Glück- 
wunsch bezeugen  Jxxx  Gxxx  Bxxx  Typogr.  Cult.",  sagt  der 
Verfasser  —  nach  Loc.  1056  I  f.  306  Johann  Gottlieb  Bauch  — 
auf  der  ersten  Seite  (dem  Titel).  Auf  S.  2  und  3  marschieren 
dann  die  den  Glückwunsch  bildenden  Worte  in  Karreeform 
auf,  dafs  dem  Beschauer  die  Augen  übergehen.  Auf  der 
letzten  (4.)  Seite  ist  noch  eine  poetische  Widmung  an  den 
König  hinzugefügt. 

Aufser  den  S.  107  — 109  im  XXVII.  Bande  dieser  Zeit- 
schrift erwähnten  Schriften,  die  behördhcherseits  weggenom- 
men wurden,  ereilte  dieses  Schicksal  noch  zwei  1730  er- 
schienene Schriften,  die  als  „Nützliche  Nachrichten"  zu 
Leipzig  ebenfalls  ,,bey  Joh.  Paul  Hoffmann,  Bilderhändler  in 
Herrn  Baumeister  Hohmanns  neuen  Hof  in  der  Peterstrafse", 
zu  haben  waren  und,  wie  das  Clesselsche  Schriftchen,  auf 
allerhand  Sehenswürdigkeiten  des  Lagers  (u.  a.  auch  auf 
,,Augusti  Statua,  die  grofs  und  hoch  zu  achten",)  aufmerksam 
machten.  Die  eine  davon  (ein  Exemplar  Loc.  1056  I  f.  289 
und  294)  trägt  auf  dem  ersten  der  vier  Quartblätter,  das  mit 
dem  in  kriegerischen  Emblemen  prangenden  polnisch -sächsi- 
schen Wappen  und  einer  in  ein  Dreieck  gefalsten  Huldigimg  an 
die  ,,Fridericorum  triga  Saxonica"  (August  den  Starken,  seinen 
Sohn  Friedrich  August  und  seinen  Enkel  Friedrich  Christian) 
geschmückt  ist,  den  Titel:  ,,Le  Campement  Royal  Saxon- 
Electoral,  n'etant  point  fatal,  n'a  pas  eu  Son  egal.  Ihro  Königl. 
Majestät  in  Pohlen  und  Chur-Fürstl.  Durchl.  zu  Sachsen 
Sehens-,  Wunder-  und  Ruhmeswürdiges  Campement  bey 
Mühlberg"  [4b].  Die  andere  dagegen  (zwei  Exemplare  Loc. 
1056  I  f.  281  und  290)  betitelt  sich:  „Anderweitige  nützliche 
Nachrichten,  vorstellend,  was  in  dem  von  Sr.  Kön.  Maj.  in 
Pohlen  und  Churf  1.  Durchl.  zu  Sachsen  Selbst-höchstpreifslich 
veranstalteten  Campement  der  Gegend  Mühlberg  vornehmlich 
zu  sehen  und  täglich  zu  observieren  ist.  Wegen  besorglichen 
Nachdrucks,  worinnen  öffters  viel  weggelassen  wird,  ist  in 
einem  kleinen  Kupferstich,  gleich  bei  der  ersten  Nachricht, 
eine  Bataille  praesentirend,  hierunter  gedruckt  worden  (folgt 
der  Stich).     Leipzig  1730"  [4c]. 

Vermutlich  wurde  auch  noch  eine  vierte  bei  Hoftmann 
erschienene  Schrift  von  acht  Quartseiten  beschlagnahmt,  die 
Loc.  1056  I  f.  317^  f.  begegnet.     Unter  dem  Titel  „Kriegs- 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  87 

Operationen,  wie  solche  in  dem  von  Sr.  Königl.  Majest.  in 
Pohlen  und  Churf.  Durchl.  zu  Sachsen  ordinirten  Campement 
der  Gegend  Zeithayn  unweit  Mühlberg  in  folgender  Ordnung 
täglich  zu  sehen  anno  1730  (darüber  eine  Fortuna  inmitten 
von  allerhand  Kriegsemblemen)"  [4d]  gibt  sie  das  „Programm 
vom  I.  — 28.  Jimi",  die  „Quartier -Lista"  und  das  „Nahmen- 
Verziechnifs  (!)  derer  Regimenter,  so  wie  sie  im  Campement 
placiret",  bekannt. 

Zu  den  verschiedenen  poetischen  Ergüssen  Kittel - 
Micranders  sei  noch  die  Ode  „Accelera,  quisquis  es!  Taha 
si  videre  cupis,  quae  numquam  vidisti,  numquam  visurus  es" 
[lOe],  nachgetragen,  die  den  in  dieser  Zeitschrift  XXVII,  iio 
Nr.  10  ^  bis  10 '^j  aufgeführten  Gedichten  in  einigen  Exemplaren 
(vgl.  Loc.  1056  I  f.  315 — 316^*^)  vorausgeschickt  ist  („Dresden, 
bey  Christian  Robring").  Sie  schliefst  mit  den  Worten: 
,,Non  morare!    Appropera!    Post  haec  occasio  calva!" 

Zu  Henrici-Picanders  „AllerunterthänigstenGedancken" 
(diese  Zeitschrift  XXVII,  112  Nr.  14)  möge  noch  bemerkt 
sein,  dafs  auch  dieses  von  dem  Verfasser  dem  Könige 
,,bei  Dero  hohen  Nahmens  -  Fe5^er"  überreichte  Poem  zu- 
nächst, ,, ungeachtet  S.  Kgl.  Maj.  hierüber  selbsten  ein  alier- 
gnädigstes  Wohlgefallen  bezeigt",  von  der  Leipziger  Bücher- 
kommission ,, öffentlich  zu  verkaufen"  verboten,  am  18.  Sep- 
tember 1730  aber  freigegeben  wurde  (Loc.  4637  f.  19  —  32, 
dazu  auch  Loc.  30638  f.  16).  ,,Dafs  Ihro  Königl,  Mt.  den 
Druck  derer  von  Troemern  gefertigten,  halb  teutschen  und 
halb  französischen  Verse  von  dem  Campement,  falls  nicht 
dabe}'  ein  besonderes  Bedencken  vorhanden  wäre,  allergnädigst 
verstattet  hätte",  besagt  eine  Registratur  Loc.  4637  f.  13. 

Ohne  selbständigen  Wert  ist  eine  Druckschrift,  von  der 
sich  ein  Exemplar  in  der  Bibliothek  des  grofsen  General- 
stabes zu  Berlin  gefunden  hat  und  die  den  Titel  führt:  „Das 
jauchzende  Sachsen,  d.  i.  AusführUche  Relation  der  be- 
sonderen Merckwürdigkeiten,  die  sich  bey  dem  magnifiquen 
Königl.  Pohlnischen  und  Chur-Fürstl.  Sächsischen  Lust-Campe- 
ment  bey  Mühlberg  in  Sachsen  anno  1730  vom  3.  Maij  bifs 
28.  Junii  täglich  zugetragen,  nebst  umständlicher  Beschreibung 
der  Beschaffenheit  des  Haupt-Lagers,  Lagers  der  Armee,  der 
grofsen  Jagd,  u.  a.  m.  Zum  beständigen  ruhmwürdigen  Ange- 
dencken  entworfen  von  einem,  der  denen  Lustbarkeiten  Selbst 
mit  beygewohnet  (Verlag  und  Druckort  weggeschnitten)"  [22b]. 
Das  Oktavbüchlein,  das  vor  dem  Titel  eine  künstlerisch  wertlose, 
phantastische  Darstellung  des  Zeithainer  Lagers  mit  allerhand 
allegorischem  Beiwerk  in  Kupferstich  zeigt,  ist  im  wesentlichen 


88  Hans  Beschorner: 

ein  Abdruck  des  Staatskalenderberichtes;  nur  hin  und  wieder 
sind  kleine  Anderunoren  oder  unbedeutende  Zusätze  ancrebracht. 
Hinzugefügt  ist  am  Schlüsse  ein  Gedicht,  das  mit  den  Worten 
anhebt:  „Lebewohl!  Grofser  August!  Du  hast  nunmehro  der 
Welt  etwas  gezeiget,  was  sie  bey  ihrem  hohen  Alter  noch 
nicht  gesehen",  und  mit  einem  frommen  Wunsche  weofen  Fort- 
bestehens  der  Freundschaft  zwischen  Sachsen  und  Preufsen 
schliefst.  ,, Der  Himmel  wolle  nie  dies  Band  der  Liebe  trennen! 
So  wird  sich  Brandenburg  und  Sachsen  glücklich  nennen." 

Dagegen  besitzt  einen  gewissen  selbständigen  Gehalt 
das  bereits  in  dieser  Zeitschrift  XXVII,  119  X'r.  29,  aufgeführte 
,, Journal  exact''^),  von  dem  Oberstleutnant  Haedrich 
kürzlich  (1906)  unter  dem  Titel  ,, Ausführliches  Tagebuch 
oder  eingehende  Beschreibung  aller  Vorkommnisse  in  dem 
grofsen  Lager  Sr.  Majestät  des  Königs  von  Polen  und  Kur- 
fürsten von  Sachsen  zwischen  IMühlbero"  und  Radewitz  in 
Sachsen  in  der  N^ähe  der  Elbe",  eine  deutsche  Übersetzimg 
in  Heft  XVIII  und  XIX  (S.  5 — 30)  der  ,,Veröffenthchungen 
des  Altertumsvereins  zu  Torgau"  unter  Hinzufügung  einer 
sachlich  belanglosen  Einleitung  gebracht  hat.  Dieses  ,, Journal 
exact",  das  mit  keiner  der  anderen  Schriften  ähnlichen  Inhalts 
übereinstimmt,  behandelt  die  Exercitien  ziemlich  kurz,  die 
Festlichkeiten  dagegen  recht  ausführlich  und  gedenkt  mit 
Vorliebe  aller  vorgekommenen  Unglücksfälle.  Beigegeben 
sind  das  übliche  ,, Verzeichnis  der  Tafeln"  (mit  Angabe  der 
Service,  Tafelleiter,  Küchenchefs  usw.),  eine  „Skizze  des  Lagers 
der  polnischen  und  sächsischen  Armee  in  zwei  Treffen",  eine 
,, Skizze  des  Vorbeimarsches  bei  der  grofsen  Parade  am.  i.Juni 
1730"  und  die  üblichen  Ansichten  von  Tiefenau,  Wacker- 
barths Quartier  usw. 

Nicht  unerwähnt  möge  zum  Schlüsse  bleiben,  dafs  sich 
auch  Goethe  über  das  Zeithainer  Lager  geäufsert  hat.  Im 
siebenten  Buche  des  zweiten  Teiles  von  ,, Dichtung  und 
Wahrheit"  sagt  er:  ,,In  allen  souveränen  Staaten  kommt  der 
Gehalt  für  die  Dichtkunst  von  oben  herunter,  und  vielleicht 
war  das  Lustlager  bei  Mühlberg  der  enste  würdige,  wo  nicht 
nationelle,  doch  provinzielle  Gegenstand,  der  vor  einem  Dichter 
auftrat.  Zwei  Könige,  die  sich  in  Gegenwart  eines  grofsen 
Heeres  begrüfsen,  ihr  sämtlicher  Hof-  und  Kriegsstaat  um  sie 
her,  wohlgehaltene  Trup])en,  ein  Scheinkrieg,  Feste  aller  Art: 


')  Erschienen, ,A  Amsterdam  chcs  fac(|ues  (le.s  Bordes  MDCXJXXX''. 
Ein  Exemplar  Ijesitzt  der  Torgduer  Altcrtumsvercin  in  seiner  Biblio- 
thek. 


Das  Zeithainer  Laisjer  von   1730.  89 

Beschäftigung"  genug  für  den  äufseren  Sinn  und  überfliefsender 
Stoff  für  scliildernde  und  beschreibende  Poesie.  —  FreiUch 
hatte  dieser  Gegenstand  einen  inneren  Mangel:  eben  dafs  es 
nur  Prunk  und  Schein  war,  aus  dem  keine  Tat  hervortrat. 
Niemand,  aufser  den  Ersten,  machte  sich  bemerkbar,  und  wenn 
es  ja  geschehen  wäre,  durfte  der  Dichter  (U.  von  König)  den 
einen  nicht  hervorheben,  um  andere  nicht  zu  verletzen  Er 
mufste  den  Hof-  und  Staatskalender  zu  Rate  ziehen,  und  die 
Zeichnung  lief  daher  ziemlich  trocken  aus;  ja  schon  die  Zeit- 
genossen machten  ihm  den  Vorwurf,  er  habe  die  Pferde  besser 
geschildert,  als  die  Menschen.  Sollte  dies  aber  nicht  gerade 
zu  seinem  Lobe  gereichen,  dafs  er  seine  Kunst  gleich  da 
bewies,  wo  sich  ein  Gegenstand  für  dieselbe  darbot?  Auch 
scheint  die  Hauptschwierigkeit  sich  ihm  bald  offenbart  zu 
haben;  denn  das  Gedicht  hat  sich  nicht  über  den  ersten 
Gesang  hinaus  erstreckt." 


3.  Die  Beschaffung  und  Herrichtung  des 
Manöverfeldes. 

Die  Beschaffung  des  Manöverfeldes  machte  grofse  Mühe, 
wie  die  umfänglichen,  nur  auf  diese  Sache  bezüglichen  Akten- 
stücke Loc.  35022  Nr.  260  und  261,  Loc.  35023  Nr.  262, 
Loc,  35038  Nr.  503  und  die  zahlreichen  Schriftstücke  in  fast 
allen  zum  Zeithainer  Lager  gehörigen  Akten  (namentlich 
Loc.  1056  Vol.  L  —  III)  bezeugen.  Vor  allem  galt  es,  die  Be- 
sitzer der  in  Frage  kommenden  Felder  zu  bewegen,  diese  im 
Jahre  1730  unbestellt  zu  lassen,  und  ihre  allzu  hohen  Ent- 
schädimmo:ssummen  auf  ein  amiehmbares  Mafs  zurückzuführen. 
Die  schwierigen  Verhandlungen  führte  eine  Sonderkommission, 
die  aus  dem  Geh.  Kriegsrat  J.  von  Bretschneider,  dem  Kammer- 
rat J.  Chr.  Hennicken  und  dem  Obersteuereinnehmer  Hofrat 
A.  F.  von  Schönberg  bestand  und  als  Sachverständige  den 
Kommissionsrat  Bucher  und  den  Amts  Verwalter  Bürger  (zeit- 
weise für  diesen  den  Amtmann  Schumann)  in  Grofsenhain 
zuzog. 

Ohne  genaue  Kenntnis  der  Gegend  und  des  Bodens 
konnte  sie  natürlich  nichts  anfangen.  Deshalb  liefs  sie  zu- 
nächst ,,die  ganze  Situation  von  der  Stadt  Mühlberg  bis  Grödel, 
Tieffenau  und  Gohrisch  mit  allen  dazwischen  liegenden  Dörffern, 
Forweru-en  und  Hölzern"  durch  den  Viceoberlandfeldmesser 
Christoph  Moritz  Dietze  genau  vermessen,  der  mit  Unter- 
brechungen   vom    25.  September  1728    bis   30.  Mai  1729,    im 


(jO  Hans  Beschorner: 

ganzen  50  Tage,  dazu  brauchte  und  271  TIr,  11  Gr.  dafür  er- 
hielt (nämhch  2 1  Gr.  täghche  Auslösung  nebst  Dach  und  Fach, 
dazu  Lohn  für  3  Handlanger,  einen  Anweiser,  wenn  ein  solcher 
von  den  Untertanen  nicht  gestellt  wurde,  und  zwei  Schnur- 
zieher;  vgl.  Loc.  35043  f.  iiof.);  eine  Nachmessung  im  De- 
zember 1729  und  Januar  1730  (vgl.  Rifs  Nr.  4  weiter  unten) 
war  dabei  nicht  mitgerechnet.  Das  Ergebnis  der  Tätigkeit 
Dietzes  waren  zwei  mehrere  Meter  messende  Risse  (,,in  mitt- 
lerem Mafse"),  die  mit  ihren  noch  gröfseren  Konzeptrissen 
(„in  grofsem  Mafse")  in  der  Kartensammlung  des  Hauptstaats- 
archivs, Rifsschrank  XII  Fach  2  Nr.  2  (K),  liegen.  Von  den 
beiden  in  jeder  Hinsicht  vorzüglichen  und  für  alle  lokalen 
Studien  in  der  Grofsenhainer  Gegend  unschätzbaren  Plänen 
stellt  der  eine  die  ,, Situation  von  der  Stadt  Mühlberg  und 
denen  Forwergen  Borschitz,  Schweditz  und  Klein -Dröbig 
(==  Klein -Trebnitz),  auch  alle  zwischen  selbigen  und  denen 
Dörffern  Borack,  Altenau,  Fichtenberg,  Kreynitz  und  Coben- 
Lhal  (=  Jacobsthal)  liegenden  Fkihren"  dar,  der  andere  die 
,,Delineation  über  die  Situation  von  Cottewitz  biss  Grödel, 
Tieffenau  und  Gohrisch  mit  allen  dazwischen  hegenden  Dörffern, 
Feldern,  Wiesen,  Teichen,  Höltzern  und  Wegen".  Aufser 
diesen  beiden  die  ganze  Gegend  veranschaulichenden  Orien- 
tierungskarten wurden  aber  noch  diejenigen  Fluren,  ,,die  zu 
dem  bevorstehenden  grofsen  Campement  geschlagen  worden", 
in  besondere  Risse  gebracht,  die  sich  Rifsschank  VIII  Fach  3 
Nr.  I — 5  (F,  der  fünfte  in  G)  befinden.  Davon  stellt  Nr.  i 
das  ,,Dorf  Zeithayn,  w^elches  der  Frau  Geheimde  Räthin  von 
Benckendorffen  nach  Grödel,  und  das  Dorf  Gohlis,  so  ins 
Landschulenamt  Meifsen  gehört",  dar,  Nr.  2  das  ,,Dorf  Wülck- 
nitz,  welches  Sr.  Excellence  dem  Herrn  General  en  cheff 
Reichsgrafen  von  Wackerbarth  zu  dero  Amt  Zabeltitz  gehört", 
Nr.  3  das  ,,Dorf  Lichtensee,  welches  dem  Herrn  Damm 
Siegmund  von  Pflug  auff  Strehla,  Trebnitzer  Anteils,  gehöret", 
Nr.  4  die  ,,Dörffer  Zeithayn,  Glaubitz,  Streumen  und 
Radewitz  femerweit"  (Dezember  1729  und  Januar  1730) 
und  Nr.  5  ,,die  Glaubitzer  Fluhren,  welche  unter  dem 
Herrn  General-Lieutenant  Freyherren  von  Seifertiz  gehören". 
Jeder  dieser  Risse  ist  mit  einer  summarischen  Berechnung  der 
j'uten,  mittleren  und  schlechten  Felder,  sowie  der  Wälder  und 
Wiesengründe  versehen.  Die  genauen  Unterlagen  zu  diesen 
Berechnungen  sind  in  den  sorgfältig  geführten  Ackerregistern 
enthalten,  die  zusammen  mit  den  Einzelvermessungen  der 
Acker,  im  Rifsschrank  XII  Fach  2  Nr.  i  (K)  aufbewahrt 
werden. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  51 


Erst  diese  zuverlässigen  Erhebungen  setzten  die  Mitglieder 
der  Kommission  in  die  Lage,  „nach  Proportion  und  Beschaffen- 
heit der  Äcker,  der  Aussaat,  des  Zuwachses  und  Ausdrusches" 
die  Flurschäden  richtig  einzuschätzen  (Loc.  1056  III  f.  57f., 
Loc.  6345  f.  47^  f.)  und  mit  den  Feldbesitzern  über  die  ,,In- 
demnisationen"  zu  verhandeln.  Mit  vieler  Mühe  „accordierten 
sie  endHch",  laut  der  unter  dem  17.  August  1730  erstatteten 
Relation  (vgl.  Loc.  1056 III  f.31 — 48,  dazuLoc.  6345  f.  150 — 167), 
„mit  denjenigen,  so  bey  währendem  Campement  bey  Zeithayn 
an  ihren  Grundstücken  Schaden  gelitten",  folgende  Aqui- 
valent^elder: 


"Sj^ 


1.  dem  Pachter  des  Rittergutes 
Promnitz,   Martin   Haasen,    vor 

alles  und  jedes 600   Tlr.    7  Gr.  10      Pf 

2.  dem  Rittergute  Bobersen      .     .       75     >,     19    ,>     ^       „ 

3.  der  Gemeinde  zu  Bobersen .     .       85     ,,       7    ,, 

4.  dem  Dorffe  Lessa 255     „       i 

5.  denenRöderauischenEinwohnern     191     ,,      18    ,,    11V2  " 

6.  der  Gemeinde  zu  Moritz  wegen 
derer  ruinirten  Feldfrüchte  und 
abgehender  Hutung  für  das 
Jahr  1730    ........     152     „     16    „   —       „ 

7.  der  Gemeinde  zu  Zeithayn  excl. 
des  Holzes 165     „       3    >5      6V4  „ 

8.  dem  Dorffe  Lichtensee  excl.  des 
Holzes 61     ,,       6    „   — 

9.  der  Gemeinde  zu  Streumen      .        28     ,,     21    ,,      3 

10.  ,,  „  ,,    Glaubitz  .     .     222     ,,       8 

11.  dem  Dorffe  Sageritz     ....       53     >,       3    ,j     4V2  '> 

12.  der  Gemeinde  zu  Radewitz       .     192     „     19    „     4V2  » 

Sa.   2084  Tlr.   II  Gr.    9^I^Pl 

,, Hierüber",  heifst  es  weiter  in  dieser  „Specification  derer 
Aequivalentgelder",  ,,sind  bereits  Monath  December  des  ab- 
gewichenen Jahres  von  denen  subdelegirten  Commissarien 
denen  be3den  Dörfern  Wülcknitz  und  Lichtensee  vor  die  un- 
besäet  gelassenen  Felder,  und  zwar  dem  Dorffe  Lichtensee 
638  Tlr,  21  Gr.  9  Pf.,  dem  Dorffe  Wülcknitz  aber  549  Tlr. 
4  Gr.  6  Pf.  zugestanden,  auch  allergnädigst  approbiret  worden. 
Mithin  beträgt  die  ganze  Summe  der  voriezo  würcklich 
verglichenen  und  regulirten  Aequivalentsposten  3272  Tlr, 
14  Gr,  ^/^  Pf.    Wenn  nun  auch  die  Cammerherrin  von  Wehlen 


?5 


ir> 


02  Hans  Beschorner: 

zu  Riesa  vor  die  bey  dem  Feuerwerk  erlittenen  Schäden 
200  Tlr. ,  die  Gemeinde  zu  Zeithayn  wegen  des  wegge- 
hauenen Holzes  300  Tlr.  vmd  die  Gemeinde  zu  Lichtensee 
wegen  ihrer  (von  den  Mierisch -Dragonern)  abgebrannten 
Zäune  in  Länge  von  2547  Ellen  200  Tlr.  zum  Aecjuivalent 
acceptirten,  so  würden  solche  Posten  zusammen  eine  Summe 
von  3972  Tlr.  14  Gr.  3^/^  Pf,  ausmachen."  Diese  Summe 
verringerte  sich  zunächst,  nach  Ausweis  des  Spezialreskriptes 
vom  30.  Mai  173 1,  auf  3272  Tlr.  14  Gr.  ^/^  Pf.  Da  aber  später 
4804  Tlr.  13  Gr.  8  Pf.  Nachforderungen  dazukamen  (u.  a.  200  Tlr. 
der  Kammerherrin  von  Wehlen  zu  Riesa,  248  Tlr.  6  Gr.  wegen 
der  Zeithainer  Holzschäden,  103  Tlr.  wegen  der  Lichtenseer 
Vermachung,  102  Tlr.  Streumer  Düngergeld,  500  Tlr.  dem 
Generalleutnant  von  Seyftertitz  wegen  des  Rittergutes  Glaubitz; 
vgl.  Loc.  35038  Nr.  503),  so  kostete  die  ganze  Indemnisation 
schliefslich  8155  Tlr.  9  Gr.  8'^/^  Pf.,  abzüglich  der  jährlich  weiter 
zu  bezahlenden  Äquivalentzinsen  (30  Tlr.  z.  B.  der  Gemeinde 
zu  Moritz  wegen  der  abgehenden  Hutung),  des  Steuererlasses 
an  verschiedene  Gemeinden  (an  Streumen  z.  B.  für  das  Jahr 
1729  198  Tlr.  19  Gr.  7  Pf.  Land-  und  Pfennigsteuer),  des  un- 
entgeltlich verschiedenen  Dörfern  überlassenen  Düngers  und 
anderer  Sondervergütungen. 

Eine  Sache  für  sich  bildete  die  Abtreibung  desjenigen 
Stückes  vom  Gohrischholze,  das  in  den  Exerzierplatz  hinein- 
ragte. Nach  dem  Staatskalender  G.  2  Sp.  2  (danach  v.  Mansberg 
S.  291)  besorgten  dieses  mühsame  Geschäft,  das  der  Oberst- 
leutnant Fürstenhoff  nebst  einem  Kondukteur  und  einem 
Zimmermeister  (Kreysser)  unter  sich  hatte  (Loc.  1056  I  f.  iPf. 
und  21),  500  Bauern  und  250  Bergleute,  nach  Loc.  1056  I  f.  36 
mufsten  aber  400  Berghauer  aus  dem  Ober-  und  Erzgebir- 
gischen  Kreise  hinzugezogen  werden,  da  zur  Fällung  des 
Holzes  und  Applanierung  des  Platzes  in  der  Erntezeit  nicht 
die  genügende  Zahl  Arbeiter  in  der  Zeithainer  Gegend  be- 
schafft werden  konnte.  Die  guten  Stämme  wurden  zum  Bauen 
des  Pavillons  und  anderer  Gel)äude  verwendet,  das  weniger 
gute  Holz  zersägt  und  in  Klafftern  am  Rande  des  Wäldchens 
aufgeschichtet.  An  ,,1  landarbeits-  oder  Ausroder-  und  Pla- 
nirungslöhnen"  wurden  nicht  weniger  als  10902  Tlr.  18  Gr. 
6  Pf.  (dazu  eine  Nachforderung  von  276  Tlr.)  gezahlt  (vgl. 
Loc.  35043  f.  21  —  24);  davon  entliel  nur  ein  kleiner  Teil  auf 
die  „Ferttigung  der  vier  Thännne  durch  den  Glaubitzer 
Morast".  An  Entschädigungen  aber  mufsten  330  Tlr.  41  Gr. 
I  I'f.  geleistet  werden,  nämlich  115  Tlr.  19  Gr.  6  Pf.  für  die 
Lichtenseer  Bauernholzer  und   215   Tlr.   11  Gr.   5  Pf.   für  das 


Das  Zeithainer  Lajsjer  von  1730,  53 

Gohliser  Pfarrholz,  von  dem  ,,das  Stück  ohnweit  von  dem  von 
Gohrisch  nach  Zeithayn  gehenden  Weg  an  bis  an  die  soge- 
nannte Pfaffenecke,  alhvo  die  Gohhsser  und  Zeithaynischen 
Felder  aneinanderstofsen",  d.  h.  7^/3  Acker  28^2  Quadrat- 
rute (Acker  =  300  Quadratruten)  mit  1541  Stämmen  Bau- 
holz w^eggeschlagen  wurde,  während  es  im  Ganzen  16^/^  Acker 
^2  Quadratrute  hielt  (vgl.  Loc.  6345   II  f.  13  —  22  und  201). 

Über  die  Herrichtung  des  Manövcrfeldes  durch  Ver- 
senkung der  Grenzsteine,  Einebnung  der  Feldraine,  Belegung 
gewisser  Richtlinien  (z.  B.  von  der  Mitte  der  Place  d'armes 
nach  dem  Pavillon  und  von  da  nach  den  beiden  nächsten 
Pyramiden)  mit  Rasen,  Absteckung  anderer  derartiger  Linien 
mit  buntgestrichenen  Pfählen  usw.  vgl.  aufser  den  übrigen  in 
Kapitel  II  angeführten  Aktenstücken  (z.  B.  Loc.  1056  II  f.  374f. 
die  Berechnung  Fürstenhoffs)  namentlich  das  daselbst  genannte 
Aktenstück  des  Krieofsarchivs.  Die  sechs  schlanken  Sandstein- 
Pyramiden,  die  die  Abgrenzung  des  Armeelagers  und  Manöver- 
feldes andeuteten,  von  Pöppelmann  entworfen  waren  und 
2487  Tlr.  kosteten  (vgl.  Loc.  354  Chatoullensachen  1729/30 
gegen  Ende),  hnden  sich  vielfach  abgebildet,  z.  B.  in  dem 
offiziellen  Kartenwerke,  im  Staatskalender  usw.  (vgl.  diese 
Zeitschrift  XXVII,  126,  vor  allem  136  und  139),  und  noch 
häufiger  beschrieben.  Beinahe  in  jeder  über  das  Zeithainer 
Lager  erschienenen  Schrift  ist  eine  mehr  oder  minder  aus- 
führliche Bemerkung  über  sie  enthalten;  vgl.  u.  a.  S[ommer], 
Die  Gedächtnissäulen  des  grofsen  Campements  bei  Zeithain, 
im  ersten  Bande  des  ,, Sammlers  ...  im  Königreich  Sachsen" 
(1838)  S.  67f.  Alle  sechs  Pyramiden,  von  denen  die  erste 
bereits  im  August  1729  durch  den  Maurermeister  Schob  fertig- 
gestellt wurde  (Loc.  35043  f.  9),  stehen  noch.  Allerdings  hat 
die  eine,  die  sich  mitten  auf  dem  heutigen  Truppenübungs- 
platze befindet,  durch  Artilleriegeschosse  stark  gelitten,  so 
dafs  eigentlich  nur  noch  der  Sockel  vorhanden  ist.  Mit  den 
anderen  geht  man  hoffentlich  möglichst  schonend  um  und  er- 
hält sie  dauernd  in  gutem  Zustande  als  letzte  Erinnerungs- 
zeichen an  ein  denkwürdiges  Ereignis  der  sächsischen  Ge- 
schichte.  Dafs  der  König  von  Preussen  diesen  Pyramiden 
eine  kupferne  hinzugefügt  habe,  die  oben  mit  den  Kronen 
von  Preufsen  und  Polen,  jede  im  Werte  von  1500  Talern, 
geziert  war,  ist  wohl  eine  der  Erfindungen  des  Mercure 
historiciue,  die  andere  Schriftsteller  gedankenlos  nachgel)etet 
haben;  vgl.  diese  Zeitschrift  XXVIl,  107,  dazu  die  erste  der 
l^eiden  S.  86  unter  dem  Titel  ,, Nützliche  Nachrichten"  er- 
wähnten Flugschriften. 


94 


Hans  Beschorner: 


4.    Die  Bauten  und  ihre  Verwendung. 


Die  Wirtschaftsgebäude.  Die  meisten  Wirtschafts- 
gebäude und  Vorratskammern  standen  bei  N  ü  n  ch  r  i  t  z  (Ningritz), 
Grödel  und  Moritz  in  der  Nähe  der  Elbe,  um  die  Waren, 
die  meist  zu  Wasser  angefahren  wurden,  nicht  erst  weit  trans- 
portieren zu  müssen.  Bei  Nünchritz  befanden  sich  u.  a.  ein 
grofser  Warenspeicher,  vier  grofse  Küchen  mit  besonderen, 
verdeckten  Backöfen,  vier  Holz-  und  Kohlenschuppen  und  ein 
Schuppen  zum  Hauptkellereivorrat  (OHA.  II  f.  31 — 35),  bei 
Moritz  u.  a.  mehrere  grofse  Schuppen,  das  grofse  Backhaus 
mit  14  Öfen,  der  Ofen,  der  lediglich  für  das  Backen  des  grofsen 
Kuchens  errichtet  war,  und  mehrere  Wohnhäuser  für  den 
Proviant-Offizier,  den  Schirrmeister  usw.  (Loc.  1056  III  f.  23 
und  135 f.).  Weitere  Magazine  waren  über  die  dem  Manöver- 
felde benachbarten  Dörfer  verteilt  und  dienten  meist  zur 
Aufnahme  des  Hafers,  der,  da  der  Bedarf  im  Lande  nicht 
gedeckt  werden  konnte,  hauptsächlich  aus  Hamburg,  Magde- 
burg, Mecklenburg  und  Böhmen  bezogen  wurde  (Loc.  1056  II 
f.  76  und  145 — 175).  Ein  besonders  grofses  Hafermagazin 
befand  sich  in  Borschütz,  westhch  Fichtenberg,  südlich 
Mühlberg  (Loc.  1056  II  f.  7). 

Das  Hauptschlachthaus  des  Hoflagers  stand  „bey  der 
Mühle  in  Radewitz"  (OHA.  f.  3if.),  während  die  Schlacht- 
häuser für  die  Armee  ebenfalls  bei  Moritz  lagen.  Die  Back- 
öfen bei  Nünchritz  und  Moritz  wurden  nach  den  Angaben  des 
Dresdner  Bäckermeisters  J.  A.  Zacharias  gebaut,  der  „in 
seinen  jungen  Jahren  Ihro  Ka3's.  Maj.  im  Felde  sowohl  in 
Backhäusern  als  Magazinen  Dienste  gethan  und  gute  Wissen- 
schaft darbey  erlangt  hatte".  Aufsein  eingereichtes  Promemoria 
hin  wurde  Meister  Zacharias,  der  durch  das  Backen  des  wohl- 
gelungenen ,, grofsen  Kuchens"  eine  gewisse  Berühmtheit  er- 
langt hat,  verpflichtet,  täglich  für  das  ganze  Heer  1 2  000  Brote 
zu  backen.  Für  den  Hof  buk  aufserdem  täglich  der  Mund- 
und  Hofbäcker  Zugck  150  —  200  Schock  Brote  und  Semmeln 
(OHA.  II  149^1).  Er  hatte  dazu  ein  eigenes,  vier  Öfen  um- 
fassendes Hofbackhaus  bei  Moritz  zur  Verfügung,  dessen 
Grund-  und  Aufrisse  OHA.  II  175!  in  bunter  Ausführung 
bietet.  Das  nötige  Mehl  erhielt  er  aus  der  der  Frau  von  Wehlen 
gehörigen  Mühle  in  Riesa,  die  mit  allen  drei  Gängen  der 
Hof-  und  Militärverwaltung  für  die  Dauer  des  Campements 
allein  zur  Verfügung  gestellt  worden  war  (OHA.  II  f.  137 '^  f-)- 

Aufser  den  erwähnten  Magazinen  undWirtschaftsgebäuden, 
sowie  zahlreichen  Ställen  (drei  z.  B.  bei  Radewitz)  sind  an 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  55 

festen  Gebäuden  besonders  der  Pavillon,  das  königliche  Palais, 
das  Damenpalais,  das  Wackerbarthsche  Quartier,  die  Kirche,  das 
Komödienhaus,  das  Lazarett  und  das  Postamt  hervorzuheben. 

Der  Pavillon,  der  den  Mittelpunkt  des  Manöverfeldes 
bildete  und  eine  anmutige  Schöpfung  Pöppelmanns  war,  ist, 
wi^  die  Pöppelmannschen  Pyramiden,  oft  dargestellt  und  be- 
schrieben worden;  s.  oben  S.  93.  Nach  einer  Berechnung 
vom  12.  November  1729  (Loc.  354  Chatoullensachen)  kostete 
er  5050  TIr.  14  Gr.  Davon  gingen,  wie  Pöppelmann  in  einem 
undatierten  Anschlage  bis  ins  einzelne  ausführt,  1307  Tlr.  14 Gr. 
auf  die  Aushebung  des  Grundes,  die  Ausschalung  des  Grabens 
und  die  Beschaffung  des  Bauholzes  für  das  unterste  Stock- 
werk (zusammen  1500  Stämme,  die  in  verschiedenen  Forsten 
ausgesucht,  gefällt,  herangefiöfst  und  -gefahren werden  mufsten). 
Dagegen  brauchte  Pöppelmann  nach  einem  zweiten,  ebenfalls 
sehr  genauen  Anschlage  vom  20.  Oktober  1729  für  das  zweite 
Stockwerk  einschliefslich  Tischler-,  Schlosser-,  Glaser-  und 
Malerarbeit  3030  Tlr.  15  Gr.  Letztere  war  allein  mit  1264  Tlr. 
angesetzt.  Die  Leinwand,  die  zum  Beziehen  der  beiden  Decken 
und  zum  Verkleiden  der  Säulen  gebraucht  wurde,  gab  J.  Gold- 
mann in  seinem  Anschlage  auf  270  Tlr.  9  Gr.  an.  ,,Vor  Bild- 
hauerarbeit endlich  und  andere  zum  Embellissement  nötige 
Erfordernus"  wurden  442  Tlr.  in  Ansatz  gebracht.  Kleinere 
Posten  waren  in  diese  Berechnung  offenbar  noch  nicht  mit 
aufgenommen;  so  kosteten  z.  B.  die  ,, beiden  grofsen  Fahnen 
von  weifs  und  cremoissin  Tafft,  die  das  Dach  gezieret  und 
worinnen  zwei  Schachspiele  mit  den  Worten  Otia  Martix 
stunden",  84  Tlr.  15  Gr.  (Loc.  1064  f.  282).  Sie  werden  heute 
noch  im  Historischen  Museum  zu  Dresden  aufbewahrt,  ebenso 
die  goldene  Krone  mit  rotseidenen  Vorhängen,  die  über  der 
einen  Balkonöffnung  angebracht  war. 

Das  Palais  für  den  König,  das  südlich  des  Dorfes 
Radewitz  auf  dem  Grund  und  Boden  des  Radewitzer  Bauern 
M.  Kühne  stand,  nicht  aber,  wie  man  häutig  lesen  kann,  an 
Stelle  der  abgebrochenen  Glaubitzer  Windmühle  südwestlich 
Radewitz,  war  innerlich  zweifellos  sehr  schön  ausgestattet. 
Das  lassen  die  Angaben  im  Staatskalender  G.  3  Sp.  i  (danach 
von  Mansberg  S.  292)  und  gelegentliche  Eintragungen  in  den 
Rechnungen  erkennen,  z.  B.  ,,8i  Tlr.  14  Gr.  Hoesen  vor  zwei 
Reiseschreibeschränke  nebst  Futeralen,  welche  ...  ins  Carape- 
ment  in  Königl.  Maj.  Zimmer  geliefert  worden",  oder  ,,198  Tlr, 
16  Gr.  dem  Tapetenmahler  Krausen  vor  zwei  Garnituren  ge- 
mahlter  Tapeten,  welche  in  Königl.  Maj.  Hause  im  Campe- 
ment  aufgemacht  worden  laut  Hofftapezier  Goldtmanns  Attestat" 


96 


Hans  Beschomer: 


(Loc.  354  ,,Eingelauffene  Schuldposten").  Äufserlich  aber  war 
das  Gebäude,  dessen  Pläne  auch  von  Pöppelmann  stammten, 
offenbar  verhältnismäfsig  einfach  gehalten,  wie  aus  dem  Grund- 
risse des  Hoflagers  in  dem  grofsen  Kartenwerke  und  aus  den 
Ansichten  des  Hoflagers  (s.  diese  Zeitschrift  XXVII,  138 f.) 
mit  Sicherheit  hervorzugehen  scheint.  Ein  Anschlag  vom 
12.  November  1729  (Loc.  354  Chatoullensachen,  Concepte 
deren  Verordnungen,  welche  zur  König.  Scatoulle  ergangen, 
de  anno  1729)  gibt  die  Kosten  dieses  Palais,  ,,das  iio  Ellen 
lanor  und  26  Ellen  breit  war,  nur  aus  einem  Stockwerk  be- 
stand  und  an  be3den  Enden  mit  zwei  Pavillons  geschmückt 
war",  auf  4003  Tlr.  20  Gr.  6  Pf.  an.  Aus  einem  Anschlage 
Pöppelmanns  vom  10.  November  1729,  der  ursprünglich  auf 
4412  Tlr.  12  Gr.  lautete  und  alle  Materialien  (namentlich 
Bretter,  Nägel  und  dergl.)  sowie  die  Transportkosten  dafür 
genau  angibt,  seien  folgende  Posten  hervorgehoben,  die  dazu 
beitrao-en,  uns  eine  Vorstellung  von  dem  Bauwerk  und  seinen 
Einzelheiten  zu  g-eben: 


&' 


,,168  Tlr.  dem  Mauermeister  vor  zwey  Camine,  auch  zwey 
Feuermäuern  hinaus  zu  machen  auf  beyde  Pavillons  (u.  a. 
30  Tlr.  für  6000  Mauerziegel  und  30  Tlr.  vor  die  2  Camine). 

246  Tlr.  16  Gr.  an  Tischlerarbeit,  z.  B.  für  46  Fenster- 
rehmen  ä  4  Ellen  hoch,  2  Ellen  weit,- vor  22  Fensterrehmen 
ä  3  Ellen  hoch,  2  Ellen  weit,  vor  12  Glafsthüren  ä  5  Ellen 
hoch,  2  Ellen  breit,  vor  18  eingefafste  Thüren  ä  5  Ellen  hoch, 
2  Ellen  breit. 

293  Tlr.  4  Gr.  an  Schlosserarbeit  (wieder  dieselben 
Türen  und  Fenster). 

310  Tlr.  an  Glasserarl:)eit ,  z.  B.  vor  46  grofse  Fenster, 
jedes  mit  vier  Flügeln  von  doppelt  Glafs  und  lireit  verzintcn 
Tafelbleg,  vor  22  Fenster  zu  verglafsen  auf  l)e\den  Sälen, 
vor  12   doppelte  Glafsthüren  mit  Taffein  zu  verglafsen"  usw. 

368  Tlr.  vor  Mahlerarbeit  überhaupt". 

Das  Damen])alais  dürfte  dem  Königlichen  Palais,  zudem 
es  eine  Art  Gegenstück  l)ildete,  ähnlich  gewesen  sein. 

Zu  einem  Palais  für  seinen  Kronprinzen  und  dessen 
Hofstaat  liefs  August  der  Starke  das  Rittergut  des  Dorfes 
Tiefenau  umgestalten,  das  nach  dem  Postlexikon  XVIII, 
869,  damals  nur  aus  dem  Gasthofe  und  4  Häusern  bestand. 
Ein  auf  den  Umbau  bezüglicher  Befehl  an  den  Oberland - 
baumeister  Pöppelmann  vom  23.  März  1730  (Copial  der 
II.  Rent-Expedition  1730  Vol.  I  f.  161 'M.)  lautet:  ,, Lieber  Ge- 
treuer.    Hierbey  hast   du  einen  Aufsaz  über  Einrichtung  des 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  ny 

bey  nechst  bevorstehenden  Campement  vor  Unsers  Königl, 
Prinzens  Liebden  und  Dero  Hoffstadt  angewiesenen  Haupt- 
quartiers zum  Tieffenau  zu  empfahen,  mit  Begehren,  ihr 
wollet  alles  in  Augenschein  nehmen  und  wo  bey  dem  Auff- 
saze  an  Holz  und  Gelde,  auch  Arbeiterlöhnen  noch  etwas 
zu  erspahren,  auch  wie  die  Baumaterialien  hernachmahls  bey 
dem  Bau  zu  Elsterwerda  mit  angebracht  werden  können,  wohl 
überlegen  und  uns  darüber  zu  weiterer  Verfügung  euern  aller- 
unterthänigsten  Bericht  und  pflichtmässiges  Guttachten  auffs 
schleunigste  erstatten  und  gegenwärtigen  Innschluss  wieder 
mit  einsenden".  Danach  war  der  Umbau  des  Tiefenauer 
Rittergutes,  der  sich  wohl  hauptsächlich  auf  das  Innere  bezog, 
nur  ein  vorübergehender.  Der  Aufsatz,  auf  den  in  dem 
Schreiben  Bezug  genommen  ist,  fehlt  leider  bisher  noch.  An 
die  Instandsetzung  Tiefenaus  ging  man  deshalb  so  spät,  weil 
der  Kronprinz  und  seine  Gemahlin  ursprünglich  daran  dachten, 
mit  in  der  Zeltstadt  zu  kampieren;  vgl.  das  undatierte  eigen- 
händige Konzept  eines  Briefes  Augusts  des  Starken  (Loc.  2097 
Nr.  14  f. 6):  ,,Si  la  princesse  veut  et  peut  (am  25.  August  gebar 
sie  den  Prinzen  Xaver),  il  serait  plus  commode  qu'elle  campät. 
Vous  serez  le  mieu  informe  de  sa  volonte  et  de  l'etat  oü 
eile  se  portera  dans  ce  temps  lä,  Les  tentes  se  trouveront 
et  je  m'y  suis  prepare.  Mais  si  le  campement  parait  in- 
commode,  il  y  a  Tiefenau  de  Madame  Pflug  qui  est  une  jolHe 
maison  avec  un  jardin  et  qui  n'est  eloigne  que  de  deux  milles 
pas  du  pavillon  d'oü  on  verra  les  exercices  et  mouvements. 
Sur  quoi  il  faut  que  je  soit  informe  ä  temps.  J'en  vous  envoie 
le  plan  de  la  Situation." 

Die  Kirche,  die  bei  dem  Wackerbarthschen  Quartier 
nicht  weit  von  dem  heutigen,  1730  noch  nicht  oder  nicht  mehr 
bestehenden  Dorfe  Mark-Siedlitz  lag,  war  klein  und  nur 
lür  den  evangelischen  Teil  der  Hofgesellschaft  bestimmt.  In 
ihr  predigte  jeden  Sonntag  der  Hofprediger  Dr.  Gleich,  der 
allemal  eigens  zu  diesem  Zwecke  aus  Dresden  herbeigereist 
kam.  Der  König  von  Preufsen  versäumte  keinen  dieser 
Gottesdienste.  Am  4.,  11.,  18.,  24.  und  25.  Juni  fand  er  sich 
pünktHchst  dazu  ein  (OHA.  I  f.  73  und  II  f.  39).  —  Für  die 
Armee  wurde  an  jedem  Rasttage  in  feierhcher  Weise  Feld- 
gottesdienst gehalten,  was  auf  die  Zuschauer  besonderen  Ein- 
druck machte;  vgl.  z.  B.  die  oben  S.  86  besprochenen  „Ander- 
weitigen nützlichen  Nachrichten".  Die  Liste  der  im  Zeit- 
hainer Lager  fungierenden  Feldprediger  ist  im  „Sächsischen 
Curiositäten-Cabinet"  abgedruckt;  vgl.  diese  Zeitschrift  XXVII, 
109a,    dazu  Loc.   4570    Derer   Feldprediger    Beförderung   in 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVUI.    1.  2.  7 


q8  Hans  Beschorner: 

Sachsen  betr.  17 12  — 16,  item  die  Annehmung  derer  benöthigten 
Feldprediger  bei  dem  bevorstehenden  Campement  betr.  1730, 
und  Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  63 — 80.  Man  hatte  unter 
den  Geisthchen  „die  tüchtigsten  und  exemplarischen  Subjecta" 
ausgesucht,  ganz  l^esonders  deshalb,  weil  ,,die  Aufmerksamkeit 
des  ohnfehlbaren  grofsen  Confluxus  sovieler  Frembden  ein 
solches  erheischet"  (Loc.  1056  II  f.  173^). 

Dafs  das  oft  erwähnte  Komödienhaus  in  Streumen 
kein  besonderes  Gebäude  gewesen  sei,  könnte  man  vielleicht 
daraus  zu  folgern  geneigt  sein,  dafs  es  nirgends  abgebildet  und 
auch  auf  keinem  der  ofticiellen  Pläne  eingezeichnet  ist.')  Dafs 
es  aber  nicht  nur  eine  zu  Schaustellungen  hergerichtete 
Scheune  oder  dergl.,  sondern  ein  von  Pöppelmann  her- 
rührender besonderer  Bau  war,  geht  aus  der  Stelle  des  weiter 
unten  (S.  loi)  mitgeteilten  Pöppelmannschen  Briefes  hervor, 
in  der  der  Oberlandbaumeister  von  der  Versetzung  des 
Theaters  an  einen  anderen  Platz  und  Verlängerung  um  34  Ellen 
spricht.  Über  die  musikalischen  Darbietungen  in  dem  Komödien- 
hause s.  Staatskalender  H.  i  Sp.  4  und  von  Mansberg  S,  291. 
Die  Stücke  dagegen,  die  die  in  Streumen  wohnenden  Komö- 
dianten (OHA.  I  f.  36)  aufführten,  gibt  das  „Diarium"  (OHA.  I 
f.  12  f.),  mit  dem  die  Angaben  des  Staatskalenders  nicht 
immer  ganz  übereinstimmen,  folgendermafsen  an: 

2.  Juni  war  in  Streumen  die  erste  italienische  Comödie. 
Was  gegeben  wurde,  ist  nicht  gesagt. 

4.  Juni  nach  der  Tafel:  musikalisches  Konzert  in  Streumen. 

[6.  Juni  im  Comödienhause  Concert,  wo  sich  die  aus 
Venedig  angekommenen  3  Castraten  und  2  Sängerinnen  hören 
liefsen:  Staatskalender  H.  4  Sp.  4]. 

9.  Juni  abends:  italienische  Comödie,  betitelt  ,,Comoedia 
dell'ortolano  con  li  matrimoni  fatti  e  disfatti".  Nach  dem 
Staatskalender  H.  i  Sp.  4  soll  auch  am  8.  Juni  Comödie 
gewesen  sein. 

II.  Juni:  italienische  Komödie,  und  zwar  ,,L'innocenza 
difesa  dal  cielo,  con  intermedi",  ,, welche  Ihro  Königl.  Maj.  in 
Preussen  mit  anzusehen  beliebten". 

14.  Juni  nachmittags:  ,,Couielo  et  Arlichino  discepoli  di 
Cartusch  condannati  alla  galera".  Auch  diese  Aufführung 
l)eehrte  König  F'riedrich  Wilhelm  I.  mit  seiner  Geo-enwart. 


•)  Soviel  mir  bekannt  ist,  gibt  überhaupt  nur  die  Schreibersche 
Logieriingskarte  (vgl.  diese  Zeitschr.  XX VII,  136  Nr.  50;  dazu  S.  iii  f. 
dieses  Aufsatzes)  das  Komcidienhaus  bei  Streumen  als  besonderes 
Gebäude  an. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  ög 

16.  Juni  nachmittags:  „L'aniaute  lunatico  con  aiiichino 
finto  cavagliere".  Dem  Stücke  „wohnten  beyde  Majestäten 
nicht  bei,  sondern  fuhren  vorher  miteinander  nach  der  Armee". 

18.  Juni  nachmittags:  ,,Li  matrimonii  conclusi  negli  Aruzzi, 
con  intermedio  in  musica". 

20.  Juni  abends:  „Covielo,  arme  e  bagagho,  con  intermedii 
in  musica",  ,, wohin  be3-de  Könige  nicht  kommen". 

22.  Juni:  ,,Arhchino  finto  statua". 

25.  Juni  al^ends:  itaHenische  Comödie  ohne  nähere  Be- 
zeichnuno;  des  Titels. 

Das  Feldlazarett  stand  unweit  des  Dorfes  Kreinitz 
nördlich  Strehla;  vgl.  von  Mansberg  S.  294.  Ursprünglich 
dachte  man  daran,  zwei  Lazarette  in  Mühlberg  und  in  Bei- 
gern zu  errichten  und  die  Kranken  zu  Wasser  dorthin  be- 
fördern zu  lassen,  sah  aber  schhefslich  der  Weitläuftigkeit 
wegen  davon  ab.  Das  Kreinitzer  Lazarett  dürfte  eine  ziem- 
liche Ausdehnung  gehabt  haben;  denn  man  machte  sich,  weil 
,,der  Soldat  nur  ein  wenig  Stroh  unterm  Leibe  und  seine 
Montur  zum  Zudecken  hatte",  auf  viel  Fieber-  und  Ruhr- 
kranke gefafst.  Mit  der  Einrichtung  wurde  der  Hofrat  Bar- 
tholomaei  in  Dresden  betraut,  der  am  11.  Mai  1730  den 
Befehl  erhielt,  sich  unverzüglich  ins  Lager  zu  begeben  und  sich 
,, vornehmlich  mit  den  wider  das  Fieber  und  die  Difsenterie 
dienlichen  Medicamenten  zu  versehen".  Die  Kosten  der 
ganzen  Anlage  betrugen,  einschliefslich  Gratifikation  für  den 
Arzt  und  Apotheker  und  Anschaffung  der  Arzneien,  600  Tlr. 
(Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  5,  16,  18;  Loc.  1056  II  f.  393). 
Über  den  Gesundheitszustand  der  Armee  während  des  Cam- 
pements  geben  die  täglichen  Frontrapporte  und  einige  be- 
sondere Krankenberichte  Aufschlufs,  z.  B.  Loc.  1056  I  f.  194° 
„Rapport,  was  vor  krancke  Mannschaft  bey  denen  sämtlichen 
Regimentern  zu  Pferde  vom  Vorder-  und  Hintertreffen  des 
rechten  und  linken  Flügels  sich  im  Campement  l^ei  Zeithayn 
befinden,  den  4.  Juni   1730". 

Das  Feldpostamt,  dessen  oberste  Leitung  der  Ober- 
postverwalter .Schuster  hatte,  während  es  der  Oberpost- 
meister Ottmann  und  Postmeister  Heinze  einrichteten, 
befand  sich  in  Glaubitz.  Einige  dazu  gehörige  Postzelte 
waren  über  das  Lager  verteilt.  Über  den  ganzen  Betrieb 
unterrichten  vollkommen  das  ,,Ohnmafsgebliche  Projekt,  wafs 
bey  Anlegung  eines  währender  grofsen  Revue  benöthigten 
Feldpostamts  unter  andern  mit  zu  reguliren  seyn  dürft'te", 
Loc.  1064  f.  271  —  274  und  das  ,, Reglement,  wie  die  reutend- 
und  fahrenden  Posten  bey  der  Königl.  Pohhi.  und  Churfürstl. 

7* 


100  Hans  Beschorner: 

Sachs.  Armee  im  Campement  be}^  Zeithayn  ankommen  und 
wiederabgehen",  ein  grofser  gedruckter  Anschlagzettel,  der 
sich  öfters  in  den  Akten  findet,  z.  B,  Loc.  1056  f.  147 — 154, 
OHA.  II  f.  321,  Loc.  1056  Acta  varia  f.  140!  (der  hand- 
schriftliche Entwurf)  usw.  Als  Vorbild  für  dieses  Reglement 
diente  das  von  "dem  bekannten  Oberioostmeister  J.  J.  Kees 
bearbeitete  ,, Reglement  bey  dem  Churfürstl.  Sächfs.  Hoff- 
Feld-Postamt  im  Reiche  de  anno  1693",  das  Johann  Georg  IV. 
erliefs,  um  bei  Kriegszügen  über  ein  geordnetes  Feldpost- 
wesen zu  verfügen;  vgl.  Loc.  1064  f.  261  f.,  wo  sich  auch  eine 
Abschrift  des  letzteren  befindet.  Wie  die  Posten  von  Leipzig 
und  Berlin  nach  Zeithain  gehen  sollten,  ordnete  August 
der  Starke  höchst  eigenhändig  an:  Loc.  1064  f.  2 69 f.  Er- 
öffnet wurde  das  Glaubitzer  Postamt  am  19.  Mai,  an  welchem 
Tage  ,,die  erste  fahrende  Post  abends  umb  6  Uhr  von  hier 
nach  Dresden  abging,  desgleichen  auch  die  fahrende  umb 
5  Uhr  nach  Leipzig"  (OHA.  f.  2'^).  Die  Leipziger  Linie 
wurde  so  stark  von  Reisenden  in  Anspruch  genommen,  dafs 
dem  Postwagen  eine  ,,Beycalesche"  beigegeben  werden 
mufste  (Loc.  1056  I  f.  194® f.).  Überhaupt  bewährte  sich  die 
Einrichtung  des  Postamtes;  denn  nach  dem  ,,Ohngefehren 
Extract,  was   seit   gestandenen  grofsen  Campements  das  von 

Ihro   Königl.    Maj angelegte   Feldpostamt    eingetragen" 

(an  Briefporto,  Passagiergeldern,  Stafetten-  und  Extra- 
posteinnahmen; vgl.  Loc.  1057  Cammer-Expeditiones  f.  17), 
brachte  das  Glaubitzer  Postamt  bei  2984  Tlr.  Einnahmen  und 
2142  Tlr.  Ausgaben  einen  Überschufs  von  842  Tlr.! 

Alle  die  im  Vorhergehenden  erwähnten  gröfseren  Bauten, 
zu  denen  das  Holz,  da  das  bei  der  teilweisen  Niederlegung 
des  Gohrischwaldes  gewonnene  bei  weitem  nicht  ausreichte, 
aus  der  Liebenwerdaer  Heide,  aus  den  Cunnersdorfer  und 
Schönauer  Revieren  (bei  Königstein),  avis  dem  Tharandter 
Forste  und  aus  den  Wäldern  des  Erzgebirges  bezogen  werden 
mufste  (Loc.  1056  I  f.  13  f.  und  i6f.),  wurden,  wie  bereits  mehr- 
fach erwähnt,  nach  Plänen  des  Oberlandbaumeisters  Matthias 
Daniel  Pöppelmann  ausgeführt,  der  die  Bauoberleitung 
hatte  und  für  seine  wiederholten  Reisen  nach  Zeithain  133  Tlr. 
8  Gr.  Auslösung  erhielt  (vgl.  Rentkammerrechnung  1730,  Aus- 
gabe für  die  beiden  Quartale  Reminiscere  und  Trinitatis, 
f.  363).  Unterstützt  wurde  er,  nach  der  Angabe  Steches  in 
der  Allgem.  Deutschen  Biographie  XXVI  (1888),  420,  von 
dem  Landbaumeister  Longuelune.  Trotzdem  drohten  die 
Anforderungen,  die  an  ihn  vor  dem  Radewitzer  Campement 
gestellt  wurden,  seine  Kräfte  zu  übersteigen,   wie   ein   ziem- 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  loi 

lieh  nervöser  Brief  ausseiner  Feder  vom  16.  April  1730  lehrt 
(OHA.  II  f.  142  — 145).  Eine  geplante  Kelleranlage  in  Glaubitz 
war  auf  Pöppelmanns  Anraten  unterblieben.  Hinterher  aber, 
am  14.  April,  fiel  es  der  Hofkellerei  ein,  doch  noch  schnell 
einen  Keller  zwischen  Grödel  und  Moritz  bauen  zu  lassen. 
Der  Landbaumeister  sollte  ihn  ,, wenigstens  50  Ellen  lang, 
16 — 18  Ellen  breit  und  2^2  Ellen  tief  auswerfen  und  ausschalen 
lassen,  auch  dabei  zur  Verwahrung  des  Inventarii  über  dem 
Keller  einen  Schuppen  von  60  Ellen  Länge  und  20  Ellen 
Breite  errichten".  Er  schlug  es  aber  ,,in  Eile"  rundweg  ab. 
Er  wi.sse  hierfür  weder  Hilfe  noch  Rat.  Er  habe  weder  Holz 
noch  Bretter  dazu.  Die  bereits  bestellten  langten  gerade  für 
den  Schuppen  an  der  Elbe.  Auch  sei  der  Keller  nicht  nötig; 
denn  i.  habe  der  König  befohlen,  dafs  auf  den  herrschaft- 
lichen Ortern  ein  geeigneter  Platz  ausgesucht  werden  solle, 
2.  sollten  in  Merschwitz  (südlich  Leckwitz)  grofse  und  schöne 
Keller  sein,  4.  müsse  er  für  den  Hofbäcker  und  Hofmetzger 
auch  noch  das  Schlacht-  und  Backhaus  bauen  und  wisse  nicht, 
wo  er  die  Ziegel  dazu  hernehmen  solle,  da  das  Proviantamt  ihm 
die  1000  Ziegel  hätte  wegnehmen  lassen  und  die  Preise  für  Ziegel 
ungeheuer  in  die  Höhe  gegangen  wären,  5.  hätte  Königliche 
Majestät  ihm  noch  allergnädigst  befohlen,  zwei  Ställe,  jeden 
von  70  Ellen,  zu  bauen,  ingleichen  6.  ,,das  Comödienhaus  umb 
^/o  Meile  weiterzubringen  und  noch  umb  34  Ellen  lenger  zu 
machen",  endlich  7.  zwei  Zimmer,  jedes  von  22  Ellen,  ohne 
die  vier  Küchen  im  Campement  und  eine  (Küche)  vor  die 
Gräfin  Orzelska.  Infolge  dieser  Überlastung  erklärte  er,  ,,dafs 
er  nichts  geringes  (d.  h.  nicht  mehr  das  Geringste)  übernehmen 
könne.  Er  sei  ein  Mensch,  der  nicht  hetzen  gelernt  und  mehr 
thun  könne,  als  möglich  sei.  Er  habe  soviel  an  Arbeit  schon 
übernommen,  dafs  er  nicht  eigentlich  wissen  könne,  ob  er 
auch  noch  werde  stecken  bleiben.  Es  sei  kein  Mensch  da, 
der  ihm  secundire,  und  vom  Gelde  schreibe  Lucas  auch 
nichts". 

Die  von  Pöppelmanns  Meisterhand  zwar  nur  aus  Facli- 
werk,  aber  doch  ebenso  gediegen  wie  geschmackvoll  er- 
richteten Gebäude  wurden  nach  beendetem  Campement  nicht 
sofort  wieder  abgebrochen.  Die  Schlüssel  des  Königspalais 
erhielt  der  Generalleutnant  von  Seiffertitz  mit  der  nach- 
träglichen Weisung,  dafs  er  das  Haus  ,,  bewohnen  und 
brauchen  könne,  jedoch  dem  Könige,  wenn  er  in  selbiger 
Gegend  sich  befinde,  selbiges  zu  seinem  eigenen  Gebrauch 
jederzeit  vorbehalten"  solle  (Loc.  1056  III  f.  15 — 17,  42,  46,  54). 
Ebenso  blieben  der  Pavillon,  die  drei  Ställe  bei  Radewitz  (die, 


I02  Hans  Beschorner: 

nach  Loc.  1056  III  f.  124,  hinterher  die  Gemeinde  erhielt),  die 
Magazine,  Schlacht-  und  Backhäuser  bei  Moritz  und  viele 
andere  Baulichkeiten  stehen.  Der  König  dachte  offenbar  daran, 
die  Truppenübungen,  die  er  für  die  nächsten  Jahre  plante 
(s.  oben  S.  67),  an  gleicher  Stelle  wieder  abzuhalten.  Des- 
halb wurden  auch  die  vierzig  Brunnen  und  die  Eisgruben  bei 
Moritz  nicht  zugeschüttet,  sondern  zugedeckt  und  mit  Zäunen 
umgeben,  ,,die  ums  Hauptquartier  gezogenen  Wälle  und  Gräben 
nebst  denen  darin  hegenden  Luststücken"  nicht  eino-eebnet 
und  der  vom  Hauptquartier  nach  dem  Armeelager  führende 
Dammweg  nicht  beseitigt.  Länger  freiUch,  wie  bis  1734, 
haben  das  Königspalais,  der  Pavillon  und  das  Backhaus 
bei  Moritz  nicht  gehalten.  Da  sie  im  Februar  dieses  Jahres 
ein  grofser  Sturmwind  ,,ineinanderwarf",  beschlofs  man,  die 
drei  Bauwerke  für  400,  450  und  70  Tlr.  zu  verkaufen.  Für 
den  angesetzten  Preis  fand  sich  jedoch  kein  Käufer.  Man 
mufste  zufrieden  sein,  schliefslich  von  J.  Uhlmann  in  Ratheu 
(d.  h.  Raden  südösthch  Frauenhain,  nördlich  Grofsenhain)  für 
alle  drei  zusammen  500  Tlr.  zu  bekommen  (Loc.  1056  III  f.  124 
und  130 — 136).  Nicht  besser  erging  es  den  Magazinen, 
Wohn-  und  Backhäusern  bei  Moritz.  Sie  wurden  1736  durch 
eine  Eibflut  stark  beschädigt  und  dann  alles  in  allem  für 
950  Tlr.  an  den  Schiffseigner  J.  Ch.  Weber  in  Pirna  unter 
bestimmten  Bedingungen  auf  Abbruch  verkauft  (Loc.  1056  III 
f.  140 — 142). 

Eine  Leistung  für  sich  war  die  Errichtung  der  das  Armee- 
lager und  Hauptquartier  umfassenden  Zeltstadt,  über  die 
man  im  allgemeinen  Staatskalender  G,  3  Sp.  i  f.,  von  Mansberg 
S.  291!  und  die  ,,Kurtze  Beschreibung  aller  Gezelter  im 
Sächfs.  Hauptlager"  im  Sachs.  Curiositäten-Cabinet  von  1731 
(s.  diese  Zeitschrift  XXVII,  109)  vergleiche.  Der  schwierigen 
Sache  nahm  sich  der  König  persönlich  mit  regem  Eifer  an. 
Eigenhändig  stellte  er  Übersichten  üb^r  die  vorhandenen  und 
die  neu  zu  beschaffenden  Zelte  auf  und  gab  in  Skizzen,  die 
er  wiederliolt  änderte,  an,  wie  er  die  Zelte  im  Einzelnen  an- 
(jeordnet  und  einirerichtet  haben  wollte. 

Für  das  Hof  lager  wurden  nicht  lauter  neue  Zelte  gekauft, 
sondern  die  vorhandenen  Prachtstücke  möglichst  mit  verwendet. 
Schon  im  Her])st  1728  begann  man  Aufstellungen  darüber 
anzufertigen,  was  in  Dresden,  Warschau  und  den  anderen 
königlichen  Hofhaltungen  an  Zelten  vorhanden  war  und  was 
von  den  einzelnen  Hofämtern,  von  dem  Marschallamte,  der 
Hofküche,  der  Hofkellerei,  der  Hufkonditorei  und  der  Silber- 
kammer an  ganzen    und    halben  Markisen    mit   Wänden,    an 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  103 

ganzen  und  halben  Markisen  mit  Zelten,  an  Küchenschirmen, 
an  grolsen,  kleinen  mid  Pferdebaracken  gebraucht  wurde. 
Nach  wiederholten  Berechnungen,  die  immer  wieder  zu  anderen 
Ergebnissen  führten,  gelangte  man  schliefslich  für  das  Hoflager 
allein  zu  der  stattlichen  Zahl  von  825  Zelten  vmd  Baracken. 
Viele  alte  Zelte  konnten,  wie  gesagt,  verwendet  werden,  viele 
mufsten  aber  auch  entweder  von  dem  Zeltschneider  Gottfried 
Richter  neu  angefertigt  oder  von  auswärts  bezogen  werden. 
Madame  Torlo  lieferte  für  12000  Tlr.,  Andreas  Contessa 
in  Breslau  für  6000  Tlr.  Zelte,  aus  Wien  kamen  ebenfalls  für 
6000  Tlr.  Im  ganzen  beliefen  sich  die  Kosten  für  neu  besorgte 
Zelte  auf  24449  Tlr.  8  Gr.,  ausschliefshch  des  ,, türkischen 
Zeuges,  das  zur  Veränderung  der  vorhandenen  Haupt-  und 
Schlafzelter"  neu  bestellt  wurde.  Sehr  genaue  Auskunft  über 
die  ganze  Zeltfrage  geben  namentlich  die  Faszikel  ,, Zelter" 
in  OHA.  II  f.  254 — 311  und  in  Loc.  1064  f.  31 — 118.  In  letz- 
terem liegen  auch  einige  zum  Teil  sehr  fein  ausgeführte  farbige 
Blätter,  die  uns  einen  Begriff  von  der  bei  den  Zelten  ent- 
falteten Pracht  geben.  Fol.  65  und  66  stellen  das  Äufsere 
zweier  verschiedener  Zelttypen  dar:  die  eine  Art  war  weifs 
und  trrün  gestreift  und  oben  am  First  mit  einer  roten,  aus- 
gebogten  Kante  versehen,  die  andere  dagegen  blau  und  weifs 
gestreift  und  oben,  unten  und  in  der  Mitte  rot  verziert.  Ein 
ganz  besonderes  Prachtzelt  „in  guttem  Standt  und  so  schoen, 
als  noch  keines  von  den  vorhandenen  gewesen",  veranschau- 
hchen  die  Blätter  61 — 66.  Höchstwahrscheinlich  ist  es  das 
Loc.  1064  f.  83  erwähnte  „groffe  Taflfelzelt  auff  36  Personen, 
aufswendig  |aus]  türckisch  -  grün  gefärbtem  Foderith,  inwendig 
durchaus  mit  roth-türckischer  Baumwollen  -Leinwand  gefüttert 
und  mit  Blumwerck  ausgemacht",  das  2700  Tlr.  kostete  und 
wohl  mit  dem  f.  75  erwähnten  „guten,  so  Spiegel  aus  der 
Türkey  mitgebracht",  identisch  ist.  Der  Grundrils  f.  61  zeigt 
ein  Oval  von  38  :  17  Ellen.  Das  Dach  dieser  12  Ellen  hohen 
Markise,  deren  „Umzirk  2  Ellen  über  dem  ordinairen  Zelt 
austrägt",  ruhte  auf  drei  Mittelstangen  und  bildete  in  der  Mitte 
„so  eine  grade  Linie,  alfs  ob  sie  auf  dem  Linial  gezogen 
worden".  An  den  beiden  Schmalseiten  befanden  sich  zwei  Aus- 
gänge, an  denen  je  nach  Belieben  „ein  Balcon  von  16  Stangen 
mit  goldenen  Knöpfen,  14  Ellen  die  Länge,  12  Ellen  die  Breite 
und  16  Ellen  die  Höhe",  angesetzt  werden  konnte.  Das  Zelt,  das 
aufsen  aus  weifs  und  grün  längsgestreifter  Leinwand  bestand 
und  oben  von  einem  roten  First  abgeschlossen  wurde  (f.  62), 
war  inwendig  „meublirt  von  rothem  Mosel-Bast,  das  Laub- 
und Blumen werck  alles  von  Atlas",  wie  das  die  farbenpräch- 


104  Hans  Beschorner: 

tige  Aquarellskizze  f.  63  in  schönster  Weise  zeigt.  Der  Balkon, 
zu  dem  das  Stoffmuster  in  Bleistiftausführung  f.  64  gehört,  war 
,,in  der  Decke  von  gleicher  Form,  wie  das  Zelt",  und  inwendig 
„wie  dieses  meubliret". 

Die  Zelte  waren  mit  türkischen  Fufsböden  versehen  und 
mit  Teppichen,  Matten  und  dergl.  verschwenderisch  ausgelegt. 
Die  3273  Ellen  spanische  Matten,  die  zur  Verwendung  kamen, 
kosteten  allein  2182  Tlr.  (Loc.  354  Michaelismesse  1730).  Das 
Mobiliar  der  Zelte  war  meist  aus  den  Schlössern  zu  Dresden, 
Pillnitz  und  Moritzburg  nach  Zeithain  überführt  worden  (Loc. 
1056  Acta  varia  £133).  So  wurden  zu  einem  Giebel. in  einem 
grofsen  Schlafzelt  und  zu  einem  türkischen  Pavillon  „sechs 
Stück  von  den  gestürmten  Türckschen  Tapeten,  carmosin  mit 
Goldt  und  Silber  und  grün[en]  Gräntze[n],  jedes  Stück  9  Ellen 
lang  und  2^/2  Ellen  breit",  verwendet  (Loc.  1064  f.  87).  Ein 
besonderer  Luxus  schien  in  den  128  Schlafzelten  entfaltet  zu 
sein,  deren  Ausstattung  im  allgemeinen  mehrere  Tabellen  in 
Loc.  1064  (f.  74  und  86,  dazu  f.  7 9 f.,  82,  84 f)  angeben  imd 
einige  Blätter  des  bereits  erwähnten  Faszikels  in  Loc.  1064 
im  besonderen  kennzeichnen.  Fol.  55  betrifft  ein  mit  Kissen, 
Matratzen  und  dergleichen  üppig  ausgestattetes  „königliches, 
von  türckischem  [Stoffe  hergestelltes] ,  reich  mit  Golt 
eingewürcktes  Pavilionbette",  das  161  Tlr.  4  Gr.  kostete, 
f.  58^  f.  zwölf  ,,Frauenzimmer-Pavilionbetten"  für  1140  Tlr. 
12  Gr.  und  einige  andere  Damenbetten  (eines  von  weifs  und 
rosaem,  mehrere  andere  von  gestreiftem  Damast  usw.),  f.  59 
ein  ,,Canapee-Bett"  für  142  Tlr.  3  Gr.  3  Pf.  Nach  einer 
„Specification  dererjenigen  Rechnungen,  was  [siebzehn  mit 
Namen  genannte  Lieferanten]  an  Waaren  zu  denen  Betten 
und  andern  Meublen  geliefert  und  gefertigt  haben",  forderten 
die  siebzehn  Leute  19688  Tlr.  —  Gr.  9  Pf.  und  erhielten 
,,nach  geschehener  Moderation"   18 163  Tlr.  23  Gr.  9  Pf.! 

Für  die  Armee  wurden  durchgängig  neue  Zelte  beschafft. 
Das  Armeelager  machte  mit  diesen  neuen  Zelten,  den 
Schranken,  die  die  Regimenter  von  einander  schieden  und 
in  den  Farben  der  Regimenter  gestrichen  waren,  den  mannig- 
fachen Gartenanlagen  usw.  einen  schmucken  Eindruck,  zumal 
auch  peinlich  auf  Reinlichkeit  gehalten  wurde.  Eine  be- 
sondere Zierde  bildeten  die  vor  der  Front  aufgestellten  Fahnen, 
Pauken  und  Trommeln,  die  der  König  den  Regimentern  ver- 
liehen hatte.  Nach  der  am  10.  März  1729  ausgefertigten  und 
vom  König  unterschriebenen  ,, Specification  derer  Estendarten, 
Dragoner-,  Infanterie-  und  Janitscharen-Fahnen,  auch  Paucken 
und  Trommeln,  wie  solche  nunmehro  auf  unsere  allergnädigste 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  105 

Resolution  durch  den  Accisrath  Langen  sollen  geschaffet  und 
gehefert  werden"^),  waren  es  folgende: 

/.  Estendarfen: 

I  weifse  mit  dem  Königl.  und  Churfürstl.  Wappen  nebst 
einem  blauen  sammetnen  Riemen,  mit  Gold  gestickt 
und  goldenen  Prangen,  vor  die  Chevalier- Garde. 
12  weifse,  alle  durchgehends  mit  dem  Königl.  und  Chur- 
fürstl. Wappen  und  blauen  sammetnen  Riemen,  mit 
Gold  gestickt  und  goldenen  Prangen,  vor  die  Garde 
du  Corps. 
12  ponceau  mit  dergl.  sammetnen  Riemen  und  goldenen 
Tressen  vor  die  Baudis.  Carabiniers. 

6  dunckelblaue  mit  dergl.  sammetnen  Riemen  und  golde- 
nen Tressen  vor  Crohn-Prinz. 

8  weifse  mit  dergl.  sammetnen  Riemen  und  goldenen 
Tressen  vor  die  Commandirten. 

6  baille  mit  dergl.  sammetnen  Riemen  und  goldenen 
Tressen  vor  Prinz  Priedrich. 

6  canel  mit  dergl.  sammetnen  Riemen  und  goldenen 
Tressen  vor  Hackeborn. 

6  citrongelbe  mit  dergl.  sammetnen  Riemen  und  golde- 
nen Tressen  vor  Criegern. 

Sa.  57.     Diese  57  Stück  Estendarten  werden   alle   mit  Gold 
gestickt. 

//.  Drai{oner  -  Fahnen : 

8  weifse  mit  dergl.  sammetnen  Riehmen  und  goldenen 
Tressen  vor  die  Grenadier  ä  cheval. 

6  bleumourentne  mit  dergl.  sammetnen  Riehmen  und 
silbernen  Tressen  vor  Klingenberg. 

6  dunkelblaue  mit  dergl.  sammetnen  Riehmen  und  silber- 
nen Tressen  vor  Arnstedt. 

6  papagoygrüne  mit  dergl.  sammetnen  Riehmen  und 
silbernen  Tressen  vor  Katte. 

6  grafsgrüne  mit  dergl.  sammetnen  Riehmen  und  silber- 
nen Tressen  vor  Goldacker. 

Sa.  32.     Hiervon  werden  8  mit  Gold,  die  übrigen  aber  mit 
Silber  gestickt. 


1)  Loc.  1064  f.  259!,  auch  Loc.  1056  Acta  varia  f.  isjf.;  dazu  die 
in  fünf  Exemplaren  vorhandene,  mehrfach  abweichende  „Specification" 
von  früherem  Datum  Loc.  1064  f.  249 — 258,  Loc.  14590  Extract,  was 


lo6  Hans  Beschorner: 

in.  Infanterie -Fahnen: 

i6  weifs  und  Gold  vor  beyde  Garden. 

8  citrongelb  und  Silber  vor  Cron-Princz. 

8  orelb  und  Silber  vor  Weifsenf  eis. 

8  canel  und  Silber  vor  Dresky. 

8  cremoisin  und  Gold  vor  Märchen. 

8  bleumerent  und  Gold  vor  Loewendal. 

8  dunckelblau  und  Silber  vor  Gotha. 

8  baille  und  Silber  vor  Boehnen. 

8  papagoygrün  und  Silber  vor  Caila. 

8  grafsgrüne  mit  demWeymarischenWappen  und  Nahmen 
•  vor  Weimar  und  Garnison. 

4  gelb  und  blau  mit  dem  Pohlen.  und  Litthauischen 
Wappen,  worum  ein  blauer  Royal -Mantel  gestickt 
wird  nach  der  gegebenen  Zeichnung,  vor  die  Grena- 
dier zu  Fufs. 

I  gelb  und  blau,  gleichfalls  nach  der  gegebenen  Zeich- 
nung, vor  die  Janitscharen. 

Sa.  93  Stück. 

/  I '.   Cu irafsier - Paucken : 

I   Paar  silberne  mit  ponceau  und  goldenen  Pantroullen^) 

vor  Baudis. 
I  Paar  messingene  mit  dunckelblau  und  goldenen  Pan- 

troullen  vor  Cron-Princz. 
I   Paar  messingene  mit  baille   und  goldenen  Pantrollen 

vor  Princz  Friedrich, 
I   Paar  messingene   mit  canel   und  goldenen  Pantrollen 

vor  Hackeborn. 
I   Paar  messingene  mit  citrongelb  und  goldenen  Pantrollen 

vor  Criegern. 


Sa.   5  Paar  incl.  der  silbern. 

V.  Dragoner -Paucken: 

I  Paar  küpflferne  mit  weifs  und  goldenen  Pantrollen 
vor  die  Grenadier  a  cheval. 

I  Paar  küpfferne  mit  Ijleumerent  und  silbernen  Pan- 
trollen vor  Klingenberg. 

bey  dem  König!.  Pohln.  und  Churf.  Säclis.  Hauptzeughaui'se  allhier 
de  anno  1729— 1751  an  Infanterie- Fahnen  zur  Ausgabe  gekommen, 
lind  Loc.  .431  Unger  IV  f.  235 b f. 

')  Banderole  (Bandrolle)  =  Tragband. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  107 

I   Paar  küpffenie  mit  dunckelblau  und  silbern  Pantrollen 

vor  Arnstadt. 
I   Paar  kttpfferne  mit  papagoygrün  und  silbern  Pantrollen 

vor  Katte. 
I   Paar  küpfferne  mit  grals-grün  und  silbern  Pantrollen 

vor  Goldacker. 


Sa.    5  Paar. 

IT.  Dragoner -Trommeln. 

16  kupiferne  mit  vergoldetem  Wappen  vor  die  Grenadier 
ä  cheval. 
4x12  küpfferne,  alle  mit  versilberten  Wappen,  vor  Klingen - 
berg,  Arnstedt,  Katte  und  Goldacker. 
I  grofse    küpfferne    mit    den    Königl.    und    Churfürstl, 
Wappen,  versilbert,  vor  die  Janit scharen. 


Sa.  65  Stück. 

4  neue  silberne  Trompeten  excl.  der  12,  so  schon  vor- 
handen, vor  Baudis. 

Einen  weiteren  kostbaren  Schmuck  sollte  das  Armeelager 
in  dem  gegossenen  Reiterstandbilde  Augusts  des  Starken  er- 
halten, dessen  Aufstellung  vor  der  Mitte  des  Lagerplatzes 
ernstlich  geplant  war,  schhefslich  aber  doch  nicht  zur  Aus- 
führung kam.  Von  ihm  ist  ja  im  Vorhergehenden  und  auch 
Band  XXVII  dieser  Zeitschrift  S.  107  f.  wiederholt  schon  die 
Rede  gewesen. 


5.  Die  Besucher  und  ihre  Unterbringung. 

Was  an  ,, Fürstlichen  Personen  sich  beym  Campement 
1730  befunden",  lehren  die  Listen  OHA.  I  f.  127 — 130  und 
Loc.  1056  I  f.  337,  auch  Loc.  1056  Acta  varia  f.  85  —  87 
(„Fürstliche  Personen,  so  in  Dörfer  kommen"),  aus  denen  der 
Staatskalender  J.  3  Sp.  i  Auszüge  bringt,  während  U.  von 
König  (vgl.  diese  Zeitschrift  XXVII,  115  f.)  S.  57—60  Anm. 
die  genaue  Sitzordnung  bei  der  ersten  grofsen  Tafel  angibt, 
die  nach  der  ,, Einholung"  stattfand.  König  druckt  S.  9  f.  Anm. 
auch  die  ,, Liste  derer  Ritter  vom  Pohlnischen  Weisen 
Adler,  so  sich  im  Campement  bey  Radewitz  1730  befunden", 
ab,  die  OHA.  I  f.  105  und  106  bietet.  Es  waren  21  deutsche 
und  15  polnische  Ritter.  Für  die  Geschichte  des  Weifsen- 
Adler-Ordens  ist  es  vielleicht  von  Wert,  zu  wissen,  dafs  über 
die   Ordenstracht,    die   beim   Empfange    des    Preufsenkönigs 


io8  Hans  Beschorner: 

angelegt  werden  sollte,  Unklarheit  herrschte.  Die  Zweifel 
beseitigte  der  König,  indem  er  anordnete,  dafs  die  Herren 
nicht  in  grauen  Hüten  mit  weifsen  Federn,  sondern  ,,mit  dem 
Couteau  de  chasse  und  einem  schwarzen  Huth,  mit  einer 
kleinen  silbernen  Tresse  eingefafst,  ohne  Feder"  zu  erscheinen 
hätten  (OHx'V.  I  f.  103!.  und  112).  Die  „55  Herrn  Fohlen, 
so  in  Grossenhayn  einquartirt  worden"  und  unter  denen  sich 
auch  die  vorerwähnten  Ritter  befanden,  sind  zusammengestellt 
OHA.  I  f.  i29f.  und  Loc.  1056  f.  343,  die  ,, Hoffministers, 
Hofifcavaliers  und  Hoff  bedienten,  so  mit  ins  Campement 
gangen  1730",  OHA.  I  f.  143 — 151.  Vgl.  dazu  auch  noch 
die  ,, Liste  de  ceux  qui  viendront  au  campement",  Loc.  1056 
Acta  varia  f.  75  und  das  Faszikel  Loc.  1064  f.  9 — 30,  das 
lauter  Zusammenstellungen  der  verschiedensten  Lagerbesucher 
enthält. 

Die  von  G.  W,  Kröcher  in  Cofsdorf  am  30.  Mai  1730 
gefertigte  und  nach  Regimentern  geordnete  ,, Liste  derer 
[preussischen]  Generals  und  Officiers,  so  die  Kgl. 
Pohlnische  Revue  mit  ansehen  sollen",  OHA.  I  f.  116  — 119 
(und  120 — 123,  wo  die  Offiziere  noch  einmal  einfach  nach 
ihrem  Range  aufgezählt  sind;  vgl,  dazu  noch  OHA.  II  f. 371  ^, 
Loc.  1056  f.  338 — 340  und  Loc.  1056  Acta  varia  f.  82),  ist 
abgedruckt  bei  von  König  a.  a.  O.  S.  6 — 8  Anm.  Die  Namen 
der  18  preufsischen  Generale,  die  mit  in  Zeithain  waren,  nennt 
von  Mansberg  S.  293  Anm.  20.  Von  den  147  Offizieren, 
über  deren  Wahl  sich  Friedrich  Wilhelm  lange  nicht  schlüssig 
werden  konnte,  so  dafs  Graf  Lynar  (s.  oben  S,  81)  noch  am 
20.  Mai  schrieb:  ,,Le  Roi  la  (d.  h.  die  Liste)  change  encore 
journellement  et  ne  peut  se  determiner  lä-dessu",  gehörten 
nur  folgende  19  (oder  22)  zum  eigentlichen  Gefolge  des  Königs 
(OHA.  I  f.  115):  der  Kronprinz,  Generalleutnant  von  Grumbkow, 
die  Generalmajore  Herzog  von  Hol^tein,  Gr.J  Dönnhoff, 
Buddenbrook  und  Linger,  die  Obristen  vonSydow,  von  Kröcher, 
von  Kleist,  von  Derschau,  du  Mouhn,  von  Rochow  und 
von  Einsiedel,  Major  von  Einsiedel,  die  Kapitäne  von  Bredow, 
von  Wachholz,  von  Pohlenz  und  von  Haake,  die  Leutnants 
Graf  Wartensleben  und  von  Kaiserling.  Diese  blieben  auch 
allein  bis  zum  Schluls  aller  Veranstaltungen,  während  die 
übrigen  „Officiers,  so  nicht  in  Sr.  Maj.  eigener  Suite  waren", 
l)ereits  am  25.  Juni  den  Befehl  erhielten,  ,, vorauszugehen". 
Aufser  dem  eigentlichen  Gefolge  hatte  Friedrich  Wilhelm 
noch  bei  sich:  den  Etatsrat  von  Viereck,  den  Obristen 
von  Pannewitz  (von  den  Gend'armes),  den  Kriegsrat  von  Schu- 
macher,   den   Stallmeister  Schack,    den  Kapitän   von  Helden 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  109 

und  an  Domestiquen  für  seine  Person  zwei  Kammerdiener, 
einen  Büchsenspanner,  einen  Fourier,  einen  Kammerlakaien, 
vier  Jungen,  einen  Stallmeister,  einen  Bereiter  und  zwei  Stall- 
jungen, für  den  Kronprinzen  dagegen  drei  Kammerdiener, 
einen  Pagen,  einen  Jäger,  drei  Jungen,  einen  Leibkutscher, 
zwei  Vorreiter,  zwei  Reitknechte  und  einen  Stalljungen  (OHA.  I 
f.  i24f. ,  Loc.  1056  Acta  varia  f.  93 — 95).  Alle  preufsischen 
Oifiziere  erschienen,  wie  der  König,  „in  rothen  mit  Gold 
propre  charmirten  Kleidern,  so  alle  nach  einer  Fa9on  gemacht 
und  charmirt  waren"  (OHA.  I  f.  11  '^ f.,  Staatskalender  G.  2  Sp.  i 
rmd  G.  4  Sp.  i). 

Von  den  im  Lager  anw^esenden  Damen  gibt  von  Mans- 
berg  S.  292  einige  an.  Es  waren  im  ganzen  90,  nämlich 
nach  OHA.  I  f.  140 f.  (dazu  Loc.  1056  Acta  varia  f.  78 f.) 
folgende  : 

/.  Dantes:  i.  Ihro  Königl.  Hoheit  die  Prinzessin,  2.  Ihro 
Durchl.  die  Prinzessin  von  Weifsenfelfs,  3.  Frau  Gräfin  von 
Bräunern,  4.  Frau  Oberhoffmeistern  Gräfin  von  Waldstein, 
5.  Frau  Fräul.- Hoffmeistern  von  Rohr,  6.  Fräul,  Gräfin  Königlin, 
7.  Fräul.  de  Nehem,  8.  Fräul.  Gräfin  von  Waldstein,  9.  Fräul. 
von  Zehmen,  10.  Fräul.  von  Horst,  11.  Frau  Cammerherrn 
von  Sulkowska,  12.  Fräul.  Gräfin  Orzelska,  13.  Frau  Gräfin 
Bilinska,  14.  Frau  Feldherrn  Gräfin  Pocreyn,  15.  Frau  W03- 
wodin  Gräfin  Oginska,  16.  Frau  Cron-Marschalln  Gräfin  Mnis- 
zeck,  17.  Frau  Fürstin  Wiesnowiecka,  18.  Frau  Miesnickowa 
Fürstin  Lubomirska,  19.  Frau  Starostina  Zawisza,  20.  Frau 
Gräfin  von  Gieleissen,  21.  Frau  Trabantenhauptmann  Pro- 
hainques,  22.  Fräulein  Gräfin  Oginska,  23.  Frau  Gräfin  Mnis- 
zeck,  24.  Frau  Starosten  Dunin,  25.  Fräul.  Dunin,  26.  Frau 
Gräfin  von  Erpach,  27.  Frau  Oberhoffmarschalln  Baronne 
von  Loewendal,  28.  Frau  Geh.  Cabinets -Ministern  Gräfin  von 
Werthern,  29.  Frau  Geh.  Cabinets-Ministern  Gräfin  von  Mann- 
teuffeln,  30.  Frau  Geh.  Räthin  und  Canzlern  von  Bünau, 
31.  Frau  Geh.  Räthin  von  Diefskau,  32.  Frau  Geh.  Räthin 
und  Oberstallmeistern  von  Lofs,  33.  Frau  Geh.  Räthin  von 
Bünau  die  jüngere,  34.  Frau  Ober-Schencken  Baronne  von 
Seyfferticz,  35.  Frau  Ober-Küch-Meistern  Baronne  von  Seyffer- 
ticz,  36.  Frau  Gen. -Postmeistern  von  Neitschücz,  37.  Frau 
Hoffmarschalln  von  Haugwicz,  38.  Frau  Trabantenhaujjtmann 
von  Pflügen,  39.  Frau  Gen.-Lieut.  Bösen,  40.  Frau  Gen.-Lieut. 
von  Seyfferticz,  41.  Frau  Gen.-Lieut.  Gräfin  Castell,  42.  Frau 
Gen.-Lieut.  Pflügen,  43.  Frau  Generalmajor  von  Schulenburg, 
44.  Frau  Cammerherrn  Gräfin  Werthern,  45.  Frau  Cammer- 
herrn Gräfin  von  Schönfeld,  46.  Frau  Cammerherrn  von  Maxen, 


HO  Hans  Beschorner: 

47.  Frau  Cammerherrn  von  Füllen,  48.  Frau  Camnierherrn 
von  Arnimb,  49.  Frau  Gen. -Major  Pflügen,  50.  Frau  Cammer- 
herrn Gräfin  von  Gerfsdorff,  51.  Frau  Cammerherrn  von  Carlo- 
wicz,  52.  Frau  Obristen  Baronne  von  Loewendal,  53.  Frau 
Obristen  von  Block,  54.  Frail  Obristen  von  Ponigkau,  55.  Frau 
Major  von  Wolffersdorff,  56.  Frau  Major  Pflügen,  57.  Frau 
Major  Dossau,  58.  Frau  von  Diefskau,  gebohrne  von  Schöning, 
59,  Frau  Hauptmann  von  Heyden,   60.  Frau  von  Gerfsdorff, 

61.  Frau  von  Harrenberg,  des  Domherrn  aus  Magdeburg  Frau, 

62.  Frau  von  Bülav,  63.  Frau  von  Bodenhaufsen ,  64.  Frau 
von  Melzing,  65.  Frau  von  Dehn  auf  Helffenberg,  66.  Frau 
von  Bösen. 

//.  Fräuleins:  67.  und  68.  zwe}-  Fräul.  Gräfin  von  Mann- 
teuffel,  69.  und  70.  zwey  Fräul.  Pflügen,  der  Frau  Trabanten- 
hauptmann Töchter,  71.  Fräul.  von  Carlo witz,  des  Herrn 
Cammerherrns  Tochter,  72.  Fräul.  von  Lochau,  73.  Fräul.  von 
Niemegken,  74.  Fräul.  Melzmg,  75.  Fräul.  von  Schmerzing, 
76.  und  77.  zwey  Fräul.  von  Willfsdorff,  78,  Fräul.  von  Diefskau, 
79.  Fräul.  von  Seyfferticz,  des  Herrn  Generals  Tochter,  80.  und 
81,  zwey  Fräul.  von  Seyffertitz,  82.  und  83.  zwey  Fräul.  von 
Maxen,  84.  Fräul.  von  .  .  .  .  ,  der  Frau  Cammerherrn  von 
Arnimb  Schwester,  85.  Fräul.  von  Starschedeln,  86.  und  87.  zwey 
Fräul.  von  der  Heyden,  88.  Fräul.  von  Arnimb,  89.  Fräul.  von 
Vittingshoff,   90.  Fräul.  von  Leipzigern. 

Nur  der  kleinste  Teil  der  hohen  Gäste  und  ihrer  Be- 
dienung konnte  in  dem  Hauptquartier  untergebracht  werden, 
wie  aus  den  verschiedenen  Spezifikationen,  Quartierlisten  und 
farbigen  Skizzen  OHA.  I  f.  I74f.,  I92f.,  2i5f.  und  Loc.  1056 
Acta  varia  f.  77,  86,  189 f.  (s.  auch  hier  S.  iii  f.)  hervorgeht, 
die  den  Plan  des  Hauptquartiers  in  dem  grofsen  Kartenwerke 
ergänzen.  Für  viele  mufste  in  den  Dörfern  der  näheren  und 
weiteren  Umgebung,  in  denen  auch  die  übrigen  Fremden 
Unterkunft  fanden,  Quartier  gemacht  werden;  vgl.  hierüber 
im  allgemeinen  von  Mansberg  S.  294.  Selbst  jenseits  der 
Elbe  wurde  eine  Menge  von  Zuschauern,  auch  vornehmen 
Standes,  untergebracht.  Die  preufsischen  Offiziere  wohnten 
z.  B.  meist  in   Riesa. 

Um  allen  diesen  den  Verkehr  mit  dem  Lager  zu  er- 
leichtern, wurden  vier  Brücken  über  den  Strom  geschlagen: 
eine  Schiffsbrücke  bei  Moritz,  eine  Flofsbrücke  oberhalb,  eine 
Fafsbrücke  unterhalb  Promnitz,  eine  Klotzbrücke  bei  Bobersen 
(Staatskalender  H.4  Sp.4  —  Li  Sp.  ij.  Die  aus  26  Fährkähnen 
bestehende,  400  Schritt  lange  Schiff Ijrücke,  die  den  Haupt- 
verkehr   zu    bewältigen    hatte  und  deshalb  am  festesten  her- 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  iii 

gestellt  war,  stammte  von  dem  Oberlandbaumeister  Pöppel- 
mann  und  kostete  nach  einer  genauen  Berechnung  Loc.  1056 
Acta  varia  f.  2 5 f.  1709  Tlr.  8  Gr.;  dagegen  leiteten  den  Bau 
der  anderen  Brücken  Oberstleutnant  Fürstenhoff  (Flofs- 
brücke),  Generalmajor  von  Wuttginau  (Klotzbrücke)  und 
Pontonnierleutnant  Pap  et  e  (Fafsbrücke);  vgl.  Loc.  1056  II 
f.  166,  172,  185,  auch  Hansch,  Geschichte  des  Königl.  Sachs. 
Ingenieur-  und  Pionier-Korps  (Dresden  1898),  wo  sich  S.  82!". 
einige  nicht  sehr  zuverlässige  Angaben  über  das  Zeithainer 
Lao-er  finden.  Von  dem  Material  der  Flofsbrücke,  zu  der  u.  a. 
300  Schock  Flechten  und  300  Schock  Keulen  gebraucht  wurden 
(Loc.  35043  f.  28),  und  von  der  Klotzbrücke  konnte  hinterher 
nur  wenig  wieder  verwertet  werden,  da  beide  Brücken  bei 
dem  Hochwasser  im  Juli  1730  abtrieben  und  nur  zum  Teil 
wieder  festgemacht  werden  konnten,  wie  der  Feldartillerie- 
brückenschreiber  J.  Chr.  Böhme  in  seinem  ausführlichen  Be- 
richte vom  9.  Juli  1730  (Loc.  10947  Rapports  1730)  schildert. 
Die  257  Fässer  dagegen,  aus  denen  die  Fafsbrücke  bestand, 
wurden  zusammen  mit  den  aus  dem  Verkaufe  der  Magazine 
bei  Moritz  gelösten  950  Tlr.  (s.  oben  S.  102)  und  den  übrig- 
gebliebenen, dort  lagernden  Holzvorräten  dem  Kammerjunker 
J.  G.  von  Wehlen  auf  Riesa  für  die  grofsen  Schäden  über- 
lassen, die  er  infolge  Einschleppung  der  Rinderpest  durch 
polnische  Ochsen  und  Ruinierung  seiner  Wiesen  durch  das 
Feuerwerk  erlitten  hatte  (Loc.  1056  III  f.  151  f.).  —  Eine 
fünfte  Brücke,  die  Inventionsbrücke,  die  nach  Loc.  1056 
Acta  varia  f.  24f.  2009  Tlr.  8  Gr.  kostete,  diente  nur  mihtäri- 
schen  Zwecken;  s.  oben  S.  76. 

Die  geographischen  Karten,  die  die  Verteilung  der  Campe- 
mentsbesucher  auf  die  einzelnen  Ortschaften  veranschaulichen, 
sind  bereits  in  dieser  Zeitschrift  XXVII,  136 f,  besprochen. 
Von     diesen     stammt     nur     die     ,,Accurate     geographische 

Delineation des  Ammtes  Grossenhayn"    mit    der  ,,Re- 

praesentation  des  Campements  zwischen  Mühlberg  und 
Grossenhain"  (Nr.  45)  von  dem  Land-  und  Grenzkommissarius 
Zürner,  der  für  diese  ,,in  Kupfferstich  zu  bringende  Charte" 
und  für  einen  sonst  nicht  bekannten  ,, gedruckten  Campements- 
Prodromum  nebst  Supplementen"  um  Privilegium  nachsuchte; 
vgl.  das  Schreiben  des  Kanzlers  von  Bünau  an  den  Kabinetts- 
minister von  Hoym  vom  13.  Juni  1730  Loc.  1056  I  f.  Die 
,,Logierungskarte"  (Nr.  50)  dagegen  geht  zwar  offenbar  auf 
Zürners  ,,Accurate  geographische  JDelineation"  zurück,  stammt 
aber,  wie  sich  nachträglich  herausgestellt  hat,  von  dem 
Leipziger  Kupferstecher  Schreiber,  über  den  G.  Wustmann 


112  Hans  Beschorner: 

auf  S.  74 — 77  seiner  Arbeit  ,,Der  Leipziger  Kupferstich  im 
i6.,  17.  und  18.  Jahrhundert"  (Neujahrsblätter  der  Bibhothek 
und  des  Archivs  der  Stadt  Leipzig  III,  1907J  handelt.  Die 
Karte,  die  mit  der  a.  a.  O.  S.  109  unter  Nr.  7  erwähnten 
,,Landcharte"  identisch  ist,  wurde  mitsamt  der  Platte  beschlag- 
nahmt. Letztere  befindet  sich  gegenwärtig  im  Leipziger  Rats- 
archiv, dessen  derzeitiger  Direktor,  Professor  Dr.  Wustmann, 
sehr  scharfe  Abzüo^e  davon  nehmen  liefs.  Die  Originalkarte 
trug,  wie  man  an  diesen  Abzügen  sieht,  in  der  Titelkartusche 
den  Vermerk  ,, Schreiber  fecit",  während  dieser  auf  dem  Nach- 
stiche, in  dem  die  Karte  sonst  meist  vorkommt,  fehlt.  Von 
dieser  Logierungskarte  liefs  Schreiber  auch  Exemplare  mit 
den  kolorierten  Ansichten  des  Pavillons,  der  Pyramiden  usw. 
(s.  diese  Zeitschrift  XXVII,  138!  Nr.  53a  —  531)  auf  der  Rück- 
seite herstellen  [50  b].  Auch  diese  Karte  mit  den  von  Schreiber 
herrührenden  Ansichten  wurde  konfisziert,  die  Platte  aber  kam 
ebenfalls  ins  Leipziger  Ratsarchiv  imd  wurde  neuerdings  zur 
Herstellung  trefflicher  Abzüge  benutzt.  Dank  der  Güte  des 
Herrn  Dr.  Wustmann  befindet  sich  jetzt  sowohl  von  der 
Logierungskarte  als  von  dem  Blatte  mit  den  Ansichten  je  ein 
Exemplar  ii.  a.  im  Königl.  Hauptstaatsarchiv  Rifsschrank  A 
Fach  8  Nr.  15. 

Auch  auf  Zürner  geht  endlich  eine  dritte  allgemeine 
Orientierungkarte  zurück,  die  C.  F.  Boetins  in  Dresden  ,,mit 
Königl.  Pol.  u.  Chf  S.  Privilegio"  stach  [50c].  Das  25:12  cm 
messende  Kärtchen  (ein  Exemplar  davon  OHA.  I  f.  205)  ist 
bezeichnet  als  ,,Dehneation  der  Gegend  von  Dresden  nach 
Torgau  um  das  zwischen  Gr.Hayn  und  Mühlberg  für  die 
Königl.  Pohln.  und  Churfürstl.  Sachs.  Armee  aptirte  Cam- 
pement,  aus  richtigen  Special-Charten  extrahirt  von  X  (Mono- 
gramm Zürners),"  und  wird  durch  folgende  Listen  erläutert, 
die  am  linken  und  unteren  Rande  der  Karte  auf  breiten 
Streifen  angefügt  sind:  I.  Alphabetische  Specification  der  um 
das  Campement  herum  einquartirden  Herrschafften.  II.  Liste 
derer  bey  der  General-Revue  campirenden  K.  P.  u.  Gh.  F.  S. 
Trouppen.  III.  Recensirung  der  auf  Befehl  Ih.  K.  M.  in  P.  u. 
Ch.  F.  D.  zu  S.  täglich  vorfallenden  Unternehmungen  und 
Exercitien  der  campirenden  Trouppen  Anno  1730.  IV.  Register 
der  notabelsten  sonderlich  um  das  Campement  herum  liegenden 
Orte.  V.  Register  einicjer  inn-  u.  ausländischen  Städte  ausser 
diesen  Chärtgen,  wie  weit  dieselben  in  geraden  Linien  ....  von 
Königl.  Haupt-Quartier  zu  Radewitz  (vulgo  Roetzgen)  abliegen. 

Hinsichtlich  der  anderen  a.  a.  O.  S.  137  erwähnten  ,,Logi- 
rungs-Charte"  (Nr.  51)  sei  ergänzend  bemerkt,   dafs  sie  nach 


Das  Zeithainer  Lao;er  von  1730.  115 

Loc.  1056  I  f.  313!.,  wo  sich  das  handgezeichnete  und  aus- 
gemalte Original  befindet,  von  dem  Oberingenieur  und  Oberst- 
leutnant Fürstenhoff  stammt,  der  zusammen  mit  Dietze  die 
Aufnahme  der  Zeithainer  Gegend  leitete  (s,  oben  S.  54  Anm.  i 
und  S.  89!).  Auf  ihn  geht  wahrscheinlich  auch  noch  der 
Rifs  OHA.  I  f.  208  zurück. 

,,Vor  die  Frembden,  so  sich,  das  Campement  zu  sehen, 
in  der  Grossenhainer  Gegend  eingefunden",  bekundete  August 
der  Starke  ein  lebhaftes  Interesse.  Um  sich  über  sie  einen 
Überblick  zu  verschaffen,  Hefs  er  am  14.  Juni  1730  eine 
Verordnung  ergehen,  in  der  alle  ,,Besitzere  derer  adelichen 
und  Fre3-güther,  Verwalter  und  Pächter  der  Grossenhainer 
Gegend  dienst-  und  freundlichst  ersucht  woirden,  eine  Speci- 
fication  an  allen  in  Dero  Schlössern,  Häufsern,  Dörflfern 
und  Vorwergken  jetzo  einlogirten  und  einlogirt  gewesenen 
Frembden  fertigen  zu  lassen  und  solche  an  die  Oberhof- 
marschallamts-Expedition  einzusenden".  Königliche  Trom- 
peter mufsten  auf  allen  88  in  Frage  kommenden  Dörfern 
herumreiten  und  den  Befehl  ül:)ermitteln.  Das  Ergebnis  der  Ver- 
ordnung hegt  in  den  zahlreichen  Anzeigen  OHA.  I  f. 231 — 293 
vor,  auf  denen  wohl  die  ,,Ohngefähre  Consignation  derer 
Frembden,  so  das  Campement  bey  Radewitz  17 30  besucht", 
OHA.  I  f.  131 — 139  beruht.  Die  ,, fürstlichen  Persohnen,  Herrn 
Pohlen  und  Preussen,  sächsischen  Hoft'ka valiers  und  Landadel, 
auch  vielen  Gelehrten  und  Kauffleuthe  von  allen  Arthen" 
sind  darin  nicht  berücksichtigt.  Eine  auch  nur  schätzungs- 
weise Angabe,  wieviel  Schaulustige  das  Campement  in  die 
Zeithainer  Gegend  lockte,  ist  in  den  Akten  oder  in  der 
Literatur  nicht  zu  finden  oewesen. 

(Schlafs  folgt.) 


Karte  s.  foljjeHde  Seite. 


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IV. 

Kleinere  Mitteilungen. 


I.   Zur  Kanonisation  Bennos. 

Von  Otto  Giemen. 

Die  Bemühungen  Herzog  Georgs  von  Sachsen,  die  Kanoni- 
sation Bischof  Bennos  von  Meifsen  von  der  Kurie  zu  erwirken, 
reichen  bis  ins  Jahr  1497  zurück.  In  demselben  Jahre  ging 
auch  im  Auftrage  des  Meifsner  Domkapitels  der  Kanonikus 
Lukas  Henil  nach  Rom,  um  dem  Papste  Alexander  VI.  den 
sehnlichen  Wunsch  des  Kapitels  vorzutragen.     Im  September 

1498  sandte  auf  Bitten  des  Kapitels  Martin  von  Lochau,  Abt 
in  Altzelle,  nicht  weniger  als  drei  Schreiben  in  dieser  An- 
gelegenheit an  Papst  und  Kardinäle.  Alexander  VI.  ordnete 
daraulliin  eine  Voruntersuchung  an  und  bestellte  zu  Kom- 
missaren den  Bischof  Johann  von  Naumburg  und  die  beiden 
Äbte  Martin  von  Zelle  und  Matthäus  von  Buch.  Im  Juni  1499 
konstituierte  sich  die  Kommission  in  Zeitz  und  forderte  durch 
einen  Aufruf  alle  diejenigen,  welche  über  Bennos  Leben,  Ver- 
dienste, Heiligkeit,  Wunder  und  Verehrung  Mitteilungen  zu 
machen  wüfsten,  auf,  am  z.  Oktober  in  Meifsen  zu  erscheinen  und 
ihre  x\ussagen  zu  Protokoll  zu  geben.  Etwa  60  Zeugen  wurden 
denn  auch  an  diesem  und  den  folgenden  Tagen  dort  ver- 
nommen. Zum  dritten  Male  trat  die  Kommission  Anfang  Februar 

1499  in  Borna  zusammen,  und  hier  wurde  nun  der  Meifsner 
Klerikus  Lukas  Hofmann  abgeordnet,  das  gesammelte  umfäng- 
liche Beweismaterial  dem  Papste  zu  überbringen.  Wir  hören 
noch,  dafs  dieser  drei  Kardinäle  mit  der  Prüfung  desselben 
beauftragte,  sonst  aber  scheint  er  die  Angelegenheit  nicht 
weiter  gefördert  zu  haben  \).    Grofse  Hoffnungen  setzte  Herzog 


^)  OttoLang^erin  den  Mitteilungen  des  Vereins  für  Geschichte 
der  Stadt  Meifsen  II  (1888),  losfi.  Eberhard  Klein,  Der  heilige 
Benno  (Meilsen  1904)  S.  161  f. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVIII.    i.  2.  8 


Il6  Kleinere  Mitteiluno;eii. 

Georg  auf  Raimund  Peraudi,  der  als  päpstlicher  Legat  zur 
Überbringung  des  Jubiläumsablasses  nach  Deutschland  kam. 
In  der  zweiten  Januarwoche  1503  hat  der  Herzog  wohl  per- 
sönlich in  Meifsen  oder  in  Dresden  dem  Legaten  unter  anderen 
die  verschiedensten  kirchlichen  Verhältnisse  berührenden 
Wünschen  auch  den,  dafs  er  die  Erhebung  Bennos  betreiben 
möchte,  vorgetragen^).  Und  noch  früher,  unterm  3.  Oktober 
1501  —  kurz  vorher,  am  11.  September,  war  der  Vertrag 
zwischen  dem  Reichsregiment  und  Peraudi  über  die  Zulassung 
der  Jubiläumspredigt  in  Deutschland  zu  stände  gekommen-)  — 
hat  Herzog  Georg  sich  an  Papst  und  Kardinäle  mit  der  de- 
mütigen Bitte  gewandt,  dafs  Peraudi  mit  der  Förderung  der 
Kanonisation  beauftragt  werden  möchte.  Die  beiden  Schreiben 
stimmen  in  ihrem  wesentlichen  Inhalt  ganz  überein,  nur  die 
Anredeformeln  sind  verschieden.  Sie  finden  sich  in  gleich- 
zeitiger Abschrift  in  Cod.  Chart.  A  338  fol.  i  der  Herzoghchen 
Bibliothek  in  Gotha.  Das  erste,  an  den  Papst  gerichtete, 
sei  hier  mitgeteilt. 

Ad  summum  pontificem. 

Beatissime  pater!  Post  debitam  obedientiam  Deuota  beatorum 
pedum  oscula!  Clementissime  domine!  Accepit  iamdudum  Sanc- 
titas  vestra,  quomodo  Diuus  Et  venerabilis  pater  Benno,  quondam 
dum  vixit  Misnensis  ecclesie  Antistes,  varijs  non  tarn  in  viia  quam 
post  mortem  choruscantibus  signis  et  miraculis  claruerit,  Vnde  etiam 
S.  v.  superioribus  exactis  diebus  super  huiusmodi  negotio  Reuerendo 
et  venerabilibus  In  Christo  patribus  Numburgensi  Episcopo  et  Celle 
veteris  atque  Buch  Monasteriorum  abl:)atibus  dignata  fuit  inquisicio- 
nem  committere,  quemadmodum  dihgentius  inquisitio  facta  fuerit, 
Multis  desuper  productis  testibus,  quormn  attestaciones  S.  v.  trans- 
misse  et  publicate  fuerunt.  Quare  obnixius  et  cum  instantia  Rogo, 
vt  sanctitas  vestra  velit  ReueTendissimo  in  Christo  patri  Domino  et 
amico  meo  clarissimo  Domino  Raymundo  tituli  Sancte  Marie  Noue 
Presbytero  Cardinali  Gurtzensi  per  Gennaniam  Legato  committere 
huiusmodi  negotium  Latius  tractare  Juxta  eiusdem  S.  v.  arbitrium 
atque  voluntatem.  In  quoS.  v.Indubie  sunimi  retributorisRetributionem 
mercedemque  prestolatura  est  copiosam  Eiusque  loci  hominum  de- 
uotionem  teruentius  inilammabit  et  augeat,  qui  etiam  pro  felici  ve- 
nerabilis ecclesie  regimine  ac  S.  v.  Incolumitate  altissimum  deuotius 
exorabunt.  Feliciter  valeat  longeque  superstes  viuat  S.  v.,  cui  me 
humilius  commendo.  Datum  In  Arce  Dressen  Die  Tercia  Mensis 
Octobris  Anno  domini  Millesinioquingentesimoprimo. 


1)  Felician  Gefs,  Akten  und  Briefe  zur  Kirchenpolitik  Herzog 
Georgs  von  Sachsen  I  (Leipzig  1905),  Einl.  S.  XXXIIIf. 

-')  Joh.  Schneider,  Die  kirchliche  und  politische  Wirksamkeit 
des  Legaten  Raimund  Feraudi  (Halle  1882J  S.  65 ff. 


Kleinere  Mitteilung:en.  "^  1 1  y 

2.  Dr.  Johann  von  Kitzscher  im  Dienste  des  Deutschen  Ordens. 

Von  Hermann  Freytag. 

Im  zwanzigsten  Bande  dieser  Zeitschrift  hat  Bauch  ein 
Lebensbild  des  meifsnischen  Edelmannes  Johann  von  Kitzscher 
gegeben,  dabei  aber  mit  Bedauern  feststellen  müssen,  dafs 
für  die  Zeit  von  1506  bis  1512  die  Nachrichten  über  Kitzschers 
Leben  recht  dürftig  sind.  Diese  Lücke  auszufüllen,  sollen 
die  folgenden  Zeilen  dienen. 

Johann  von  Kitzscher  hat  während  der  Jahre  1508  bis 
15 12  im  Dienste  des  Deutschen  Ordens  gestanden. 

Im  Jahre  1507  war  der  Hochmeister  Friedrich  von  Sachsen, 
der  Bruder  Herzog  Georgs,  nach  Deutschland  gekommen. 
Mit  dieser  Reise  verfolgte  er  einen  doppelten  Zweck,  den 
politischen,  die  Hilfe  der  deutschen  Fürsten  gegen  den  pol- 
nischen König,  der  ihm  immer  drohender  entgegentrat,  zu 
gewinnen,  den  persönlichen,  in  seiner  Eigenschaft  als  Ko- 
adjutor  des  Erzbischofs  von  Magdeburg  dem  Befehl  des 
Papstes  zur  Residenz  bei  der  magdeburgischen  Kirche,  so- 
weit als  möglich  war,  nachzukommen^).  Als  Wohnort  hatte 
ihm  sein  Bruder  das  Schlofs  Weifsensee  eingeräumt,  von 
wo  aus  er  auch  den  Erzbischof  Herzog  Ernst  von  Sachsen, 
den  Bruder  des  Kurfürsten  Friedrich,  besuchte.  Auch  stand 
er  im  Anfang  des  Jahres  1508  mit  dem  Kurfürsten  selbst  in 
Verhandlung,  die  dessen  Eintreten  für  den  Orden  beim  Kaiser 
zum  Ziele  hatte.  Es  gab  während  dieser  Zeit  Gelegenheit 
genug  für  Johann  von  Kitzscher,  der  damals  des  Kurfürsten 
Kanzler  war,  mit  dem  Hochmeister  in  Berührung  zu  kommen, 
auch  ist  nicht  ausgeschlossen,  dafs  ihre  Bekanntschaft  schon 
älteren  Datums  war,  ja,  es  ist  wohl  mögUch,  dafs  der  Hoch- 
meister, dem  man  nicht  mit  Unrecht  höhere  geistige  Interessen 
nachrühmte,  auch  Kitzschers  literarische  Arbeiten,  zugleich 
Zeugnisse  seiner  Redekunst,  kannte.  Das  dürfte  für  den 
Hochmeister,  der  überhaupt  die  Neigung  hatte.  Söhne  seines 
Heimatlandes  in  den  Dienst  des  Ordens  zu  ziehen^),  Grund 
genug  gewesen  sein,  auch  Johann  von  Kitzschers  Verwendung 
in  diesem  Dienste  in  Aussicht  zu  nehmen. 

Jedenfalls  wurde,  als  es  im  Jahre  1508  galt,  den  Posten 
eines  General  -  Prokurators    des  Ordens    bei    der  Römischen 


1)  Voigt,  Geschichte  Preufsens  von  den  ältesten  Zeiten  bis 
zum  Untergange  der  Herrschaft  des  Deutschen  Ordens  IX,  3 32 ff. 

-)  Freytag,  Die  Beziehungen  der  Universität  Leipzig  zu 
Preufsen  von  ihrer  Begründung  bis  zur  Reformation,  in  Zeitschr.  d. 
Westpreufs.  Gesch.- Vereins  XLIV,  24. 


8* 


Ii8  Kleinere  Mitteilungen. 

Kurie  neu  zu  besetzen,  Kitzscher  für  denselben  gewonnen. 
Da  diese  Stellung  stets  von  einem  Ordensmitgliede  bekleidet 
wurde  ^),  so  dürfte  auch  Kitzscher  in  den  Orden  eingetreten 
sein.  Wenn  ihm  zugleich  in  dieser  Zeit  die  Altenburger 
Propstei  verliehen  wurde,  so  ist  dies  vielleicht  mit  Hilfe  des 
Herzogs  Georg  deswegen  geschehen,  um  ihm  eine  sicherere 
materielle  Lage  zu  bieten,  als  sie  ihm  der  Orden  bei  seinen 
damaligen  finanziellen  Nöten  gewähren  konnte. 

Noch  im  Jahre  1508  mufs  Kitzscher  nach  Rom  gekommen 
sein,  da  bereits  in  einigen  Schreiben  aus  den  ersten  Tagen 
des  Jahres  1509  der  Hochmeister  auf  seine  Tätigkeit  bei  der 
Kurie  Bezug  nimmt.  Diese  Tätigkeit  richtete  sich  zunächst 
auf  die  Gewinnung  des  Papstes  für  eine  dem  Orden  günstige 
Behandluno:  der  Streitfrag-e  bezügrlich  des  Verhältnisses  des- 
selben  zum  Könige  von  Polen.  Auf  Grund  des  Friedens  von 
Thorn  vom  Jahre  1466  verlangte  dieser  vom  Hochmeister  die 
Leistung  des  Lehnseides,  der  sich  letzterer  bisher  entzogen 
hatte.  Die  Gegensätze  hatten  sich  so  weit  zugespitzt,  dafs 
man  gegen  Ende  des  Jahres  1508  lebhaft  mit  der  Möglich- 
keit eines  feindlichen  Einfalls  der  Polen  rechnete.  Es  gelang 
Kitzscher  mit  Hilfe  des  Ordensprotektois,  des  Kardinals  St. 
Georgii,  den  Papst  so  weit  für  die  Sache  des  Ordens  zu  ge- 
winnen, dafs  dieser  einige  Breve,  an  den  König  von  Polen 
und  den  von  Ungarn  gerichtet,  erliefs,  in  denen  er  beiden 
Teilen  alle  Fehde  und  Feindschaft  streng  untersagte  und  die 
Streitsache  selbst  in  Untersuchung  nehmen  zu  wollen  er- 
klärte-2). 

Auch  zu  den  Kreisen  der  übrigen  in  Rom  wohnenden 
Deutschen  unterhielt  Kitzscher  Beziehungen.  Im  Jahre  1499 
hatte  die  Bruderschaft  des  deutschen  Nationalhospizes  St.  Maria 
delFAnima  in  Rom  beschlossen,  eine  neue  Kirche  für  dasselbe 
zu  bauen.  Zu  diesem  Zwecke  wurden  im  Jahre  1509  die 
namhafteren  der  in  Rom  anwesenden  Deutschen  um  Zeichnung 
von  Geldbeiträgen,  die  sie  leihen  oder  schenken  wollten,  an- 
gegangen.    Auch  Kitzscher  zeichnete   100  Dukaten '^J, 


*)  Vgl.  Voigt,  Stimmen  aus  Rom  über  den  päpstlichen  Hof 
im  fünfzehnten  Jahrhundert,  in  Räumers  historischem  Taschen- 
buch IV,  54.  Freytag,  Die  Geschäftsträger  des  Deutschen  Ordens 
an  der  Komischen  Kuria  von  1309  bis  1525,  ebenda  XLIX,  189. 

^)  Schreiben  des  Hochmeisters  an  Kitzscher  d.  iMontag  nach 
Neujalir  (5.  Januar I  und  Freitag  nach  ( )uasimodogeniti  (20.  April)  1509 
bei  Voigt  IX,  364. 

"j  Nagl  und  Lang,  Mitteilungen  aus  dem  Archiv  des  deutschen 
Nationalhospizes  St.  Maria  dell'Anima  in  Rom  (Rom  1899)  S.  67  und  71. 


Kleinere  Mitteilunuen. 


119 


Die  folgenden  Jahre  brachten  dem  Ordensprokurator  die 
dornenvolle  Aufgabe,  des  Papstes  Interesse  für  den  Orden 
und  seine  Gunst  in  der  obwaltenden  polnischen  Streitsache 
rege  zu  erhalten.  Als  daher  der  Hochmeister  die  Sache  an 
Kaiser  und  Reich  gebracht  hatte,  erhielt  er  den  Auftrag,  den 
Papst  so  vollständig  wie  möglich  über  die  Gründe,  die  jenen 
dazu  bewogen  hätten,  zu  informieren,  und  als  der  Reichstag 
zu  Worms  1509  beschlossen  hatte,  dafs  Kaiser,  Stände  und 
Hochmeister  den  Papst  bitten  sollten,  mit  ihnen  einen  Bot- 
schafter an  den  König  von  Polen  zu  senden,  der  diesen  zu 
einer  gütlichen  Verhandlung  der  Streitsache  bestimmen  sollte, 
da  war  es  seine  Aufgabe,  den  Papst  dieser  Bitte  geneigt  zu 
machen.  Lange  zogen  sich  die  Verhandlungen  hin,  bis  end- 
lich 15 10  der  Legat  Achilles  de  Grossis  den  Auftrag  erhielt, 
dem  ano^esetzten  Verhandluno-stao-e  in  Posen  beizuwohnen^). 
Freilich  blieb,  als  im  Jahre  15 10  der  Tag  eröffnet  wurde,  der 
Legat  ohne  Angabe  von  Gründen  aus,  und  die  Verhandlungen 
verliefen  erfolglos.  Alsbald  erhielt  Kitzscher  den  Auftrag, 
den  Papst  über  den  Verlauf  der  Tagung  zu  unterrichten 
und  aufs  neue  seine  Hilfe  anzurufen'-).  Erst  im  Herbst  kam 
der  Legat  zum  polnischen  Könige  und  da  seine  Information 
nunmehr  selbstverständlich  eine  einseitig  polnische  war,  so 
entstand  für  den  Ordensprokurator  die  Aufgabe,  durch  ge- 
nauen Bericht  beim  Papste  den  möglichen  ungünstigen  Folgen 
vorzubeugen'^). 

Am  14.  Dezember  15 10  starb  der  Hochmeister  auf  dem 
Schlosse  seines  Bruders  zu  RochHtz.  Am  13.  Februar  15 11 
wurde  dann  im  Kloster  zu  Zschillen  der  junge  Markgraf 
Albrecht  von  Brandenburg  in  den  Orden  aufgenommen  und 
noch  an  demselben  Tage  in  Rochlitz  zum  Hochmeister  ge- 
wählt.    Alsbald   erhielt  Kitzscher   die  Instruktion,   am  päpst- 


Kitzscher  nimmt  in  der  Liste  die  zweite  Stelle  ein,  während  an 
erster  Stelle  sein  Nachfolger  als  Ordensiirokurator,  der  spätere 
Bischof  von  Reval,  Johannes  ßlankenfeld,  steht.  Offenbar  ist  dessen 
Name  wegen  seines  Ranges  nachträglich  an  die  Spitze  der  Liste 
gestellt  worden. 

')  Schreiben  des  Hochmeisters  an  Kitzscher  d.  Sonntag  nach 
Vinc.  Petri  (5.  August),  d.  7.  August,  d.  Abend  nach  Simonis  und 
Judä  (28.  Oktober)  1509  und  d.  Mittwoch  nach  Palmarum  (27,  März) 
'1510.    Voigt  IX,  373.  375.  380. 

-1  Schreiben  des  Hochmeisters  an  Kitzscher  d.  Dienstag  nach 
Dominici  Confess.  16.  August)  1510,  Voigt  IX,  384.  387  if. 

^)  Schreiben  des  Hochmeisters  an  Kitzscher  d.  Mittwoch 
Simonis  und  Judä  (30.  Oktober)  15 10.     Voigt  IX,  391. 


J20  Kleinere  Mitteilungen. 

liehen  Hofe  auch  die  Interessen  des  neuen  Meisters  in  guter 
Acht  zu  haben  ^), 

Der  neue  Hochmeister,  ein  Neffe  des  pohlischen  Königs, 
hatte  wohl  gehofft,  dafs  dieser  aus  verwandtschaftlichen  Rück- 
sichten ihm  gegenüber  nicht  allzu  schroff  auftreten  würde. 
Das  Gegenteil  trat  ein.  Der  König  liefs  dem  Hochmeister 
erklären,  er  möchte  sein  Amt  nicht  erst  antreten,  wenn  er 
wie  sein  Amtsvorgänger  ihm  den  Huldigungseid  versagen 
wollte.  Dann  würde  er  selbst  alle  Blutsbande  vergessen  und 
als  offener  Feind  seinen  Forderungen  Gehör  verschaffen.  Die 
Folge  dieser  Stellungnahme  des  Königs  war,  dafs  der  Hoch- 
meister noch  ein  volles  Jahr  in  Deutschland  verweilte,  um  sich 
bei  den  deutschen  Fürsten  und  besonders  auf  dem  Reichs- 
tage zu  Trier  bei  den  Reichsständen  der  Hilfe  gegen  den 
König  zu  versichern,  ohne  jedoch  viel  auszurichten. 

Bald  nach  dem  am  5.  Oktober  15 12  erfolgten  Tode 
seiner  Mutter,  der  Markgräfin  Sophie,  der  Schwester  des  Königs 
von  Polen,  brach  der  Hochmeister  von  Ansbach  auf,  um  seine 
Reise  nach  Preufsen  anzutreten.  Mit  ihm  zog  sein  Bruder 
Kasimir,  der  ihn  bis  Posen  begleitete  und  sich  von  hier  aus 
nach  Petrikau  begab,  während  der  Hochmeister  nach  Preufsen 
zog.  Der  Zweck  dieser  Reise  war  der,  die  Bedingungen 
festzustellen,  unter  denen  der  Friede  zwischen  dem  Könige 
und  dem  Deutschen  Orden  aufrecht  erhalten  werden  könnte. 

Im  Gefolge  Markgraf  Kasimirs  finden  wir  nun  Johann 
von  Kitzscher  wieder,  der  inzwischen  sein  Prokuratoramt 
in  Rom  aufgegeben  hatte,  wo  an  seine  Stelle  Dr.  Johannes 
Blankenfeld-),  der  bekannte  Hofjurist  des  Hauses  Branden- 
burg, getreten  war. 

Es  handelte  sich  bei  dieser  Reise  an  den  polnischen  Hot 
keineswegs  um  eine  dynastische  Höflichkeitsbezeugung,  wie  es 
nach  Bauchs  Darstellung  den  Anschein  hat,  sondern  um  hoch- 
politische Verhandlungen,  und  Kitzscher  ist  nicht  der  Ge- 
sandte, sondern  nur  ein  Glied  einer  zahlreichen  und  glänzenden 
Gesandtschaft.  Aufser  dem  Markgrafen  gehörten  derselben 
an:  der  Komtur  von  Osterode  Georg  von  Eltz ,  ein  schon 
lange  im  diplomatischen  Dienst  erprobter  Ritter,  früher  selbst 


1)  Joachim,  Die  Politik  des  letzten  Hochmeisters  in  Preufsen 
Albrecht  von  Brandenburg  I  (Leipzig  1892),  9.  Auf  diesem  Werke 
beruht  neben  dem  oben  genannten  von  Voigt  vornehmlich  die  fol- 
gende Darstellung  der  politischen  Verhältnisse  und  Verhandlungen. 

2)  Über  ihn  vgl.  Seh nOring,  Johannes  Blankenfeld,  ein  Lebens- 
bild aus  den  Anfängen  der  Reformation  (Halle  1905). 


Kleinere  Mitteiluno;en.  12 1 

Ordensprokurator  in  Rom,  lerner  Bischof  Job  von  Dobeneck 
von  Pomesanien,  der  Lizentiat  der  Rechte  Georg  von  Polenz, 
der  Landkomtur  von  Hessen  Dietrich  von  Cleen,  der  kur- 
brandenburgische  Kanzler  Dr.  Stüblinger,  die  sächsischen  Räte 
Günther  von  Bünau  und  Dr.  Dietrich  von  Werther,  der  Haupt- 
mann von  Hof  Phihpp  von  FeiHtzsch,  und  endhch  Johann  von 
Kitzscher ^).  Letzterer  scheint  der  Sprecher  bei  der  Be- 
grüfsungsversammlung  gewesen  zu  sein,  wobei  er  die  später 
veröffentUchte  Rede  hielt'-).  Dabei  ist  zu  bemerken,  dafs  die 
Rede  nicht,  wie  der  Druck  angibt,  am  lo.  November  ge- 
halten ist.  Am  8.  November  war  die  Gesandtschaft  zugleich 
mit  dem  Hochmeister  von  Posen  aufgebrochen  und  kam  erst 
am  i6.  November  in  Petrikau  an'^). 

Wenn  Kitzscher  in  der  Rede  an  den  Tod  der  Markofräfin 
Sophie  anknüpfte,  so  war  das  wenig  mehr  als  eine  rhetorische 
Wendung.  Der  König  war  nach  dem  oben  Mitgeteilten  nicht 
der  Mann,  der  sich  durch  verwandtschaftliche  Rücksichten  in 
seiner  Politik  beeinflussen  liefs.  Aufserdem  hatte  er  von  einer 
besonderen  Zuneigung  für  die  brandenburgische  Verwandtschaft 
bisher  wenig  verraten.  Hatte  doch  auch  die  verstorbene  Mark- 
gräfin bis  an  ihr  Ende  vergeblich  auf  ihr  Heiratsgut  gewartet ''). 

Auch  an  den  politischen  Verhandlungen  hatte  Kitzscher 
teil.  Als  dieselben  zunächst  nicht  vorwärts  kamen,  wurde  eine 
Kommission  eingesetzt,  die  das  Friedensinstrument  von  Thorn 
vom  Jahre  1466  artikelweise  durchberaten  und  auf  dieser 
Grundlage  einen  Ausgleich  anbahnen  sollte.  In  diese  Kom- 
mission wurde  von  seiten  des  Ordens  neben  dem  Bischof  von 
Pomesanien  und  Dietrich  von  Werther  auch  Kitzscher  ge- 
wählt. Das  Ergebnis  der  Verhandlungen  war  ein  am  4.  De- 
zember aufgestellter  Rezefs,  der  für  den  Orden  einen  sehr 
geringen  Erfolg  bedeutete^). 

Nach  Schlufs  der  Tagung  dürfte  nun  Kitzscher  zunächst 
in  Begleitung  des  Markgrafen  zum  Hochmeister  nach  Königs- 
berg gereist  sein,  wo  man  am  20.  Dezember  eintraf.  Am 
7.  Januar  brach  der  Markgraf  wieder  auf  und  trat  die  Heim- 
reise an,  die  ihn  durch  Pommern  und  die  Mark  führte. 
Reiste  Kitzscher  mit  ihm,  so  wäre  er  etwa  Mitte  Februar  zu 
Hause  gewesen*^).      Die    sächsischen  Räte  waren  direkt   von 


^)  Joachim  a.  a.  O.  I,  33. 

'-)  Bauch  a.  a.  O.  S.  313. 

'^j  Joachim  I,  33;  Scriptores  rerum  Prussicarum  V,  323. 

*)  Joachim  I,  10. 

s)  Joachim  I,  33ff.  2i9f.     Voigt  IX,  44oflF. 

")  Scriptores  rerum  Prussicarum  V,  326!".,  466;  Joachim  I,   39. 


122  Kleinere  M  tteiluns^en. 

Petrikau  nach  Hause  zurückgekehrt  und  bereits  Anfang-  Januar 
angekommen^).  Dafs  Kitzscher  nicht  mit  ihnen  gewesen  ist, 
scheint  auch  durch  folgendes  bestätigt  zu  werden.  Die  von  ihm 
in  Petrikau  gehaltene  Rede  erschien  am  i6.  Februar  1813  in 
Leipzig  im  Druck.  Wäre  er  selbst  auf  kürzestem  Wege  nach 
Hause  gereist,  so  hätte  er  die  Herausgabe  wohl  selbst  be- 
sorgen können.  Das  ist  nicht  geschehen.  So  dürfte  die  Ver- 
mutung berechtigt  sein,  dafs  er,  während  ihn  selbst  seine 
Pflicht  nach  Königsberg  rief,  das  Manuskript  den  sächsischen 
Käten  mitgab  und  es  dadurch  ermöglichte,  dafs  seine  Freunde 
ihm  bei  seiner  Heimkehr  das  fertige  Buch  als  Willkommen 
darboten. 


3.    Kleine  Beiträge  zur  sächsischen  Gelehrtengeschichte. 

Von  Otto  Giemen. 

Kollegankündigungen   des  Joh.  Honorius 
Cubitensis. 

Zu  den  in  dieser  Zeitschrift  XIX  (1898),  108  —  iio  aus 
Einblattdrucken  der  Zwickauer  Ratsschulbibliothek  mitgeteilten 
Kolleganzeigen  Leipziger  Professoren  aus  dem  Anfang  des 
16.  Jahrhunderts  füge  ich  einen  Einblattdruck,  der  der  Innen- 
seite des  Vorderdeckels  eines  Foliobandes  der  Freiberger 
Gymnasialbibliothek  aufgeklebt  ist.  Der  Quartdruck  kündigt 
zwei  Kollegs  des  Joh.  Honorius  Cubitensis  (vgl.  über 
ihn  diese  Zeitschrift  XXV,  297 f.)  an,  und  Martin  Lands- 
berg, der  den  Zettel  gedruckt  hat,  benützt  die  Gelegenheit, 
die  Studenten  darauf  hinzuweisen,  dafs  die  zu  den  beiden 
Kollegs  benötigten  Bücher  in  seiner  Buchhandlung  vorrätig 
sind.  Diese  Blätter  waren  also  nicht  etwa  dazu  bestimmt, 
an  das  schwarze  Brett  angeschlagen  zu  werden,  sondern 
wurden  vorübergehenden  Studenten  in  die  Hand  gedrückt  oder 
auf  andere  Weise  verteilt. 

Der  Band  enthält:  i.  Valerii  Maximi  dictorum  et  factorum 
memorabilium  libri  IX  cum  commentario  Oliverii  Arzignanensis, 
Venetiis:  Joh.  Forliviensis  Gregoriusque  fratres  1487 -),  2.  Justini 
epitoma  historiarum  Trogi  Pompeii,  Venetiis:  PhilipjDus  condam 


')  Schon  am  9.  Januar  schreibt  Herzog  Georg,  nachdem  er  den 
Bericht  Dietrichs  von  Werther  gehört,  an  den  Hochmeister. 
Joachim  I,  39. 

-)  Proctor  4510.  Jacijues  Rosenthal,  Incunabula  typo- 
graphica  I,  1435. 


Kleinere  Mitteilungen. 


123 


Petri  Tarvisinus  1479^).  Ursprünglich  gehörte  der  Band  dem 
genannten  Joh.  Honorius,  von  dessen  Hand  auf  dem  Vorsatz- 
jiapiere  folgende  Einträge  stehen:  xxviij  g.  ego  Johannes 
Honorius  Cubitensis  dedi  venditori  librorum,  miniographo 
tres  g.,  ligatori  sex  grossos.  Darunter:  Intimatio  facta  in 
studio  Lipsensi.  Ad  communem  studiosorum  vtilitatem 
Magister  Johannes  Honorius  Cubitensis  Ubros  valerij  maximi 
acri  cura  et  diligentia  interpretabitur  adducetque  multos  appro- 
batos  auctores,  quos  ad  historiarum  declarationem  facere 
putabit,  grammaticos,  oratores,  poetas,  philosophos  et  historio- 
graphos.  Cras  hora  post  meridiem  sexta  librum  se];)timum 
in  pedagogio  incipiet  etc.  (So  lautet  eine  offizielle  Kolleg- 
ankündigung, die  an  das  schwarze  Brett  angeheftet  wurde!) 
Endlich  auf  einem  anderen  Blatte:  vij  g.  ego  Joh.  Cubi. 
Exposui  pro  Justino  et  Floro.  Von  anderer  Hand  steht  auf 
dem  ersten  Blatte  noch  folgendes:  Hunc  librum  idem  Magister 
Johannes  Cubitensis  ecclesie  beate  Marie  Fribergensis  legat 
d'  mensis  Junij  anno  quarto. 

Vor  Mitteilung  jenes  Quartdruckes  müssen  noch  die 
beiden  Fragen  beantwortet  werden:  Welche  Bücher  werden 
darin  empfohlen,  und  in  welches  Jahr  werden  wir  versetzt? 
Das  Werk  des  Valerius  Maximus  erschien  bei  Martin  Landsbers: 
zweimal,  1501  und  1506  (Panzer,  Annales  typographici  IX, 
481,  11^  und  485,  181'^)-).  Welches  Buch  aber  ist  an  zweiter 
Stelle  gemeint?  Bei  einer  Vorlesung  des  Joh.  Honorius  über 
Metrik  sollte   es   als   Leitfaden   dienen.      Da  kann   nun   wohl 


^)  Hain  Copinger  9651.     Proctor  4274.     Rosenthal  I,  845. 

2)  Mit  diesem  Autor  hat  Joh.  Honorius  sich  übrigens  viel  be- 
schäftigt. Im  Jahre  1503  druckte  Jakob  Thanner:  Epitomata  super 
novem  libros  Valerii  Maximi  de  dictis  factisque  memorabilibus  dili- 
genter  et  accurate  a  Magistro  Johanne  Honorio  Cubitensi  recollecta. 
Mit  einem  Epigramm  des  Mag.  Andreas  Boner  aus  Landau  auf  dem 
Titel  und  einem  Vorwort  des  Honorius  an  Christoph  Ursinus  aus 
Krakau  (Panzer  VII,  147,  90).  Das  eine  Exemplar  der  Zwickauer 
Ratsschulbibliothek  befindet  sich  in  dem  Sammelband  Yll.  V.  4,  der 
folgenden  Eintrag  aufweist:  Emptus  est  über  iste  virginej  partus 
1506  a  me  Conrado  Glaser  de  lichtenuels  [erst  S.  1507  in  Leipzig 
immatrikuliert]  xiiij  albis  rotiferis  et  4  nummis  in  nundinis  estivalibus. 
Compactio  20  nummos  constat.  Das  andere  Exemplar  ist  in  dem 
Sammelband  XXIV.  XII.  25  enthalten;  am  Ende  steht  handschriftlich 
folgendes  Epigramm  von  Gregorius  Bredekopf  aus  Konitz: 

Mgr.  Gre.  Laticephalus  de  Konitz  Tetras: 
Hoc  opus  Abiegnus  [=  Thanner]  vir  doctus  in  arte  Jacobus 

Exegit  nitidum,  Lips  vbi  pulchra  nitet. 
Lips  vrbes  vincit  studijs  doctissima  cunctas, 

Hie  tutas  sedes  diua  minerua  tenet. 


124 


Kleinere  Mitteilunsren 


ö^ 


nur  in  Betracht  kommen  das  von  Joh,  May  aus  Römhilt  ver- 
fafste  und  nach  dessen  Weggang  aus  Leipzig  von  Joh. 
Honorius  erstmaHg  1488  herausgegebene  Opuscukim  de  com- 
ponendis  versibus  hexametro  et  pentametro  et  de  quibusdam 
Lyricis  carminibus  que  maiori  in  usu  habentur  quam  cetera 
'Hain  10537).  Eine  zweite  Auflage  erschien  1500  bei  Jakob 
Thanner  (Hain  10538)^).  Beachtet  man  dies  und  erinnert 
man  sich  zugleich,  dafs  1501  eine  Ausgabe  des  Valerius 
Maximus  bei  Martin  Landsberg  erschien,  so  ergibt  sich  mit 
ziemlicher  Sicherheit,  dafs  jene  beiden  Kollegs  des  Joh. 
Honorius  ins  Jahr  1501  fallen  und  also  auch  unser  Einblatt- 
druck in  dieses  Jahr  gehört. 

Magnas  merito  gratias  historiographis  homines  debent,  qui  suo 
labore  plurimum  vite  mortalium  proifuere.  ostendunt  enim  legeniibus 
preteritorum  exemplis,  quid  nobis  appetendum  sit  quidue  fugiendum. 
Etenim  si  ea,  que  de  mferis  et  quidem  fabulose  feruntur,  multum 
conferunt  hominibus  ad  pietatem  ac  iusticiam  seruandam:  quanto 
magis  putandum  est  historiam  veritatis  assertricem  tanquam  totius 
Philosophie  parentem  mores  nostros  effingere  ad  virtutem?  Propterea 
legendi  sunt  historici  omnes,  sed  in  primis,  qui  res  gestas  carptim 
et  sub  compendio  collegerunt.  Quo  in  genere  valerius  maximus  se 
offert,  qui  et  externam  et  romanam  historiam  curiose  pariter  ac 
eleganter  neuem  voluminibus  comprehendit.  Reliquos  deinde  rerum 
scriptores  ordine  perlegemus.  Hinc  variarum  gentium  mores,  instituta, 
leges,  hinc  varias  hominum  fortunas,  ingeniorum  et  vitia  et  virtutes 
excerpere  poterimus.  que  res  maxime  in  quotidiano  sermone  facun- 
diam  et  in  varijs  rebus  cognitionem  creabit.  Itaque  magister  Joannes 
Cubitensis  summa  diligentia  libros  valerij  maximi  interpretabitur. 
Cras  hora  secunda  incipiet  secundum  librum  eiusdem.  in  quo  hec 
omnia  egregie  continentur:  instituta  maiorum,  disciplina  militaris,  ius 
triumphandi,  censoria  nota  et  virorum  maiestas.  In  habitatione  sua 
Collegij  principis. 

Valerij  maximi  Liber  secundus  venditur  per  Baccalarium  Mar- 
tinum  Herbipolensem. 

Idem  cras  hora  octaua  incipiet  artem  carminum  pulcherrimam 
et  perutilem  inprimisque  necessariam  non  solum  ad  versuum  struc- 
turam,  sed  cum  ad  cognitionem  accentuum,  tum  etiam  ad  vniuer- 
;am  prope  litteraturam.  in  stuba  communitatis  Collegij  principis. 

Exemplaria  accuratissime  impressa  in  domo  Baccalarij  Martini 
llerbipolensis  venduntur  stipe  exigua. 

Vera  sit  ars  nee  enim  satis  est  fore  carmina  pulchra, 
Si  credas  Flacco:  dulcia  sunto  mage. 

Simon  Behem. 

Erich  Schmidt  hat  in  seinem  Buche:  Deutsche  Volks- 
kunde  im  Zeitalter    des  Humanismus    und   der    Reformation, 


')  Vgl.    auch     G.    Bauch,    Geschichte     des    Leipziger    Früh- 
humanismus (Leipzig  1899;  S.  31. 


Kleinere  Mitteilungen.  125 

Leipzig  1904,  S.  60 ff.  einen  trefflichen  Gelehrten  aus  der 
ersten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts  der  Vergessenheit  ent- 
rissen: Joh.  Bohemus  Aubanus,  der  erst  Deutschordenspriester 
in  Ulm  und  Mitglied  des  um  den  Arzt  Wolfgang  Richard 
sich  scharenden  Humanistenkreises  war,  Sommer  1522  nach 
Kapfenburg,  nordwestlich  von  Ulm,  übersiedelte,  ,,in  vitae 
suae  calce"  nach  eingehendem  Studium  Lutherischer  Schriften 
der  Reformation  sich  zuwandte  und  1555  starb.  Aufser  einer 
Gedichtsammlung  ,,Liber  heroicus"  hat  er  ein  für  die  deutsche 
Volkskunde  hochbedeutsames  Werk  ,,de  omnium  gentium  ri- 
tibus"  verfafst,  das  zum  ersten  Male  1520  in  Augsburg  er- 
schien. Über  seine  Verwandtschaft  weifs  Schmidt  S.  61  nur 
wenig  mitzuteilen.  Er  hatte  jedoch  einen  Bruder,  der  gleich- 
falls unsere  Beachtung  verdient.  Joh.  Bohemus  schreibt  näm- 
lich einmal  in  einem  wahrscheinlich  ins  Jahr  1520  fallenden 
Briefe  an  Andreas  Althamer  in  Schwäbisch -Hall,  dafs  er 
drei  Briefe  an  Christoph  Hegendorfer  und  einen  an  Joh.  Hom- 
burg^) (beide  in  Leipzig)  geschrieben  habe  ,,apud  adolescen- 
tem  discipulum  fratris  mei  didasculi  Monte  S.  Annae,  qui  per 
Lipsiam  Wittenbergam  ad  utile  Studium  migrabit"-).  An 
dieser  Stelle  kann  nur  Simon  Behem,  der  Ende  15 16  oder 
Anfang  15 17  als  Schulmeister  nach  Annaberg  kam'^),  gemeint 
sein.  Dieser  stammte  also,  wie  sein  berühmter  Bruder  aus 
Aub  an  der  Gollach,  einem  rechten  Nebenfiüfschen  der  Tauber. 
Im  Sommer  1502  wurde  er  als  ,, Simon  Beham  de  Aw"  in 
Leipzig  (Matrikel  I,  446),  im  Sommer  1505  als  ,, Simon  bemhe 
de  aw"  in  Wittenberg  immatrikuliert  (Album  S.  17).  Am 
16.  September  1506  wurde  er  hier  zum  Baccalaureus  (,, Simon 
Bhoem  de  Ahu":  Köstlin,  Die  Baccalaurei  und  Magistri  der 
Wittenberger  philosophischen  Fakultät  1503 — 1517  S.  7),  am 
3.  Februar  15 13  zum  Magister  artium  (,, Simon  Beheim  Au 
diocesis  Herbipolensis":  ebd.  S.  26)  und  am  25.  September  15 16 
zum  Baccalaureus  biblicus  („Simon  Behem  de  aw":  Liber 
Decanorum  p.  19)  promoviert.  Sehr  bald  darauf  wurde  er, 
wie  schon  erwähnt,  Rektor  der  Annaberger  Lateinschule. 
Dieses  Amt  bekleidete  er  jedenfalls  noch,  als  ihm  Christoph 
Hegendorfer     die    zweite    Auflage    seiner    dialogi    pueriles, 


')  Beiträge  zur  bayrischen  Kirchengeschichte  III  (1897),  171  ft., 
VII  (1901),  281  ff. 

")  Andreae  Althameri  vita  .  .  .  cura  et  studio  lo.  Arnoldi 
Ballenstadii  (Wolfenbutelae  1740)  S.  68. 

*)  Christ.  Frid.  Wilisch,  Incunabula  scholae  Annaebergensis 
(Annaebergae  17 12)  S.  18. 


120  Kleinere  Mitteilungen. 

die  bei  Valentin  Schumann  in  Leipzig  erschienen^),  widmete. 
1528  finden  wir  ihn  als  Prediger  des  Evangehums  in  Joachims- 
thal, wo  er  jedoch  nur  dreiviertel  Jahre  blieb-),  1530  in  Mühl- 
troff  bei  Plauen,  wo  er  bei  der  Visitation  von  1533  als  ,,ein 
feiner,  herrlicher,  gelehrter,  geschickter  Mann  befunden" 
wurde^),  1533  in  Elsterberg "*),  von  1537-1540  in  Auerbach  i.  V., 
wohin  er  von  Schmölln  aus  berufen  wurde').  An  wechselnden 
Schicksalen  hat  es  ihm  also  nicht  gefehlt. 


Zu   Heinrich   Stromer   von   Auerbach. 

Ein  Brief  von  Dr.  Heinrich  Stromer  von  Auerbach, 
der  sowohl  G.  Wustmann  als  auch  mir*')  entgangen  war,  be- 
findet sich  im  Weimarer  Archiv  (Reg.  O.  182).  Er  ist  an 
Spalatin  gerichtet  und  datiert;  Leipzig,  24.  November  1538. 
Mit  ihm  übersandte  Stromer  seinem  Spalatin  eine  bitterböse 
Satire  auf  Johann  Eck:  Threni  magistri  nostri  Joannis  Eckij 
in  obitum  Margaretae  concubinae  suae,  quae  obiit  mens.  Aug. 
anno  1538').  Charakteristisch  für  Stromer,  der  mit  seiner 
reformationsfreundHchen  Gesinnung  gern  hinterm  Berge  hielt ^j, 
ist,  dafs  er  Spalatin  bittet,  doch  ja  niemandem  zu  sagen,  dafs 


1)  Die  Widmung  ist  überschrieben:  „Spectata  et  eruditione  et 
pietate  viro  Magistro  Simoni  Phem  amico  suo".  Einen  Hinweis,  wer 
gemeint  ist,  enthält  die  Stelle:  „Mirum  est,  quam  tote  pectore  tibi 
deditus  sum,  maxime  cum  videam  te  reipubhcae  gubernandae  pro- 
futuros  vires  in  tue  ludo  instituere.  In  hunc  enim  vsum  gymnasia 
iila  instituta  Plato  auctor  est." 

-j  G.  Loesche,  Joh.  Mathesius  (Gotha  1895)  I,  76. 

2)  Kreyfsig,  Album  der  evangelisch -lutherischen  Geistlichen 
im  Königreiche  Sachsen  2.  Aufl.  (Crimmitschau  1898)  S.  416. 

*)  ebd.  S.  152. 

•'^)  ebd.  S.  20.  G.  Planitz,  Beiträge  zur  sächsischen  Kirchen- 
geschichte XV  (1901),  5. 

<>)  Vgl.  diese  Zeitschrift  XXIV  (1903),  100— 1 10. 

')  Wiedemann,  Dr.  Johann  Eck  (Regensburg  1865)  S.  377  ff- 
Am  13.  September  1538  hat  Andreas  Osiander  gerüchtweise  von  dieser 
Satire  gehört  (G.  Kawerau,  Briefwechsel  des  Justus  Jonas  I,  297). 
Am  22.  November  schickte  Christoph  Baldauf  aus  Wittenberg  wahr- 
scheinlich mehrere  Exemplare  an  Stephan  Roth  in  Zwickau  (Archiv 
für  Geschichte  des  deutschen  Buchhandels  XVI  [1893],  180  Nr.  571). 
Eins  befindet  sich  jetzt  noch  in  einem  einst  Roth  gehörigen  Sammel- 
bande auf  der  Zwickauer  Ratsschulbibliothek  (II.  VII.  36,  6).  Ein 
anderes  schenkte  Roth  seinem  alten  P^reunde  Joseph  Levin  von 
Metzsch  auf  Mylau,  der  sich  unterm  12.  Dezember  hochbeglückt 
dafür  be.Iankte  (Archiv  S.  181  f.  Nr.  576).  Metzsch  hat  sich,  wie  sein 
Hauslehrer  Balthasar  Gosmar  unterm  20.  Dezember  aus  Mylau  an 
Roth  schreibt  (ebd.  S.  182  Nr.  577),  königlich  darüber  amüsiert. 

"*)  Vgl.  meine  Beiträge  zur  Reformationsgeschichte  I,  25. 


Kleinere  Mitteilungen.  127 

er  ihm  das  Schriftchen  zugeschickt  habe.  Ferner  meldet  er, 
dafs  Martin  Butzer  auf  der  Durchreise  nach  Wittenbere:^) 
bei  ihm  geweilt  und  in  Kürze  zu  ihm  zurückkehren  werde. 
Und  noch  von  einem  anderen  interessanten  Besuche  weifs  er 
zu  berichten:  ein  italienischer  Kollege,  ein  Doktor  der  Chirurgie 
Pollienus  Massa  aus  Venedig-)  sei  bei  ihm  eingekehrt. 

Trenoruin  librum  cuiusdam  Magistri  nostri,  qui  iniquus  est 
coniugio  clericorura,  tue  dignationi  mitto,  qui  non  modo  risum  sed 
et  cachinum  tibi  mouebit.  Lepidus  scriptor  rem  meretricem  et 
scortacionem  acu  tetigit,  vsus  est  in  re  spurca  spurcis  verbis;  sed 
ne  te  longa  locjuacitate  onerem  et  te  impediam  in  legendo  ridiculo 
libro,  receptui  canam.  vnum  addam:  ne  dicas  me  tibi  misisse  librum. 
Vale  in  HJesu  Christo  nostro  saluatore!  Sed  heus,  vnum  obmiserim, 
quod  te  scire  volo.  Martinus  Bucerus  recens  mecum  fuit,  petiuit 
Wittenbergam.  Itidem  Pollienus  Massa  Chirurgiae  doctor,  qui 
nobiscum  Phenice  sunt  rariores.  hie  est  Venetus.  llle,  vt  probe 
nosti,  Sueuus  Theologus  admodum  doctus,  qui  in  breui  ad  me 
redibit.  Quid  boni  agat,  me  praeterit  .  .  .  Datum  celerrime  Liptzs 
xxiiij  Nouembris  Anno  nato  saluatore  Md  xxx  viij. 

Henricus  Stromer. 
Unter  die  Adresse  hat  Spalatin  geschrieben: 

Doctor  Auerbacchius  cum  Epitaphio  Margaritae 
Doctoris  Eccij.     Aldenburgae  1538. 

Briefe  von  Joachim  Camerarius  an  die  Fürsten 
Georg  und  Joachim  von  Anhalt. 

Die  im  folgenden  aus  dem  Herzoglichen  Haus-  und  Staats- 
archiv zu  Zerbst  veröffentlichten  Briefe  an  Camerarius  sind 
aufser  zwei  an  Georgs  Bruder  Joachim  adressierten  an  den 
Fürsten  Georg  von  Anhalt  gerichtet,  der  seit  Juli  1544  als 
,,Koadjutor  in  geistlichen  Sachen"  der  eigentliche  Verwalter 
des  Bistums  Merseburg  war.  Vielleicht  hat  Melanchthon  die 
Bekanntschaft  der  beiden  vermittelt.  Vielleicht  reicht  sie  aber 
auch  noch  weiter  zurück  und  ist  durch  ihren  gemeinsamen 
Lehrer,  den  trefflichen  Georg  Helt  von  Forchheim  in  Bayern, 
eingeleitet  worden.  Zugleich  freilich  können  sie  seinen  Unter- 
richt in  Leipzig  nicht  genossen  haben.  Denn  während  Fürst 
Georg  erst  im  Sommer  15 18  die  dortige  Hochschule  bezoo-, 


/)  Vgl.  de  Wette,  Luthers  Briefe  V,  133  und  Kawerau, 
Briefwechsel  des  Justus  Jonas  I,  305. 

2)  Ist  er  identisch  mit  Nicolaus  Massa,  der  in  seiner  Vaterstadt 
Venedig  als  Professor  der  Anatomie  und  praktischer  Arzt  bis  zu 
seinem  Tode  (1569)  wirkte?  Über  diesen  vgl.  Aug.  Hirsch,  Bio- 
graphisches Lexikon  der  hervorragendsten  Ärzte  aller  Zeiten  und 
Völker  IV  (1886),  i6of 


J28  Kleinere  Mitteilungen. 

wurde  Camerarius  bereits  im  Winter  1 5 1 2  in  Leipzig  inskribiert; 
im  Sommer  15 18  aber  ist  er  in  Erfurt  immatrikuliert. 

Die  Briefe  verbreiten  erwünschtes  Licht  über  einen  der 
dunkleren  Abschnitte  aus  dem  Leben  des  Camerarius,  nämUch 
über  seine  Schicksale.nach  seiner  Flucht  aus  Leipzig  angesichts 
der  drohenden  Belagerung  der  Stadt  im  Januar  1547  durch 
Kurfürst  Johann  Friedrich.  Bisher  wufsten  wir  nur,  dafs  er 
seine  Familie  zunächst  nach  Merseburg  und  dann  nach  Arn- 
stadt brachte  und  selbst  beim  Fürsten  Georg  zuerst  in  Zerbst 
und  dann  in  Dessau  ein  Asyl  suchte^).  Jetzt  hören  wir,  dafs 
er  noch  viel  weiter  von  seinem  Musensitze  verschlagen  wurde. 

An  Fürst  Georg,  Leipzig,  28.  August  (I5i6). 

Reuerendissimae  paternitatis  tuae  verbis  locutus  quaedam  mecum 
est  Clariss.  vir  Anton.  Musa,  ad  quae  responsionem  nieam  tua  r.  p. 
ex  illo  cognoscere  poterit.  Ego  autem  de  Doctore  Joanne  Forstero 
cum  illo  hii  locutus,  quae  recepit  se  ad  r.  p.  tuam  relaturum  esse'-). 
Fortuna  sua  insectatur  hominem  tuae  r.  p.  non  ignotum.  Quo  autem 
Consilio  Dei,  sie  enim  mihi  persuadeo,  fortasse  intelligetur  aliquando. 
Quid  si  redire  eum  in  has  regiones  quamuis  pedetentim  ut  dicitur 
oportet?  Augusta  Tubingam ,  Tubinga  Noribergam,  Noriberga  in 
syluas  Duringicas  se  contuUt^).  Nunc  has  si  transeat  nobiscum  erit. 
Ego  quidem  esse  et  Christianae  pietatis  amantiss.  et  virum  doctiss. 
iudico.  Quare  et  iam  mea  caussa  complectetur  eum  benignitate  sua 
r.  p.  tua."^  Me  absente  r.  p.  tua  gratiss.  munere  curauit  affici  puer- 
peram  meam.     Sane  puer  hanc  saepe  exiccat*),  ut  irrigatione  opus 


^)  Georg  Voigt  in  v.  Webers  Archiv  für  die  Sächsische  Ge- 
schichte XI,  2 54  f. 

'-)  Joh.  Forster  hatte,  weil  er  mit  seinen  Kirchen zuchtplänen  bei 
der  Hennebergischen  Herrschaft  nicht  durchgedrungen  war,  sein 
Schleusinger  Amt,  das  er  am  i.  Oktober  1543  angetreten  hatte,  nach 
noch  nicht  ganz  dreijähriger  Tätigkeit  niedergelegt.  Vor  dem  i.  Sep- 
tember 1546  hatte  er  darüber  an  Melanchthon  geschrieben,  der  ihn 
an  Fürst  Georg  verwiesen  (vgl.  Melanchthon  an  Camerarius  i.  Sep- 
tember 1546:  Corp.  Refonn.  VII,  128!  und  Forster  an  Veit  Dietrich 
4.  November  bei  G ermann,  Joh.  Forster  [Meiningen  1894],  S.  45 3 ff)- 
Aus  unserem  Brief  ersehen  wir  nun,  dafs  Fürst  Georg  sofort  durch 
Antonius  Musa  (seit  August  1 545  Superintendent  zu  Merseburg,  vgl. 
meine  Beiträge  zur  Reformationsgeschichte  I,  80)  bei  Camerarius 
sich  über  Forster  erkundigte.  (Doch  wurde  dieser  erst  im  März  1548 
als  Superintendent  nach  Merseburg  berufen.) 

^)  Forster  kam  im  August  1535  als  Prediger  nach  Augsburg 
(vgl.  auch  Friedrich  Roth,  Augsburgs  Reformationsgeschichte  II, 
München  1904,  S.  253),  im  Januar  1539  als  Hebraist  nach  Tübingen, 
März  1542  als  Propsteiverwalter  bei  St.  Lorenz  nach  Nürnberg. 

^)  Joh.  Pfeffinger  (seit  August  1540  Superintendent  in  Leipzig) 
an  Fürst  Georg,  Leipzig,  Sonnabend  nach  Margarethe  (17.  Juli)  1546: 
d.  Camerarij  Hauffraw,  Got  hab  lob,  ist  gestern  (16.  Juli)  zwischen 
neun  und  zehen  hora  vormittag  gelegen  vnd  einen  Jungen  son  ge- 
boren, ist   volgents  getaufft  und  Gotnardus  genannt  worden.     Ge- 


Kleinere  Mitteilungen.  T29 

sit,  quae  in  quadam  nunc  boni  potus  penuria  benigne  procurata  Uli 
fuit.  Ago  igitur  summisse  gratias  p.  tuae  et  cupio,  si  possim,  in- 
seruiendo  illi  referre.   Tuam  r.  p.   Christus  custodiat.  Lips  V.  cl.VII  br. 

An  Fürst  Georg,  Erfurt,  12.  März  (1547). 

.  .  .  Litteras  r.  p.  tuae  scriptas  ultima  die  Februarij  accepi 
Martij  die  X.  Quo  ipso  die  aduenerat  tabellarius  e  Francis  et  ego 
uecturam  iusseram  conduci,  qua  uteretur  familia  mea,  quam  hodie 
dimisi,  ut  Schleusingium  primum  se  conferat  et  ibi  de  reliquo  itinere 
consilium  capiat.  His  addidi  Esromum  meum ').  Christum  oro,  ut 
omnes  saluos  et  incolumes  conseruet.  Ego  hie  remansi,  quod  ad  r.  p. 
tuam  literas  mittere  et  quo  in  loco  essent  res  meae  signilicare  uellem. 
Sane  r.  p.  tuae  litteras  si  accepissem  maturius  et  Esromus  minus  diu 
affuisset,  ad  ea,  quae  scribit  r.  p.  tua,  studuissem  accommodare  pro- 
feclionem  meam.  Nunc  et  serius  me  aduenturum,  quantumuis  festi- 
narem,  arbitrabar,  et  iter  quod  in  manib.  habebat  familia  explicandm^ 
erat.  Video  autem  omnia  in  dies  tieri  difficiliora.  Ideo  opt.  esse 
iudicaui,  ut  mei  m  patria  sint,  ubi  deo  fauente  et  apud  notos  faciliu,-; 
degant  et  minus  sumtuum  faciant.  De  me  postea  uidebo.  Etsi  sane 
mihi  fuit  acerbum  rursum  disiungi  nos,  et  mea  tarnen  illis  praesentia 
non  multum  profutura  videbatur.  Sed  turba  est  aetate  ac  sexu  imbe- 
cillis.  Vervim  de  his  nimium.  Nunc  igitur  .  .  .  si  nihil  est,  cur  tua 
r.  p.  arbitretur  necesse  esse,  ut  ad  se  reuertar,  benigne  illa  hanc 
mihi  veniam  dabit,  ut  meis  collocandis  atque  prospiciendis,  quos 
negligere  non  debeo,  operam  omnem  impendam.  Sin  iudicabit  apud 
S'i  esse  me  oportere,  etiam  hoc,  ubi  intellexero,  obsequar  uoluntati 
ipsius,  si  ullo  modo  fieri  poterit.  Molestiam  et  tarditatem  et  molitionem 
difficilern  in  hac  nostra  tortuna  habent  omnia.  Satis  enim,  deo  gratia, 
numerosa  est  et  inlirma  familia  nostra  et  nos  ad  migrationes  occasio- 
nibus  oblatis  uti  cogimur.  Caesarianae  copiae  dicuntur  diuidi,  ut 
pars  per  Noricum  agrum  tendat,  ubi  et  colligi  militem  et  expectari 
externas  copias  magnas  ferunt,  jiars  Hassiam  petat.  Caesarem 
Spiram  uenisse  et  Francofurtum  tendere  aiunt-j.  Modo  Bambergae 
eum  expectare  quidam  dixerunt.  Heri  uenerunt  huc  equites  circiter 
'  XL  ablegati  ad  Caesarem  a  Rege  Daniae,  ut  narrabatur.  Nisi  deus 
exorari  se  passus  fuerit,  ut  mitiget  aerumnas  et  calamitates  jiatriae 
meae,  fieri  aliter  nequit,  quam  ut  hoc  verno  tempore  nouae  clades 
atque  miserae  pululent  et  oriantur.  Christus  protegat  ecclesiam  suan:. 
Pfeffingerum  audio  in  grauibus  esse  perturbationibus  et  ne  extia 
pericula  quidem,  quod  mihi  magnum  altert  dolorem  ^).  Segenswünsche. 
Erphordiae  IUI  id.     Martij. 


vattem  der  polnisch  Herr,  burgermeister  Morichin  vnd  ich  etc. 
(Original  im  Zerbster  Archiv.) 

')  Esrom  Rüdinger,  der  wie  Camerarius  aus  Bamberg  stammte, 
1541  von  diesem  als  Hauslehrer  engagiert  wurde,  von  Michaehs  1547 
bis  Ende  1548  in  Pforta  wirkte,  dann  aber  nach  Leipzig  zurück- 
kehrte, um  Camerarius'  älteste  Tochter  zu  heiraten.  (Vgl.  E.  Fabian, 
Realencj'klopädie^  XVII,  192  und  P.  Flemming,  Beiträge  zum  Brief- 
wechsel Melanchthons,  Naumburg  a.  S.  1904,  S.  70). 

-)  Vgl.  Ranke,  Deutsche  Geschichte  im  Zeitalter  der  Refor- 
mation' IV,  3 69  f. 

'•^)  Pfeffinger  hatte  die  Belagerung  Leipzigs  im  Januar  1547  mit 
durchgemacht  und  wurde  dann  „durch  etliche  misgönner"  bei  Kur- 


iqo  Kleinere  Mitteilungen. 

An  Fürst  Georg,  Würzbtirg,  7.  Mai  (154:7 j. 

.  .  .  Quid  nunc  de  tua  r.  p.  et  illustrib.  fratribus,  quid  de  Philippo 
et  alijs  araicis  nostris  fiat,  sum  in  max.  metu  et  curis  atque  anxie- 
tate  conficior.  Euentus  autem  et  casus  istius  tanta  atrocitas,  quan- 
tam  timere  non  potui,  incredibili  dolore  animum  meum  excruciat^). 
Vbi  uota  igitur  et  preces  pietatis?  Sed  scriptum  est:  De  quacunque 
re  consenseritis  et  petieritis  credentes,  eam  accipietis^).  De  hde 
nihil  dicam.  Verum  quanta  fuit  dissensio,  quae  disceptatio  atque 
rixa  de  precibus,  cum  tuae  r.  paternitatis  illae  praeclarae  de  con- 
uersione  animorum  ad  pacem  a  quibusdam  exploderentur")  ?  Quid 
igitur  in  istä  uarietate  atque  S-.acpopa  exaudiretur,  ut  de  alijs  ad- 
uersationib.  taceam?!  Sed,  ut  aiebam,  inopirata  atrocitate  et  magni- 
tudine  miseriae  ac  cladis  et  eorum,  quae  narrantur,  horribili  tristicia 
miritice  terreor,  et  quorundam  sermones  in  posterum  quoque  spem 
bonam  praecidunt.  Verum  haec  permittamus  Deo.  Philippo  scripsi. 
Meam  lamiliam  ablegaui  Noribergam,  quam  Christus  custodiat^). 
Ego  sequi  cupio,  sed  hospitis  amantissimi  aduersa  valetuda  me  re- 
morata  fuit.  Tuae  r.  p.  inseruire  cupio.  Mandabit  igitur  illa  confi- 
denter  omnia,  in  quibus  operam  a  me  posse  navari  putauerit.  Quid 
scriberem  preterea  neque  habebam  neque  animo  perturbatissimo  ex- 
cogitare  poteram.  Hie  res  adhuc  tranquillae  sunt.  Episcopus  tarnen 
nobilitatera  suam  accersiuit,  quae  in  hoc  oppidum  cras  venire  debet. 
Fuerunt  rumusculi  sparsi  de  expeditione  Landgrafij.  Sed  nunc  est 
Silentium.  R.  p.  tuam  cum  suis  omnibus  Christus  conseruet.  Vuurce- 
purgi  non.     Maij. 

An  Fürst  Georg,  Nürnberg,  22.  Juni  (1547). 

.  .  .  Cum  nactus  occasionem  uiderer  literas  istuc  mittendi,  neg- 
ligere  illam  nolui.  De  tuae  r.  p.  et  illustrium  fratrum  ipsius  salute 
ac  dignitate  mirabiliter  et  fui  et  adhuc  sum  solicitus.  Christum 
oro,  ut  uos  subditosque  uestros  benigne  tueatur  et  non  patiatur 
opprimi  hac  belli  calamitosissimi  clade.     Eo  autem  uehementius  per- 


fiirst  Moritz  verdächtigt,  „als  solt  er  es  mit  seiner  Obrigkeit  nicht 
trewiich  gemeinet  haben"  (Seifert,  Beiträge  zur  sächsischen  Kirchen- 
geschichte IV,  97  f.). 

')  Anfang  1547  war  Merseburg  von  den  Scharen  des  Kurfürsten 
Joh.  Friedrich  besetzt,  Dom  und  Stadt  geplündert,  das  Hochstift  mit 
einer  schweren  Kriegskontribution  belegt,  nach  der  Schlacht  bei  Mühl- 
berg aber,  Anfang  Mai,  wieder  von  Moritz  in  Besitz  genommen  wordt  n. 
Fürst  Georg  zog  in  das  Feldlager  vor  Wittenberg,  um  mit  seinem 
Bruder  die  Gunst  des  Kaisers,  dem  sie  verdächtigt  worden  waren, 
zu  erbitten  (Fraustadt,  Die  Einführung  der  Reformation  im  Hoch- 
stifte Merseburg,  Leipzig  1843,  S.  200 11).  —  Melanchthon  iloh  nach 
der  Schlacht  bei  Mühlberg  von  Zerbst  weiter  nach  Braunschweig 
(Ellinger,  Philipp  Melanchthon,  Berlin  1902,  S.  530,  Kroker,  Katha- 
rina von  Bora,  Leipzig  [1906],  S.  253lf.). 

2)  Matth.  18,  19. 

^)  Über  das  von  Fürst  Georg  im  Auftrage  des  Herzogs  Moritz 
zu  Beginn  des  Krieges  verfafste  öffentliche  Gebet  um  Erhaltung  des 
Friedens  und  den  Widerstand  dagegen  vgl.  Fraustadt  S.  195  ff. 

')  Am  5.  April  weifs  Melanclithon,  dafs  Camerarius  „in  Fran- 
ciam"  gereist  ist  (Corp.  Reform.  VI,  471). 


Kleinere  Mitteilungen.  15 1 

terretur  animus  meus,  quo  vos  propiores  periculo  et  ob  certas  caussas 
majore  in  discrimine  esse  scio.  Sed  manus  Dei  nostri  ad  protegen- 
dum  sat  est  et  grandis  et  potens.  De  Phil.  Mel.  cum  mea  tum  alio- 
rum  multorum  anxietas  fuit  max.,  quem  heri  Northusiae  esse  com- 
peri').  Christus  uirum  opt.  et  max.  utilem  ecclesiae  custodiat.  Au- 
diui  et  Ant.  Musam  uita  sua  defunctum  esse,  quo  ex  casu  et  prop- 
ter  rev.  p.  tuae  dolorem  dolorem  coepi  et  detnmentum  in  hoc  Ec- 
clesiae tuli  grauiter-).  Ego  ea  audiendo  cognoui  hoc  tempore 
peregrinationis  meae,  ut  de  salutari  pace  Ecclesiarum  desperarim. 
Hie  tandem  consedi  post  uarios  casus  ^)  cum  mea  familia  et  est  opus 
aliqua  quiete  nobis.  Reuocari  me  curauit  lUustriss.  Princeps  Mau- 
ricius,  Sed  confido  eura  Clementer  ueniam  daturum  refutationi  hoc 
tempore  necessariae  meae.  Ergebenheitsbezeugung  und  Segens- 
wünsche    Noriberg.    X.  Cal.  Julij. 

An  Fürst  Georg,  Nürnberg,  1.  August  (15i7). 

.  .  .  Cum  is,  qui  a  tua  r.  p.  prox.  literas  mihi  attulit,  proficis- 
ceretur  longius,  Petij  ab  eo,  vt  hac  reuertens  me  compellaret,  id 
quod  fecit  hodie  sane  properans.  dedi  igitur  has  illi  literas  ad  r.  p. 
tuam  festinanter  scriptas.  neque  erat,  quid  magnopere  scriberem, 
praesertim  tuae  r.  p.  ministro  ueniente  iUinc,  unde  materia  nunc 
literarum  ferme  suppetit.  Nam  praeterita  iam  propemodum  eluximus. 
Optarim  autem  maiore  interdum  cum  attentione  animi  illorum  nos 
reminisci.  Heri  ad  profundam  uesperam  literas*)  accepi  a  Phil.  Mel, 
ex  quibus  hoc  unum  intellexi  fuisse  eum  cum  alijs  Theologis  Vuitten- 
bergensibus  Lipsiae^).  Id  mihi  ideo  satis  fuit,  quod  hie  uaria  de 
itineribus  ipsius  ferebantur.  De  euentu  indicti  conuentus^)  incre- 
dibilis  est  expectatio  omnium,  sed  dispar.  Ego  qui  Deum  etiam 
aliquando  suam  omnipotentiam  uelle  ostendere  animaduertere  mihi 
uideor,  illa  minus  curo.  De  his  igitur  satis.  A  tua  r.  p.  summisse 
peto,  ut  hoc  inanium  literarum  officium  sibi  gratum  esse  patiatur. 
Quam  ualere  feliciss.     opto.     Norib.  Cal.  Aug.'). 


')  Hier  war  Melanchthon  schon  Ende  Mai:  Corp.  Reform.  VI,  547 ff. 

^)  Musas  Todestag  steht  nicht  fest,  er  fällt  aber  wahrschein- 
lich in  den  Juli  oder  August  1547  (Fraustadt  S.  202  und  meine 
Beiträge  I,  81). 

^)  Also  kam  Camerarius  schliefslich  eher  nach  Nürnberg,  als 
Melanchthon  erwartet  hatte  (Corp.  Reform.  VI,  584). 

*)  =:  Corp.  Reform.  VI,  613  Nr.  3949  (Leipzig,  25.  Juli). 

^)  Nämlich  zu  dem  von  Kurfürst  Moritz  einberufenen  Landtag  im 
Juli  (Seifert  a.a.O.  S.  99,  Ifsleib  in  dieser  Zeitschrift  XIII,  i89ff.). 

^)  Der  Reichstag  zu  Augsburg  wurde  am  i.  September  eröffiiet. 

')  Noch  Anfang  September  weilte  Camerarius  m  Nürnberg,  wie 
ein  Brief  von  ihm  an  Joh.  Lang  in  Erfurt,  datiert:  „Noribergae 
Calendis  VII  bris",  in  Cod.  A  399  f.  178  der  Herzoglichen  Bibliothek 
zu  Gotha,  beweist,  in  welchem  Camerarius  u.  a.  schreibt:  „Hac  cum 
Caesar  transiret  (24.  März:  Ranke  S.  370),  tota  ciuitate  sollicita  et 
inquieta  nostra  domuncula  contagio  isto  laesa  non  fuit.  Itaque  tunc 
etiam  carui  molestia  hac  belli,  quae  multis  pacatis  locis  grauissime 
oblata  fuit.  Ego  Lipsiam  reuocor,  sed  ita  sum  defatigatus  curis, 
doloribus,  labore  itinerum,  ut  nihil  mallem  quam  aliquantisper  hie 
quasi  in  conspectu  patriae  acquiescere  .  .  .  Nunc  necessitati  seruien- 
dum  est  et  satis  faciendum  officio.     Ducis  Mauricii  non  modo  non 

Neues  Arcluv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVIII.    i.  2.  Q 


1^2  Kleinere  Mitteilungen.  • 

An  Fürst  Georg,  (Leipzig?),  39.  Juni  (1549). 
...  Ea,  quae  tua  r.  p.  clementer  ad  me  misit,  diligenter  et 
fideliter  asseruabuntur,  et  ad  tuam  r.  p.  quamprimum  remittentur. 
Nunc  futurum  esse  ferebatur,  ut  susciperetur  deliberatio  de  editione 
ordinationis  ecclesiasticae'),  de  qua  inter  pastores  conuenit,  quam, 
oro  Christum,  ut  benigne  fortunet  ad  honorem  sui  nominis  et  utili- 
tatem  ecclesiarum.  Quod  autem  quidam  muenili  magis  impetu  (juam 
pia  necessitate  haec  oppugnant,  id  nimirum  permittendum  Deo  est, 
cui  sunt  notae  cogitationes  et  consilia  nostra  .  .  .  ferijs  S.  Aposto- 
lorum  Petri  et  Pauli. 

An  Fürst  Joachim,  Leipzig,  18.  Februar  (1553). 

.  .  .  Allatus  est  mihi  piscis  inquilinus  fluminis  nostri  et  Taae 
clementiae  nomine  dono  datus.  Ouod  munus  etsi  per  se  esse  gratiss. 
necesse  est,  tamen  recordatio  clementiae  tuae  mei  magis  commouet 
submissionem  uoluntatis  meae,  de  qua  oro  tua  cl.  omnia  officia 
subiecti  studij,  quaecunque  a  me  praestari  poterunt,  clementer  sibi 
policeatur.  A  Philippe  Melanchthone-)  literas^)  accepi,  quib.  signi- 
licat  se  iussum  esse  expectare  Noribergae  mandata  de  protectione 
synodica.  Argentinenses  et  Wirtenbergenses  nemo  audire  uoluit 
Trident[i],  itaque  significarunt  amicis  se  de  discessione  cogi[tare] 
Litterae  tamen  fidei  publicae  seu  salui  conductus  Noribergam 
Theologis  Saxonicis  missae  fuerunt,  et  sessio  indicta  in  diem  XXV 
Januarij  dilata  in  X  Martij,  ne  Saxonici  se  excludi  conqueri  possint. 
Tuae  dem.  salutem,  incolumitatem,  vitam  fortunasque  commendo 
Christo  saluatori.  Lipsiae  XII.  Cal.  Martij. 

An  Fürst  Joachim,  Leipzig,  31.  Juni  (?). 

Dank  für  Geschenk.  Ouae  audiueram  de  infelicis  belli  clade, 
heri  ad  T,  Cl.  familiärem  M.  Vuolfgang.*)  perscripsi.  Nunc  hie 
Silentium  est.  Quod  si  quid  posthac  cognouero,  id  Cl.  T.  submisse 
et  studiose  significaturus  sum.  Segenswünsche.  Lips.  XI.  Cl.  Jul. 


immutatur  voluntas,  sed  augetur  etiam  Studium  erga  rem  Eccle- 
siasticam  ac  .Scholasticam  .  .  .  Principes  ...  ad  diem  indictum  con- 
veniunt  Augustam  (s.  S.  130  Anm.  6),  ijuae  tot  hospites  non  posse 
capere  perhibetur.  Nondum  Caesar  uUam  manifestam  vim  aduersus 
Euangelicae  doctrinae  cultores  usurpauit.  Multis  tamen  in  locis  dicitur 
illa  omitti  et  instaurari  ritus  priores  .  .  ." 

')  Am  18.  März  1549  schickte  Fürst  Georg  die  von  ihm  mit 
etlichen  Theologen  in  Merseburg  ausgearbeitete  neue  Kirchen- 
ordnung an  Kurfürst  Moritz  mit  der  Bitte,  sie  zu  prüfen  und  mög- 
lichst bald  im  Drucke  erscheinen  zu  lassen.  Es  fanden  lange  \'er- 
handlungen  darüber  statt,  die  mit  dem  Ergebnis  endigten,  dafs  die 
Kirchenordnung  nicht  ven'itf entlicht  wurde  dlsleib  in  dieser  Zeit- 
schrift XV,  224tf.,  auch  W.  Walther,  Realencyklo])ädie  VI,  522  und 
Fraustadt  S.  180,  157  und  die  an  beiden  Stellen  zitierte  Literatur). 

-j  Er  war  auf  der  Reise  zum  Trienter  Konzil  am  22.  Januar  1552 
nach  Nürnl^erg  gekommen  (Corp.  Reform.  VII,  931,  Ellinger  S.  549, 
Ifsleib  in  dieser  Zeitschrift .\V,  235!.,  besonders  aber  Schornbaum, 
Beiträge  zur  bayerischen  Kirchengeschichte  XII,  278  ff.). 

")  Corp.  Reform.  \TI,  938  f.  Nr.  5047  (6.  Februar). 

■*)  Wahrscheinlich  ist  der  Leibarzt  Mag.  Wolfgang  Fuhrmann 
gemeint. 


Kleinere  Mitteilungen.  133 

Ein  Brief  des  Komponisten  Joh.   Rausch  an  Fürst 
Georg  von  Anhalt. 

Aus  dem  Zerbster  Archiv  sei  auch  noch  der  folgende 
Brief  mitgeteilt,  da  er  von  einem  bedeutenden  sächsischen 
Komponisten  des  16.  Jahrhunderts  stammt,  von  dem  wir  sonst 
ziemlich  wenig  wissen.  Johann  Reusch  aus  Rodach  im  Ko- 
burgischen  studierte  um  1538  unter  Heinrich  Faber  in  Naum- 
burg, kam  darauf  als  Kantor  an  die  Meifsner  Stadtschule, 
1547  an  die  dortige  Fürstenschule,  wurde  1548  Rektor  der 
Stadtschule,  dann  vom  Meifsner  Bischof  zum  Dechanten, 
später  zum  Kanzler  des  Stiftes  Würzen  berufen,  endlich  von 
Kurfürst  August  an  den  Hof  gezogen  vmd  zum  Geheimen  Rat 
ernannt  und  starb  am  27.  Februar  1582^),  Von  seinen  Kom- 
positionen sind  folgende  bekannt:  Epitaphia  Rhavorum,  Wite- 
bergae  1550-j,  Elementa  musicae  practicae  pro  incipientibus, 
Lipsiae  1553,  Carminum  nuptialium  Hb.  I,  Lipsiae  1553,  Melo- 
diae  odarum  Georgii  Fabricii,  Lipsiae  1554.  Dagegen  scheint 
das  Werk,  das  er  mit  unserem  Briefe  am  13.  Oktober  155 1 
Fürst  Georg  zusandte,  unbekannt  zu  sein. 

...  In  initio  belli  germanici  cum  aliquando  Illustris  Gel.  T.  heic 
Misenae  pernoctaret  egoque  tunc  temporis  (vt  erat  mihi  Cantoris 
munus  demandatum)  inter  alias  Cantilenas,  quas  tum  apud  Illustrem 
Gel.  T.  honoris  et  ofticij  caussa  decantabam,  etiam  precationem  piam 
ex  Hieremia,  quam  pro  ingenioli  mei  tenuitate  numeris  figurisque 
musicis  donaueram,  immiscerem.  satis  clementer  et  mira  quadara 
humanitate  ipsa  mihi  iniungebat,  vt  illam  ipsam  precationem,  vt 
erat  a  me  in  harmoniam  musicam  contracta,  descriptam  ad  te 
mitterem,  mandabat  etiam  optimo  seni  Domino  Laurenlio  Schrütero, 
qui  tum  nostrae  et  linitimarum  aliquot  circa  Ecclesiarum  Super- 
iatendens  erat^),  vt  certuni  tabellarium,   qui  hinc  ad  uos  iret,  mihi 


^)  Rob.  Eitner,  Ouellenlexikon  der  Musiker  und  Musikgelehrten 
VIII,  195.  Mitteil,  des  Vereins  für  Geschichte  der  Stadt  Meilsen  I,  4 
(1884),  44.  Vollhardt,  Geschichte  der  Gantoren  und  Organisten 
von  den  Städten  im  Königreich  Sachsen  (Berlin  1899)  S.  216.  Georgii 
Fabricii  ad  Andream  fratrem  epistolae  ex  autographis  primum  editae 
ab  Hermano  Peter,  Meifsen  1891  (Fürstenschulprogramm),  S.  9. 

-j  Vollhardt,  Bibhographie  der  Musikwerke  in  der  Rats- 
schulbibliothek zu  Zwickau" (Leipzig  1893— 1896J  Nr.  656. 

*j  Laurentius  Schröter  aus  Gotha,  1539  Pfarrer  in  Annaberg, 
1543  Domprediger  in  iMeifsen,  1545  auch  Superintendent  und  Kon- 
sistorialassessor  daselbst,  legte  1547  sein  Amt  nieder  (Kreyfsig, 
Album  der  evangehsch- lutherischen  Geistlichen  im  Kgr.  Sachsen, 
2.  Aufl.,  Grimmitschau  1898,  S.  13  u.  403;  Manitius,  Die^Einführung 
der  Reformation  in  Annaberg,  Annaberg  1840,  S.  4;  Seidemann, 
Jacob  Schenk,  Leipzig  1875,  S.  in;  Kawerau,  Der  Briefwechsel 
des  Justus  Jonas  1,  357J.  Wohin  Schröter  1547  sich  gewandt  hat, 
könnte  uns  ein   Brief  \on  einem  gewissen  Antonius  \'arus  an  Joh. 


134  Kleinere  Mitteilungen. 

significaret;  poUicebamur  tum  (vt  par  erat)  vterque  suam  operam. 
Sed  quia  Schröterus  iniuria  temporum  coactus  hinc  discessit,  neque 
ad  illustrem  Cels.  T.  scribere  neque  ipsi  Cantilenam  proraissam 
transmittere  ausus  fui.  Nunc  uero,  postquam  precacio  illa  vna  cum 
psalmis  aliquot  germanicis  in  lucem  prodijt,  interniittere  ron  potui, 
quin  Illustrem  Gel.  T.  quoque  exemplo  donarem  .  .  .  Datae  Misenae  III 
Iduum  Octobris  Anno  MDLI 

lUustris  Gel.  T. 
addictiss. 

Joannes  Reuschius. 


Lang  in  Erfurt  vom  2.  Januar  1548  in  God.  Goth.  A  399,  f.  241b — 242a 
offenbaren,  wenn  icli  über  den  ßriefschreiber  und  besonders  seinen 
Aufenthaltsort  etwas  hätte  eruieren  können.  Da  andere  viel- 
leicht glücklicher  sind,  füge  ich  den  Brief  bei.  Er  enthält  noch 
andere  schätzenswerte  Nachrichten  über  Schröter,  besonders  die, 
dafs  SchrcJter  früher  Diakonus  in  Torgau  gewesen  sei,  wo  Luther 
ihn  gern  aufgesucht  habe.  Jedoch  werden  in  Friedrich  Joseph 
Grulichs  Denkwürdigkeiten  der  ^  altsächsischen  kurfürstlichen 
Residenz  Torgau,  2.  Aufl.  von  Bürger,  Torgau  1855,  S.  258  als  die 
ersten  evangelischen  Diakonen  der  Stadt  vielmehr  Valentin  Tham 
und  M.  Balthasar  Arnold  genannt.  Vgl.  noch  Enders,  Luthers 
Briefwechsel  VIII,  11  („Presbyteros  ambos"). 

.  .  .  Quod  petis  a  me  de  concionatoribus  hie  vacantibus  tibi 
scribi,  hoc  iacilius  possum,  quo  crebrius  cum  eis  quam  alius  quis- 
])iam  versor.  Horum  duo  sunt:  alter  Laurentius  pastorem  et  su- 
perattendentem  in  oppido  Misna  vulgo  Meifsen  egit,  qui  et  in 
consistorio  ibidem  tenuit,  vir,  ut  uno  dicam  verbo,  talis,  qualem 
Paulus  expostulat,  qui  docere  potest  et  facere.  Sic  enira  complexus 
videor  nunquam  satis  laudandas  huius  viri  dotes  et  virtutes.  Quam 
constans  assertor  veritatis  sit,  uel  ex  hoc  animaduertere  licet,  quod 
relicta  vxore  grauida  et  partui  proxima  tum  charis  liberis  et  fa- 
cultalibus  amplis  maluit  esse  profugus  et  in  salutis  suae  discrimen 
venire  quam  veritatem  mussitare.  Adeo  probauit  hunc  Laurentium  D. 
Doctor  Martinus  Lutherus  piae  memoriae,  ut,  quando  Torgis  esse 
daretur,  ubi  et  Diaconum  egit,  hunc  prae  multis  alijs  inuiseret,  nee 
pauca,  quae  ex  Luthero  audiuit,  int  er  conuiuia  referre  solet. 
Si  prudentiam  in  rebus  dubijs,  grauitatera  in  magnis,  patientiam  in 
aduersis,  animi  moderationem  m  laetis  desideres,  absolutissima  omnia 
in  hoc  viro  offendes,  sermonis  pirci,  mansuetus,  lenis,  hilaris  et,  ut 
res  expostulat,  est,  eruditionis  multae.  Qua  suauitate  et  gratia 
doceat,  uix  explico.  Vtinam  vero  sie  valetudine  valeat,  ut  omnibus 
optimis  dotibus,  (juae  in  bono  pastore  requiri  solent.  Alter  Johannes 
Molitoris  etiam  concionator  hie  acer  et  vehemens  in  suis  concionibus, 
ne  dicam  calidus,  plus  valet  natura  quam  arte,  bonus  doctor, 
solutior  moribus  et  sermone,  dignus  tarnen,  cui  bene  prospiciatur  . .  . 
Restat,  ut  impetrem  a  tua  humanitate,  ne  hoc  meum  Judicium  alijs 
diuulgetur  .  .  .  Datae  postridie  circumcisionis  Domini  mane  sub 
lucem.  Anno  1548.  üpto  tibi,  vxori,  natis  et  universae  familiae 
toelicissimum  noui  anni  auspicium.  Antonius  Varns. 


Kleinere  Mitteilunsi;en.  135 

4.  Friedrich  Wilhelm,  Sohn  des  Moritz  von  Sachsen-Zeitz, 
ein  unbekannter  Wettiner. 

Von  P.  E.  Richter. 

Nach  Posse,  Die  Wettiner,  hat  ein  solcher  Friedrich  Wil- 
helm nicht  pfelebt.  Aber  die  K.  öff.  Bibliothek  in  Dresden  be- 
sitzt  unter  vielen  anderen  kleinen  aus  der  Pegauer  Kirchen - 
bibliothek  erhaltenen  Drucksachen  folgende 

„Formula  der  Trauer-Abkündigung". 

,, Eurer  Christlichen  Liebe  ist  zu  vermelden,  dafs  der  Allmächtige 
Gott,  .  .  .  Herrn  Friedrich  Wilhelm  /  Hertzogen  zu  Sachsen  .  .  .  am 
22Sten  dieses  Monats  Aprilis,  früh  um  7  Uhr,  von  dieser  Zeitlich- 
keit /  .  .  .  abgefordert,  .  .  .  Wann  dann  durch  diesen  Trauerfall  . . . 
Herr  Moritz,  Hertzog  zu  Sachsen,  .  .  .  Postulirter  Administrator  des 
Stiffts  Naumburg,  .  .  .  Vnser  gnädigster  Fürst  und  Herr:  so  wohl 
auch  S.  F.  D.  ...  Gemahhn,  ...  in  grosse  Betrübnüs  gesetzet,  .  .  . 
Als  haben  .  .  .  dieselbe  die  gnädigste  Verordnung  ergehen  lassen, 
dals  zu  dessen  Bezeigung  das  Orgelschlagen  und  Seitenspiel,  so 
wohl  in  denen  Kirchen,  als  auch  aller  anderer  Orthen  bei  Zusammen- 
kunfften  und  sonsten  bifs  auf  fernere  Verordnung  eingestehet  werden, 
wornach  sich  also  Eure  Christi.  Liebe  zu  achten, Amen." 

Moritz  regierte  vom  22.  April  1657  bis  zum  4.  Dezember 
1681.  Im  Jahre  1662  hatte  er  Stadt  und  Amt  Pegau  von 
Kursachsen  gekauft,  und  es  dürfte  obige  ,, Formula"  dorthin, 
wie  in  die  andern  Kirchorte  des  Fürstentums  zur  Verlesung 
von  den  Kanzeln  oreschickt  worden  sein.  Es  handelt  sich 
aber  hier  nicht  etwa  um  ein  Formular  mit  handschriftlich 
ausgefüllten  Namen  und  Daten,  sondern  der  halbe  Bogen  in 
Kleinquart  ist  durchweg  gedruckt,  und  dagegen,  dafs  der  bei 
Posse  Tafel  34,  14  aufgeführte  Friedrich  Wilhelm  gemeint  sein 
sollte,  spricht,  dafs  der  Vater  des  Verstorbenen  Moritz,  aber 
nicht  Moritz  Wilhelm  genannt  wird,  und  dafs  nach  der  For- 
mula der  Betreuende  am  22.  April  früh  um  7  Uhr,  aber  nicht 
am  15.  Mai  nachmittags  4  Uhr  gestorben.  Wer  kann  über 
diesen  Fall  Auskunft  geben? 


5.    Georg  Heinrich  Sappuhn. 

Von  Otto  Eduard  Schmidt. 

Zu  den  interessantesten  evangelischen  Predigern,  die  im 
letzten  Drittel  des  17.  Jahrhunderts  vor  der  allerorten  er- 
starkenden Gegenreformation  flüchtend  in  Sachsen  Aufnahme 
fanden,  gehört  Georg  Heinrich  Sappuhn. 


136 


Kleinere  Mitteilungen. 


t? 


In  jungen  Jahren  (1680)  war  er  Prediger  in  der  ungarischen 
Stadt  Eperjes  geworden,  die  lange  Jahre  ihre  „Libertät"  und 
ihren  evangelischen  Glauben  gegen  den  Absolutismus  der 
Habsburp-er  und  die  mit  ihm  verbündete  katholische  Reaktion 
verteidigte.  Aber  als  1687  der  Kaiserliche  General  Caraffa 
das  berüchtigte  Blutbad  über  die  Stadt  verhängte,  mufste 
Sappuhn  froh  sein,  mit  dem  Leben  davonzukommen  und  in 
Sachsen  als  Pfarrer  des  Eibdorfes  Lorenzkirch  bei  Strehla 
unter  dem  Patronate  des  kurfürstlichen  Kammerherrn  und 
Trabantenhauptmanns  Johann  Siegmund  von  Pflugk  auf  Strehla 
und  Kreinitz  eine  Zuflucht  zu  finden.  Er  war  hier  Pfarrer 
bis  1721,  mid  von  ihm  rührt  nicht  nur  die  handschriftliche, 
im  Pfarrarchive  verwahrte  ,, Historische  Nachricht  von  den 
Lorentzkircher  Kirchspiel"  (17 16)  her,  die  sehr  viel  wertvolles 
kulturo-eschichtliches  Material  enthält,  sondern  auch  eine  in 
flüssigen  Distichen  abgefafste  Grabschrift,  die  noch  heute  auf 
seinem  an  der  Kirche  stehenden  Leichenstein  zu  lesen  ist. 
Den  Distichen  voraus  gehen  folgende  Worte: 

Georg  Heinrich  Sappuhn  nat.  Heilberg  in  Boruss.  d.  XV.  Jul. 
MDCLX,  post  exil  ab  Hungaria  hujus  «Lorenzkirch»  et  duarum 
vicin.  eccles.  «Kreinitz  und  Jakobsthal»  Pastor  per  annos  XXXIV, 
denat.  d.  III.  May,  MDCCXXI,  cum  visisset  in  ministerio  hie  et  in 
Hung.  a.  XLI.,  in  conjugio  a.  XXXV.  VIII  liberorum  utriusque  sexus 
patri  felicissimo  cujus  adhuc  vivi  vaticinium  sequens. 

Es  folgen  nun  die  ersten  Distichen  mit  Angaben  über 
Sappuhns  Herkunft,  die  ich,  von  einer  falschen  Lesart  aus- 
gehend, leider  im  IIL  Bande  meiner  ,, Kursächsischen  Streif- 
züge" (S.  156  vgl.  S.  393)  falsch  gedeutet  habe.  Es  sei  mir 
gestattet,  hier  den  Fehler  zu  berichtigen.  Die  Verse  lauteten 
in  der  mir  vorliegenden  Abschrift : 

Prussia  me  genuit,  nutrivit  Lechica  tellus, 
Erudiit  studiis,  urbs  tua,  Grace,  sacris. 

Pannonis  ora  virum  vidit  sacra  verba  docenteni, 
Et  fuit  Epperies  pendula  ab  ore  raeo. 

Ich  habe  a.  a.  O.  Grace  fälschlich  auf  das  steiermärkische 
Graz  bezogen  und  darnach  auch  Lechica  tellus  falsch  ge- 
deutet. Nun  erinnert  mich  aber  Herr  Fritz  Oberndorfer  in 
Graz,  dafs  die  Verhältnisse  der  Universität  Graz  im  letzten 
Drittel  des  17.  Jahrhunderts  kaum  das  Studium  eines  evan- 
gelischen Geistlichen  gestattet  haben  würden,  da  die  Gegen- 
reformation dort  längst  jede  Spur  evangelischen  Lebens  ver- 
tilgt hatte;  man  könne  eher  an  die  Universität  Krakau  denken; 
dann  würde  Lechica  tellus  das  Land  der  Weichselslawen  be- 
deuten, die  früher  auch  Lechiten  und  Lochen  genannt  wurden. 


Kleinere  Mittf^ilunoien.  I3'7 

Diese  Deutung  ist  richtig.  Denn  Krakau  kann  deswegen 
sehr  wohl  als  urbs  tua,  Crace,  bezeichnet  sein,  weil  Cracus, 
der  Stammvater  eines  alten  polnischen  Fürstenhauses,  der 
um  700  p.  Chr.  eine  Burg  auf  dem  Berge  Wawel  erbaut  haben 
soll,  als  der  mythische  Gründer  von  Krakau  gilt.  Wir  müfsten 
in  diesem  Falle  freihch  Crace  statt  Grace  auf  dem  Leichen- 
stein lesen,  und  so  steht,  wie  eine  erneute  Untersuchung  des 
Steines  durch  Herrn  Pfarrer  Paul  in  Lorenzkirch  beweist, 
höchstwahrscheinlich  auch  darauf  geschrieben.  Demnach  w^ar 
Sappuhn  am  15.  Juli  1660  zu  Heilberg  in  Preufsen  geboren, 
wuchs  unter  den  Lechen  auf,  studierte  in  Krakau  und  kam 
von  dort  erst  20  Jahre  alt  als  evangelischer  Prediger  nach 
Epperies.  Von  dort  vertrieben,  wurde  er  am  Sonntag  Jubilate 
1687^)  in  Lorenzkirch  investiert  und  starb  dort  am  3.  Mai  172 1. 
Die  Gabe  srew^andter  lateinischer  Versifikation  hat  er  auf 
seinen  gleichnamigen  Sohn  Georg  Heinrich  Sappuhn  vererbt, 
der  nach  Kreyisigs  Afraneralbum  von  1703  bis  1709  Zögling 
der  Meifsner  Fürstenschule  St.  Afra  war.  Soeben  hat  ihn 
E.  Schwabe  als  den  Verfasser  einer  kulturhistorisch  inter- 
essanten Gedichtsammlung  ,,Ludi  et  Epulae  Afranae"  (Misenae, 
Typis  Spahnianis  Ao.  17 10)  nachgewiesen"-),  in  der  er  unter 
dem  Pseudonym  Geographus  Laurentinus  5  afranische  Feste: 
das  Frühlingsspiel,  den  ,,Frefsburckhard",  die  Kirmes,  die  Fafs- 
nacht  und  das  Windefest  („vulgo  das  Wantzenfest",  purga- 
torium)  gar  anmutig  schildert.  Der  Lorenzkircher  Pastorsohn 
hat  aber  auch  die  orientalischen  Beziehungen  seines  Vaters 
wiederangeknüpft,  denn  in  Kreyfsigs  Album  findet  sich  bei 
seinem  Namen  der  Zusatz:  ,,ist  wegen  seiner  Erfahrenheit 
in  der  Türkischen  Sprache  von  dem  Grofssultan  mit  dem 
Prädikat  eines  , Türkischen  Rates'  begnadiget  worden". 


6.   Zur  Cronschwitzer  Ausgrabung. 

Eine  Enviderung. 

Von  Clemens  Pfau. 

Im  vorigen  Jahrgange  dieser  Zeitschrift  S.  410  f.  geht 
der  verdienstvolle  Schleizer  Archivrat  Schmidt  gelegentUch 
seiner  Besprechung  der  Ausgrabung  im  Kloster  Cronschwitz 


^)  Eigenhändige    Niederschrift   Sappuhns   im    Pfarrarchive    zu 
Lorenzkirch. 

-}  N.  Jahrb.  für  das  klass.  Altertum  usw.  IX  (1906),  294! 


138  Kleinere  Mitteilungen. 

näher  auf  verschiedene  im  genannten  Kloster  gefundene 
wichtige  Grabplatten  ein,  die  als  „Deutschherrensteine"  zu 
gelten  haben.  Diese  Erörterungen  richten  sich  in  gewissen 
Einzelheiten  gegen  einen  Aufsatz  von  mir  „Grabdenkmäler 
von  Deutschherren  im  Königreich  Sachsen",  den  ich  1905 
in  „Unserer  Heimat"  (Zwickau)  veröffentlichte.  Veranlafst  ist 
Schmidts  Studie  wohl  mit  durch  meine  weitere  Arbeit  über 
diese  Cronschwitzer  Ausgrabung,  welche  Abhandlung  ich  im 
Frühjahr  1906  verfafste  und  an  die  Zeitschrift  für  Thüringische 
Geschichte  und  Altertumskunde  schickte.  Der  Artikel  konnte 
erst  im  Winter  gedruckt  werden;  mit  meiner  Erlaubnis  hatte 
aber  Schmidt  einen  ausführlichen  Bericht  über  den  Inhalt 
vor  dem  Abdruck  der  Studie  durch  einen  Rochlitzer  Forschungs- 
genossen erhalten.  Letztere  beschäftigte  sich  ausführlich 
mit  Schmidts  eingehender  Abhandlung  „Die  Ausgrabung  im 
Kloster  Cronschwitz"  in  der  Zeitschrift  für  Thüringische 
Geschichte  und  Altertumskunde,  1906,  konnte  aber  den  dort 
ausgesprochenen  Schlüssen  hinsichtlich  der  Cronschwitzer 
Angelegenheit  in  der  Hauptsache  nicht  zustimmen.  Da  Schmidt 
in  seiner  jüngsten  Arbeit  über  die  in  Rede  stehenden  Denk- 
mäler verschiedenes  Neue  zur  Begründung  seiner  Ansicht 
vorbringt,  so  möchte  ich  auf  diese  Ausführungen  hier  näher 
eingehen.  Denn  eine  möglichst  vielseitige  Untersuchung 
betreffs  der  Deutschherrensteine  scheint  mir  durchaus  ge- 
boten, da  letztere  für  unsere  vaterländische  Archäologie  und 
für  die  Gesamtgeschichte  des  weitverzweigten  Deutschherren- 
ordens von  ziemlicher  Wichtigkeit  sein  dürften.  Im  übrigen 
verweise  ich  auf  meinen  demnächst  erscheinenden  Aufsatz 
in  der  Zeitschrift  für  Thüringische  Geschichte  und  Altertums- 
kunde. Ich  habe  in  meiner  ersten  Studie  als  höchst  wahr- 
scheinlich hingestellt,  dafs  sich  eigenartige  mittelalterliche 
Grabsteine,  welche  weder  Jahreszahl,  noch  Aufschrift  oder 
bildliche  Darstellung  des  Verstorbenen  aufweisen,  sondern 
lediglich  entweder  mit  einem  benimbten  Kreuz  ohne  Wappen 
oder  mit  einem  unbenimbten  Kreuz  mit  beigefügtem  Schild 
versehen  sind,  aus  verschiedenen  Gründen  auf  Glieder  des 
Deutschherrenordens  beziehen  müssen.  Meines  Wissens  ist 
bisher  noch  kein  Stein  mit  Schrift  oder  persönlicher  Ab- 
bildung auf  einen  Deutschherrn,  der  im  Orden  keinen  höheren 
Rang  einnahm,  nachgewiesen  worden;  alle  mir  bekannten 
Deutschherrensteine  dieses  letzteren  Gepräges  beziehen  sich 
auf  hervorragende  Würdenträger.  Darum  dürfte  die  Vermutung 
sehr  nahe  liegen,  dafs  die  einfachen,  nicht  mit  Schrift  usw. 
ausgezeichneten    Steine    regelmäfsig    die   Gebeine    schlichter 


Kleinere  Mitteilungen.  I'Jq 

Ritter-  oder  Priesterbrüder  deckten.  Bestärkt  wurde  diese 
Annahme  durch  den  Umstand,  dafs  derartige  einfache  Denk- 
mäler auch  in  Ortschaften  vorkommen,  in  denen  es,  obgleich 
der  Orden  hier  Besitzungen  hatte,  nie  ein  Ordenshaus  gab, 
wo  also  offenbar  kein  höherer  Würdenträger  amtierte.  Ferner 
finden  sich  Platten  mit  dem  eigenartigen  benimbten  Kreuz 
mehrfach  in  Kirchdörfern,  die  zwar  geistlich  mit  dem  Orden 
in  engster  Beziehung  standen,  in  deren  Geschichte  sich  aber 
nicht  die  leiseste  Andeutung  ergibt,  dafs  die  Deutschherren 
hier  Besitzungen  gehabt  hätten.  Ordenssteine  mit  Wappen 
fehlen  hier.  Wie  die  genannten  beiden  Gruppen  von  Ordens - 
gliedern  sich  statutengemäfs  im  Leben  besonders  durch  die 
Farbe  der  Tracht  unterschieden,  so  scheinen  bei  uns  auch 
ihre  Grabsteine  angegeben  zu  haben,  welcher  Art  der 
darunter  ruhende  Bruder  war;  möglicherweise  geht  die  Sitte 
dieser  ganz  eigenartigen  Steine  auf  Gebote  mitteldeutscher 
Komture  zurück. 

Obschon  die  Ordensstatuten  von  Grabsteinen  nicht 
sprechen,  waren  solche  Denkmäler  bei  den  Deutschherren 
doch  üblich,  wie  Beispiele  in  Marburg,  Wechselburg  usw. 
zeigen.  Ich  spreche  hier  von  Steinen,  welche  sich  durch  die 
Aufschrift,  durch  die  Ordenstracht  des  Verewigten,  zum  Teil  auch 
durch  aufgelegtes  Ordensschild  einwandfrei  als  Deutschherren- 
monumente kennzeichnen;  sie  reichen  bis  in  die  Mitte  des 
13.  Jahrhunderts  zurück.  Ich  habe  früher  ausdrücklich  hervor- 
gehoben, dafs  die  Deutschherren  auf  diesen  Steinen  ihre 
Zugehörigkeit  zum  Orden  regelmäfsig  zum  Ausdruck  brachten; 
keineswegs  habe  ich  aber  irgendwo  gesagt,  dafs  auf  jedem 
Grabstein  eines  Deutschherren  ritterlichen  Standes  ein  Wappen 
sein  müfste.  Letzteres  war  augenscheinlich  nur  allgemein  üblich 
und  nötig  auf  denjenigen  Steinen,  die  keine  Aufschrift  und 
keine  bildliche  Darstellung  des  Verstorbenen  in  Ordenstracht 
vorführten,  also  auf  Platten,  wie  sie  besonders  in  Sachsen, 
zumal  in  der  Rochlitzer  Pflege,  vorkommen.  Wie  hätte  sich 
der  Ritterbruder  auf  solchen  einfachsten  Steinen  besser  zu 
erkennen  geben  sollen  als  durch  ein  Wappenschild?  Dafs 
ein  Stein,  der  ein  Deutschherrenkreuz  mit  einem  beigesetzten 
Schild  zeigt,  auf  einen  Ritter  zu  beziehen  sein  wird,  bedarf  wohl 
keiner  weiteren  Begründung;  dasselbe  gilt  von  einem  Denk- 
mal, auf  welchem  das  Kreuz  nicht  neben  dem  Schild,  sondern 
in  demselben  selbst  liegt,  d.  h.  auf  welchem  der  Deutschherren- 
schild angebracht  ist.  Nie  habe  ich  auf  einem  Stein,  der 
sich  durch  Schrift,  Trachtenbild  oder  auch  noch  Wappen  als 
Deutschherrenstein  ausweist,    das  benimbte  Kreuz   gefunden; 


T^o  Kleinere  Mitteilunsjen. 

dasselbe  gilt  von  den  zahlreichen  Ordensmünzen  und  Siegeln, 
die  doch  regelmäfsig  von  ritterlichen  Vertretern  des  Ordens 
herrühren,  da  letztere  allein  die  Komturstellen  und  andere 
wichtige  Repräsentationswürden  innehatten.  Meines  Erachtens 
kann  demnach  der  Kreuznimbus  nicht  der  Ordensritterschaft 
zugesprochen  werden,  und  ich  mufs  deshalb  annehmen,  dafs 
sich  diejenigen  einfachen  Grabsteine,  die  lediglich  ein  be- 
nimbtes  Ordenskreuz  —  ohne  irgend  welches  Beiwerk  — 
tragen,  auf  Priesterbrüder  beziehen.  Ein  solcher  denkbar 
einfacher  Stein  i.st  derjenige,  welcher  gelegentlich  der  Cronsch- 
witzer  Ausgrabung  dem  Landmeister  und  Klostergründer 
Heinrich  dem  Mittleren  von  Weida  zuoreschrieben  worden  ist; 
ich  kann  dieses  Denkmal  nur  für  eine  Grabplatte  auf  einen 
Mönch  ansehen.  Sollte  sich  wirklich  einmal  einwandfrei  nach- 
weisen lassen,  dafs  auf  einem  Deutschherrenstein  tatsächlich 
ein  Schild  neben  einem  benimbten  Kreuz  vorkommt,  so  würde 
man  wohl  mit  der  Möglichkeit  zu  rechnen  haben,  dafs  das 
Denkmal  zu  einem  Ordensbruder  gehört,  der  ursprünglich  der 
Ritterschaft,  dann  dem  Mönchijtum  als  Glied  zugezählt  worden 
ist.  Ich  habe  in  der  Studie  in  ,,Unsre  Heimat"  keineswegs 
meine  Ansicht,  dafs  der  schlichte  Deutschherrenritter  auf 
unserem  schriftlosen,  einfachsten  Grabsteine  seinen  vStand 
durch  ein  Schild  ausdrückt,  mit  dem  Hinweis  auf  das  Mar- 
burger Denkmal  von  dem  1241  verstorbenen  Hochmeister 
Konrad  von  Thüringen  begründen  wollen,  habe  die  an  diesem 
Stein  vorkommenden  Wappen  in  meiner  ersten  Studie  über- 
haupt nicht  erwähnt.  Er  gehört  zu  den  am  reichsten  ausge- 
statteten, aber  nicht  zu  den  einfachsten  Denkmälern.  Die  vier 
von  Schmidt  in  dieser  Zeitschrift  angeführten  Steine  können 
ebenfalls  schwerlich  bei  der  Erörterung  über  unsere  Grabsteine 
einfacher  Ritterbrüder  in  Frage  kommen.  Sie  beziehen  sich  auf 
Hochmeister,  Komture  und  stellen  zum  Teil  durch  den  Namen, 
zum  Teil  durch  das  Bild  des  Verewigten  in  Ordenstracht  den 
Verstorbenen  fest.  Von  diesen  Denkmälern  haben  zwei  Wappen, 
die  anderen  keins.  Sollte  doch  von  irgend  welcher  Seite  An- 
stofs  daran  genommen  werden,  dafs  zwei  Steine  keine  Wappen 
aufweisen,  so  möchte  hervorgehoben  werden,  dafs  diese  beiden 
Steine  entweder  nicht  in  ihrer  ursprünglichen  Ausführung 
üljerliefert  sein  dürften,  oder  dafs  sie  vielleicht  überhaupt 
nicht  dem  ursprünglichen  Plan  nach  fertig  gestellt  sind.  Die 
betreffenden  Steine  weisen,  wie  mir  Herr  Geh.  Baurat  Stein- 
l^recht  in  Marienburg  gütigst  mitteilt,  nur  Randumschrift  auf. 
Die  eigentliche  Hauptfläche  ist  vollständig  leer.  Derartige 
Grabplatten  erinnern  stark  an  Münzen  und  Siegel,  bei  denen  die 


Kleinere  Mitteiliuifijen.  141 

Legende  das  Bild  umgibt.  Da  sich  die  Steine  ganz  gewöhnlich 
in  Gebäuden  befanden,  so  wurden  die  Mitteltlächen  wohl  gar 
.nicht  selten  bemalt;  Reste  von  Farben  kommen  öfters  auf 
alten  Grabsteinen  vor.  Die  Malerei  ging  später  verloren, 
und  damit  haben  sie  ein  ähnliches  Schicksal  gehabt,  wie  so 
zahlreiche,  jetzt  leere  Schlufssteine  in  Schildform,  deren  ur- 
sprünglich farbige  Wappenbilder  von  Personen  (Stiftern)  der 
Nachwelt  erhalten  bleiben  sollten.  Sicher  wirkte  ein  aufge- 
maltes Bild  auf  dem  Grabstein  ebenso  schön,  wie  eine  nur 
eingeritzte  ümrifstigur;  eine  solche  weist  das  Denkmal  des 
von  Schmidt  angeführten  Heinrich  Dusemer  auf.  Die  aufge- 
malte Figur  innerhalb  der  eingehauenen  Umschrift  des  Grab- 
Steines    würde    ein  Ersatz    ofewesen   sein    für    die  so    oft   an 


& 


derselben  Stelle  vorkommenden  plastischen  Darstellung  des 
Verstorbenen.  Mitunter  mag  es  vorgekommen  sein,  dafs  das 
Innenfeld  des  Denkmals  überhaupt  nicht  ausgefüllt  wurde, 
weil  an  letzterem  dem  Entwurf  nach  zwei  verschiedene 
Meister  zu  arbeiten  hatten,  schhefslich  aber  nur  einer  sein 
Werk  ausführte.  Das  gilt  nicht  nur  von  denjenigen  Monu- 
menten, deren  eingehauene  Umschrift  wohl  eine  Malerei  um- 
schliefsen  sollte,  sondern  au.ch  von  denen,  deren  Innenfläche 
für  Metallbelag  be.stimmt  wurde.  Bronzebelag  auf  Grab- 
.steinen  kommt  schon  im  Mittelalter  vor;  oft  fehlt  er  freilich 
jetzt,  und  nur  die  Vertiefungen,  in  welchen  er  safs,  und  die 
vorhandenen  Dübellöcher  zeugen  von  ihm.  Das  gilt  z.  B.  von 
einem  mittelalterlichen  Grabstein  in  der  Wechselburger 
Schlofskapelle.  Derartige  Grabsteine  mit  eingehauener  Um- 
schrift am  Rande  und  Bronzebelag  im  Mittelfeld  linden  sich 
noch  im  16.  Jahrhundert ;  ein  solches  Denkmal  setzte  man 
1568  dem  Rochlitzer  Bürgermeister  und  Chronisten  Melchior 
Älathesius.  Wahrscheinlich  war  auch  dessen  Sohn,  dem 
Diakonus  Balthasar  Mathesius,  -j-  1572,  ein  gleicher  Stein  ur- 
sprünglich bestimmt.  Dieses  Denkmal  zeigt  ebenfalls  die 
übliche  Randumschrift  in  edler  Form;  das  Innenfeld  bekam 
aber  schhefslich  einen  panegyrischen  Nachruf,  dessen  Schrift- 
formen sehr  unvorteilhaft  von  denjenigen  der  Randaufschrift 
abweichen:  zweifellos  haben  an  diesem  Stein  zwei  ganz  ver- 
schieden gebildete  Steinmetzen  gearbeitet.  Manches  Grab- 
denkmal ist  nie  fertig  geworden,  weil  es  derjenige,  dessen 
Gebeine  es  einst  decken  sollte,  schon  zu  Lebzeiten  anfertigen 
liefs;  die  Nachwelt  sollte  dann  verschiedenes  (besonders  die 
Sterbedaten)  eintragen,  was  aber  schhefslich  oft  unterblieb. 
Ich  erinnere  nur  an  verschiedene  Bronzeepitaphien  in 
Nürnberg.     Dafs  es  derartige  Steine  auch  schon  zu  der  Zeit 


1J.2  Kleinere  Mitteilungen. 

eab,  aus  welcher  die  in  Rede  stehenden  Deutschherrensteine 
stammen,  beweist  ein  prächtiges  Steinmonuinent,  welches 
kürzhch  in  der  Geithainer  Kirche  entdeckt  wurde.  Dasselbe, 
dem  jetzt  leider  der  obere  Aufsatz  fehlt,  gehört  der  Zeit 
um  1300  an.  Im  Mittelfeld  führt  es  in  vornehmer  Arbeit 
den  Verewigten  vor;  in  der  reichgegliederten  Umrahmung 
zieht  sich  ein  Schriftband  hin.  Letzteres  sollte  zweifellos  die 
Sterbezeit  des  Verewigten  angeben;  hinter  den  kräftig  ein- 
gehauenen Worten  anno  —  die  —  finden  sich  aber  nur  leere, 
abgemessene  Flächen :  die  Zahlen  sind  nie  eingeschlagen 
worden, 

Schmidt  schreibt  auch  diejenigen  einfachsten  Deutsch- 
herrensteine in  Cronschwitz,  die  weiter  nichts  als  ein  be- 
nimbtes  Kreuz  aufweisen,  Rittern  zu.  In  dieser  Zeitschrift 
gibt  der  geehrte  Forscher  hierfür  seine  Begründung  an: 
,,denn  nach  einer  Urkunde  des  Bischofs  von  Naumburg  von 
1239  hatte  der  deutsche  Orden  die  weltliche  Verwaltung  des 
Klosters  zu  führen,  während  den  Mönchen  des  Dominikaner- 
ordens dessen  geistliche  Aufsicht  und  die  Seelsorge  zustand. 
Es  läfst  sich  aber  nicht  denken,  dafs  sich  neben  den  Priestern 
der  Predigermönche  noch  solche  des  Deutschen  Ordens  in 
Cronschwitz  aufhielten,  sondern  die  Verwalter  werden  Ritter- 
brüder gewesen  sein."  Mir  erscheint  diese  Beweisführung, 
die  doch  mit  grundlegend  für  die  Beurteilung  aller  schriftlosen 
Deutschherrensteine  sein  müfste,  leider  wenig  stichhaltig  und 
annehmbar,  wie  aus  einer  Betrachtung  der  Cronschwitzer 
Klosterverhältnisse  hervorgehen  dürfte. 

Schmidt  sagt  in  der  Zeitschrift  für  Thüringische  Geschichte 
und  Altertumskunde  —  wohl  mit  allem  Recht  —  selbst,  dafs 
bei  der  Stiftung  von  Cronschwitz  zwischen  den  Deutsch- 
herren  und  Dominikanern  hinsichtUch  ihres  Anteils  am  Klo.ster 
,,ein  förmlicher  Streit"  ausgebrochen  sei,  den  der  Bischof 
durch  seine  eingehenden  Bestimmungen  der  Stiftungsurkunde 
,,sehr  geschickt"  vermittelte.  Betreffs  der  Deutschherren  ge- 
bietet nun  letztere:  ,,Statuimus  in  exterioribus  vero  circa 
temporalium  gubernacionem  yconomiam,  procuracionem,  dis- 
posicionem  sive  administracionem  temporalium  fratres  predicti 
domus  Theutonicorum  gerent  et  exercebunt,  quoscunque 
frater  gerens  vicem  suppremi  magistri  in  Alemannia  pro 
tempore  ad  hoc  decreverit  deputare".  Nirgends  steht  etwas 
in  der  Urkunde  davon,  dafs  deutschherrliche  Priesterbrüder 
von  der  Cronschwitzer  Verwaltung  ausgeschlossen  sein  sollten. 
Einen  derartigen  Hinweis  müfste  man  meines  Erachtens  aber 
doch  unbedingt  erwarten,  weil  die  Urkunde  so  ausführlich  bei 


Kleinere  Mitteilungen.  143 

jedem  Orden  angab,  was  ihm  zukommt,  weil  das  Fehlen  einer 
Bestimmung  darüber,  dafs  nur  Ritterbrüder  in  Cronschwitz 
die  Verwaltung  ausüben  sollten,  einen  Streit  zwischen  den 
beiden  in  Rede  stehenden  Orden  sicher  nicht  beigelegt  hätte, 
falls  die  Priesterbrüder  der  Deutschherren  aus  dem  Kloster 
verwiesen  gewesen  wären.  Spricht  die  Urkunde  schlechtweg 
davon,  dafs  die  Brüder  der  Deutschherren  in  Cronschwitz 
die  weltliche  Herrschaft  ausüben  sollten,  so  mufs  man  meines 
Erachtens  annehmen,  dafs  in  dieser  Beziehung  die  Ritter  und 
Priesterbrüder  der  Deutschherren  gleiche  Berechtigung  hatten, 
dafs  letztere,  die  doch  im  Orden  nach  Ausweis  der  Statuten 
so  gefeiert  waren,  keine  Zurücksetzung  zu  erdulden  hatten. 
Nach  dem  Wortlaut  der  Urkunde  dürfte  anzunehmen  sein, 
dafs  von  den  Deutschherren  regelmäfsig  mehrere  Brüder  zu- 
gleich in  Cronschwitz  amtieren  sollten.  Da  jedem  ganz  genau 
vorgeschrieben  war,  was  er  zu  tun  hatte,  so  konnten  doch 
Priesterbrüder  der  Deutschherren  recht  gut  friedlich  neben 
anderen  Mönchen  im  Kloster  leben.  Den  Deutschherren  stand 
das  zu,  was  sicher  viel  Schreiberei  und  Rechnerei  verursachte. 
Diese  Aufgaben  werden  aber  in  erster  Linie  mönchische 
Insassen  auf  sich  genommen  haben,  nicht  die  Ritter,  die  dem 
^^'affenwerk  obliegen  mufsten  und  mehr  den  Sicherungsdienst 
und  die  Repräsentation  des  Klosters  nach  aufsen  hin  ver- 
treten haben  dürften.  Mit  dieser  Ansicht  liefse  sich  wohl 
am  besten  die  Tatsache  in  Einklang  setzen,  dafs  auch  in 
Cronschwitz  zwei  Arten  der  sogenannten  einfachen  Deutsch- 
herrensteine vorkommen,  mit  und  ohne  Schild. 

Schliefslich  möchte  ich  noch  erwähnen,  dafs  ich  auf 
mittelalterlichen  Grabsteinen  von  Deutscherren  in  der  Roch- 
litzer  Pflege  nie  ein  Tatzenkreuz  angetroffen  habe.  Schmidt 
irrt  offenbar,  wenn  er  das  Kreuz  auf  dem  Rochlitzer  Held- 
rungendenkmal als  Tatzenkreuz  bezeichnet.  Meine  frühere 
Abbildung  l^eruht  auf  Photographie.  Die  oberen  Enden  des- 
selben  sind   mit  Rosetten  belegt,   die  an  Vierpässe   erinnern. 


Literatur 


Säclisisclie  (Jeschichte.  Von  Otto  Kaemmel.  (Sammlung;  Göschen, 
Band  loo.)  Zweite,  durcho;esehene  Auflage,  Leipzig,  G. J.  Göschen- 
sche  Verlagshandlung.     1905.  166  SS.  8". 

Die  zweite  Auflage  von  Kaemmels  kleiner  „Sächsischen  Ge- 
schichte" weicht  im  Ganzen  nicht  wesentlich  von  der  ersten  Auf- 
lage ab,  die  1899  erschien  und  in  dieser  Zeitschrift  XXI  (1900),  176  f., 
besprochen  wurde.  Nur  hier  und  da  zeigt  sich  der  Text  etwas  er- 
weitert oder  in  stilistischer  Hinsicht  geändert.  Irrtümer,  die  die 
erste  Auflage  namentlich  bei  den  Zahlenangaben  aufwies,  sind  viel- 
lach verbessert,  wenn  auch  leider  noch  nicht  durchweg  beseitigt 
worden;  ja  bisweilen  haben  sich  sogar  neue  Fehler  eingeschlichen, 
wie  z.  B.  das  Jahr  13 12  (statt  1307)  für  die  Schlacht  bei  Lucka  S.  6 
in  der  „Inhaltsübersicht  und  Zeittafel",  wo  auch  mehrere  falsche 
Angaben  der  ersten  Auflage  stehen  geblieben  sind  (z.  B.  S.  5  Konrad 
der  Grofse  1024— 1056:  statt  11 23— 11 56,  S.  6  Fjiedrich  I.,  der  Kreidige, 
1306 — 1324:  statt  1323,  ebenda  Wilhelm  II.  von  Meifsen,  1382 — 1407: 
statt  Wilhelm  I.). 

Eine  Karte,  an  der  man  sich  wenigstens  ungefähr  die  ver- 
schiedenen Territorialveränderungen  veranschaulichen  könnte,  fehlt 
leider,  noch  immer.  Dagegen  ist  dem  Büchlein,  dessen  Satz  wohl 
mit  Rücksicht  auf  diese  Erweiterungen  etwas  enger  geworden  ist, 
eine  „Stammtafel  des  Hauses  Wettin"  und  ein  Register  beigefügt 
worden.  In  ersterer  stören  leider  mehrere  Druckfehler  (_z.  B.  Konrad 
der  Grofsef  1156:  statt  1157,  Dietrich  der  Bedrängte-;- 1231:  statt  1221, 
Friedrich  Tutta-;- 1294:  statt  1291,  Johann  Georg  I.  f  1659:  statt  1656 1, 
ferner  die  Vermengung  der  beiden  Gemahlinnen  des  1838  gestor- 
benen Prinzen  Maximilian  (die  erste,  von  der  die  Kinder  Friedrich 
August  II.,  Johann  usw.  stammen,  hiefs  Caroline  von  Parma)  und 
mehrere  veraltete  Anschauungen.  Seitdem  wir  das  grundlegende 
Werk  von  O.  Posse,  Die  Wettiner  (Genealogie  des  Gesamthauses 
Wettin  ernestinischer  und  albertinischer  Linie,  Leipzig  1897)  besitzen, 
sollten  für  Dietrich  von  Landsberg,  Albrecht  den  Entarteten  und 
Friedrich  den  Freidigen  nicht  mehr  1283,  1314  und  1324  als  Todes- 
jahre angegeben  werden,  sondern  1285,  1315  und  1323;  auch  ist 
längst  erkannt,  dafs  Heinrichs  des  Erlauchten  dritter  Sohn  nur 
durch  einen  Lesefehler  den  Beinamen  „der  Kleine"  erhielt,  während 
er  tatsächlich  Clem  hiefs.  Der  Possesche  Stammbaum  ist  auf- 
fallcndcrweibe    in    der   „Literatur"  (S.  3),    die   um    einige    wichtige 


Literatur. 


145 


Werke  (von  Lippert,  Knothe  und  O.  E.  Schmidt)  bereichert  er- 
scheint, nicht  mit  aufgezählt  und  wohl  überhaupt  gar  nicht  be- 
nutzt worden. 

Dresden.  Beschorner. 

Der  sächsische  Prinzenraub  iu  Altenbnrg:.  Ein  urkundliches  Ge- 
denkblatt nach  450  Jahren.  Von  Professor  Dr.  Max  A'oretzscli. 
Altenburg  S.-A.;  Oskar  Bonde.    1906.    55  SS.    S^. 

Die  vorliegende,  dem  verdienten  Forscher  auf  dem  Gebiete  der 
Geschichte  des  sächsischen  Prinzenraubes,  Professor  Ernst  Koch  in 
Meiningen,  gewidmete  Untersuchung  stellt  einen  erweiterten  Abdruck 
des  gleichnamigen  Vortrages  dar,  den  aus  Anlafs  des  450jährigen 
Gedenktages  von  jenem  in  der  Geschichte  einzig  dastehenden 
Ereignis  Professor  Dr.  Max  Voretzsch  in  Altenburg,  ein  in  der  Ge- 
schichtswissenschaft durch  seine  Arbeiten  zur  Geschichte  der  Stadt 
Altenburg  bekannter  und  geschätzter  Forscher,  am  18.  Oktober  1905 
in  der  Geschichts-  und  Altertumsforschenden  Gesellschaft  des  Oster- 
landes  gehalten  hat.  Der  Verfasser  dieser  anregend  abgefaisten 
Monographie  versucht  mit  gewissenhafter  Benutzung  der  bereits 
veröffentlichten  Urkunden  zur  Geschichte  des  sächsischen  Prinzen- 
raubes und  der  neueren  Literatur  über  diese  Begebenheit,  sowie 
unter  Zugrundelegung  von  seinen  früheren  Arbeiten  (,,Die  Bezieh- 
ungen des  Kurfürsten  Ernst  und  des  Herzogs  Albrecht  von  Sachsen 
zur  Stadt  Altenburg",  Altenburg  1900  S.  7  u.  f.  —  „Der  sächsische 
Prinzenraub"  in  „Thüringen  in  Wort  und  Bild",  Leipzig  1900  S.  237  u.  f.) 
und  mit  Verwendung  einiger  von  ihm  erst  neuerdings  aufgefundener, 
sehr  interessanter  handschriftlicher  Notizen  ein  Gedenkblatt  zu  ent- 
rollen, welches  die  Geschichte  des  sächsischen  Prinzenraubes  zu- 
verlässig, bei  aller  Kürze  die  Hauptpunkte  erschöpfend,  frei  von 
allen  Zutaten  der  Sage  und  entsprechend  dem  Stande  der  heutigen 
Forschung  enthält.  Seine  Untersuchung,  welche  die  verwegene  Tat 
des  Ritters  Kunz  von  Kauft'ungen  in  durchaus  gerechter  und  kriti- 
scher Weise  beleuchtet  und  sie  aus  den  damaligen  Zeitumständen 
beurteilt  wissen  will,  unterscheidet  sich,  nebenbei  bemerkt,  sehr  von 
dem  gleichnamigen,  für  Schule  und  Haus  bearbeiteten  Gedenkblatt  des 
Lehrers  B.  Böttiger  (Dresden.  Franz  Sturm  &  Co.  1905),  welches  jenes 
Ereignis  ganz  nach  der  alten  landläufigen  verurteilenden  Ansicht 
darseilt  und  die  sagenhaften  Überlieferungen  mit  den  Tatsachen  ver- 
mischt, so  dafs  wir  vor  Benutzung  von  Böttigers  völlig  mifslungener 
und  schiefer  Darstellung  eindringlichst  warnen  müssen.  Nach  kurzer 
Einleitung  behandelt  Voretzsch  zunächst  die  Veranlassung  zum 
Prinzenraube,  die  Vorbereitungen  zur  Entführung  und  die  Ausführung 
des  Planes,  schildert  dann  die  Verfolgung  der  Räuber,  die  Befi^eiung 
der  Prinzen  Ernst  und  Albrecht,  die  Verurteilung  des  Prinzenräubers 
Kunz  von  Kaulfungen  und  die  sonstigen  Bestrafungen,  sowie  die 
unmittelbaren  Folgen  jener  Tat.  Den  Schlufs  bilden  Betrachtungen 
über  den  aus  Anlafs  des  Prinzenraubes  entstandenen  Bergreihen 
und  die  an  jenes  Ereignis  sich  knüpfenden  sagenhaften  Überliefe- 
nuigen.  Wir  können  somit  die  Lektüre  dieses  ansprechenden,  vom 
Verlage  hübsch  ausgestatteten  Schriftchens  allen  denen  angelegent- 
lichst empfehlen,  die  sich  für  eine  wahrheitsgetreue  Schilderung  jenes 
Ereignisses  interessieren.  Wir  wollen  ferner  hotten  und  wünschen, 
dafs  vorhegende  Untersuchung  dazu  beitragen  möge,  die  oft  schiefen 
und  falschen  Darstellungen  des  sächsisc'ien  Prinzenraubes  aus  den 


1 4.6  Literatur. 

populären  Geschichtsdarstellungen  und  vor  allem  aus  den  geschicht- 
lichen Lehrbüchern  unserer  Schulen  zu  beseitigen. 

Mühlhausen  i.  Thür.  K.  v.  Kauffungen. 

Friedrich  der  Weise  als  Förderer  der  Kunst.  Mit  41  Lichtdruck- 
tafeln und  5  Textabbildungen.  Von  Robert  Brück.  (Studien  zur 
deutschen  Kunstgeschichte,  Heft  45.)  Strafsburg,  J.  H.  £d.  Heitz 
(Heitz  &  Mündelj.    1903.    VIII,  336  SS     8°. 

Dieses  Buch  ist  eigentlich  keine  Novität  mehr,  da  es  schon  vor 
drei  Jahren  erschien.  Aber  Archivforschungen  pflegen  sich  nicht  so 
rasch  einzuführen:  wie  sie  in  mühevoller  Arbeit  geschrieben  werden, 
so  fordert  auch  ihre  Lektüre  ein  Opfer  an  Zeit,  das  man  gar  leicht 
auf  jene  idealen  freien  Stunden  verlegt,  die  sich  ein  jeder  wünscht, 
die  aber  so  selten  kommen.  Daher  wird  es  gut  sein,  daran  zu  er- 
innern, dafs  in  diesem  Buche  ein  sehr  reicher  Schatz  von  teilweise 
neuen  urkundlichen  Nachrichten  über  Kunst  und  Künstler  der  deut- 
schen Frührenaissance  dargeboten  wird,  der  allen  auf  diesem  Gebiete 
Arbeitenden  willkommen  sein  mufs. 

Der  Verfasser  hat  die  archivalischen  Studien  Guilitts  in  extenso 
verwertet,  aber  dieses  Material  durch  die  Publikation  der  sämtlichen 
Amtsrechnungen  und  der  Korrespondenz  des  Kurfürsten  Friedrich 
im  Weimarer  Staatsarchive  und  durch  die  Kämmereirechnungen  zu 
Wittenberg  nicht  unwesentlich  erweitert.  Er  hätte  schon  des  Dankes 
der  Fachgenossen  gewifs  sein  können,  wenn  er  sich  darauf  beschränkt 
hätte,  blofs  diese  Urkunden  mit  Anmerkungen  zu  publizieren,  aber 
er  hat  auch  gleich  den  weiteren  Schritt  getan,  im  ersten  Teile  seines 
Werkes  auf  Grund  dieser  Urkunden  ein  Lebensbild  Friedrichs  des 
Weisen  als  Förderers  der  Kunst  seiner  Zeit  zu  zeichnen.  Man  wird 
in  diesem  Teile,  besonders  in  den  allgemein  gehaltenen  Einleitungen 
der  Kapitel,  die  Kunst  der  Darstellung  und  die  letzte  Ausfeilung 
bisweilen  vermissen,  aber  im  ganzen  gewinnt  man  ein  um  viele  neue 
Züge  bereichertes  Bild  der  imponierenden  Herrschergestalt  Friedrichs, 
der  auch  auf  dem  Gebiete  der  Kunst  von  keinem  deutschen  Fürsten 
seiner  Zeit  an  Eifer  und  Geschmack  und  vielseitiger,  bedeutsamer 
Wirksamkeit  erreicht  wurde.  Kaum  ein  Jahr  seiner  langen  Re- 
gierung ist  frei  von  umfänglichen  Neu-  und  Erweiterungsbauten  von 
Kirchen  und  Schlössern  in  den  verschiedenen  Städten  seines  Landes. 
Neben  und  nach  den  Baukünstlern  und  Bauhandwerkem  werden 
zahlreiche  Bildhauer  und  Maler  für  die  Innenausstattung  der  neuen 
Gebäude  in  Tätigkeit  gesetzt.  Die  hervorragende  Höhe  von  Friedrichs 
Kunstpflege  spricht  sich  deutlich  darin  aus,  dafs  er  eine  lange  Reihe 
der  besten  deutschen  Künstler  seiner  Zeit  beschäftigte,  vor  allen 
als  einziger  deutscher  Fürst  Albrecht  Dürer  30  Jahre  hindurch  mit 
Aufträgen  auszeichnete,  Jacopo  de  Barbari  und  Lucas  Cranach  d.  ä. 
als  Hofmaler  hatte  und  Künstler  wie  Wolgemut,  Hans  Burgkmair, 
'J'ilmann  Kiemenschneider,  Peter  Vischer  d.  ä.,  Konrad  Meit,  Adriano 
Fiorentino  zu  bedeutenden  Aufgaben  heranzog.  Eine  besondere 
Liebhaberei  Friedrichs,  die  geradezu  in  riesenhaftem  Umfange  be- 
triebene Sammlung  von  Reliquien  in  kostbaren  Gehäusen,  brachte 
der  deutschen  Goldschmiedekunst  beachtenswerte  Anregung. 

Der  Verfasser  schildert  zuerst  den  Kurfürsten  als  Bauherrn 
und  bringt  neue  Nachweise  über  den  Hof  baumeister  Konrad  Pflüger, 
einen  unter  dem  Einflüsse  von  Arnold  von  Westfalen  geschulten, 
sehr  tüchtigen  Architekten  und  Bildhauer,  der  besonders  in  Wittenberg 


Literatur. 


147 


am  Schlosse  und  am  Kollegium  seine  auf  einfache,  wuchtige  Wir- 
kurgen ausgehende  Kunst  übte.  Uno;ewöhnlich  ausgiebig  im  Detail 
erweisen  sich  die  in  musterhafter  Ordnung  erhaltenen  Rechnungs- 
l:)iicher  über  den  Bau  des  Schlosses  Hartenfels  in  Torgau,  wo  über 
jeden  Schlüssel  und  jede  Treppenstufe  die  Kosten  verbucht  sind. 

Das  zweite  Kapitel  behandelt  die  Plastik  unter  Friedrich  und 
bringt  über  die  Arbeiten  berühmter  und  auch  neu  auftauchender 
Bildhauer  und  Schnitzer  willkommene  Detailforschungen.  So  z.  B. 
über  das  schöne  holzgeschnitzte  Chorgestühl  in  der  Altenburger 
Schlofskirche,  1503  und  1516  datiert  und  mit  den  Verfertigernamen 
Nicolaus,  Johannes  und  Ambrosius  beide  von  Eilenburg,  Heinrich 
Geins  und  Joachim  B.  bezeichnet ;  ferner  über  die  Grabplatten  Peter 
Vischers  in  Meifsen  und  Torgau,  über  die  Bronzebüste  Friedrichs 
(im  Albertinum)  von  Adriano  Fiorentino  (S.  100  oben  1448  ein  Druck- 
fehler für  1488)  und  über  die  Medaillen  Friedrichs.  Auch  über  ver- 
loren gegangene  wichtige  Werke  wie  den  Kruzifixus  von  Tilmann 
Riemenschneider  und  über  die  von  Dr.  Scheurl  1511  so  hochgerühmte 
Doppelmadonna  Konrad  Meits  wird  eingehend  gehandelt. 

Auch  das  dritte  Kapitel,  das  der  Malerei  unter  Friedrich  ge- 
widmet ist,  enthält  interessante  Notizen  über  bekannte  und  wenig 
bekannte  Maler,  wenn  sich  auch  das  Urkundenmaterial  hier  vielfach 
zu  lückenhaft  und  wortkarg  erweist.  —  Offenbar  wandte  der  Kurfürst 
der  Malerei  bes^ondere  Aufmerksamkeit  zu  vmd  zog  neben  seinen 
Hofmalern  hervorragende  auswärtige  Künstler  zu  bedeutenden  Auf- 
trägen heran.  Die  Altäre,  die  M.  Wolgemut  (1503)  und  Hans  Burgk- 
mair  (1506)  lieferten,  sind  leider  verschollen,  aber  vielleicht  sind  in 
den  Illustrationen  einer  von  Spalatin  verfafsten  Chronik  im  Weimarer 
Staatsarchive  Entwürfe  von  Burgkmair  erhalten,  worauf  Brück  hin- 
weist. Neu  und  interessant  ist  auch  des  Verfassers  Vermutung, 
dafs  Hans  von  Speier,  der  1496  im  x^uftrage  des  Kurfürsten  ein 
Gewölbe  in  der  Paulinerkirche  in  Leipzig  ausm.alte,  auch  die  Wand- 
gemälde im  Kreuzgange  daselbst  schuf,  die  Gurlitt  dem  Niederländer 
Jhan  zuschrieb.  Dafs  dieser  Jhan,  Hofmaler  von  1491—95,  mit  Jan 
Mabuse  identisch  sei,  sucht  auch  Brück  eingehend  nachzuweisen, 
aber  meines  Erachtens  nicht  mit  dem  vollen  Erfolg  der  Evidenz.  —  Die 
zahlreichen  urkundlichen  Erwähnungen  Dürers  in  Beziehung  zum 
Kurfürsten  werden  hier  noch  einmal  übersichtlich  zusamraengefafst; 
sie  reichen  von  1494/95 — 1524  und  erfahren  nur  auffälliger  Weise  von 
1509—1520  eine  Unterbrechung.  Diese  läfst  aber  eher  auf  eine  Lücke 
in  der  Überlieferung  als  auf  eine  wirkliche  Unterbrechung  der 
Beziehungen  schliefsen.  —  Über  Jacopo  de  ßarbari,  der  1503— 1505 
Hofmaler  Friedrichs  war,  wird  mancherlei  Neues  beigebracht,  freilich 
orientieren  die  Urkunden  genauer  über  die  Kosten  seines  Haushaltes 
als  über  die  Art  seiner  Arbeiten;  aber  man  erfährt  doch  mit  Interesse, 
dafs  er  unter  zahlreichen  Gästen  am  10.— 17.  August  1504  auch  Dürer 
und  sein  Weib  in  Wittenberg  bewirtete.  —  Über  L.  Cranach,  der 
1505  sein  Hofrnaleramt  antrat,  fafst  sich  der  Verfasser,  offenbar  im 
Hinblick  auf  die  reichliche  Cranach -Literatur  der  letzten  Jahre,  recht 
kurz.  Wie  viel  Wichtiges  aber  auch  hier  noch  für  weitere  Forschung 
übrig  gelassen  ist,  lehrte  kürzUch  das  Auftauchen  des  Triptychons 
von  1509  mit  den  Porträts  Friedrichs  und  seiner  Familie.  Sehr 
dankenswert  wieder  ist  die  kleine  Studie  über  den  bisher  wenig 
bekannten  Nürnberger  Illuminator  Jacob  Eisner,  den  geschickten 
und  humorvollen  Illustrator  des  „Gänsebuches"  in  der  Lorenzkirche 
zu  Nürnberg,  von  dem  der  Verlasser  auch  zwei  für  Friedrich  den 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A,    XXVIII.    i.  2.  lO 


1^8  Literatur. 

Weisen  1507  illuminierte  Perikopen  in  der  Universitätsbibliothek  in 
Jena  und  noch  mehrere  andere  Arbeiten,  darunter  auch  Porträts, 
nachweist.  —  Zum  Schlüsse  noch  eins:  die  warme  Begeisterung  des 
Verfassers  für  seinen  Stoff  hat  ihn  verführt,  Wittenberg  als  die  Wiege 
der  deutschen  Renaissance  und  das  Jahr  1504  als  das  Geburtsjahr 
derselben  zu  erklären.  Das  ist  nun  inzwischen  von  B.  Daun  (Kunst- 
chronik XVI,  151)  zu  gunsten  Nünbergs  berichtigt  worden. 

Leipzig.  Felix  Becker. 

Die  Haltung  Kursachsens  im  Streite  um  die  unmittelbare  Reichs- 
ritterscliaft  in  den  Jahren  1803  — 1806.     Von  Crottliold  Weicker. 

(Bibliothek  der  sächsischen  Geschichte  und  Landeskunde,  heraus- 
gegeben von  Gustav  Buchholz.  I.  Band,  2.  Heft).  Leipzig,  S.  Hirzel. 
1906.    HO  SS.  8«. 

Trotz  der  die  Rechte  der  Reichsritterschaft  wahrenden  sal- 
vatorischen Klausel,  die  Kaiser  Franz  IL  seiner  Bestätigung  des 
Reichsdeputations  -  Hauptschlusses  zugefügt  hatte,  mediatisierte 
Baiern  am  9.  Oktober  1803  die  in  seinen  Ländern  wohnenden  Reichs- 
ntter,  und  alle  Reichsstände,  die  in  gleicher  Lage  waren,  folgten 
dem  Beispiel.  Sachsen  mifsbilligte  den  groben  Rechtsbruch,  stimmte 
aber  trotzdem  zu,  als  Preufsen  vorschlug,  die  Sache  dem  Reichstag 
zur  Entscheidung  zu  unterbreiten.  Da  wurde  es  durch  kaiserliches 
Konservatorium  nebst  dem  Erzkanzler,  Österreich  und  Baden  be- 
auftragt, die  Rechte  der  Reichsritter  gegen  ihre  Widersacher  zu 
wahren,  im  Notfall  „mit  gewaft'neter  Hand".  Darob  grofse  Be- 
stürzung in  Dresden,  die  jedoch  nachliefs,  als  sich  Baiern  durch  ein 
„Paritionsschreiben"  dem  Kaiser  unterwarf.  Obschon  es  den  Worten 
die  Tat  nicht  folgen  liefs  und  die  meisten  übrigen  Stände  überhaupt 
nichts  dergleichen  taten,  vielmehr  die  Vergewaltigung  der  Ritter- 
schaft weiter  ging  und  daher  am  26.  März  1805  der  Reichshofrat 
noch  ein  rescriptum  excitatorium  ergehen  liefs,  liefsen  es  die  „Konser- 
vatoren" bei  einigen  höchst  schwächlichen  Monitorien  an  die  fre- 
velnden Reichsstände,  die  weder  sie  selbst  noch  die  Betroffenen 
ernst  nahmen,  bewenden ;  nur  von  dem  durch  kaiserlichen  Befehl 
ihm  übertragenen  Amte  förmlich  zurückzutreten,  wie  Frankreich 
April  1804  verlangt  hatte,  lehnte  Friedrich  August  III.  ab.  Infolge 
Ausbruchs  des  Kriegs  von  1805  verlief  die  Rechtsaktion  im  Sande, 
und  die  Reichsritterschaft  als  solche  war  verloren.  —  Sachsens 
Politik  bestimmt  das  Bestreben,  die  Reichskonstitution  nicht  formell 
zu  verletzen  und  doch  Sachsens  Interesse  nicht  durch  Trennung  von 
Preufsens  Politik  zu  schädigen,  den  Reichsrittern  womöglich  zu 
nützen,  aber  dabei  ja  bei  keiner  Macht  anzustofsen  und  selbst  am 
liebsten  ganz  aus  dem  Spiele  zu  bleiben,  endlich  auch  der  Wunsch, 
dafs  durch  den  Streit  nicht  der  Einflufs  des  Auslandes  wieder  ver- 
stärkt werde.  Die  Art,  wie  es  sich  zwischen  diesen  entgegen- 
gesetzten Motiven  hindurchwindet,  ist  für  seine  damalige  Hilflosig- 
keit symptomatisch.  Hierin  liegt  die  Bedeutung  der  zumeist  auf 
Akten  des  Dresdener  Hauptstaatsarchivs  beruhenden,  gut  ge- 
schriebenen Arbeit.  Da  indessen  jene  Einsicht  sowohl  an  und  für 
sich  wie  speziell  inbezug  auf  Kursachsen  nicht  neu  ist,  darf  man 
immerhin  tragen,  ob  die  Angelegenheit  eine  so  eingehende  mono- 
graphische Behandlung  verdiente. 

Kiel.  Fritz  Friedrich. 


Literatul".  149 

Codex  diplomaticus  Lusatiae  superioris  II,   enthaltend  Urkunden 
des  Oberlausitzer  Hussitenkrieges  und  der  gleichzeitigen  die  Sechs- 
lande  angehenden  Fehden.     Im  Auftrage   der   Oberlausitzischen 
Gesellschaft  der  Wissenschaften  gesammelt  und  herausgegeben  von 
Prof.  Dr.  Richard  Jecht.  II.  Bd.,  umfassend  die  Jahre  1429— 1437  und 
einen  Anhang.   Görlitz,  H.Tzschaschel.   1900— 1904.    IV,  851  SS    8'^. 
Die  Besprechung  des  I.  Bandes  hat  Knothe  in  dieser  Zeitschrift 
(XVIII,  XIX,  XXI)  geliefert;   die   des  IL  Bandes,  der  ihm  selbst  zu 
seinem  80.  Geburtstag  gewidmet  wurde,  zu  geben,'  verhinderte  ihn 
der  Tod  im  Februar  1903.    In  vier  Jahresheften  hat  Jecht  seine  Auf- 
gabe zu  Ende  geführt  und  darin  einen  neuen  Beweis  seines  uner- 
müdhchen  Fleifses  und  zugleich  seiner  strengen,  wissenschaftlichen 
Selbstzucht  gegeben,  die  sich  nicht  in  Kleinigkeiten  verliert,  sondern 
das  Hauptziel,  die  Fertigstellung  des  Ganzen,  im  Auge  behält,  ohne 
es  dabei  an  Gewissenhaftigkeit  im  einzelnen  fehlen  zu  lassen. 

Der  Hauptanteil  entfällt  wieder  auf  die  Görlitzer  Stadtrech- 
nungen. Ihre  Eigenart  besteht  darin,  dafs  sie  nicht  blofs  die  Aus- 
gabe und  in  oft  ungenügender  Kürze  den  Zweck,  sondern  mit  ziem- 
licher Ausführlichkeit  den  Sachverhalt  angeben,  z.  B.  (S.  i)  nicht  blofs 
„einem  boten,  der  die  brieft'e  von  der  Sittaw  brochte",  sondern  dazu 
„als  von  Fultsch  wegin,  ob  sie  der  stad  wolden  helffen  obir  in, 
3  gr.",  also  gleich  ein  Regest  des  Briefes  selbst,  oder  „Mathis  Gey- 
zeler  und  Pauel  Rinkengisser  gen  der  Lobaw  zu  landen  und  steten 
das  gewerb  inzubrengin,  als  Mathis  Geyzeler  und  her  Hannus  von 
Hoberg  zu  den  fursten  in  die  Slezie  und  landen  und  steten  doselbist 
zogen  umb  die  einunge  mit  in  obir  die  keczer,  und  von  hern  Dupczken 
und  Mikusch  Panczir  wegin  und  andir  merliche  gescheute,  do  sie 
obir  nacht  habin  must  dobleibin,  i  mr.  minus  4  gr.".  Diese  Zu- 
sätze Hefern  wertvollstes,  rein  geschichtliches  Material,  das  um 
so  beachtenswerter  ist,  als  durch  die  wöchentlichen  Eintragungen 
sich  der  Zeitpunkt  der  Ausgaben  bez.  ihres  Anlasses  mit  ziemlicher 
Bestimmtheit  feststellen  läfst.  Den  Rechnungen  reihen  sich  in  bunter 
Menge  Urkunden  und  Briefe,  Berichte,  Zeugen-  oder  Gefangenenaus- 
sagen usw.  an,  wobei  Jecht  mehrfach  auf  den  vollen  Abdruck  selbst 
interessanter  Stücke,  die  schon  anderwärts  genügend  veröffentlicht 
waren,  verzichtet  hat,  um  den  Umfang  nicht  zu  sehr  anschwellen 
zu  lassen. 

Natürlich  liegt  das  Hauptgewicht  auf  den  Hussitenkriegen  der 
Oberlausitz;  daneben  sind  aber  auch  die  Hussitenkämpfe  der  Meifsner, 
Niederlausitzer,  Schlesier  u.  a.  mit  bedacht.  Wie  schon  der  Unter- 
titel andeutet,  ist  damit  jedoch  der  reiche  Inhalt  nicht  erschöpft, 
sondern  Jecht  hat  zugleich  alle  wichtigeren,  sonstigen  kriegerischen 
und  politischen  Vorgänge  in  der  Oberlausitz  selbst  oder  an  denen 
sie  beteiligt  war,  berücksichtigt.  Eine  grofse  Rolle  spielen  da  die 
inneren  Fehden,  einerseits  des  Adels  unter  sich,  wie  die  des  Burg- 
grafen Wentsch  von  Dohna  zu  Grafenstein  mit  Gotsche  Schaff  zu 
Greifenstein  1429,  des  Ulrich  von  Biber  stein  zu  Friedland  mit  Gotsche 
Schaff  1434,  des  Ulrich  von  Biberstein  mit  Thimo  von  Kolditz,  dem 
Verweser  der  Oberlausitz,  1431 — 1433,  des  Ulrich  von  Biberstein  mit 
Dietrich  von  Klüx  1433,  andererseits  der  Städte  mit  dem  Adel,  so 
Zittaus  mit  Gotsche  Schaff  1432,  mit  Ulrich  von  Biberstein  1433, 
Bautzens  mit  dem  Burggrafen  Heinrich  von  Meifsen,  Herrn  zu  Plauen, 
1432,  mit  Gotsche  Schaft'  1434,  Görlitz'  mit  dem  Burggrafen  Heinrich 
von  Meifsen  1432,  mit  dem  Burggrafen  Wentsch  von  Dohna  1432, 
mit  Georg  von  Redem  1433,  mit  Heinrich  Wildenstein  1433  u  a. 

10* 


150 


Literatur. 


Wir  bekommen  besser,  als  aus  allen  bisherigen  Quellen,  ein 
Bild  von  den  unheilvollen  Wirkungen,  die  der  jahrelang  fortdauernde 
Zustand  drohender  äufserer  Gefahren  und  innerer  Unsicherheit  her- 
vorrief. Zur  Hussitennot  gesellt  sich  der  innere  Zwiespalt,  Fehden 
im  Lande,  ständige  Sorge  vor  _,Verrätern  und  Brandstiftern  inner- 
halb der  Mauern,  Angst  vor  Überfällen  auf  der  Landstrafse  mit 
Raub  und  Mord  u.  dgl.  Die  allerdings  nicht  immer  ganz  zuver- 
lässigen, weil  erprefsten  Geständnisse  der  Gefangenen  lassen  einen 
erschreckenden  Einblick  tun  in  die  Verkommenheit  besonders  auch 
des  kleineren  Landadels,  von  dem  zahlreiche  MitgUeder  im  Verein 
mit  ehrlosen  Gesellen  aus  dem  Bürger-  und  Bauernstande  und  mit 
fremden  Landstreichern  zu  jeder  Nichtswürdigkeit  fähig  waren; 
Knothe  hätte  hier  für  den  Abschnitt  über  die  sittlichen  Zustände  in 
seiner  Geschichte  des  Oberlausitzer  Adels  (S.  103  f.)  eine  unerschöpf- 
liche Menge  weiterer  Belege  finden  können. 

Die  wirtschaftlichen  Schäden  zeigen  sich  in  der  üblen  Lage 
des  Geldmarktes;  die  Zahlungen  stocken,  die  Zinsen  können  nicht 
bezahlt  werden;  so  hat  Görlitz  selbst,  obwohl  die  reichste  und 
mächtigste  Stadt  des  Landes,  wiederholt  Mühe,  sich  der  unange- 
nehmen Mahnungen  und,  wenn  es  geistliche  Gläubiger  sind,  der 
drohenden  geistlichen  Strafen  zu  erwehren;  Fürsten,  der  Kaiser  selbst, 
der  Papst  und  das  Basler  Konzil  treten  zu  Gunsten  der  Stadt  ein, 
damit  sie  Gestundung  erlangt,  weil  ihre  und  ihrer  Bürger  Finanzen 
durch  die  grofsen  Aufwendungen  gegen  die  Ketzer  erschöpft  sind 
(so  z.B.  S.  409,  461,  463,  467,  47I)  477>  489»  493,  49^,  S46f.  u.  a.). 

Über  Klemigkeiten  zu  mäkeln,  erscheint  bei  einer  solchen  Arbeit 
unangemessen;  nur  ein  Punkt,  die  Wiedergabe  zweifelhafter  Buch- 
staben der  Vorlage,  sei  hier  zur  Sprache  gebracht.  Wenn  S.  468 
„senatus  Strigoniensis"  in  der  Vorlage  (noch  dazu  einer  Abschrift) 
dastehen  soll  und  darunter  der  Rat  von  Striegau  zu  verstehen  ist, 
wäre  es  bei  der  häutigen  graphischen  Gleichheit  von  u  und  n,  die 
im  14.  und  15.  Jahrhundert  oft  absolut  nicht  zu  unterscheiden  sind, 
besser,  in  den  Text  das  u  einzusetzen,  also  ,,Strigoviensis"  („Stri- 
goniensis" bezöge  sich  auf  Gran  in  Ungarn  ==  .,Strigonium"),  S.  150 
(und  832)  wäre  ebenso,  bei  der  Schwierigkeit  der  Scheidung  zwischen 
c  und  t,  in  den  Text,  da  Starzeddel  zu  verstehen  ist,  „Storcadel"' 
(nicht  ,,Scorcadel")  einzusetzen  gewesen.  —  Unter  den  undatierbaren 
Stücken  läfst  sich  Nr.  10  (S.  705)  auf  die  Zeit  bis  spätestens  2.  De- 
zember 1422  festlegen,  da  die  drei  Wettiner  (von  denen  Wilhelm  II. 
am  30.  März  1425  starb)  sich  noch  blofs  Landgrafen  von  Thüringen 
und  Markgrafen  von  Meifsen  nennen,  ohne  den  herzoglichen  Titel 
von  Sachsen,  den  sie  seit  Januar  1423  führen;  da  auch  der  als  Haupt- 
mann zu  Bautzen  genannte  Portzman  von  Gersdorf  in  diese  Zeit 
gehört  (I,  135  wird  er  zum  März  1423  genannt)  und  der  Friede,  der 
als  gebrochen  bezeichnet  wird,  jedenfalls  der  vom  22.  Juli  1421  ist 
(s.  I  55!.),  so  bleiben  als  Daten  des  Briefes  Nr.  10  nur  der  26.  No- 
vember 1421  oder  der  2.  Dezember  1422  übrig. 

Das  Register,  das  5.  Heft  von  104  Seiten  bildend  und  den 
L  und  II.  Band  des  Codex  umfassend,  mit  seiner  Fülle  von  Orts- 
und Personennamen,  war  eine  grofse  und  schwierige  Arbeit; 
E.  A.  Seeliger  hat  sie  in  lleiisiger  und  sorgsamer  Weise  ausgeführt. 
Wenn  unter  den  Vorbemerkungen  gesagt  ist,  die  Sechsstädte  als 
Ausgangspunkte  und  Ziele  einfacher  Botengänge  seien  nicht  re- 
gistriert, so  erscheint  dies  zunächst  als  mangelhaft;  sieht  man  aber 
näher  zu,  so  begreift  und  billigt  man  diese  Beschränkung:  umfafst 


Literatur.  I  c;  i 

doch  z.  B.  Zittau  ganze  zwei  doppelspaltio;e  Seiten  lediglich  voller 
Zahlen  fnach  oberflächlicher  Zählung  etwa  iioo  Zitate!),  Bautzen  und 
Löbau  je  fast  i  ^  ,  Seiten,  Görlitz  volle  7  Seiten. 

Dieser  II.  Band  des  Urkundenbuchs  ist  ein  Werk,  für  das  der 
Oberlausitzischen  Gesellschaft  der  Wissenschaften,  dem  Herausgeber 
und  dem  Registerbearbeiter  nicht  nur  die  Geschichtsforschung  der 
Oberlausitz  den  wärmsten  Dank  schuldet,  sondern  in  vollem  Mafse 
auch  die  Historiker  sämtlicher  vier  Nachbarlande  Meifsen- Sachsen, 
Niederlausitz,  Schlesien  und  Böhmen.  Jechts  zwei  Codexbände 
bringen  im  Bunde  mit  Grünhagens  Geschichtsquellen  der  Hussiten- 
kriege (Script,  rer.  Siles.  VI),  Palackys  Urkundlichen  Beiträgen  zur 
Geschichte  des  Hussitenkrieges  und  Höflers  Geschichtsschreibern 
der  hussitischen  Bewegung  (wozu  noch  einzelnes  in  den  Script,  rer. 
Lusat.  und  den  Deutschen  Reichstagsakten  kommt)  das  überhaupt 
noch  vorhandene  Ouellenmaterial  für  diese  zwei  Jahrzehnte  in  solcher 
Vollständigkeit,  wie  es  im  östlichen  Mitteldeutschland  für  keinen 
andern  Zeitabschnitt  sonst  der  Fall  ist  Die  einzige  gröfsere,  noch 
ausstehende  Bereicherung  dürfte  nur  noch  aus  der  Niederlausitz  zu 
erwarten  sein,  wo  für  diese  Zeit  aufser  den  Urkunden  auch  Lübbener 
Stadtrechnungen  vorliegen,  die  im  Urkundenbuch  der  Stadt  Lübben 
mit  herausgegeben  werden  sollen. 

Dresden.  W.  Lippert. 

Diploinatarinni  Joachimsteineiise.  Die  Urkunden  der  zur  Herrschaft 
des  freien  weltadeligen  evangelischen  Fräuleinstifts  Joachimstein 
gehörigen  Rittergüter  Radmeritz,  Niecha,  Markersdorf,  Nieder- 
Linda,  Tauchritz,  Maltitz  mit  Tettichen,  Küpper,  sowie  des  Ritter- 
gutes Nieder-Leuba  in  Regesten  bearbeitet  und  mit  einer  Geschichte 
der  älteren  Ortsherrschaften  von  Radmeritz  und  des  Stiftes  ein- 
geleitet von  Pastor  Richard  Döhler.  Erweiterte  Sonderausgabe 
aus  dem  Neuen  Lausitzischen  Magazin  LXXXI.  Görlitz, 
H.  Tzschaschel.  1905.  222  SS.  (i  —  192,  1^2^  —  ^,  193  —  217.)  8". 
Mit  I  Abbildungstafel. 

Ganz  anderer  Art  als  die  oben  besprochene  Publikation  Jechts 
ist  die  Döhlers.  Zunächst  ist  man  bei  dem  Titel  überrascht,  dafs 
ein  Urkundenbuch  eines  Stiftes  gegeben  werden  soll,  das  erst  im 
18.  Jahrhundert  gegründet  worden  ist.  Das  Bedenken  wird  aber  bei 
näherer  Berücksichtigung  des  Inhalts  beseitigt,  wie  ihn  schon  der 
sehr  ausführliche,  etwas  an  die  Titelungeheuer  des  17.  und  18.  Jahr- 
hunderts gemahnende  Untertitel  zum  Ausdruck  bringt.  Es  handelt 
sich  nicht  um  das  Urkundenbuch  des  Fräuleinstiftes  im  engeren 
Sinne,  sondern  um  die  LTrkundensammlun^  des  Stiftsortes  Radmeritz 
selbst  und  aller  zur  Stiftsherrschaft  gehörigen  Güter,  und  zwar  geht 
Döhler  hierbei  bis  zu  den  ältesten  Zeiten  zurück.  Aus  seiner  früheren 
Arbeit  über  Marienthal  (Diplomatarium  Vallis  S.  Mariae,  besprochen 
von  Knothe  in  dieser  Zeitschrift  XXIII,  346  f.)  ist  schon  die  Sorgfalt 
Vjekannt,  mit  der  er  arbeitet,  wobei  er  sich  in  anerkennenswerter 
Weise  auch  in  den  historischen  Neben-  und  Hilfsdisziplinen  ge- 
nügend umgetan  hat,  um  auch  sie  bei  seinen  Arbeiten  mit  berück- 
sichtigen zu  können. 

Den  Regesten  ist  eine  eingehende  Geschichte  der  Ortsherr- 
schaften von  Radmeritz  vorausgeschickt,  die  aber  auch  das  wesent- 
lichste der  Geschichte  des  Ortes  selbst  mit  bietet,  sowie  seit  dem 
Jahre    1722    die    äufsere    Geschichte   des   Stiftes  Joachimstein,   das 


152 


Literatur. 


Gründung,  Dotierung  und  Namen  dem  kursächsischen  Kammerherrn 
Joachim  Sigismund  von  Ziegler  und  Klipphausen  verdankt.  Den 
aarstellende'n  Teil  schliefsen  Listen  der  Stiftsverweser,  Stiftshof- 
meisterinnen und  Stiftsdamen  von  1728—1905.  Die  Regesten  reichen 
von  1380— 1843;  sie  sind  so  genau  und  ausführlich,  dafs  sie  in  der 
Tat  den  vollen  Textdruck  überflüssig  machen,  zumal  stets  die  Orts- 
und Personennamen,  der  ganze  Schlufsabschnitt  mit  den  Zeugen-, 
Besiegelungs-  und  Datierungsangaben  und  aufserdem  auch  aus  dem 
Texte  selbst  bemerkenswerte  Worte  oder  Sätze  in  der  originalen 
Fassung  gegeben  sind.  Ein  aufserordentlicher  Fleifs  steckt  in  den 
Anmerkungen,  in  die  manchmal  so  viel  urkundliches  Material  hinein- 
gearbeitet ist,  um  einen  ganzen  lokalgeschichtiichen  Aufsatz  daraus 
zu  machen.  Noch  mehr  gilt  dies  für  die  Exkurse  über  die  einzelnen 
Ortschaften,  die  sich  zu  einer  in  knappster  Form  gegebenen  Zu- 
sammenstellung des  Quellenstoffes  über  den  Gegenstand  ausgestalten, 
so  für  Tauchritz  (S.  65^,  86f.,  gof.,  173!),  Lomnitz  (78f.),  Xiecha 
(81  f.),  Bora  und  Trattlau  (97!),  Linda  (io3f.),  Küpper  (iiof.),  .Markers- 
dorf(i44f.),  Maltitz  mit  Tettichen  und  Thräna  (183!).  Die  Übersicht 
der  handschriftlichen  Quellen  zeigt,  welche  Fülle  von  Material  dem 
Verfasser  durch  die  Hände  gegangen  ist;  neben  dem  Stiftsarchiv 
Joachimstein  selbst,  dem  Hauptstaatsarchiv  Dresden,  dem  Görlitzer 
Ratsarchiv,  der  Milichschen  Bibliothek,  der  Bibliothek  und  dem 
Archiv  der  Oberlausitzischen  Gesellschaft  zu  Görlitz  sind  es  noch 
zahlreiche  Pfarr-,  Gemeinde-  und  Gutsarchive  und  andere  Samm- 
lungen, die  Ausbeute  lieferten.  Daran  schliefst  sich  (wenigstens  in 
der  Sonderausgabe,  im  Magazin  fehlt  dieser  Abschnitt)  die  Auf- 
zählung der  Literatur,  die  mir  aber  einerseits  etwas  zu  weit  ge- 
steckte Grenzen  zu  haben  scheint,  denn  manche  Schriften,  die  ein 
einziges  Mal  benutzt  sind,  genügte  es,  an  ihrem  Orte  zu  zitieren, 
andrerseits  —  falls  eine  vollständige  Bibliographie  geboten  werden 
sollte  —  teilweise  zu  knapp  gefafst  ist,  da  die  Buchtitel  oft  verkürzt 
werden,  die  Druckorte  mehrfach  weggelassen  sind  u.  dergl.  Das 
Register  der  Orts-  und  Personennamen,  das  bei  der  Masse  von 
Namen  keine  leichte  Arbeit  war,  hat  Pastor  W.  Krüner  in  Küpper 
in  befriedigender  Weise  gefertigt. 

Bekanntlich  soll  der  Codex  diplomaticus  Saxoniae  regiae  einen 
dritten  Hauptteil  erhalten  mit  der  Urkundensammlung  für  die  kleinen 
Städte,  die  Dörfer  und  Geschlechter.  Wann  dieser  Teil  ins  Leben 
treten  wird,  ist  unsicher;  einzelne  in  seinen  Bereich  fallende  Auf- 
gaben sind  ihm  bereits  abgenommen  worden,  so  das  Lehnbuch 
Friedrichs  des  Strengen,  das  gut  als  allgemeiner  Einleitungsband 
dieser  Serie  gepafst  hätte;  aber  auch  solche  sorgsame,  genügend 
ausführliche  Zusammenstellungen  des  urkundlichen  Materials,  wie  sie 
für  die  oben  genannten  Orte  Döhler  bringt,  sind  recht  wohl  ge- 
eignet, als  Ersatz  für  die  ausstehenden  Dorfurkundenbücher  des 
dritten  Hauptteils  des  Codex  zu  dienen. 

Dresden.  W.  Lippert. 

Die  Bargen  und  vorgeschichtlichen  »ohnstätten  der  Sächsischen 
Schweiz.  Im  Auftrage  des  Gebirgsvereins  für  die  Sächsische 
Schweiz  herausgegeben  von  Dr.  Alfred  Meiche.  Mit  79  originalen 
oder  seltenen  Bildern,  Grundrifszeichnungen  und  Karten.  Dresden, 
Wilhelm  Baensch,  Verlagshandlung.    1907.    XII,  350  SS.    8". 

Die  grofsen  Verdienste,  die  sich  der  Gebirgsverein  für  die  Säch- 
sische Schweiz  seit  seiner  Begründung   im  Jahre  1877   um  die  Er- 


Literatur.  153 

schliefsung  seines  Gebiets  für  die  Naturfreunde  von  nah  und  fern 
erworben  hat,  hegen  vor  aller  Augen.  Weniger  bekannt  ist  es,  dafs 
er  sich  von  vornherein  auch  die  wissenschaftliche  und  namentlich 
die  geschichtliche  Erforschung  des  Eibsandsteingebirges  zur  Aufgabe 
gemacht  hat.  Altmeister  Rüge,  der  als  Geograph  und  Geschichts- 
forscher gleich  bedeutende  einstige  Leiter  des  Vereins,  hat  in  den 
Jahren  1882,  1885  und  1887  Jahrbücher  herausgegeben,  die  eine  Reihe 
vortrefflicher  Aufsätze  zur  Geschichte  der  Sächsischen  Schweiz  ent- 
hielten. Seitdem  war  es  nur  das  Organ  des  Vereins,  die  Monats- 
schrift „Über  Berg  und  Tal",  die  gelegentlich  kleinere  historische 
Beiträge  brachte,  unter  denen  man  neben  Minderwertigem  doch  auch 
manches  recht  Brauchbare  findet,  namentlich  in  den  letzten  Jahr- 
gängen, seitdem  A.Meiche  die  Redaktion  übernommen  hat.  Dr.Meiche, 
der  derzeitige  Vorsitzende  des  Vereins,  ist  es  wohl  auch,  dem  die 
Anregung  zum  vorliegenden  Werke  in  erster  Linie  zu  danken  ist. 
In  Verbindung  mit  einer  Anzahl  von  Mitgliedern  und  Freunden  des 
Vereins,  die  teilweise  längst  sich  als  Kenner  und  Forscher  auf  diesem 
Spezialgebiete  bewährt  haben,  hat  er  in  verhältnismäfsig  kurzer  Zeit 
ein  Werk  zu  stände  gebracht,  auf  das  der  Verem  stolz  sein  kann 
und  das  auch  über  seine  Kreise  hinaus  hochwillkommen  zu  heifsen 
ist,  weil  es  eine  empfindliche  Lücke  unserer  landesgeschichtlichen 
Literatur  ausfüllt  oder  richtiger  auszufüllen  anfängt:  denn  wir  würden 
uns  besondes  freuen,  wenn  das  Werk  der  Vorläufer  würde  einer 
Geschichte  der  sächsischen  Burgen,  die  wir  oft  schmerzlich  vermifst 
haben;  das  unkritische  Buch  von  C.  von  Metzsch  kann  nicht  dafür 
gelten!  Zu  einem  solchen  Werk  müfsten  sich  Historiker  und  Archi- 
tekten verbinden.  In  dem  vorliegenden  Buche  steht  die  geschicht- 
liche Forschung  allerdings  im  Vordergrunde,  und  das  ist  begreif  lieh, 
da  der  gröfsere  Teil  der  hier  zu  behandelnden  Burgen  nur  so  geringe 
Reste  aufzuweisen  hat,  dafs  der  Architekt  nicht  viel  damit  anfangen 
kann,  wenn  man  nicht  etwa  den  vom  Herausgeber  empfohlenen  kührien 
Versuch  wagen  will,  an  der  Hand  der  aufgefundenen  Spuren  eine 
dieser  zumeist  wohl  aus  Holz  ausgeführten  Burgen  wieder  aufzu- 
bauen —  ein  Versuch,  dessen  Gelingen  immerhin  recht  zweifelhaft 
ist.  Wo  die  besprochenen  Burgen  heute  noch  stehen,  bieten  sie  dem 
Beschauer  ein  vom  ursprünglichen  so  wesentlich  verschiedenes  Bild, 
dafs  es  schwer  ist,  Rückschlüsse  auf  den  einstigen  Zustand  zu  machen ; 
doch  haben  in  diesen  Fällen  die  Bearbeiter  auch  die  Baugeschichte 
behandelt,  soweit  es  die  Quellen  gestatten,  und  zu  den  Ausführungen 
Steches  im  ersten  (und  darum  unvollkommensten)  Hefte  der  Be- 
schreibenden Darstellung  der  Bau-  und  Kunstdenkmäler  Sachsens 
manchen  Nachtrag  gebracht.  Aber  in  erster  Linie  haben  sie  sich 
doch  weniger  die  Baugeschichte,  als  die  eigentliche  Geschichte  der 
Burgen  und  ihrer  Besitzer  zur  Aufgabe  gemacht,  und  diese  Aufgabe 
haben  sie  in  erfreulicher  Weise  gelöst;  vor  allem  ist  anzuerkennen, 
dafs  sie  sich  durchweg  auf  den  zuverlässigen  Boden  archivalischer 
Forschung  gestellt  haben  und  nur  selten  ein  Mifsverständnis  verrät, 
dafs  einer  oder  andere  auf  diesem  Boden  sich  nicht  ganz  sicher 
fühlt.  Das  Werk  gibt  über  die  nächsten  Zwecke  hinaus  die  wert- 
vollsten Aufschlüsse  über  die  der  Forschung  noch  so  bedürftige  Ge- 
schichte unseres  späteren  Mittelalters.  Denn  wenn  uns  auch  Ludwig 
Schmidt  in  seinem  mit  erschöpfender  Kenntnis  der  Literatur  ge- 
schriebenen, einleitenden  Aufsatze,  „Zur  Geschichte  der  Sächsischen 
Schweiz"  bis  ins  10.  Jahrhundert  führt,  ja  Joh.  Deichmüller  auf  dem 
Pfaftenstein  eine  vorgeschichtliche  Anlage  schildert,  die  noch  zwti 


je  4.  Literatur. 

Jahrtausende  älter  sein  mag,  so  läfst  sich  die  beglaubigte  Geschichte 
"der  meisten  unserer  Burgen  doch  nicht  viel  über  das  14.  Jahrhundert 
zurück  verfolgen;  nur  wenige  ältere  Nachrichten  haben  die  fleiisigen 
Bearbeiter  der  Burg  Stolpen  (O.  Mörtzsch),  des  mit  dem  Felskegel, 
auf  dem  es  einst  stand,  verschwundenen  Schlosses  Liebethal  (Georg 
Pilk),  der  Feste  Dohna  (G.Schlauch),  deren  Grundrifs  erst   neuer- 
dings durch  Ausgrabungen  klargestellt  werden  konnte,  beizubringen 
vermocht;  ob  die  ältesten  Reste  der  Burg  Weesenstein  (V.  Hantzsch) 
wirklich  ins  10.  Jahrhundert  zu  setzen  sind,  scheint  mir  sehr  zweifel- 
haft,  weil  die  Technik  des  Steinbaues  in__unsern  Gegenden  damals 
wohl  noch  sehr  wenig  entwickelt  war.     Über  den  Sonnenstein  hat 
0.  Speck,  der  bewährte  Kenner  der  Geschichte  Pirnas,  eine  lesens- 
werte Skizze  geliefert,  die  seine  Schicksale  bis  zu  Ende  des  17.  Jahr- 
hunderts verfolgt,  während  G.  Pilk  den  Königstein  nur  bis  zur  Ver- 
wandlung  der  "Burg   in    eine  Festung   (1589)    behandelt.     Mit    dem 
Lilienstem,  den  ebenfalls  Pilk  bearbeitet  hat,  beginnt  die  Reihe  jener 
Bergschlösser,    deren  Spuren   heute   mehr  oder  weniger   verwischt 
sind,  so  dafs,  da  auch  die  urkundlichen  Quellen  sehr  dürftig  fliefsen, 
es   der  eingehendsten   Lokalforschung  bedurfte,   um   auch  nur  ihre 
Namen  und  ihre  Stätten  festzustellen.    Nur  Lohmen  (Beruh.  Störzner) 
und    Hohnstein    (Alwin  Bergmann)  bestehen  noch  heute  und  haben 
eine  bis  zur  Gegenwart  reichende  Cieschichte,  und  von  Wehlen  und 
Käthen  sind  wenigstens  einigermafsen  umfangreiche  Reste  vorhanden; 
gerade  diese  beiden  Burgen  haben  in  Meiche  und  Dr.  med.  Herbert 
Beschorner  besonders  fleifsige  und  gewissenhafte  Bearbeiter  gefunden. 
Einen  eigenen  Reiz  aber  bieten  der  Forschung  jene  Felsennester  der 
I  lerrschafttn    Hohnstein    und  Wildenstein,  die  fast  völlig  vom  Erd- 
boden verschwunden  sind;  für  sie  vor  allen  hat  das  vorliegende  Werk 
eine  epochemachende  Bedeutung  und  hier  hegt  das  besondere  Ver- 
dienst des  Herausgebers,  der  durch  die  bis  ins  Einzelne  gehenden  topo- 
graphischen Forschungen  die  unzulängliche  archivalische  Überliefe- 
rung verständUch  machte  und  ergänzte.     Er  gibt  uns  zunächst  eine 
Übersicht  über  die  sogenannten  „Raubschlösser"  jener  Gegend,  der 
eine    trelTliche  Wegekarte   und    die    erst   neuerdings   aufgefundene 
(")dersche   Karte  der  Sächsischen  Schweiz   beigegeben  ist,  und  be- 
handelt dann  die  Burgstätten  um  den  Hohnstein  (Hockstein,  Warten- 
berg,  Mühlberg,  Frindsberg,  Schwarzberg  =Gofsdorfer  Ruine,  Schön- 
berg =  Schandauer  Schlolsberg)  und  die  meisten  der  Burgstätten  um 
den  Wildenstein  (Frienslein  =  vorderes  Raubschlofs,  Reischenstein, 
Falkenstein,   Rabenstein  =  Lorenzstein,   Heienberg,   Ral)enberg  = 
Rauraberg,   den   aufserordentlich  interessanten  Anibtein,   den  Neid- 
berg =  Sebnitzer  Schlofsberg).    Der  Wildenstein  selbst,  dessen  alter 
guter  Name  hoffentlich  bald"  den  Spottnamen  Kuhstall   verdrängen 
wird,  hat  Hans  Beschorner   zum  Gegenstande   einer    scharfsinnigen 
Untersuchuns:   gemacht,  während    den  Winterstein    (hinteres   Raub- 
schlols)  G.  Pilk  erschöpfend  behandelt.    Zahlreiche  Abbildungen  und 
namentlich  treffliche  Gnmdrisse  (nach  Aulnahmen  von  R.  Mittelbach) 
erläutern  di:se  Ausführungen,  die  für  ein  bisher  fast  unbekanntes 
Gebiet  der  sächsischen  Lokalgeschichte  zuverlässige  Grundlagen  ge- 
währen.    Olme  Zweifel  wird   die  Forschung  auf  diesen  Grundlagen 
weiter  bauen  und  noch  manches  neue  Ergelmis  liefern;  hoffentlich  legt 
davon  bald  eine  zweite  Auflage  des  Werkes  Zeugnis  ab.    P'ür  eine 
solche  würde  sich  wenigstens  die  Aulnahme  des  Kuckucksteines  em- 
pfehlen; Lauenstein  und  Bärenstein  liegen  schon  weiter  ab.    Für  die 
wissenschaftliche  Benutzung  des  Buches  würde  ferner  die  Beifügung 


Literatur. 


^55 


eines  Registers  sehr  zu  wünschen  sein;  der  Raum  dafür  Uefse 
sich  leicht  gewinnen,  wenn  die  Redaktion  den  bei  einem  Werke 
so  vieler  Mitarbeiter  unvermeidlichen  Wiederholungen  gegenüber 
den  Rotstift  walten  liefse.  —  Dem  Gebirgsverein  und  allen,  die 
ihm  bei  der  Herstellung  des  Werkes  unterstützt  haben,  dem 
Herausgeber  und  seinen  Mitarbeitern,  auch  der  Verlagshandlung, 
die  für  trelfliche  Ausstattung  gesorgt  hat,  ihnen  allen  gebührt  der 
wärraste  Dank. 

Dresden.  Er  misch. 

Gfescliichte  der  Leipziger  Wiiikelsclinleii.  Nach  archivalischen 
Quellen  bearbeitet  von  C.  F.  Eduard  Maiigner,  Oberlehrer  a.  D. 
("Schriften  des  Vereins  für  die  Geschichte  Leipzigs.  Bd.  VllL) 
Leipzig,  Ferdinand  Hirt  &  Sohn.    1906.   VIII,  232  SS.    8". 

Durch  die  Veröft'entlichung  des  vorliegenden,  von  der  Verlags- 
handlung gut  ausgestatteten  Bandes  hat  sich  der  Verein  für  die 
Geschichte  Leipzigs  ein  Verdienst  erworben.  Von  dem  sachkundigen 
Verfasser  wird  hier  eine  Fülle  neuen  Stoffes  dargeboten,  dessen 
wissenschaftliche  Verarbeitung  sich  nach  den  verschiedensten  Seiten 
fruchtbar  erweisen  wird.  Denn  das  Buch  bietet  Adel  mehr,  als  der 
Titel  in  Aussicht  stellt.  Die  Kulturgeschichte  ist  reich  vertreten. 
Von  jeher  hat  der  verbummelte  Studio,  der  es  zu  keinem  Examen 
bringt,  das  Interesse  erregt.  Hier  wird  sein  Bild  in  einer  Menge 
von  Figuren  gezeichnet.  Bei  Johann  Heinrich  Sicul  fragt  man  sich, 
in  welchem  Verhältnisse  er  zu  dem  bekannten  Herausgeber  des 
Leipziger  Adrefskalenders  bez.  Adrefsbuches  mit  der  Chronik  steht. 
Aber  viel  wichtiger  sind  die  Nachrichten,  die  über  das  Volksschul- 
wesen im  weitesten  Sinne  geboten  werden.  Auf  Grund  urafänghcher 
Studien  im  Leipziger  Ratsarchive  und  Dresdner  Hauptstaatsarchive 
werden  die  verschiedensten  Seiten  beleuchtet,  vor  allem  die  Methode 
z.  B.  im  iS.  Jahrhundert.  Peter  von  Hohenthal  in  seiner  Bedeutung 
für  die  Hebung  des  Unterrichts  tritt  auch  hier  hervor.  Seine  Günst- 
linge zeichnen  sich  durch  die  „neue  Methode"  aus  und  führen  andere 
in  sie  ein.  Religionsunterricht  spielt  die  Hauptrolle,  aber  auch  andere 
Fächer  treten  deuthch  heraus.  Für  den  Rechenunterricht  ergeben 
sich  eine  Menge  kleiner  Züge.  Im  16.  Jahrhundert  hätte  hier  noch 
Isaac  Ries,  Sohn  des  Adam  Ries,  genannt  werden  können,  der  er- 
zählt, er  habe  sich  „bei  gemeiner  Stadt  etliche  Jahr  aufgehalten  und 
die  Jugend  in  Rechnen  und  Schreiben,  soviel  mir  Gott  Gnade  ver- 
liehen, getreulich  unterwiesen  und  exerzieret".  Er  berichtet  dies 
in  der  Widmung  seines  Buches  an  den  Leipziger  Rat.  Die  Leipziger 
Stadtbibliothek  hat  es  vor  kurzem  erworben.  Der  Titel  lautet:  Ein 
newes  Nutzbar  gerechnetes  Rechenbuch  auf  allerlei  Handtierung, 
nach  dem  Centner  und  Pfundt  gewicht,  alda  der  Centner  für 
110  Pfundt  gewürdiget,  darinnen  die  Bezahlung  in  Einkauffen  und 
Verkauffen,  ohne  sondere  weitläuftige  Rechnung  gar  behend  zu 
linden:  auch  von  allerlei  Mafs,  Ellen  und  Gewichtverkauff.  Sampt 
mehr  angehängten  Tafeln  auf  die  materialische  Spezerei,  neben  Ver- 
gfleichung  etlicher  Müntz  und  Gewicht  gerichtet.  Desgleichen  eine 
Wechselrechnung  auf  Müntz  und  Geldt  etc.  .  Allen  Kaufleuten, 
Händlern,  Apoteckern,  Schossern  etc.  und  dem  gemeinen  Manne 
sehr  dienstlich  zu  gebrauchen.  Alles  mit  Fleils  auf  die  Meifsnische 
Müntz  und  Währung  gestellet  und  gerechnet  durch  Isaac  Riesen, 
Bürger  und   Visierer  zu  Leipzig,   vormals  dergestalt  in  Druck  nie 


1 


r6  Literatur. 


ausgegan2;en.  Mit  Churfürstlich  Sächsischer  Begnadung;  und  Freiheit 
in  zehen  Jahren  nicht  nachzudrucken.  Anno  1580.  Quart.  364  SS. 
—  Von  besonderem  Interesse  sind  die  Stunden-  und  Lehrpläne,  z.  B. 
S.  144 — 150,  182  — 185  und  sonst,  die  Notizen  über  die  gebrauchten 
Schulbücher,  die  Angaben  über  die  Häuser  und  Strafsen,  in  denen 
Schule  gehalten  wurde;  die  Mädchenschulen  sind  mit  vielen  Notizen 
erwähnt,  dabei  auch  Namen  der  Lehrerinnen  und  Berichte  über  die 
weiblichen  Handarbeiten.  Als  erste  urkundlich  festgestellte  Lehrerin 
Leipzigs  tritt  im  Jahre  1592  Lucia  Mihrmin  auf,  die  „nur  ettliche 
Jahr"  Schule  gehalten  hat,  vorher  aber  „be}-  Churfürst  Moritzen 
hochlöblichen  Ehegemahll,  beider  christlichen  Gedechtnufs,  bis  an 
L  Churf.  g.  seliges  absterben  gedienet  und  aufgewartet".  Dergleichen 
Miniaturbilder  linden  sich  häufig.  Auf  die  Soldatenschulen  sei  noch 
besonders  hingewiesen. 

Leipzig.  Georg  Müller. 

Das  Dresduer  Yolksschubvesen  im  18.  Jahrhundert.  Nach  den 
Quellen  des  Dresdner  Ratsarchives  bearbeitet  von  Paul  Schulze, 
Schuldirektor  in  Dresden.  Dresden,  O.  &  R.  Becker.  1906.  VIU, 
91  SS.    8«. 

Verfasser  hatte  bereits  in  der  Festgabe  für  Franz  Wilhelm 
Kockel  Löschers  Verdienste  um  das  Dresdner  Volksschulwesen  be- 
handelt (vgl.  XXn,  210  dieser  Zeitschrift).  Im  vorliegenden 
Hefte  bietet  er  weitere  Beiträge  in  einem  erweiterten  Vortrage,  den 
er  im  Verein  für  Geschichte  Dresdens  gehalten  hat.  Wertvolle  Mit- 
teilungen macht  er  über  die  äufsere  und  innere  Organisation  der 
Armenschulen,  sowie  über  die  sonstigen  Ansätze  zu  Volksschulen, 
die  von  der  Stadt,  der  Polizei,  der  Garnison  und  einzelnen  Privat- 
personen ausgehen:  Ehrlichs  Stiftung,  die  im  19.  Jahrhundert  einen 
nie  geahnten  Aufschwung  genommen  hat,  sei  besonders  erwähnt. 
Eine  Reihe  kleiner  Züge  sind  bemerkenswert,  so  die  Ausführung 
über  den  schroffen  Gegensatz,  der  zwischen  den  gesetzlichen  Be- 
stimmungen und  der  Wirklichkeit  bestand.  Die  Aufsicht  z.  B.  war 
genau  vorgeschrieben,  aber  immer  von  neuem  ertönen  die  Klagen 
über  die  Vernachlässigung  dieser  Bestimmungen.  So  hebt  Superinten- 
dent D,  Tittmann  noch  1820  hervor,  dafs  es  mehr  als  je  notwendig 
erscheine,  die  Privatschulen,  Erziehungsanstalten  und  Armenschulen 
unter  besondere  Aufsicht  zu  stellen.  Auch  für  die  finanzielle  Seite 
bringt  Verfasser  genaue  Angaben:  für  die  Löschersche  Armenschule 
zahlte  Reichsgraf  Generalfeldmarschall  Flemming  200,  General- 
leutnant Graf  von  Wackerbarth  200  Gulden,  Geheimer  Kämmerer 
Steinhäuser  100  Tlr.  u.  a.  m.  Von  den  10  Beilagen  sei  auf  den  Stun- 
denplan des  Informators  Johann  Jakob  Geilsler  aus  dem  Jahre  181 1 
aufmerksam  gemacht. 

Leipzig.  Georg  Müller. 


Literatur.  i^y 

Übersicht 

über  neuerdings  erschienene  Schriften  und  Aufsätze 

zur  sächsischen  Geschichte  und  Altertumskunde'). 

Von  Viktor  Hantzsch. 


B.,  A.  Der  protestantische  Kirchenbau  in  Sachsen  im  1 8.  Jahrhundert: 
Dresdner  Anzeiger.    1906.    Nr.  241.  S.  2  —  4;  Nr.  243.  S.  zi. 

Bail,  Arthur.  Vom  Rugegerichte.  Zur  Geschichte  einer  kleinen 
Stadt  (Penig)  im  16.  Jahrhundert:  Unsere  Heimat  VI  (1906),    i8f. 

Btam ,  Jacob  N.  Die  ersten  deutschen  Übersetzungen  englischer 
Lustspiele  im  18.  Jahrhundert.  (Theatergeschichtliche  Forschungen. 
Herausgegeben  von  Berthold  Litzmann.  XX.)  Hamburg  und 
Leipzig,  Leopold  Vofs.  1906.  X,  96  SS.  8°.  (S.  15 — 24:  Die  Leip- 
ziger Gruppe;  S.  41 — 53:  Die  Dresdener  Gruppe.) 

Jknndorf,  Faul.     Der  alte  Leipziger  Johannis -Friedhof:    Leipziger 
Kalender  IV  (1907),  149 — 162. 
„  Volkstümlicher  Humor   und    andere  Redensarten.     Leipzig   und 
Umgegend    (sächsisches    Niederland):    Mitteilungen    des  Vereins 
f.  Sachs.  Volkskunde  IV  (1906),  143  f. 

Berbig,  Georg.  Spalatin  und  sein  Verhältnis  zu  Martin  Luther  auf 
Grund  ihres  Briefwechsels  bis  zum  Jahre  1525.  (Quellen  und  Dar- 
stellungen aus  der  Geschichte  des  Reformationsjahrhunderts. 
Herausgegeben  von  Georg  Berbig.  Heft  i.)  Halle,  C.  Nietsch- 
mann.  1906.  VI,  316  SS.  8*^. 
„  Die  erste  kursäclisische  Visitation  im  Ortsland  Franken.  I.:  Archiv 
für  Reformationsgeschichte  III  (1906),  336 — 402. 

Beschorner,  Hans.    IJntergegangene  Dörfer  in  Dresdens  L'mgebung : 

Dresdner  Anzeiger.    1906.    Nr.  349.  S.  7. 
„  V.  Flurnamenbericht:    Mitteilungen    des  Vereins  f.  sächs.  Volks- 
kunde IV  (1906),  95 — 97. 

Beschorner,  Herbert.  Bericht  über  die  Ausgrabung  der  Cisterne  auf 
dem  Neurathen:  Über  Berg  und  Thal  XXIX  (1906),  80—82.  Mit 
1  Grundrifs. 

Bdtelheim,  Anton.  Eine  Charakteristik  [Gustav]  Kühnes  von  Berthold 
Auerbach:  Die  Nation  XXIV  (1906/07).    Nr.  17. 

BfcutelJ,  GfeorgJ.  Stadtmuseum  und  Stadtgeschichte:  Dresdner 
Anzeiger.    1906.    Nr.  304.  S.  li. 

Blanclcmeister  (Franz).     Alte  Leute   im  Erzgebirge:    Kalender   für 
das  Erzgebirge  und  Vogtland.    1907.   S.  45f. 
„  Schneeberger  Vogelschiefsen  in  alter  Zeit:  ebenda  S.  46—48. 

Bleibtreu,  KarJ.  Die  Völkerschlacht  bei  Leipzig.  Ein  Gedenkbuch 
zu  den  Jahrestagen  der  Völkerschlacht  bei  Leipzig  vom  16.  bis 
18.  Oktober  1813.  4.  völlig  umgearbeitete  und  vermehrte  Auflage, 
Leipzig,  Theod.  Thomas.    1907.    287  SS.    8". 


M  Vgl.  die  Übersicht  über  neuere  Erscheinungen  zur  Geschichte 
der  Oberlausitz  von  R.  Je  cht  im  Neuen  Lausitzischen  Magazin 
LXXXII  (1906),  272 — 280  und  der  Niederlausitz  (auf  1905)  in  den 
Niederlausitzer  Mitteilungen  IX  (1906),  446—454. 


i::8  Lit.ratur. 

Bhim,  Hans.  Die  Deutsche  Revolution  1848—1849.  Mit  256  authen- 
tischen Faksimilebeilagen,  Karikaturen,  Porträts  und  Illustrationen. 
Jena,  Eugen  Diederichs.  1906.  XIV,  488  SS.  S«  (S.  ijöff.:  Die 
"Märzbewegung  im  Königreich  Sachsen;  S.  393 ft'.:  Der  Maiaufstand 
in  Dresden.) 

ß(<nhoff.  Sächsische  Stifter  und  Ordensniederlassungen  einst  und 
jetzt.  Eine  geographisch -historische  Übersicht:  Sächsisches 
Kirchen-  und  Schulblatt.  1907.  Sp.  22 — 26.  38 — 41.  56 — 58.  87 — 91. 
(Forts,  folgt.) 
„  Die  Ephorie  Annaberg.  Eine  kurze  Betrachtung  ihres  Werde- 
ganges: Annaberger  Wochenblatt.    1906.    Nr.  253.  256.  259. 

V.  Böse,  Ernst.  Die  Entwicklung  des  Wappens  der  v.  Böse:  Der 
Deutsche  Herold  XXXVI  (1905),  6—9.    Mit  10  Abb. 

Briiclcner,  Edmund.  Die  Glocken  der  Oberlausitz:  Neues  Lausitzisches 
Magazin  LXXXII  (1906),  i — 222. 

V.  Brunn,  Kunz,  gen.  v.  Kauffungen.  Einige  Bemerkungen  über  den 
Zusammenhang  der  Familien  v.  Konow,  v.  Brunn  u.  v.  Kauffungen: 
Der  Deutsche  Herold  XXXVI  (1905),  135! 

Busch,  W.  Karl  Peter  Wilhelm  Maurenbrecher:  Allgemeine  Deutsche 
Biographie  LH  (1906),  244—248. 

BuscJiick,  B.,  und  Hermann  Ulbricht.  Die  Leipziger  Tieflandsbucht. 
Mit  13  Abb.,  2  Karten  im  Text,  3  Figuren,  einer  topographischen 
und  einer  orohydrographischen  Karte.  (Landschaftsbilder  aus 
dem  Königreiche  Sachsen.  Unter  Mitwirkung  bewährter  Fach- 
leute herausgegeben  von  Em"'l  Schöne."!  Meifsen,  H.W.  Schlimpert. 
1906.    93  (3)  SS.    8  0. 

Chmen,  Otto.    Die  Einführung  der  Anatomie  an  der  Leipziger  Uni- 
versität i.  J.  1519:  Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1906. 
Nr.  100. 
„  Johann  v.  Staupitz:  Realencj'klopädie  für  protestantische  Theologie 
und  Kirche •=  XVIII  (1906),  781  —  786. 

Colditz,  Hugo.  Aus  der  Geschichte  Schönburgs.  Lichtenstein,  Selbst- 
verlag,  Druck  von  Otto  Koch.    (1907.)    80  SS.    8''. 

Consentius,  Ernst.   Christlob  M3lius :  Allgemeine  Deutsche  Biographie 

LH  (1906),  545—558. 

Bähritz,  WuUer.  Die  Staatsschulden  Sachsens  in  der  Zeit  von  1763 
bis  1837.    (Leipziger  Diss.)    Leipzig,  Teubner.    1906.    157  SS.    8". 

JJeichmüUcr.  Ein  neuer  vorgeschichtlicher  Fund  auf  dem  Pfaffen- 
stein: Über  Berg  und  Thal  XXIX  (1906),  82!". 

Bibtlius,  Franz.  Nicolaus  Seinecker:  Realenc^-klopädie  für  protestan- 
tische Theologie  und  Kirche-  XVIII  (1906),  184—191. 

1) Hielt,  Wilhelm.  Federzeichnungen  kursächsischer  und  meifsnischer 
Or;schaften  aus  den  Jahren  1626 — 1629.  Herausgegeben  von 
Paul  Emil  Richter  und  Christian  Krollmann.  I-III.  Dresden, 
C.  C.  Meinhold  &  Söhne.  1907.  27  SS.  Text  und  48,  55  und  39  Taft. 
(ju.-8'>. 

JJiUner,  Konrad.  Weitere  Beiträge  zur  Heimatskunde  Pegaus. 
Herausgegeben  vom  Vorstand  des  Museums  zu  Pegau.  Nr.  X 
bis  XI:  Zur  Geschichte  der  geistlichen  Gebäude  in  Pegau.  (Mit 
I  Abb.)  —  Zur  Geschichte  der  Familien  Dürr  und  (jleser  in 
Pegau.  —  Eine  Pegauer  Erinnerung  an  Gustav  Adolf.  (Mit 
I  Abb.j  Pegau,  Druck  von  Hermann  Günther.    1906.    16,  16  SS.   8". 

JJithnann,  Charlotte.  Malerische  Ruinen  des  Sachsenlandes:  Unsere 
Heimat  VI  (1906),  16  f.,  28—31. 


Literatur. 


159 


Döring,  Oskar.  Meisterwerke  der  Kunst  aus  Sachsen  und  Thüringen. 
Gemälde,  Skulpturen,  Schnitzaltäre,  Medaillen,  Buchmalereien, 
Webereien,  Stickereien,  Goldschmiedekunst.  Herausgegeben  von 
Oskar  Doering  und  Georg  Vofs  unter  ]\Iitwirkung  hervorragender 
Fachgelehrten.  Redaktion:  Oskar  Doering.  (Neue  Ausgabe.) 
Magdeburg,  E.  Baensch  jun.    1906.    118  SS.  Text  und  128  Taff.  fol. 

(Ebert.)  Chronik  der  Privil.  Schützengilde  zu  Wehlen  a.  d.  Elbe. 
Pirna,  Druck  von  K.  P.Simon.    1906.    31  SS.    8^ 

Ehses,  Stephan.  Kardinal  Lorenzo  Campegio  auf  dem  Reichstage 
von  Augsburg  1530:    Römische  Ouartalschrift  XX  (1906),  54—80. 

Erinisch,  Hubert.  Aus  den  Jugendjahren  des  Dresdner  Musikdirektors 
August  Röckel:   Deutsche  Rundschau  XXXIII  (1906/07),  229—249. 

Estreicher,  Karl.  Bibliografia  Polska.  Tom  XXI.  Stölecie  XV— XVIII. 
W  ukladzie  abecadlowym.  (A.  u.  d.  T.:  Polnische  Bibliographie. 
III.  Abteilung.  Bd.  X.  "Jahrhundert  XV.  bis  XVIII.  Alphabetisch 
geordnet.  Der  ganzen  Sammlung  Band  XXL)  Krakow,  czcionkami 
drukarni  Uniwersytetu  Jagiellonskiego.    1906.    IX,  550,  IX  SS.    8*'. 

Etlig,  Franz  Otto.  Heimatkunde  von  Dresden.  Dresden,  Holze  & 
Pahl.    1907.    IV,  54  SS.    Mit  I  Plan.    8». 

Feyerabend,  L.  Ein  Einzelfund  aus  dem  Grenzgebiet  der  Oberlausitz: 
Jahreshefte  der  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte 
der  Oberlausitz  II,  \  (1906),  371 
„  Die  bemalten  Tongefäfse  der  Oberlausitz  und  ihre  Beziehungen 

zum  Süden:  ebenda  38  —  55. 
„  Die  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte  der  Ober- 
lausitz: ebenda  II,  2  (1906),  83—86. 

Fischer,  Franz  Louis.    Arbeiterschicksale  von  F.  L.  Fischer,  früherer 
Berirarbeiter  in  Zwickau  i.  S.    Berlin-Schöneberj?,  Buchverlag  der 
„Hilfe".    1906.   (IV),  141  SS.    Mit  i  Bildnis.    8".^ 

Fischer,  W.  Die  ältesten  Schulgesetze  des  Gymnasiums  zu  Plauen: 
Neue  Vogtländische  Zeitung.    1906.    Nr.  245. 

Flemming,  Paul.  Die  erste  Visitation  im  Hochstift  Merseburg  (1544  bis 
451:  Zeitschrift  des  Vereins  für  Kirchengeschichte  im  Hochstift 
Merseburg  III  (1906),  145 — 210. 

Förstemann,  Ernst  Wilhelm.  Bibliographie  der  Familie  Förstemann. 
Leipzig,  Otto  Harrassowitz.    1906.    IV,  49  SS.    8". 

Fränhel,  Ludwig.  Johannes  Minckwitz:  Allgemeine  Deutsche  Bio- 
graphie LH  (1906),  411— 416. 

Freisen,  Jose})!'.  Der  katholische  und  protestantische  Pfarrzwang  und 
seine  Aufhebung  in  Österreich  und  den  deutschen  Bundesstaaten. 
Ein  Beitrag  zur  Rechtsgeschichte  der  Toleranz.  Mit  Abilruck 
der  Staatskirch  enrechtlichen  Erlasse.  Paderborn,  Ferdinand 
Schöningh   1906.  XII,  195 SS.  8".  (S.44lf.:  Das  Königreich  Sachsen.) 

FrcnztJ,  J.  Steinzeitgefäfse  in  Burk  und  andern  Orten  in  der  Um- 
gebung von  Bautzen:  Jahreshefte  der  Gesellschaft  für  Anthro- 
pologie und  Urgeschichte  der  Oberlausitz  II,  2  (1906»,  87 f. 

Freyer.  Die  rechtliche  Stellung  der  sogenannten  evangelischen  Dom- 
kapitel Brandenburg,  Naumburg,  Zeitz,  Merseburg:  Archiv  für 
katholisches  Kirchenrecht  LXXXVII  (1907).    Heft  i.' 

Freytag,  E.  Rieh.    Gedenkbäume  in  Auerbach  i.V.:  Nachrichten  für 
Auerbach  i.  V.  X  (1906;.    Nr.  29 — 31. 
„  Zur  Ge.schichte  der  die  Stadt  Auerbach  berührenden  Eisenbahn- 
linien: ebenda  Nr.  78  f. 
„  Mitteilungen  über  den   früheren  Bergbau   bei  Auerbach.     Berg- 
ordnung für  Auerbach  1503:  ebendaXI  (1907).    Nr,  69  f. 


i6o  Literatur. 

V.  Freytag  -  Loringhoven.  Studien  nach  Clausewitz.  Neue  Folge.  I. 
Der  Herbstfeldzug  1813.  Mit  i  Skizze  im  Text  und  6  Skizzen  als 
Anlagen  (Forts.):  Viertel] ahrshefte  für  Truppenführung  und  Heeres- 
kunde III  (1906),  430 — 448.    IV  (1907),  45 — 78. 

Geili.    Steinzeitgefäfse  in  Burk  und  andern  Orten  in  der  Umgebung 
von  Bautzen:  Jahreshefte  der  Gesellschaft  für  Anthropologie  und 
Urgeschichte  der  Oberlausitz  II,  i  (1906),  i — 9. 
„  Römischer  Urnenfund  von  Nimschütz  bei  Bautzen:   ebenda  II,  2 
(1906),  118  f. 

Gensei,  Julius.  Im  Dienste  des  Gemeinwohls.  Gesammelte  Vorträge. 
Mit  4  Abb.  Leipzig,  J.  C.  Hinrichs.  1905.  (II),  252  SS.  8<».  (S.  228 
bis  251:  Leipzig  um  das  Jahr  1835.) 

Georgi,  Otto.  Der  sächsische  Entwurf  eines  Wassergesetzes.  Ein 
Beitrag  zu  seiner  Beurteilung.  Leipzig,  Duncker  &  Humblot. 
1907.    (II),  142  SS.    8«. 

Gerhardt,  L.  Die  erste  Jahresfeier  der  Völkerschlacht:  Der  Leipziger. 
1906.    Nr.  4.  S.  3—6.    Mit  2  Abb. 

Germanicus.  Pohtische  Briefe  aus  Sachsen,  i  —  4:  Die  Grenzboten 
LXVI  (1907).    Nr.  2.  4. 

Goehel.  Zwei  Ritter  der  Ehrenlegion.  [Major  Probsthayn  und  Haupt- 
mann Bernhardt.]  Ein  Beitrag  zur  Geschichte  der  Reitenden 
Abteilung  i.  Königl.  Sachs.  Feldartillerie-Regiments  Nr.  12.  Rade- 
berg, Theodor  Pfeil.    1906.    IS  SS.    Mit  3Taff.    8». 

Götze,  Alfred.  Von  der  rechten  Erhebung  Bennonis  ein  Sendbrief 
(1524).  Herausgegeben  von  A.  G.:  Flugschriften  aus  den  ersten 
Jahren  der  Reformation.  Halle,  Rudolf  Haupt.  1906.  Bd.  I.  Hefts. 
S.  i8s— 209. 

Grisehach,  August.  Das  deutsche  Rathaus  der  Renaissance.  Berlin, 
Edmund  Meyer.  1907.  XII,  212  SS.  Mit  Abb.  8^.  (S.  8s  ff.:  Ober- 
sachsen.) 

Groll,  E.  Das  Kurfürstlich  Sächsische  Infanterie -Regiment  „Prinz 
Maximilian",  Stammregiment  Nr.  10s,  in  der  Schlacht  bei  Jena: 
Der  Kamerad  XLIV  (1906).    Nr.  39.  S.  2  f. 

GrIiUidt,  Max.  Rede  zur  Feier  des  7sjährigen  Bestehens  der  Anstalt 
am  I.November  1900:  Bericht  des  Freiherrlich  v.  Fletcherschen 
Seminars  zu  Dresden -Neustadt  über  die  Zeit  von  Ostern  1898 
bis  1906.    S.  57 — 87. 

Grünberg,  Paul.  Philipp  Jakob  Spener.  Band  III:  Spener  im  Urteil 
der  Nachwelt  und  seine  Einwirkung  auf  die  Folgezeit.  —  Spener- 
Bibliographie.  —  Nachträge  und  Register.  Göttingen,  Vanden- 
hoeck  &  Ruprecht.    1906.   VIII,  447  SS.    8". 

(Grüner,  0.)  Dresdens  neueste  protestantische  Kirchen.  Den  Besuchern 
des  II.  Tags  für  protestantischen  Kirchenbau  im  September  1906 
gewidmet  vom  Ausschuis  für  Führungen.  Dresden,  Gerhard 
Kühtmann.    1906.    16  SS.    Mit  Abb.    8". 

Gidulel,  Alexander.  Die  Gebildbrote  der  Weihnachtszeit  im  König- 
reich Sachsen:  Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.  1906. 
Nr.  loi. 

B.    Vor  hundert  Jahren:  ebenda  Nr.  90 f. 

(Haarhaus,  Julius  li.)  C.  F.  Amelangs  Verlag  Leipzig  1806  —  1906. 
Ein  Krinnerungsblatt  für  unsere  1^'reunde.  (Leipzig,  C.  F.  Amelang. 
1906.)    48  SS.    Mit  Bildnissen.    8». 

Mach,  Arno.  Künstlerische  Grabdenkmäler  (in  Leipzig):  Der  Leip- 
ziger.   1906.    Nr.  10.  S.  3—5.    Mit  Abb. 


Literatur.  1 6 1 

TTantzsch,  Viktor.     Christian  Gottlob  Immanuel  Lorenz    (Geschicht- 
schreiber Grimmas):   Allgemeine  Deutsche  Biographie  LH  (1906), 
78  —  80. 
„  Bernhard  von  Miltitz:  ebenda  410  f. 
„  Andreas  Möller,  Freiberger  Chronist:  ebenda  440—443. 
„  Giovanni  Maria  Nosseni:  ebenda  659 — 663. 

(Käntzschch)  Kriegs-Unruhen,  welche  die  Stadt  Neustadt  und  Um- 
gegend betroffen  (Forts.):  Kirchliche  Nachrichten  für  1906  aus 
der  Parochie  Neustadt  i.  S.    14.  Bericht.    S.  22 — 41. 

Hüntzschel ,  G.  E.  Der  Kalenderhandel  in  Sachsen:  Jahrbuch  für 
Gesetzgebung,  Verwaltung  und  Volkswirtschaft  im  Deutschen 
Reich  XXX  (1906).    Heft  4. 

llarig.  Die  Industriestadt  Meerane  i.  S.  in  Wort  und  Bild.   Chemnitz, 

A.Jülich.    1906.    92  SS.    8". 
„  Schlofs  vmd  Stadt  Augustusburg.    Mit  12  Jllustrationen.    2.  über- 
arbeitete,  verbesserte   und    erweiterte    Auflage.     Augustusburg, 
Paul  Neubert.   (1907.)    24  SS.    8°. 

IlartmaiuifJ.  Theodor  Körner  und  Wilhelm  Faber  du  Faur:  Euphorion 
XIII  (1906),    Heft  3. 

Härtung,  Heinrich.  Denkschrift  zur  Feier  des  hundertjährigen  Be- 
stehens des  Königlichen  Steinkohlen werks  Zauckerode.  Mit  2  Tafl. 
und  1  Grubenrifsskizze:  Jahrbuch  für  das  Berg-  und  Hüttenwesen 
im  Königreiche  Sachsen.  Jahrgang  1906.    S.  A3— A128. 

Ileclccr,  0.  A.  Karls  V.  Plan  zur  Gründung  eines  Reichsbundes. 
Ursprung  und  erste  Versuche  bis  zum  Ausgange  des  Ulmer 
Tages  (i  547).  (Leipziger  Historische  Abhandlungen,  herausgegeben 
von  E.  Brandenburg,  G.  Seeliger,  U.  Wilcken.  Heft  i.)  Leipzig, 
Quelle  &  Meyer.    1906.    IX,  loi  SS.    8». 

Ih'iimann,  M.  Zur  Literatur  des  Krieges  1866:  Beilage  zur  Allgemeinen 
Zeitung.    1907.    Nr.  10. 

Hdhig.  Die  Steinkreuze  im  Königreiche  Sachsen  als  Grenzzeichen : 
Mitteilungen  des  Vereins  f.  sächs.  Volkskunde  IV  (1906),  120  bis 
131.    Mit  Abb. 

Hdmrich,  Bichard.  Geschichte  der  Bäcker-Innung  zu  Plauen.  Plauen, 
Rudolf  Kell.    1906.    55  SS.    8». 

(Herrmann,  B..)  Ein  sächsisches  Seminar  vor  40  und  mehr  Jahren. 
Von  einem  seiner  alten  Schüler:  Sächsische  Schulzeitung.  1906. 
S.  629  —  631.  656f.  672f.  689 — 691.  703 — 705.  719 — 721. 

Ilerschel.  Wolfsdenkmäler  in  der  Umgebung  Dresdens:  Über  Berg 
und  Thal  XXX  (1907),  122 f.    Mit  3  Abb. 

Ifeubner,  Faul.  Leipziger  Einkommensverhältnisse:  Leipziger  Ka- 
lender IV  (1907),  179—192. 

Hiecke,  Johannes.  Statuten  und  Gesetze  der  Lausitzer  Prediger- 
Gesellschaft  von  1791 — 1806.  Aus  den  Urkunden  des  Gesellschafts- 
archivs zusammengestellt  und  herausgegeben:  Jahresbericht  der 
Lausitzer  Prediger -Gesellschaft  zu  Leipzig  XXXI  (1906),  1  —  18. 

Ililliger,  Benno.    Gottsched:   Leipziger  Kalender  lY  (1907),   59—64. 

Hirsch,  Ferdinand.  Urkunden  und  Aktenstücke  zur  Geschichte  des 
Kurfürsten  Friedrich  Wilhelm  von  Brandenburg.  19.  Band:  Poli- 
tische Verhandlungen,  12.  Band.  Berlin,  Georg  Reimer.  1906. 
VII,  907  SS.    8°.    (S.  834—856:  Verhandlungen  mit  Kursachsen.) 

Höfer.  Das  Kgl.  Lehrerinnen  -  Seminar  zu  Callnberg.  Festschrift  zur 
Feier  des  50jährigen  Bestehens  der  Anstalt.  Lichtenstein,  Druck 
von  Otto  Koch  &  Wilhelm  Pester.    1906.    88  SS.    Mit  3  Taif.    8". 


162  Literatur. 

Hoffmann,  August.  Sachsens  militärisches  Verhältnis  zum  Deutschen 
Reiche:  Der  Kamerad  XLIV  (1906).    Nr.  41.    S.  lyf. 

Holstein,  Paul.  Vom  alten  Matthäikirchhof  (in  Leipzig):  Leipziger 
Kalender  IV  (1907),  257—262. 

Holz,  Georg.  Die  Franzosenzeit  in  Sachsen  und  Leipzig.  IL  1 807  : 
ebenda  35—43. 

Houigsheim,  Paul.  Der  ,,limes  Sorabicus":  Zeitschrift  des  Vereins 
für  Thüringische  Geschichte  und  Altertumskunde  XXIV  =  N.  F. 
XVI  (1906),  303  —  322. 

Hopf,  Wilhelm.  Die  deutsche  Krisis  des  Jahres  1866  mit  einem 
Anhang:  Die  sogenannte  Braunschweigische  Frage,  vorgeführt 
in  Aktenstücken,  Aufzeichnungen  und  quellenmälsigen  Darstel- 
lungen. 3.,  durchgesehene  und  vermehrte  Auflage.  Hannover, 
Heinr.  Feesche.    1906.    XXII,  616  SS.    80. 

Houben,  H.  H.  Gustav  Kühne.  Zu  seinem  hundertsten  Geburtstage: 
Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.  1906.  Nr.  loi:  Dresdner 
Anzeiger.    1906.    Nr.  356.    S.  3! 

Iliihle,  Emil.  Heinrich  von  Treit<chke  und  sein  Geburtshaus.  Dresden, 
Druck  von  R.  Lincke     (1906.)    32  SS.    Mit  2  Abb.    8". 

Hammel.  Das  Leipziger  Volksschulwesen  älterer  Zeit  im  Urteile 
auswärtiger   Schulmänner:    Leipziger  Lehrerzeitung   XIII  (1906), 

745- 
Hiittig.   Die  Orts-  und  Flurnamen  der  Amtshauptmannschaft  Grofsen- 

hain     als     Quelle    für     den     heimatlichen     Geschichtsunterricht. 

Grofsenhain7  Herrraann  Starke  (C.  Plasnick.    1906.)    40  SS.    8**. 
Hug-sJcens,   Ä.     Des  Antonius   Corvinus  Schrift  an  den  sächsischen 

Adel:  Zeitschrift  des  Vereins  für  hess.  Gesch.  und  Landeskunde 

N.  F.  XXIX  (1905),  259—261. 
Jacobs,  Ed.    Hieronymus  Nopp  (Rektor  in  Schneeberg):  Allgemeine 

Deutsche  Biographie  LII  (1906),  647  —  652. 
.Jalcohi,  H.     Zum  14.  Oktober:  Unsere  Heimat  VI  (1906),  5  — 11. 
Jecfit,  Richard.    Codex  diplomaticus  Lusatiae  superioris  III,  enthaltend 

die  ältesten  Görlitzer  Ratsrechnungen  bis  1419-    Im  Auftrage  der 

Oberlausitzischen  Gesellschaft  der  "Wissenschalten  herausgegeben. 

2.  Heft,  umfassend  die  Jahre  1391  bis  1399.    Görlitz,  H.Tzschaschel 

in  Komm.    1906.    S.  185—328.    8°. 
Jentsch,  J.  A.     Der  Name  Pirna:   Über  Berg  und  Thal  XXX  (1907), 

117 — 119. 
John,  Ernst.     Aberglaube,    Sitte   und   Brauch   im   sächsischen   Erz- 
gebirge (Forts.):  Mitteilungen  des  Vereins  für  sächs.  Volkskunde  IV 

(1906),  103  —  116.  131  — 139.   (Forts,  folgt.) 
Jung,   J.     Anton  Springer:    Deutsche   Arbeit  VI   (1906/07).     Heft  i. 

S.  6— II. 
K.     Ein  Gespensterspuk  in   der  Superintendentur  zu  Glauchau  im 

Jahre  1675:    Schüaburgischer    Hauskalender    auf    das   Jahr   1907. 

S.  33—36. 
Kalkoff,  Paul.    Ablafs  und  Reliquienverehrung  an  der  Schlofskirche 

zu  Wittenberg  unter  Friedrich   dem  Weisen.     Gotha,    Friedrich 

Andreas  Perthes.    1907.    (II),  116  SS.    8". 

„  Der  Briefwechsel  zwischen  dem  Kurfürsten  Friedrich  und  Cajetän: 
Zeitschrift  für  Kirchengeschichte  XXVIl  U9o6),  323—332. 

Kutvimel,  Otto.  Vor  40  Jahren.  Erinnerungen.  Leipzig,  V.  W. 
Grunow.  1906.  44  SS.  8".  Auch  in:  Die  Grenzboten  LXV  (1906). 
Heft  45  f.  48.  50. 


Literatur.  163 

Knmpcr,  Otto.  Die  religiöse  Erziehung  der  Dissidentenkinder  im 
Königreich  Sachsen:  Fischers  Zeitschrift  für  Praxis  und  Gesetz- 
gebung der  Verwaltung  XXXI  (1906),  273 — 311. 

Karrig,  0.  Das  Sachsen-Grab  bei  Zwätzen:  Der  Patriot  XII  (1906). 
Nr.  10. 

Kmoerau,  G.   Johann  Spangenberg:  Realencyklopädie  für  protestan- 
tische Theologie  und  Kirche*'  XVIII  (1906),  563—567. 
.,  C3Tiacus  Spangenberg:  ebenda  567 — 572. 

KicUnnd,  Alexander  L.  Die  Schlacht  bei  Leipzig:  Leipziger  Ka- 
lender IV  (1907),  119 — 130. 

Klotz,  E.  Das  fragwürdige  Todtenbein  von  Leipzig.  (Satire  auf 
die  tieftraurige  Historie  vom  Leben,  Sterben  und  der  Ausgrabung 
der  Gebeine  Johann  Sebastian  Bachs.)  Herzerfrischender  Bilder- 
bogen als  ein  Denkmal  für  einen  in  Leipzig  vergessen  verfaulten 
grofsen  Künstler  deutschen  Geistes.  Leipzig,  Paul  de  Wit.  (1906.) 
20  Bll.    Mit  Abb.    8«. 

Klötzer,  Franz  Ludwig.  Heinrich  Marschners  Schul-  und  Chorzeit. 
Einladungsschrift  zu  der  am  Freitag,  den  21.  Dezember  in  der 
Aula  des  Johanneums  stattfindenden  Gedächtnisfeier.  Zittau, 
Druck  von  Richard  Menzel  Nachf.    1906.    15  SS.    8*'. 

Kold,  A.  Geschichte  und  gegenwärtiger  Stand  des  sächsischen  Fort- 
bildungsschulwesens, zugleich  ein  Vergleich  mit  dem  anderer 
deutscher  Staaten.  Ein  Rückblick  und  ein  Ausblick:  Sächsische 
Schulzeitung.     1906.     S.  640—645.  651 — 655. 

Kohut,  Adolf.  Neues  über  Christian  Gottfried  Körner:  Monatshefte 
der  Coraenius-Gesellschaft  XV  (1906),  189  —  207. 

Kölbincf,  Wilhelm  Imdioig.  Die  Geschichte  der  Verfassung  der  evan- 
gelischen Brüderunität  in  Deutschland  mit  besonderer  Berück- 
sichtigung der  kirchenrechtlichen  Verhältnisse.  Eine  Vorlesung. 
(Berichte  des  theologischen  Seminariums  der  Brüdergemeine  in 
Gnadenfeld.  Heft  VII.)  Leipzig,  Friedrich  Jansa.  1906.  VIII, 
102  SS.    80. 

Kolde,  Theodor.    Johann  Karl  Seidemann:  Realencyklopädie  für  pro- 
testantische Theologie  und  Kirche^  XVIII  (1906),  154—157. 
„  Georg  Spalatin:  ebenda  547  —  553. 

(Krauß,  F.)  Führer  für  Taucha  und  Umgegend.  Herausgegeben 
vom  Hausbesitzer -Verein  zu  Taucha.  Taucha,  Emil  Porzig  in 
Komm.  (1906.)  IV,  54  SS.  Mit  i  Karte,  i  Plan  und  vielen  Abb. 
8^.    (S.  I  — 15:  Arthur  Roisberg,  Aus  Taucha's  Vergangenheit.) 

Krebs,  Kurt.  Vor  100  Jahren.  Aufsätze  und  Urkunden  zur  Ge- 
schichte der  Kriegsjahre  1806  bis  1815.  (Mit  3  Bildern.)  Leipzig, 
G.  Kürsten.   (1906.)   XII,  243  SS.    8». 

Kretzschmar.  Das  sächsische  bergrechtliche  Kohlenabbaurecht 
(Kohlenbergbaurecht)  und  die  nichtbergrechtlichen  Abbaurechte : 
Sächsisches  Archiv  für  Rechtspflege  I  (1906),  409—414. 

Krieg,  Thilo.  General  Hermann  v.  Gersdorff.  Ein  Lebens-  und  Cha- 
rakterbild. Mit  einem  Bildnis  in  Lichtdruck.  Berlin,  Ernst 
Siegfried  Mittler  &  Sohn.    1907.    VH,  128  SS.    8". 

Krohn,  Bichard.  Schenau's  Leben  und  Wirken.  Der  Gemeinde  Grofs- 
schönau  erzählt.    Grofsschönau,  Druck  von  Hermann  Engelhardt. 
1906.    52  SS.    8«. 
„  Elias  Zeifsig,  genannt  Schenau  (Maler  aus  Grofsschönau):  Gebirgs- 
freund  XVIII  (1906),  180—186. 

Kroker,  Ernst.  Reliquien  Luthers  und  seiner  Frau  in  Leipzig:  Leipziger 
Kalender  IV  (1907),  197 — 218. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVIII.    1.2.  II 


\^A  Literatüf. 

Kynaat,  Bichard.  Von  der  Gänsefeder  zur  Schreibmaschine.  1S56. 
1.  November  1906.  Festschrift  zur  Feier  des  fünfzigjährigen  Be- 
stehens der  Firma  Eduard  Beyer  in  Chemnitz,  Chemische  Fabrik 
für  Tinten,  Klebstoffe,  Hektographenartikel  und  Schreibmaschinen- 
Bänder.    (Chemnitz  1906.)    47  SS.    Mit  Taff.  und  Abb.    4''. 

Lampel,  Joseph.  Die  drei  Grafschaften  der  karolingischen  und  der 
Ottonischen  Ostmark.  (Vorträge  und  Abhandlungen,  herausgegeben 
von  der  Leo -Gesellschaft.  Heft  28.)  Wien,  Ma5^er  &  Co.  1906. 
19  SS.    8». 

Larraß.  Zur  Beurteilung  der  Überführung  Königlich  sächsischer 
Truppen  zu  den  Verbündeten  bei  Leipzig  am  18.  Oktober  181 3. 
Nach  amtlichen  und  zuverlässigen  Quellen  bearbeitet:  Militär- 
Wochenblatt.    1906.    Nr.  10.    S.  385 — 406. 

Laube,  Heinrich.  Theaterkritiken  und  dramaturgische  Aufsätze.  Ge- 
sammelt, ausgewählt  und  mit  Einleitung  und  Anmerkungen  ver- 
sehen von  Alexander  von  Weilen,  ßd.  I— II.  (Schriften  der 
Gesellschaft  für  Theatergeschichte  Bd.  VII— VIII.)  Berlin,  Selbst- 
verlag der  Gesellschaft  für  Theatergeschichte.  1906.  LI,  480  SS. 
Mit  Bildnissen.  8".  (Darin  I,  5  —  74:  Über  das  Leipziger  Theater; 
II,  308  —  316:  Gutzkow,  Kühne,  Marggraf;  410—417:  Die  Devrients; 
417—427:  Eduard  Devrient.) 

Lazius,  Wolfgang.  Karten  der  österreichischen  Lande  und  des 
Königreichs  Ungarn  aus  den  Jahren  1545  —  1563.  Herausgegeben 
von  Eugen  Oberhummer  und  Franz  R.  von  Wieser.  Innsbruck, 
Wagner.  1906.  55  SS.  Text  und  20  Taff.  (Darin  S.  16:  Karte  des 
schmalkaldischen  Kriegsschauplatzes.) 

Lee,  Heinrich.  Deutsche  Städtebilder  aus  dem  Anfange  des  20.  Jahr- 
hunderts. Berhn,  Carl  Duncker.  (1906,)  VII,  496  SS.  S*^.  (S.  6ift.: 
Chemnitz,  95!?.:  Dresden,  i64ff.:  Freiberg,  271  ff.:  Leipzig,  3151!.: 
Meifsen,  400  ff. :  Schneeberg.) 

Lehmann.  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  Ernst  Förstemann  7.  Mit  Abb.: 
Globus  XC  (1906).    Nr.  22. 

Leipoldt,  Johannes.  Sachsens  Mitarbeit  am  Werke  der  Heidenmission: 
Sächsisches  Kirchen-  und  Schulblatt.    1906.    Sp.  497 — 503.  513 — 520. 

Leuschke,  Alfred.  Was  erwartet  die  vaterländische  Volksschule  von 
der  Synode?  Leipzig,  J.  Klinkhardt.    1906.    57  SS.    8". 

lAehezeit,  Martin.  Jubiläumsschrift  der  Schülerwerkstätten  für  Hand- 
lertigkeitsunterricht  des  Gemeinnützigen  Vereins  zu  Dresden  1881 
bis  1906.  Herausgegeben  vom  Gemeinnützigen  Verein  zu  Dresden. 
Dresden,  O.  &  R.  Becker.    (1906.)    64  SS.    Mit  Abb.    8^ 

Licr,  B.  A.  Johann  Wilhelm  Constantin  Lipsius,  Architekt:  Allgemeine 

Deutsche  Biographie  LH  (1906),  5—7. 
„  Martin    von    Lochau,    Abt    der    Cistercienserabtei    Alten -Zelle: 

ebenda  53—55- 
,,  Johann    Christoph   Ludwig    Lücke,    Elfenbeinschnitzer:    ebenda 

113-115. 

Linglce,  A.  Zur  Geschichte  der  kursächsischen  Hoffahne:  Archiv 
für  Kulturgeschichte  IV  (1906),  435—438. 

Lohe,  Ernst.  Der  Staatshaushalt  des  Königreichs  Sachsen  in  seinen 
verfassungsrechtlichen  Beziehungen  nach  dem  Stande  der  heutigen 
Gesetzgebung  unter  Berücksichtigung  der  geschichtlichen  Ent- 
wicklung. 2.,  neubearbeitete  Auflage.  Leii)zig,  Veit  &.  Comp.  1906. 
VI,  220  SS.    8". 


Literatur.  165 

V.  Loehen,  Otto  Heinrich  Graf.  Gedichte.  Ausgewählt  und  heraus- 
gegeben von  Raimund  Pissin.  (Deutsche  Literaturdenkmale  des 
18.  und  19.  Jahrhunderts.  Nr.  135.  III.  Folge  Nr.  15.)  Berlin, 
B.  Behr.  1905.  XVII,  171  SS.  8».  (S.  VII ff.:  Biographische  Ein- 
leitung.) 

Lorenz,  Paul.  Die  Geschichte  des  Rochlitzer  Tuchmacherhandwerks. 
(Diss.)  Rochlitz,  Druck  von  B.  Pretzsch  Nachf.  (1906.)   126  SS.  8". 

Löscher, _F.  H.  's  Bornkinnl.  Noch  ein  Stück  erzgebirgischer  Weih- 
nachtsherrlichkeit. Mit  2  Abb.:  Kalender  für  das  Erzgebirge  und 
Vogtland.    1907.   (S.  50—52.) 

M.,  G.  Ein  Nörgler  über  Leipzig  1787:  Leipziger  Kalender  IV 
(1907),  169—177. 

Mangner,  C.  F.  Eduard.  Geschichte  der  Leipziger  Winkelschulen. 
Nach  archivalischen  Quellen  bearbeitet.  (Schriften  des  Vereins 
für  Geschichte  Leipzigs.  Bd.  8.)  Leipzig,  F.  Hirt  &  Sohn.  1906. 
VIII,  232  SS.    8». 

Marchand,  F.  Das  pathologische  Institut  der  Universität  Leipzig. 
Mit  I  Abb.  im  Texte  und  3  Taff.  (Arbeiten  aus  dem  patholo- 
gischen Institute  zu  Leipzig.  Herausgegeben  von  F.  Marchand. 
Heft  3.)  Leipzig,  S.  Hirzel.  1906.  64  SS.  8".  (S.  i — 11:  Zur  Ge- 
schichte der  pathologischen  Anatomie  und  des  pathologischen 
Institutes  an  der  Universität  Leipzig.) 

3Iarlcgraf,  Richard.  Das  sogenannte  Franzosengrab  bei  Leipzig- 
Connewitz:    Der  Leipziger.    1906.   Nr.  11.  S,  8.    Mit  Abb. 

Mauke,  Richard.  Aus  Heinrich  von  Kleists  Briefen  (über  Dresden): 
Über  Berg  und  Thal  XXIX  (1906),  ii3f. 

Meiche,  Alfred.  Die  Burgen  und  vorgeschichtUchen  Wohnstätten 
der  Sächsischen  Schweiz.  Im  Auftrage  des  Gebirgsvereins  für 
die  Sächsische  Schweiz  und  unter  Mitarbeit  von  Alwm  Bergmann, 
Hans  Beschorner,  Herbert  Beschorner,  Johannes  Deichmüller, 
Viktor  Hantzsch,  Otto  Mörtzsch,  Georg  Pilk,  Ludwig  Schmidt, 
Georg  Schlauch,  Oskar  Speck,  Beruh.  Störzner  herausgegeben.  Mit 
79  originalen  oder  seltenen  Bildern,  Grvmdrifszeichnungen  und 
Karten.  (Jahrbuch  IV  des  Gebirgsvereins  für  die  Sächsische 
Schweiz.)   Dresden,  Wilhelm  Baensch.    1907.    XII,  350  SS.    8**. 

Meschwitz,  Heinrich.  Geschichte  des  Königlich  Sächsischen  Kadetten- 
und  Pagen- Korps  von  dessen  Begründung  bis  zur  Gegenwart. 
Mit  14  Uniform-Tafeln,  unter  Benutzung  von  Originalen  gezeichnet 
von  Rosa  Meschwitz,  mehreren  Lichtdrucken  und  Plänen,  einem 
Quellen-  und  Biographienverzeichnis  und  9  Anlagen.  Dresden, 
Carl  Damm.    1907.    XI,  436  SS.    8**. 

?,.  Metzsch,  W.  Friedrich  August  III.,  König  von  Sachsen.  Ein  Lebens- 
bild. 2.  Auf  läge.  Berlin,  Karl  Siegismund.  1906.  VIII,  247  SS.  Mit 
Abb.    8". 

V.  Älocller,  Ernst.  Die  Elendenbrüderschaften.  Ein  Beitrag  zur  Ge- 
schichte der  Fremdenfürsorge  im  Mittelalter.  Leipzig,  J.  C.  Hin- 
richs.  1906.  (II),  176  SS.  8^.  (S.  59 ff.:  Die  Provinz  und  das  König- 
reich Sachsen.) 

Miiller,  W.  H.  Leitfaden  für  den  Unterricht  in  Verfassungs- ,  Ver- 
waltungs-  und  Gesetzeskunde  des  Königreichs  Sachsen.  Zur 
Selbstbelehrung  für  den  sächsischen  Staatsbürger  und  zum  unter- 
richtlichen Gebrauch  in  Fortbildungsschulen  und  höheren  Lehr- 
anstalten bearbeitet  und  herausgegeben.  Leipzig,  J.  M.  Gebhardt. 
1906.    VI,  162  SS.    8". 


j(5f^  Literatur. 

Moltl-e,  Sief/fried.  Leipzigs  Handelskorporationen.  (Kramerinnune, 
Handlungsdeputierte,  Handelsvorstand,  Handelsgenossenschaft, 
die  Leipziger  Kaufmannschaft  und  die  Kommunrepräsentation.) 
Versuch  der  Gründung  sächsischer  Handelskammern  im  19.  Jahr- 
hundert. Herausgegeben  von  der  Handelskammer  zu  Leipzig. 
Leipzig,  A.  Twietmeyer  in  Komm.  1907.  VIII,  249  SS.  Mit  i  Abb. 
und  8  Taff.  8». 
„  Der   Leipziger  Kaufmannstand   und   seine   Interessenvertretung: 

Leipziger  Kalender  IV  (1907),  97 — iio. 
„  Leipziger  Kanalsorgen  vor  200  Jahren:  ebenda  225—229. 

Montanus,  H.  Die  alten  Hammerwerke  im  Erzgebirge:  Kalender 
für  das  Erzgebirge  und  Vogtland.    1907.   (S.  26  —  32.)    Mit  Abb. 

Müller,  Curt.  Wiegenlieder  aus  Sachsen:  Wissenschaftliche  Beilage 
der  Lpz.  Ztg.    1906.    Nr.  89. 

Müller,  Georg.  Ernst  Julius  Meier,  Oberhofprediger:  Allgemeine 
Deutsche  Biographie  LH  (1906),  287—289. 

Müller- Brauel.  Die  Besiedelung  der  Gegend  zwischen  Elbe  und 
Weser  in  vorgeschichtlicher  Zeit:  Globus  XC  (1906).    Nr.  10. 

Müller- Fr aurcutli,  Karl.  Sächsische  Volkswörter.  Beiträge  zur 
mundartlichen  Volkskunde.  Dresden,  Wilhelm  Baensch.  1906. 
115  SS.    8«. 

Naumann,  Hermann  Das  Gräberfeld  am  Camina  bei  Königswartha : 
Jahreshefte  der  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte 
der  Oberlausitz  II,  2  (1906),  97 — 105. 

Needon,  R.     Der  Teufelsstein   bei  Pliefskowitz:  ebenda  II,  i   (1906), 
21  —  24. 
„  Der  Radisch  bei  Kleinsaubernitz:  ebenda  24 — 26. 
„  Die  Spittwitzer  Schanze:  ebenda  26—31. 

„  Der  Steinwall  auf  der  Schmoritz     Eine  frühgeschichtliche  Eisen- 
schmelzstätte: ebenda  11,2  (1906),  125— 131. 

NfeedonJ,  B.  Vorgeschichtliches  aus  der  sächsischen  Oberlausitz: 
Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1906.    Nr.  98. 

Neeßc.  Die  Wartenbergische  Fehde  (1433— 1473):  Vesperglocken. 
Unterhaltungsbeilage  zu  den  Zittauer  Nachrichten  und  Anzeiger  X 
(1907).    Nr.  39  f-        '  ,      . 

Nenlce  &  Odermaier.  Alt -Dresden  wie  es  war  und  wie  es  noch  ist. 
10  Postkarten  nach  eigenen  Kunstphotographien  in  Photochemie 
ausgeführt.    Dresden,  Nenke  &  Ostermaier.    (1906.)    10  BU.    8*^. 

Ney,  (Julius).  Reichstage  in  Speier  1526,  1529,  1542:  Realency- 
klopädie  für  protestantische  Theologie  und  Kirche*  XVIII  (1906), 
589 — 603. 

Ninck,  J.  Ludwig  Richter.  Ein  deutscher  Maler  und  Hausfreund. 
Seine  Lebensgeschichte  für  Jung  und  Alt  erzählt.  Konstanz,  Carl 
Hirsch.   (1906.)    32  SS.    Mit  Abb.    8». 

V.  der  Osten-Sacken  und  V.  lihcin,  Freiherr.  Mihtärisch- politische  Ge- 
schichte des  Befreiungskrieges  im  Jahre  1813.  Band  IIb.  Der 
Frühjahrsfeldzug.  Bautzen.  Mit  6  Gefechtsplänen,  4  Skizzen  und 
2  Übersichtskarten.    Berlin,  Vofs.    1906.    XI,  574  SS.    8", 

r.,  M.  Ernst  Robert  Osterloh,  Leipziger  Jurist:  Allgemeine  Deutsche 
Biographie  LH  (1906),  725  f. 

Faalzow,  Hans.     Ernst  Förstemann  \'.    Zentralblatt  für  Bibliotheks- 
wesen XXIII  (1906),  552 — 563. 
„  Ernst  Förstemann  f:  Dresdner  Anzeiger.  Sonntags-Beilage.  1906. 
Nr.  50. 


Literatur.  lö"? 

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sächsischen  Kurkreise,  i.  Abteilung.  Allgemeiner  Teil.  Mit  5  Taff. 
(Geschichtsquellen  der  Provinz  Sachsen  und  angrenzender  Gebiete. 
Herausgegeben  von  der  Historischen  Kommission  für  die  Provinz 
Sachsen  und  das  Herzogtum  Anhalt.  Bd.  41 )  Halle,  O.  Hendel. 
1906.    XVI,  240  SS.    8  0. 

Fanig,  Paul.  Das  Schillerhaus  in  Gohlis  und  „Das  Lied  an  die 
Freude":  Der  Leipziger.    1906.    Nr.  9.    S.  i4f. 

Päßler.  Geschlechts -Verzeichnis  der  Schierz'schen  Familienstämme 
und  ihrer  Verzweigungen.  Geyer,  Druck  von  Bernhard  Kreutel. 
(1906.)    150  SS.    Mit  6  Taff.    80. 

Pfau,  Karl  Fr.  König  Georg  von  Sachsen.  Ein  deutsches  Fürsten- 
leben. Dem  deutschen  Volke  gewidmet.  Mit  einem  Porträt. 
(Patriotische  Hausbibliothek,  i.  Band)  Leipzig,  Karl  Fr.  Pfau. 
(1906.)    31  SS.    80. 

Pfau,  W.  C.  Die  Vorstellung  des  Drachens  in  Westsachsen.  Mit  2  Abb. : 
Unsere  Heimat  VI  (1906/07),  37—45. 

Pick,  Behrendt.  Stammbaum  der  älteren  Ernestiner  in  Münzen  und 
Medaillen:  Aus  den  Coburg- gothaischen  Landen.  Heimatblätter, 
herausgegeben  von  R.  Ehwald  IV  (1906),  62—68.    Mit  Abb. 

Pohle,  Paul.  Heimat-Atlas  für  Plauen  im  Vogtlande.  Plauen,  Rudolf 
Neupert  jr.    (1906.)    12  SS.    4". 

Posse,  Otto.  Die  Siegel  des  Adels  der  Wettiner  Lande  bis  zum 
Jahre  1500.  Im  Auftrage  der  Königlich  Sächsischen  Staatsregierung 
herausgegeben.  II.  Band.  Buchstaben  B  und  C.  Dresden,  Wilhelm 
Baensch.    1906.    IX,  128  SS.  und  56  Taff.    40. 

'*;.  Paten,  B.     Franz    Graf   und    Edler  Herr   zur   Lippe-Biesterfeld- 
Weifsenfeld,     kgl.  Sachs.  General     der    Cavallerie:     Allgemeine 
Deutsche  Biographie  LH  (1906),  5. 
„  Richard  von  Meerheimb,  kgl.  sächs.  Oberstleutnant:  ebenda  282 f. 

Puschmann,  Adam.  Das  Singebuch  des  Adam  Puschmann  nebst 
den  Originalmelodien  des  M.  Behaim  und  Hans  Sachs,  heraus- 
gegeben von  G.  Münzer.  Leipzig,  Breitkopf  &  Härtel.  (1906.) 
96  SS.    Mit  Taff    40. 

V.  Baab,  C.  Schlofs  und  Amt  Vogtsberg  bis  Mitte  des  16.  Jahrhunderts 
und  das  Erbbuch  vom  Jahre  1542.  Plauen,  Neupert.  (1906.)  III, 
527  SS.    Mit  I  Karte.    8». 

Eeder,  Emil.  Zur  Geschichte  der  Familie  Schürer  von  Waldheim 
1598:  Mitteilungen  des  Nordböhmischen  Exkursionsklubs  XXIX 
(1906),  366  —  368. 

Begeusberg,  Friedrich.  Von  Skalitz  bis  Königgrätz.  Stuttgart,  F'inckh 
(W.  Keller  &  Co.).    1906.    160  SS.    Mit  Abb.  und  2  Karben.    8«. 

Beichel,  Gerhard.  August  Gottlieb  Spangenberg,  Bischof  der  Brüder- 
kirche: Realencytlopädie  für  protestantische  Theologie  und 
Kirche''  XVIII  (1906),  557-563. 

Beinhardt,  0.  Aus  der  Kleinstadt.  Ein  Beitrag  zur  sächsischen  Volks- 
und Volkswörterkunde:  Dresdner  Anzeiger.    1907.    Nr.  42.  S.  8. 

Beuter.  Das  evangelische  Pfarrhaus  der  Jetztzeit  als  Amts-  und 
Einfamilienhaus.  Ein  Beitrag  zur  Erbauung  von  Pfarrhäusern 
auf  dem  Lande  an  der  Hand  ausgeführter  Bauten  und  Entwürfe, 
nebst  erläuterndem  Text  und  einem  kurzen  geschichtlichen  Rück- 
blick. Dresden,  Gerhard  Kühtmann.  1907.  63  SS.  Mit  Taii.  und 
Abb.    8*>.   (Behandelt  meist  Pfarrhäuser  in  Sachsen.) 

Bichter,  Julius  Paul.  Am  Elbestrand  1866.  Erinnerungen.  Gera, 
Arthur  Ma  ina.    (1906.)    68  SS.    8". 


i68  Literatur. 

Bictschcl.  Heinrich.  Festgabe  zur  Jubelfeier  des  Könislichen  Seminars 
Nossen  den  4.  und  5.  Oktober  1906.  dargeboten  von  der  Lehrer- 
schaft durch  den  derzeitigen  Direktor.  I.  Zeittafel  der  Geschichte 
des  Freiberg-Nossener  Seminars  1798 — 1906.  II.  Verzeichnis  der 
Lehrer  und  der  ehemaligen  Schüler  des  Nossener  Seminars  nach 
der  Zeit  ihres  Eintritts  1856— 1906.  Mit  12  Abb.  und  i  Lageplane. 
Nossen,  Druck  von  Emil  Hensel.    1906.    93  SS.    8". 

Jioscnberg,  Ä.    Sächsische  Dorfkirchen.     Mit  10  Abb.:  Daheim  XLII 

(1906).    Nr.  51. 
'Roßhach,  Franklin.  Das  grofse  Fürstenschiefsen  zu  Zwickau  im  August 
1573.    Zwickau,  Förster  &  Borries.    1906.    40  SS.    Mit  Abb.    8''. 

Bdth,  F.  Zur  Geschichte  des  Reichstages  zu  Regensburg  im  Jahre 
1541.  III:  Archiv  für  Retormationsgeschichte  IV  (1906),  65  —  98. 
(Vgl.  II,  250—307  und  III,  18— 64.1 

Bunge.  Klemm  in  den  Kirchenbüchern  von  Herrenberg:  Klemms 
Archiv.    Nr.  19  (1906I    S.  277! 

Büß,  Balph.  Afranisches  Ecce  1906.  11.  Heft.  Dresden,  Niederlage 
des  Vereins  ehemaliger  Fürstenschüler.  (Grimma,  G.  Gensei.)  1906. 
IV,  43  SS.    Mit  Bildnissen.    S». 

S.,  R.  Karl  Ferdinand  Adam.  Zum  100.  Geburtstag:  Dresdner  An- 
zeiger.   1906.    Nr.  353.    S.  2. 

Salioloivski,  Paul.  Heinrich  Laube  in  Leipzig:  Der  Leipziger.  1906. 
Nr.  I.  S.  3f-    Mit  I  Abb. 

Sfakoloioski],  P.  Sächsische  Herrensitze.  III:  Rötha:  ebenda  Nr.  12. 
S.  10  f.    Mit  5  Abb. 

Sander.  Hermann  Masius:  Allgemeine  Deutsche  Biographie  LH 
(1906),  226 — 230. 

Schaller,  E.  Zum  Walpurgistage:  Mitteilungen  des  Vereins  für  sächs. 
Volkskunde  IV  (1906),  97 — 100. 

Sdunffler,  Heinrich  Johannes.  Grimmaisches  Ecce  1906.  27.  Heft. 
Dresden,  Niederlage  des  Vereins  ehemaliger  Fürsten schüler. 
(Grimma,  G.  Gensei.)  1906.  VL  93  SS.  Mit  Bildnissen.  8'^'. 
„  Ein  Staat  im  Staate  Sachsen  [die  Oberlausitz]:  Dresdner  An- 
zeiger. Sonntags-Beilage.  1907.  Nr.  6  f. 
,,  Ein  katholischer  Kirchenfürst  aus  dem  Hause  Wettin:  Evan- 
gelischer Bundesbote  für  das  Königreich  Sachsen  II  (1906),  76-78. 

V.  Schierbrand,  H.  Welche ^'erdienste  hat  sich  das  wettinische  Fürsten- 
haus (albertinischer  Linie)  im  allgemeinen  um  Sachsen  und  be- 
sonders um  das  sächsische  Heer  erworben  (1089  — 1906)?  Auf  Grund 
geschichtlicher  und  archivalischer  Quellen  bearbeitet.  Dresden, 
Buchdruckerei  des  „Kamerad"  (F.  L  Staub).    1906.    70  SS.    8". 

Schlawe,  Karl  Heraldisch  verzierte  Bildnisse  in  der  Breslauer  Stadt- 
bibliothek (Kurfürsten  und  Herzöge  von  Sachsen):  Der  deutsche 
Herold  XXXVI  (1905),  64-66. 

Sehnt  erlosch  von  Biesenthal.  Die  „Pragischen  Kürschner"  David  und 
Daniel  Lehmann,  zwei  Exulanten  in  Leipzig:  Leipziger  Kalender 
IV  (1907),  283-285. 

Schmidt.  Hermann.     Die  Schwedenschanze  bei  Kittlitz:  Jahreshefte 
der  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte  der  Ober- 
lausitz II,  I  (1906),  9  —  21. 
„  Der  Doppelwall  auf  dem  Rothstein  bei  Sohland:  ebenda  II,  2  (1906), 

131—143. 
„  Der  Bielplatz  bei  Georgewitz:  ebenda  143  —  152. 
„  Der  Doppelwall  auf  dem  Rothstein  bei  Sohland:  Gebirgsfreund 

XVIII  (1906),  153-157- 


Literatur.  169 

Schmidt,  Ludwtr/.  Katalog  der  Handschriften  der  Königl.  Öffentlichen 
Bibliothek  zu  Dresden.  Im  Auftrage  der  Generaldirektion  der 
Königlichen  Sammlungen  für  Kunst  und  Wissenschaft  im  An- 
schlufs  an  die  von  Franz  Schnorr  von  Carolsfeld  1882  und  1883 
herausgegebenen  Bände  bearbeitet.  3.  Band  (enthaltend  die  A>i- 
teilungen  N  — R,  a  — d).  Leipzig,  B.  G.  Teubner.  1906.  VH, 
538  SS.  80. 
Schmid,  Otto.  Geschichte  der  Dreyfsigschen  Sing-Akademie  zu  Dres- 
den. Zur  loojährigen  Jubelfeier  (5.  März  1907).  Herausgegeben 
von  der  Dreyfsigschen  Sing-Akademie,  zu  beziehen  durch  F.  Ries, 
Dresden.  (1907.)  87  SS.  S». 
Schmidt,  Otto  Eduard.  Die  Erwerbung  der  sächsischen  Königskrone 
und  ihre  Bedeutung  für  unsere  Zeit.  Ein  Gedenkblatt  zum  11.  De- 
zember 1906:  Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.  1906. 
Nr.  99. 
Schmidt,  Budolf.    Carl  Christian  Meinhold,  Buchdrucker:  Allgemeine 

Deutsche  Biographie  LH  (1906),  303. 
Schmitz,  Wilhelm.  Die  mittelalterlichen  Metall-  und  Holztüren  Deutsch- 
lands, ihr  Bildwerk  und  ihre  Technik.  Mit  73  Tafeln  und  65  Text- 
Illustrationen.  Trier,  Schaar  &  Dathe.  1905.  39  SS.  fol.  (Bl.  i3f., 
50:  Türen  vom  Dom  zu  Meifsen.  37:  Tür  der  Marienkirche  zu 
Zwickau.  42:  Beschläge  aus  Meifsen  und  Dresden.  59:  Tür  der 
Jakobikirche  zu  Chemnitz ) 
Schön,  Theodor.  Die  Einführung  der  Reformation  im  Schönburgischen: 

Schönburgischer  Hauskalender  auf  das  Jahr  1907.    S.  29 — 31. 
Schönherr,  J.   Zum  Gedächtnis  des  Prof.  (Karl  Gottlob)  Schönherr: 

Sächsisches  Kirchen-  und  Schulblatt.    1906.    Sp.  694— 696. 
Schamcnm,   Paul.     Die    Bedeutung    des    Historischen   Museums    zu 

Dresden:  Dresdner  Anzeiger.    1906.   Nr.  313.    S.  2  f. 
(Schur ig,  Euqen.)     Festschrift    zum    25jährigen    Bestehen    des   Kgl. 
Sachs.  ]\Iilitär Vereins  Sachs.  Grenadiere   zu  Dresden   1880  — 1905. 
Dresden,  Buchdruckerei  des  „Kamerad"  (F.  L.  Staub!  (1905.)  55  SS. 
Mit  sTaff.  8». 
„  Das  Gefecht  bei  Schleiz  am  9.  Oktober  1806:  Der  Kamerad  XLIV 

(1906.)   Nr.  40.    S.  10  f. 
„  Die    Sachsen    im    Gefecht    bei  .  Saalfeld    am    10.  Oktober    1806; 

ebenda    Nr.  40.    S.  iif. 
„  Die  Sachsen    m    der   Schlacht    bei  Jena    am   14.  Oktober   1806: 

ebenda  Nr.41.    S.  9 — 12. 
„  Die  Erhebung  Sachsens  zum  Königreich:  ebenda  Nr.  50.    S.  1  —  3. 
Nr.  51.    S.  9f. 
Schwender,    C.  C.     Döbeln  i.  Sa.  in  Wort    und  Bild.     Chemnitz,   A. 

Jülich.    (1906.)    88  SS.    Mit  i  Plan.    8°. 
Sef/nitz,  Eugen.    J.  A.  Hiller  und   die  Anfänge  der  Leipziger  Oper: 

Der  Leipziger.    1906.    Nr.  10.    S.  7— 9.    Mit  i  Abb. 
Seidel,  0.  M.    August  Israel:  Bericht  des  Sächsischen  Seminarlehrer- 
vereins XI  (1906),  48—52. 
[Seliger.]    Königliche  Akademie  für  graphische  Künste  und  Buch- 
gewerbe   zu    Leipzig.     Leipzig,    Druck    der    Akademie.     (1906.) 
16  SS.    Mit  23  Taff.    8". 
Sellnick,  H.   Zur  Beurteilung  der  Wassergesetzgebung  für  das  König- 
reich Sachsen.     Leipzig,  Brückner  &  Niemann.     1906.     24  SS.    8". 
Seydel,  P.    Die  Kolonisierung  des  nördlichen  Miriquidi  mit  besonderer 
Berücksichtigung  der  Limbacher  Gegend:  Limbacher  Tageblatt. 
1906.    Nr.  69 — 74, 


lyo  Literatur. 

Siegert,  Gustav.  Schulraeysters  vffm  Honstein  bestallung.  1543: 
Leipziger  Lehrerzeitung  XIV  (1906/07),  127. 

Singer,  Hans  W.  Dresden.  I.  Die  Kgl.  Gemälde-Galerie.  (Moderne 
Cicerone.)  Stuttgart,  Union.  (1906.)  VIII,  162  SS.  Mit  100  Abb. 
und  2  Grundrissen.    S*'. 

Sinz.  Über  Volkseide  und  Frondienste  im  17.  Jahrhundert:  Mit- 
teilungen des  Vereins  für  sächs.  Volkskunde  TV  (1906),  139-143. 

Skala,  Jalcuh.  Dr.  theol.  Jurij  Luscanski:  Casopis  Macicy  Serbskeje  LIX 
(1906),  139—146.    Mit  Bildnis. 

Skrine,  Francis  Henry.  Fontenoy  and  Great  Britain's  Share  in  the 
War  of  the  Austrian  Succession  1741—48.  With  a  Introduction 
by    Field-Marshal    Earl     Roberts...     Edinburgh    and    London, 

'  William  Blackwood  and  Sons.  1906.  XVII,  380  SS.  Mit  Plänen 
und  Abb.  (Darunter  i  Bildnis  des  Marschall  Moritz  von  Sachsen.)  8". 

Sperling.  Einige  Funde  von  Niedergurig  bei  Bautzen:  Jahreshefte 
der  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte  der  Ober- 
lausitz II,  2  (1906),  93  —  97. 

Steffen,  Hugo.  Baudenkmäler  deutscher  Vergangenheit.  Berlin,  Otto 
Baumgärtel.  (1906.)  (V),  108  SS.  4«.  (Darin  S.  100— 108:  Schlofs 
Gohlis  bei  Leipzig.    Mit  9  Taft.) 

Steinherger,  Ludwig.  Die  Jesuiten  und  die  Friedensfrage  in  der  Zeit 
vom  Prager  Frieden  bis  zum  Nürnberger  Friedensexecutions- 
hauptrecefs  1635 — 1650.  (Studien  und  Darstellungen  aus  dem  Ge- 
biete der  Geschichte.  Im  Auftrage  der  Görres- Gesellschaft  und 
in  Verbindung  mit  der  Redaktion  des  Historischen  Jahrbuches 
herausgegeben  von  Hermann  Grauert.  Band  V.  "Heft  2—3.) 
Freiburg,  Herder.    1906.    XXIII,  215  SS.    8». 

Störzner.  Christian  Heckel.  Ein  Lebensbild:  Über  Berg  und  Thal 
XXIX  (1906),  94  f. 

Sturmhoefel,  K.    Der  Friede  von  Altranstädt:  Die  Grenzboten  LXV 

(1906).    Nr.  47  f. 

Teichmann,    A.     Karl    Otto    Müller,    Leipziger  Jurist:     Allgemeine 

Deutsche  Biographie  LH  (1906),  521  f. 
Tholotovsky,    Otto.    Die    sächsische    Portoerhöhung   im  Jahre   1772: 

Archiv  für  Post  und  Telegraphie.    1906.    S.  651—653. 

Tille,  Armin.  Vom  Leipziger  Dialekt:  Leipziger  Kalender  IV  (1907), 
285  f. 

Tost  Eine  Schwedenhöhle  bei  Wehlen:  Über  Berg  und  Thal  XXIX 
(1906),  82. 

Uhle,  F.    Aus    der  Kampfzeit   des  Chemnitzer  Rates:    Chemnitzer 

Tageblatt.    1906.    Nr.  522. 
„  Das  „Konstitutionsfest"  in  Chemnitz:  ebenda  Nr.  408. 

UHzen-Barkhatisen.  Franz  Conrad  Romanus,  der  Leipziger  Bürger- 
meister und  sein  Geschlecht.  Nebst  Stammtafel:  Leipziger  Ka- 
lender IV  (1907),  6f.  231—236. 

Undeutsch,  H.  Zum  Gedächtnis  an  Oberbergrat  Professor  Dr.  h.  c. 
Julius  Ludwig  Weisbach  anläfslich  seiner  hundertjährigen  Geburts- 
tagsfeier. Freiberg,  Graz  &  Gerlach  (loh.  Stettner).  1906.  15  SS. 
Mit  Bildnis.    8». 

Uzanne,  Octave.  Les  Deux  Canaletto.  Biographie  critique  illustree 
de  24  reproductions  hors  texte.  (Les  Grands  Artistes,  leur  Vie, 
leur  Oeuvre.)   Paris,  Renouar  (Henri  Laurens).    (1906.)    127  SS.  8». 


Literatur.  i  y  i 

V.  Verdij  du  Vernots,  J.  Studien  über  den  Krieg.  3.  Teil:  Strategie. 
Berlin,  Ernst  Siegfried  Mittler  &  Sohn.  1905—06.  8«.  (Heft  IV, 
S.  48— 119:  Friedrichs  des  Grofsen  Feldzug  im  Jahre  1744  [in 
Sachsen  und  Böhmen].  Mit  i  Übersichtskarte.  S.  122 — 127:  Ein- 
zelne Bemerkungen  zum  Feldzuge  Napoleons  im  Herbst  181 3  bis 
zur  Aufgabe  der  Eibbasis.  Heft  V,  S.  29  —  66:  Aus  dem  Feldzuge 
von  1866.    Mit  I  Skizze.) 

Voffd  d.  J,  Johann  Jalcob.  Kurze  Leipziger  Chronik:  Leipziger 
Kalender  IV  (1907),  237 — 248. 

Voifit,  E.  Das  Eidbuch  von  Döben:  Mitteilungen  des  Vereins  für 
Sachs.  Volkskunde  IV  (1906),  loi  — 103. 

Vollert,  W.  Die  Entscheidung  der  Konkordienformel  in  der  Lehre 
von  der  Glaubensgerechtigkeit  in  art.  III.  besonders  gegenüber 
der  Osiandtischen  Lehre:  Neue  Kirchliche  Zeitschrift  XVII 
(1906),  623  —  628. 

Wagner,  Georg.    Die  Bäckerinnung    zu   Geithain:   Zentralblatt   für 

Bäcker  und  Konditoren.    1906.    Nr.  35. 
„  Beiträge    zur   Geschichte   Geithains:     13.    Wappen  (Siegel)    und 
Zeichen  des  Rats.     Stadtfarben.     14.  Die  ehemalige  Katharinen- 
kirche     Geithain.    1906/07.    2  BU.  gr.  fol. 

Wagner,  Bichard.  Familienbriefe.  1832 — 1874.  Berlin,  A.  Duncker. 
Vm,  304SS     Mit  6  Bildnissen.    8". 

V.  Wasielewslii,  Wilh.  Joseph.  Robert  Schumann.  Eine  Biographie. 
Herausgegeben  von  Waldemar  v.  Wasielewski.  4.,  umgearbeitete 
und  beträchtlich  vermehrte  Auflage.  Leipzig,  Breitkopf  &  Härtel. 
1906.    XXVn,  532  SS.    Mit  I  Bildnis.    8«. 

Weher,  Ludtvig.  Carl  Seffner:  Der  Leipziger.  1906.  Nr.  9.  S.  3 — 6. 
Mit  Abb. 

Weber,  Ottokar.     Von  Luther  zu  Bismarck.    Zwölf  Charakterbilder 
aus  deutscher  Geschichte.     Leipzig,  B.  G.  Teubner.    1906.    2  Bde. 
;(IV),  136  und  147  SS.     8«.    (Bd.  II,  S.  i  — 18:    Kurfürst   Friedrich 
August  I.  von  Sachsen.) 

Weddigen,  Otto.  Geschichte  der  Theater  Deutschlands  in  100  Ab- 
ihandlungen  dargestellt,  nebst  einem  einleitenden  Rückblick  zur 
Geschichte  der  dramatischen  Dichtkunst  und  Schauspielkunst. 
IJMit  zahlreichen  Illustrationen,  Faksimiles  und  Beilagen.  Berlin, 
Ern.st  Frensdorff.  (1906).  2  Bde.  XXVI,  1209  SS.  Mit  Taff.  u.  Abb. 
8^.  (Bd.  II,  S.  529  —  564:  Das  Königliche  Hoftheater  in  Dresden. 
5.565  —  567:  Das  Residenztheater  in  Dresden.  S.  771— 792:  Das 
Stadttheater  in  Leipzig.  S.  1161  — 1164:  Das  Stadttheater  in 
Zwickau.) 

Weichardt,  C.  Gerhards  Garten  in  Leipzig:  Daheim  XLIII  (1906/07). 
Nr.  4. 

Weicher,  Gotthohl.  Die  Haltung  Kursachsens  im  Streite  um  die  un- 
mittelbare Reichsritterschaft  in  den  Jahren  1803— 1806.  Mit  einem 
Anhang:  Statistische  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Reichsritterschaft. 
(Bibliothek  der  sächsischen  Geschichte  und  Landeskunde.  Heraus- 
gegeben von  Gustav  Buchholz.  I.  Bd.,  2.  Heft.)  Leipzig,  S.  Hirzel. 
1906.    (IL,  HO  SS.    8». 

Weinhold,  E.    Chemnitz  und  Umgebung.     Geschichtliche  Bilder  aus 
alter  und  neuer  Zeit.    Herausgegeben  vom  Verein  für  Chemnitzer 
'Geschichte.    Chemnitz  (O.  May.  1906).    VI,  170  SS.     Mit  Abb.  und 
I  Taf.    80. 

WifdemannJ.  Hausnamen  [in  Dresden  [:  Dresdner  Anzeiger.  Sonn- 
tags-Beilage.   1907.    Nr.  6. 


172 


Literatur. 


Wilhelm,  Franz.  Führer  durch  Bautzen  und  seine  Umgebung  mit 
mehreren  Plänen.     Bautzen,  Georg  Thomas.   (1906.)    91  SS.  8". 

„  Urnenfunde  bei  Cannewitz:  Jahreshefte  der  Gesellschaft  für  An- 
thropologie und  Urgeschichte  der  Oberlausitz  II,  i  (1906),  31  —  34. 

(Willcens,  A.).  Denkschrift  zur  Feier  des  50jährigen  Bestehens  der 
Dresdner  Steingutfabrik  von  Villeroy  &Boch.  1856— 1906.  Dresden, 
Druck  von  Römmler  &  Jonas.  (1906.)  24  SS.  Text  und  20  BU.  Abb. 
qu-4". 

IV'ijil-hr,  Georg.  Unsere  Alterszulagen  und  ihre  Geschichte.  Zu- 
gleich ein  Beitrag  zur  Geschichte  der  Lehrerbesoldungsfrage 
überhaupt:     Leipziger    Lehrerzeitung    XIII    (1905/06),    723  —  726 

739—743. 

„  Die    Anfänge    der  Lehrerbesoldung    in    Sachsen:    ebenda    XIV 

(1906/07),  269—272.  291 — 293. 
„  Die  Lehrerbesoldungsfrage  zur  Zeit  des  Sturmes  und  Dranges: 
Sächsische  Schulzeitung.    1907.    S.  53 — 57.  69 — 73. 

Wolf,  Bernhard.  Skizzen  von  der  ehemaligen  Kursächsischen  Armee: 
Archiv  für  Kulturgeschichte  IV  (1906),  403—434.  V  (1907),  83 — 112. 
(Schlufs  folgt.) 

V.  Wolf,  Karl.  Der  Feldzug  in  Rufsland  1812.  Nach  dem  bisher 
unveröffentlichten  handschriftlichen  Tagebuche  Karl  von  Wolfs : 
Unsere  Heimat  V  (1906),  312 — 328.     (Schlufs.) 

Wolf,  Uichard.  Die  Markusgemeinde  zu  Chemnitz  in  den  ersten 
fünfzehn  Jahren  ihres  Bestehens.  Nachrichten  über  ihre  Begrün- 
dung; und  Entwicklung  im  Einverständnisse  mit  ihrem  Kirchen- 
vorstande  zusammengestellt.  Leipzig,  Arwed  Strauch.  (1907.) 
32  SS.    Mit  Abb.    8°.' 

Woljf,  Ernst.  Robert  Schumann.  Mit  10  Vollbildern  in  Tonätzung 
und  6  Faksimiles.  (Die  Musik.  Sammlung  illustrierter  Einzel- 
darstellungen. Herausgegeben  von  Richard  Straufs.  Bd.  19.) 
Berlin,  Bard,  Marquardt  &  Co.   (1906)    86  SS.    8». 

(Wünschmann,  Max.)  Annaberg  und  Umgebung  in  Bildern.  Anna- 
berg, 1906.    60  SS.    qu.-S*'. 

Wnstmann,  Gustav.  Der  Leipziger  Kupferstich  im  16.,  17.  und 
18.  Jahrhundert.  (Neujahrsblätter  der  Bibliothek  und  des  Archivs 
der  Stadt  Leipzig.  III.)  Leipzig,  Hirschfeld.  1907.  112  SS.  Mit 
I  Abb.  8". 
,,  Leipzig  einst  und  jetzt:  Die  Gartenlaube.  1906.  Nr.  48. 
,,  Ein  Enkel  Johann  Sebastian  Bachs:  Wissenschaftliche  Beilage 
der  Lpz.  Ztg.    1907.    Nr.  8, 

Z.    Am  Napoleonstein   (Zum    18.  Oktober):    Sachsen -Post  I    (1906). 

Nr.  3.    S.  1-5. 

[Frhr.  v.  Zedtivüz,  Ä.J  Die  Wappen  der  im  Königreiche  Sachsen 
blühenden  Adelsfamilien  (Nachträge):  Dresdner  Residenz-Kalender 
auf  das  Jahr  1907.    S.  85-88.    Mit  2  Taff. 

V.  Zehmen,  H.  M.  Genealogische  Nachrichten  über  das  Meifsnische 
Uradelsgeschlecht  von  Zehmen  1206  bis  1906.  Als  Manuskript  ge- 
druckt. Dresden,  Druck  von  Wilhelm  Baensch.  1906.  (Il),i65SS.  8°. 

Zeltirr,  Julius.  Herr  von  Monconys  in  Leipzig  und  die  Naturalien- 
Kammer  des  Bürgermeisters  C'hristian  Lorenz  von  Adlershelm: 
Leipziger  Kalender  IV  (1907),  77 — 91. 

Das  Lehrerinnenseminar  zu  Callnberg.  Ein  Ge^enkblatt  zur  Feier 
des  50jährigen  Bestehens  20.  Oktober  1906.  Mit  3  Abb.:  Unsere 
Heimat  VI  (1906,07),  33  —  36, 


Literatur.  iy3 

Nach  fünfzig  Jahren!  (Geschichte  der  Dresdner  Nachrichten): 
Dresdner  Nachrichten,  i.  Oktober  1906.   Jubiläums-Beilage.    S.  if. 

Der  Kammweg  im  Erzgebirge:  Gebirgsfreund  XVIII  (1906),  152! 

Festschrift.  Herausgegeben  zur  Abgeordneten-  und  Jahresversamm- 
lung des  Erzgebirgsvereins  und  zur  Feier  des  25jährigen  Be- 
stehens des  Erzgebirgszweigvereins  Wiesenthal  in  Oberwiesenthal 
am  3.,  4.  und  5.  Oktober  1906.  Schwarzenberg ,  C.  M.  Gärtner. 
(1906.)    36  SS     Mit  Abb.    8». 

Samuel  Klemms  Haus  in  Freiberg:  Klemms  Archiv.  Nr.  19  (1906). 
S.  284—286. 

Denkwürdigkeiten  aus  der  Stadt  Glashütte.  Eine  Festschrift  zum 
400jährigen  Stadtjubiläum  am  7.  Oktober  1906.  Herausgegeben 
im  Auftrage  des  .Stadtgemeinderates  vom  Prefsausschufs.  76  SS.  S'*. 

UnsereGlocken:  Dresdner  Anzeiger.  1906.  Nr.279.S2f.  Nr.28o.S.2. 

Das  Schillerhäuschen  in  Gohlis  (Leipzig):  Welt  und  Haus  VI 
(1906 '07).  Heft  4. 

50  Jahre  der  Dr.  Güntz'schen  Stiftung:  Dresdner  Anzeiger.  1906. 
'Nr.  269.    S.  I. 

Freilegung  der  Burgruine  Karlsfried  bei  Zittau:  Gebirgsfreund 
XVIII  (1906),  61. 

Neue  Sächsische  Kirchengalerie.  Unter  Mitwirkung  der  säch- 
sischen Geistlichen  herausgegeben.  Die  Ephorie  Auerbach,  be- 
arbeitet von  den  Geistlichen  der  Ephorie  unter  der  Redaktion  des 
Pfarrer  em.  Naumann.  Nebst  einem  Bericht  über  die  Schulver- 
hältnisse im  Inspektionsbezirk  Auerbach.  294  Spp. ;  Die  Ephorie 
Borna,  herausgegeben  von  den  Geistlichen  der  Ephorie.  VI  SS. 
und  1330  Spp.:  Die  Ephorie  Marienberg,  Lieferung  i  — 14.  Sp.  i 
bis  336;  Die  Ephorie  Werdau,  bearbeitet  von  den  Geistlichen  der 
Ephorie.  4q8  Spp.  Leipzig,  Arwed  Strauch.  (1906/07.)  Mit  Abb. 
und  Taff.    4^. 

Fünf  Jahre  sächsischer  Kirchengeschichte:  Der  Hausvater  XVI 
(1906),  294-297.  [!]  30—33.  77—81.    [Schlufs  folgt.) 

Bericht  über  den  Zustand  der  evangelisch -lutherischen  Landes- 
kirche im  Königreich  Sachsen  auf  die  Jahre  1901  bis  1905  Zu- 
sammengestellt für  die  8.  ordentliche  Landess3'node  vom  Evan- 
gelisch-lutherischen Landeskonsistorium.  Dresden,  C.  C.  Mein- 
hold &  Söhne.   (1906.)    185  SS.    4». 

Leipziger  Skizzen.  Heft  i:  Die  Leipziger  Messen.  Von  einem  alten 
Leipziger.    Leipzig,  Teutonia -Verlag.    1907.    64  SS.    8'^. 

Urteile  auswärtiger  Schulmänner  über  Leipziger  Schulwesen:  Leip- 
ziger Lehrerzeitung  XIV  (1906/07),  65  f. 

Das  Museum  für  Völkerkunde  zu  Leipzig  und  sein  Begründer: 
Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1906.    Nr.  86. 

Die  K.  S. M 1 1  i  t  ä  r  V  er  e i n e  45  Jahre  unter  dem  Protektorate  Sächsischer 
Könige:  Der  Kamerad  XLIV  (1906).    Nr.  42.  S.  9!    Nr.  43.  S.  9f. 

Mirusblatt.  Nr.  10—14.  Leisnig,  Druck  von  Herrm.  Ulrich  (Wölb- 
ung &  Feiste).    1906.    S.  145 — 224.    8'*. 

Kriegs -Unruhen,  welche  die  Stadt  Neustadt  und  Umgegend  be- 
troifen  (Forts.):  KirchUche  Nachrichten  für  1906  aus  der  Parochie 
Neustadt  i.  Sa.    14.  Bericht.    S.  22—41. 

Karl  Gottlob  R ÖS sig  (Professor  in  Leipzig  71806):  Landwirtschaftlich- 
Historische  Blätter  V  (1906),  36!    Mit  Bildnis. 

Zu  Dr.  Friedrich  Wilhelm  Schützes  [Seminar-Direktors  in  Waiden- 
burg] 100 jährigem  Geburtstag:  Schönburgischer  H^uskalender 
iauf  das  Jahr  1907.   S.  2^  —  29. 


174 


Literatur. 


Ein    Soldaten-Frej^ -Schein   aus   dem  Jahre   1807:    Der    Kamerad 

XLIV  (1906).    Nr.  46.  S.  20  f. 
Album  academiae  Vitebergensis  ab  a.  Ch.  MDII.  usque  ad  a.  MDLX. 

Ex  autographo  ediditCarolusEduardusFoerstemann.  Vol.l.  Lipsiae, 

Carolus    Tauchnitius.      1841.      [Anastatischer    Neudruck.     Halle, 
ijM.  Niemeyer.    1906.]    VIII,  373  SS.    4^ 
\'om  Völkerschlacht-Denkmal:  Unsere  Heimat  VI  (1906),  2—4. 

Mit  Abb. 
Wapler'sches    Familienblatt.      V^ereinsorgan     des   Waplerbundes. 

Nr.  27 — 31.    Leisnig,  Druck  von  Herrm.  Ulrich  (WölbUng  &  Feiste). 

1906/07.    S.  417 — 496.    8^. 
Auf  in  die  sächsische  Schweiz !  Auf  nach  Wahlen!   Herausgegeben 

vom    Gebirgs -Verein,     Sektion    Wehlen.      Leipzig,    Druck    von 

Frankenstein  &  Wagner.    (1906.)    72  SS.    Mit  Abb.  und  Karte.    8". 

(S.  iiff. :  Geschichtliches  über  Wehlen.) 
Aus  der  Stadtgeschichte  von  Wehlen:  Über  Berg  und  Thal  XXIX 

(1906),  79  f. 
Pastor  Weidauer  f:    Allgemeine  Evangelisch-lutherische  Kirchen- 
zeitung XL  (1906I,  471^474.  489—495. 
Der  kursächsische  Oberstleutnant  aus  dem  Winkel:  Der  Kamerad 

XLIV  (1906).    Nr.  44.    S.  lof. 
Zinnwalder  Glaubenstreue:  Sächsischer  Gustav  Adolf- Bote  XVII 

(1906),  29  -31. 
Das  grofse  Fürstenschiefsen  zu  Zwickau   im  Jahre  1573:    Unsere 

Heimat  V  (1906),  301— 311.    Mit  Abb. 

Beiträge  zur  sächsischen  Kirchengeschichte ,  herausgegeben  im  Auf- 
trage der  „Gesellschaft  für  sächsische  Kirchengeschichte"  von 
Franz  Dibelius  und  Theodor  Brieger.  20.  Heft  (Jahresheft  für  1906). 
Leipzig,  Johann  Ambrosius  Barth.    1907.    259  SS.    8<*. 

Inhalt:  S.  Ifsleib,  Moritz  von  Sachsen  als  evangelischer  Fürst. 
1541  — 1553.  —  Albert  Chalybäus,  Sind  „Alba"  und  Krause 
durch  das  Leipziger  Interim  in  Sachsen  eingeführt  worden?  — 
Otto  Giemen,  Ein  Stammbuch  aus  der  zweiten  Hälfte  des 
16.  Jahrhunderts.  —  Derselbe,  Zur  Biographie  Daniel  Gresers.— 
[  Derselbe,  Aktenstücke  aus  dem  Zwickauer  Ratsarchiv.  — 
Theodor  Distel,  „Magister"  Johann  Gottfried  ,.Lefsing'. 

Blätter  für  die  Geschichte  der  Sächsischen  Armee.  1906,  Nr.  10—12. 
1907.    Nr.  I — 2. 

Inhalt:  Die  Sächsische  Armee  vor  hundert  Jahren.  —  General 
der  Kavallerie  Hans  Gottlob  von  Zezschwitz,  kommandierender 
General  der  Kursächsischen  Truppen  im  Feldzuge  1806.  —  Ein 
tapferes  Grenadier-Bataillon  in  der  Schlacht  bei  Jena  den  14.  Ok- 
tolDer  1806.  —  V.  Schubert,  Charakteristik  der  Kriegführung  im 
siebenjährigen  Kriege,  mit  besonderer  Beziehung  auf  den  Kriegs- 
schauplatz in  Sachsen.  —  B[u]ch[e]r,  H.,  Zur  40jährigen  Er- 
innerung an  die  Heimkehr  der  Sächsischen  Armee  aus  Österreich 
und  die  Reorganisation  des  Heeres.  —  Die  Sächsische  Armee 
nach  dem  siebenjährigen  Kriege.  —  C.  v.  Metzsch,  Sachsen 
100  Jahre  Königreich.  Geschichtlicher  Rückblick.  —  E.  Schurig, 
Die  militärischen  Schicksale  der  Dresdner  Augustusbrücke.  — 
Das  sächsische  Suhl.  —  Die  ersten  Versuche  mit  Hinterladern.  — 
Johann  George  Chevalier  de  Saxe  oder  Ritter  in  Sachsen. 


Literatur. 


175 


Dresdner  Geschichfsblätter.  Herausgegeben  vom  Verein  für  Ge- 
schichte Dresdens.    XV.  Jahrgang.    1906.    Nr.  3.  4. 

Inhalt:  Ernst  Sigismund,  Dreifsig  Jahre  Dresdner  Kunst- 
ausstellungen (1801  —  30).  Eine  kunstgeschichtliche  Studie.  — 
C.  Krollmann,  Aufzeichnungen  des  Burggrafen  Christoph  zu 
Dohna  über  die  Sehenswürdigkeiten  Dresdens  1616  und  161 8.  — 
R.  Göhler,  Zur  Geschichte  des  Maiaufstandes  1849.  —  Hans 
Beschorner,  Ergänzungen  zu  dem  Berichte  über  die  alte  Orgel 
in  der  Friedrichstädter  Kirche. 

Mitteilungen  des  Freiberger  Altertumsvereins  mit  Bildern  aus  Freiher gs 
Vergangenheit.  Herausgegeben  von  Konrad  Knebel.  Heft  42. 
Freiberg,  Gerlach.    1906.   III,  144  SS.    Mit  i  Stammtafel.    8". 

Inhalt:  O.  Hübner,  Die  Familie  Hilliger.  —  Wappler,  Zum 
Gedächtnis  des  Freiberger  Ehrenbürgers  Geh.  Rates  Dr.  Clemens 
Winkler  und  seiner  Ahnen.  (Mit  Abb.)  —  W.  Domansky,  Ein 
Freiberger  Kind  am  Ostseestrand  (D.Johannes  Mauki-sch  1617  bis 
1669).  —  Wappler,  Lips  Tullians  vereitelter  Anschlag  auf  den 
Freiberger  Silberwagen.  —  Ein  russisches  Lob  Freibergs.  — 
Nossenis  Bericht  über  Fertigstellung  der  kurfürstlichen  Begräbnis- 
kapelle und  damit  zusammenhängende  Anträge,  namentlich  auch 
betr.  Kurfürst  Moritz'  Kleidung. 

Mitteilungen  des  Vereins  für  Geschichte  Dresdens.  Heft  20.  Dresden, 
Wilhelm  Baensch.    1907.    VI,  86  SS.    8». 

Inhalt:  Ernst  Sigismund,  Ferdinand  von  Rayski.  Ein  biogra- 
phischer Versuch.    Mit  8  Taft, 

Mitteilungen  des  Vereins  für  Geschichte  der  Stadt  Meißen.  26.  Heft 
(zweites  des  VII.  Bandes,  S.  129—260).  Meifsen,  Louis  Mosche  in 
Komm.    1907.    8°. 

Inhalt:  Schwabe,  Ältere  dramatische  Aufführungen  in  Kur- 
sachsen, mit  besonderer  Berücksichtigung  von  Meifsen.  —  Erich 
Riehme,  Markgraf,  Burggraf  und  Hochstift  Meifsen,  ein  Beitrag 
zur  Geschichte  der  Entwickelung  der  sächsischen  Landesherr- 
schaft. —  Radestock,  Zur  Geschichte  des  Meifsner  Wochen- 
markts. —  Derselbe,  Ein  Streit  des  Gastwirts  zum  goldenen 
Löwen  mit  dem  Rate  zu  Meifsen  wegen  Hafereinkaufs. 


Nachrichten. 


Die  Königlich  Sächsische  Kommission  für  Grcschichte  trat  am 
9.  Februar  d.  J.  in  Leipzig  zu  ilirer  Jahressitzung  zusammen.  Der 
Vorsitzende,  Seine  Exzellenz  der  Kultusminister  von  Schlieben,  er- 
("iffnete  die  Versammlung,  indem  er  seines  durch  schwere  Erkrankung 
zum  Rücktritt  veranlafsten  Vorgängers,  Exzellenz  Dr.  von  Seydewitz, 
gedachte,  dessen  Verdienste  um  die  Begründung  und  die  bisherige 
Tätigkeit  der  Kommission  durch  seine  Ernennung  zu  ihrem  Ehren- 
mitgliede  anerkannt  worden  sind.  Geh.  Rat  Professor  Dr.  Friedberg 
begrüfste  den  derzeitigen  Vorsitzenden  und  den  mit  seiner  Stell- 
vertretung beauftragten  Geh.  Rat  Dr.  Waentig.  Durch  den  Tod  hat 
die  Kommission  im  letzten  Jahre  die  Mitglieder  Geh.  Rat  Dr.  Hassel, 
Direktor  des  Hauptstaatsarchivs  zu  Dresden,  und  Professor  Dr.  von 
Gebhardt,  Direktor  der  Universitätsbibhothek  zu  Leipzig,  verloren; 
ausgeschieden  ist  ferner  Professor  Dr.  Buchholz  infolge  seiner  Be- 
rufung an  die  Akademie  zu  Posen.  Dagegen  wurden  Archivrat 
Dr.  Beschorner  in  Dresden,  Professor  Dr.  Boysen,  Direktor  der  Uni- 
versitätsbibliothek, und  Professor  Dr.  Kötzschke  zu  Leipzig  neu  zu 
Mitgliedern  gewählt. 

Das  geschäftsführende  Mitglied,  Geh.  Hofrat  Professor  Dr.  Lam- 
precht, wies  in  seinem  Geschäftsberichte  darauf  hin,  dafs  die  Finanz- 
lage der  Kommission  trotz  der  stattlichen  Summe  von  28000  Mark, 
die  ihr  für  1907  zur  Verfügung  steht,  doch  nicht  unbedenklich  sei, 
da  die  Zahl  der  Subskribenten  sich  fortgesetzt  vermindere;  es  sei 
wünschenswert,  mehr  Fühlung  mit  dem  Lande  zu  gewinnen.  Über 
die  Art,  wie  dies  geschehen  könnte,  entwickelte  sich  eine  längere 
Aussprache,  wobei  Geh.  Hofrat  Professor  Dr.  Bücher  für  die  perio- 
dische Veröffentlichung  kleiner  darstellender  Arbeiten,  die  auch  für 
weitere  Kreise  bestimmt  sein  sollten,  eintrat.  Zur  Klärung  dieser 
Frage  und  zur  Organisation  der  Werbung  neuer  Subskribenten  wurde 
ein  Ausschufs  gebildet. 

Veröffentlicht  hat  die  Kommission  im  Laufe  des  Jahres  1906: 
R.  Brück,  Die  Malereien  in  den  Handschriften  des  Königreichs 
Sachsen  (Dresden,  Meinhold  &  Söhne);  V.  Hantzsch,  Die  ältesten 
gedruckten  Karten  der  sächsisch -thüringischen  Länder  1550 — 1593 
(Leipzig,  B.  G.  Teubner). 

Die  historisch  -  statistische  Grundkarte  für  Sachsen  zeigt 
noch  immer  eine  empfindliche  Lücke,  indem  die  von  der 
Kommission  für  die  Provinz  Sachsen  und  Anhalt  herzustellende 
Sektion  367/392  (Finsterwalde  —  Grofsenhain)  auch  im  Jahre  1906 
noch  nicht  erschienen  ist.    Die  bisher  vom  Herausgeber  dieser  Zeit- 


Nachrichten. 


177 


Schrift  besorgte  Verwaltung  der  Landesstelle  für  die  Grundkarten 
(Hauptstaatsarchiv)  ist  auf  seinen  Vorschlag  dem  Archivrat  Dr.  Be- 
schorner  übertragen  worden.  Die  photographische  Reproduktion 
der  Flurkarte  ist  nahezu  vollendet;  es  wurde  beschlossen,  das 
eine  Exemplar  der  Aufnahme  im  Hauptstaatsarchiv  aufzubewahren. 
Der  Flurkartenatlas  (Professor  Kötzschke)  hat  noch  keine  wesent- 
lichen Fortschritte  gemacht,  während  die  Sammlung  von  Flur- 
namen (Archivrat  Dr.  Beschorner)  in  erfreulicher  Weise  anwächst. 
Die  Vorarbeiten  für  das  Historische  Ortsverzeichnis,  für  das 
Dr.  A.  Meiche  als  Mitarbeiter  den  Bürgerschullehrer  Dr.  Pilk  und  den 
Bezirkschullehrer  Mörtzsch  herangezogen  hat,  sind  fortgesetzt  worden ; 
die  Ämter  Hohnstein,  Lohmen,  Moritzburg,  Radeberg  sind  fertig, 
Stolpen,  Pirna  und  Grofsenhain  in  Bearbeitung.  Naturgemäfs  wird 
noch  eine  Reihe  von  Jahren  vergehen,  bevor  mit  dem  Drucke  des 
Werkes  begonnen  werden  kann.  Auch  die  Publikation  der 
Beschreibung  des  Bistums  Meifsen  von  Seminaroberlehrer 
Dr.  R.  Becker  ist  noch  nicht  in  nächster  Zeit  zu  erwarten. 

Dagegen  werden  demnächst  erscheinen  die  von  Hofrat  P.  E. 
Richter  in  Dresden  und  Archivar  Dr.  C.  Krollmann  in  Schlobitten 
besorgte  Ausgabe  von  Dilichs  Federzeichnungen  sächsischer 
Städte  aus  den  Jahren  1626— 1629  und  der  von  W.  Lippert  heraus- 
trfegebene  Briefwechsel  der  Kurfürstin  Maria  Antonia  von 
Sachsen  mit  der  Kaiserin  Maria  Theresia;  beide  Werke  sind 
im  Druck  nahezu  vollendet.  Auch  das  schon  für  das  Vorjahr  in 
Aussicht  gestellte  erste  Heft  der  Hauptwerke  der  sächsischen 
Bildnerei  und  Malerei  des  15.  und  16.  Jahrhunderts, 
herausgegeben  von  E.  Flechsig,  ist  zu  erwarten. 

Es  wird  ferner  voraussichtlich  mit  dem  Druck  von  Merx,  Akten 
zur  Geschichte  des  Bauernkrieges  in  Mitteldeutschland 
Bd.  I,  und  von  P.  Haake,  Briefe  König  Augusts  des  Starken, 
begonnen  werden  können. 

Dagegen  kann  W.  Görlitz  das  Manuskript  des  I.  Bandes  der 
sächsischen  Ständeakten  erst  für  Ostern  1908,  Ed.  O.  Schmidt 
den  Briefwechsel  zwischen  Graf  Brühl  und  Karl  Heinrich 
von  Heinecke  erst  für  1909  in  Aussicht  stellen.  Über  den  Zeit- 
punkt der  Veröffentlichung  mehrerer  anderer  Werke,  wie  des  2.  Bands 
der  Akten  und  Briefedes  Herzogs  Georg  (F.Gefs),  des  3. Bands 
der  Politischen  Korrespondenz  des  Kurfürsten  Moritz 
(E.  Brandenburg),  der  Akten  zur  Geschichte  des  Heilbronner 
Bundes  (J.  Kretzschmar) ,  der  Geschichte  der  amtlichen 
Statistik  in  Sachsen  und  der  Geschichte  des  sächsischen 
Steuerwesens  (R.  Wuttke),  der  Geschichte  des  sächsischen 
Schuldenwesens    (W.  Däbritz),    endlich    der    Ausgabe    der    so- 

fenannten  Instruktion  eines  Vorwerksverwalters  des  Kur- 
ürsten  August  (R.  Wuttke  und  Ermisch),  der  nur  noch  die  Ein- 
leitung fehlt,  kann  nichts  Bestimmtes  gesagt  werden. 

Eine  besondere  Gruppe  bilden  die  Werke,  die  zusammen  eine 
Geschichte  des  geistigen  Lebens  der  Stadt  Leipzig  bilden 
und  im  Jahre  des  Leipziger  Universitäts -Jubiläums  1909  fertig  vor- 
liegen sollen.  Die  Literaturgeschichte  (Witkowsky)  wird  wohl  bis 
Ende  1907,  die  Kunstgeschichte  (Kurzwelly)  und  die  Schulgeschichte 
(Kaemmelj  Anfang  1908,  die  Musikgeschichte,  von  der  ein  Teil  des 
ersten  Bandes  von  R.  Wustmann  bereits  bearbeitet  ist  und  die 
von  A.  Heufs  fortgesetzt  wird,  bis  Anfang  1909  im  Manuskript  ab- 
geschlossen vorhegen;  leider  hat  Professor  Dr.  Böhmer,  der  die  Ge- 


iy8  Nachrichten. 

schichte  des  kirchlichen  Lebens  zu  schreiben  übernommen  hatte, 
von  dieser  Arbeit  zurücktreten  müssen.  Auch  die  Ausgabe  des  Tage- 
buchs des  Rektors  Thomasius,  einer  wichtigen  Ergänzung  der  Leip- 
ziger Schulgeschichte,  ist  gefördert  worden. 

Der  Vorschlag  des  Archivrat  Dr.  Beschorner,  diejenigen  (20—25) 
Blätter  der  ältesten  Landesvermessung  Sachsens  von  Mat- 
thias Öder,  die  nicht  in  die  Ausgabe  von  Rüge  Aufnahme  gefunden 
haben,  in  Dreifarbendruck  zu  reproduzieren  und  etwa  in  Verbindung 
mit  der  Kommission  für  die  Provinz  Sachsen  und  Anhalt  zu  ver- 
öffentlichen, erregte  wegen  der  Höhe  der  Kosten  Bedenken.  Da- 
gegen ward  eine  Veröffentlichung  der  Kirchenvisitationsakten 
aus  den  früheren  Jahren  der  Reformationszeit  ins  Auge  gefafst  und 
die  Herausgabe  des  Registrum  dominorum  marchionum  Misnensium 
vom  Jahre  1378,  von  dem  die  Kommission  eine  Abschrift  hat  her- 
stellen lassen,  von  Neuem  dringend  empfohlen.  Es  mag  bemerkt 
werden,  dafs  sich  seitdem  für  die  Lösung  dieser  wichtigen  und 
lohnenden  Aufgabe  in  Archivrat  Dr.  Beschorner  die  geeignete  Kraft 
gefunden  hat. 

Im  EönigL  Sächsischen  Altertamsverein  hielten  im  Laufe  des 
verflossenen  Winters  Vorträge  Dr.  Meiche  ,,Die  Raubschlösser  der 
Sächsischen  Schweiz"  (5.  November),  Geh.  Hofrat  Professor  Dr.  Gur- 
litt  „Die  sächsische  Kunst  vor  hundert  Jahren"  (3.  Dezember),  In- 
stitutslehrer Dr.  Görlitz  (Niesky)  „Herzog  Georg  von  Sachsen  und 
seine  Stände"  (7.  Januar),  Oberstleutnant  z.  D.  von  Mansberg  „Der 
Streit  um  die  Lausitz  1440—1450"  (4.  Februar),  Pastor  Döhler  „Die 
Beschiefsung  und  Einäscherung  Zittaus  am  23.  Juli  1757"  (4.  März). 
Im  Vorstande  des  Vereins  trat  dadurch  eme  Veränderung  ein,  dafs 
Geh.  Hofrat  Dr.  Erbstein  und  Oberregierungsrat  Dr.  Ermisch  eine 
Wiederwahl  in  ihre  bisherigen  Ämter  ablehnten.  Der  letztere 
wurde  zum  zweiten  Vorsitzenden,  Regierungsrat  Dr.  Lippert  zum 
Schriftführer  gewählt  und  diesem  durch  Beschlufs  des  Vorstandes 
Archivrat  Dr.  Beschorner  als  aufserordentliches  Vorstandsmitglied 
beigegeben. 

In  der  Oberlaasitzischen  Gesellschaft  der  Wissenschaften  za 
(xörlitz  (250  Mitglieder)  sprachen  am  16.  Mai  1906  Professor  Dr.  Jecht 
über  Durocs  Tod  und  Denkmal  in  Markersdorf,  am  10.  Oktober 
derselbe  über  kirchliche  Altertümer  der  Oberlausitz  und  Pfarrer 
Jacob  (Neschwitz)  über  Bartholomäus  Ziegenbalg  aus  Pulsnitz.  Die 
Gesellschaft  veröffentlichte  aufser  dem  82.  Bande  des  Neuen  Lau- 
sitzischen Magazins  das  2.  Heft  des  3.  Bandes  des  Codex  diplomaticus 
Lusatiae  superioris  (Görlitzer  Ratsrechnungen  1391 — 1399),  heraus- 
gegeben von  R.  Jecht,  und  eine  Schrift  von  Möschler:  Rekon- 
struktion der  Dörfer  Rennersdorf,  Berthelsdorf  und  Grofshennersdorf 
bei  Herrnhut. 

Im  Verein  für  Geschichte  von  Anuaberg  und  Umgegend  hielten 
Vorträge  am  15.  November  Realgymnasialoberlehrer  Dr.  Meier  über 
Christian  August  Clodius,  ein  Annaberger  Stadtkind,  am  6.  Dezember 
Seminaroberlehrer  Dr.  Rühlmann  über  die  Oktobertage  vor  hundert 
Jahren  in  der  damaligen  öffentlichen  Meinung. 

Im  Verein  für  Chemnitzer  Geschichte  (205  Mitglieder)  hielt  am 
20.  November  Realgymnasiallehrer  Cand.  Happach  einen  Vortrag: 
„Ein  Chemnitzer  Reformator  des  18.  Jahrhunderts".  Veröffenthcht 
hat  derVerein  eine  Schrift  von  E.  Weinhold,  „Chemnitz  und  Umgebung. 
Geschichtliche  Bilder  aus  alter  und  neuer  Zeit". 


Nachrichten. 


179 


Vorn  Freibertrer  Altertumsvereiii  wird  uns  mitg:eteilt,  dafs  die 
Sammlungen  des  Vereins,  die  18  Räume  im  König- Albert-Museum 
einnehmen,  vom  Vorsitzenden  des  Vereins,  Bürgerschullehrer  Knebel, 
dem  zu  diesem  Zwecke  der  Stadtrat  einen  sechswöchentlichen  Ur- 
laub bewiUigt  hat,  und  vom  Museumswart  Bergamtsrat  Wappler 
im  verflossenen  Jahre  vollständig  inventarisiert  worden  sind.  Der 
Erstgenannte  hat  einen  Führer  durch  die  Sammlungen  veröffentlicht 
und  beschäftigt  sich  zur  Zeit  mit  der  Bearbeitung  eines  Haupt- 
katalogs, der  den  Mitgliedern  als  Heft  zugehen  wird. 

Der  (ireschiclits-  und  Altertumsverein  zu  Leisuig,  bei  dessen 
an  dieser  Stelle  schon  erwähnten  40Jährip;en  Stiftungsfest  (5.  März 
1906)  aufser  Oberregierungsrat  Dr.  Demiani  auch  Oberlehrer  Dr.  Pfau 
in  Rochlitz  zum  Ehrenmitglied  ernannt  wurde,  veranstaltete  am 
9.  Mai  einen  Ausflug  nach  Nimbschen  und  Grimma.  Vorträge  hielten 
Pastor  Gerber  über  die  Wenden  zwischen  Saale  und  Elbe,  das 
Volk  und  seine  Religion  (30.  Aprili,  über  Grimma  und  seine  älteste 
Geschichte  (25.  Juni),  über  die  Ehrlichmachung  der  sächsischen  Leine- 
weber (17.  Dezember),  Kirchschullehrer  Reinhold-Hochweitzschen  über 
Wipprecht  von  Groitzsch  (24.  September  und  29.  Oktober),  Hofrat 
Dr.  Mirus  über  D.  Zacharias  Rivander  (Bachmann),  geboren  zu  Leisnig, 
Superintendent  zu  Bischofswerda  (28.  Januar  1907). 

Der  Verein  für  Geschichte  Meifsens  wählte  Professor  Dr.  Licht 
zum  Vorsitzenden.  In  den  Vorstand  traten  ferner  ein  Professor 
Dr.  H.  Heyden  und  Oberlehrer  Dr.  E.  Höhne.  Unter  Führung  des 
Pfarrer  Weinberger  fand  eine  Besichtigung  der  neu  erbauten  Luther- 
kirche im  Triebischtale  statt. 

Im  Verein  für  dreschichte  der  Stadt  Pirna  hielten  Vorträge 
am  17.  Dezember  Professor  Speck  über  Inhalt  und  Verfasser  der 
Continuatio  Annalium  Pirnensium,  am  8.  Februar  Professor  Kästner 
über  Befestigungen  und  Feldlager  bei  Pirna  im  Jahre  1756. 

Der  Verein  für  Rochlitzer  Geschichte  (93  Mitglieder),  dessen 
Vorstand  zur  Zeit  aus  Oberlehrer  Dr.  Pfau  als  Vorsitzenden,  Stadtrat 
Rechtsanwalt  Dr.  Kirsten  als  Schriftführer,  Seminaroberlehrer 
Dr.  Kötz  als  Kassierer  besteht,  hat  wiederum  verschiedene  Aus- 
grabungen veranstaltet  und  sein  Museum,  für  das  ihm  seitens  der 
Staatsregierung  weitere  Räume  zur  Verfügung  gestellt  worden  sind, 
vermehrt;  so  hat  er  das  Rochlitzer  Richtschwert  erworben,  das  seit 
längerer  Zeit  aus  Rochlitz  verschwunden  war  und  jetzt  vom  Sohne 
des  letzten  Rochlitzer  Scharfrichters  zurückgebracht  worden  ist 
Verschiedene  Aufsätze  des  Vorsitzenden,  die  meist  im  Rochlitzer 
Tageblatt  erschienen  sind,  sind  als  5.  Lieferung  der  „Einzelheiten 
aus  dem  Gebiete  der  Rochlitzer  Geschichte"  unter  dem  Titel 
„Skizzen  vom  alten  Rochlitzer  Handel  und  Wandel"  zusammen- 
gefafst  worden. 

Der  Altertnmsvereiu  zu  Plauen  i.  \.  hat  seine  Sammlungen, 
die  im  vormals  Hohmannschen  Hause  (Herrenstrafse  5)  eine  über- 
sichtliche Aufstellung  gefunden  haben,  vom  28.  Oktober  ab  jeden 
S)nntag  von  11  —  12  Uhr  dem  Publikum  zur  unentgeltlichen  Be- 
sichtigung eeöftnet.  Vorträge  hielten  am  9. November  Dr.  med.  Wenzel 
über  das  Märchen  vom  Dornröschen  in  altdänischer  Fassung  und 
der  Vorsitzende  des  Vereins  A.  Neupert  über  Dr.  phil.  J.  G.  Heynig, 
den   deutschen  Sokrates   im  Vogtlande,  am   18.  Januar  Oberlehrer 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXVIU.    l.  ?.  12 


igo  Nachrichten. 

Huster:  „Aus  einer  Jöfsnitzer  Chronik  zur  Zeit  des  siebenjährigen 
Krieges,  nach  Aufzeichnungen  des  Gutsauszüglers  Meinelt  in  Jöfsnitz 
und  nach  Akten  des  Ratsarchivs",  am  26.  Februar  Realgymnasial- 
lehrer Skolle  über  kurfürstliche  Jagden  im  Vogtlande  und  Erzgebirge. 
Veröffentlicht  wurde  ein  umfangreiches  Werk  des  Ehrenmitglieds  des 
Vereins  General  der  Infanterie  Dr.  von  Raab:  Schlofs  und  Amt  Vogts- 
berg bis  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  und  das  Erbbuch  vom  Jahre  1542, 
auf  das  wir  noch  zurückkommen  werden. 

In  der  Gesellschaft  für  Zittauer  Geschichte  wurden  im  letzten 
Jahre  folgende  Vorträge  gehalten :  Professor  Dr.  Neefse  „Zwei  Jahre 
Zittauer  Geschichte  1422  und  1423"  (4.  April  1906),  Pfarrer  Sauppe- 
Lückendorf  „Rat,  Handwerker  und  Handel  in  Zittau  nach  1635" 
(25.  April),  Kaufmann  Nicolaus  „Die  Kriegsdrangsale  der  Oberlausitz 
181 3"  (28.  November),  Professor  Dr.  Wilisch  „Über  das  Ende  der 
Zittauer  Schulkomödie"  (19.  Dezember),  Professor  Dr.  Neefse  „Die 
Wartenberger  Fehde"  (30.  Januar  1907). 

Die  Abteilung  für  Geschichte  (Historische  Sektion)  im  Gebirgs- 
verein  für  die  Sächsische  Schweiz  (Vorsitzender:  Prof.  Speck  in 
Pirna,  Stellvertreter  Lehrer  A.  Bergmann  in  Dresden)  hielt  im  ver- 
flossenen Winterhalbjahr  (1906/07)  Vortragsabende  ab  am  11,  Oktober: 
Beiträge  zur  Geschichte  Pirnas  im  siebenjährigen  Kriege  (Prof. Speck); 
am  8.  November:  Der  Lilienstein  (Lehrer  Jentsch-Klotzsche);  am 
13.  Dezember:  Die  Beziehungen  der  FamiUe  Luther  zu  Dohna 
(Dr.  med.  Schlauch -Dohna)  und:  Die  Basalte  der  Sächsischen  Schweiz 
(Jentsch);  am  10.  Januar:  Volks-  und  Kinderlied  in  der  Sächsischen 
Schweiz  (Dr.  Meiche- Dresden);  am  14.  Februar:  Die  Gründung  des 
Kammerguts  Ostra,  ein  Beitrag  zur  Lösung  der  Frage  „Wo  lag 
Wernten?"  (Lehrer  A.  Bergmann -Dresden);  am  14.  März:  Mythologie 
der  Sächsischen  Schweiz  (Jentsch).  Im  Sommer  1906  wurden  zwei 
Studienausflüge  unternommen  und  zwar  am  28.  April  nach  Pirna 
(Führer:  ProL  Speck)  und  am  25.  August  nach  der  Wüstung  Rein- 
hardswalde im  Karswald  (Führer:  Kantor  Störzner- Arnsdorf).  — 
Kurz  vor  Weihnachten  1906  erschien  das  in  der  Hauptsache  von 
Mitgliedern  der  Historischen  Sektion  unter  Leitung  von  Dr.  A.  Meiche 
bearbeitete  Werk  über  „Die  Burgen  und  vorgeschichtlichen  Wohn- 
stätten der  Sächsischen  Schweiz".  Es  wird  an  die  Mitglieder  des 
Kgl.  Sachs.  Altertumsvereins  und  des  Dresdner  Geschichtsvereins 
zu  dem  Vorzugspreise  von  2  M.  50  Pf.  abgegeben. 

Der  Verein  für  Sächsische  Volkskunde  hielt  seine  diesjährige 
Hauptversammlung  am  7.  September  zu  Dresden  in  Verbindung  mit 
der  Versammlung  für  Volkskunde  und  Volkskunst  ab,  über  die  wir 
an  dieser  Stelle  (XXVII,  406)  bereits  berichtet  haben.  Im  Vorstand 
trat  insofern  eine  Veränderung  ein,  als  statt  des  Oberstleutnant 
von  Grünenwald  und  des  Dr.  K.  W.  Gruber,  die  eine  Wiederwahl 
abgelehnt  hatten,  Regierungsbaumeister  Dr.  ing.  Mackowsky  zum 
ersten  und  Dr.  Helmolt- Leipzig  zum  zweiten  Schriftführer  gewählt 
wurden;  da  letzterer  bald  darauf  wegen  seines  Fortzugs  von  Leipzig 
zurücktrat,  übernahm  Dr.  Gruber -Leipzig  wiederum  das  Amt.  Zu 
Beisitzern  wurden  Architekt  E.  Kühn  und  Geh.  Baurat  Wanckel  in 
Altenburg  gewählt.  Die  Mitgliederzahl  hat  sich  auf  2375  vermehrt; 
die  Bibliothek,  das  Archiv  und  das  Museum  sind  bedeutend  ge- 
wachsen. Vorträge  hielten  zu  Dresden  am  10.  Januar  Dr.  Reuschel 
„Zur  Psychologie  des  Volkslieds",  am   15.  Februar    bei  einem   aii- 


Nachrichten.  l8l 

läfslich  des  zehnjährigen  Bestehens  des  Vereins  veranstalteten  Fest- 
abend Rektor  Professor  Dr.  Schmidt- Würzen  über  Schleis  Scharfen- 
berg  und  seine  Umgebung  in  Geschichte,  Sage  und  Dichtung. 

Das  Museum  des  Königl.  Sachs.  Altertunisvereins  zu  Dresden 

wurde  in  den  sechs  Sommermonaten  des  Jahres  1905  insgesamt  von 
14 139,  in  denen  von  1906  von  14631  Personen  besucht.  Wenn  diese 
Zahlen  auch  gegen  die  der  Jahre  1903  und  1904  etwas  zurückge- 
gangen sind,  so  beweisen  sie  immerhin  noch  ein  recht  grofses  In- 
teresse, das  die  Allgemeinheit  an  dieser  Sammlung  nimmt. 

Seit  einigen  Jahren  ist  das  Hauptaugenmerk  der  Museums- 
leitung auf  Vorkehrungen  für  die  Erhaltung  der  gesammelten  Gegen- 
stände gerichtet,  es  ist  dies  aber  ein  Moment,  dem  man  zumeist 
nicht  die  gebührende  Beachtung  zu  zollen  pflegt.  Und  doch  dürfte 
wohl  in  jedem  Altertumsmuseum  nach  dieser  Richtung  hin  unendHch 
viel  zu  tun  sein.  Man  mufs  nur  bedenken,  dafs  die  meisten  Gegen- 
stände erst,  wenn  sie  unansehnlich  werden,  ins  Museum  kommen. 
Das  Holz  wird  von  Würmern  zernagt,  die  Trockenfäule  löst  es  in 
Mehl  auf.  Nur  rechtzeitige  und  richtige  Mal'snahmen  können  es  in 
vielen  Fällen  vor  dem  völhgen  Untergange  bewahren.  Das  Holz 
ist,  im  Mittelalter  wenigstens,  zumeist  bemalt.  Die  auf  einem  ge- 
leimten Kreidegrund  aufgebrachte  Farbe  blättert  aber  mit  der 
Zeit  ab  und  droht  mehr  und  mehr  zu  verschwinden,  denn  der  Grund 
hält  nicht  mehr,  da  sich  der  Klebestotf  verflüchtigt  hat.  Hier  gilt 
es  nun,  Mittel  anzuwenden,  mit  denen  man  den  Grund  wieder  an 
das  Holz  befestigt.  Wertvolle  Textilien  müssen  unterlegt  und  an 
einzelnen  Teilen  des  Futters  aufgehängt  werden,  da  sich  ihre  Be- 
schädigungen vielfach  nur  durcn  ihr  eigenes  hängendes  Gewicht 
vergröfsern.  Irgendwelche  Ergänzungen  im  Sinne  des  Alten,  das 
Ansetzen  von  Nasen,  Händen,  Füfsen,  von  Attributen  usw.,  eine  früher 
viel  gepflegte  Restaurierungsmethode,  wird  jetzt  streng  vermieden, 
dafür  aber  mit  allen  Kräften  dahin  gestrebt,  dafs  den  Beschädigun- 
gen Einhalt  getan  wird.  In  den  beiden  Berichtsjahren  wurden  nicht 
weniger  als  27  gotische  Altäre,  12  einzelne  Altarflügel,  109  gröfsere 
und  kleinere  Holzfiguren,  30  verschiedene  Ornamentteile  und  vier 
alte  Mefsgewänder  wiederhergestellt.  In  zwei  oder  drei  Jahren  hofft 
man,  den  ganzen  Besitz  in  der  angedeuteten  Art  pfleglich  behandelt 
zu  haben.  "  Berling. 

In  Leipzig  ist  die  Frage  der  Errichtung  eines  stadtgescliicht- 
lichen  Museuuis  endlich  in  Flufs  gekommen.  Der  Gedanke,  die 
Räume  des  alten  Rathauses  zur  Unterbringung  der  älteren,  stadt- 
geschichtlichen Abteilung  des  Ratsarchivs  und  in  Verbindung  damit 
eines  stadtgeschichtlichen  Museums  zu  benutzen,  hat  ja  schon  lange 
bestanden,  auch  hat  der  Rat  der  Stadt  schon  längst,  noch  ehe  das 
neue  Rathaus  bezogen  war,  sich  dieser  Idee  angeschlossen,  und  sie 
hat  in  den  Kreisen  des  Rates  und  der  Stadtverordneten  mitgewirkt 
und  ist  ausschlaggebend  gewesen  bei  den  Beschlüssen,  das  alte 
Rathaus  zu  erhalten  und  zu  restaurieren.  Neuerdings  sind  aber  nun 
auch  von  beiden  Kollegien  bindende  Beschlüsse  über  die  Ver- 
wendung des  alten  Hauses  gefafst  worden.  Der  im  vorigen  Sommer 
in  Kissmgen  verstorbene  Leipziger  Kunst-  und  Altertumshändler 
Jost  hatte  noch  wenige  Monate  vor  seinem  Tode  seine  reiche 
Sammlung  von  Bildern,  Waffen  und  Kunstgegenständen  aus  der  Zeit 
Napoleons  I.  und  der  Befreiungskriege  der  Stadt  zum  Geschenk  an- 
geboten jnit  dem  Wunsche,    dafs   sie  in    dem  zukünftigen  „stadt- 


iSz  Nachrichten. 

geschichtlichen  Museum  im  alten  Rathause"  Aufnahme  finden  möge. 
Dies  gab  den  äufseren  Anlafs,  dafs  Rat  und  Stadtverordnete  end- 
giltig  über  die  Verwendung  des  alten  Rathauses  Beschlufs  fafsten. 
Die  Jostsche  Sammlung  ist  inzwischen  bis  zur  Vollendung  des  Rat- 
hausumbaues in  der  alten  Nikolaischule  (am  Nikolaikirchhof)  unter- 
gebracht und  dem  Publikum  zugänglich  gemacht  worden.  Einen 
weiteren  wichtigen  Fortschritt  aber  hat  die  ganze  Museumsangelegen- 
heit neuerdings  dadurch  gemacht,  dafs  der  „Verein  für  die  Ge- 
schichte Leipzigs"  nach  längeren  Verhandlungen  sich  bereit  erklärt 
hat,  seine  Sammlung,  die  noch  immer  im  alten  Johannishospital 
(hinter  der  Johanniskirche)  untergebracht  ist,  bedingungslos  der 
Stadt  zu  überlassen.  Sie  bleibt  einstweilen  noch  in  ihren  bisherigen 
Räumen,  wird  aber,  sowie  der  Umbau  des  Rathauses  vollendet  sein 
wird,  von  der  Stadt  übernommen  werden.  Der  Umbau  des  Rat- 
hauses wird  sich  voraussichtlich  noch  bis  Ostern  1908  hinziehen, 
da,  namentlich  im  Anfange,  grofse  Schwierigkeiten  zu  überwinden 
gewesen  sind.  Der  vielgepriesene  Bau  Hieronymus  Lotters  von  1556 
hat  sich  in  vielen  Stücken  als  leichtfertiges  Flickwerk  erwiesen. 
Daher  galt  es  bei  dem  Umbau,  nicht  blofs  auf  die  Verkehrsbedürf- 
nisse der  Gegenwart  Rücksicht  zu  nehmen  (durch  Unterführungen) 
und  die  zukünftige  Verwendung  des  Hauses  im  Auge  zu  behalten 
(im  Erdgeschofs  durch  völlig  neue,  den  Anforderungen  der  Gegen- 
wart entsprechende  Läden),  sondern  vor  allem  auch  das  ganze  Bau- 
werk auf  weitere  Jahrhunderte  hinaus  zu  sichern.  Meinungs- 
verschiedenheiten bestehen  augenblicklich  nur  noch  darüber,  ob  das 
Archiv  im  Hauptgeschofs,  das  Geschichtsmuseum  im  Obergeschofs 
(Dachgeschofsi  untergebracht  werden  soll,  oder  umgekehrt.  Hoftent- 
lich  werden  aber  hier  schlielslich  nicht  Gefühle  und  Einbildungen, 
sondern  sachliche  Erwägungen  den  Ausschlag  geben,  und  diese 
müssen  jedem  die  Überzeugung  aufdrängen,  dafs  die  stadtgeschicht- 
liche Sammlung  mit  ihren  unzähligen  kleinen  Ausstellungsgegen- 
ständen in  den  hohen  Räumen  des  Hauptgeschosses  (Saal,  grofse 
Ratstube)  gänzlich  deplaziert  sein  würde,  dagegen  in  den  raäfsig 
hohen  Kabinets,  die  im  Obergeschofs  entstehen  werden,  aufs  über- 
sichtlichste würde  verteilt  und  aufs  bequemste  betrachtet  und  studiert 
werden  können.  G.  W. 

Die  Stadt  Glashütte  feierte  am  14.  Oktober  1906  zur  Erirtnerung 
an  die  Verleihung  des  Stadtrechts  durch  Herzog  Georg  (10.  Februar 
iSo6)"ihr  vierhundertjähriges  Stadtjabiläum  durch  ein  wohlgelungenes 
Heimatfest.  Seine  besondere  Weihe  erhielt  die  Feier  durch  den 
Besuch,  den  wenige  Tage  später,  am  17.  Oktober,  Seine  Majestät 
der  König  der  Stadt  machte.  Auf  die  gelegentlich  des  Stadt- 
jubiläums erschienene  Festschrift  werden  wir  zurückkommen. 

Am  31.  Mai  1907  will  man  in  der  altenburgischen  Stadt  Luc ka 
den  600jährigen  (ledeuktag:  der  Schlacht  hei  Lucka  feiern,  jenes 
geschichtlichen  Ereignisses,  das  für  das  Wettiner  Fürstenhaus  und 
sein  Ländergebiet  von  so  hoher  Bedeutung  gewesen  ist.  Aufser 
einem  Heimatfeste  mit  mancherlei  Veranstaltungen  ist  die  Errichtung 
eines  Brunnendenkmals  auf  dem  Marktplatze  geplant,  das  den  Sieger 
Friedrich  den  Freidigen  verherrlichen  soll.  Der  zur  Ausführung  in 
Aussicht  genommene  Entwurf  stammt  von  einem  geborenen  Luckaer, 
dem  in  Leipzig  wohnenden  Maler  und  Bildhauer  Reinhold  Carl.  Er 
stellt  in  der  Mitte  auf  hohem  Postament,  das  von  Brunnenbecken 
seitlich  llankiert  ist,  die  Kittergestalt  Friedrichs  dar,  der  hier  gleich- 


Nachrichten.  183 

sam  als  Marktroland  gegeben  ist.  Die  Brunnenbecken  sind  rechts 
und  links  mit  besiegten  Schwaben  geschmückt,  die  ihre  Wunden 
kühlen;  Ruhebänke  geben  einen  seitlichen  Abschlufs.  Die  Wappen 
des  Hauses  Wettin  und  das  der  Stadt  Lucka  sollen  das  Postament 
zieren,  das  Köpfe  von  Besiegten  kapitälartig  beleben.  Das  Denkmal 
soll  bereits  am  31.  Mai  enthüllt  werden;  sollte  dies  wegen  Kürze  der 
Zeit  nicht  möglich  sein,  so  wird  am  Jubiläumstage  die  Grundstein- 
legung stattfinden.  Mit  der  Abfassung  einer  Festschrift  ist  Prof. 
Dr.  A.  Schirmer  in  Eisenberg  beauftragt  worden,  der  in  der  Beilage 
zum  Gvmnasialprogramm  von  1905  die  Schlacht  bei  Lucka  als  einen 
Wendepunkt  in  der  Geschichte  der  Wettiner  geschildert  hat. 

Die  Hauptversammlung  des  Gesaiiitrereins  der  Deutschen 
Gescliichts-  und  Altertumsvereine  fand  in  den  Tagen  vi)m  24.  bis 
28.  September  1906  unter  Vorsitz  des  Geh.  Archivrat  Dr.  Bailleu  und 
des  Generalmajor  z.  D.  Dr.  von  Pfister  in  Wien  statt.  Die  Vertreter 
von  etwa  50  der  im  Verbände  vereinigten  172  geschichtlichen  Vereine 
Deutschlands  und  aufserdem  zahlreiche  Geschichtsforscher  und  Ge- 
schichtsfreunde nahmen  teil.  Die  Zahl  der  Vorträge  war  diesmal 
gröfser  als  sonst;  auch  in  den  Abteilungssitzungen  entfaltete  sich 
ein  besonders  rege  Tätigkeit.  Doch  mag,  da  mit  Ausnahme  etwa 
eines  \"ortrags  von  G.  Wolf  über  Aufgaben  und  Grundsätze  der 
deutschen  Territorialpolitik  in  der  Reformationszeit  und  der  Berichte 
über  die  vom  Gesamtverein  angeregten  oder  geförderten  Unter- 
nehmungen (Grundkarten,  Archivinventarisation,  histor.-geograph. 
Wörterbücher,  Kirchenbücherverzeichnisse,  Flurnamensammlung), 
die  auch  in  Sachsen  durchweg  Ergebnisse  erzielt  haben,  Fragen  der 
sächsischen  Geschichte  nicht  behandelt  wurden,  lediglich  auf  die 
demnächst  erscheinenden  Protokolle  der  Versammlung  hingewiesen 
werden.  Unter  den  Ehrungen  und  Vergnügungen,  die  der  Ver- 
sammlung in  reicher  Fülle  geboten  wurden,  verdienen  der  glänzende 
Empfang  im  Wiener  Rathause  und  der  Ausflug  nach  Schlofs  Kreuzen- 
stein und  Stift  Klosterneuburg  vor  allem  hervorgehoben  zu  werden. 

Auch  der  im  Zusammenhang  mit  dem  Gesamtvortrage  am 
24.  September  in  Wien  abgehaltene  sechste  deutsche  Archivtag  war 
gut  besucht  und  nahm  einen  sehr  befiiedigenden  \'erlauf. 

Die  nächste  Hauptversammlung  des  Gesamtvereins  wird  voraus- 
sichtlich Mitte  September  in  Mannheim  stattfinden. 

Die  10.  Versammlung  Deutscher  Historiker  wird  in  den  Tagen 
vom  3.  bis  7.  September  d.  J.  in  Dresden  unter  Leitung  desVorsitzenden 
des  Verbandes  Deutscher  Historiker,  Professor  Dr.  Gerhard  Seeliger 
in  Leipzig,  stattfinden.  Für  die  Vorbereitungen  dazu  hat  sich  ein 
Ortsausschufs  unter  Vorsitz  des  Herausgebers  dieser  Zeitschrift  und 
des  Professors  an  der  Königl.  Technischen  Hochschule  Dr.  Gefs  ge- 
bildet. Aus  dem  vorläufigen  Programm  teilen  wir  mit,  dafs  eine  zwang- 
lose Vereinigung  im  oberen  Saale  des  Königl.  Belvedere  am  Abend 
des  3.  September  die  Versammlung  einleiten  wird.  Die  Sitzungen 
finden  am  4. — 6.  September  in  der  Aula  der  Technischen  Hochschule 
statt;  Vorträge  sind  bis  jetzt  angemeldet  worden  von  Professor 
Dr.  Caro- Zürich,  Geh.  Kirchenrat  Professor  Hauck- Leipzig,  Pro- 
fessor Dr.  Hintze- Berlin,  Professor  Dr.  Jakob -Tübingen,  Professor 
Dr.  Kromaj^er-Czernowitz,  Geh.  Hofrat  Professor  l3r.  Lamprecht- 
Leipzig,  Professor  Dr.  O.  Richter -Dresden,  Professor  Dr.  Schulte- 
Bonn.  Ein  Festessen  im  Belvedere  am  6.  und  ein  Ausflug  nach 
Freiberg  am  7.  September  werden  den  Abschlufs  bilden. 


1 84  Nachrichten. 

Der  langjährige  Direktor  der  Eöuigl.  öffentlichen  Bibliothek 
in  Dresden,  Geh.  Hofrat  Professor  Dr.  Schnorr  von  Carolsfeld,  tritt 
am  I.Juli  Q.  J.  in  den  Ruhestand.  Seine  Stelle  ist  dem  bisherigen 
Staatsarchivar  Oberregierungsrat  Dr.  Ermisch,  dem  Herausgeoer 
dieser   Zeitschrift,  übertragen  worden. 

Auch  in  der  Leitung  der  Universitätsbibliothek  zu  Leipzig  ist 
ein  Wechsel  eingetreten,  indem  an  die  Stelle  des  verstorbenen 
Professor  Dr.  von  Gebhardt  der  bisherige  Direktor  der  Universitäts- 
bibliothek zu  Königsberg  Professor  Dr.  KarlBoysen  berufen  w^orden  ist. 

Am  10.  November  1906  starb  in  Plauen  der  Konrektor  des  Kgl 
Gymnasiums,  Prof.  Dr.  Julias  William  Fischer.  Geboren  am 
8.  Februar  1846  zu  Falkenstein  i.V.  als  Sohn  eines  tüchtigen,  jung 
verstorbenen  Arztes,  besuchte  er  1859 — 65  das  Gymnasium  zu  Plauen, 
wo  bereits  durch  seine  Lehrer  Dietsch  und  Flathe  seine  Vorliebe  für 
Geschichte  angeregt  wurde.  Von  Ostern  1865  an  studierte  er  in 
Leipzig  Philologie  und  Geschichte  und  promovierte  daselbst  18Ü9 
durch  die  Dissertation  „De  fontibus  Cassii  Dionis".  Nachdem  er  im 
August  1871  die  Staatsprüfung  abgelegt  hatte,  war  er  von  Micha- 
elis d.  J.  bis  Ostern  1874  am  Vitzthumschen  Gymnasium  in  Dresden, 
seitdem  bis  zu  seinem  Tode  als  Lehrer  des  Deutschen  und  der 
Geschichte  an  seiner  früheren  alma  mater  tätig. 

Fischer  hat  sich  schon  seit  seiner  Studienzeit  vor  allem  der 
Erforschung  der  byzantinischen  Geschichte  zugewandt.  Seine  her- 
vorragenden Verdienste  auf  diesem  Gebiete  sind  in  dem  soeben  er- 
schienenen kurzen  Nekrolog  der  Byzantinischen  Zeitschrift  (XVI,  417) 
in  das  gebührende  Licht  gesetzt  worden.  Hier  sei  nur  seine  Pnj- 
grammabhandlung  von  1883  (Studien  zur  byzantinischen  Geschichte 
des  II.  Jahrhunderts)  erwähnt. 

Bei  seiner  ausgesprochenen  Heimatsliebe  hat  sich  Fischer  jedoch 
auch  viel  mit  der  Geschichte  des  Vogtlands  beschäftigt.  Zahl- 
reiche, darauf  bezügliche  Aufsätze  entstammen  seiner  Feder,  die 
teils  in  den  Mitteilungen  des  Altertumsvereins  zu  Plauen,  teils  in 
den  Plauener  Lokalblättern  erschienen  sind.  In  den  letzten  Jahren 
war  er  besonders  mit  der  Geschichte  des  Plauener  Gymnasiums 
beschäftigt.  Schon  hatte  er  den  gröfsten  Teil  des  weitschichtigen 
Materials  gesammelt  und  geordnet,  als  ihn  ein  plötzlicher  Tod  von 
der  liebgewordenen  Arbeit  hinwegrifs. 

Fischer  war  ein  Mann  von  reichem  Wissen,  scharfem  Verstand 
und  einer  gefestigten,  mit  einer  gewissen  Herbigkeit  gepaarten 
Lebensanschauung.  Dabei  war  er  ein  anregender  Lehrer,  der  es 
weder  sich  noch  seinen  Schülern  leicht  machte,  sondern  sie  nötigte, 
in  den  Kern  der  Sache  einzudringen.  Er  besafs  eine  vorzügliche 
TJnterhaltungsgabe,  wobei  ihm  sein  gutes  Gedächtnis  und  seine  rege 
Phantasie  trefflich  zu  statten  kamen.  Const.  Angermann. 

Am  15.  Oktober  1906  starb  in  der  Niederlöfsnitz  Herr  Rektor 
a.  D.  Oberstudienrat  Professor  Dr.  Christian  Gottfried  Achmed 
Scholtze,  nachdem  seit  seinem  Übertritt  in  den  Ruhestand  erst 
wenige  Tage  über  ein  Jahr  verflossen  waren.  Als  Sohn  eines 
Lehrers  am  25.  August  1840  in  Leipzig  geboren,  war  früh  für  ihn 
Lernen  und  Lehren  die  Luft  gewesen,  in  der  er  atmete;  aber  zu 
seiner  hervorragenden  Lehrbegabung,  die  er  am  liebsten  an  der 
Geschichte  sowie  der  Muttersprache  und  ihrem  Schrifttum  betätigte, 
gesellte  sich  bald  ein  ebenso  bedeutendes  Organisationstalent,  das 


Nachrichten.  185 

ihm  denn  auch  nach  früher  Bewährung  in  der  Leitung  der  Real- 
schulen zu  Frankenberg  und  Grimma  in  seiner  letzten  Stellung  in 
Plauen  i.V.,  wo  die  Königl.  Realanstalt  in  Verbindung  mit  dem 
Gymnasium  nicht  hatte  gedeihen  können,  die  geradezu  glänzende 
Leistung  ermöglichte,  in  anderthalb  Jahrzehnten,  von  1890 — 1905, 
nicht  nur  eine  städtische  Realschule  zur  Blüte  zu  bringen,  sondern 
nach  einem  Jahrzehnt  in  Verbindung  damit  auch  ein  gleich  blühendes 
Realgj'mnasium  zu  entwickeln  und  den  vereinigten  Anstalten  eine 
Schülerschaft  von  650  Köpfen  zu  sammeln. 

Hier  ist  nicht  der  Ort,  den  Schulmann  als  solchen  zu  würdigen. 
Wohl  aber  gebührt  hier  dem  Manne  der  Wissenschaft,  dem  Forscher, 
der  er  immer  geblieben  war  und  in  erhofften  längeren  Jahren  der 
Mufse  wieder  ganz  zu  sein  gedachte,  eine  dankbare  Erinnerung  an 
die  mannigfachen,  immer  gediegenen  Gaben,  die  er  namentlich  den 
Freunden  der  Kultur-,  Heimats-  und  Ortsgeschichte  beschert  hat, 
die  erste  schon  als  junger  Realschullehrer  zu  Chemnitz,  wie  er  denn 
auch  einer  der  Gründer  des  rührigen  „Vereins  für  Chemnitzer 
Geschichte"  gewesen  ist. 

Scholtze  promovierte  1868  in  Leipzig  mit  der  Abhandlung  „Die 
Beziehungen  zwischen  Rom  und  Hellas  vom  Sturze  der  Königs- 
herrschaft bis  zum  epirotischen  Kriege",  wie  er  auch  in  dem  „Leit- 
faden der  Geschichte  für  Realschulen",  der  früh  Kulturgeschichtliches 
berücksichtigte,  neben  der  Neuzeit  (T.  IV)  vom  Altertum  „Die  Römer" 
(T.  I,  B)  bearbeitet  hat.  Die  in  diesen  beiden  Bänden  eines  Schul- 
l3uches  vollzogene  Verbindung  tiefer,  auf  Vertrautheit  mit  dem 
Altertum  gegründeter  Einsicht  in  das  Wesen  geschichtlicher  Ent- 
wicklung und  rückhaltlosen  Bekenntnisses  zum  grofsen  deutschen 
Vaterlarde  blieb  auch  wirksam,  als  sich  seine  Neigung  in  wachsen- 
dem Mafse  der  Kultur-  und  Geistesgeschichte  seiner  engeren  und 
engsten  Heimat  zuwandte.  Dem  Jahresberichte  der  Chemnitzer 
Realschule  gab  er  Ostern  1877  den  ersten  Teil  einer  Untersuchung 
,, Philander  von  Sittewald"  bei,  1880  schrieb  er  zu  demjahres- 
bericht  der  Frankenberger  Realschule  selbst  die  wissenschaftliche 
Beilage:  „Die  orientalische  Frage  in  der  öffentlichen 
Meinung  des  i  G.Jahrhunderts",  und  ebenso  zu  dem  der  Plauener 
von  1884  den  ersten  Teil  einer  Abhandlung  „Humanismus  und 
Realismus  im  höheren  Schulwesen  Sachsens  während  der 
Jahre  1831  — 1851".  Mit  der  Schule  hängen  auch  die  Schriftchen 
„Die  Kulturgeschichte  im  historischen  Unterricht"(Leipzig, 
Hirschfeld  1880)  und  „Die  Anfänge  des  deutschen  Realschul- 
wesens"  (Frankenberg  i.  S.,  Rofsberg  1886)  zusammen.  Aus  den 
Frankenberger  Jahren  liegt  ein  „Vortrag  über  Frankenbergs 
Lage  und  Geschichte"  vor,  in  den  Mitteilungen  des  Vereins  für 
Chemnitzer  Geschichte  veröffentlichte  er  1876  die  eingehende  Studie 
über  ein  Chemnitzer  Stadtkind:  „Johann  David  Beil.  Ein  Bei- 
trag zur  Geschichte  des  deutschen  Theaters"  und  1877  die 
nicht  minder  wertvolle  ortsgeschichtliche  Abhandlung:  „Aus  be- 
drängter Zeit.  Nach  Berichten  des  Chemnitzer  Amts- 
schössers  Paulus  Drechsler  aus  den  Jahren  1639  und  i  640." 
Auch  wenn  er  im  hiesigen  Alpenverein  z.  B.  über  Oswald  von 
Wolkenstein  oder  über  Albrecht  von  Haller  gesprochen  hat,  ist  es 
nach  persönlich  von  dem  Verstorbenen  vernommener  Mitteilung 
nicht  geschehen,  ohne  dafs  erst  eigene  und  neue  Aufschlüsse  aus  den 
Landesbibliotheken  zu  Innsbruck  und  Bern  ermittelt  worden  waren. 
Seit  1895  J^g  ihm  auch  die  Herausgabe  der  „Mitteilungen  des  Alter« 


i86  Nachrichten. 

tumsvereins  zu  Plauen"  ob,  und  wie  er  diese  Obliegenheit,  vom 
Vereine  zum  Ehrenmitglied  ernannt,  auch  bei  der  Übersiedelung 
nach  der  Löfsnitz  beibehalten  hatte,  galt  dort  und  im  Dresdner 
Archiv  fast  alle  seine  Arbeit  der  Geschichte  Plauens.  Im  März  1906 
hielt  er  im  Plauener  Altertumsverein  in  seiner  gediegenen  ein- 
dringenden Weise  einen  Vortrag  über  ., Plauen  im  Jahre  181  3"; 
mit  unermüdlichem  Eifer  hat  er  die  Entzifferung  und  Abschrift  des 
Plauener  Sta  dtbuches  von  1388  fertiggestellt  und  von  den  ge- 
planten Ausarbeitungen  darüber  eine  besonders  schwierige,  die  über 
das  damalige  Münzwesen,  so  gut  wie  vollendet. 

An  der  Schule,  die  die  Stätte  seines  letzten  bedeutsamsten 
Wirkens  gewesen  ist,  dem  Plauener  Realgymnasium,  wird  der  Ge- 
schichtsforscherfreude ihres  ersten  Leiters  dauernd  ein  besonderes 
Denkmal  errichtet  bleiben  in  seiner  wertvollen  Büchersammlung  von 
über  2200  Bänden;  denn  wenn  der  Verstorbene  auch  seinen  gelegent- 
lich ausgesprochenen  Willen,  diese  einmal  der  Anstalt  zu  vermachen, 
bei  dem  jähen  Hereinbrechen  des  Todes  nicht  hatte  niederschreiben 
können,  ist  er  doch  verwirklicht  worden.  Seine  Witwe,  Frau  Therese 
Scholtze,  sowie  Gönner  und  Gönnerinnen  der  Anstalt,  die  den  An- 
teil der  anderen  Erben  ablösten,  haben  der  Schule  die  ganze  schöne 
Sammlung  zum  Geschenk  gemacht. 

Plauen  i.  V.  Th.  Matthias. 


V. 


Joachim  von  Sehleinitz, 

kursäehsiseher  Generalquartiermeister 

unter  Johann  Georg  I. 


Von 
J.  H.  Gebauer, 


Zahlreich  sind  aus  vergangenen  Jahrhunderten  die  Bei- 
spiele, dafs  Männer,  die  sich  eine  lange  Zeit  in  der  Gunst 
ihrer  fürstlichen  Gebieter  sonnen  durften,  ein  traurig  jähes 
Ende  fanden.  Die  Geschichte  fast  aller  Staaten  kennt  solche 
Beispiele:  Dänemark  hat  seine  Struensee-  und  England  seine 
Essextragödie,  Preufsen  den  Sturz  Eberhards  von  Dankelmann, 
Frankreich  den  des  Marschalls  d'Ancre. 

Besonders  grell  hat  sich  früher  zu  wiederholten  Malen 
die  Wandelbarkeit  fürstlichen  Wohlwollens  im  albertinischen 
Sachsen  geäufsert.  Das  Schicksal  des  kurfürstlichen  Leib- 
arztes Peucer  und  danach  des  Kanzlers  Krell,  der  beiden 
Opfer  des  einst  von  den  sächsischen  Regenten  fast  stets  mit 
Leidenschaft  gepflegten  Calvinistenhasses,  ist  allgemein  bekannt. 
Nicht  in  dem  gleichen  Mafse  aber  gilt  das  von  dem  Unglück 
eines  Mannes,  der  unter  Johann  Georg  L  einen  Sturz  von 
der  höchsten  landesherrlichen  Gunst  bis  zur  Schande  und 
Verhöhnung  tun  mufste,  des  kursächsischen  Generalquartier - 
meisters  von  Sehleinitz. 

Joachim  von  Sehleinitz,  geboren  zu  Schieritz  im  Jahre  1577, 
entstammte  einem  seit  langer  Zeit  im  Meifsnischen  angeses- 
senen Zweige   des   bekannten  uradeHgen   Geschlechts.     Dem 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXVHI.    3.  4.  13 


i88  J.  H.  Gebauer: 

Wettinischen  Fürstenhause  hatten  die  Schleinitze  wiederholt 
tüchtige  Diener  und  Räte  gehefert,  und  aulserdem  war  die 
Famihe  durch  Reichtum  und  Umfang  ihrer  Besitzungen  aus- 
gezeichnet^). Das  wird  auch  Joachim  die  Wege  zum  schnellen 
Emporsteigen  geebnet  haben.  Im  Jahre  1598  nahm  er,  zwei- 
undzwanzigjährig,  den  ersten  Kriegsdienst -j.  Ob  er  ihn  so- 
gleich unter  sächsischen  Fahnen  tat,  die  damals  wenig  Ruhm 
zu  bieten  vermochten,  mufs  dahingestellt  bleiben.  Jedenfalls 
berief  ihn  sein  Kurfürst  schon  in  jenen  Jahren,  wo  das  Un- 
wetter des  grofsen  deutschen  Krieges  auch  den  obersächsischen 
Kreis  Norddeutschlands  in  Mitleidenschaft  zu  ziehen  begann, 
zum  Generalquartiermeister  seiner  neugeworbenen  Truppen'*). 
In  diesem  wichtigen  Amte  blieb  er  dann  bis  zu  seinem 
trao-ischen  Ende. 

Die  glänzendste  Zeit  seiner  Tätigkeit  begann  aber  im 
Jahre  1635,  wo  Johann  Georg  in  scharfer  Schwenkung  sich 
auf  die  Seite  des  bisher  bekämpften  Kaisers  stellte,  um  nun 
als  Generalissimus  des  Reichs  gegen  seine  bisherigen  schwe- 
dischen Bundesgenossen  zu  fechten.  Neue  grofse  Werbungen 
wurden  jetzt  ins  Werk  gesetzt,  und  Schleinitz"  Geschäftskreis 
dehnte  sich  gewaltig  aus.  Denn  der  ,, Ober-Generalquartier- 
meister" —  Schleinitz  führte  als  solcher  nun  den  seltenen 
Titel  Exzellenz  —  bekleidete  eine  der  bedeutsamsten  Stel- 
lungen in  der  ganzen  sächsischen  Armee;  lag  doch  in  dessen 
Hand  damals  wirklich  noch  die  Sorge  für  die  gesamte  Unter- 
kunft und  Verptiegung  der  Truppen,  von  der  der  ,, General- 
quartiermeister" heute  nur  noch  seinen  Namen,  nicht  mehr 
das  Amt  herleitet. 

Daneben  besafs  er  als  Oberst  ein  Regiment  zu  Fufs 
—  zu  12  Kompagnien  mit  2000  Mann  gibt  es  ein  Verzeichnis 


'j  H.  Wagener,  Staats-  und  Gesellschaftslexikon  (Berlin  1865) 
XVIII,  278.  Vor  allem  aber:  Geschichte  des  Schleinitzschen  Ge- 
schlechts. Von  einem  Mitgliede  des  Geschlechts  (Berlin  1897)  S.  232 
bis  255.  Doch  sieht  erklärlicht;r weise  diese  Familiengeschichte  die 
Schuldfrage  des  Joachim  von  Schleinitz  in  günstigerem  Lichte,  als 
ich  es  vermag. 

-)  So  nach  seinen  Äufserungen  in  Leipzig  1642,  wo  er  sagt,  er 
sei  66  (!)  Jahre  alt  und  44  Jahre  Soldat.  Vgl.  H.  Boettger,  Die 
Ereignisse  um  Leipzig  im  Herbst  1642  (^  Hallische  Abhandlungen 
zur  neueren  Geschichte  15,  Halle  1882)  S.  58. 

^)  Gelegentlich  einer  Vernehmung  im  Frühjahr  1644  erklärt 
Schleinitz,  er  diene  dem  Kurfürsten  „in  die  20  Jahr  bei  jetziger 
seiner  Charge".  (Haiiptstaatsarchiv  Dresden  [St.A.  Dr.]  Loc.  9258: 
Artikull  die  Übergabe  der  Stadt  Leipzig  betr.  1644.) 


Joachim  von  Schleinitz.  189 

der  kursächsischen  Truppen  von  1635  an^)  —  und  warb 
später  dazu  auch  noch  ein  Reiterregiment. 

Das  Verhältnis  des  Generals  zu  seinem  kurfürstlichen 
Kriegsherrn  war  ein  aufserordentlich  enges;  er  galt  als  seine 
„linke  Hand"  und  übte  wunderbaren  Einflufs  auf  ihn  aus.  In 
Fällen,  die  ihn  persönlich  nahe  berührten,  rief  Johann  Georg 
stets  zunächst  nach  seinem  Schleinitz ,  und  sobald  der  Ersehnte 
erschien,  war  auch  des  Kurfürsten  ,, Furcht,  Schrecken  und 
Gefahr  hinüber' '.  Dann  konnte  er  stundenlange  mit  ihm  kon- 
ferieren  und  darüber  selbst  die  Freuden  der  Tafel,  die  er 
sonst  ungemein  zu  schätzen  wufste,  vergessen-). 

Um  so  schlechter  stand  sich  Schleinitz  im  Heere.  Der 
Oberst  Vitzthum  von  Eckstädt,  der  als  Oberst  den  Feldzug 
von  1635/36  in  der  sächsischen  Armee  mitmachte,  verurteilt 
den  General  auf  das  allerschärfste.  Er  nennt  ihn  einen 
,, Wäscher",  der  ohne  ,,esprit"  und  Kenntnis  seinem  Herrn 
immer  nach  dem  Munde  rede-^).  Ein  anmafsender  Bramarbas, 
zeigt  er  Schneid  nur  da,  wo  er  keine  Gefahr  läuft,  und  zieht 
sich  alsbald  feige  zurück,  wenn  man  ihm  scharf  entgegen- 
zutreten wagt.  Auch  dessen  beschuldigt  ihn  Vitzthum,  dafs 
er  um  seines  ,, Profits"  willen  die  Truppen  habe  hungern 
lassen.  Den  erbärmhchen  Verlauf  des  Feldzuges,  in  dem  die 
sächsische  Armee  dem  Lande  ihrer  brandenburo^ischen  Ver- 
bündeten  zwar  übel  mitspielte,  sich  aber  militärisch  völlig 
unfähig  erwies,  setzte  man  deshalb  auch  grofsenteils  auf  des 
allmächtigen  Schleinitz  Rechnung,  und  wenn  die  Soldaten  in 
allerlei  giftigen  ,, Versen"  über  solche  Kriegsführung  spotteten, 
so  kam  dabei  am  schlechtesten  und  gröbsten  wieder  der  ver- 
hafste  Generalquartiermeister  fort^): 

„Der  Herr  ist  des  krieges  ein  kindt, 

„Sein  General  L.-^j  blaudert  in  Wind, 

,,Der  Commissarius  ein  unverständig  Rind, 

,, Vorsichtiger  und  verständiger  Leute  keine  statt  find'". 

Oder  in  etwas  anderer  Fassung: 

,,Der  Herr  ist  des  krieges  nicht  kundig, 
,,Sein  General  L.  noch  unmündig, 
,.Der  Commissarius  ein  grobes  Rind, 
„Keiner  Soldaten  Rath  statt  find'". 


1)  Fr.  Budczies,  Der  Feldzug  der  sächsischen  Armee  durch 
die  Mark  Brandenburg  1635  1636  (Märkische  Forschungen  IV,  303 
bis  386)  S.  309. 

-j  Ebenda  S.  306  und  340. 

^/  Ebenda  S.  309. 

*)  Ebenda  S.  363. 

■^)  Der  Generalleutnant  von  Baudissin. 


13* 


igo  J-  H.  Gebauer: 

Mag;  nun  bei  der  Kritik  des  Obersten  Vitzthum  der  Ärger 
darüber  mitgesprochen  haben,  dafs  der  Kurfürst,  statt  seine 
,, General-Offizierer"  zu  hören,  sich  meistens  Rats  allein  bei 
Schleinitz  erholte,  und  bei  den  Soldaten  die  leichtverständ- 
liche besondere  Abneigung  gegen  den  Oberquartiermeister, 
der  sie  nicht  nach  Wunsch  verpflegte  und  ,,losierte":  dafs 
die  Anklagen  und  die  Feindschaft  gegen  ihn  nicht  grundlos 
waren,  bleibt  unbestreitbar.  Zunächst  hat  er  unzweifelhaft  stark 
— •  und  offenbar  mehr  noch  als  es  sonst  bei  den  Offizieren 
damals  üblich  war  —  in  die  eigene  Tasche  ge  Wirtschaft  et. 
Das  erhellt  aus  seinem  später  konfiszierten  Schuldbuch  ^). 
Denn  hier  sieht  man  nicht  nur  viele  sächsische  Adlige,  sondern 
selbst  Mitglieder  der  kurfürstlichen  Familie,  vor  allem  Herzog 
August,  den  Magdeburger  Administrator,  bei  ihm  in  der  Kreide. 
Und  dabei  war  der  Grundbesitz  des  Generalquartiermeisters 
während  des  Krieges  und  gerade  noch  in  seinen  letzten 
Lebensjahren,  wo  das  Land  ringsum  verarmte,  noch  um 
ein  beträchtliches  gewachsen.  Dafs  Schleinitz  aber  auch  die 
Unbeliebtheit,  die  er  sich  nach  den  Vitzthumschen  Zeugnissen 
im  Heere  gewonnen  hatte,  wirklich  verdiente,  zeigt  der  tiefe 
Hafs,  womit  man  ihn  auch  vornehmHch  in  Leipzig,  der  Stätte 
seiner  späteren  langjährigen  Wirksamkeit,  bis  an  sein  Lebens- 
ende verfolgt  hat. 

Wiederholt  schon  hatte  Johann  Bauer,  der  schwedische 
Heerführer  in  Norddeutschland,  nach  seinem  Siege  über  den 
Kurfürsten  Johann  Georg  bei  Wittstock  (Oktober  1636)  seine 
Züge  bis  nach  Sachsen  hinein  ausgedehnt.  Im  Jahre  1637 
hatte  er  Torgau  erobert  und  auch  Leipzig  Wochen  hindurch 
arg  bedrängt.  Dann  erschien  er  Anfang  1639  abermals  in  diesen 
Geo:enden.  Dafs  er  es  vor  allem  auf  die  reiche  Handelsstadt 
Leipzig  abgesehen  hatte,  konnte  nicht  zweifelhaft  sein,  und 
so  schickte  denn  der  Kurfürst  Mitte  Februar  Leipzig  einen 
besonderen  Kommandanten  in  der  Person  seines  geliebten 
Schleinitz.  Mit  ihm  kamen  700  Mann  als  Besatzung  in  die 
Stadt,  wahrscheinlich  vom  Regiment  zu  Fufs  des  Obersten 
Johann  von   Dieskau. 

Schleinitz  führte  der  kurfürstlichen  Instruktion  zufolge 
das  Kommando  —  nur  in  Leipzig  selbst;  die  Feste  Pleifsenburg 
unterstand  aber  weiter  ihrem  bisherigen  Kommandanten,  dem 
Oberstleutnant  Christoph  von  Trandorf,  der  vor  zwei  Jahren  die 
Stadt  glänzend  gegen  Baner  verteidigt  hatte.     Da  der  General- 


'j  St.  A.  Dr.  Loc.  9257. 


Toachim  von  Schleinitz.  ic^i 

quartiermeister  die  Stadt  öfters  zu  verlassen  genötigt  Avar, 
so  ernannte  Johann  Georg  für  ihn  auch  einen  Stellvertreter 
in  der  Person  Dieskaus.  Ihm  sollte,  so  befahl  der  Kurfürst, 
in  Schleinitz'  Abwesenheit  der  städtische  Rat  gehorchen  als 
wäre  es  jener  selbst^). 

Die  Laoe  wurde  in  der  Tat  ernst.  Bauer  besetzte  Zwickau 
und  belagerte  Freiberg,  mufste  dann  zwar  nach  einer  Schlappe 
die  Belagerung  aufgeben,  erfocht  aber  bald  einen  glänzenden 
Sieg  über  die  Sachsen  und  Kaiserlichen  bei  Chemnitz  (14.  April). 
Indes  befreite  dieser  Erfolg  der  Schweden  Leipzig  von  der 
augenblicklichen  Gefahr:  Bauer  zog  nach  Böhmen  ab.  Doch 
verblieb  Schleinitz  weiterhin  in  seiner  Stellung  als  Leipziger 
Stadtkommandant. 

Das  Verhältnis  zwischen  Zivil  und  Militär  in  Leipzig  war 
bisher,  solange  Trandorf  in  der  Stadt  befehligte,  vortrefflich 
gewesen.  Jetzt  änderte  sich  das  wie  mit  einem  Schlage. 
Schon  zu  Anfang  1640  ergingen  Klagen  an  den  Kurfürsten, 
dafs  der  General  durch  Einquartierung,  Verpflegung  und 
Kontribution  die  Stadt  in  Grund  verderbe  und  aufserdem 
zwischen  Rat,  Bürgerschaft  und  Universität  Unfrieden  säe. 
Insonderheit  warf  man  ihm  vor,  er  erhalte,  obw-ohl  inzwischen 
nach  dem  Abzug  der  Schweden  die  Besatzung  wieder 
stark  vermindert  sei,  doch  den  ganzen  Stab  auf  Kosten 
Leipzigs  -). 

Und  diese  Beschwerden  verstummten  trotz  der  Ver- 
mahnungen des  Kurfürsten  an  Schleinitz  nicht,  wurden  im 
Gegenteil  im.mer  lauter.  So  brachte  auch  der  Sommer  1642, 
wo  Schleinitz  genötigt  war,  gegen  einen  etwaigen  Anschlag 
des  schwedischen  Generals  Königsmarck  auf  einige  Zeit  kaiser- 
liche Truppen  in  die  Stadt  heranzuziehen,  wieder  scharfe 
Zusammenstöfse.  Unausrottbares  Mifstrauen  wurzelte  sich 
gegen  den  Kommandanten  fest,  von  dem  niemand  mehr  an- 
nahm, dafs  er  der  Stadt  Bestes  im  Auge  habe. 

Am  grimmigsten  wurde  der  General  offenbar  von  den 
Söhnen  der  Leipziger  alma  mater  gehafst.  Er  kränkte  sie 
in  unerhörter  Weise,  indem  er  ihnen  ansann,  ihm  auf  der 
'Strafse  durch  Entblöfsen  des  Hauptes  ihre  Reverenz  zu  zeigen ; 
er  mifsachtete  die  alten  Privileo-ien  der  Universität  und  scheute 
sich   auch   nicht,    Einkünfte   von  Stiftungen,    die   zu  Gunsten 


')  Inbtruktion  für  Schleinitz  d.  d.  14.  Febr.  1639.  St.  A.  Dr.  Loc. 
9258.  Kurfürstlich  Sächsische  Befehliche  an  General  Schleinitz, 
Oberst  Diskau  und  den  Rat  zu  Leipzig  1639 — 42. 

-)  Böttger  S.  35. 


1^2  JH.  Gebauer: 

der  Studierenden  errichtet  worden  waren,  in  das  Militärbudget 
oder  vielmehr  —  wie  man  offen  behauptete  —  in  seine  eigene 
Schatulle  fliefsen  zu  lassen.  Auf  jede  Weise  flickte  er  den 
Musensöhnen  am  Zeuge  herum,  und  es  liefs  sich  leicht  er- 
kennen, dafs  in  seinem  Verfahren  System  lag;  das  Streben, 
die  Akademiker  als  Stand  herunterzudrücken,  sprang  überall 
hervor.  Blickt  man  freilich  genauer  hin ,  so  war  die  Feind- 
schaft zwischen  Studenten  und  Soldateska  ganz  natürlich. 
Seit  Jahrhunderten  spielte  der  Student  unbestritten  die  erste 
Rolle  in  Leipzig,  und  die  Universität  verwaltete  ihre  An- 
gelegenheiten mit  gröfster  Selbständigkeit  und  wachte  eifer- 
süchtig über  deren  Wahrung.  Nun  gebärdete  sich  plötzlich 
ein  neuer  Stand  als  der  erste  auf  der  Welt,  zusammengesetzt 
zum  guten  Teil  aus  hergelaufenem  Gesindel,  von  ungebildeten 
und  rohen  Offizieren  geführt,  aber  dank  der  kriegerischen 
Zeiten  unentbehrlich  und  schnell  emporgekommen.  Der  Soldat 
fühlte  sich  als  Herr  der  Gegenwart  und,  wie  er  ahnte,  auch 
einer  langen  Zukunft.  Der  Akademiker  wollte  aber  und 
konnte  nicht  vergessen,  dafs  er  in  der  Vergangenheit  der 
Gebieter  gewesen ;  mit  Verachtung  sah  er  auf  die  Eisenfresser 
herab,  die,  so  hoffte  er,  in  besserer  Zeit  bald  wieder  in  ihr 
Nichts  versinken  würden.  So  mufsten  die  beiden  Stände  mit 
ihren  Ansprüchen  scharf  aufeinanderplatzen.  Nichtnur  in  Leipzig 
ist  das  damals  geschehen.  Auch  aus  Frankfurt  a.  O.  z.  B.  er- 
fährt man  aus  dem  Jahre  1627,  dem  ersten  Jahre  der  Be- 
satzung der  Stadt  durch  kaiserliche  Truppen,  von  allerlei  Zu- 
sammenstöfsen  zwischen  Garnison  und  Universitätsangehörigen. 
Und  zu  einer  gewissen  Berühmtheit  sind  die  Konflikte  ge- 
langt, die  noch  Dreivierteljahrhundert  später  in  Halle  die 
Studenten  mit  den  preufsischen  Truppen  des  ,, alten  Dessauers" 
bestanden. 

In  trefflicher  Weise  illustriert  diese  hafserfüllte  Stimmung, 
die  sich  in  Leipzig  bei  den  Studenten  gegen  das  anspruchs- 
volle Militär  und  insonderheit  gegen  seinen  Herrn  und  Meister 
Schleinitz  angesammelt  hatte,  ein  kleines  Spottgedicht,  das 
sich  handschriftlich  auf  der  Königlichen  Bibliothek  zu  Berlin 
befindet.  Und  da  es  auch  als  Beispiel  echter  urwüchsiger 
Volkspoesie  in  wohltuendem  Gegensatz  steht  zu  der  gespreizten 
platten  ,, Kunstpoesie"  jener  Tage,  so  mag  es  hier  im  Ab- 
druck seine  Stelle  finden. 

„Eigendtliche  vnd  wahrhafftige  beschreibung  der  zwischen 
einem  Studenten  vnd  General  Jochims  Regiment  gelieferten  Schlacht. 
Geschehen  den  24.  Martij  Ao.  1642.  An  Monsieur  Don:  Signeur  Herr 
Ku'p'.e  Jochim  Flegel  (wolt  sagen  Kleinwitz)  oder  Schleinitz." 


Joachim  von  Schleinitz. 


193 


Jochim  vnd  Sein  Narr  Andrefs^) 
War'n  auf  ein  Studenten  böfs 
Vmb  ein  Schlechte  sache; 
Stierisch,  flöhmisch  sachens  aufs, 
Vber  d'Leber  hef  ihm  d'Laufs  — 
Jochim  wirdt's  wohl  machen. 

Thät  also  bald  drauf  comandiern 
Die  Scharwacht  vmb  zu  charchirn 
Mit  einem  Studenten, 
Wie  im  Kriegen  sich's  gebührt, 
Darinnen  er  gar  versiert  — 
Jochim  wirdt's  wohl  machen. 

Da  nun  er  der  Heros  kam. 
Mit  der  Macht  zue  fallen  an 
Den  Jenign  Studenten: 
Nam  er  sich  in  guete  Acht, 
Wie  er's  sonsten  Allzeit  macht  — 
Jochim  wirdt's  wol  machen. 

Der  Student  gar  nicht  entlieflF, 
Sonder  wider  frisch  angrif 
Die  Feigen  Soldaten; 
Thät  frey  auf  Sie  zu  marschirn, 
Hawen,  Stechen,  Scharmuciern  — 
Jochim  wirdt's  wohl  machen. 

Da  difs  fühlet  difs  gesindt, 
Wollen  Sie  aufs  forcht  geschwind. 
Wie  ihr  brauch,  entlauffen. 
Einer  Sprach:  das  Gott  erbarm, 
Wie  wirdt  mir  mein  Strumpf  so 
Jochim  kan  nichts  machen,  [warm! 

Da  difs  Wimmern  wird  gehört, 
Jedermann  die  Flucht  begert 
Nach  der  cor  de  guardi. 
Jochim  ab'r  vnd  sein  Andrefs 
Schrej^en  frisch  vnd  waren  böfs  — 
Jochim  wil's  wol  machen. 

Durch  difs  grosse  Feldgeschrey 
Lieff"  die  Soldatest  herbey, 
-^ue  fahen  den  Studenten; 
Wie  dann  auch  wardt  expedirt 
Weil  er  sie  allein  carchirt. 
Jochim  kan  difs  machen. 

Darob  grosse  Frewdt  endstand, 
Die  victory  durch  das  Land 
Jochim  liei's  aufsrueffen, 


Das  er  mit  authoritet 

Ein  Student'n  Bezwungen  hat  — 

Difs  kan  Jochim  machen. 

Darauf  Jochim  halten  thät 
Einen  Rhat,  mich  recht  versteht 
Mit  seinem  klugen  rathe; 
Damit  der  Student  verwarth 
Wurde  nach  Soldaten  Arth  — 
Jochim  weist's  zue  machen. 

Anderefs  nicht  Sparen  wolt 
Seine  Klugheit,  weil  er  solt 
Guten  Lohn  empfangen. 
Sprach:  O  Vatter,  ey  lafs  ihn 
Führen  zum  Gefangnen  hin, 
Vatter,  wirst's  wohl  machen! 

Ey,  Sprach  Jochim,  das  Ist  guet, 
Bruder  mein,  Andrefs,  dein  Huet 
Stecket  voller  Klugheit. 
Lasfs  vns  trinckhen,  frölich  sein, 
Meissen  Ist  ganz  mein  vnd  dein  — 
Ich,  Ich  wil's  wol  machen. 

Darauf  sprach  der  Tapffer  Man 
Ihr  Soldaten,  greiflfet  an 
Den  Dieb,  den  Studenten! 
Ins  Stockhaus  thut  mir  ihn  führn, 
Ich  will  ihn  lahn  decoliieren, 
Jochim  wil's  wol  machen. 

Weil  nun  Jochim  approbiert 
Hat  Andrefsens  Rhat,  drumb  spürt 
Seine  Thorheit  eben. 
Wie  der  Rhat,  so  Ist  der  Herr, 
Was  darf  man  für  Zeugknufs  mehr. 
Jochim  weist's  zu  machen. 

Aber,  Jochim,  weifst  Du  nicht, 
Wie  dort  Jener  Canon  spricht 
Von  Vnsern  Studenten? 
Dafs  Sie  feste  Hälse  han. 
Wirst  Sie  ihn  nicht  abeschlan. 
Jochim  kan  nichts  machen. 

Gott  ein  rechter  Richter  ist. 
Welcher  Straft't  zu  aller  frist 
Der  Studenten  Feinde, 
Liefs  auch  sein  Gerechtigkeit 
Sehen  an  Jochim  zur  Zeit  — 
Joch'm  kundt's  so  nit  machen. 


')  Über  die  Persönlichkeit  dieses  ,, Andreas"  —  mit  dem  viel- 
leicht ein  Oflizier  aus  des  Generals  Umgebung  gemeint  ist  —  habe 
ich  Näheres  nicht  zu  ermitteln  vermocht. 


1^4  J-  H-  Gebauer: 

Schaffte   das  sein  einige  Frewdt,  Darumb,  Jochim,  kom  heran, 

Die  Meer  Katze,   wurdt  zur  beut  Wiltu  sein  ein  weiser  man, 

Dem  sehr  fromen  Völckhlin,  Soitu  mir  jetzt  folgen: 

Dafs'r  mit  Schaden  Kitiger  würdt,  Die  Studenten  Lasfs  passiern, 

Nicht  Studenten  mehr  vexiert  —  Sie  werden  Sonst  dich  mehrAgirn!.. 

Jochim  solt's  so  machen.  Jochim  wirdt's  so  machen. 

Eine  hübsche  frische  Studentenfehde  also  wider  den  an- 
mafsHchen  Kommandanten,  der  nun  gegenüber  der  verbrieften 
Universitätsgerichtsbarkeit  nicht  allein  seine  dreisten  Pläne 
aufgeben  mufs,  sondern  auch  die  Rache  der  gekränkten  Kom- 
militonen in  der  Hinmordung  seiner  geliebten  Meerkatze  er- 
fährt ^).  Was  Wunder,  dafs  das  Liedchen  schnell  bekannt 
wurde  und  dafs  seine  leicht  fliefsenden  Reime  bald  auf  den 
Gassen  erklangen.  Der  lustige  Dichter  —  oder  hatten  mehrere 
witzige  Burschen  sich  hier  zu  edler  Kumpanei  zusammen- 
getan? —  fand  auch  Nachahmer,  die  in  der  Weise  seines 
Poems  den  verhafsten  General  weiter  zur  Zielscheibe  ihres 
Spottes  nahmen;  besonders  der  Kehrreim  ,, Jochim  wirds  wohl 
machen"  erwies  sich  als  ,, Schlager",  den  man  nun  immer 
aufs  neue  verwandte.  Hiefs  es  doch,  dafs  Johann  Georg 
Bittsteller  regelmäfsig  mit  diesen  Worten  an  seinen  allmächtigen 
Günstling  wiese'-}. 


')  Die  Vorliebe  für  Meerkatzen  scheint  bei  den  Soldaten  damals 
ziemlich  verbreitet  gewesen  zu  sein.  Auch  T1II3'  liebte  sie  und  die 
Affen  sehr,  so  dafs  man  in  der  Mark  zu  sagen  pÜegte:  „Da  kommt 
Tilly  angezogen  mit  seiner  Meerkatze''.  (Vgl.  Sam.  Buchholtz, 
Versuch  einer  Geschichte  der  Churmark  Brandenburg  III  (Berlin 
1767),  615. 

'^)  Höchst  bezeichnend  ist  in  dieser  Hinsicht  auch  der  Bericht 
des  Chemnitz  (Schwedischer  Krieg  IV,  2,  148),  wo  er  bei  der  Über- 
gabe Leipzigs  durch  Schleinitz  spöttisch  bemerkt:  „Hatte  es  also 
Jochim  diesmahl  nicht  wol  gemachet!"  In  handschriftlichen  Auf- 
zeichnungen des  zeitgenössischen  Brandenburger  Dompfarrers  Heui- 
sius,  der  dem  Schicksal  Schleinitzens  eine  längere  Darlegung  widmet, 
linden  sich  unter  dem  Jahre  1644  die  Anfangsstrophen  eines  Ge- 
dichtes auf  Schleinitz,  das  sich  als  genaues  Seitenstück  zu  dem 
oben  mitgeteilten  darstellt  und  wohl  auch  in  den  Kreisen  der 
Studenten  seinen  Verfasser  hat,  im  übrigen  aber  nach  den  erhaltenen 
Proben  mehr  durch  Derbheit  als  durch  Witz  ausgezeichnet  gewesen 
zu  sein  scheint.     Es  lautet  wie  folgt: 

Jochim,  hör  zu  ein  mahl  Jochim,  deine  Titel  man 

Aller  Flegel  General  Nicht  wol  all  erzehlen  kann 

Nicht  viel  wort  ich  mache.  Kanst  die  rechnung  machen, 

Monsieur  Jochim,  horestu  nicht,  Doch  soll  itzt  mein  warer  reim 

Mein  lied  ist  auf  dich  gericht.  Nur  dir  wenig  schencken  ein, 

Jochim  wirds  wol  machen.  Jochim  wirdts  wol  machen. 

Hlutaussauger,  Bürgerfeind, 

Bawrenplacker  etc. 


Joachim  von  Schleinitz.  ige 

Beinahe  vier  Jahre  hatte  der  Generalkommissar  so  seinen 
Leipziger  Kommandantenposten  zwar  in  steter  Fehde  mit  Rat 
und  Universität,  aber  von  äufseren  Feinden  unbedrängt  ver- 
walten können.  Da  zog  im  Oktober  1642  der  Schwede  von 
neuem  heran.  Torstenson  überschritt,  von  der  Lausitz  aus 
die  Elbe  aufwärts  rückend,  den  Flufs  bei  Torgau  und  wandte 
sich  plötzlich  gegen  Leipzig. 

Die  Besatzung  der  Stadt  bestand  nur  aus  zwei  Kom- 
pagnien Fufsvolk  und  einer  Schleinitzschen  Reiterkompagnie, 
insgesamt  400  Mann.  Aber  Bürgerschaft  wie  Kommandant 
waren  entschlossen  sich  zu  halten,  da  im  Abstand  weniger 
Tagemärsche  das  kaiserliche  Heer  dem  schwedischen  folgte, 
mithin  auf  schnellen  Entsatz  zu  rechnen  war.  Aus  ihrer 
eigenen  Mitte  warben  die  Bürger  neue  Verteidiger,  bezogen 
auch  selbst  die  Wachen,  schanzten  und  fochten.  Und  der 
Erfolg  krönte  solchen  Eifer.  Torstenson  vermochte  trotz 
heftiger  Beschiefsung  die  Stadt  nicht  zu  gewinnen,  mufste 
vielmehr  am  i.  November  die  Belagerung  ganz  aufheben, 
damit  ihm  das  kaiserliche  Heer  unter  Erzherzog  Leopold 
Wilhelm,  zu  dem  inzwischen  auch  noch  sächsische  Regimenter 
gestofsen  waren,  nicht  seine  rückwärtigen  Verbindungen  ab- 
schnitte. Er  nahm  nun  bei  Breitenfeld,  eine  Meile  westlich 
der  Stadt,  seine  Stellung. 

Die  Freude  der  Leipziger  über  ihre  Befreiung  währte 
indes  nicht  lange.  In  der  Frühe  des  2.  November  brachte 
Torstenson  den  Verbündeten  eine  vernichtende  Niederlage 
bei,  und  schon  am  Nachmittag  erschien  er  wieder  vor  den 
Toren  der  alten  Handelsstadt. 

Die  Vorgänge,  die  sich  um  und  in  Leipzig  in  den  nächsten 
Wochen  abspielten,  sind  zu  bekannt,  als  dafs  sie  hier  noch 
einmal  anders  als  in  den  gröbsten  Zügen  dargestellt  zu  werden 
brauchten.  Von  vornherein  hatte  man  in  der  Stadt  weni»; 
Vertrauen  auf  nochmalige  Abwehr  der  Schweden;  denn  auf 
Entsatz  war  nach  dieser  Niederlage  kaum  zu  hoffen,  und 
Schleinitz  hatte  während  seines  vierjährigen  Kommandos  so 
gut  wie  nichts  für  den  Fall  einer  langwierigen  Belagerung 
gerüstet^).  Es  mangelte  Proviant  wie  Munition,  Holz  zum 
Brennen  und  zum  Verbauen.  Und  dazu  verschärfte  sich  noch 
die  Uneinigkeit  zwischen  Bürgerschaft  und  Rat  wegen  der 
Kontribution  und  der  Hafs  beider  mitsamt  der  Universität 
gegen  den  Kommandanten.  Schnell  war  man  denn  auch 
beim   Parlamentieren ,    und    da   Torstenson    seine  Laufgräben 


1)  Böttger  S.  38. 


1^6  J.  H.  Gebauer: 

währenddessen  immer  näher  an  die  Stadt  und  an  die  Pleifsen- 
burg  herantrieb  und  durch  energische  Beschiefsung  zumal 
dem  Schlosse  zusetzte,  so  liefs  sich  Schleinitz,  obwohl  er  an- 
fangs der  drängenden  Bürgerschaft  erklärt  hatte,  er  wollte 
sich  wegen  einer  schlechten  Kapitulation  in  seinem  hohen 
Alter  nicht  noch  den  Kopf  vor  die  Füfse  legen  lassen, 
am  6.  Dezember  doch  zur  Übergabe  von  Stadt  und  Feste 
herbei. 

Eine  solche  Übergabe  würde  man  bei  ihnen  nicht  erleben, 
äufserten  später  schwedische  Offiziere  im  Hinblick  auf  diesen 
Akkord.  Und  in  der  Tat  hatte  Schleinitz  nicht  nur  unzweifel- 
haft voreilig  kapituliert  —  der  Oberstleutnant  Trandorf  er- 
klärte, er  würde  das  Schlofs  noch  eine  Woche  haben  halten 
können,  und  das  gleiche  versicherte  hinsichtlich  der  Stadt  der 
Oberstleutnant  von  Rohrscheidt  — ,  sondern  er  hatte  auch 
das  Interesse  der  Stadt  und  Universität  nicht  im  mindesten 
gewahrt.  Nur  für  seine  Truppen  hatte  er  gesorgt;  selbst  die 
geflüchteten  Kaiserlichen  lieferte  er  den  Schweden  in  die 
Hände.  Zugunsten  der  Stadt  vollends  war  gar  nichts  be- 
dungen, vielmehr  hatte  der  Kommissar,  so  behauptete  man 
wenigstens  später,  den  Feinden  mündlich  die  Bürger  als 
,, widerwärtige  Leute  rekommandiert".  Er  selbst  machte  frei- 
lich auch  geltend,  Universität  und  Bürgerschaft  hätten  ihm 
nur  Hindernisse  bereitet  und  früher  von  Torstenson  geradezu 
die  Weisung  entgegengenommen,  ,,dem  Alten  den  Hals  zu 
brechen".  Jedenfalls  zieh  ihn  die  allgemeine  Volksstimme  der 
Pflichtvergessenheit,  und  der  alte  Hafs  machte  sich  auch 
diesmal  wieder  in  allerlei  Schmähgedichten  Luft.  So  „dichtete" 
man  ihm  in  Leipzig  folgende  Verse ^): 

„Wer  mit  lahmen  Hunden  hetzet, 

„Das  Messer  auf  einem  Peltz  wetzet, 

„Leipzig  mit  Schleinitzen  besetzet, 

„Der  hat  übel  gehetzet,  gewetzet  und  besetzet". 

Und  ein  anderer  Reim  lautete: 

„Schleinitzer  Witz 

„Keyserlich  Geschütz 

„Erfurter  Munition-) 

„Hat  Leipzig  gebracht  in  Contribution". 


M  E.  Kroker,  Leipzig  in  Liedern  und  Gedichten  des  dreifsig- 
jährigen  Krieges  (Schriften  des  Vereins  für  die  Geschichte  Leip- 
zigs, V,  Leipzig  1896.)  S.  94.  Den  zweiten  Reim  führt  auch  Chemnitz 
an  a.  a.  O. 

-)  Erfurt  hatte   den  belagernden  Schweden  Munition  geliefert. 


Joachim  von  Schleinitz.  i^y 

Und  ein  langatmiges  Gedicht  über  die  Belagerung^)  kündigt 

bereits  dem  Schuldigen  Bestrafung  an: 

„Es  kann  kein  Mensche  nicht  das  Ding  vor  billig;  sprechen, 
„Auch  wird  die  Obrigkeit  und  Gott  sich  an  den  rechen 
„Der  vns  so  vbergibt,  die  wolgeplagte  Stadt 
„Hat  keine  schuld  durch  aus  an  dieser  losen  that". 

Auch  die  städtischen  Behörden  schlössen  sich  alsbald 
dem  öffentlichen  Wahrspruch  wider  den  Generalkommissar 
an.  Kaum  nämlich  hatten  seine  Truppen  die  Stadt  geräumt, 
um  von  schwedischen  Abteilungen  nach  Dresden  geleitet  zu 
werden,  als  Rat  und  Bürgerschaft  einen  eingehenden  Bericht 
über  die  Verhandlunoren  der  letzten  Zeit  und  insonderheit  über 
des  Kommandanten  Haltung   an   den  Kurfürsten  abschickten. 

Die  Klagen  fielen  diesmal  bei  Johann  Georg  auf  guten 
Boden.  Hatte  er  doch,  von  den  Leipzigern  durch  wieder- 
holte Botschaft  um  Verhaltungsmafsregeln  gebeten,  die  Ver- 
teidigung bis  zum  äufsersten  anbefohlen;  und  überdies  hatten 
ihm  sowohl  der  Erzherzog  Leopold  Wilhelm  wie  der  Kaiser 
selbst  Entsatz  in  Aussicht  gestellt. 

So  war  der  Empfang  des  Generals  bei  dessen  Ankunft 
in  Dresden  am  Vormittagf  des  12.  Dezember  nicht  eben 
freundlich.  Noch  am  Nachmittag  soll  Johann  Georg  dem 
Kommissar  befohlen  haben,  seine  Rechtfertigung  schriftlich 
aufzusetzen. 

Man  sieht  über  die  Anfänge  der  nun  folgenden  Unter- 
suchung gegen  Schleinitz  nicht  recht  klar.  Wunderbar  ist 
vor  allem,  dafs  der  Generalkommissar  noch  bis  zum  Schlufs 
des  nächsten  Jahres  im  militärischen  Dienst  geblieben  zu  sein 
scheint").  Das  mag  sich  daraus  erklären,  dafs  es  zunächst  auf 
die  sehr  langwierige  Beschaffung  des  für  ein  kriegsgericht- 
liches Verfahren  notwendigen  Materials  ankam,  die  der  Kur- 
fürst seinem  Geheimen  Ratskollegium  anvertraut  hatte.  Da- 
neben erhielt  auch  der  Generalschultheifs  der  Armee  die 
Weisung,  die  ,,Inquisitorialartikel"  gegen  Schleinitz  aufzu- 
stellen^). Da  er  die  zahllosen  Bezichtigungen  schliefslich  erst 
in  124  Punkten  zu  vereinigen  imstande  war,  so  mag  man  sich 
ein  Bild  von  der  Schwierigkeit  dieser  Voruntersuchung  machen  "* ). 
Als  man  dann  den  Kommissar  darüber  hörte,   mühte  er  sich 


1)  Die  Belagerung  für  Leipzig,  1642  In  Teutzsche  Reime  ge- 
bracht von  Einem  Mitbelägerten.  Erffurt  |  .  .  .  1643.  Kgl.  Bibl, 
Dresden  Hist.  Germ.  C.  573.  15. 

^)  Schleinitzsche  Geschlechtsgeschichte  S.  243. 

^)  Befehl  an  den  Generalschultheifs  vom  19./29.  Januar  1643. 

*)  Die  weitschichtigen  Akten  darüber  im  St.  A.  Dr.  besonders 
Loc.  9258. 


198  J.  H.  Gebauer: 

natürlich,  seine  Schuld  zu  mindern,  wobei  er  neben  dem 
Obersten  von  Trandorf  auch  den  verantwortlichen  Leiter  der 
Ingenieurarbeiten  Dr.  Christoph  Pinckert,  insonderheit  aber  die 
Leipziger  der  Pflichtversäumnis  oder  mangelnden  Energie 
anklagte.  Besonders  steifte  er  sich  darauf,  nicht  er  habe 
sich  bei  den  Kapitulationsverhandlungen  von  den  Städtern, 
sondern  diese  hätten  sich  bei  den  Kapitulationsverhandlungen 
von  ihm  getrennt.  Unter  solchen  Umständen  mufste  ein  Heer 
von  Leipziger  Zeugen  vernommen  und  konfrontiert  werden, 
was  sich  als  eine  ungeheure  und  im  vollen  Umfange  sogar 
ganz  unausführbare  Aufgabe  erwies.  Denn  der  schwedische 
Kommandant  von  Leipzig,  Oberst  Schulmann,  verweigerte 
den  nach  Dresden  Vorgeladenen  grundsätzlich  die  Pässe,  und 
ein  Zeugenverhör  an  Ort  und  Stelle  ging  nicht  an,  solange 
Leipzig  in  den  Händen  der  Feinde  war.  Aus  dem  Rat  hatte 
sich  allerdings  auf  eigene  Gefahr  der  eine  oder  andere  in 
Dresden  eingefunden,  besonders  diejenigen,  gegen  deren 
Haltung  bei  der  Untersuchung  Klage  laut  geworden  war  und 
die  sich  rechtfertigen  zu  können  meinten.  Die  hielt  man 
nun  zurück  und  verhörte  sie  immer  wieder,  liefs  auch  Schleinitz 
und  die  anderen  auf  ihre  Aussagen  schriftlich  und  mündhch 
antworten. 

Die  Anklage  gegen  Schleinitz,  dessen  Lage  mittlerweile 
auch  der  Umstand  verschlechtert  zu  haben  scheint,  dafs  er 
für  die  letzten  Jahre  die  Rechnungsabschlüsse  seines  General- 
kommissariats nicht  beibringen  konnte,  verdichtete  sich  in- 
dessen so  weit,  dafs  ihm  Anfang  Mai  1644  der  Generalauditeur 
Noa  Johann  Coccei  in  des  Kurfürsten  Auftrag  den  Arrest 
ankündigte.  Da  er  bereits  schwer  leidend  war  und  man  auch 
seine  früheren  Verdienste  in  Anschlag  brachte,  so  wurde  ihm 
jedoch  auf  seine  Bitte  gestattet,  den  Arrest  im  eigenen  Hause 
zu  halten. 

Im  Juli  1644  war  die  kriegsgerichtliche  Untersuchung 
bis  nahe  vor  die  Urteilsfällung  gediehen.  Damit  kein  Fehl- 
spruch erfolge,  vielleicht  auch,  um  neben  dem  vermutlich 
harten  Votum  der  Militärs  ein  milderes  für  den  alten  Freund 
zu  erhalten,  übergab  Johann  Georg  die  Leipziger  Sache  jetzt 
noch  einem  Ausschufs  von  sieben  namhaften  Juristen  zur 
Begutachtung  (9./19.  Juli). 

Da  entrückte  ein  mitleidiger  Tod  den  Generalkommissar 
kurz  vor  der  Urteilsverkündigung  einer  beschimpfenden  Strafe. 
Am  31.  Juli  erlag  der  68jährige  Mann  seinem  durch  die  Auf- 
regungen des  letzten  Jahres  gesteigerten  Steinleiden.  In  aller 
Stille  wurde  die  Leiche  nach  Schieritz  überführt  und  dort  ohne 


Joachim  von  Schleinitz.  loo 

Zeremonien  —  so  hatte  der  Kurfürst  angeordnet  —  bestattet^). 
Johann  Georg  zeigte  dennoch  nicht  übel  Lust,  des  Ver- 
storbenen Hinterlassenschaft  an  Lehen  und  Erbe  einzuziehen-). 
Aber  die  Juristenkommission,  darüber  befragt,  erhob  Bedenken, 
wenngleich  auch  sie  Schleinitz  für  schuldig  erachtete,  ,,den 
üblen  Accord  heimlich,  arglistig  und  gefährlicher  Weise  der 
Stadt  Leipzig  zu  vorsätzlichem  Schaden  geschlossen"  zu  haben. 
Nur  die  zum  eigentlichen  Erbe  gehörigen  Besitzungen  des 
Kommissars  nebst  seinem  Dresdner  Hause,  entschied  sie, 
dürfe  der  Kurfürst  einziehen  und  vorläufig  gerichtlich  beleoen, 
nicht  aber  die  alten  Lehnsgüter,  da  hier  ja  auch  andere 
Geschlechtsgenossen  Mitbelehnte  seien.  Tatsächlich  finden 
wir  die  Schleinitzschen  Besitzungen  in  der  nächsten  Zeit  unter 
Sequester  der  kurfürstlichen  Amtskammer. 

Der  endgültige  Abschlufs  des  Prozesses  erfolgte  im 
Oktober  1644.  Die  Brüder  des  Verstorbenen,  Heinrich  von 
Schleinitz,  der  seit  langen  Jahren  als  Oberst  über  ein  Kavallerie- 
regiment in  kursächsischen  Diensten  stand,  und  Christoph  von 
Schleinitz,  kurfürstlicher  Kammerjunker,  erreichten  es  beim 
Kurfürsten,  dafs  Gnade  vor  Recht  erging.  Die  dem  Gesetze 
nach  zulässigen  Einziehungen  fanden  nur  in  sehr  beschränktem 
Mafse  statt,  und  sollten  wohl  mehr  noch  die  Sühne  bilden  für 
die  fehlende  Rechnungsablage  als  für  die  Leipziger  Übergabe. 

Bis  über  das  Grab  hinaus  aber  bheb  Schleinitz  der  Hafs 
derjenigen  treu,  die  in  ihm  einst  als  Studenten  ihren  unleid- 
hchen  Widersacher  gesehen  hatten;  und  einer  von  ihnen,  ein 
Theologe'^),  schliefst  seine  Bemerkungen  über  den  tragischen 
Untergang  des  Gefürchteten  mit  den  Worten:  So  verachtete 
Gott  die,  welche  ihn  verachteten'^). 


1)  Schleinitzsche  Geschlechtsgeschichte  S.  245. 

■'')  St.  A  Dr.  Loc.  9258.  Der  Herren  Geheimen  Räte  etc.  Bedenken. 

ä)  Der  oben  (S.  194  Anm.  2)  erwähnte  Brandenburger  Pfarrer 
Heinsius,  der  offenbar  selbst  als  Student  Schleinitz'  Gewalttätig- 
keiten gegen  die  Akademiker  kennen  gelernt  hatte. 

■*)  Der  unglückliche  Trandorf  hat  bis  zu  seinem  Ende  im  Früh- 
jahr 1650  in  Haft  gesessen,  ohne  dafs  der  Prozefs  wider  ihn  zum 
Abschlufs  kam,  da  Leipzig  noch  immer  in  Händen  der  Schweden 
war.  Nach  seinem  Tode  beantragte  der  Generalauditeur  Coccei 
selbst,  man  möge  wenigstens  seine  Hinterlassenschalt  der  Witwe 
ausliefern,  da  nachgewiesenermafsen  Schleinitz  der  Hauptschuldige 
gewesen  sei.  Der  Dr.  Pinckert  flehte  ebenfalls  Jahre  hindurch  ver- 
geblich um  Befreiung  aus  seiner  „Custodei".  Sie  scheint  ihm  nicht 
zuteil  geworden  zu  sein,  obwohl  sich  Pinckert  einst  anerkannte 
Verdienste  um  die  Einrichtung  der  Akzise  in  Leipzig  erworben 
hatte.    Jedenfalls  war  er  noch  1648  in  Dresden  als  Gefangener. 


VI. 

Das  Zeithainer  Lager  von  1730. 


Von 
Hans  Beschorner. 

(Schlufs.) 


6.    Der  Tafelluxus. 

Was  an  Tafelluxus  im  Zeithainer  Lager  geleistet  wurde, 
kann  man  zum  Teil  schon  aus  der  dem  ,,  Feldlager  oder  Dia- 
rium" beigegebenen  „Tafelliste"  (s.  diese  Zeitschrift  XXVII, 
I20  Nr.  31)  und  den  Angaben  bei  von  Mansberg  (S.  294), 
6  Byrn  (S.  108)  u.  a.  über  die  Tafeln,  ihr  Service  und  ihre 
Bedienung  ersehen.  Die  zwölf  Tafeln,  von  denen  drei  mit 
goldenem,  fünf  mit  silbernem  und  vier  mit  zinnernem  Service 
gedeckt  waren,  hatten  eine  Länge  von  je  13  Ellen  6  Zoll  und 
eine  Breite  von  3  Ellen  10  Zoll.  Zu  jeder  gehörten  acht 
2  Ellen  lange  und  fast  ebenso  breite  Beitische  für  das  Silber 
und  Getränke.  Sechs  Reservetafeln  und  sechzig  Reserve- 
tische wurden  bereit  gehalten.  Alle  diese  Tafeln  und  Tische 
waren  von  dem  Hoftischler  Hose,  der  auch  den  Pavillon 
mit  sieben  4  Ellen  langen  und  3  Ellen  breiten  Tafeln  versah 
und  die  Zelte  mit  200  Tischen  und  300  Lehnbänken  ausstattete, 
neu  gefertigt. 

Was  die  Hofhaltungen  in  Dresden,  Warschau,  Moritzburg, 
Pretzsch  usw.  an  Tischwäsche  und  Service  besafsen,  mufsten 
sie  nach  Radewitz  schicken.  Vieles  mufsten  sie  erst  instand 
setzen  lassen,  die  Dresdner  Hofhaltung  z.  B.  das  ältere  Zinn, 
das,  aus  8  Potage-,  20  Mittel-  und  100  kleinen  Schüsseln, 
120  Assietten,  50  Küchentellern,  400  Tafeltellern,  40  Salz- 
fässern, 12  Suppenschalen,  150  Leuchtern  und  20  Bechern  be- 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  201 

stehend,  für  953  Tlr.  „nach  der  Form  des  Silbers"  umgegossen 
wurde  (OHA.  II  f.  182 f.;  Loc.  354  „Aufsatz  zur  Neujahrs- 
messe 1732").  Aufserdem  mufste  natürlich  viel  neu  an- 
geschafft werden.  So  wurden  nach  OHA.  II  f.  182 f.  an  Lein- 
wand gekauft:  20  Stück  damastene  Tafeltücher,  jedes  16  Ellen 
lang  und  6  Ellen  breit,  150  Rehttücher  von  guter  Hausleinwand 
auf  Silber-,  Schäiik-  und  Speisetische,  200  Mitteltücher  zum 
Abtrocknen,  an  neuen  tuchenen  und  ledernen  Teppichen  als 
Unterlage  für  die  Tafeln  für  585  Tlr.  (Loc.  900  f.  18 f.),  an 
Service  i.  ,,ein  gantz  silbern  Service,  welches  in  Leipzig 
verfertiget  und  von  da  ins  Campement  geliefert  worden" 
(Loc.  35043  f.  65),  2.  ,,des  Graff  Lützelburg  Service",  das 
mit  14000  Tlrn.  bezahlt,  also  nicht  einfach  dem  Grafen  weg- 
genommen wurde,  wie  6  Bym  S.  109  Anm.  i  meint,  3.  das 
von  6  Bj-m  S.  105  genauer  behandelte  ,,in  Berlin  bestellte 
Silber",  das  1408  Tlr.  kostete,  4.  ,,eine  in  Leipzig  bestellte 
Plat  de  menage",  5.  ,,zwei  grofse  zinnerne  Tafelservice  von 
enghschem  Zinn,  welche  allhier  (in  Dresden  ?)  für  2160  Tlr. 
verferttiget  werden",  6.  ,,ein  Tafelservice,  zu  dem  der  Mahler 
Wibelt  unterschiedene  Zeichnungen  für  130  Tlr.  lieferte", 
7.  ,,vier  grofse  englische  zinnerne  Tafelservice,  welche  von 
London  anhero  kommen"  und  5500  Tlr.  kosteten,  8.  ,,zwei 
in  Leipzig  erkaufte  weifse  silberne  Epargnen  (s.  u.)  und  vier 
Terrinen",  usw.  An  Silber  ging  auf  die  neuen  grofsen  Tafel- 
service, die  2365  Tlr.  Macherlohn  erforderten,  5335  Tlr.;  die 
„Augmentation  des  silbernen,  doppelt  matt  vergoldeten  Tafel- 
services" kostete  aufserdem  noch  4000  Tlr.  ^)! 

In  welcher  Weise  die  Königstafel  bei  den  drei  Gängen 
mit  dem  goldenen  Service,  dessen  Stücke  ö  B\Tn  S.  103  auf- 
zählt, gedeckt  war,  veranschaulichen  drei  grofse  Zeichnungen 
in  OHA.  I  f.  96  —  98.  Bei  den  ersten  beiden  Gängen,  die 
aus  je  42  Gerichten  zur  Auswahl  bestanden,  bildete  ein  kunst- 
voller Tafelaufsatz,  eine  sogenannte  Epargne  (vgl.  6  B^rn 
S.  105  Anm.  i),  den  Mittelpunkt  der  Anordnung.  Um  diese 
gruppierten  sich  Potage-,  grofse,  mittle  und  kleine  Schüsseln, 
Assietten  und  Küchenteller,  48  an  Zahl,  die  24  Speiseteller 
nicht  mit  gerechnet,  von  denen  allemal  einer  den  Mittelpunkt 
jedes  Gedeckes  bildete.  Was  an  Messern,  Gabeln  und  Löffeln  zu 
dem  ,, grofsen  goldenen  Service"  und  zu  dem  sogenannten 
,, Pohlnischen  Service"  gehörte,  lernt  man  aus  dem  ,,aller- 
unterthänigsten  Vortrag"    Loc.  1056  I  f.  146^  kennen.     Ganz 


^)  Vgl.  Loc.  1064   f.  278  —  284   und   Loc.  352    an  verschiedenen 
Stellen. 


202  Hans  Beschorner: 

besonders  kunstvoll  war  die  Anordnung  beim  dritten  Gange, 
„dem  Konfektaufsatz" 

Aufser  Gold,  Silber  und  Zinn  wurde  bei  den  Tafeln, 
namentlich  bei  dem  dritten,  süfsen  Gang  und  dem  hinterher 
gereichten  Kaffee  (vgl.  6  Byrn  S.  iii),  Porzellan  verwendet, 
d.  h.  fremdländisches;  denn  dafs  Meifsner  Porzellan  im  Rade- 
witzer  Hauptquartier  gebraucht,  ja  dafs  hier,  wie  man  vielfach 
lesen  kann,  zum  erstenmal  von  Meifsner  Porzellan  gegessen 
worden  sei,  läfst  sich  urkundlich  wohl  kaum  nachweisen.  Die 
Fabel  beruht  entweder  auf  Mifsverstehen  der  Worte  des 
Staatskalenders  J  4  Sp.  2  (dazu  OHA.  I  f.  26):  ,, Unter 
ersteren  [Zelten]  speisten  dieses  Mahl  [d.  h.  bei  der  Verab- 
schiedung des  Preufsenkönigs]  die  Könige  mit  der  ganzen 
Suite  auf  Porcellain",  oder  auf  der  einfach  aus  der  Luft  ge- 
griffenen Erzählung  des  von  Engelhardt  (vgl.  diese  Zeitschrift 
XXVII,  121  Nr.  34)  benutzten  Lagerpredigers,  der  nach 
Engelhardt  S.  71  berichtete:  ,,Man  speisete  diesmal  auf  Por- 
zellan, damals  eine  Seltenheit,  die  alle  fremden  Herrschaften 
nicht  genug  bewundern  konnten;  denn  Böttcher,  der  Erfinder 
des  Porzellans,  war  noch  nicht  lange  tot.  Als  Friedrich 
Wilhelm  den  ersten  Teller  in  die  Hand  nahm,  soll  er  lachend 
gesagt  haben:  Der  heillose  Apothekerbursche  hätte  wohl 
auch  in  meinem  Berlin  bleiben  können.  Das  braune  Zeug 
ist  besser,  als  ich  mir's  imaginiret".  An  Porzellan,  soweit 
es  für  Tee,  Kaffee  und  Schokolade  gebraucht  wurde,  besafs 
die  Hofkonditorei  (bez.  die  Hofsiiberkammer)  einen  kleinen 
Vorrat,  nämlich  nach  der  Spezitikation  vom  22.  April  1730 
(OHA.  II  f.  1991.)  I.  ,,an  Jappanischem  Porcellain  auf  die 
drei  goldenen  und  die  Dames -Taffein  a)  21  Choccolade -Tassen 
(dabei  10  ohne  Henkel),  b)  21  Coffee -Tassen  und  c)  16  Thee- 
Tassen,  II.  an  schlechtem  Porcellain  auf  die  vier  silbernen 
Tafeln  a)  2  Coffee-  und  b)  11  Thee -Tassen".  Aufserdem 
waren  noch  8  Paar  Teetassen  da,  die  aber  teils  zu  klein, 
teils  zu  bestofsen  waren,  ,,so  dals  man  sie  füglich  niemand 
praesentiren  konnte".  Der  Bestand  langte  natürlich  nicht 
entfernt  für  den  Aufwand  des  Zeithainer  Lagers.  Es  fehlten 
von  I^  mindestens  11,  von  I''  27,  von  I'^  32,  von  11^  46, 
von  IP  37  Stück,  aufserdem  alle  gröfseren  Schüsseln  und 
Terrinen,  die  bei  den  ersten  beiden  Gängen  zu  Salaten  und 
ähnlichen  Gerichten  nötig  waren.  Die  Hofsilberkammer  bat 
deshalb  um  Ergänzung  ihrer  Bestände  für  die  Dauer  des 
Campements  aus  dem  Holländischen  Palais,  wo  damals  die 
kostbare  Porzellansammlung  des  Hofes  untergebracht  war; 
vgl.  J.  Louis  Sponsel,  Kabinettstücke   der  Meifsner  Porzellan- 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  203 

Manufaktur  von  Johann  Joachim  Kandier  (Leipzig  1900).  Der 
König  entschied  aber  am  20.  März  1730  (vgl.  OH A.  11  f  1991'.; 
danach  die  Beiferkungen  bei  6  Byrn  S.  112),  ,,dafs  das  be}' 
der  Küche  und  Conditore}-  benöthigte  feine  Porcellain  nicht 
aus  dero  Vorrath  [im  Holländischen  Palais]  hergegeben  werden 
sollte,  dazumahl  alle  erforderten  Sorten  daselbst  nicht  zu  be- 
finden seien.  Der  Oberkammerherr  Graf  Friese[n]  solle  sich 
vielmehr  umthun,  solches  zu  erkaufen".  Er  wandte  sich  des- 
halb an  die  Madame  Elsabeth  veue  de  Bastouches,  die  ein 
grofses  Porzellanlager  in  Dresden  hatte  (vgl.  6  B3Tn  S.  112 
und  Sponsel  a.  a.  O.  S.  11  f.).     In  ihrem  Gewölbe  fanden  sich 

I.  ,,an  Japanischem  Porcelain  a)  24  Paar  Coffeetassen ,  jedes 
Paar  ä  20  Gr.,  b)  10  Paar  dergleichen  andere  Fagon  ä  20  Gr., 
c)  12  Paar  Theetassen  ä  18  Gr.,  d)  12  Paar  dergl.  andere 
FaQon  ä  18  Gr.,  e)  24  Paar  dergl.  noch  andere  Facon  ä  18  Gr. 
und    f)    21   Stück   Choccoladetassen   mit   Henckeln   ä    16  Gr., 

II.  an  auswendig  ganz  braunem,  inwendig  aber  blau  und 
weifsem  Indianischen  Porcelain  a)  60  Paar  Coffeetassen,  jedes 
Paar  ä  12  Gr.,  b)  20  Paar  dergleichen  andere  Facon  ä  12  Gr., 
c)  60  Paar  Theetassen  ä  10  Gr.  und  d)  12  Paar  dergl.  andere 
Facon  ä  10  Gr.,  III.  an  blau  und  weifsem  Indianischen  Porcelan 
48  Stück  Chocoladetassen  mit  Henckeln  ä  12  Gr.,  in  summa 
für  177  Tlr.  8  Gr.  ohne  Moderation."  Davon  kaufte  der  Hof 
durch  den  Vize -Hof -Sekretarius  Gleichmann,  nach  vorheriger 
Besichtigung  durch  den  Baron  Le  Plat  und  Mr.  Teuffer, 
a)  „12  tasses  ä  chocolade,  b)  24  ä  caffee,  c)  36  ä  thee,  alles 
in  Japanischem  Porcellan",  gab  aber  nicht  die  vorgeschriebenen 
Preise  von  16  Gr.  für  a  (das  Stück),  20  Gr.  für  b  (das  Paar) 
und  18  Gr.  für  c  (das  Paar),  sondern  nur  9,  14  imd  14  Gr. 
Die  Frau  de  Bastouches,  die  sich  wegen  Krankheit  seit  längerer 
Zeit  schon  nicht  mehr  um  ihr  Geschäft  kümmern  konnte,  ging 
auf  den  Handel  ein.  In  einem  Briefe,  Ziesar,  den  30.  März  1730, 
schrieb  sie,  ,,sie  habe  das  Porzellan  zwar  nicht  gesehen,  könne 
daher  auch  den  Preis  nicht  wissen.  Sie  sei  aber  mit  allem 
einverstanden.  Sie  würde  Sr.  Excellens,  der,  wie  sie  wisse, 
nur  Rechtes  verlange,  ihre  ganze  Boutique  auch  umsonst 
geben". 

Da  aber  diese  von  der  Bastouches  erhandelten  Porzellan - 
tassen  noch  nicht  langten  und  ,,die  andern  Dresdner  Kauff- 
leuthe  dergleichen  nicht  in  solcher  Quantität  und  nach  dem 
Mafse  hatten,  schrieb  Friesen  deshalb  nach  Amsterdam  und 
ordinirte  solche[s]  Porcellain  von  dahero".  Es  traf  am  25.  Mai 
durch  Vermittlung  des  Leipziger  Bankiers  Dumont  im  Lager 
ein  (OHA.  I  f.  ^^l).  So  war  das  Kaffee-,  Tee-  und  Schoko- 
Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVIII.    3.  4.  I4 


2D4 


Hans  ßeschorner; 


ladenporzellan  beschafft.  Noch  fehlten  aber  die  Schalen, 
Schüsseln,  Terrinen  und  Näpfe  für  die  beiden  Gänge  der 
Mahlzeit  und  für  den  Konfektgang,  nämlich,  \vie  im  einzelnen 
Loc.  1064  f.  iigf.  genau  angegeben  ist,  I.  für  die  Küche 
6  Stück  Schalen  zu  20,  16  zu  16V2,  28  zu  15  Zoll  und  2  grofse 
Terrinen  mit  Decker,  IL  für  die  Konditorei  2  Stück  Schalen 
zu  20,  10  zu  16^2,  128  zu  15  Zoll  und  88  Milchnäpfe.  Da 
•diese  Stücke  in  der  Eile  nicht  aufzutreiben  waren  oder  da 
auch  vielleicht  das  Geld  zu  anderen  Dingen  nötiger  gebraucht 
wurde,  so  gab  der  König  schliefslich  doch  noch  seine  Ein- 
wilHgung,  dafs  aus  dem  Holländischen  Palais  folgende  Porzellane 
ausgeliehen  wurden  (OHA.  II  f.  199!;  Loc.  773  Das  Schloss 
zu  Dressden  angehende  Sachen  1676  — 1778  f.  93f.):  I.  an 
Jappanischem  Porcellan  a)  5  Stück  Mittelschüsseln  Nr.  206 
und  207,  b)  58  Stück  kleinere,  und  zwar  von  Nr.  210:  8, 
209:  6,  211:  3,  126:  3,  14:  4,  15:  7,  28:  8,  294:  13,  21:  2, 
133-  3>  ^9-  I'  c)  53  Stück  grofse  Terrinen  oder  Spühlcompen 
ohne  Deckel,  nämlich  von  Nr  23:  4,  79:  2,  80:  2,  88:  5, 
96:  2,  81:  I,  69:  6,  30:  4,  72:  6,  89:  8,  197:  I  und 
„12  Stück  ohne  Nummer,  so  der  Madame  Bastuchen  zu- 
kommen", II.  an  blau  und  weissem  Indianischen  Porcellan 
a)  3  Stück  grofse  Schüsseln  =  Nr.  524,  b)  92  Stück  kleinere 
Schüsseln,  nämlich  von  Nr.  138:  6,  137:  27.  301:  30,  510:  i, 
302:  14,  140:  2,  329:  4,  139:  5,  332:  3,  c)  47  Stück  Terrinen, 
nämlich  von  Nr.  372:  5,  527:  6,  555:  6,  331:  5,  373:  16, 
374-  5'  532 ■-  4-  Die  Gesamtsumme  der  ausgeliehenen  Stücke 
betrug  256.  Dazu  kam  aber  noch,  ebenfalls  am  14.  März  1730, 
eine  Nachforderung  von  66  Stück,  nämlich  i.  an  Jappanischem 
Porcellan  a)  5  grofse  Mittelschüsseln  (von  Nr.  12:  4,  von 
Nr.  132:  i),  b)  13  kleinere  Schüsseln  (von  Nr.  22:  8,  85:  4, 
23:  i),  IL  an  blau  und  weissem  Indianischen  Porcellan 
a.)  4  Stück  grofse  Terrinen  mit  Deckeln  (Nr.  547)  und  b)  bis 
e)  44  kleinere  Schüsseln  (von  Nr.  524:  4,  369:  6,  138:  6, 
301:    2  8j. 

Die  zwölf  Tafeln  täghch  mit  ungezählten  Speisen  und 
Leckerbissen  zu  versehen,  war  keine  Kleinigkeit.  Ein  ganzes 
Heer  von  Köchen  war  dazu  aufgeboten,  u.  a.  89  fremde  Köche, 
28  Beiarbeiter,  43  Küchenmägde  und  23  Bratenwenderjungen 
(Loc.  1056  Acta  varia  f.  135!,  OHA.  II  f.  65  f).  Die  fremden 
Köche  waren  wohl  zum  gröfsten  Teile  aus  Paris,  so  die 
Küchenmeister  Beruteaux  (Barutau)  und  la  Rue,  die  Bei- 
köche Roblein  (Robelin)  und  Tappein  (Tapinj,  der  aus 
Leyden  gebürtige  Pastetenbäcker  Layderet  und  der  Brat- 
koch   Bonard,   die  Graf  Divr}-   in  Paris   besorgte  (Loc.  900 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  205 

f.  Syf.,  Schreiben  vom  27.  Februar  1730).  Die  Gräfin  Orzelska, 
bei  der  öfters,  z.  B.  am  4.  mid  19.  Juni,  gewählte  Soupers  mit 
anschhefsenden  Bällen  (entweder  ,,auf  dem  vorderen"  oder 
,,auf  dem  hinteren  Saale''  ihres  Palais,  d.  h.  des  Damen- 
palais; s.  oben  S.  96)  stattfanden,  hatte  ihr  eigenes  Küchen- 
personal, darunter  sieben  fremde  Köche,  einen  Zehrgärtner 
und  drei  Bratenwender  (OHA.  I  f.  13'^  und  21,   II  f.  67). 

Für  Beschaffung  der  nötigen  Lebensmittel  war  in  weitest- 
gehendem Mafse  gesorgt.  Täglich  traf  eine  ,,Küchen-Callesche 
mit  Victualien  aus  Dresden"  ein  (OHA.  I  f.  12;  Loc.  900 
f.  181.:  ,,162  Tlr.  Postgeld,  die  Küchenpost  währendem  Cam- 
pement  zu  führen").  Das  Gemüse  hatten  die  königlichen 
Gärtner  in  Annaburg,  Pretzsch  und  Torgau  zu  liefern.  Für 
die  fehlenden  ,, Gartensachen"  mufsten  die  Leipziger  und 
Dresdner  Hofgärtner  eintreten  (OHA.  II  f.  83 — 91),  Massen- 
haft lieferten  sie  „Erdbeeren,  Artizschocken,  grünen  und  Brech- 
spargel, Champignions,  Weifskrauth,  junge  gelbe  und  weifse 
Rüben,  Rettiesgen,  grüne  Petersilie,  Petersilienwurzeln,  Kräuter- 
salathe,  Staudensalate,  Gartenkresse,  Pordulack,  frische  Gur- 
cken,  Zuckerschoden,  grüne  Bohnen,  Spinath,  Sauerrampf, 
Kürbelkrauth,  junge  Zwiebeln,  Porro,  Schnittlauch,  junge 
grüne  Chalotten,  Basilicum,  Lorbeerblätter,  Thiemian,  Salbey, 
Staudenfenchel,  Orangenblüthen,  allerhand  Bluhmen-  und 
Orangenblätter  zum  Garniren". 

Um  immer  gehörigen  Vorrat  an  frischen  Fischen  zu 
haben,  wurden  eigens  für  das  Radewitzer  Hauptquartier  zwei 
Torgauer,  zwei  Moritzburger  Teiche  und  der  Dresdner  Stadt- 
graben vorbehalten.  Lachse  lieferte  die  Elbe  mit  ihren  Neben- 
flüssen (Loc.  900  f.  5 5 f.:  ,,171  Tlr.  den  Fischern  vor  171  Pfund 
Lachfs"),  Forellen,  die  der  Schösser  in  Augustusburg  zu  be- 
sorgen hatte,  die  Gewässer  des  Erzgebirges  (OHA.  II  f.  41  f.; 
Loc.  35043  f.  50  und  67).  Den  Amtleuten  zu  Nossen,  Meissen, 
Hayn,  Mühlberg  usw.  wurde  „schleunigste  Fortschaffung  .  .  . 
der  vorfallenden  Fischlieferungen  .  .  .  auf  jedesmahlige  vor- 
herige Anzeige  des  Oberlandfischmeisters"  eingeschärft;  vgl. 
den  Befehl  vom  13.  April  1730  Kop.  der  II.  Rent-Expedition 
1730  Vol.  I  f.  2oof. 

Das  gemästete  Vieh  und  die  geräucherten  Waren  hatte 
der  Hofmetzgermeister  Johann  Georg  He3'ne  ,,in  grofser 
Quantität"  zu  Hefern  (OHA.  II  f.  99),  für  das  Wildpret  da- 
gegen hatte  der  Oberjägermeister  C.  H.  von  Leibnitz  (Leub- 
nitz)  zu  sorgen.  Er  war  dafür  verantworthch,  dafs  jede 
Woche  ,,2  Kolbenhirsche,  2  Stücken  Wild,  2  Wildkälber, 
4  Rehe,   4  Frischlinge,  6  alte  und  8  junge  Hasen,   20  Phaa- 

14* 


2o6  Hans  Beschorner: 

sahnen  und  50  Rebhühner"  eingingen.  Da  aber  mit  diesem 
,, bisher  geUeferten  Wildpreth  bey  der  so  starcken  Aufsspeisung 
unmöghch  auszukommen  war",  so  mufste  er  bald  noch  über 
,,die  ganz  ordenthche  Lieferung"  wöchenthch  ,,4  Hirsche, 
6  Rehe,  6  Wildkälber,  8  Frischlinge,  16  junge  und  alte  Haasen" 
beschaffen.  Aufserdem  wurde  viel  Federwild,  namentlich 
Fasanen  und  Rebhühner,  aus  Böhmen  bezogen.  Die  Vasallen 
der  Zeithainer  Gegend  aber,  die  Mittel-  und  Niederjagd  be- 
safsen,  durften  in  der  Zeit  des  Campements  kein  Wild  nach 
auswärts  verkaufen,  sondern  mufsten  alles,  was  sie  nicht 
selbst  verzehrten,  an  die  Hefküche  abliefern  (OHA.  II  f.  59, 
87 f.,  99,  192  f.,  auch  mehrere  Einträge  in  den  Rentkopialen 
der  Zeit). 

Was  die  Küchen verwaltvmg,  deren  oberste  Leitung  der 
Oberküchenmeister  von  Seifertitz  hatte,  leistete,  können  wir 
am  besten  an  dem  in  vieler  Hinsicht  höchst  interessanten 
Speisezettel  vom  4.  Juni  1730  ersehen,  der  uns  OHA.  I 
f.  82 — 97  erhalten  ist  und  eine  gewöhnliche,  alltägliche  Speise- 
folge für  den  Mittag  und  Abend  bietet,  nicht  etwa  die  einer 
besonderen  Festlichkeit;  denn  mit  dem  intimen  Feste  zu 
26  Gedecken,  das  die  Gräfin  Orzelska  am  4.  Juni  abends  gab, 
hat  er  nichts  zu  tun.  Das  Menü  ist  für  sämtliche  zwölf 
Tafeln  aufgestellt.  Für  jede  der  durchaus  verschieden  be- 
handelten Tafeln  sind,  wie  dies  damals  üblich  war,  zwei 
Gänge  vorgesehen.  Das  Servieren  dieser  zwei  Gänge  erfolgte 
in  der  Weise,  dafs  die  ganze  Tafel  mit  den  verschieden- 
artigsten Gerichten  besetzt  wurde,  so  dafs  sich  jeder  mit 
Hilfe  der  aufwartenden  Bedienung  nehmen  konnte,  worauf 
er  gerade  Appetit  hatte.  War  der  erste  Gang  abgegessen, 
folsfte  der  zweite  Gang  in  einer  neuen  Reihe  von  Tellern 
und  Schüsseln,  die  an  Stelle  der  leeren  gesetzt  wurden.  Nach 
dem  zweiten  Gange  wurde  die  Tafel  gänzlich  abgeräumt,  das 
Tischtuch  gewechselt  und  dann  der  Konfektgang  aufgetragen. 

Von  dem  im  wesentlichen  gut  deutsch  abgefafsten  Menü, 
das  bis  auf  einige  unwesentliche  Kürzungen  vollständig  in 
einem  der  nächsten  Hefte  des  ,, Archivs  für  Kulturgeschichte" 
(herausgegeben  von  Steinhausen)  abgedruckt  wird,  seien  hier 
wenigstens  einige  charakteristische  Proben  mitgeteilt.  Der 
erste  Gang  der  I.  oder  Königstafel,  der  auf  10  Mittelschüsseln, 
lo  kleinen  Schüsseln,  18  Assietten  und  4  Küchentellern  an- 
gerichtet wurde,  bestand  aus  folgenden  Speisen:  i.  zwei  Suppen 
von  Kalbsbouillon  mit  8  farcierten  jungen  Hühnern,  frischen 
Gurken,  Staudensalat  und  Portulak;  2.  zwei  Linsensuppen  mit 
4  jungen  zahmen  Enten  darin;  3.  zweimal  56  Pfund  englischem 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730  207 

Rinderbraten  en  ballon,  garniert  mit  Marinade  von  12  jungen 
Hühnern;  4.  zwei  50  Pfund  schweren  Rindschwanzstücken 
naturel  mit  sauce  hachee  von  gedörrten  Trüffeln  und  Pfeffer- 
gurken; 5.  zwei  frischen,  glassierten  und  gespickten  Lachsen 
zu  je  15  Pfund,  garniert  mit  kleinen  Pastetchen  von  zwei  jungen 
Kapaunen  und  drei  Schock  Krebsen;  6.  zwei  geräucherten 
2  2 -Pfund-Schinken  ä  la  crepine  mit  Sauce  von  2  Pfund  Karpfen 
und  Champagner;  7.  zwei  Schöpskeulen  zu  je  18  Pfund,  far- 
ciert  mit  4  Pfund  Schweinefleisch  und  Nierenstollen  ä  la  braise, 
dazu  Ragout  von  Karviol;  8.  Pasteten  ä  l'anglaise  von  16  Pfund 
Rindfleisch  und  2  Hasen  mit  Blut  und  sauce  hachee  von 
Trüffeln  und  frischen  Champignons;  9.  Pasteten  von  20  Pfund 
Schöpsenkeule  mit  Ragout  von  frischen  Champignons  und 
Schinkenessenz;  10.  drei  Pfund  frischem  und  drei  Pfund  ab- 
gehobenem Lachs  mit  grünen  Schoten  ä  l'anglaise  und  Butter; 

11.  acht   jungen   Hühnern    mit   Steinkraut   grillee   in   Papier; 

1 2.  sechzehn  Pfund  mitPetersilie  gespickter  und  gebratenerKalbs- 
lende  und  Staudensalat;  13.  acht  gekochten  jungen  Hühnern, 
farciert  mit  3  Pfund  Kalbfleisch,  8  Pfund  Schweinefleisch  und 
Rindermark,  dazu  Ragout  von  Spargel  ä  l'anglaise;  14.  acht 
jungen  Kapaunen  mit  grünen  Stachelbeeren;  15.  zwölf  jungen, 
mit  Schinken  und  Speck  gespickten  Tauben  ä  la  braise  mit 
Trüff"eln;  16.  zehn  jungen  zahmen  Enten,  farciert  mit  Lebern 
ä  la  broche,  dazu  frische  Gurken;  17.  acht  Poularden  mit 
Essenz  und  Ragout  von  Schinken;  18.  acht  Pfund  Rinds- 
kaldaunen en  poupiettes,  mit  2  Kapaunen  farciert,  mit  Par- 
mesankäse paniert  und  mit  sauce  hachee  angerichtet; 
19.  zwanzig  Pfund  grillierten  Schweinskoteletten  mit  warmer 
Remoulade;  20.  drei  en  filet  gebratenen  Kapaunen  mit  grofsen 
Nudeln  ä  la  creme  und  frischer  Butter;  21.  gebackenem  Reis- 
kuchen mit   i\-2  Schock  Krebsen. 

Der  zweite  Gang  dagegen  setzte  sich  aus  folgenden  21 
Doppelgerichten  zusammen,  zu  denen  wieder  10  mittlere, 
10  kleine  Schüsseln,  18  Assietten  und  4  Küchenteller  not- 
wendig waren:  i.  Galantine  von  36  Pfund  Rindsköpfen, 
28  Pfund  Schweinsköpfen,  6  Pfund  frischem  Schweinefleisch 
und  3  geräucherten  Rinderzungen,  garniert  mit  8  Rinder- 
zungen; 2.  abgehobenem  Truthahn  ä  la  daube'),  mit  Morta- 
dellawurst garniert;  3.  kalter  Pastete  von  4  zahmen  Gänsen 
en  galantine  mit  4  geräucherten  Rindszungen;  4.  gebackenem 
Mandelkuchen,  garniert  mit  Torteletchen  von  Pistaziencreme; 


')  d.  h.  nach  Zedier,  Universallexikon  I,  900,  „mit  Wein,  etwas 
wenig  Wasser,  Essig  und  gantzer  Würtze  abgekocht". 


2o8  Hans  Beschorner: 

5.  Torten  von  Mandelteig,  garniert  mit  Torteletchen  von  ein- 
gemachten Kirschen  und  Pistaziencreme;  6.  zwei  Pfund  ge- 
bratenem kleinen  Frischling,  5  Pfund  Wildkalbskeule,  3  Pfund 
jungem  Reh  und  6  jungen  Taviben;  7.  acht  gebratenen  jungen 
Kapaunen  und  8  jungen  Hühnern;  8.  sechs  gebratenen  alten 
Kapaunen;  9.  einem  gebratenen  Lamm  und  8  jungen  zahmen 
Enten;  10.  zehn  Pfund  gebratenem  Wildkalb,  6  Pfund  Frisch- 
ling, 2  gebratenen  Fasanen  und  4  Rebhühnern;  11.  gebackenem 
Creme  von  eingemachten  Orangeschalen  und  Zitronat;  12.  ge- 
backenen  Spritzkuchen  aus  dem  Schmalze;  13.  Apfelsinen- 
kompott mit  Äpfelgelee;  14.  Artischocken  mit  weifser  Sauce; 
i5.Profitroles^)  mit  Ragout  von  Kalbsmilch,  2  Schock  Krebsen, 
Spargel  und  Trüffeln;  16.  Spargel  mit  Öl;  17.  Spargel  mit 
weifser  Sauce  und  Eidottern;  18.  Kalbsohren  en  filet  weifs; 
19.  Brot,  mit  Pistaziencreme  farciert  und  grilliert;  20.  ge- 
rollten Eierkuchen,  mit  Parmesankäse  glassiert;  21.  Eiern  mit 
Brot  ä  la  crepine.  Überdies  gab  es  noch  frischen  Gurken- 
und  Staudensalat. 

Der  König  afs  von  all  diesen  guten  Dingen  nicht  mit, 
sondern  liefs  sich  folgende  Speisen  servieren,  die  offenbar 
nach  seinem  besonderen  Geschmacke  zusammengestellt  waren: 

1.  neun  Pfund  Rindsschwanzstück  ä  Fanglaise  mit  Petersilien- 
sauce und  jungen  gelben   Rüben,    weifs,    mit  frischer  Butter; 

2.  sechs  Pfund  Schinken  mit  grünen  Bohnen;  3.  drei  junge 
Hühner,  mit  einem  Schock  grofser  Krebse  farciert;  4.  Torte 
mit  Filet  von  3  Poularden,  Champagnerwein  und  frischen 
Champignons;  5.  Schöpskoteletten  zu  5 '2  Pfund  mit  Sauce 
von  Verjus-);  6.  grofse  Klöser  von  Semmel  und  Speck  mit 
Filet  von  einem  Truthahn;  7.  einen  gebratenen  jungen  Kapaun 
und  2  Poularden;  8.  vier  Pfund  gebratenen  Wildkalbsrücken 
und  2  Tauben;  9.  Artischocken  mit  Eis;  10.  Spargel  mit  Ol; 
II.  Eierkuchen  mit  Parmesankäse;  12.  Semmeln,  gefüllt  mit 
Pistaziencreme.     Salat  von  frischen  Gurken. 


1)  Zedier,  Universallexikon  XXIX,  775  :  „Profiterols  sind  kleine 
Klöser  von  Kalbfleisch  und  Eyern,  auch  etvas  Mehl  in  Butter". 

"-)  Zedier,  Universallexikon  I,  815:  „Verjus  (Agresta,  Om- 
phax  usw.)  ...  ist  ein  Sattt,  welchen  man  aus  den  grünen,  unreitten 
und  sauren  Trauben  macht  ...  Er  dienet  in  der  Küchen  anstatt 
des  Essigs  .  .  .  Ferner  werden  auch  Agrest  genennet  eingemachte 
Weinbeeren,  welche,  wenn  sie  noch  hart  sind,  von  den  Stengeln 
fein  gemach  abgerissen,  rein  gewaschen,  wieder  abgetrocknet,  in 
einen  reinen  Hafen  gethan,  mit  abgesottenem  Essig  übergössen  und 
beschweret  werden.  Sie  sind  anstatt  der  Oliven  zu  gebrauchen. 
Noch  heifset  man  Agrest  den  Saflt  von  unreiffen  Trauben,  wenn 
er  mit  Zucker  und  dem  Gelben  von  Citronen  zu  einem  Syrup  ge- 
sotten wird." 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  209 

Die  Genüsse  der  zwölf  Tafeln  stuften  sich  selbstverständ- 
lich nach  unten  hin  ab.  Von  der  neunten  Tafel  an  gab  es 
z.  B.  nur  noch  einen  Gang.  Immerhin  war  das,  was  die 
„Domestiquen"  an  der  zwölften  Tafel  vorgesetzt  bekamen, 
auch  nicht  zu  verachten.  Sie  erhielten  folgende  Doppel- 
gerichte: I.  Linsensuppe  von  7  Pfund  Schöpsenfleisch; 
2.  Kräutersuppe  von  2  Kapaunen;  3.  gebratene  Wildkeulen 
zu  28  Pfund;  4.  vier  gebratene  Truthühner  und  8  junge 
Hühner;  5.  vier  gebratene  junge  Gänse  und  12  junge  Tauben; 
6.  abgehobenes  Pökelrindfleisch;  7.  abgehobene  Pastete  von 
Kapaun^);  8  Pastete  von  Lammfleisch  mit  SpargeP);  9.  ab- 
gehobene Schöpskeule  ä  la  braise');  10.  zehn  Pfund  Kalbs- 
schlegel mit  Jus  und  frischer  Butter^);  11.  vier  zahme  Gänse 
ä  la  breche  mit  Stachelbeeren;  12.  zwei  Truthähne  mit  sauce 
hachee  von  gedörrten  Trüffeln;  13.  zwölf  Pfund  frisches 
Schweinefleisch  mit  gedörrten  Erbsen;  14.  sechs  Pfund  Kalb- 
fleisch mit  Kapern  und  kleinen  Rosinen;  15.  Torten  von  ein- 
gemachten Kirschen,  mit  dergleichen  Torteletchen  garniert; 
16.  Gänseklein  schwarz;  17.  vier  Kalbsgekröse  en  fricassee; 
18.  zwölf  junge  Hühner  en  fricassee  mit  Trüffeln;  19.  ge- 
backene  Torte  von  eingemachten  Kirschen;  20.  abgehobene 
Tauben  mit  Artischockenböden;  22.  acht  Pfund  junge  Tauben 
mit  2  Schock  Krebsen  en  compot.  Überdies  Salat  von  frischen 
Gurken,  grofsen  Oliven  und  Staudensalat. 

War  die  täsfliche  Zurichtuno-  dieser  zwölf  Tafeln  schon 
eine  Riesenleistung,  so  wuchsen  die  Anforderungen,  die  an 
die  Küchen  Verwaltung  gestellt  wurden,  noch  wesentlich  da- 
durch, dafs  aufserdem  zahlreiche  Hofbeamte  und  Be- 
diente, die  für  sich  speisten,  verpflegt  werden  mufsten.  Am 
4.  Juni  handelte  es  sich  beispielsweise  noch  um  folgende 
Gerichte:  für  den  königl.  Beichtvater  4  halbe  Essen 
(i.  Suppe  von  einem  alten  Huhn  mit  Nudeln;  2.  Rindfleisch, 
2  Pfund,  mit  gantzem  Gewürtz:  3.  abgehobene  Tauben  mit 
Spargel;  4.  ''4  gebratenes  Lamm  mit  einem  jungen  Huhn), 
für  den  Hofkaplan  3  Essen,  für  die  vier  Küchenmeister  8  Essen 
(aus  16  Gerichten  bestehend,  darunter  2  abgehobene  junge 
Hühner  ä  la  Dame  Simonie),  für  die  königl.  Kammerdiener 
und  Leibbarbiere  4  Essen,  auf  den  Hofküchenschreibertisch  4, 
für  der  Gräfin  Orzelska  Kammermädchen  6,  für  die  sämt- 
lichen Küchenpersonen  (inkl.  der  angenommenen)  51' 2  Essen 
(40  Pfund  Rindfleisch,  108  Pfund  Schöpsenfleisch,  40  Pfund 
Kalbfleisch,    i   Stück   Kalbskopf  ohne   Füfse,    i   Stück  Kalbs- 

')  7 — 10  nur  einfache  Gerichte,  nicht  doppelt  serviert. 


2IO  Hans  Beschorner: 

lunge,  lo  Pfund  gebratenen  Hirschzemmel,  9  Pfund  gebratenen 
Wildsbug);  ferner  für  den  General  Sapi[ehja  3  Assietten,  für 
den  Reisestallmeister  Bombsdorf  4  Teller  (darunter  3  frische 
Lachse,  V.2  Pfund,  blau),  für  den  Generalquartiermeister 
Reinard  2  Assietten,  für  den  General  Grumbkow  abgehobenen 
gebratenen  Kapaun,  für  den  Generalmajor  Linger  2  Assietten, 
für  den  Obristen  Kröcher  3  Assietten,  den  königl.  Hof- 
ofticianten  12  Essen  (darunter  abgehobenen  Aal  blau,  3  Pfund 
Karpffen  schwartz),  für  die  königl.  Bereiter,  Stallsekretäre 
und  Stallschreiber  5  Essen  (darunter  5  gebratene  Wildsbüge 
zu  9  Pfund),  für  die  königl.  Bettmeister  und  Tapezierer 
8  Essen,  für  den  Geh.  Kammerschreiber  Rüger  3  Assietten, 
für  den  Hauskellner  3  Assietten,  für  den  Moritzburger  Amt- 
mann 2  Essen,  die  königl.  Leibwäscherin  Lippin  3  Essen, 
die  Konditorgesellen  4  Essen,  für  viele  königliche  und  herr- 
schafftliche  Bediente  6  Essen,  für  die  kronprinzl.  Lakais  [einen] 
abgehobenen  halben  Schöps,  den  Janitscharen,  so  Speisen  ge- 
tragen, 3  Essen,  den  französischen  Köchen  4  Essen,  den 
preussischen  und  fremden  angenommenen  Köchen  4  Essen, 
den  königl.  ]:)reuss.  Leibschützen  und  Kammerlakaien  4  Essen, 
den  königl.  preuss.  Kammerbedienten  4  Essen  (darunter  2  ab- 
gehobene Hechte  polnisch),  für  des  königl.  preuss.  Kron- 
prinzen Kammerleute  3  Essen,  für  die  fürstl.  dessauischen 
Bedienten  5  Essen,  für  die  prinzl.  dessauischen  Kammer- 
und  anderen  Bedienten  5  Essen,  des  Prinzen  von  Holstein 
Kammerdiener  2  Essen,  für  des  Generals  Grumbkow  Bedienten 
2  Essen,  den  Bereiter-Scholaren  2  Essen,  den  Bockpfeifern 
abgehobenes  Rindfleisch,  für  den  Zeltschneider  2  Essen,  für 
den  Herrn  Geh.  Kriegsrat  Schumacher  6  Assietten,  für  die 
Madame  Poczyn  2  Assietten  (i  abgehobene  Pastete  von  Wilds- 
kalb, 6  gebratene  kleine  junge  Hühner  polnisch). 

Für  den  Abend  desselben  Sonntags  hatte  die  Hofküchen- 
verwaltung aufserdem  noch  für  eine  königliche  Tafel  (bestehend 
aus  8  mittlen,  10  kleinen  Schüsseln,  16  Assietten  und  4  Küchen- 
tellern), für  eine  Marschalls-Tafel  (bestehend  aus  10  kleinen 
Schüsseln  und  10  Assietten)  und  für  folgende  Sonderabend- 
mahlzeiten zu  sorgen:  4  halbe  Essen  für  den  königl.  Beicht- 
vater (i.  abgehobene  Gans  mit  Stachelbeeren,  2.  abgehobenes 
Kalbfleisch  mit  Capern,  3.  abgehobenes  Gebackenes,  4.  2  Vi  Pfund 
gebratene  Kalbsniere),  8  Essen  den  vier  Küchenmeistern 
(16  Gerichte,  u.  a.  3  Pfund  geräucherten  kalten  Schinken, 
abgehobenen  Hecht  polnisch,  abgehobenes  Gebackenes  usw.), 
4  Essen  den  königl.  Kammerdienern  und  Leibbarbieren,  4  Essen 
auf  den   Hofküchenschreibertisch,   5172  Essen  den  sämtlichen 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  2ll 

Küchenpersonen,  inkl.  der  angenommenen;  ferner  6  Assietten 
für  den  Herrn  Kämmerer  von  Brühl  (i.  Kalte  Schale  von 
Rheinwein  mit  schwarzem  Brot  und  kleinen  Rosinen;  2.  vier- 
einhalb Pfund  mit  grolsem  Speck  durchzogene  und  glassierte 
Kalbsscheiben  mit  Essenz  von  Schinken;  3.  sechs  junge  Tauben 
mit  Petersilie;  4.  fünf  Pfund  gebratene  Kalbsniere  und  3  kleine 
junge  Hühner;  5,  gebackene  Kirschtorte;  6.  eine  halbe  Lamms- 
brust ä  la  St.  Menhout;  Salat  von  frischen  Gurken),  4  Assietten 
für  denWoywoden  von  Sendomir,  3  Teller  für  den  französischen 
Residenten,  9  Essen  für  die  königl.  poln.  und  königl.  preuss., 
ingl.  fürstl.  dessauischen  Pagen,  6  Essen  für  der  Gräfin  Orzelska 
Kammerleute  (u,  a.  auch  Kalte  Schale  von  Rheinwein,  ferner 
gebackenen  Hasenkuchen  usw.),  2  Essen  für  den  Zeltschneider 
und  dessen  Leute,  endlich  abgehobenes  Rindfleisch  und  ab- 
gehobene  gebratene  Schöpskeule  den  Kammertürken. 

,,Sr.  Königl.  Majestät  Abendtafel"  aber  bestand  aus  fol- 
genden Gerichten:  i.  abgehobene  kalte  Truthahnpastete. 
2.  Abgehobenes  ä  la  dauby  von  zahmen  Gänsen  in  Gallan- 
tine.  3.  und  4.  eine  zwanzigpfündige,  gespickte  und  gebratene 
Kalbskeule  mit  Jus  und  frischer  Butter.  5.  und  6.  Torten 
mit  Creme  von  Pistazien,  garniert  mit  Tortletchen  von  ein- 
gemachten Kirschen.  7.  und  8.  gebackene  Hefenkuchen, 
ebenfalls  garniert  mit  Tortletchen  von  eingemachten  Kirschen. 

9.  fünf   Pfund    frischer    grillierter    Lachs     mit   Sauerampfer. 

10.  grilherte  Lammsköpfchen  mit  Zitronensaft.  11.  und  12. 
Terrinen  mit  16  zerschnittenen  jungen  Hühnern  und  Brech- 
spargel. 13.  Terrine  mit  Suppe  sante  von  zwei  Kapaunen 
mit  Jus.  14.  Terrine  mit  Kaltschale  von  Rheinwein,  kleinen 
Rosinen  und  Schwarzbrot.  15.  und  16,  acht  junge  gebratene 
Kapaunen  und  8  junge  Hühner.  17.  vier  Pfund  Rehrücken, 
zwei  Rebhühner  und  5  wilde  Tauben.  18.  zwei  gebratene 
Frischlinge  von  8  Pfund  und  2  junge  Hasen.  19.  und  20. 
fünfzehn  Pfund  gebratene  Rindslende  ä  la  polonaise.  21.  und 
22.  neun  Pfund  gebratene  Schöpsenlenden  ä  Tanglaise  mit 
Staudensalat.  23.  und  24.  acht  junge  Kapaunen,  farciert 
ä  la  braise  mit  Zwiebeln.  25.  und  26.  acht  junge  zahme 
Enten  in  Gallantine  ä  la  braise  mit  Stangenspargel.  27.  und 
28.  Apfelsinengelee.  29.  und  30.  Blanc-manger  von  Mandeln 
(eine  besondere  Art  Gelee  von  Mandelmilch).  31.  bis  34. 
Spargel  mit  Öl  oder  mit  weifser  Sauce.  35.  und  36.  Torten 
von  12  jungen  Tauben  mit  2  Schock  Krebsen  ä  la  creme. 
37.  und  38.  Torten  von  jungen  Hasen  mit  Champagner. 
Aufserdem  Salat  von  Radieschen,  frischen  Gurken,  Stauden- 
salat und  grofsen  Oliven. 


212  Hans  Beschorner: 

Bei  der  Marschalltafel  gab  es  dagegen  abends:  i.  ein 
halbes  gebratenes  Lamm  und  4  junge  Hühner,  z.  acht  ge- 
bratene junge  Kapaunen.  3.  drei  Pfund  gebratenen  Reh- 
rücken und  6  Tauben.  4.  einen  gebratenen  Frischling  von 
4  Pfund  und  4  junge  zahme  Enten  5.  und  6.  abgehobene 
Gallantine  von  zahmem  Schweins-  und  Rindskopf  nebst  Rinds- 
zungen, mit  Staudensalat.  7.  und  8.  Torten  von  eingemachten 
Kirschen,  mit  ebensolchen  Törtchen  garniert.  9.  eine  Schöps- 
keule von  II  Pfund  ä  la  broche  mit  frischen  Gurken.  10.  eine 
Kalbskeule  von  14  Pfund  ä  la  broche  mit  Jus.  11.  Torte 
von  Lammfleisch  mit  Spargel.  12.  Torte  von  7  jungen 
Hühnern  mit  einem  Schock  Krebsen.  13.  abgehobene  zahme 
Enten  mit  Gurkensauce.  14.  vier  junge  Hühner  mit  Sauce  ä 
Tespagnole.  15.  acht  junge  Tauben  in  Kompott  mit  Kalbsmilch. 
16.  einezahmeGansmit  eingemachten  Kirschen.  17.  und  18.  ab- 
gehobene Artischocken  mit  Semmelbrühe.  19.  und  20.  Spargel 
mit  weifser  Sauce.     Dazu  Salat  von  Gurken  und  Staudensalat. 

Macht  man  einen  ungefähren  Überschlag,  so  brauchte 
die  Hofküchenverwaltung  an  diesem  einen  Tage,  einem  ge- 
wöhnlichen Sonntage,  nicht  weniger  als  751  Pfund  Rind-, 
399  Pfund  Kalb-,  377  Pfund  Schöpsen-  und  168  Pfund 
Schweinefleisch  (einschliefslich  der  Wildschweine),  61  Rinds- 
zungen, 14  Lämmer,  4  Spanferkel,  91  Pfund  Schinken, 
174  Pfund  Wildpret,  12  Hasen,  489  Hühner  (einschUefslich 
der  Truthühner),  6  Fasanen,  169  Kapaune,  286  Tauben, 
92  Enten,  65  Gänse,  11  Rebhühner,  26  Schock  Krebse, 
30  Pfund  Lachs,  32  Pfund  Hecht,  5  Pfund  Karpfen,  15  Pfund 
Mettwurst  und  26  Bratwürste.  Dazu  kamen  noch  496  Pfund 
Rind-,  223  Pfund  Kalb-  und  12  Pfund  Schweinefleisch,  41  Pfund 
Nierenstollen,  78  Pfund  geräucherter  Schinken,  24  Pfund 
frischer  und  99  Pfund  geräucherter  Speck  und  10  alte  Hühner 
,,zum  Zurichten  derer  sämbtlichen  Speisen",  d.  h.  zur  Ge- 
winnung von  ,, Bouillon,  Ju,  Coully,  Farce  und  Braise",  ferner 
55  Pfund  geräucherter  Speck  zum  Braten  und  ein  grofser 
Vorrat  von  abgehobenen  Schinken,  Rindszungen,  Rehkeulen 
(bez.  -rücken),  Rinderbraten,  Gänsen  ä  la  daube,  Kalbs-  und 
Schöpskeulen,  von  abgehobenen  gebratenen  Frischlingen, 
Kapaunen,  Fasanen,  Rebhühnern,  Wildkeulen,  Gänsen,  von 
frischer  Butter  und  Käse  ,, abends  vor  viele  hohe  Herrschaftten, 
cronprintzliche,  preufsische,  dessauische  und  andere  printz- 
liche  Cammerbedienten,  Secretaire,  Laquayen  und  Stallleuthe''. 
Bei  dieser  Massenvertilgung  kann  man  es  schon  verstehen, 
wenn  allein  in  der  Hofküche  während  des  Campements  bei- 
nahe 35000  Tlr.  aufgingen! 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  213 

Zu  dem  Essen  wurde  selbstverständlich  tüchtig  getrunken. 
Wir  wissen  zwar  nicht,  was  gerade  an  dem  4.  Juni,  auf  den 
sich  obige  Speisekarte  bezieht,  getrunken  worden  ist,  wohl  aber 
haben  wir  OHA.  I  f.  89^ — 95  eine  genaue  Spezifikation,  was 
,, Radewitz,  Montags  am  i9ten  Junii  1730,  bey  der  König]. 
Hoffkellerey  aufgangen".  Es  waren:  849  Bouteillen  Tokaier, 
46  Champagner,  205V2  Burgunder,  8  Pontacq  (d.  h.  Bordeaux), 
7  Ratafia  Romano  (Likör  aus  Spiritus  und  Fruchtsaft),  12  Eimer 
30  Mafs  Rheinwein,  5  Eimer  7i',2  Mafs  Landwein,  i^.,  Mafs 
Kümmelbranntwein,  2^4  Mafs  Chemnitzer  Luftwasser  (wohl 
auch  ein  Schnaps),  14  Flaschen  Dünnsteiner,  28  Flaschen 
Selzer  und  9  Flaschen  Egerischer  Sauerbrunnen.  Auf  diese 
summarische  Übersicht,  bei  der  die  241  Bouteillen  Tokaier 
,,von  differenten  Sorten,  3  Bouteillen  Champagner  D,  1 1  Bur- 
gunder N,  I  Bouteille  Ratafia  Romano,  die  103  Mafs  Rhein- 
wein, 90  Landwein,  '4  Kümmelbrandwein,  '^  4  Chemnitzer 
Luftwasser"  nicht  eingerechnet  sind,  ,,so  bej'  abermahligem 
militairischen  Exercitio  aufn  Pavillon  aufgegangen",  folgen 
genaue  Angaben,  wie  sich  die  konsumierten  Getränke  auf 
die  einzelnen  Tafeln  und  sonstigen  Empfänger  verteilten.  An 
der  Königs-  oder  ersten  goldenen  Tafel  im  Palais  wurden 
z.  B.  mittags  getrunken  43  Bouteillen  Tokaier  (von  Sorte 
Nr.  loiA:  i,  28:  19,  56:  9,  195:  14),  8  Bouteillen  Bur- 
gunder N,  16  Mafs  Mosel-,  42 V2  Rhein-,  14  Landwein  und 
^,2  Mafs  Kümmelbranntwein;  an  der  ersten  silbernen,  an  der 
die  preufsischen  Offiziere  safsen:  28  Bouteillen  Tokaier  (von 
Sorte  Nr.  186C:  20,  von  90:  8),  7  Bouteillen  Burgunder  N, 
5  Mafs  Mosel-,  30  Rhein-,  8  Landwein,  2  Flaschen  Dünn- 
steiner und  3  Flaschen  Egerischer  Sauerbrunnen.  Dafs  die 
Damen  auch  ganz  gern  ihr  Glas  tranken,  lehrt  die  Angabe, 
dafs  mittags  an  der  Damentafel  24  Bouteillen  Tokaier  (von 
Nr.  168D:  5,  18:  6,  159:  13),  6  Burgunder,  3  Pontacq, 
13  V2  Mafs  Rhein-,  6  Mafs  Landwein  und  3  Flaschen  Dünn- 
steiner Sauerbrunnen  aufgingen.  Die  46  Bouteillen  Tokaier 
(Nr.  18D:  17,  159:  6,  195:  20,  121:  I,  182:  2),  4  Bouteillen 
Burgunder  N,  3  Mafs  Mosel-,  29  Rhein-,  11  Landwein,  ^4  Chem- 
nitzer Luftwasser  und  i  Bouteille  Ratafia  Romano,  die  die 
Gräfin  Orzelska  für  ihr  Fest  am  Abende  des  gleichen  Ta^es 
erhielt,  smd  besonders  aufgeführt. 

Der  gröfste  Teil  der  Getränke  wurde  natürlich  bei  den 
offiziellen  Mittags-  und  Abendmahlzeiten  an  den  zwölf  Tafeln 
und  von  den  (in  der  Spezifikation  namentlich  aufgeführten) 
Hofbeamten  konsumiert,  die  zwar  nicht  an  den  Tafeln  mit- 
afsen,  aber  doch  ihr  Quantum  Wein  geliefert  erhielten      Nicht 


21 A  Hans  Beschomer: 

gering  aber  war  auch  das,  was  die  einzelnen  Fürstlichkeiten 
und  sonstigen  hohen  Gäste  aufser  der  Zeit  brauchten.  So 
ist  u.  a.  unter  dem  19.  Juni  gebucht:  der  Kronprinz  von  Polen 
mit  2  Bouteillen  Tokaier  (Nr.  184)  und  einem  Mafs  Moselwein, 
der  Kronprinz  von  Preufsen  mit  2  Bouteillen  Tokaier,  i  Bou- 
teille  Burgunder,  3  Mafs  Rheinwein  und  i  Flasche  Selzer, 
der  Fürst  Leopold  von  Dessau  mit  je  einer  Flasche  Tokaier  I 
und  Burgunder  sowie  2  Mafs  Rheinwein,  usw.  Endlich  kam 
noch  in  Frage,  was  ,,zu  denen  Speisen  in  Königlicher  Hoff- 
küche erfordert"  (am  19.  Juni  23  Bouteillen  Champagner  K, 
20'  Bouteillen  Burgunder  L,  33  Mafs  Rhein-  und  57  Mafs 
Landwein,  überdies  14  Mafs  Rheinwein  zu  Limonade  in  der 
Hofkonditorei)  und  was  an  Gnadengeschenken  verausgabt 
wurde,  z.  B.  i'o  ^lafs  Landwein  ,,dem  grofsen  Finnländer, 
4  Bouteillen  Burgunder  in  die  Commödie  auf  hohen  Befehl, 
IG  Mafs  Landwein  vor  die  Musique  bey  der  Gräffin  Or- 
zelska",  usw. 

Zum  Schlüsse  führt  die  Spezifikation,  die  vollständig  ab- 
zudrucken keinen  Zweck  haben  würde,  den  Bierverbrauch 
am  19.  Juni  auf,  nämlich  4  Eimer  Muskauer  Weifsbier, 
40  Eimer  Dresdner,  20  Wurzner  Braunbier  und  5  Pretzscher 
„Breyhahn"^).  Das  Weifsbier  lieferte  W.  Hahnemann  in 
Muskau,  wöchentlich  20^24  sogenannte  halbe  Tonnen,  das 
Braunbier  der  Hof  brauereiverwalter  Kanitzki  aus  dem  Dresdner 
Hofbrauhaus,  mindestens  50  Fafs  die  Woche,  den  Breihahn 
ein  Pretzscher  Brauer,  nach  und  nach  50  Fafs  (OHA.  II 
f.  146,  149,  154).  Für  den  besseren  Wein  kam  die  Dresdner 
Hofkellerei  fast  allein  auf,  doch  beantragte  sie  vor  dem  Zeit- 
hainer  Lager  in  einer  ,,allerunterthänigsten  ohnmafsgeblichen 
Erinnerung"  vom  8.  Dezember  1729  den  Ankauf  von  30 — 40 
Anthalen-)  Tokaier,  3  Stübchen  Champagner,  12  Burgunder, 
2  Pontacq,  3  Stübchen  (zu  16 — 17  Eimern)  Mosel-,  i  xMusca- 
teller-,  10  Rheinwein,  80  Mafs  Chemnitzer  Luftwasser,  80  Mafs 
Kümmelbranntwein,  200  Bouteillen  Ratafia  Romano,  20  Stoff'') 
Dantziger  Branntwein  von  differenten  Sorten  und  20  Kisten 
Sauerbrunnen  (8  Dünnsteiner,  8  Egerischer,  4  Seltzer,  die  Kiste 
zu  30  Krügen).  Den  Landweinbedarf  mufsten  die  Hofkellereien 
in  Torgau  und  auf  der  Festung  Königstein  mit  decken  helfen: 


*)  Breuhahn,  eine  Art  Weifsbier  oder  Gose;  vgl.  Grimm,  Deut- 
sches Wörterbuch  II  (1860),  379 

-)  Ante!,  ein  ungarisches  Weinmafs  (Dreieimermal's);  vgl.  Grimm 
a.  a.  O.  I  (1854),  497. 

■'j  Dasselbe  Weinmals,  das  bei  uns  häutig  als  „Stübchen"  (s.  o.) 
vorkommt  und  sonst  auch  „Staut"  heiist. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  215 

erstere   mufste    100,    letztere    600   Fafs    auf   der    Elbe    nach 
Moritz  senden  (OHA.  I  f.  209 f.). 

Wichtig  war  für  die  Getränke  ebenso  wie  für  die  Lebens- 
mittel eine  gute,  namentlich  kühle  Aufbewahrung.  Es  wurden 
deshalb  an  der  Elbe  vier  Eisgruben  angelegt,  die  nach  Ein- 
tritt starken  Frostes  in  den  ersten  Tagen  des  Januars  1730 
mit  Eis  gefüllt  wurden  (OHA,  II  f.  58),  und  zahlreiche  gute 
Keller  eingerichtet:  drei  Hauptkeller  in  dem  zu  Grödel  ge- 
legenen Gute  der  Frau  von  Benckendorf  geb.  von  Schleinitz, 
ein  Nebenkeller  unter  dem  Komödienhause  zu  Streumen,  ein 
anderer  unter  dem  Königspalais  bei  Radewitz  und  viele  kleinere 
Keller  unter  verschiedenen  Zelten  und  Markisen  des  Hoflag^rs 
(OHA.  II  f.  13^,   112  — 132,   141;  vgl.  auch  oben  S.  loi). 


7.     Die  Lustbarkeiten. 

Für  Belustigungen  war  im  Lager  bei  Zeithain  reichUch 
gesorgt,  wenn  auch  diese  durchaus  nicht  so  in  den  Vorder- 
grund traten,  dafs  man  die  ganze  Veranstaltung  als  einen 
grofsen  Firlefanz  aufzufassen  berechtigt  ist. 

Hauptsächhch  für  die  Soldaten  waren  die  Verkaufs- 
stände  da,  in  denen  Marketender  alle  möglichen  Lebensmittel, 
Getränke  und  sonstige  Waren  feilboten.  Am  12.  Juni  waren 
nach  amtlichen  Erhebungen  79  ,,Traitteurs,  Kauffleuthe  und 
Marquetainer"  da,  die  ,,vom  Oberhoffmarschallamte  Concession 
erhalten  hatten,  bei  itzigem  Campement  im  Hofflager  zu 
speisen,  schenken  und  verkaufen".  Aufserdem  trieben  aber 
auch  noch  aufserhalb  des  Hoflagers  massenhafte  Marketender, 
imter  denen  vor  allem  die  Regimentsmarketender  des  Armee- 
lagers hervorzuheben  sind,  und  Krämer  ihr  Gewerbe,  letztere 
meist  ohne  besondere  Erlaubnis  dazu  zu  haben.  Von  den 
erwähnten  79  konzessionierten  Marketendern  des  Hoflagers 
waren  19  Traiteure,  6  verschenkten  Wein  (meist  Landwein, 
der  aus  der  Hofkellerei  bezogen  werden  mufste,  daneben 
auch  Mosel-  und  Rheinwein,  einer  Ungarwein),  3  Bier,  2  Bier 
und  Wein,  4  Tee  oder  Kaffee  (teilweise  auch  beides),  5  Brannt- 
wein. Die  Tee-,  Kaffee-  und  Branntweinverkäufer  führten 
meist  daneben  auch  Tabak.  Ein  Händler  hielt  nur  solchen 
feil.  In  drei  Ständen  gab  es  italienische  Waren,  in  einem 
Wurst  und  Schinken,  in  zweien  Konfitüren.  Neben  den  Efs- 
und  Trinkbuden  waren  aber  auch  15  andere  mit  allerhand 
Galanteriewaren  vorhanden.  Bilder  suchten  zwei  Kaufleute 
an  den  Mann  zu  bringen,  Strümpfe  einer,  Strümpfe  und  Bilder  — 


2i5  Hans  Beschorner: 

eine  merkwürdige  Zusammenstellung  —  einer,  reiche  Stoffe 
zwei,  geschnittene  Gläser  drei,  Porzellan  zwei  (davon  einer  auch 
,,Buder",  worunter  wohl  Puder  zu  verstehen  ist).  Von  überallher 
waren  diese  Händler  zugereist,  meist  natürlich  von  Leipzig 
oder  Dresden,  aber  auch  aus  Altenberg,  Augsburg  („Augs- 
burger Waren"),  Aussig,  Bautzen,  Berhn,  Breslau,  Böhmisch- 
Kamnitz,  Erfurt,  Frankfurt,  Halberstadt,  Halle,  Hamburg, 
Leisnig,  Linz,  Magdeburg,  Mannheim,  Meifsen,  Öttingen,  Prag, 
Radewitz,  Ködern  (bei  Radeburg),  Warschau,  Weyda,  Witten- 
berg, Wittgenau,  aus  Tirol,  Griechenland  usw.  Vgl,  OHA.  II 
f.  Zßf.,  2iif.,  auch  229—253,  wo  eine  Anzahl  von  Kon- 
zessionsgesuchen vereinigt  ist. 

Alle  im  Lager  Handeltreibenden  mufsten  ordnungsgemäfs 
die  Akzise  entrichten,  für  deren  Vereinnahmung  besondere 
Stellen  an  verschiedenen  Punkten  des  Lagers  eingerichtet 
waren.  Hinterziehungen  suchte  man  durch  eine  strenge  Kon- 
trolle unmöglich  zu  machen  (OHA.  I  f.  19!,  Loc.  1056  I 
f.  1961,  201 1).  Namentlich  sah  man  darauf,  dafs  von  den 
Getränken  das  vorgeschriebene  Spundgeld  gegeben  wurde 
(OHA.  II  f.  219  -228,  namentlich  226;  Loc.  1064  f.  275 — 277). 
Natürlich  seufzten  die  Marketender  über  die  harte  Bedrückung. 
Wackerbarth  nahm  sich  ihrer  warm  an.  In  einer  langen 
Immediateingabe  vom  8.  Mai  1730  (Loc.  1056  I  f.  156  — 176 
und  186)  warnte  er  den  König  vor  den  Vorschlägen  des 
Kammerkollegiums,  das  zuviel  Kapital  aus  dem  Campement 
schlagen  wolle.  Er  versicherte,  ,,dafs  er,  wenn  er  aus  einem 
Thaler  eine  Million  machen  könnte,  es  gewifs  an  nichts,  so 
auf  ihn  ankomme,  erwinden  lassen  würde",  riet  aber,  die 
Impostsätze  herabzumindern,  wenigstens  für  die  ständigen 
Re^imentsmarketender.  Die  meisten  würden  sich  sonst  durch 
die  hohen  Abgaben  abschrecken  lassen,  überhaupt  mit  ins 
Lager  zu  ziehen.  Die  aber  kämen,  würden  den  Impost  auf 
ihre  Waren  schlagen  und  es  dadurch  dem  gemeinen  Manne 
unmöglich  machen,  sich  Lebensmittel  zu  kaufen.  Weitere 
Folgen  würden  Ungehorsam,  Aufruhr  usw.  sein;  denn  ,,der 
Hunger  dulde  keine  Gesetze".  Selbst  König  David  habe 
sich  an  den  Schaubroten  im  Tempel  vergriffen!  Wacker- 
barth erreichte  wenig  mit  seiner  wohlgemeinten  Eingabe. 
Die  festgesetzte  Taxe  wurde  nur  insoweit  ermäfsigt,  als  alle 
Biere,  Weine  und  Branntweine,  die  aus  Akzisstädten  kamen, 
frei  passieren  konnten.  Alles  andere  dagegen  mufste  die 
vorgeschriebene  Zise  geben. •■  Damit  aber  die  Händler,  an- 
geblich wegen  der  Bedrückung  durch  die  Akzise,  die  Preise 
nicht  zu  hoch  hinaufschraubten,    ordnete  der  König  an,  dafs 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  217 

sie  jeden  Tag  die  Einkaufspreise  genau  melden  sollten.  Auf 
Grund  dieser  Angaben,  deren  Richtigkeit  die  Profosse  nach 
Möglichkeit  nachzuprüfen  hatten,  bestimmte  dann  das  General- 
kriegsgericht die  Taxe,  die  streng  innegehalten  werden  mufste 
(Loc.  1056  II  f.  351 — 357,  Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  47f.). 
Weniger  für  die  Soldaten  als  für  die  hohen  Gäste  und 
die  wohlhabenden  Zuschauer  war  der  ,, Glückstopf,  so  im 
Lager  zu  Se3'thayn  von  dem  Italiener  Bertholdi  1730  gehalten 
worden"  (OHA.  I  f.  15,  Vol.  G  Nr.  2  4^^  f.  542  —  582).  Am 
6.  Juni  eröffnete  ,, Andrea  Bertholdi,  sonst  Pantaleone,  ein 
italienischer  Comoediant  —  zusammen  mit  Aquil.  Ferrari  — 
die  allergnädigst  accordirte  Lotterie",  die  am  26.  Juni  ihr 
Ende  fand.  Für  einen  Taler  Einsatz  konnte  man  aller- 
hand schöne  Dinge  gewinnen,  deren  Wert  gröfstenteils 
zwischen  i  und  5  Tlrn.  schwankte;  doch  gab  es  auch 
kostbarere  Dinge  in  grofser  Zahl.  Der  wertvollste  Gewinn 
war  mit  64  Tlrn.  angesetzt.  Laut  dem  ,,Inventaire  des  marchan- 
dises  contenues  dans  la  lotterie  au  camp  de  Zeithain  1730", 
das  in  kulturhistorischer  Hinsicht  Beachtung  verdient,  konnte 
man  in  dem  Glückstopfe  zunächst  allerhand  Hausgerät  ge- 
winnen: silberne  Waschbecken  mit  Kannen,  silberne  vind  ver- 
goldete Schalen,  Spülnäpfe,  Kohlenbecken  (rechauds),  Wärm- 
flaschen, Lüster,  Leuchter  in  verschiedenen  Gröfsen  und  Aus- 
führungen, Lichter  (bougies,  chandels,  chandels  de  main), 
Lichtputzen  (mouchettes  avec  la  porte-mouchette),  die  mannig- 
fachsten Bilderbehältnisse  (boites  ä  portrait,  corbeilles  d'argent 
ä  Portrait  usw.).  Schreibzeuge  (zum  Teil  mit  Leuchtern), 
Schreibtafeln,  Spiegel,  silberne  Scheren  mit  und  ohne  Etuis, 
Federmesser  u.  a.  m.  Auch  Tafelgerät  war  stark  vertreten: 
die  verschiedensten  Arten  von  Löffeln  (cuilleres  d'argent,  de 
thee,  ä  potage,  de  voyage  usw.,  meist  in  Etuis),  Bestecke 
(couvert  vermeil  dore,  etuit  de  12  oder  auch  nur  de  6  cuilleres, 
fourchettes  et  couteaux  en  metal,  un  pair  de  couteau  et  four- 
chette  en  argent),  Teller,  Becher  (innen  vergoldet  oder  anders 
ausgestattet),  Tassen,  Untertassen,  Kaffee-,  Tee-  und  Milch- 
kannen oder  -topfe,  Schokoladen-,  Tee-  und  andere  Siebe, 
Zuckerdosen,  Salzfässer,  Zahnstocher  (curedents  d'argent)  oder 
Behälter  dazu  (etuis  ä  curedents  d'argent).  Nicht  minder  reich, 
wie  an  Haus-  und  Tischgerät,  war  die  Auswahl  an  allerhand 
Kleidungsstücken,  Ausrüstungs-  und  Toilettengegenständen. 
Wer  Glück  hatte,  konnte  bei  Herrn  Bertholdi  gewinnen: 
Mützen  (bonets  de  velour  cisele,  veloutes,  de  coton  fin) 
Masken  (masques  de  velour  noir),  Hutfedern  (in  grofser  Zahl), 
Haarbeutel  (bourses  de  peruque),  Spitzentücher  (fichus  ä  dames 


2i8  Hans  Beschorner: 

de  soie),  Taschentücher  in  reicher  Auswahl  (riches,  estampes, 
de  soie,  de  Vienne,  d'Inde  fin),  bald  einzeln,  bald  zu  mehreren, 
Manschetten  (de  mouseline)  und  Manschettenknöpfe,  goldene 
und  silberne  Gürtel,  Westen  (vestes  de  tailles  brodees  en 
argent,  de  teile  brodee),  Schlafröcke  (d'estoffe  de  France 
double  de  taffet),  Herren-  und  Damenstrümpfe  (seidene,  ge- 
stickte, drapes  noir,  rosa,  de  fils  blancs,  de  fils  fins,  ä  coins 
riches,  de  fleurs),  Strumpfzwickel  (coins  d'or  ä  bas),  Schuhe 
(souliers  brodes),  Schuh-  und  Gürtelschnallen  (boucles  d'argent, 
ä  Sienne),  Spazierstöcke  und  Quasten  dazu  (noeuds  de  canne), 
Damen-  und  Herrenhandschuhe  in  verschiedenen  Farben  (bis- 
weilen gleich  ein  Dutzend),  Herren-  und  Damenbörsen  (in 
grofser  Zahl,  de  soie,  de  velour,  de  metal,  ä  corbeille  vert 
et  d'argent),  Flakons  (auch  boites  oder  pieces  genannt)  für 
eau  de  la  reine,  eau  d'Hongrie  und  Balsam  aus  Porzellan, 
graviertem  oder  glattem  Silber,  bald  mit,  bald  ohne  Füllung, 
vollständige  Rasierservice  (nach  dem  hohen  Preis  zu  urteilen, 
Haupttreffer),  Pudermesser  (de  nacre).  Kämme  (etui  ä  3  peignes 
d'ecaille),  Taschentücher-  und  Handschuhkasten  in  verschie- 
dener Ausführung,  zahlreiche  Etuis  aus  Silber,  Chagrin  oder 
Schildpatt  (bisweilen  „mit  Instrumenten").  Die  ungezählten 
Tabakdosen  wiesen  grofse  Mannigfaltigkeit  in  Stoff  und  Form 
auf;  es  gab  tabatieres  dorees,  d'argent,  d'argent  ä  carniol, 
d'argent  grave,  de  pierre  en  argent,  ecaillees,  d'ecaille  de  mer 
en  metal,  d'ecaille  de  mer  faconnee,  d'ecaille  de  mer  de  Sienne, 
en  ecaille  ovale,  ecaillees  ä  carniol,  d'ecaille  piquee,  tabatieres 
ciselees  avec  peinture,  emaillees  ä  6  angles,  ä  corbeille  en 
magazin,  de  nacre,  d'agathe,  ä  jaspe  vert,  tabatieres  ä  por- 
trait,  en  ceuf,  ä  chasse  ecaillees  usw.  Eine  besondere  Gruppe 
unter  den  Gebrauchsgegenständen  bildeten  die  Waffen  und 
Waffenteile,  die  Pferdeausrüstungsstücke  und  Jagdutensihen, 
wie  Degen,  Degenstichblätter  (gardes  d'epee  aus  Gold  oder 
Silber),  Degengehänge  und  Degenquasten,  Pistolen,  Flinten, 
Peitschen  (fouets  d'Angleterre  ä  mauche  d'agathe,  ä  mauche 
d'ecaille),'  Satteldecken  (chabracjues  ou  housses  riches),  Jagd- 
messer nebst  zugehörigen  Stichblättern  (gardes  de  couteau 
de  chasse)  und  Jagdkörbe.  Die  niedrigsten  Gewinne  im  Werte 
von  I  Tlr.  bestanden  in  einem  Pfund  Imperialtee  oder  Spagniol- 
tabak  (tabac  d'Espagne),  die  höchsten  dagegen,  die  60  Tlr. 
und  mehr  wert  waren,  in  Schmuck.  Unter  den  zahlreichen 
Ringen  mit  einem  oder  mehreren  Edelsteinen  (Brillanten, 
Rubinen,  Amethysten,  Topasen  und  Granaten),  den  Uhr-, 
Fächer-  und  Scherenketten,  den  Fächern,  den  auf  Elfenbein 
gemalten   und   mit  Gold,  Silber   oder  Schildpatt   eingefafsten 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  219 

Bildern  mag  mancher  künstlerisch  wertvolle  Gegenstand  ge- 
wesen sein.  Etwa  150  verschiedene  Artikel  waren  in  der 
Lotterie  vertreten.  Sie  verteilten  sich  auf  1591  Gewinne, 
die  einen  Wert  von  9616  Tlrn.  3  Gr.  darstellten. 

Von  den  anderen  Vergnügungen,  die  bei  Gelegenheit  des 
Zeithainer  Lagers  geboten  wurden,  von  dem  grofsen  Kuchen, 
dem  Feuerwerk,  der  Bewirtung  der  Armee,  der  Verabschiedung 
des  Preufsenkönigs  und  der  Schlufsjagd  bei  Lichtenburg  ist 
so  viel  geschrieben  worden,  dafs  es  genügt,  im  folgenden 
auf  die  einschlägige  Literatur  zu  verweisen  und  nur  einige 
Einzelheiten,  die  man  darin  nicht  findet,  nachzutragen. 

Über  den  grofsen  Kuchen,  das  für  ihn  eigens  erbaute 
Backhaus  und  das  Messer,  mit  dem  er  kunstgerecht  zerteilt 
wurde,  vergleiche  man  die  meist  auf  aktenmäfsigen  Grund- 
lagen (OHA.  I  f.  189)  beruhenden  Angaben  im  ,, Sächsischen 
Curiositäten-Cabinet"  1730  S.  146  — 148  (,,Kurtze  Nachricht 
von  dem  in  gantz  Europa  berühmten,  d.  25.Junii  1730  zu 
Moritz  bey  Riesa  in  Sachsen  glücklich  gebackenen  13  Ellen 
langen  Butter -Stollen"),  Staatskalender  J  4  Sp.  2,  6  Byrn, 
Hofsilberkammer  S.  107  (danach  von  Mansberg  S.  307)  und 
diese  Zeitschrift  XX VII,  139,  wo  der  Backsche  Kupfer- 
stich behandelt  ist,  der  das  Backhaus  und  die  Beförde- 
rung des  ,, Striezels"  aus  diesem  ins  Lager  veranschaulit:ht. 
Der  Zeithainer  Festkuchen  wurde,  wenn  auch  in  etwas  klei- 
neren Mafsen,  1732  im  Czerniacho wer  Lager  (vgl.  weiter  unten 
S.  247ff.)  nachgeahmt.  In  dem  S.248  besprochenen  Werke  ist  f.  99 
schönstens  bildhch  dargestellt,  wie  das  Kuchenmonstrum,  das 
am  unteren  Rande  des  Blattes  genau  beschrieben  ist,  in  feier- 
lichem Aufzuge  beim  Schlüsse  des  Campements  ins  Lager 
geführt  wurde. 

Ziemlich  genaue  Beschreibungen  des  Johannisfeuers, 
der  Beleuchtung  des  wahrscheinlich  von  Pöppelmann  ent- 
worfenen und  von  Zucchi  ausgeführten  Illuminations- 
gerüstes, des  Wasserfeuerwerkes  und  der  dabei  ver- 
wendeten prächtig  illuminierten  Flotte  geben  Staatskalender 
J  3  Sp.  I  bis  J  4  Sp.  I,  das  ,, amtliche  Journal"  (vgl.  diese 
Zeitschrift  XXVII,  146  — 149)  und  von  Mansberg  S.  294f.  und 
305 f.  Das  eigentliche  Programm  enthält  die  ,, Disposition  zum 
Johannis-Feuer"  (OHA.  I  f  154  — 160).  Einen  vielfach  recht 
lehrreichen  und  anschaulichen  ,, Bericht,  was  zu  der  am 
24.  Juni  1730  bey  Risa  bey  dem  gewesenen  Feuerwerck  ange- 
zündeten Illumination  gekommen",  bietet  das  ,, Sächsische 
Curiositäten-Cabinet"  1730  S.  I48f.  Allgemeine  Bewunderung 
erregte  die  Schnelligkeit,  mit  der  urplötzlich  das  Illuminations- 
Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVUI     3.  4.  ^5 


2  20  Hans  Beschorner: 

gerüst  im  Lichte  Tausender  von  Lampen  erstrahlte.  Das  war 
das  Verdienst  der  „hundert  Gemeinen,  die  nebst  dazu  ge- 
hörigen Unteroffizieren,  einem  Capitain,  einem  Premier-  und 
einem  Sousleutnant  zu  Anzündung  der  Lampen  bey  der  Illu- 
mination" am  24.  Juni  befehligt  waren  (Loc.  10931  Ordres 
f.  68).  Nebenher  sei  bemerkt,  dafs  die  mehrfach  bei  der 
Illumination  verwendete  Inschrift  ,,Sic  fulta  manebit"  Henrici 
(s.  diese  Zeitschrift  XXVII,   112   Nr.  14)  mit  den  Worten 

„  Hotlt  euer  Heyl  nur  mit  Vertrauen, 
Die  Stützen,  so  es  unterhauen, 
Sind  Pfeiler  vor  ein  ewig  Haufs "' 

übersetzt  hat. 

In  welcher  Reihenfolge  die  von  dem  ,,  Feuer- Faxs"  ge- 
führten Fregatten,  Schaluppen,  Musikgondeln  usw.  an  dem 
Schlosse  Promnitz  vorbeifuhren,  von  dessen  Fenstern  aus  die 
hohen  Herrschaften  sich  die  ganze  Herrlichkeit  ansahen,  ver- 
anschaulicht ein  langer  Streifen  in  Aquarellfarben  Loc.  1056 
Acta  varia  f.  192.  Über  die  Abbildungen  der  einzelnen  Schiffs- 
typen  ist  bereits  in  dieser  Zeitschrift  XXVII,  140,  gehandelt. 
Die  prächtig  ausgestalteten  Schiffe  waren  mit  nicht  minder 
schön  gekleideten  Matrosen  bemannt;  vgl.  darüber  im  all- 
gemeinen Staatskalender  J  I  Sp.  I  und  von  Mansberg  S.  294^ 
Nach  einer  Schuldenaufstellung,  die  in  Loc.  354  am  Ende  des 
Faszikels  17291730  liegt,  kostete  die  ,,Aptirung  und  Repa- 
rirung  derer  Schilfe,  auch  6  Fregatten,  und  Erhöhung  des 
Jagdschirmes"  5100  Tlr.,  nach  einer  Verordnung  Brühls  vom 
17.  April  173 1  (ebenda)  die  Schiiferkleidung  1250  Tlr.  Für  Auf- 
treibung der  540  nötigen  Schiffsleute  mufsten  die  ,,Beambten, 
i;uch  Räthe  in  Städten  zu  Hohnstein,  Pirna,  Dresden,  Meifsen, 
Mühlberg  und  Torgau"  sorgen,  die  am  15.  April  1730  Weisung 
erhielten,  ,,Speciticationen  aller  derer  an  und  um  den  Elb- 
strohm  wohnenden  Schiffleuthe  und  Fischer,  so  zum  SchifF- 
dienst  tüchtig  und  würcklich  zugegen  seyn",  dem  Oberbauamte 
einzureichen  (Loc.  35043  f.  52).  —  Das  ,, Pastorale"  oder  die 
,,Egloga",  die  zum  Schlüsse  von  den  ,, Italienern"  gesungen 
würde,  war  von  dem  seit  dem  20.  Februar  17 19  als  Poeta 
Italiano  am  Dresdner  Hofe  angestellten  Stefano  Pallavicini') 
gedichtet  und,  wie  M.  Fürstenau,  Zur  Geschichte  der  Musik 
und    des  Theaters  am  Hofe  zu  Dresden  II  (1862),   169  (dazu 


')  Vgl.  Loc.  907  Die  Operisten  ....  betr.  1712  — 1720  f.  131  f., 
auch  Fürstenau  a.  a.  O.  S.  135.  Mit  diesem  Pallavicini  ist  der  be- 
kannte Opernkomponist  Carlo  Pallavicino  nicht  zu  verwechseln, 
der  1688  als  Oberkapellmeister  in  Dresden  starb. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  221 

136  Anm,),  angibt,  von  Giov.  Alb.  Ristori  komponiert, 
nicht,  wie  man  manchmal  hören  kann,  von  Hasse,  der  mit 
seiner  berühmten  Gemahlin  Faustina  erst  am  7- Juli  173 1  aus 
Venedig  in  Dresden  eintraf  (Fürstenau  a.  a.  O.  S.  171; 
C.  Mennicke,  Hasse  und  die  Brüder  Graun  als  S\mphoniker, 
Leipzig,  1906,  S.  376).  Exemplare  dieser  ,,Egloga  cantata 
dalla  Musica  di  Camera  di  S.  M.  al  campo  di  Radewitz", 
die  der  Hofbuchdrucker  Johann  Conrad  Stoessel  1730  druckte, 
befinden  sich  u.  a.  OHA.  I  f.  161—  168  und  in  der  König- 
lichen Bibliothek  zu  Dresden  Lit.  Ital  A  500"'^  Das  Sing- 
spiel war  eine  Verherrlichung  des  bewaffneten  Friedens: 
Lidia  und  Tirsi  werden  aus  ihrer  zärtlichen  Zwiesprache  durch 
Perideo  und  Dorinda  aiifgeschreckt,  die  die  Nachricht  von 
dem  beginnenden  Kriege  bringen.  Mopso,  in  dem  wohl  der 
rauhe  Krieg  verkörpert  sein  sollte,  und  Face,  begleitet  von 
Amoretten,  erscheinen  bald  darauf  und  streiten  hin  und  her, 
schliefsHch  mufs  aber  Mopso  doch  der  Face  weichen.  Ein 
Freislied  des  Coro  (Chors)  schliefst  das  Ganze  wirkungsvoll 
ab.  Betreffs  der  Kantate  vgl.  folgende  Rechnungs vermerke 
(Loc,  354  ,,Eingelauffene  Schuldposten"  und  ,,Extract  derer 
noch  rückständigen  Schulden"):  ,,7  Tlr.  dem  Hofbuchdrucker 
Stösseln  vor  250  Exemplaria  von  des  Falavicino  Fastorale 
zu  drucken,  laut  Palavicinis  Attestat.  —  10  Tlr.  dem  Buch- 
binder Homilio  vor  besorgte  Falavicino -Poesie  [im]  Campo 
di  Radewitz  einzubinden.  —  10  Tlr.  dem  Buchbinder  Homilio 
vor  240,  50,  190  Stück  Campo -di- Radewitz -Fastorale  ein- 
zubinden, so  Falavicino  componirt". 

Neben  dem  Feuerwerke  hat  immer  die  Bewirtung  der 
Armee  und  die  Verabschiedung  des  Freufsenkönigfs 
am  letzten  Tage,  an  dem  auch  der  grofse  Stollen  verspeist 
wurde,  die  Phantasie  der  Menschen  am  meisten  beschäftigt; 
vgl.  darüber  ausführlich  Staatskalender  J  4  Sp.  i — 4,  das 
Journal  officiel  (in  dieser  Zeitschrift  XXVII,  149  f.)  und  von 
Mansberg  S.  306 f.,  dazu  die  bildlichen  Darstellungen  im 
grofsen  Kartenwerke  und  bei  Troemer  (diese  Zeitschrift 
XXVII,  141  Nr.  581.  Die  Bewirtung  des  ganzen  Heeres, 
die  in  aller  Stille  vorbereitet  wurde,  weil  sie  eine  Über- 
raschung sein  sollte  (Loc.  1056  Acta  varia  f.  69),  und  die 
unter  Aufsicht  der  Obersten  von  Folenz  (rechter  Flügel),  von 
Märchen  (Infanterie  im  Zentrum)  und  von  Dürrfeld  (linker 
Flügel)  musterhaft  verlief,  war  kein  billiges  Vergnügen  für 
den  König.  Die  162  Ochsen,  die  der  Hoffleischer  J.  G.  Heyne 
lieferte,  kosteten  allein  4389  Tlr.  (Loc.  354  Rechnung  vom 
2:.  Juli  1730J,  die  750  Eimer  oder  54000  Kannen  Wein  aber,  die 

IS* 


222  Hans  Beschorner: 

als  „Weinpresent"  für  die  30000  Mann  nötig  waren,  zwischen 
1500  und  2000  Tlrn,;  denn  nach  Loc.  1057  Cammerexpeditiones 
f.  I  f.  sollten  zu  der  Bewirtung  der  Armee  86  Fafs  =  516  Eimer 
des  schlechten  Landweins,  den  Eimer  zu  3  Tlrn.,  von  der 
Festung  Königstein  nach  Zeithain  geschafft  werden,  diese 
■516  Eimer  aber,  die  also  1548  Tlr.  kosteten,  sollten  nur  als 
Ergänzung  zu  dem  wahrscheinlich  stark  gelichteten  Wein- 
vorrate von  600  Eimern  (zu  5  Tlrn.)  dienen,  den  die  Festungs- 
kellerei bereits  früher  (S.  2i4f.)  geliefert  hatte.  Zu  diesen  hohen 
Ausgaben  für  Fleisch  und  Wein  kamen  noch  andere  beträcht- 
liche hinzu:  für  das  Holz  zum  Braten  der  Ochsen,  für  Bei- 
kost, Brot  usw.  Die  Holzteller,  von  denen  die  Soldaten  afsen, 
Avaren  verhältnismäfsig  billig.  Alle  24000  Stück  kosteten  blols 
300 Tlr.  (Loc.  354  Chatoullens.,  Befehl  vom  5.  Mai  1730).  Jeder 
Soldat  erhielt  einen  solchen  Teller,  um  ihn  sich  zur  Erinnerung 
aufzuheben,  nicht,  um  ihn  auf  Kommando  in  die  Elbe  zu 
werfen;  vgl.  von  Mansberg  S.  306!,  der  einen  solchen  ehemals 
ihm  gehörigen,  jetzt  im  Besitze  der  Hofsilberkammer  befindlichen 
Erinnerungsteller  mit  Inschrift  und  den  besonders  ausgeführten 
Teller  im  Königlichen  Historischen  Museum  zu  Dresden  genau 
beschreibt ;  dazu  die  Bemerkungen  in  dieser  Zeitschrift  XXVII, 
105  f.  Aufser  dem  in  der  Hofsilberkammer  aufbewahrten 
Teller  besitzt  auch  noch  die  Königliche  Arsenalsammlung 
ein  wohlerhaltenes  Exemplar,  das  keinerlei  Inschrift  oder 
Schmuck  aufweist  (Geschenk  des  Herrn  Feuerwerkshaupt- 
manns Wenig). 

Ausgaben  für  sich  waren  die  Bewirtung  der  Offiziere 
durch  ihre  Obersten,  denen  ihre  Auslagen  dafür  vom  Könige 
zurückerstattet  wurden,  und  die  Lieferung  des  Rheinweins, 
den  die  Offiziere  auf  das  Wohl  des  scheidenden  Königs  von 
Preufsen  tranken.  Ehe  die  Offiziere  regimenterweise  an 
Friedrich  Wilhelm  I.  vorbeidefilierten  und  ihre  Gläser  auf 
sein  Wohl  leerten,  sie  hinterher  in  hohem  Bogen  klirrend  zu 
Boden  werfend,  richtete  der  Höchstkommandierende,  Graf 
Wackerbarth,  einige  in  ihrer  Fassung  vielleicht  nicht  ganz 
belanglose  Worte  an  den  König.  Die  Ansprache,  die  August 
der  Starke  eigenhändig  überarbeitete,  lautete  nach  Loc.  1056 
Acta  varia  f  2': 

Sire. 

Le  bonheur  de  voir  Votre  Majestc  parmi  nous,  nous  a  inspir6 
tant  de  joie  qua  nous  ne  saurions  nous  empccher  d'en  donner  des 
marques,  avant  de  nous  retirer  de  Sa  presence.  II  ne  nous  manque 
pour  rendre  notre  satisfaction  complö-te  que  la  permission  de  saluer 
encore  Votre  Majeste,  pour  nous  congedier  d'EUe  et  pour  La  supplier 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  223 

d'excuser  le  peu  de  contentement  (Wackerbarth:  satisfaction)  qu'Elle 
a  peut-etre  trouv^  en  nos  exercices  militaires.  Nous  tächerons  de 
nous  en  acquitter  plus  ä  Son  gr6  ä  l'avenir  et  nous  serons  toujours 
prets  ä  verser  notre  sang  pour  la  gloire  commune  de  Votre  Majest^, 
du  Roi  n[otre]  m[aitre]  et  de  tous  leurs  veritables  amis,  6tant  avec 
beaucoup  de  d^votion  [Votre  Majest^  tres  humbles  serviteurs,  oder 
ähnlich]. 

Was  hierauf  Friedrich  Wilhelm  I.,  der  übrigens  hinterher, 
am  26.  Juni,  ,,660  Ducats  Spec.  an  das  Oberhofmarschallamt 
zur  Discretion  vor  die  Hofstaat  übersandte"  (O  HA.  I  f.  26^  f ), 
erwiderte,  ist  nicht  bekannt. 

Über  die  Eibfahrt  am  27.  Juni,  an  der  nur  noch  eine 
verhältnismäfsig  kleine  Zahl  von  erlauchten  Gästen  und  Kava- 
lieren teilnahm,  über  die  Besichtigung  des  Graditzer  Gestütes 
unterwegs,  die  Landung  bei  Lichtenburg,  die  Unterbringung 
der  Jagdgesellschaft  auf  dem  kurfürstlichen  Schlosse  und  die 
Schlufsjagd  am  28.  Juni  1730  ,,auf  Annaburgischer  Heyde, 
Zühlsdorfter  Revier,  im  Brande  an  der  Annaburgischen  Strafse 
und  [in  den]  Höllgründen",  geben  genaue  Aufschlüsse  Staats- 
kalender J  4  Sp.  4  bis  K  T  Sp.  3  und  von  Mansberg  S.  308 f., 
zu  denen  ergänzend  hinzutreten  das  Hofjournal  O  HA.  I 
f.  27^^  f.  und  294 — 317,  Loc.  1056  I  f.  228«= — 228^,  334^»  bis 
336  und  Loc.  1056  Acta  varia  f.  56 — 59,  84.  Die  Strecke 
gibt  O  HA.  I  f.  317  an.  Es  wurden  ,, gefangen,  geschossen 
und  gehazt  250  Hirsche,  alfs  175  Kolbenhirsche  und  75  junge 
Hirsche,  464  Stück  Wild,  90  Wildskälber,  66  Reheböcke, 
21  Rehe,  10  Rehekälber,  9  hauende  und  12  angehende 
Schweine,  38  Kej'ler,  63  Bachen,  81  heuerische  Fri.<chlinge, 
18  Haasen  und  2  Füchfse",  zusammen  also  nicht  nur  ,,nahe 
an   1000  Stück"  (von  Mansberg  S.  309),  sondern  11 24. 


8.    Die  Kosten. 

Über  die  Kosten  der  glänzenden  Veranstaltung  bei  Rade- 
witz tauchten  bald  die  verschiedenartigsten  Gerüchte  auf  und 
fanden  nach  und  nach  Aufnahme  in  die  Literatur.  Chr.  E. 
Weifse  behauptet  in  seiner  „Geschichte  der  chursächsischen 
Staaten  VI  (1810),  63,  dafs  das  Campement  968780  Tlr. 
gekostet  habe,  wovon  allein  15000  Tlr.  auf  die  Hauptgondel 
(gemeint  ist  wohl  der  Bucentaur)  entfielen.  E.  Vehse,  Ge- 
schichte der  Höfe  des  Hauses  Sachsen  V  (1854),  63,  und 
nach  ihm  Böttiger-Flathe,  Geschichte  von  Sachsen  II 
(1870),     368,    sprechen    von    1 000000  Tlrn.,    rundeten    also 


2  24  Hans  Beschorner: 

wohl  nur  die  Weifsesche  Summe  nach  oben  ab,  J.  G.  Keylsler 
aber  berichtet  gar  in  seiner  „Neuesten  Reise  durch  Teutsch- 
land, Böhmen  usw/'  II  (1741),  1049,  von  5000000  Tlrn.  und 
fügt  zur  Begründung  seiner  aufsergewöhnlich  hohen  Angabe 
hinzu,  dafs  allein  ,,500  neue  Betten  mit  Vorhängen  von  Taffe- 
tas  verfertiget"  worden  seien  und  ,,die  Nachtstühle  vmd  Nacht- 
geschirre allein  bey  5000  Tlr.  gekostet  haben". 

Dafs  das  Zeithainer  Lager  einige  Millionen  Taler  ver- 
schlungen haben  kann,  wenn  man  die  Neubildung  des  Heeres 
mit  allen  dazu  grehörigen  Neuanschaffungen  einrechnet,  soll 
nicht  geleugnet  werden.  Sieht  man  aber  von  diesen  und 
ähnlichen  Dingen  ab,  die  nicht  unmittelbar  Vorbereitungen 
auf  das  Campement  genannt  werden  können,  sondern  Schöp- 
funoen    für    sich    sind,    so    dürfte  die  Gesamtsumme    für    das 

•  T 

Zeithainer  Lager  wesentlich  niedriger  anzusetzen  sem.  in 
einem  Vortrage  vom  31.  März  1730  (Loc  900  XXXI  f.  9'^  und 
105)  wurde  ,,der  Aufgang  bej'm  bevorstehenden  Campement, 
der  natürlich  wegen  der  vielen  Umstände  nicht  genau  vor- 
hergesehen werden  könne,  auf  100  000  Tlr.  über  das  ordent- 
liche Deputat"  geschätzt.  Dieses  besondere  Deputat  wurde 
offenbar  bewilligt,  langte  aber,  wie  das  gewöhnlich  der  Fall 
ist,  bei  weitem  nicht.  Bei  einer  Berechnung  Ende  Oktober 
1730  stellte  sich  vielmehr  heraus,  dafs  die  Schulden  der  Hof- 
kasse, die  Ende  1729  nur  62803  Tlr.  6  Gr.  8  Pf.  betragen 
hatten,  auf  186596  Tlr.  13  Gr.  7  Pf.,  also  um  rund  123793  Tlr. 
gestiegen  waren.  Diese  123793  Tlr.  Defizit  dürften  haupt- 
sächlich dem  Campement  zur  Last  zu  legen  sein.  Da  aufser- 
dem  noch  für  die  Bedürfnisse  der  Hofküche  50000  Tlr.  Vor- 
schufs  „auf  das  geordnete  laufende  August -September -Deputat 
von  der  brauenden  Bürger-  und  Kauffmanschafft  in  Zittau" 
erhoben  wurden,   so  würde  man  auf 

100  000  Tlr.  Extradeputat, 
123793      ,,     Schulden, 
50000     ,,    Vorschufs, 
Sa.  273793   Tlr.  Gesamtkosten 

kommen,  die  der  Juni  1730  verursachte.  Dafs  in  dieser  Summe 
aber  längst  nicht  alle  Ausgaben  begriffen  sein  können,  dürfte 
eine  Zusammenstellung  einzelner  Posten  ergeben,  die  teils  an 
verschiedenen  Stellen  dieser  Arbeit  bereits  erwähnt,  teils  m 
Loc.  1056  (z.  B.  II  f.  5if.),  Loc.  1064  f.  278—284  (be- 
sonderes Faszikel  ,, Einige  auf  das  Zeithainer  Lager  bezügliche 
Rechnungen"),  Loc.  900  XXXI,  Loc.  354  Chatoullensachen, 
usw.  aufgeführt  sind: 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730. 


225 


II 409  Tlr.    9  Gr 
21676     „     12     „ 


81  „  14  „ 

198  „  16  „ 

26395  )^  8  „ 

14000  „  —  „ 

1408  „  —  „ 

2983  „  —  5, 

2200c  „  —  „ 

4600  „  —  „ 

18400  „  —  „ 

47400  „  —  „ 


30000  „  — 

8000  .,  — 

2  1 60  „  — 

5  500  „  — 

5  335  »  — 

2365  ;,  — 

4000  „  — 


24449     „ 
18163     „ 


300  „ 

350  ), 

266  „ 

389  „ 

254  » 


3273 

3000 

10002 


17 


"         5) 
23         „ 


16         „ 


12 


ZU  Silber  und  andere  [n]  ins  Campement  erforder- 
liche [n]  Sachen. 

an   das  Bauamt.  —  Die   5050  Tlr.  für  den  Pavillon 
(s.  oben  S.  95)  und  die  4003  Tlr.  für  das  Königspalais 
(S.  96)  dürften  darin  enthalten  sein.     Dagegen  wer- 
den wohl  als  besondere  Posten  anzusehen  sein: 
dem  Tischler  Hoesen  (S.  95). 
dem  Tapetenmacher  (S.  95). 
an  den  Accisrat  Stareken. 
vor  das  Graft- Lützelburg- Service, 
vor  das  in  Berlin  bestellte  Silber, 
an  Albrecht  und  Piper  vor  die  in  Leipzig  bestellten  plats 
de  menage  und  nach  Holland  vorgeschossene  Gelder, 
dem  Stall    vor    bereits    gekauffte    Pferde,    Wagens 
und  Zelter. 

dem  Pferdehändler  Ziegler. 

dem  Kauffmann  Apel  vor  Betten,  Zelter  und  Echa- 
braquen. 

an  den  Kauftmann  Piper  vor  bestellte  Zelter,  Betten, 
Echabraquen. 
dem  Kauftmann  Lippold. 

dem  Italiener  Contesse  in  Breslau  vor  Zelter, 
vor  zwey  grofse  zinnerne  Tafelservise  von  englischem 
Zihn,  welche  allhier  verferttiget  werden, 
vor    vier    grofse    englisch    zinnerne    Tafelservise, 
welche  von  London  anhero  kommen, 
vor  Silber  zu  denen  grofsen  Tafelservisen  (S.  201). 
Macherlohn  an  die  Silberarbeiter  (ebenda). 
Augmentation   des   silbernen,    doppelt  matt  vei'gol- 
deten  Tafelservises  (ebenda), 
für  Zelter  (s,  S.  103)  und 

9  Pf.  für  die  Einrichtung  der  Zelter  (S.  104).  Es  ist 
fraglich,  ob  in  diesem  Posten  folgende  kleinere  mit 
eingeschlossen  sind: 

vor  120  Stück  messingene  Zeltleuchter  mit  2  Tillen 
ä  2  Tlr.  12  Gr. 

vor  zinnerne  Giefsbecken  nebst  100  darzugehörigen 
Kannen,  welche  in  der  Campagne  sollen  gebrauchet 
werden,  ä  3  Tlr.  12  Gr 

vor  200  grofse,  zinnerne,  ovale  Nachtbecken,  welche 
gleichfalls  in  der  Campagne  sollen  gebrauchet 
werden,  ä  i  Tlr.  8  Gr. 

vor  106  Stellagen,  worein  die  Deegen  und  Espon- 
tons  vor  die  ganze  Armee  in  denen  preufsischen 
Zimmern  rangiret  gewesen. 

eine  blaue  preufsische  Estandarte,  mit  Gold  ge- 
stücket, nebst  den  Riehmen,  alles  mit  goldenen 
Tressen  und  Prangen  besetzet. 

Sicher  für  sich  zählen  die 

für  spanische  Matten  (s.  S.  104)  und  die 

dem  Brodeur  Wiedemann. 

für   die  Munitions-   und  Feuerwerkshütten   und  für 

die  Feuerwerksmachine  (die  Feuerwerkskörper  sind 

noch  nicht  mitgerechnet). 


220 


Hans  Beschorner: 


5  loo  Tlr. 

1250    „ 
3718     >, 


4389 
2439 

300 
10771 
10316 
34612 

3-61 
9647 
1087 


778 
3585 

600 

8155 

II  508 

2487 

604 


466 

I  000 


51 

)l 
5) 

)) 
)) 


585  „ 

1500  )) 

878  „ 

637  „ 


51 


16 


17 

19 

18 

10 

21 


12 
12 


23 


9 

59 

20 


22 


10  000 


—  Gr.  für  Aptirung  und    Reparirung  der  Schiffe  (S.  220). 

—  „  für  die  Schifferkleidung  (ebenda), 
für  die  Schiff-  und  die  Inventionsbrücke  (s.S.  iii). 

Was    die    anderen  Brücken   kosteten,   ist   zunächst 
noch  unbekannt. 

für  die  Ochsen  und 

für    das   Weinpraesent   (einschliefslich  439  Tlr.  für 

Fracht  vom  Königstein  und  Gefäfse). 

für  die  hölzernen  Teller  bei  der  Separation  (S.  222). 

6  Pf.  vor  die  Obercämmerei. 
II  Pf.  vor  die  Hofkellerei. 

4^4  Pf.  be}'  der  Hofküche. 

10  Pf.  bey  der  Silbercammer. 
6  Pf.  vor  die  Conditorey. 

11  Pf.  bey  der  Gräfin  Orzelska  Küche. 

Kleinere  Posten  kommen  wohl  bei  Küche  und 
Kellerei  noch  dazu,  z.  B.: 
für  Tuch  zum  Bekleiden  der  Tafeln  (S.  201). 
(ungefähr)   Fracht  für  Küchenfuhren  zu  Lande  und 
zu  Wasser. 

vor  100  Dutzend  Weinglässer,  50  Dutzend  Caravinen 
und  50  Dutzend  Bierglässer. 
10  Pf.  für  Licht  usw. 

zur  Verfertigung  der  neuen  Chaisen,  Wurst  wagen 
und  dg]. 

für  Einrichtung  des  Lazarets  (S.  99). 
8 "  4  Pf.  für  die  Indemnisation  der  Feldbesitzer  (S.  92). 
7  Pf.  für  Niederlegung  des   Gohrischholzes  (S.  92). 
zur  Errichtung  der  sechs  Pyramiden  (S.  93). 
4  Pf.  für  Absteckung  der  Tracen  auf  dem  Exerzier- 
platze, für  die  sechs  Maschinen  zur  Sprengung  der 
Fafsbrücke  (15  Tlr.  2  Gr.),  für  die  216  Pyramiden 
zu  den  Lanciers-Übungen  usw.  (Loc.  1056  H  f .  374  f)- 
vor  den  grofsen  Daniel  und  Rofsschweifträger. 
dem  Hofpoeten  König  „vor  die  poetischen  Gedichte, 
so    er   über    das    grofse  Campement    bey  Zeithayn 
verfertiget,  als  „Gnadensbezeugung"  aus  der  könig- 
lichen   Chatoulle    (Verordnung    Brühls    vom  4.  Sep- 
tember 1731,  Loc.  354). 
für  das  Kupferstichwerk  (s.  S  79  Anm.). 


Rechnet  man  diese  hier  aufgeführten  Posten  zu.sammen, 
so  ergibt  sich  eine  Summe  von  weit  über  400000  Tlrn.,  die 
also  die  oben  angebene  Summe  von  273793  Tlrn.  beträchtlich 
übersteigt.  Bedenkt  man  aber,  dafs  uns  diese  Posten  rein 
zufällig  durch  die  Akten  erhalten  sind,  während  wir  von 
anderen,  zunächst  wenigstens,  noch  keine  Kenntnis  haben, 
und  bedenkt  man  ferner,  dafs  eine  Unsumme  kleinerer 
Po.sten,  die  zusammen  wieder  ein  ganzes  Kapital  ausmachen, 
überhaupt  nicht  berücksichtigt  wurden,  so  wird  schon  Weifse, 
der  anscheinend  auf  aktenmäfsiger  Grundlage  .steht,  mit  seinen 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  227 

968780  TIrn.  recht  haben.  Ohne  die  rein  militärischen  Aus- 
gaben dürften  die  Unkosten  des  Zeithainer  Lagers  mit  Vehse, 
Böttiger -Flathe  und  anderen  auf  rund  1000  000  Tlr.  zu  ver- 
anschlagen sein. 


9.    Gedanken  Augusts  des  Starken  über  die  Not- 
wendigkeit von  Manövern  und  ihre  Durchführbarkeit. 

Nachdem  August  der  Starke  erkannt  hatte,  dafs  in  be- 
stimmten Zeiträumen  regelmäfsig  wiederkehrende  Manöver 
für  eine  Armee  unerläfslich  seien,  und  nachdem  er  beschlossen 
hatte,  eine  erste  derartige  grofse  Übung  mit  allen  zur  Ver- 
fügung stehenden  Truppen  bei  Zeithain  zu  veranstalten,  sprach 
er  seine  Ansichten  darüber  wieder  und  wieder  aus,  an  seiner 
Grundanschauung  nichts  ändernd,  dagegen  bald  diesen,  bald 
jenen  Punkt  näher  ausführend.  Es  ist  natürlich  von  hohem 
Werte,  diese  Auslassungen  des  Königs,  in  denen  jer  sich 
selbst  über  einen  seiner  Überzeugung  nach  überaus  wichtigen 
Punkt  des  Staatslebens  klar  zu  werden  suchte,  im  Wortlaute 
kennen  zu  lernen.  Die  Niederschriften,  von  denen  sich  meist 
eine  oder  mehrere  (verbesserte)  Abschriften  in  den  auf  das 
Zeithainer  Lager  bezüglichen  Akten  befinden,  in  eine  be- 
stimmte zeitliche  Reihenfolge  zu  bringen,  dürfte  kaum  mög- 
lich sein. 

I.  Loc.  2097  Nr.  7  f.  I  (vgl.  diese  Zeitschrift  XXI,  1900, 
S.  250)  äufsert  sich  der  König  folgendermafsen: 

„La  paix  et  l'inaction  dans  laquelle  les  troupes  se  trouvent, 
es)t  tres  nuisible  aux  troupes.  L'iStat  qui  en  tient,  quoiqu'il  les  exerce 
en  detail  et  par  r^giment,  ne  considere  pas  que  cela  ne  suffit  pas. 
Les  g6nt^raux  demeurent  oisifs,  les  vieux  meurent  qui  ont  l'exp6rience 
et  savent  comment  se  servire  des  troupes.  Les  nouveaux  avancent, 
sans  avoir  d'exp6rience  ou  d'occasion  ä  l'apprendre,  n'ayant  vu  que 
le  maniment  des  armes  et  en  detail  un  ou  deux  regiments  faire 
l'exercice,  [cej  que  chaque  major  doit  savoir  f.iire.  II  est  donc  tres 
necessaire  qu'un  t;tat  qui  tient  des  troupes,  fasse  des  campements  oü 
les  gen^raux  ä  leur  tete[s]  fassent  faire  des  mouvements,  manoeuvres 
et  marcher  l'arm6e,  comme  le  colonel  son  r^giment  Par  lä  11 
s'imprime  et  aux  soldats  en  temps  de  paix  ce  qui  se  fait  ä  la  guerre, 
et  [aux  gen^raux],  comment  s'en  servir,  quant  on  a  la  guerre  et  que 
l'occasion  s'en  präsente. 

Ces  raisons  m'ont  port6  d'assembler  l'arm^e  apres  un  repos  de 
12  ann^es,  [pour  lui  en  rendre  l'idt^e,  une  chose],  qui  seroit  bonne 
de  suivre  toutes  les  3  anne^es  en  diff^rentes  manieres,  pour  tenir  les 
troupes  en  haieine." 

Die  Abschrift  in  Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  507,  nach 
der    einige  Stellen    des   Textes   verbessert   wurden,    fügt  am 


2  28  Hans  Beschorner: 

Schlüsse  noch  die  Worte  „Mais  cette  armee  qu'on  presentera 
....  de  ce  qu'ils  verront"  an,  die  unten  S.  236  nach  den 
Aufzeichnungen  des  Königs  mitgeteilt  sind. 

II.  ebenda  f.  2: 

„L'oisivet^  et  l'inaction  6tant  tres  nuisible  aux  troupes,  [surtoutj 
un  repos  de  15  ä  16  annees.  Las  generaux,  officiers  et  soldats 
oublient  en  ce  temps  leur  m6tier  de  la  guerre  et  Fcxercice.  Les 
vieux  meurent  et  les  nouveaux  ne  savent  le  mutier  et  ce  qui  y 
apartient.  C'est  ce  qui  m'a  oblig6  d'y  mettre  ordre.  Les  troupes 
ni  les  officiers  se  connaissent  point,  se  n'6tant  pas  trouves  assembl6s 
depuis  ce  temps  lä.  Ainsi  on  a  6t6  oblig6  de  faire  des  nouveaux 
reglements  d'exercice  et  en  un  mot  de  regarder  l'armee  quasi  comme 
nouvelle.  Pour  [leur]  donner  de  la  connaissance,  on  les  a  assembl^es, 
pour  leur  faire  faire  ce  qui  apartient  au  mt^tier  de  la  guerre,  autant 
qu'un  temps  court  peut  permettre,  ce  qui  dans  les  suites  peut  etre 
continue  et  augment6.  11  faut  consid6rer  le  militaire  comme  une 
ecole  oü  on  apprend  ,1'alphabete',  ce  qui  est  Tarmure  et  ce  qui  en 
depend.  , Buchstabiren'  sont  les  exercices,,  ,les  mots'  sont  la  for- 
mation  des  Corps,  et  ceux  joints  ensemble  [enseignent]  l'usage  qu'on 
doit  faire  de  ces  corps,  comme  des  paroles  dont  on  se  sert." 

Wegen  der  sehr  mangelhaften  Stilisierung,  die,  um  in 
die  flüchtig  hingeworfenen  Worte  Sinn  und  Zusammenhang 
zu  bringen,  mehrfach  zu  Textänderungen  nötigte,  dürfte  dieses 
Stück  mit  am  frühesten  niedergeschrieben  sein. 

III.  Loc.  2097  Nr.  14  f.  16: 

„L'inaction  et  l'oisivete  dans  les  troupes  est  nuisible  ä  (Original 
wieder  dans)  une  arm(^e  et  au  metier  de  la  guerre.  II  est  rest6 
l'exercice  ordinaire  dans  les  r^giments  [de  l'jarmt^e  au  commun 
Soldat;  mais  cela  ne  sultit  pas,  si  les  generaux  oublient,  comment 
se  servir  de  ces  r^giments  et  de  ces  troupes.  Les  vieux  meurent, 
les  nouveaux  avancent  par  degre  en  temps  de  paix,  sans  avoir  eu 
[d'joccasion  dans  la  paix  de  voir  des  mouvements  de  guerre.  L'armee 
n'est  [pas]  ensemble,  pour  faire  lä  et  lä  [des]  manceuvres.  C'est  pour 
cela  qu'il  faut  assembler  en  temps  de  paix  les  troupes  et  leur  iaire 
faire  les  mouvements  et  autres  fonctions  de  guerre.  La  präsente 
[assemblee]  est  sur  un  terrain  uni,  et  suivant  le  terrain  on  fera 
diff^rente  disposition,  Par  lä  les  troupes,  officiers,  g6n6raux  s'impri- 
ment  ce  qui  est  la  guerre,  et  ne  sont  pas  neufs,  quant  cela  vient 
ä  la  guerre,  devant  I'ennemi.  Si  cela  se  pourrait  faire  tous  les 
2  ou  3  ann6es,  on  rafraichirait  la  memoire.  C'est  ce  motif  qui  m'a 
port6  d'assembler  des  troupes,  de  les  faire  [faire]  des  manoeuvres  et 
[leur]  donner  l'exercice."    (Der  Schlufs  ist  unten  S.  236  mitgeteilt.) 

IV.  ebenda  f.  7 f.: 

„On  ne  met  pas  en  doute  qu'un  chef  d'arra^e  ne  sache  pas  ce 
qui  apartient  au  metier  de  la  guerre  et  ce  qui  est  praticable;  nean- 
moins  l'oisivete  est  pernicieux  dans  les  troupes.  Ainsi  il  est  n6- 
cessaire  de  les  tenir  en  exercice  pas  seulement  particulier,  mais  aussi 
dans  les  t^volutions  d'une  armcie.  Les  anciens  ont  eu  differents 
maximes,  les  modernes  en  ont  chang6,  et  ceux  qui  suivront,  trou- 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  229 

veront  peut-etre  [d'jautres  choses  dans  les  armees  et  manceuvres. 
Toujours  il  est  necessaire  pour  cela  qua  les  generaux  fassent  en 
temps  de  paix  des  camps  et  mouvements,  pour  ne  pas  laisser  oublier 
aux  officiers  et  troupes  dans  la  tranquillit6  ce  qui  est  utile  et 
necessaire  dans  la  guerre.  —  Les  majors  sont  l'äme  du  r6giment, 
de  meme  les  generaux  de  l'armee.  Ainsi  il  est  necessaire  de  las 
tenir  en  axercice.  II  arrive  pendant  la  paix  qu'on  avance  et  on  ne 
sait  pas  souvent  ce  qui  convient  au  poste  oü  on  parvient.  Ainsi 
on  a  voulu  faire  voir  pour  un  echantillon  et  par  le  corps  qu'on 
präsente,  differentes  manceuvres,  comme  ils  suivent: 

1.  l'arrangement  pour  une  revue, 

2.  comme  on  rentre  au  camp, 

3.  marche  et  retour  des  colonnes, 

4.  mouvements  par  des  lignes, 

5.  differents  carr6s, 

6.  combat, 

7.  attaque  d'un  retranchement. 

Les  autres  manceuvres  seraient  trop  longues  ä  les  representer,  comme 
investir  la  place,  le  siege,  le  secours,  parti,  convoi,  embuscade  et 
[d'jautres  d^tails. 

V.  Loc.  2097  Notizen  zu  Manövern  usw.  f.  40  (aufserdem 
Loc.  12 II  Vol.  VII ^  am  Ende  von  1729  und  Loc.  10947 
Paquet  Ordres  f.  530): 

Die  Ursagen,  soh  mich  bewegen,  die  Armes  auf  neien  Fus 
zu  setzen  und  sie  in  ein  Campemang  zusahmen  zu  zihen,  seind 
folgende : 

1.  das,  nachdem  14.  Jahres  verflossen,  das  die  Armes  missig 
gewesen,  der  Soldaht  und  Generahl  nicht  beysahmen  gewesen, 
welches  hegst  schedligen  ist, 

2.  [das]  der  Generahl  —  gemeint  ist  Wackerbarth  —  Alters 
wegen  abgehet, 

3.  [das]  die  neien,  soh  succedieren,  nicht  Gelegenheit  gehabet, 
in  Fridenszeit  was  zu  lernen,  obzwar  die  Regimenter  en  d6taille 
exerciren, 

4.  welches  aber  nicht  genugsam,  sondern  man  mus  wiesen,  der- 
selben sich  zu  bedienen,  wen  man  sie  zusahmen  hat. 

5.  Also  habes  ich  sie  zusahmenzihen  wohllen,  umb  einige 
militärische  Bewegungen  machen  zu  lassen  nach  dem  Terrain,  wie 
wier  ihn  fienden  werden. 

6.  Was  nun  projectiret,  wie  hier  folget,  werden  die  Generals 
ihre  Meinungen  sagen,  auch  anders  forschlagen, 

7.  nicht  zweifelnde,  sie  werden  alles  wohl  execoutiren  und 
gedenken,  das  von  fiellen  Lenderen  Zuschauer  sich  finden  werden, 
denen  wier  nichtz  zeigen  miessen,  soh  sie  Gelegenheiten  gibet  auss- 
zusetzen. 

Meine  Gedancken  seind  in  übrigen,  das  guht  were,  dergleichen 
Campements  aller  3  Jahre  zu  magen,  in  2  (d.  h.  wohl  im  2.  Jahre 
nach  jedem  grofsen  Campement)  separirtte  Camps,  in  i  (d.  h.  im 
I.Jahre)  nach  der  Revue  regimenterweisse,  3  oder  4  Wogen  (jedes- 
mal), und  das  in  September,  woh  nichtz  in  Felde.  Auf  diese  Weise 
unsere  Trupen  in  Friden  geibet  werden  au  metier  de  la  guerre,  so 
dass  es  ihnen  in  Kriegszeit  nichtz  Frembdes  ist. 


230 


Hans  Beschorner: 


VI.  Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  567  (nicht  eigenhändig, 
aber  zweifellos,  wie  aus  verschiedenen  Wendungen  klar  wird, 
auf  einen  königlichen  Entwurf  zurückgehend): 

II  est  certain  que  lorsqu'un  etat  jouit  d'une  paix  de  longue 
duree,  ses  troupes  perdent  l'habitude  des  exercices  militaires  et  la 
connaissance  des  Operations  militaires  auxquelles  la  guerre  donne 
lieu,  ä  moins  qu'on  ne  songe  ä  quelque  expedient  de  les  entretenir 
dans  ces  exercices  et  de  renouveller  dans  leur  esprit  des  Operations 
militaires  qui  doivent  etre  mises  en  execution  dans  une  campagne. 
Pour  parvenir  ä  ce  but,  il  n'y  a  d'autre  expedient  que  celui  de  faire 
assembler  les  troupes  de  temps  en  temps  et  de  faire  des  campements. 
Mais  il  est.  tres  difficile,  pour  ne  pas  dire  impossible,  de  repr^senter 
dans  quelques  semaines  de  temps  qu'une  revue  ou  campement  peut 
durer,  toutes  les  oper.itions  militaires  qui  peuvent  etre  mises  en 
execution  dans  une  campagne  qui  dure  une  6te  entiere. 

VII.  Loc.  1056  Vol.  II  f.  371^-^  (dgl.  Loc.  1056  Acta 
varia  f.  185  f): 

[Les]  raisons  qui  doivent  porter  un  etat  ä  entretenir  pendant  la 
paix  une  arm^e  en  exercice,  sont  les  suivantes: 

1.  L'arm(^e  se  trouvant  oisive  pendant  une  suite  d'ann^es  qui 
s'ecoulent  en  tranquillit^  et  en  repos,  donne  occasion  par  lä  aux 
g^neraux  de  meme  qu'aux  soldats  d'etre  (§loignes  Tun  de  l'autre,  ce 
qui  est  tres  nuisible  ä  tous  les  deux. 

2.  Les  anciens  generaux  experiment^s  meurent. 

3.  Les  nouveaux  qui  surviennent,  ne  peuvent  point  se  cultiver 
ni  s'altacher  au  metier  pendant  la  paix  faute  d'occasions,  quoiqu'on 
exerce  les  regiments  en  detail. 

4  Ce  qui  n'est  pas  süffisant,  mais  le  principale  est,  de  leur 
apprendre  le  m(^tier  ou  Service  de  sorte  qu'ils  ne  se  trouvent  pas 
neufs,  quand  l'occasion  se  presente 

5.  Ainsi  qu'il  est  necessaire  de  les  assembler  pendant  la  paix, 
pour  les  entretenir  dans  les  mouvements  militaires,  suivant  que  la 
difference  des  situations  et  terrains  obligent  de  les  faire. 

6.  Ayant  ainsi  fait  voir  les  raisons  et  la  n^cessit^  qui  peuvent 
determiner  un  (itat  ä  faire  des  revues  gen^rales,  on  croit  nt^cessaire 
de  donner  une  id^e  des  manoeuvres  militaires  qu'on  y  peut  faire 
exercer,  laquelle  consiste: 

a)  dans  la  revue  en  soi-meme  qui  fait  voir  le  nombre  et  la 
qualite  des  troupes, 

b)  dans  l'exercice  particulier  des  pieces  differentes  dont  une 
armee  est  formee,  comme  des  dragons,  de  la  cavalerie,  de 
l'infanterie,  de  l'artillerie. 

c)  [dans  la  demonstration]  de  la  maniere  de  s'en  servir,  quand 
ces  pieces  sont  jointes  ensemble,  savoir 

par  les  differentes  marches, 
par  les  diflerents  arrangements, 
par  les  differents  ordres  de  bataille, 
par  les  differents  mouvements, 
par  les  combats, 
par  les  attacjues, 

par  les  retraites  et  autres  choses  qui  appartiennent  au 
militaire. 
Par  ces  manoeuvres  on  concevra  le  detail  des  fonctions  de  guerre. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  231 

Dieses  und  die  beiden  folgfenden  Stücke  liefen  nicht  von 
der  Hand  des  Königs  vor,  atmen  aber  auch  vollkommen 
seinen  Geist.  Möglicherweise  sind  es  Bearbeitungen,  die  des 
Königs  Gedanken  durch  den  Grafen  Wackerbarth  erfahren 
haben. 

VIII.  Loc.  1056  Acta  varia  f.  148  bis  150: 

Raisons  qui  doivent  porter  un  prince  ä  faire  de  temps  en  temps 
des  campements  ou  assembl(§es  g^nerales  de  ses  troupes.  Les  troupes 
6tant  (Stabiles  pour  le  soutien  des  6tats  doivent  par  cons6quent  etre 
mises  en  Situation  de  pouvoir  agir  en  toutes  occasions  oü  le  besoin 
pourroit  le  requerir.  Ainsi,  outre  le  principe  que  le  soldat  doit  se 
faire  du  point  d'honneur  et  d'iine  noble  ambition,  il  est  tres  necessaire 
qu'il  soit  instruit  dans  la  parfaite  connaissance  des  manoeuvres,  ruses 
et  entier  exercice  de  la  guerre,  ce  que  les  troupes  ne  sauroient 
acquerir  dans  des  quartiers  separt§s  oü  location  leur  manque  de  se 
former  et  de  s'instruire  de  tout  ce  qui  s'y  pratique.  II  est  donc 
important  par  ces  raisons  que  les  troupes  s'assemblent  de  temps  en 
temps  en  corps  d^tach^s  ou  en  general,  tant  pour  apprendre  le  fond 
de  l'art  militaire  que  pour  y  prendre  de  l'ardeur  pour  leur  metier 
et  qu'elles  puissent  s'inspirer  une  noble  emulation,  outre  encore  qu'elles 
se  mettront  par  lä  en  etat  de  pratiquer  avec  succes  et  reellement 
pendant  la  guerre  ce  que  la  theorie,  la  lecture  et  les  relations 
d'autruy  leur  auront  imprime.     Une   raison  bien  essentielle  et  des 

f)lus  importantes  au  bien  d'un  etat  est  d'observer  qu'une  paix  de 
ongue  duree  fait  que,  les  vieux  officiers  manquant,  toute  une  armee 
seroit  composee  ä  la  fin  de  jeunes  gens  sans  experience.  Ainsi  pour 
eviter  les  inconvenients  et  les  fautes  qui  pourroient  en  r6sulter,  il 
est  donc  absolument  necessaire  de  faire  assembler  les  tioupes  de 
temps  en  temps,  pour  que  la  science  militaire  dont  les  vieux  officiers 
instruiront  les  jeunes,  puisse  [se]  poster  en  eux  comme  par  succession 
et  que  le  prince  puisse  ä  meme  temps  connoitre  le  genie  et  la  capacite 
des  officiers  par  l'application  qu'ils  apporteront  au  metier,  [pour] 
s'en  servir  dans  les  occasions,  dans  les  usages  et  dans  les  fonctions 
dont  chacun  se  trouvera  capable.  Pour  parvenir  ä  l'ordre  de  l'art 
militaire  et  que  l'on  puisse  travailler  sur  un  bon  fondement,  le 
premier  point  ä  quoy  l'on  doit  s'appliquer,  est  de  faire  bien  connoitre 
ä  chaque  corps  en  particulier  l'utilite  de  ses  manoeuvres  militaires 
et,  apres  que  chaque  corps  en  particulier  sera  bien  instruit  de  son 
metier  et  s'en  sera  bien  acquite,  on  pourra  les  joindre  ensemble, 
pour  en  former  une  armee  oü  par  differentes  representations  on  leur 
imprimera  les  manoeuvres  usitees  dans  une  guerre. 

Ce  sont  donc  ces  considerations  essentielles  qui  nous  ont  port^s 
ä  former  cette  ann^e  1730  pour  le  premier  de  juin  un  campement 
g6n6ral  de  nos  troupes  et,  comme  la  diversite  des  mouvements  et 
manoeuvres  en  seroit  innombrable,  nous  avons  choisi  Celles  qui 
ont  6t6  cru  les  plus  convenables  pour  le  temps  destin6  ä  la  durt^e 
du  dit  campement,  et  les  avons  ordonne,  comme  s'ensuit: 

la  revue  generale  de  l'armee, 
la  manoeuvre  des  dragons, 
„  „  de  la  cavalerie, 

„  „  de  l'infanterie, 

„  „  de  l'artillerie, 


I. 

jour 

2. 

1) 

3. 

)5 

4. 

)) 

5- 

)) 

2  52  Hans  Beschorner: 

6.  jour:  la  manoeuvre  des  lanciers, 

7.  „    :  mouvements  et  marches  sur  treize  colonnes  avec  l'arrange- 

ment  de  Tan-iee  dans  son  premier  ordre  de  bataille,  l'attaque 
et  la  retraite  sur  huit  colonnes, 

8.  „    :  mouvements  et  marches  sur  trois  phalanges  ou  sept  lignes 

avec   l.arrangement   de  l'armee  dans  son  premier  ordre  de 
bataille,  l'attaque  et  la  retraite  par  lignes, 

9.  ,,    :  mouvements    des   differentes   manieres   de   quarrt,    attaque 

des  quarr^s  par  la  cavalerie  et  la  retraite, 

10.  „    :  passage  d'une  riviere  et  l'attaque  d'une  armee  retranchee, 

11.  ,,    :  combat  des  deux  armees  et  la  retraite  d'une  des  deux, 

12.  „    :  le  feu  de  joye, 

13.  „    :  le  festin  de  toute  l'armee  et  la  Separation. 

IX.  Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  568 — 570  (auch  Loc. 
12 II   Vol.  VII ^,  am  Ende  von  1729): 

Raisons  qui  ont  denn 6  occasion  ä  faire  le  campement.  —  Plu- 
sieurs  raisons  doivent  porter  un  etat  ä  assembler  ses  troupes  de 
temps  en  temps: 

1.  Pour  les  entretenir  dans  l'habitude  des  exercices  militaires, 
parce  que,  le  Service  de  campagne  etant  tres  different  de  celui  des 
quartiers  ou  des  garnisons,  on  se  trouve  expost^  ä  de  grands  incon- 
v^nients,  quand  il  est  question  de  former  un  corps  d'armee. 

2.  Une  longue  paix  iait  disparoitre  les  vieux  chefs,  et  les 
nouveaux,  quelque  habiles  qu'ils  puissent  etre  dans  la  theorie.  ont 
besoin  de  plusieurs  campagnes,  pour  se  perfectionner  par  la  pra- 
tique.  Celle-ci  ne  s'acquiert  que  par  l'habitude  sans  laquelle  la 
bonne  volonte,  la  valeur  et  le  zele  tombent  souvent  en  defaut. 

3.  Le  seul  moyen  d'obvier  ä  ces  inconvenients  qui  ont  tant  de 
fois  expose  le  salut  des  etats,  c'est  de  former  des  campements  pendant 
Ici  paix,  d'y  pratiquer  le  service  de  campagne  et  la  manoeuvre  mili- 
taire  et  d'\-  representer  au  naturel.  autant  qu'il  est  possible,  tous 
les  6v6nem"ents  de  la  guerre  et  ceux  qui  se  rencontrent  dans  les 
occasions  inopinees  et  difticiles. 

4.  Cet  expedient  ne  peut  manquer  de  dresser  la  jeunesse  dont 
une  armee  se  trouve  remplie,  cela  forme  le  soldat,  affermit  et  deter- 
mine  les  chevaux  de  la  cavalerie,  donne  et  repand  des  impressions 
g^n^rales  du  mecanisme  militaire,  de  l'artillerie,  du  genie  et  de  tout 
ce  qui  y  a  rapport  (connoissance  dont  on  se  passe  ;i  regret,  quand 
on  est  oblige  d'entrer  en  action),  il  dresse  (Sgalement  le  soldat  ä 
sgavoir  tirer  parti  des  situations  facheuses  oü  la  guerre  expose,  loin 
des  quaitiers  et  des  villes,  sous  des  climats  difterents,  dans  des 
terrains  ingrats  ou  des  Saisons  facheuses. 

Ce  n'est  qu'ä  la  faveur  des  campements  que  nous  avons  projett«^ 
(suivant  le  plan  par  nous  regle  pour  chaque  journee  d'^  celui-ci) 
que  nos  troupes  pourront  se  former  aux  opt^rations  militaires,  et 
c'est  ä  quoi  les  chefs  auront  soin  de  pourvoir,  de  sorte  que  l'officier 
et  le  soldat  en  puissent  tirer  toat  le  prolit  necessaire  et  reraplir 
leur  devoir  dans  l'occasion.  C'est  sur  ces  considerations  que  nous 
avons  resolu  d'assembler  nos  troupes  au  mois  de  juin  et  de  les 
etablir  par  lä  ;^ur  le  pied  sui  letjuel  nous  nous  croyons  indispensables 
de  le  taire  pour  l'avenir,  enjoignant  ;"i  notre  conseil  de  guerre  et 
ä  nos  generaux  de  se  regier  sur  le  plan  ci-joint: 


Das  Zeithainer  Laojer  von  1730.  233 

A. 

L'armee  qui  s'assemblera,  sera  composee  de  quatre  ordres, 
comme  toutes  celles  de  notre  temps:  l'infanterie,  la  ca Valerie,  les 
dragons  et  l'artillerie.  Les  grenadiers  qui  sont  attaches  aiix  regi- 
ments,  n'en  forment  point.  Ceux  qui  sont  en  corps  sont  renfernies 
dans  celui  de  l'infanterie.  La  simple  connoissance  du  pied  et  des 
exercices  particuliers  des  ordres  ci-dessus  seroit  inutile  sans  Celle 
de  leurs  fonctions  jointes  ou  separees  dans  l^s  marches,  dans  les 
ordres  de  bataille,  les  attaques,  les  rencontres,  les  retraites  et  les 
autres  Operations  qui  appartiennent  au  militaire  et  qui  demandent 
sans  cesse  des  dispositions  assaisojinees  au  terrain,  au  temps  et  aux 
autres  situations  oü  Ton  peut  se  trouver  pendant  le  cours  d'une 
guerre  entiere. 

B. 

Quant  ä  la  disposition  pour  les  exercices  et  l'emploi  du  temps 
destine  ä  la  duree  du  campement,  nous  en  avons  ordonne  de  cette 
maniere:  i.jour  la  revue,  2.  la  manoeuvre  des  drasons,  3.  la  ma- 
noeuvre  de  la  cavalerie,  4.  la  manoeuvre  de  l'infanterie,  5.  la  ma- 
noeuvre particuliere  des  lanciers,  6.  la  manceuvre  de  l'artillerie, 
7.  la  disposition  des  mouvements  d'une  marche,  arrangement  et 
retraite  en  colonnes,  8.  la  disposition  des  mouvements  d'une  marche, 
arrangement  et  retraite  en  lignes,  9.  la  disposition  des  mouvements 
des  marches,  arrangement  et  retraites  en  quarres,  10.  la  disposition 
d'une  manoeuvre  pour  le  passage  d'une  riviere,  11.  le  combat  des 
deux  armt^es,    12.  le  feu  de  joie,    13.  la  Separation  du  camp. 

On  pourroit  representer  encore  plusieurs  6v6nements  non  moins 
utils,  comme:  fourrages  ä  portee  de  l'ennemi,  convois  attaques  et 
couverts,  rencontre  de  partis,  embuscades,  escarmouches  de  postes 
avances,  attaques  de  grandes  gardes,  pillages  en  ordre,  fascinages, 
travaux  militaires,  c'est  ä  dire  constructions,  demolitions  dans  les 
Sieges,  postes  ou  retranchements.  Tout  cela  depend  uniquement 
du  premier  parti  qu'on  scait  prendre,  sans  rien  oftrir  de  satisfaisant 
ä  la  vue  des  spectateurs,  du  cot6  de  l'addresse  ou  de  la  rt§gularite. 
C'est  pourquoi  nous  laisserdns  cela  aux  jours  de  repos  ou  d'exercices 
particuliers,  si  on  juge  ä  propos  de  le  laire. 

Nous  avons  pris  sur  nous  les  dispositions  marquöes  dans  les 
jours  que  nous  avons  choisi,  parce  qu'elles  offrent  des  ex^cutions 
non  moins  necessaires  que  brillantes  par  l'ordre  dont  elles  sont 
susceptibles,  et  que  nous  nous  faisons  une  satisfaction  personnelle 
de  contribuer  par  nous-meme  ä  celle  des  etrangers  que  l'attachement 
au  Service  et  le  gout  pour  les  exercices  militaires  attireront  dans 
notre  camp. 

Das  unvollendete  Schriftstück,  das  im  allgemeinen 
klarer  gehalten  ist,  als  die  ziemlich  schwülstig  ausgefallene 
Nummer  VII,  schliefst  mit  einigen  Bemerkungen  über  die  not- 
wendigen Reglements  und  mit  einzelnen  reglementarischen 
Bestimmungen.  Eine  deutsche  Übersetzung  desselben  bietet 
Loc.  10947   Paquet  Ordres  f.  611  f. 

Aufser  diesen  meist  allgemein  über  die  Notwendigkeit 
von  Manövern  handelnden  Stücken  finden  sich  in  den  Papieren 


234  Hans  Beschorner: 

des  Königs  noch  mehrere  eigenhändige  Aufzeichnungen,  die 
sich  auf  die  Vorbereitungen  zum  Zeithainer  Lager  selbst  be- 
ziehen. 

Die  günstigste  Zeit  für  Abhaltung  desselben  und  seine 
Zeitdauer  wird  erwogen  Loc.  2097  Nr.  12   f.  23^: 

Comme  on  a  determiii6  que  le  campement  doit  consister  en 
12  escadrons  de  dragon,  24  escadrons  de  cavalerie  [et]  18  bastal- 
gon[s]  [d'infanterie  ?], 

1.  il  sera  besoin  de  determiner  l'ordre  de  bataille  et  ce  qu'on 
veut  faire  le  jour  de  la  revue, 

2.  quels  manoeuvres  militaires  on  pourrait  faire  les  jours  sui- 
vants  que  le  campement  durera, 

3.  au  dernier  il  faut  determiner  le  temps  de  sa  duree.  S'il  est 
court,  il  faut  chaque  jour  autre  chose,  pour  ne  pas  laisser  ennuyer 
les  Spectateurs.  Si  le  temps  est  prolonge,  on  peut  laisser  un  jour 
d'interva][le].  Mais  toujours  determiner  les  manoeuvres,  soit  long 
ou  court! 

4.  Le  plus  court  ce  pourroit  etre  10  ou  12  jours  comprise  la 
revue,  le  plus  long  3  semames. 

5.  Le  meilleur  temps  serait  le  mois  de  mal,  quoiqu'il  n'y  a  point 
d'herbe;  auquel  on  peut  pourvoir  par  les  magasins.  Le  terrain  on 
en  prendra  d'inculte.  Le  mois  de  juillet  et  aoüt  est  trop  incommode 
par  rapport  du  chaleur  aux  chevaux,  les  hommes  patissent  [aussi], 
et  la  poussiere  [est]   incommode  pour  les  exercices  et  mouvements. 

Mit  der  „Liste  des  manoeuvres  militaires  qu'on  presentera", 

beschäftigt  sich  Loc.  2097  Nr.  15  f.  34: 

En  premier  lieu  la  revue  fait  voir  le  nombre  et  la  qualit6 
[des  troupes].  2.  Les  pieces  dift"6rentes  [fönt  voir]  en  quoi  ils 
consistent,  et  leurs  exercices,  des  dragons,  [de  la]  cavalerie,  [d']in- 
fanterie,  |d']artillerie.  3.  [On  fait  voir]  comme  on  s'en  sert,  quant 
ils  sont  ensemble,  par  les  marches,  arrangement,  retraite,  combat, 
attaque.  4.  Les  rejouissances  apres  des  heureux  succfes.  Par  ces 
4  articles  on  verra  tant  de  detail  des  fonctions  de  la  guerre. 

Ebenso  Loc.  2097  Nr.  14  fol.  8^: 

„Les  mouvements  qu'on  presente  ä  la  revue,  servent  d'instruction. 
[Ils]  sont  formes  Selon  le  nombre  des  troupes  qui  se  trouvent  et 
qui  consistent  en  28  bataillons  et  42  escadrons.  (^'a  doit  servir 
d'instruction  aux  generaux  de  former  diflerents  changemenis  d'ordre 
de  bataille,  marches  et  retraite[sj,  de  bien  observer  le  terrain  et 
les  intervalles,  de  faire  les  mouvements  vite  et  de  se  ranger  .sur- 
le-champ,  de  changer  les  fronts  et  ce  qui  en  suit.'-  So  sollte  das 
Zeithainer  Lager  werden  „une  ecole  en  general  pour  le  chef  de 
l'armee  et  ses  generaux  comme  [pour]  le  commandant  d'un  regiment 
et  son  major,  du  bataillon  et  de  l'escadron,  de  mt-me  des  brigades, 
des  ailes  et  du  corps  de  bataille.  Ensuite  selon  le  nombre  [il]  montre 
(nämlich  der  Chef  de  l'armee)  ce  qu'on  peut  faire.'' 

Auf  Grund  dieser  Erwägungen  stellte  der  König  (Loc.  2097 
Nr.  14  f.  i;  eine  gute,  nicht  ganz  vollständige  Abschrift 
Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  507  f. j  folgenden  Programm- 
entwurf auf: 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  235 

Mittwoch  den  31,  Mai  :  arrivee, 

Donnerstag;  „  i.Juni:  revue, 

Sonnabend  .,  3  ,.  :  exercice  des  dragons, 

Montag  ,,  5.  ,,  :  exercice  de  la  cavalerie, 

Mittwoch  ,,  7  ,,  :  extrcice  de  l'infanterie, 

Freitag  ,,  9.  ,,  :  exercice  des  lanciers, 

Sonntag  ..  11.  „  :  tirages, 

Dienstag  „  13.  „  :  mouvements  par  des  colonnes, 

Donnerstag  ,,  15.  .,  :  mouvements  par  des  hgnes, 

Sonnabend  „  17.  „  :  mouvements  des  carres, 

Montag  .,  19.  „  :  attaque  du  retrancheraent, 

Mittwoch  .,  21.  ,,  :  combat  des  deux  armees, 

Freitag  „  23.  „  :  feu  de  St.  Jean, 

Sonntag  „  25.  „  :  Separation. 

Den  2.,  4.,  6.,  8.,  10.,  12.,  14.,  16.,  18.,  :o.,  22.  und 
24.  Juni  bezeichnete  der  König  als  ,,jours  de  repos",  die  ver- 
schiedenen „exercices  particuUers"  überlassen  werden  könnten. 

Si  on  veut,  on  pourroit  faire  ces  jours  ce  qui  se  passe  ä  la 
guerre,  comme:  i.  fourrage,  2.  convoi,  3.  parti,  4.  embuscade,  5.  fas- 
cinage,  6.  alarme,  7.  surprise  des  gardes  avancees,  8.  pillage,  9,  — , 
10.  — ,  II.  — ,  12.  — .  Mais  ce  sont  des  choses  particulieres  et  011 
las  spectateurs  ne  peuvent  pas  prendre  part,  ni  qui  remplissent  la  vue. 

In  einem  zweiten,  eigenhändig  entworfenen  Programme, 
,,Forleifige  Eindeillunge  der  Dage  des  Campemens"  (Loc.  355 
Eigenhändige  Aufsätze  .  .  .  Vol.  II  f.  iSgf.)  sind  diese  ,,exer- 
cices  particuliers"  und  einige  andere,  z.  B.  .,Visitirung  des 
Lagers'-  (am  2.  Juni),  „Visitirung  der  Wagten"  (am  4.  Junij 
mit  aufgenommen. 

Si  on  voulait  —  fährt  das  Aktenstück  Loc.  2097  Nr.  14  fol.  i 
fort  —  representer  deux  armees  en  differents  endroits  et  opposees 
l'une  ä  Pautre,  il  est  ä  considerer  que  notre  terrain  ne  le  permet 
pas  ä  cause  de  manque  d'eau,  transport  du  magasin,  fatigue  de 
decaraper  et  d'autres  incommodites  et  fatigues. 

Si  on  voulait  faire  une  espece  de  siege  devant  Hayn,  il  y 
auroit  toutes  les  memes  incommodites,  savoir  la  marche,  le  transport 
des  magasins,  oü  loger  tous  les  spectateurs?  Et  combien  du  temps 
ne  faudroit-il  pas,  pour  faire  ce  siege?  Cela  seroit  bon,  tout  deux, 
de  le  faire  pour  des  autres  revues,  mais  [pour]  ce  qa'on  a  projette 
pour  le  present,  [c'est]  impracticable,  hors  qu'on  voulüt  prolonger 
de  trois  mois  et  etablir  d'autres  magasins. 

Die  erwähnte  Abschrift  fügt  als  Schlufs  noch  hinzu: 

„Pour  representer  un  siege,  on  le  pourroit  representer  sur  le 
meme  terrain,  faisant  une  fortification  ä  Tentour  de  Promnitz  ou 
Moritz,  faire  l'enveloppcr  ä  l'entour  de  Zeithayn  et  appuyer  les 
deux  alles  ä  la  nviere,  par  oü  on  aura  de  l'eau  aux  deux  ponts 
ä  Glaubitz  et  ä  Zeithayn,  et  l'eau  ne  manquera  pas.  Le  transport 
des  vivres  descendra  par  la  riviere,  et  les  spectateurs  seront  loges 
comme  ä  la  revue.  Mais  pour  le  quartier  de  la  cour  il  le  faudroit 
disposer  autrement  et  se  servir  de  la  tente  de  chasse  pour  les 
spectacles.  Au  reste,  la  plaine  demeurant  derriere  l'enveloppe,  on 
peut  representer  touts  les  evenements  de  la  guerre." 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXVIII.    5.  4.  16 


236  ■  Hans  Beschorner: 

Über  das  Gelände  bei  Zeithain  äufsert  sich  der  König 
Log.  2097  Nr.  15  f.  41  (vgl.  auch  den  Schlufs  der  bereits  oben 
S.  228  erwähnten  Abschrift  Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  507) 
folgendermafsen : 

L'armee  consiste  en  48  escadrons  et  24  bataillons.  On  a  regle 
sur  ce  nombre  les  mouvements  et  evolutions  qu'on  peut  faire  et 
qui  peuvent  se  faire  ä  la  guerre.  Le  terrain  nous  donne  une  plaine 
en  avant,  un  marre  ä  la  droite  et  ä  la  gauche  un  bois,  au  dos  une 
riviere,  ainsi  qu'on  est  couvert  de  trois  cotes,  et  en  front  on  peut 
agir  suivant  qu'on  veut.  Sur  ce  terrain  on  se  regle,  pour  donner 
satisfaction  aux  spectateurs.  Si  l'on  auroit  d'autre  Situation,  on 
ferait  d'autre  disposition,  pour  content  er  les  curieux;  mais  pour  le 
present  ils  se  contenteront  de  ce  qu'ils  verront. 

Ähnlich  lauten  des  Königs  Worte  über  den  Manöverplatz 

in    dem    Schriftstück    Loc.  2097  Nr.  14  f.  16    ,,L'inaction    et 

Poisivete",  dessen  Anfang  oben  S.  228  mitgeteilt  wurde  und 

das    mit    einem    nicht    v/eiter    wichtigen    Programmentwurfe 

(,,Ce  qu'on  presentera,  sera  la  revue  .   .   .   .   un  feu  de  joie") 

schliefst : 

L'armee  consistera  en  48  escadrons  et  24  bataillons.  Elle  sera 
campee  dans  une  plaine  sur  2  lignes.  Comme  eile  est  sur  un  terrain 
uni,  on  lui  fera  faire  les  mouvements  que  le  terrain  facilite:  ä  gauche 
un  bois,  ä  droite  des  marrees  et  en  front  point  de  difficultes  d'avancer 
(Orig.  d'avoir)  jusqu'ä  un  village  qui  se  trouve  au  centre  d'une 
plaine  de  6000  pas. 

Dafs  August  der  Starke  übrigens  den  Wert  der  Manö- 
ver keineswegs   überschätzte,    lehrt  Loc.  2097  Nr.  24  f.  20^: 

En  toute  chose  il  y  a  des  principes  et  encore  plus  dans  le 
metier  de  la  guerre  oü  on  en  a  plus  de  besoin.  Nous  avons  les 
regles  des  anciens  et  des  modernes,  et  ils  en  viendront  apres  nous. 
Les  ordres  de  bataille  et  la  maniere  de  combattre  sont  differents  et 
changent  suivant  l'ennemi  avec  qui  on  a  ä  faire,  et  c'est  au  chef 
de  juger  ce  que  croit  convenable,  et  on  ne  peut  donner  point  une 
regle.  Le  terrain,  l'ennemi  est  divers.  C'est  ä  la  prudence  du  chet 
qu'il  le  faut  remettre.  Toujours  il  est  bon  de  faire  apprendre  aux 
troupes  divers  mouvements  et  l'exercice  avec  divers  armes  et  de 
ranger  les  troupes  d'une  facon  qu'on  puisse  en  peu  de  temps  faire 
tel  ordre  (ju'on  croit  convenable. 

Nach  den  vorstehenden  Äufserungen  und  dem,  was  in 
Kapitel  X  ausgeführt  worden  ist,  wird  man  wohl  in 
Zukunft  die  militärische  Bedeutung  des  Zeithainer  Lagers  etwas 
höher  einschätzen  müssen,  als  das  bisher  meist  geschehen  ist. 
Diese  Erkenntnis  scheint  sich  allmählich  auch  schon  in  den 
Fachkreisen  Bahn  zu  brechen,  wie  die  S.  68  Anm.  3  angeführte 
Arbeit  ,,Die  taktische  Schulung  der  preufsischen  Armee"  er- 
kennen läfst;  denn  der  Verfasser  meint  zwar,  dafs  das  Cam- 
pement  von  Kadewitz    ein   ,,nach   französischem  Beispiele   in 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  237 

Szene  gesetztes  Lustlager'',  trotzdem  aber  doch  ,, nicht  ganz 
ohne  Vorteil  für  die  kriegerische  Ausbildung"  gewesen  sei. 
Anerkennender  noch  schliefsen  O.  Schuster  und  F.  A.  Francke 
den  Abschnitt  über  „Das  Zeithayner  Lager  1730"  in  ihrer 
„Geschichte  der  sächsischen  Armee"  (S.  200 — 203)  mit  den 
Worten:  „Jedenfalls  ist  das  Campement  bei  Zeithayn  für  die 
sächsische  Armee  als  ein  hochwichtiges  Friedensereignis  für 
alle  Zeiten  zu  betrachten  und  bildet  für  dieselbe  eine  licht- 
volle, angenehme  Erinnerung". 


10.    Die  Exerzitien. 

Zum  allgemeinen  Verständnisse  der  1730  bei  Zeithain 
vorgeführten  militärischen  Übungen  sei  zunächst  auf  das  um- 
fänghche  Werk  des  königlich  polnischen  und  churfürstlich 
sächsischen  Infanterie -Obristlieutenants  Hanns  Friedrich  von 
Fleming  ,,Der  vollkommene  teutsche  Soldat"  (Leipzig,  1726) 
hingewiesen,  das  aut  Grund  der  verschiedensten  Reglements 
„die  gantze  Kriegs -Wissenschaft,  insonderheit  was  bey  der 
Infanterie  vorkommt,  ordentlich  und  deutlich  vorträgt"  und- 
gerade  die  sächsischen  Verhältnisse  wenige  Jahre  vor  dem 
Campement  bei  Radewitz  schildert.  Von  dem  äufserst  lehr- 
reichen Buche  kommen  namentlich  die  Kapitel  13  bis  19 
(=  S.  215  —  252)  des  III.  Teiles  (,,Von  denen  mancherley 
Krieges -Operationen  und  -Expeditionen")  in  Frage,  die  von 
der  Stell-  und  Zugordnung  einer  Compagnie,  von  der  Stell- 
und  Zugordnung  eines  Regiments,  von  der  ordentlichen  Stellung 
der  Bataillons  und  Regimenter,  von  den  Exercitiis  als  Hand- 
griffen und  Doupplirungen,  von  Evolutionen  oder  Douppli- 
rungen,  von  den  Handgriffen  der  Grenadierer,  von  den  Com- 
mandowörtern  und  Bewegungen  und  endlich  von  denen  Exer- 
citiis eines  Piqueniers,  ingleichen  von  dem  Gebrauch  der 
Schweinsfedern  und  Spanischen  Reutern  handeln  und  mit  einer 
grofsen  Zahl  sehr  anschaulicher  Bilder  ausgestattet  sind. 

Zur  besonderen  Orientierung  aber  über  die  einzelnen 
Zeithainer  Manöver,  die  vom  im  ersten  Kapitel  (S.  72 ff.) 
nur  ganz  allgemein  skizziert  werden  konnten,  mögen  dienen: 

1.  Das  amtliche  Kartenwerk,  dessen  erläuternder  Text 
in  dieser  Zeitschrift  XXVII  (1906),  126  bis  133,  abgedruckt 
worden  ist; 

2.  Staatskalender  H  i  Sp.3 — I  3  Sp.  i  (mit  einigen  kleinen 
Zeichnungen); 

16* 


238  Hans  Beschorner: 

3.  Das  Journal  officiel,  dessen  erster  Teil  in  der  Wissen- 
schaftlichen Beilage  der  Leipziger  Zeitung  1885  S.  296  bis 
303  (von  V.  Mansberg),  dessen  Schlufs  dagegen  in  dieser  Zeit- 
schrift XXVII,   145  bis  151,  abgedruckt  ist; 

4.  Die  „Dispositiones  zu  den  Manoeuvres  1730  im  Lager 
bey  Zeithayn",  Loc.  1055  (auch  in  der  Generalstabsbibliothek 
zu  Dresden  D  V  Nr.  7450).  Diese  „Dispositiones",  die  wie 
bereits  erwähnt,  mit  der  ,, Disposition  generale"  nicht  ver- 
wechselt werden  dürfen,  enthalten  in  einem  zwei  Finger 
starken  Bande  ganz  genaue  Angaben  über  die  einzelnen 
Griffe,  Bewegungen  und  dgl.  und  die  dabei  angewendeten 
Kommandos.  Sie  waren  das  Ergebnis  langwieriger  Beratungen, 
die  der  König  mit  seinen  Generalen  pflegte.  Welche  Mühe 
ihr  Zustandekommen  machte,  lehren  die  zahlreichen  in  den 
Akten  vorhandenen  Protokolle,  Entwürfe,  Vorschläge,  Obser- 
vationes,  Remarquen,  Ordres  und  Ergänzungsbestimmungen 
(Loc.  411,  Zu  Vol.  1  —  III  Actorum  gehörig,  das  bey  Zeithayn 
zu  haltende  grosse  Campement  bei.,  1729,  f.  15 f.;  Loc.  1056 
I  f.  ie3-g3,  86<=-g,  86v5f.,  ^2^1,  103  f.,  II  f.  306—316,  Acta 
varia  f.  32,  73,  143 f.,  165  —  167;  Loc.  1064  f.  8,  iSS''; 
Loc.  10948  Ordres,  das  neue  Exercitien  -  Reglement  .  .  .  betr., 
de  anno  1730),  sowie  die  vielen  Risse  mit  Truppeneintragungen, 
Zeichnungen  von  Truppenformationen  und  dgl.  (Loc.  1056 
Acta  varia  f.  29,  30,  47,  48,  142,  156,  164,  168,  170;  Loc. 
1064  f.  129;  Loc.  10947  Paquet  Ordres  f.  508 '',  539^,  542, 
543,  552,  602,  608  usw.),  worunter  sich  auch  solche  von  des 
Königs  eigener  Hand  befinden  (Loc.  1056  I  f.  92*^,  146**'*; 
Loc.  2097  Nr.  15  f.  31  und  Nr.  22  f.  21).  Da  übrigens  der 
König  seinen  Generalen  zur  Pflicht  machte,  ,,dafs  die  ihnen 
übergebenen  Mouvements  und  alles  Zugehörige  dergestalt 
verschwiegen  und  verwahrlich  gehalten  werden  sollten,  damit 
niemand  etwas  davon  bekandt  werde",  so  sind  die  Dispositiones 
auch  nie  im  Druck  erschienen. 

Im  wesentlichen  beruhen  diese  ,,  Dispositionen"  natürlich 
auf  den  neuen  Reglements,  deren  Entstehung  vorn  (S.  63 f.) 
kurz  erörtert  worden  ist.  Für  genauere  Feststellung  der 
Geschichte  der  sächsischen  Exercierreglements  —  nur 
solche,  nicht  allgemeine  Dienst-  oder  sonstige  Reglements  und 
Ordonnanzen  kommen  hier  in  Frage  • — -  dürften  besonders 
folgende  Unterlagen  von  Wert  sein: 

I.  Loc.  10908,  Militair-Reglements  von  Ihro  Churf.  Durchl. 
Johann  Georg  III.  und  Johann  Georg  IV.,  1687,  1688  und  1692. 
In  den  allgemeinen  Militärreglements  und  Milizordonnanzen  von 
1692   tauchen  bereits  einzelne  Exerzierbestimmungen  auf. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  239 

2.  Loc.  II 005.  Anleitung  zur  Drille- Kunst  nach  S.  Exe. 
des  Herrn  Generalfeldmarschalls  von  Schönings  Exercitio  und 
Commando  bey  der  Chursächss.  Armee. 

3.  Loc.  1155,  Reglement,  was  bey  der  Infanterie  in  Feld- 
zügen zu  observieren  sey,  ingl.  die  Kriegsexercitia  anno  1704. 
Das  Aktenstück  enthält  u.  a.  die  von  Flemming  ohne  Bei- 
fügung eines  Datums  unterschriebenen  ,,Exercitia  bellica, 
maniment  zu  fues",  und  die  von  Schulenburg  am  9.  August 
1704  durch  Unterschrift  vollzogenen  ,,Musquetier-  wie  auch 
Grenadier -Exercitien".  Ersteren  geht  ein  Heft  mit  ,, Com- 
mando Wörtern"  für  das  Fufsexerzieren  voraus. 

4.  Loc.  10909,  Exercierreglements  1704,  1705,  oder  Neue 
Exercitien  im  Monath  August  1704.  Das  Aktenstück  enthält 
vor  allen  Dingen  die  von  Flemming  unterzeichneten  ,,Exer- 
citia  bellica,  maniment  zu  Pferdt,  1705",  aufserdem  noch 
„Musquetier-  und  Grandier-Handtgriffe",  die  zwar  auch  am 
9.  August  1704  von  Schulenburg  unterschrieben  sind,  aber 
von  den  ,, Musquetier-  und  Grenadier -Exercitien"  in  Loc.  1155 
abweichen. 

Das  Flemmingsche  ,,Maniement  zu  Pferde"  und  die 
Schulenburgischen  ,,Mousquetier-  wie  auch  Grenadier -Exer- 
citia"  erschienen  1705  unter  dem  Titel  ,,Exercitia  bellica" 
bei  Johann  Zacharias  Hempen  zu  Torgau  im  Druck.  Die  von 
Flemming  stammende  Vorrede,  die  auf  die  Notwendigkeit 
einheitlicher  und  streng  zu  befolgender  Exerzierreglements 
hinweist,  ist  signiert:  Dressden,  den  7.  Octobr.  1705.  Dem 
Kavalleriereglement  sind  ein  ,,  Interimsreglement  bey  der 
Cavallerie"  und  mehrere  Tafeln  mit  bildlichen  Darstellungen 
beigegeben.  Beide  Reglements  erschienen  1707  in  Dresden 
auch  gesondert;  vgl.  Königliche  öffentliche  Bibliothek  zu 
Dresden,  Hist.  Sax.  M.  276,  277,  und  H.  F.  Rumpf,  Allgemeine 
Literatur   der  Kriegswissenschaften  I    (1824),    224,   Nr.  3551. 

5.  Loc.  10929,  Allgemeine  Regeln  der  Kriegsführung  und 
Schlachten  (von  von  Flemming,  von  Wilcken  u.  a.),   17 10  f. 

6.  ,,Militair-Exercitia  oder  Handgriffe  mit  der  Flinte, 
Chemnitz  17 11",  erwähnt  bei  Rumpf  a.  a.  O.  I,   224,  Nr.  3552, 

7.  Loc.  10887,  Auf  die  von  Herrn  Generalfeldmarschall 
Grafen  von  Flemming  Exe.  171 1  vorgelegten  sechs  militä- 
rischen Fragen  gegebene  Antwort  von  12  Regimentern  Ca- 
vallerie. 

8.  ,, Commando -Wörter  nebst  der  Anweisung  zu  Exer- 
cinmg  eines  Regiments  Dragoner,  wie  solche  in  dem  den 
20.  November  anno  1717  von  des  Herrn  Generalfeldmar- 
schalls  von   Flemming  hochreichsgräffl.  Excell.  an   die   säch- 


2^.0  Hans  Beschorner: 

sische  Cavallerie  gegebenen  Exercitien-Buche  anbefohlen  und 
nachhero  durch  die  Herrn  Obrist- Lieutenants  von  Dürrfeldt, 
Leipziger  und  Milckau  theils  bey behalten,  theils  zu  unter- 
schiedenen Mahlen  geändert  und  endlich  vollkommen  appro- 
biret  worden,  folglich  nunmehro  durchgehend  üblich":  König- 
liche  öffentliche  Bibliothek  zu  Dresden,    Msc.  Dresd.  Q.  216. 

9.  ,, Neues  Kriegsreglement  oder  Instruction  von  der 
gantzen  Kriegs -Verfassung  der  Chur- Sachs.  Cavallerie,  1720." 
Dieses  Manuskript  ist  als  Xr.  5126  in  dem  ,, Verzeichnis  des 
antiquarischen  Bücherlagers  1905"  von  List  und  Francke  in 
Leipzig  aufgeführt.  Durch  die  auf  der  Rückseite  des  Titel- 
blattes befindliche  Notiz  , .Dieses  Regliment  wird  zwar  meisten- 
theils  durch  allerhand  Interims -Reglements  denen  Regimentern 
bekannt  gemacht,  allein  ganz,  wie  es  hier  ist,  wird  es  nicht 
communicirt",  scheint  dieses  ,,Kriegs- Reglement"  nur  als  ein 
Entwurf  characterisiert  zu  werden. 

10.  Loc.  10929,  Concept  zum  Reglement  vor  die  In- 
fanterie, vom  Herrn  Obristen  Hildebrand  entworffen.  Mense 
Octobr.  1722. 

11.  Loc.  10948,  Ordres,  das  neue  Exercitien- Reglement 
und  was  wegen  Introducirung  dieserhalb  in  sämbtliche  Re- 
gimenter Cavallerie  und  Infanterie  verfuget  worden,  betr.,  de 
anno  1730.  Dieses  für  die  Geschichte  der  sächsischen  Exer- 
zierreglements besonders  wichtige  Aktenstück  enthält  in  dem 
besonderen  Faszikel  ,,Exercitien- Reglement  von  der  Cavallerie" 
zwei  voneinander  abweichende  Exemplare  des  neuen  Kavallerie- 
Exerzierreglements  und  mehrere  Abänderungsvorschläge  dazu. 
Vom  liegt  ein  Quartheft  darin:  ,, Disposition  von  dem  Exer- 
citio,  welches  S.  Hochgräffl.  Exellence  Herr  Generallfeldt- 
marschall  Reichso:raff  von  Flemming-  mit  dem  löbl.  Marchischen 
Regiment  Infanterie  gethaen  bey  Dressden  anno  17 18  den  .  .  .". 

Auf  die  Einübung  der  neuen  Exerzierreglements  1729  in 
besonderen   Campements  beziehen  sich: 

12.  Loc.  6386,  Die  Zusammenziehung  derer  Compagnien 
an  Cavallerie  und  Infanterie  zu  Erlernung  derer  neuen  Exer- 
citien und  das  hierauf  gehaltene  grosse  Campement  zu  Mühl- 
berg betr.,   1729,   1730. 

13.  Loc.  10945,  Rapports  und  andere  Schriften,  das 
Campiren  und  wie  die  Regimenter  die  Revue  vor  J.  K.  M. 
passiret  sind,  betr.,   1729. 

14.  Loc.  10946,  Interims-Disposition  u.  Reglement  nebsten 
darüber  ausgefertigten  Ordres  und  Beylagen,  die  Mundirung 
der  Regimenter  Cavallerie  und  Infanterie,  ingl.  die  Dressirung 
der  Leute  und  Exercitia,  a.  w.  d.  s.  anhängig,  betr.,   1729. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  241 

15.  Kriegsarchiv  Loc.  2108,  Campements  bey  Langen- 
salza und  Dressden,   1729. 

16.  Kriegsarchiv  Loc.  1833,  Campements,  worein  die 
Garde  du  Corps  und  sämthche  Regimenter  zu  Pferde  und 
Fuss  zu  Erlernung  und  egaler  Einführung  derer  neu  vor- 
gegebenen Exercitien  regimenterweise  zusammengezogen 
worden,   1729. 

Im  Anschlufs  an  die  Übungen  im  Zeithainer  Lager  reichte 
der  Herzog  von  Weissenfeis  und  der  Exerzitienmeister  Oberst 
von  Ludwig  eine  ganze  Reihe  von  Fragen  und  Erinnerungs- 
punkten ein.  Um  diese  erledigen  und  ,,das  Exercitien-Regle- 
ment  in  vollkommenen  Standt  und  Ordnuno-  setzen"  zu  lassen. 
ernannte  der  König  eine  besondere  Kommission  und  befahl 
ihr,  unter  Zuziehung  des  Exerzitienmeisters  von  Ludwig,  ,,das 
neugefertigte  Exercitien-Buch  und  die  diesfalls  projectirten 
Reglements  anderweit  zu  revidiren,  die  gemachten  Annotata 
und  was  sonsten  darinn  geändert  worden,  alles  und  jedes  in 
behörige  Ordnung  an  gehörigen  Orth  und  Stelle  zu  inseriren, 
das  gantze  Buch  in  seine  Capita  und  Paragraphos  erforder- 
licher Mafsen  zu  rangiren  und  einzutheilen,  auch  endlich  ein 
Register,  umb  alles  gleich  nachschlagen  und  auffsuchen  zu 
können,  darüber  zu  fertigen"  (Loc.  1093 1  VII  f.  139 — 141). 
Ein  Ergebnis  war  offenbar  das  ,, Interims-Reglement  über 
Exercitia  und  Mouvements  vor  die  Infanterie,  Dressden  9.  März 
1732",  von  dem  die  Königl.  Bibliothek  zu  Dresden  Msc.  C.  89 
und  Hist.  Sax.  M.  56,  57,  mehrere  schöne  handschriftliche 
Exemplare  mit  sauberen  Zeichnungen  besitzt.  Nur  die  ,, Plans" 
enthalten  die  beiden  Quarthefte  Msc.  C.  66  und  67. 

Es  verlohnte  sich,  auf  Grund  dieses  Quellenstoffes  die 
früheste  Geschichte  der  sächsischen  Exerzierreglements  ge- 
nauer zu  untersuchen  und  damit  das  Aufkommen  der  Exerzier- 
reglements in  Deutschland  überhaupt  weiter  zu  beleuchten, 
wie  dies  bereits  W.  Erben,  Kriegsartikel  und  Reglements 
als  Quellen  zur  Geschichte  der  k.  und  k.  Armee  (in  den  Mit- 
teilungen des  K.  K.  Heeresmuseums  in  Wien  I  (1902),  i—  200), 
O.  Redlich,  Ein  Exercierreglement  aus  der  Zeit  Prinz  Eugens 
(eb.  S.  55  —  65),  und  M.  Jahns,  Das  Kriegswesen  unter  König 
Friedrich  I.  (im  HohenzoUern-Jahrbuch  IV  (1900),  140 — 169) 
getan  haben  ^). 


^)  Auch  in  Preufsen  war  damals  Friedrich  Wilhelm  I.  mit  der 
Neubearbeitung  der  Exerzierreglements  beschäftigt.  Aus  Besorgnis, 
dafs  „die  fre[mjde  trappen  uns  nur  nit  vorkommen",  beschleunigte 
er  die  Sache  so  sehr  als  möglich  und  veröffentlichte  bereits  am 
I.Juli  1730  das  verbesserte  Infanterie -Reglement,  von  dem  er,  wie 


2A2  Hans  Beschorner: 

Bei  der  Erforschung  der  Geschichte  der  sächsischen 
Exerzierreglements  würde  eine  der  Hauptaufgaben  mit  in  der 
Vergleichung  der  verschiedenen  Reglements  bestehen,  um  die 
Fortschritte  festzustellen.  Dabei  würde  in  den  zwanziger 
Jahren  des  1 8.  Jahrhunderts  hauptsächlich  auf  den  Einßufs  zu 
achten  sein,  den  die  Folardschen  Theorien  auf  sie  ge- 
wonnen haben.  An  einzelnen  Stellen  wird  sich  dieser  unzweifel- 
haft nachweisen  lassen.  Der  Chevalier  de  Folard,  der,  von 
dem  Studium  der  antiken  Schriftsteller,  namentlich  des  Polj'bius, 
ausgehend,  sich  für  die  taktischen  Formen  der  Alten,  für  die 
Kolonnen,  Phalangen  und  Keilstellungen  begeisterte  und  in 
ihnen  allein  das  Heil  der  Zukunft  erbhckte,  hat  bei  seinen 
Zeitgenossen  grofses  Aufsehen  gemacht  und  die  Kriegskunst 
des  i8.  Jahrhunderts  nicht  unwesentlich  beeinfiufst,  wie  man 
des  näheren  aus  ]\I. Jahns,  Geschichte  der  Kriegswissenschaften 
II  (1890),  1478 — 1498,  ersehen  kann.  Es  fehlte  nicht  an  leb- 
haftem Widerspruch,  meist  aber  fand  er  doch  Anerkennung. 
Selbst  Friedrich  der  Grofse  hielt  es  der  Mühe  für  w^ert,  aus 
seinen  Werken  1753  durch  den  Obersten  von  Sars  eine  Hand- 
ausgabe herstellen  zu  lassen  und  diesen  ,,Extrait  tire  des 
commentaires  du  chevalier  Folard  pour  Pusage  d'un  officier" 
höchst  eigenhändig  mit  einer  ,,sehr  merkwürdigen  Vorrede" 
zu  versehen.  Ja,  er  soll  sogar  —  allerdings  vergebhch  — 
den  greisen  Folard  eingeladen  haben,  nach  Berlin  zu  kommen 
und  seine  Neuerungen  praktisch  vorzuführen.  Dafs  Folard, 
der  seine  Anschauungen  von  der  Kolonnentaktik  hauptsächlich 
in  dem  an  mehreren  Stellen  seiner  Werke  abgedruckten  ,,Traite 
de  la  colonne,  la  maniere  de  la  former  et  de  combattre  dans 
cet  ordre",  niedergelegt  hat,  auch  den  leitenden  militärischen 
Kreisen  in  Sachsen  nicht  unbekannt  blieb,  könnte  man  ohne 
weiteres  annehmen.  Wir  besitzen  aber  auch  mehrere  deut- 
liche Zeugnisse  dafür,  dafs  sich  August  der  Starke  mit  den 
Werken  Folards  eingehend  beschäftigte  und  seine  Neuerungen 
im  Zeithainer  Lager  erprobte.  Bei  aufmerksamer  Durchsicht 
der  gedruckten  Campements-Beschreibungen  mufs  es  auffallen, 
dafs  viele  von  ihnen,  z.  B.  der  Staatskalenderbericht  und  das 
Campement-Lied  (vgl.  diese  Zeitschrift  XXVII,   iio  Nr.  10 ^^j, 


er  am  5. Juli  1730  an  Leopold  von  Dessau  schrieb,  hoffte,  „dals  es 
wierdt  guhts  tuhn".  Vgl.  O.  Krauske,  Die  Briefe  König  Friedrich 
Wilhelms  I.  an  den  Fürsten  Leopold  zu  Anhalt -Dessau  (Berlin  1905) 
S.  454  Nr.  546  Die  Besorgnis,  dafs  andere  Länder  Preufsen  hin- 
sichthch  der  Ausbildung  ihrer  Truppen  übertlügeln  könnten,  war 
offenbar  durch  das  Zeithainer  Lager,  wenn  auch  vielleicht  nicht  erst 
geweckt,'  so  doch  sicher  gesteigert  worden. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  243 

davon  sprechen,  dafs  die  Exerzitien  ,,nach  neuem  Brauch" 
ausgeführt  worden  seien.  Worin  aber  dieser  neue  Brauch 
bestand,  sagt  unzweideutig  Friedrich  der  Grofse  in  seinen 
Memoiren  des  Hauses  Brandenburg  (Oeuvres  1,  159)  mit 
den  Worten  ,,Le  roi  de  Pologne  qui  etait  venu  ä  Berhn 
Tan  1728,  voulut  ä  son  tour  etaler  sa  magnificence  aux 
yeux  du  Roi,  en  lui  donnant  des  fetes  toutes  militaires.  II 
rassembla  ses  troupes  dans  un  camp  aupres  de  Radeberg  (!), 
village  situe  sur  l'Elbe;  les  manoeuvres  qu'il  fit  faire  ä  son 
armee,  etaient  une  image  de  la  guerre  des  Romains  melee 
aux  visions  du  chevaUer  Folard",  und  ähnUch  seine  Schwester, 
die  Markgräfin  Wilhelmine  von  Bayreuth,  in  deren  Memoiren 
(Leipzig,  H.  Barsdorf,  1889,  S.  168)  es  u.  a.  heifst:  ,,Ce  prince 
(ihr  Bruder)  partit  le  30.  [may  1730],  pour  aller  au  camp  de 
Mulberg  od  le  roi  de  Pologne  Tavoit  invite.  Toute  l'armee 
Saxonne  etait  rassemblee  dans  cet  endroit,  eile  y  fit  les  evo- 
lutions  et  les  manoeuvres  decrites  par  le  fameux  chevalier 
Follard".  Vor  allem  liefs  aber  auch  August  der  Starke  hinter- 
her —  und  das  sagt  alles  —  dem  Chevalier  de  Folard  in 
Paris  durch  seinen  natürlichen  Sohn  Moritz,  den  Marschall 
von  Sachsen,  ein  Exemplar  des  grofsen  offiziellen  Karten- 
werkes überreichen.  Folard  war  aufs  höchste  erfreut  über 
diese  Auszeichnung,  die  ,,ihm,  dem  einfachen  Colonel  d'in- 
fanterie,  ein  grofser  König"  zuteil  w-erden  liefs.  In  einem 
54  Folioseiten  langen  Briefe,  der  Paris,  den  6.  Oktober  173 1, 
datiert  ist  und  gegenwärtig  im  Archiv  des  preufsischen  Grofsen 
Generalstabes  (IV  414)  aufbewahrt  wird,  bedankte  er  sich 
umständlich  für  das  ,,present  si  glorieux  et  honorable  ä  un 
officier  epris  de  la  noblesse  de  sa  profession".  Er  betonte 
darin,  dafs  er  sich  von  dem  Marschall  Moritz  unmittelbar  aus 
dem  Campement  habe  Berichte  schicken  lassen  und  dafs  er 
seine  Rückkehr  mit  Ungeduld  erwartet  habe,  ,,pour  qu'il  me 
fit  la  faveur  de  m'expliquer  plus  particulierement  tout  ce  qui 
s'y  etoit  pratique  de  plus  considerable  ä  l'egard  des  exercices 
de  toute  son  armee  si  differents  de  ce  qui  s'etoit  passe  dans 
les  autres  camps  qui  s'etoient  formes  ä-peu-pres  dans  le  meme 
temps".  Dank  der  Güte  des  Königs,  ,,der  selber  die  Kriegs- 
wissenschaften so  liebe  und  darin  un  grand  maitre  sei", 
besitze  er  nunmehr  das  Prachtwerk  und  könne  alle  Be- 
wegungen genau  ,,etudier  et  mediter".  Welchen  Eindruck 
er  freilich  bei  diesem  Studium  von  den  Zeithainer  Manövern 
gewann,  läfst  das  langatmige  Schreiben  nicht  erkennen.  Zwar 
rühmt  er  f.  35  die  Verwendung  der  Kanonen  in  Zeithain,  die 
ganz    seinen    Anschauungen    entspräche,    f.   42    die    Achtel- 


244 


Hans  Beschorner: 


Schwenkung  der  ganzen  Armee  um  das  eigene  Zentrum,  die, 
zur  schiefen  Schlachtordnung  führend,  ausgezeichnet  in  sein 
System  passe,  f.  43  die  Märsche,  deren  Behandlung  er  in 
dem  Kartenwerke  ,,bien  net  et  bien  execute  et  fort  sgavant" 
nennt  (,,on  seroit  tres  embarrasse  de  me  faire  voir  dans  aucun 
de  nos  militaires  autant  d'instruction  dans  presque  tous  les 
grands  mouvements  qu'on  en  trouve  dans  tout  ce  qu'Elle  ä 
pratique  au  camp  de  Mulberg"),  ferner  f.  50  die  Rückmärsche, 
die  er  nach  eingehender  Prüfung  für  schön  und  weise  erklärt; 
endlich  hebt  er  f.  52  das  Manöver  des  vorletzten  Tages,  den 
Eibübergang  und  die  Verteidigung  des  Retranchements,  für 
dessen  volles  Verständnis  nach  seiner  Ansicht  einige  Pläne 
mehr  erwünscht  wären,  lobend  hervor.  Im  übrigen  geht  er 
aber  nicht  weiter  auf  das  in  Zeithain  Gebotene  ein,  sondern 
widmet  sich  ausschliefslich  ,, seinem  System"  und  verteidigt 
dies  mit  ermüdender  Breite  gegen  die  zahlreichen  Angriffe 
seiner  Gegner.  Wer  Folard  und  seine  Neuerungen  kennen 
lernen  will,  wird  den  Brief  mit  Nutzen  lesen,  für  das  Zeit- 
hainer  Lager  bietet  er  leider  verhältnismäfsig  wenig  Greif- 
bares. Immerhin  soll  seine  Bedeutung-  nicht  verkannt  werden: 
er  gibt  uns  die  volle  Gewifsheit,  dafs  August  der  Starke, 
oiTenbar  durch  die  Vermittelung  des  Marschalls  Moritz  von 
Sachsen  die  Werke  Folards  kennen  gelernt  hatte  und  ,,sein 
System"  von  den  Kolonnen,  sowie  seine  Taktik  im  Zeithainer 
Lager  ausprobierte,  da  sie,  zum  Teil  wenigstens,  seine  Billi- 
gung gefunden  hatten  (vgl  f.  4  des  Schreibens,  wo  Folard 
versichert,  hochgeehrt  zu  sein  ,,que  ses  ouvrages  sur  la  guerre 
et  son  Systeme  des  colonnes  comme  sa  tactique  avoient  ete 
approuves  de  S.  M.",  und  f.  13,  wo  er  sich  glücklich  schätzt, 
,,parce  que  S.  M.  a  approuve  son  S3steme  des  colonnes,  mais 
encore  [plus],  parce  qu'elles  ont  paru  au  camp  de  Mulberg 
inserees  dans  Ses  lio^nes  et  sur  les  alles  de  Sa  cavalerie  et  de 
Son  infanterie"). 

Bei  diesem  Stande  der  Dinge  wird  man  doch  wohl  den 
Wert  der  militärischen  Übungen  im  Zeithainer  Lager  nicht 
so  gering  anschlagen  dürfen,  wie  dies  vielfach  geschehen  ist. 
Es  waren  nicht  nur ,, Spielereien",  wie  Förster  in  seinem  Buche 
„Friedrich  August  II."  (1839),  272,  meinte,  oder  ,, Schau- 
stellungen, die  den  Ernst  des  Krieges  aus  dem  Auge  ver- 
loren" (von  Mansberg  S.  281/282).  Es  waren  vielmehr  ge- 
rade, wie  namentlich  aus  den  in  Kapitel  IX  mitgeteilten 
Schriftstücken  hervorgeht,  ernst  gemeinte  Vorbereitungen  auf 
den  Krieg.  Nur  war  die  richtige  Art  dieser  Vorbereitung 
noch    nicht   getroffen.     Mit   unseren   Manövern,   deren  Typus 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  24^ 

erst  Friedrich  der  Grofse  gefunden  hat,  darf  man  die 
Übungen  nicht  vergleichen.  Sonst  erscheinen  sie  allerdings 
leicht  „wie  künstlich  einstudierte  Carroussels  und  Quadrillen 
en  gros".  Auch  Friedrich  dem  Grofsen,  der,  wie  gesagt, 
als  erster  richtig  erkannte,  wie  die  Manöver  zweckmäfsig  zu 
gestalten  seien,  um  auf  den  Krieg  vorzubereiten,  mufsten  die 
Zeithainer  Übungen  komisch  vorkommen.  Er  mufste  ,,den 
Kennern  recht  geben,  die  die  Ansicht  vertraten,  que  ce  camp 
etoit  plutöt  un  spectacle  theätrale  qu'un  embleme  veritable 
de  la  guerre".  Einen  Vorwurf  hat  er,  in  richtiger  Würdigung 
der  Verhältnisse,  August  dem  Starken  kaum  daraus  gemacht. 
Er  spricht  zurückhaltend  nur  von  den  ,,Connoisseurs,  die 
dieser  Meinung  seien"!  Am  allerwenigsten  aber  hat  er  daran 
gedacht,  das  Zeithainer  Lager  öffentlich  zu  verspotten,  wie 
man  das  häufio^   lesen  kann. 

Diese  Legende,  die  wohl  hauptsächlich  durch  Vehse 
(Geschichte  der  Höfe  des  Hauses  Sachsen  V,  63)  verbreitet 
worden  ist  und  ihren  Weg  in  viele  wissenschaftliche  Werke 
gefunden  hat,  geht  auf  Friedrich  Nicolai  zurück.  In  seinen 
,,  Anekdoten  von  König  Friedrich  IL  von  Preufsen",  V.  Heft 
(Berlin  und  Stettin  1791),  schildert  er  S.  3 — 20  „das  Lager 
bey  Gatow"  ausführlich,  das  Friedrich  der  Grofse  1753  ver- 
anstaltete, von  dem  er  aber  alle  neugierigen  Zuschauer  fern- 
hielt. Um  nun  die  öffentliche  Meinung,  die  sich  natürlich 
viel  mit  den  geheimnisvollen  Gatower  Übungen  beschäftigte, 
irre  zu  leiten,  habe,  so  berichtet  Nicolai,  der  König  eine 
,, Beschreibung  desjenigen,  was  in  diesem  Lager  sollte  seyn 
vorgenommen  worden,  nebst  bej'gefügten  Plan"  durch  den 
Oberstleutnant  von  Balby  veröffentlichen  lassen.  Die  anonyme 
Schrift,  von  der  sich  u.  a.  Exemplare  in  der  Königlichen 
Bibliothek  zu  Berlin  und  in  der  Bibliothek  des  Ingenieurkorps 
zu  Dresden  befinden,  führt  den  Titel  ,,  Erklärung  und  genaue 
Beschreibung  der  Manoeuvres,  welche  von  dem  Königl.  Preufs, 
Corps,  das  zwischen  dem  Amte  Spandau  und  dem  Dorfe 
Gatow  campiret,  vorgenommen  worden,  so  wie  sie  sämtlich 
auf  einem  beygefügten  grofsen  Plan  marquiret  sind.  Mit 
Kgl.  Freyheit.  Berlin  u.  Potsdam  bey  Christian  Friedrich  Voss, 
1753"-  —  Nachdem  Nicolai  den  Inhalt  der  seltsamen  Schrift 
genau  dvirchgesprochen  hat,  gibt  er  seiner  Verwunderung 
darüber  Ausdruck,  dafs  diese  Darstellung,  deren  pamphleten- 
haften  Charakter  man  selbst  ,,bei  wenigen  militärischen  Kennt- 
nissen" ohne  weiteres  erkennen  müsse,  vielfach  ernst  genommen 
worden  ist,  und  wirft  zuletzt  die  Frage  auf,  woher  der  König 
die  Idee  zu  einer  solchen  Beschreibung  nahm  und  warum  er 


246  Hans  Beschorner: 

gerade  diese  Idee  gewählt  habe?    Er  memt,  die  Frage  lasse 
sich  beantworten.    Er  selbst  habe  eine  dunkle  Ahnung  gehabt, 
eigentlich  aber  sei  die  Entdeckung   einem  seiner  Freimde  zu 
danken:   dafs  nämlich  „ein  Teil  der  im  Zeithainer  Lager  ge- 
machten Übungen  Friedrich  dem  Zweyten  zu  jener  erdicht e?en 
Beschreibung  seines   Lagers    bey   Gatow,    die,   wie   gedacht, 
eigenthch  nur  eine  Verspottung  der  Neugierde  im  Jahre  1753, 
nicht  aber  des  ehemaligen  sächsischen  Lustlagers  ist' 
dennoch  hauptsächlich  die  Ideen  gegeben  hat".  Die  Behauptung^ 
die  Nicolai  oder  sein  Freund,  wie  man  sieht,  sehr  vorsichtig  ge- 
fafst  und  durch  einen  nur  auf  Zufälligkeiten  beruhendenVer- 
gleich  der  Zeithainer  Manöver  mit  den  von  Balby  beschriebenen 
vergebhch  zu  begründen  versucht  hatte,  gewann,  von   einem 
Werke    in    das    andere    übernommen,    allmählich   immer    be- 
stimmtere  Gestalt.     Einen   besonderen  Nachdruck  schien  ihr 
Koser  durch  ein  neues  Argument  geben  zu  können.    In  seinem 
Werke  über  Friedrich  den  Grofsen  I  (1893),   545  (dazu  seine 
Ausführungen  im  „Hohenzollern-Jahrbuch"  VII,  1903,  S.  i4f.), 
sagt  er  nämhch:   „Die  gedruckte  , Erklärung'  dieser  Spandauer 
Manöver,    vom   Oberstlieutenant  Balby    verfafst,   war  freihch 
nichts   anderes  als  eine  versteckte  Parodie  auf  die  Beschrei- 
bung des  sächsischen  Lustlagers  von  1730,  in  der  man  sogar 
den  22  Ellen  langen  Festkuchen,  prächtig  in  Kupfer  gestochen, 
veranschaulicht  hatte;  als  Graf  Podewils  auf  Befehl  dem  säch- 
sischen Gesandten  Bülow  ganz  ernsthaft  ein  Exemplar  über- 
reichte,  gab   dieser  zu  verstehen,    dafs   er  die  Absicht  wohl 
merke,  aber  gern  der  Sündenbock  sein  und  die  Last  derartiger 
Späfse  tragen  wolle".     Dieses  Argument  ist  aber  ebensowenig 
stichhaltig  als,   nebenbei   gesagt,    die   Behauptung,    dafs   der 
Festkuchen  im  Kupferstich  werk  abgebildet  sei;  nur  die  Stelle, 
wo  er  lag,  ist  in  dem  allgemeinen  Situationsplane  des  Haupt- 
quartiers angegeben.    In  der  Unterredung  mit  Podewils  meint 
nämlich  Bülow  gar  nicht  das  Zeithainer  Lager,  sondern  das 
Campement   bei   Übigau   unweit   Dresden,   das  Juni  1753, 
also    wenige    Monate    vor    dem    Gatower,    stattgehabt   hatte 
und   von   dem   ein   ausführliches,    von   dem    Ingenieurleutnant 
C.  S.  Berggold   gezeichnetes   Kartenwerk    mit   erläuternden 
Bemerkungen     herausgegeben     worden    war.       Der    Bericht 
Podewils     vom    4.    September     1753,    auf    den    mich    Herr 
Geheimrat     Koser     freundlichst     aufmerksam     gemacht     hat, 
lautet    nach    der    „Politischen    Correspondenz    Friedrichs   des 
Grofsen"  IX  (1882): 

„Le  sieur  de  Bülow  sourit,  porta  sa  main  ä  la  barbe  tt  me  lit 
entendre   qu'il   sentait    fort    bien    que  Votre  Majeste   continuait   de 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  247 

prendre  plaisir  ä  Se  moquer  de  lui  et  de  sa  cour.  II  ajouta  que  ce 
Journal  ^tait  depuis  huit  jours  entre  les  mains  de  tout  le  monde, 
mais  qu'on  savait  ä  quoi  s'en  tenir  sur  ce  qu'il  contenait,  et  il  me  dit 
ä  mots  couverts  qu'on  voyait  bien  que  c'etait  une  parodie  de  celui  que 
la  cour  de  Dresde  avait  fait  publier  de  son  camp  d'Uebigau  .  .  . 
II  me  pria  fort  de  ne  rien  dire  de  tout  cela  ä  Votre  Majest6,  mais 
de  le  mettre  simplement  ä  Ses  pieds,  finissant  par  me  dire  qu'il  6tait 
un  pauvre  Veteran  rempli  de  bons  sentiments  pour  Votre  Majeste 
et  qu'il  voulait  bien  servir  ä  L'egayer  ä  ses  depends  dans  la  toule 
des  occupations  st^rieuses  dont  Votre  Majeste  Se  trouvnit  accabl(^e, 
pourvu  que  cela  n'influät  pas  sur  sa  cour,  qui  naturellement  devrait 
elre  sensible  ä  tout  cela,  puisque,  le  public  venant  ä  savoir  de 
I^areilles  badineries,  cela  retombait  par  bricole  sur  sa  cour,  et  en 
me  demandant,  si  je  n'^tais  pas  charg6  de  communiquer  aussi  ä 
d'autres  ministres  (^trangers  le  Journal  en  question,  ou  s'il  devait 
etre  le  seul  bon  Hazazel  et  le  plastron." 


II.    Das   Campement   von   Czerniachow. 

Nach  Loc.  2097  Nr.  14  f.  10  hatten  an  dem  Zeithainer 
Lager  von  jedem  polnischen  Regimente  ein  Kapitän  und  zwei 
Leutnants  teilnehmen  müssen,  um  bei  dieser  Gelegenheit  den 
Dienst  und  die  Exerzierweise  des  sächsichen  Heeres  kennen 
zu  lernen  und  nach  ihrer  Rückkehr  die  gewonnenen  Erfahrungen 
daheim  zu  verwerten.  Die  polnische  Armee  sollte  in  Zukunft 
nach  sächsischem  Muster  organisiert  werden  Um  dies  noch 
vollkommener  zu  erreichen,  veranstaltete  August  der  Starke 
mit  lauter  sächsischen  Truppen  vom  31.  Juli  bis  18.  August  1732 
in  der  Nähe  von  Warschau,  bei  dem  Dorfe  Czerniachow 
(südhch  der  Stadt),  ein  grofses  Campement,  das  in  allem  dem 
Zeithainer  Lager  grlich,  wenn  es  sich  auch  den  Umständen 
entsprechend  in  bescheideneren  Grenzen  bewegte.  Das  offizielle 
Programm  lautete:  Donnerstag,  den  31.  Juli,  etablissement  du 
*camp,  Sonnabend,  den  2.  August,  revue  generale,  den  4. 
infanterie,  den  6.  cavalerie,  den  8.  grenadiers,  den  10.  lanciers, 
den  12.  quarre  plein,  den  14.  mouvement  de  Tarmee,  den  16. 
attaque  de  cavalerie  et  infanterie,  den  18.  Separation.  Die 
Anlage  des  Lagers  erinnerte  lebhaft  an  Zeithain.  Über  einer 
weiten,  von  der  Weichsel  und  ihren  Nebenarmen  begrenzten 
Ebene,  auf  der  das  Heerlager  stand  und  die  Exerzitien  statt- 
fanden, ragte  auf  einer  Anhöhe  inmitten  gärtnerischer  Anlagen 
ein  einstöckiger  Pavillon  empor,  dessen  gefällige  Formen  den 
Erbauer  Pöppelmann  nicht  verleugneten.  Am  Fufse  desselben 
war  die  Batterie  aufgefahren,  die  die  Signale  beim  Exerzieren 
gab;  der  Abhang  aber  des  Hügels  nach  der  Ebene  zu  stufte 
sich  in  mehreren  Terrassen  ab,  auf  denen  die  Zuschauer 
Platz  nahmen. 


248  Hans  Beschorner: 

Eine  genaue  Beschreibung  des  ,,Campements  zwischen 
dem  Caninichenberg  und  Czernicho"  und  zwei  in  Kupfer  ge- 
stochene Pläne  bietet  der  Hof-  und  Staatskalender  auf  das 
Jahr  1733  S.  E3  —  F3.  Erstere  wird  ergänzt  durch  ein  amt- 
liches , Journal  du  pavillon  de  Belvedere  vis -ä- vis  du  camp 
pres  de  Varsovie"  und  durch  eingehende  ,,Dispositiones"  nebst 
,, Signalen",  die  sich  mehrfach  in  den  Akten  linden.  Von  diesen 
dürften  die  wichtigsten  sein:  i.  Loc.  3640,  Akta,  das  von 
Ihrer  Königl.  Maj.  in  Pohlen  Augusto  II.  1732  bey  Warschau 
gehaltene  grofse  Campement  betr.,  wobey  viel  Original -Dis- 
positiones  und  dazu  gehörige  Original -Zeichnungen.  2.  Loc. 
3645,  Polonica,  das  Lager  bey  Warschau  betr.,  1732.  3.  Ober- 
hofmarschallamt Vol.  G.  30^=,  Campements  bey  Czerniakow 
1732   und  bei  Übigau  1753   betr. 

Wie  das  Zeithainer,  so  wurde  auch  das  Czerniachower 
Lager  durch  ein  schönes  Kartenwerk  verherrlicht,  das  zwar 
bescheidener  gehalten  ist,  aber  auch  an  Pracht  nichts  zu 
wünschen  übrig  läfst.  Das  ,,sous  la  direction  du  G.  M.  Pauch" 
von  ,,Cretien  Guillaume  Pfundt,  Ing.-Capitain",  gezeichnete 
Werk  m  kleinem  Querfolio,  von  dem  die  Königliche  öffentUche 
Bibliothek  (Msc.  Dresd.  J.  13  und  Hist.  Sax.  M.  58)  und  die 
Bibliothek  des  Königlichen  Generalstabes  (BV  Nr.  75  21)  mehrere 
Exemplare  besitzen,  führt  den  Titel:  ,, Plans  des  differents 
exercices  et  mouvements  miiitaires  executez  (bez.  fait[esj) 
par  les  trouppes  [Allemandes]  de  Sa  Majeste  le  Roi  de  Pologne 
et  Electeur  de  Saxe  au  Camp  de  Belvedere  pres  de  Varsovie 
depuis  le  premier  jusqu'au  26.  d'aoust  Tan  1732"  und  besteht 
in  folgenden  gestochenen  Blättern:  i.  Titelblatt.  2.  Plan 
generale  du  terrain  entre  laVistule  et  le  pavillon  de  Belvedere. 
3.  Particulier  plan  du  quartier  du  Roy.  4.  Plan  du  pavillon 
avec  les  lerras  et  les  parterres,  comme  aussi  d'un  part  de 
la  batterie.  5.  Plan  du  I««^  etage  ...  du  pavillon.  6.  Plan 
du  W^^  etage  ...  du  pavillon.  7.  Elevation  du  pavillon  de 
Belvedere  du  cote  de  l'eniree  situe  au  couchant.  8.  Elevation 
du  pavillon  de  Belvedere  du  cote  de  la  grande  place  d'exercice. 
9.  Profil  du  j^avillon  de  Belvedere.  10.  La  revue,  2  plans.  11. 
L'exercice  de  Tinfanterie,  7  plans.  12.  L'exercice  de  la  cavalerie, 
14  plans.  13.  L'exercice  des  grenadiers,  10  plans.  14.  L'exercice 
du  quarre  i)lein,  8  plans.  15.  L'exercice  des  lanciers,  13  plans. 
16.  Les  mouvements  avec  toute  l'arm^e,  7  plans.  17.  L'attaque 
du  retranchement,  8  plans.    18.  Plan  de  la  Separation  de  l'armee 

Die  Blätter  selbst  sind,  wie  schon  gesagt,  gestochen, 
die  Truppejikadres  mit  der  Hand  ausgemalt.  Handschriftliche 
Erläuterungen  sind  hinzugefügt. 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  24^ 

Durchweg  mit  der  Hand  sind  dagegen  drei  Exemplare 
in  der  Königlichen  BibHothek  (Msc.  Dresd.  J.  20)  und  in  der 
Generalstabsbibliothek  (B  V  Nr.  7510,  zwei  Exemplare,  davon 
eines  unvollständig)  hergestellt,  die  wohl  als  nicht  zur  Ausführung 
gelangte  Originale  anzusehen  sind.  Sie  sind  in  wesentlich 
gröfserem  Format  gehalten  und  weisen  einige  Blätter  auf, 
die  sich  in  den  erwähnten  Kupferstich-Exemplaren  nicht  finden. 
Zunächst  geht  dem  Titelblatt  ein  tigurenreiches  Blatt  voraus, 
das  u.  a.  links  die  Batterie  mit  den  19  sechspfündigen  Signal- 
geschützen, rechts  die  beiden  grofsen  Artilleriepauken  zeigt. 
Unter  der  Batterie  gewahrt  man  das  Campement-Feld  in 
seiner  ganzen  Ausdehnung  mit  dem  Lager,  über  den  Pauken 
dagegen  einen  Offizier,  der  das  Programm  entrollt.  Be- 
sondere Aufmerksamkeit  darf  das  in  Wasserfarben  sehr  fein 
ausgeführte  Blatt  beanspruchen,  das  auf  den  Titel  folgt  und 
durch  einige  weitere  Blätter  erläutert  wird:  ,,Ein  Particulair- 
Blatt,  worauf  zu  sehen  eine  erhöhete  Tribüne  mit  einem 
Machinen -Stuhl  und  Ihro  Königl.  Majestät  Augustus  IL  darauf 
sitzende,  welcher  vor  der  gehaltenen  grofsen  Revue  im  Jahre 

173 1  bey  Scholetz  ohnweit  Warschau  auf  denen  nahe  an  dem 
Ujasdower  Thiergartten  gelegenen  freyen  Plätzen  die  ersten 
dazu  gehörigen  Mouvements  und  Exercitia  angeführet  und  selbst 
commandiret."  Die  handschrifthchen  Werke  schliefsen  auch 
mit  Darstellungen  der  ,, Separation",  doch  ist  dem  aus  den 
Kupferwerken  .bekannten  Blatte  noch  ein  besonderes  hinzu- 
gefügt, das  eine  ,, Vorstellung  des  Becker -Auffzuges  beyn\ 
Schlufs  des  Campements"  bietet  und  eine  Verherrlichung  des 
abermals,  wenn  auch  etwas  kleiner  gebackenen  ,, grofsen 
Kuchens"  ist. 

Zwei  umfängliche  Gemälde,  die  das  Czerniachower  Lager 

1732  darstellen  und  von  J.  Chr.  Mock  gemalt  sind,  befinden 
sich  im  königlichen  Schlosse  zu  Dresden,   Prinzessinnengang. 


12.     Briefwechsel  zwischen  August  dem  Starken  und 
Friedrich  Wilhelm  L    von    Preufsen   wegen   des   Zeit- 
hainer Lagers. 

Das  erste  Schreiben,  das  August  der  Starke  an  den  König 
Friedrich  Wilhelm  L  von  Preufsen  wegen  des  Zeithainer 
Lagers  richtete,  lautete  nach  dem  eigenhändigen  Konzept 
Loc.  2097  Nr.  15  f.  3: 

Nous  sommes  ä  preparer  une  revue,  pour  voir  en  quel  etat 
les  troupes  se  trouvent,  depuis  qu'on  s'est  donn6  les  soins  de  le^ 


jro  Hans  Beschorner: 

regier  l'annee  passee.  Ils  ne  seront  pas  si  brillantes  qua  les  votres, 
mais,  s'il  }'  a  des  curieux  ä  les  voir,  on  tächera  de  donner  ä 
la  place  des  spectacles  divertissants  et  comiques  des 
militaires.     Peut-etre  plairont-[ils]  autant  [plus]. 

Si  on  save  la  commodit6,  on  en  fixerait  le  terme;  mais  le  plus 
comraode  serait  le  mois  de  may  ou  septembre  oü  les  chaleurs  ne 
sont  pas  excessives,  quoique  le  dernier  est  destintS  pour  la  chasse 
durante. 

Wie  aus  dem  Folgenden  hervorgeht,  ist  der  Brief  Ende 
März  oder  ganz  im  Anfang  April  geschrieben  Genaueres 
läfst  sich  zunächst  nicht  sagen,  da  dem  Konzepte  kein  Datum 
hinzugefügt  ist,  das  Original  sich  aber  —  wie  bei  den  anderen 
Schreiben  auch  -  bisher  weder  im  Geh.  Staatsarchiv,  noch 
im  Hausarchiv  zu  Berlin  hat  ermitteln  lassen. 

Noch  vor  dem  8.  April  antwortete  der  König  von  Preufsen 
mit  einer  vorläufigen  und  wohl  noch  etwas  unbestimmt  ge- 
haltenen Zusage;  denn  in  einem  Briefe  von  diesem  Datum 
(Geh.  Staatsarchiv  in  Berlin,  Kabinettsregistratur)  nimmt 
August  der  Starke  auf  die  Zusage  Bezug: 

J'attendrai  d'ailleurs  avec  la  derniere  impatience  le  31.  du  mois 
de  may  prochain,  me  flattant  d'avoir  alors  sürement  le  plaisir 
d'embrasser  V.  Majest6  ä  la  revue  de  mes  troupes. 

Die  eigentliche  förmliche  Einladung  vom  10.  Mai  (Kon- 
zept Loc.  :o92  Konvolut  124  Nr.  49)  hatte  folgenden  Wortlaut: 

Monsieur  mon  frere.  Quoique  V.  M.  m'ait  d6jä  fait  esperer 
qu'Elle  honorerait  de  Sa  prt^sence  la  revue  que  je  suis  r6solu  de 
faire  de  mes  troupes,  je  ne  puis  me  dispenser  de  depecher  expresse- 
ment  mon  chambellan  le  comte  Lynahr,  pour  La  prier  encore  une  fois 
de  ne  pas  y  manquer,  mais  de  se  trouver,  si  Sa  commodit6  le  Lui  per- 
met,  le  31.  de  ce  mois  avant  midi  au  camp  de  Radewitz  et  d'agreer 
l'accueil  qu'on  tächera  de  Lui  faire  pendant  le  peu  de  semaines  que 
la  dite  revue  durera.  Mon  unique  but  en  tout  ce  que  je  fais,  sera 
(Orig.  etant)  de  contribuer,  autant  qu'il  dt^pend  de  moy,  au  contente- 
ment  de  V.  M.;  je  souhaite  de  tout  mon  coeur  qu'Elle  y  en  trouve 
et  qu'Elle  en  soit  d'autant  plus  convaincue  qu'il  n'y  eut  jamais 
d'amili6  plus  tendre  ni  plus  sincere  (pe  celle  avec  laqvielle  je  suis 
et  serai  toute  ma  vie,  monsieur  mon  Irere,  de  V.  Maj.  le  bon  frere 
ei  trfes  fidfele  ami  Fred^ric  Auguste. 

Ursprünglich  hatte  August  der  Starke  den  Eingang  des 
Einladungsschreibens  folgendermafsen  gefafst  (Loc.  2097 
Nr.  14  f.  8): 

Votre  Maj.  m'ayant  fait  esp6rer  de  me  daigner  de  sa  prt^sence 
k  la  revue  de  mes  troupes,  j'öse  m'informer,  si  Elle  le  trouve  agreable 
que  ce  soit  le  premier  du  juin.  Je  souhaite  que  je  puisse  repondre 
k  son  attente  et  satisfaclion  et  Elle  attribuera  les  fautes  ä  une  inac- 
tioi  de  18  annees  tant  de  moi  que  de  16  de  mes  troupes  Si  j'ose 
prier  que  l'arrivee  de  V.  Maj.  puisse  etre  le  30.  de  may,  jour  devant 
la  revue,  .  .  . 


Das  Zeithainer  Lager  von  1730.  2^1 

Eine  zweite  Formulierung  (eb.  f.  7*  und  7^)  lautete: 

Une  inaction  de  18  annees  me  devrait  faire  hesiter  de  faire 
voir  aus  yeux  eclaires  les  fautes  qui  se  pourraient  faire  voir  aux 
manoeuvres  militaires,  mais  pour  faire  plaisir  ä  V.  M.,  je  rappellerai 
en  ma  memoire  ce  que  mon  age  d'experience  a  laisse   en  memoire. 

Beide  Textgestaltungen  verwarf  aber  der  König  aus  den 
vorn  S.  80  angedeuteten  Gründen  und  wählte  die  zuerst  mit- 
geteilte. Der  Eingeladene  antwortete  mit  folgendem,  Berlin, 
den  13.  Mai  1730,  datierten  Briefe  (Loc.  2092  Konvolut  123 
Nr.  26): 

Monsieur  mon  frere.  J'ai  re^u  avec  une  tres  sensible  satisfaction 
la  lettre  du  10.  de  ce  mois  dont  V.  Maj.  m'a  honore  et  par  laquelle 
il  Lui  a  plu  de  m'inviter  le  plus  obligeamment  du  monde  pour  la 
prochaine  revue  de  ses  troupes.  Votre  Maj.  aura  la  honte  d'etre 
persuadee  qu'Elle  n'aurait  pas  pu  me  faire  un  plus  grand  plaisir  que 
de  me  rendre  temoin  de  Ses  justes  dispositions  dans  l'exercice  de 
la  guerre  et  de  la  bonte  de  Ses  troupes.  Ainsi  V.  Maj.  peut  etre 
assuree  qu'il  n'y  aura  rien  qui  m'empecherait  de  me  trouver  le  jour 
appointe  ä  Son  camp  de  Radewiz.  J'y  trouverai  certainement  tous 
les  Sujets  d'un  vrai  contentement,  mais  aucun  m'egalera  celui  d'em- 
brasser  dans  la  personne  de  Votre  Majeste  mon  meilleur  ami,  de 
jouir  de  l'honneur  de  Sa  conversation  et  de  Lui  temoigner  de  bouche 
l'amitie  la  plus  parfaite  et  la  plus  tendre  avec  laquelle  etc. 

Gewissermafsen  zum  Danke  für  die  Einladung  liefs 
Friedrich  Wilhelm  I.  am  24.  Mai  1730  (Loc.  2097  Konvolut  123) 
August  den  Starken  bitten,  bei  seinem  gerade  in  diesen  Tagen, 
am  23.  Mai,  geborenen  Prinzen,  der  nach  dem  Kurfürsten 
von  Sachsen  zuvorkommenderweise  August  getauft  wurde, 
Pate  zu  stehen: 

Monsieur  mon  frere.  Mon  major  g^n^ral  de  Truchsess  6tant 
sur  son  d^part,  pour  aller  faire  sa  r^verence  k  Votre  Majeste  et 
reprendre  ses  fonctions  aupres  de  Sa  personne,  je  lui  ai  ordonn6 
de  L'assurer  bien  fortement  de  mes  sentiments  de  tendresse.  II  aura 
d'ailleurs  l'honneur  d'apprendre  ä  Votre  Majeste  la  nouvelle  de 
l'heureux  accouchement  de  mon  epouse  qui  vient  de  me  regaler 
d'un  bon  et  brave  gar9on.  C'est  ce  qui  m'a  porte  de  choisir  Votre 
Majeste  comme  mon  meilleur  ami  pour  parrain  de  ce  eher  fils  qui 
a  re9U  aujourd'hui  avec  le  bäpteme  le  nom  d' Auguste.  Je  me  flatte 
que  Votre  Majeste  l'agreera  et  qu'Elle  prendra  part  ä  cette  joye 
de  ma  famille.  Elle  y  ajoutera,  s'il  Lui  plait,  la  bonte  de  croire 
que  personne  ne  sauroit  etre  avec  tant  de  zele  ni  tant  d'amitie,  que 
je  le  suis  etc. 

König  August  nahm  natürlich  die  Patenstelle  an  und 
liefs  seinen  Dank  am  28.  durch  den  Generalleutnant  von  Pflug 
übermitteln,  wobei  er  abermals  seine  Ungeduld  versicherte, 
mit  der  er  den  glücklichen  Augenblick  erwarte,  wo  er  die 
Genugtuung  haben  würde,  seinen  Freund  zu  umarmen. 
(Schreiben  vom  27.  Mai  im  Geh.  Archiv  zu  Berlin.) 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXVIU.     3-4.  ^7 


2C2  Hans  Beschorner:  Das  Zeithainer  Lager  von  1730. 

Am  26.  Mai  nahm  der  Preufsenkönig  noch  einmal  Gelegen- 
heit, seinem  königlichen  Freunde  in  Sachsen  seine  grofsen 
Erwartungen  wegen  des  Zeithainer  Lagers  zu  bekunden: 

Monsieur  mon  frere.  Je  ne  saurois  laisser  partir  mon  general  de 
Grumckow  qui  prend  le  devant  pour  rendre  ses  devoirs  ä  Votre  Maj., 
sans  le  charger  de  ces  marques  de  ma  constante  tendresse.  II  ne 
manquera  pas  de  Lui  faire  un  fidele  rapport  del'extreme  impa- 
tience  quej'aid'embrasser Votre Majeste  et  de  voir  Sa  belle  armee. 
Assurement  je  compterai  les  moments  qui  doivent  me  procurer  cette 
sensible  satisfaction,  ayant  l'honneur  d'etre  avec  l'amitie  du  monde 
la  plus  parfaite  etc. 

Das  Dankschreiben,  das  Friedrich  Wilhelm  nach  seiner 
Rückkehr  am  30.  Juni  aus  Berlin  nach  Dresden  richtete,  be- 
findet sich  ebenfalls  Loc.  2092  Konvolut  123  und  lautet: 

Monsieur  mon  frere.  J'ai  l'honneur  de  mander  ä  Votre  Maj. 
que  je  suis  heureusement  arrive  ici,  tout  ä  fait  penetre  des  grandes 
civilites  dont  Elle  a  eu  la  bonte  de  me  combler  pendant  mon  sejour 
au  campement  de  Radewiz.  Ainsi  Votre  Maj.  agreera,  s'il  Lui  plait. 
que  je  Lui  an  marque  ici  une  partie  de  mes  obligations  infinies  et 
l'extreme  satisfaction  que  j'ai  ressentie  et  que  je  ressens  encore 
d'avoir  ete  temoin  de  tous  les  beaux  mouvements  de  Sa  belle  armee 
que  j'ai  trouvee  dans  le  meilleur  ordre  du  monde.  Comme 
j  en  ai  tire  autant  de  profit  et  de  plaisir  que  tous  mes 
officiers  qui  ont  eut  l'honneur  d'y  assister,  je  prie  Votre 
Majeste  de  croire  que  j'en  onserverai  toute  ma  vie  un  continuel 
Souvenir  et  une  tres  vive  leconnaissance.  Votre  Majeste  me  fera 
aussi  la  justice  d'etre  bien  persuadee  que  je  n'oublierai  jamais  ce 
qui  Lui  a  plu  de  me  dire  confidamment  le  jour  de  mon  depart,  et 
que  j'en  ferai  un  bon  usage.  Au  reste  je  meurs  d'envie  de  donner 
ä  Votre  Majeste  des  nouvelles  preuves  de  la  plus  tendre  et  sincere 
amitie  et  de  la  haute  estime  que  j'ai  pour  Elle  et  avec  laquelle  etc. 

Den  Formen  der  Höflichkeit  genügend,  antwortete  August 
am  5.  Juli  (Geh.  Staatsarchiv  zu  Berlin):  aus  dem  letzten  Briefe 
habe  er  mit  Befriedigung  ersehen,  dafs  Se.  Majestät  ,,est 
heureusement  revenue  chez  Elle  et  qu'Elle  a  ete  contente 
du  sejour  qu'Elle  a  fait  au  camp  de  Radewitz  et  de  Taccueil 
qu'on  y  a  plu  lui  faire  et  aux  officiers  de  Sa  suite.  La  satis- 
faction qu'Elle  m'en  temoigne,  est  un  pur  effet  de  Sa  bonte 
c|ui  La  porte  ä  agreer  tout  ce  qui  s'y  est  fait  pour  La 
desennuyer.  Ce  qui  me  rejouit  le  plus,  c'est  que  l'accident 
que  V.  M.  avoit  ä  Sa  main  droite,  n'a  pas  eu  de  suite,  surtout 
apres  les  fatigues  du  jour  de  la  chasse".  Der  hier  erwähnte 
,, Unfall  mit  der  rechten  Hand"  kann  sich  nicht  auf  das 
Chiragra  beziehen,  von  dem  S.  74  die  Rede  war;  vielmehr 
mufs  der  König  noch  ein  besonderes  Unglück  gehabt  haben, 
wie  es  scheint,  ganz  zuletzt  nach  der  Jagd. 


VII. 

Christian  Benjamin  Geifsler. 

Ein  Beitrag  zur  Geschichte  der  Bauernunruhen  d.  J.  1790. 


Von 
Hellmuth   Schmidt. 


Nachdem  sich  seit  dem  Mai  1790  die  Bauern  im  Meifsner 
Hochland  gegen  die  Mifsstände,  die  aus  dem  übermäfsigen 
Wildhegen  erwuchsen,  in  tumultuarischer  Selbsthülfe  erhoben 
hatten,  wurde  im  JuU  dieses  Jahres  in  der  Gegend  von  Lieb- 
stadt  und  Lauenstein  ein  erster  Versuch  unternommen,  mit 
einem  allgemeinen  Revolutionsprogramm  unter  dem  Landvolk 
einen  Aufruhr  zu  erregen  ^j.     Der  Tumultaufruf,  der  zu  diesem 


')  Vgl.  Pölitz,  Die  Regierung  Friedrich  Augusts,  Königs  von 
Sachsen  I,  22 4 ff.,  Gretschel,  Geschichte  des  Sächsischen  Volkes  und 
Staates  III,  23if.,  Böttger-Flathe,  Geschichte  des  Kurstaates  und 
Königreiches  Sachsen  II,  605 ff.  und  meine  Abhandlung:  „Die  säch- 
sischen Bauernunruhen  d.  J-  1790",  die  im  VII.  B.  der  Mitt.  d.  Ver. 
f.  Geschichte  Meifsens  erscheinen  wird.  —  Die  hier  gegebene  Dar- 
stellung beruht  auf  folgenden  Akten  des  HStA.: 

1.  Acta  die  unterm  Landvolcke  im  Jahre  1790  ausgebrochenen 
Unruhen  betr.    Vol.  I.    Anno  1790.  (Loc.  30749.) 

2.  Acta  die  unter  dem  Landvolcke  wegen  der  den  Gerichts- 
herrschaften zu  leistenden  Dienste  .  .  .  entstandenen  Un- 
ruhen .  .  .  Anno  1790.  Geh.  Gab.  Canzley.  Vol.  I.  und  IV. 
(Loc.  1095.) 

3.  Acta  commissionis  entgegen  den  Seiler  in  Liebstadt, 
Christian  Benjamin  Geifsler,  wegen  ausgebreiteter  auf- 
rührerischer Schriften.  Anno  1790.  (Amtsgericht  Dresden 
Nr.  740.) 

4.  Acta  Bauernunruhen  Anno  1790  betr.  (Loc.  5513.)  —  Sie 
werden  mit  der  in  Klammer  beigefügten  Locatnummer  bez. 
laufenden  Nummer  zitiert. 

17* 


254 


Hellmuth  Schmidt: 


Zwecke  unter  den  Bauern  verbreitet  wurde,  ist  in  mehreren, 
unter  sich  übereinstimmenden  Abschriften  in  den  Akten  er- 
halten^); als  zuverlässigste  Erkenntnisquelle  für  Wesen  und 
Ziel  der  Aufstandsbewegung  verdient  er  eine  wörtliche 
Wiedergabe. 

Pro  Memoria. 

Dem  Städtchen  Lauenstein  wird  hiermit  wifsend  gemacht,  dafs 
nach  reif  1.  Überlegung  endl.  der  Schlufs  gefafst  worden,  eine  glückl. 
Revolution  zu  machen,  u.  sind  wir  zu  unserm  Endzweck  auf  die 
i6.  bis  18000  Mann  in  Bereitschaft.  Unser  eigen  Wohl  erfordert 
dieses,  auf  das  schleunigste  es  ins  Werk  zu  setzen,  indem  man  in 
Erfahrung  gebracht,  dafs  wenn  wir  nicht  Ernst  brauchen,  eine  der 
blutigsten  Revolutionen  ehester  Tage  ausbrechen  wird.  Unsere  Ge- 
sinnungen dabey  sind  also  diese;  dafs  wir  lieber,  anstatt  Sachsens 
Unglück  noch  gröfser  zu  machen,  dafs  es  wohl  vollends  gar  zur 
Mördergrube  werden  könne,  mit  Gottes  Hülfe  weifsl.  Gegenanstalten 
zu  treffen,  und  unser  geliebtes  Vaterland  lieber  glückl.  als  unglückl. 
machen  wollen.  Wir  wollen  unsern  theuersten  Landesvater  in  unsere 
Mitte  nehmen  und  wollen  ihm  Sachsens  Unglück  und  Noth  mit 
Nachdruck  vorstellen,  damit  er  sich  ferner  mit  uns  und  wir  mit  ihm 
freuen,  und  ruhig  und  vergnügt  leben  können.  Erstl,  wollen  wir 
uns  insgesammt  mit  klingenden  Spiel  und  fliegender  Fahne  bis  in 
die  Gegend  Dresdens  rücken,  und  hat  sich  ein  Jeder  dabey  bis  auf 
ein  Paar  Tage  zu  proviantiren.  Da  wird  ein  Commando  von  uns 
nach  Pilnitz  gehen,  um  dem  Churfürsten  unsere  Gesinnungen  vor- 
zutragen, von  da  werden  wir  mit  unserm  theuersten  Landesvater 
einen  triumphirenden  Einzug  in  die  Residenz  Drefsdens  halten. 

Unser  Vortrag  ist  dieser: 

I.,  verlangen  wir,  dafs  alle  und  jede  Personen,  die  bishero 
Sachsenland  unglückl.  gemacht,  gänzl.  ihrer  Würden  u.  Aemter  ent- 
setzt u.  nach  Befinden  groser  Betrügereien  auch  ihre  Güther  con- 
fiscirt  und  zum  gemeinen  Besten  angewendet  werden  sollen. 

2.,  wird  national  Garde  vor  unsern  Churfürsten  errichtet,  eine 
zu  Fufs  und  eine  zu  Pferde.  Diese  mufs  aus  Männern  bestehen,  zu 
denen  man  das  Zutrauen  haben  kann,  dafs  sie  für  des  Landes  Wohl 
stets  wachsam  sind.  Die  zu  Fufs  ist  beständig  um  den  Landes- 
herrn, und  ihr  Chef  mufs  eine  ansehnl.  Bedienung  bej'  Hofe  haben, 
damit  sich  keine  Landesbetrüger  mehr  bey  unsern  Landesherrn  ein- 
schleichen können.  Die  Garde  zu  Pferde  soll  des  Landes  Wohl  be- 
sorgen, und  genau  auf  alle  Ungerechtigkeiten  im  Lande  acht  haben. 

3.,  Das  Accis  Wesen  wird  auf  einen  Fufs  gesetzt,  damit 
Sachfsenland  sich  nicht  ferner  Gottes  Strafgerichte,  mit  so  vieler 
schwerl.  Entheiligung  seines  heil.  Namens  ausgesetzt  seyn  darf. 

4.,  Denen  Rittergutsbesitzern  werden  engere  Schranken  gelegt, 
damit  sie  nicht  mehr  wie  bisher  geschehen,  das  Land  zur  Wüste  und 
Einöde  von  Gerechtigkeit  machen  können. 

5.,  Hegungen  des  Wildes  werden  ferner  nicht  geduldet,  indem 
solches  viel  zu  den  steten  Fruchtmangel  beiträgt. 

6 ,  Keine  Juris  practici  werden  ferner  geduldet,  die  nicht  wirkl. 
Gerichts  Bestallungen  haben,  indem  diese  Blutigel  das  Land  auf 
eine  erbärml.  Weise  aussaugen. 

')  Loc.  30749.   Bl.  I.    Auszüglich  bei  Gretschel  a.  a.  O.  III,  232. 


Christian  Benjamin  Geifsler.  255 

7.,  Dem  geistl.  Ministerio  müssen  Verfassungsregeln  gesetzt 
werden,  welche  der  Ehre  Gottes  gemäser  und  unserer  geheiligten 
christl.  Evangel.  Lehre  heilsamer  als  bishero  geschehen. 

8.,  wegen  Fleisch-  und  Tranksteuer  sind  wichtige  Erinnerungen 
zu  machen. 

Auf  Genehmigung  dieser  Punkte,  wird  mit  dem  gröfsten  Eifer 
gehalten  werden,  und  sind  wir  genöthiget,  uns  nicht  das  geringste 
vormachen  zu  lassen.  Es  ist  die  höchste  Zeit,  ein  mal  sehen  zu 
lassen,  dafs  wir  immer  noch  die  alten  braven  und  tapfern  Sachfsen 
sind,  die  vor  der  Hand  nur  durch  Tiranney  und  Druck,  so  klein- 
müthig  geworden,  aber  nun  ist  die  höchste  Zeit  vor  den  Rifs  zu 
stehen,  dafs  unsere  Mitbrüder  schon  vorgebohret  haben.  Denn 
liefsen  wir  uns  dieses  mal  einschläfern,  so  werden  wir  in  eine  solche 
Sclaverej'  gerathen,  woraus  keine  Rettung  mehr  zu  hoffen.  Es  wird 
aber  auch  zugl.  einem  jeden  Orte  angedeutet,  durchaus  keinen 
Pöbel  mitzunehmen,  und  mufs  ein  jeder  Ort  allen  Unfug  der  durch 
die  Seinigen  entstehen  möchte,  haften,  indem  wir  in  allen  Stücken 
als  vernünftige  Sachfsen  und  nicht  wie  Franzosen  und  wüthende 
Niederländer  handeln  wollen,  indem  unser  Endzweck  dieser  ist,  des 
Vaterlandes  Wohl  und  unsers  Fürsten  Glück  auf  einem  dauerhaften 
Grund  zu  befestigen,  damit  wahre  Frömmigkeit  und  gute  Sitten  in 
unserm  Vaterlande  wieder  in  thätige  Ausübung  kommen,  nur  der 
liebe  Gott,  als  der  Beherrscher  alles  lebendigen  Fleisches  wieder 
wie  vor  unsern  Zeiten  sein  gnäd  Wohlgefallen  an  unserm  Sachfsen 
haben  möge,  dafs  unser  Land  wieder  zu  einem  so  fruchtbaren  Garten 
des  Herrn  wie  ehedem  werde,  da  sein  Volk  die  Sachsen  vor  guter 
Wonne  jauchzen,  und  die  Herden  in  den  fetten  Auen  und  auf  allen 
Hügeln  und  Bergen  scherzten.  Seyd  Männer,  gute  Christen  und 
treue  Bürger  Sachsens  wie  unsere  Väter  die  tapfere  Sachsen  waren; 
so  wird  der  liebe  Gott  Segen  zu  diesem  wichtigen  Schritte  geben. 
Dieses  wird  aber  auch  zugl.  allen  und  jeden  Ortschaften  angedeutet, 
dafs  sie  sich  gleich  nach  Verlesung  dieses  aufmachen,  der  Sammel- 
platz von  Lauenstein  und  Bärenstein  ist  in  Liebstadt,  Geisingen, 
Altenberg  u.  Glashütte  und  Dohna,  derjenige  Ort  aber,  der  sich 
erkühnen  sollte,  die  Citation  nicht  zu  respectiren,  kann  sich  einer 
fatalen  Plünderung  ausgesetzt  sehen  und  an  keinen  erlangten  Vor- 
theil  Antheil  haben. 

Dieser  Aufruf  und  eine  zweite  längere  Schrift  ähnlichen 
Inhalts  wurden  dem  Richter  von  Dittersdorf  (einer  Gemeinde 
im  Gerichtsbezirk  Lauenstein)  am  8.  Juli  1790  von  einem 
ihm  unbekannten  Manne,  der  in  der  Frühe  zu  kurzer  Rast 
in  seinen  Gutshof  einritt,  zur  weiteren  Bekanntmachung  über- 
geben und  von  dem  Richter  seinen  versammelten  Bauern 
vorgelesen. 

Am  selben  Tage  kam  ein  Reiter  zu  dem  Richter  des 
Dorfes  Börnchen  und  forderte  ihn  auf,  sich  bei  dem  Ditters- 
dorfer  Richter  nach  einer  von  ihm  dort  abgegebenen  Schrift 
zu  erkundigen  und  sie  in  Abschriften  zu  verbreiten. 

Einige  Bauern  hatten  in  dem  Reiter  den  Seiler  Christian 
Benjamin  Geifsler  aus  Liebstadt  erkannt,  in  Liebstadt  selbst 
war  bemerkt  worden,  dafs  dieser  Geifsler  am  S.Juli  zu  Pferde 


2e6  Hellmuth  Schmidt: 

vor  sein  Haus  geritten  und  hineingegangen  war,  einen  Degen 
umgeschnallt  und  eine  Kokarde  von  weifsem  Papier  auf 
seinen  Hut  gemacht  hatte,  abends  dann  bei  einem  Bürger 
zu  Biere  gegangen  war  und  da  im  Rausch  unter  anderem 
geäufsert  hatte:  ,, Morgen  werde  ich  mit  40000  Mann  in 
Pillnitz  seyn  und  dem  Chur  Fürsten  ein  Memorial  übergeben". 

Der  Gerichtshalter  des  adlich  Carlowitzischen  Gerichtes 
in  Liebstadt  erfuhr  in  Pirna,  wo  er  seinen  Wohnsitz  hatte, 
am  9.  Juli  abends,  dafs  ,, reitende  Boten  mit  aufrührerischen 
Briefen  von  Liebstadt  aus  in  die  benachbarte  Gegend  ge- 
gangen sein  sollten",  und  begab  sich  daraufhin  am  10.  Juli  in 
aller  Eile  nach  Liebstadt.  Als  er  dort  auf  Grund  seiner  Er- 
kundigungen eben  Anstalten  machte,  Geifsler  zu  arretieren, 
traf  er  den  Geheimen  Rat  von  Bünau,  den  Schlofsherrn  von 
Lauenstein,  und  bekam  von  ihm  die  zwei  Tumultaufrufe 
Geifslers  zu  lesen,  die  man  in  Dittersdorf  dem  Herrn  von 
Bünau  als  dem  Gerichtsherrn  ausgeliefert  hatte.  Bei  der 
Festnahme  Geifslers  fanden  sich  noch  zwei  ähnliche  Aufrufe 
unter  seinen  Papieren,  und  Geifsler  gab  beim  Verhör  unum- 
wunden zu,  alle  vier  Schriftstücke  geschrieben  zu  haben,  er 
leugnete  aber,  dafs  er  sie  selbst  verfafst  hätte,  und  gab  an, 
ein  ihm  unbekannter  Mann  sei  am  7.  Juli  ihm  auf  dem  und 
dem  einsamen  Waldwege  begegnet,  habe  mit  ihm  zunächst 
,,von  dem  Mangel  der  Nahrung  und  der  Theuerung"  gesprochen 
und  dann  die  vier  Schriften  zum  Abschreiben  und  Verbreiten 
ihm  eingehändigt  und  dabei  unter  anderem  gesagt:  ,,in 
Dresden  sey  eine  grofse  Rebellion  auf  dem  Tapete  und  da 
sey  zu  befürchten,  dafs  es  auf  Französische  Art  gehen  möchte, 
durch  diese  Schriften  solle  vorgebeugt  werden,  damit  das 
Land  und  der  Landes  Herr  nicht  unglücklich  würden.  ...  Es 
dürften  die  Leute  sich  keine  Gedanken  darüber  machen,  es 
bringe  Niemanden  einige  Gefahr,  denn  es  ständen  grofse 
Männer  dahinter".  Am  nächsten  Tage  ist  nach  Geifslers 
Aussage  der  Unbekannte  einer  Verabredung  gemäfs  wieder 
mit  ihm  zusammengetroffen  und  hat  sich  die  Originale  der 
Aufrufe  von  Geifsler  wiedergeben  lassen,  hat  ihm  nochmal 
Mut  zugesprochen  und  ihm  dann  auch  seinen  Namen  ge- 
nannt: ,,er  hiefse  Bibra  und  wohne  auf  dem  Neumarkt  in 
Dresden  neben  des  Kaufmann  Schmidt  Laden  in  dem  Hause 
linker  Hand,  wenn  man  vom  Neumarkt  her  komme,  parterre". 

Noch  vor  Geifslers  Festnahme  in  Liebstadt  und  vor 
seinem  Verhör  waren  in  Dresden  die  ersten  Schritte  in  dieser 
Angelegenheit  getan  worden.  Vermutlich  hat  der  Geheime 
Rat  von  Bünau  sogleich,   nachdem  ihm   der  Tumultaufruf  in 


Christian  Benjamin  Geifsler.  257 

die  Hände  gekommen  ist,  durch  einen  reitenden  Boten  von 
allem  in  Dresden  Anzeige  gemacht:  denn  schon  am  9.  Juli 
nachmittags,  also  etwa  24  Stunden  später,  als  der  Aufruf  in 
Dittersdorf  verlesen  worden  war,  bekam  in  Dresden  der 
Kanzler  von  Hopfgarten  jene  eingangs  wiedergegebene  Ab- 
schrift davon  im  Geheimen  Konsilium  zugestellt.  Er  teilte  sie 
sofort  den  versammelten  Geheimen  Räten  mit  und  liefs  sie 
dem  Amtmann  von  Pirna  sowie  den  Beamten  der  benach- 
barten Ämter  in  Kopien  und  von  einer  Instruktion  begleitet 
noch  am  selben  Tage  übersenden.  ,,Auf  eine  behutsame  Art" 
sollten  diese  Beamten  in  Erfahrung  bringen,  ob  etwa  ähnliche 
Aufrufe  auch  in  anderen  Gegenden  verbreitet  würden  oder 
irgendwo  Unruhen  zu  spüren  w^ären.  ,,Mit  Güte  und  durch 
glimpfliche  Vorstellungen"  sollten  sie  dann  solchen  eventuellen 
tumultuarischen  Bewegungen  entgegentreten  und  ,,nur  im 
Falle  solches  nichts  fruchtete,  durch  das  Aufbieten  der  Amts- 
folge  oder  im  äufsersten  Notfalle  und  dann  mit  der  gröfsten  Be- 
hutsamkeit und  Mäfsigung"  durch  Heranziehung  der  zunächst- 
stehenden Truppen  die  Ordnung  wahren.  Das  gleiche  Datum 
wie  diese  Instruktion  an  die  Beamten  trägt  das  Konzept  eines 
Berichtes  an  den  Kurfürsten,  in  dem  der  Kanzler  seine  Mafs- ' 
nahmen  darlegt  und  eine  Anweisung  des  Militärs  zur  Assistenz 
der  Zivilbehörden  dem  Kurfürst  ,,submissest"  anheimstellt. 

Man  nahm  es  in  Dresden  sehr  ernst  mit  der  ganzen 
Angelegenheit.  Als  die  Regierung  am  10.  Juli  —  freilich  nur 
gerüchtweise  —  erfuhr,  der  unbekannte  Reiter,  der  die 
Tumultaufrufe  in  Dittersdorf  abgegeben  hatte,  sei  der  Seiler 
Geifsler  aus  Liebstadt  gewesen,  sandte  sie  dem  Amtmann 
von  Pirna  zu  der  Instruktion  des  vorangehenden  Tages  sofort 
noch  eine  besondere  Anweisung,  die  dahin  ging,  „gedachten 
Geifsler,  wenn  sich  die  Nachricht  bestätiget,  zu  arretieren 
und  ins  Amt  Pirna  bringen  zu  lassen".  Geifsler  war,  wäe  wir 
wissen,  am  10.  Juh  morgens  bereits  in  Liebstadt  durch  den 
Gerichtshalter  festgenommen  worden;  am  11.  Juli  wurde  er 
in  aller  Frühe  nach  Pirna  in  die  Amtsfronfeste  transportiert 
und  die  Untersuchung  gegen  ihn  fortgesetzt.  In  einem  Privat- 
brief vom  1 3 .  JuH  legte  der  Kanzler  dem  Pirnaer  Amtmann 
noch  besondere  Sorgfalt  für  Geifslers  sichere  Bewachung 
ans  Herz,  aber  ehe  der  Brief  abging,  kam  am  13.  Juli 
mittags  vom  Kurfürsten  der  Befehl,  Geifsler  solle  von  Pirna 
nach  Dresden  gebracht  und  vom  Dresdner  Oberamtmann 
die  Untersuchung  weitergeführt  werden. 

Einige  Piketts  vom  Infanterie  -  Regiment  Hartitzsch 
sicherten  den  nächtlichen  Transport   des  ,,wohl  und  fest  ge- 


258  Hellmuth  Schmidt: 

schlossenen"  Inkulpaten,  und  in  der  Dresdner  Fronfeste 
wurde  er  in  einem  „besonders  wohlverwahrten"  Gefängnisse 
eingekerkert,  ,,in  welchem  ehedem  der  berüchtigte  Wochatz 
aufbehalten  worden".  Die  weitere  gerichtliche  Untersuchung 
wurde  noch  am  Tage  von  Geifslers  Einbringung  durch  ein 
besonderes  Reskript  des  Kurfürsten  an  die  Landesregierung 
und  deren  entsprechende  Instruktionen  an  den  Oberamtmann 
geregelt  und  bezweckte  zunächst  die  Aufklärung  der  Ver- 
fasserschaft der  vier  aufrührerischen  Schriften.  Jenen  Bibra, 
den  Geifsler  als  Verfasser  in  Liebstadt  angegeben  hatte,  suchte 
man  durch  den  Dresdner  Rat  ausfindig  zu  machen.  Aber 
alle  Bemühungen  blieben  erfolglos,  obwohl  in  den  Logis- 
Expeditions-Registern  nachgeschlagen  wurde  und  man  alle 
Briefträger  insgeheim  ausfragte:  schHefslich  gestand  Geifsler 
dem  Amtmann  ein,  dafs  seine  Angaben  über  jenen  Bibra 
unwahr  und  zu  seiner  eigenen  Entlastung  von  ihm  er- 
funden seien, 

Das  Protokoll  des  Verhörs  vom  16.  Juli  und  der  darauf 
und  auf  die  Pirnaer  Akten  gegründete  abschliefsende  Bericht 
des  Dresdner  Oberamtmanns  vom  20.  Juli  erhellen  uns  die 
Geifslersche  Angelegenheit  in  allen  Einzelheiten.  In  dem 
Protokoll  findet  sich  auch  eine  eiofenhändipfe  Unterschrift 
Geifslers:  sie  zeigt  feste  und  gewandte,  nur  bei  dem  G  ver- 
schnörkelte Schriftzüge.  Geifsler  besafs  eine  für  seinen  Stand 
nicht  gewöhnliche  Bildung.  1743  war  er  als  Sohn  des 
Schulmeisters  in  Holzkirchen  bei  Lauban  geboren,  seine 
Mutter  war  dort  Kammerjungfer  bei  der  Schlofsherrschaft 
gewesen.  In  herrnhutischer  Sphäre,  auf  dem  Pädagogium  zu 
Markthennersdorf,  war  er  dann  erzogen  worden,  und  daher 
stammt  wohl  jener  eigenartige  Einschlag  religiöser  Motive  in 
seinen  Ideen.  Eigentlich  sollte  Geifsler  Schulmeister  werden; 
da  ihm  aber  die  Neigung  dazu  mangelte,  gab  man  ihn  in 
Görlitz  zu  einem  Seiler  in  die  Lehre.  Auf  der  Wander- 
schaft kam  er  dann  als  Geselle  nach  Liebstadt,  heiratete 
dort  mit  22  Jahren  eine  Tochter  des  herrschaftlichen  Ver- 
walters'), entlief  aber  zweimal  seiner  Seilerwerkstatt,  um 
Soldat  zu  werden:  7  Monate  war  er  Pfeifer  in  einer  säch- 
sischen Grenadier -Kompagnie,  später  nahm  er  einmal  von 
den  Preufsen  Handgeld ,   bis   seine  Frau  nach  ^^  ]^^^  durch 


')  Vgl.  Kopulationsregister  des  Liebstadter  Kirchenbuchs  anno 
1765  Eintrag  8.  —  Das  Ehepaar  verlor  1778  sein  einziges  Kind  und 
adoptierte  1779  die  Tochter  eines  preufsischen  Soldaten  „aus  christ- 
licher Liebe". 


Christian  Benjamin  Geifsler.  259 

Zahlung  von  20  Talern  es  ihm  ermöglichte,  den  bunten  Rock 
wieder  auszuziehen  und  nach  Liebstadt  zurückzukommen. 
Dort  trieb  er  nun  sein  Handwerk  weiter,  aber  von  seiner 
kümmerlichen  Alltagsarbeit  schweifte  er  wenigstens  in  Ge- 
danken oft  wieder  hinaus  in  die  grofse  Welt;  am  Sonntag 
und  wenn  ihm  sonst  Zeit  übrig  blieb,  las  er  geistliche  und 
historische  Schriften,  er  hielt  sich  den  „Teutschen  Mercur", 
und  1772  trat  er  sogar  selbst  literarisch  hervor  mit  einem 
,, Sendschreiben"  in  der  literarischen  Fehde  des  Döbelner 
Diakonus  Sillig  mit  dem  Stadtschreiber  Wolf  in  Rofswein.  Den 
Beginn  und  Fortgang  der  französischen  Revolution  verfolgte 
Geifsler  aus  seinem  weltentlegenen  Gebirgsstädtchen  mit  der 
lebhaftesten  Spannung.  Als  er  aber  die  Ideen  dieser  Be- 
wesfunof  sich  so  rasch  auch  diesseits  des  Rheines  verbreiten 
sah,  wurde  in  ihm  die  Besorgnis  rege,  ,,dafs  vielleicht  in 
Dresden,  da  so  eine  grofse  Anzahl  Pöbel  daselbst  sei,  eine 
Revolution  ausbrechen  könnte,  wodurch  dem  Landvolke 
der  empfindlichste  Stofs  versetzt  werden  dürfte",  und,  um 
einer  solchen  mifslichen  Wendung  der  Dinge  zuvorzukommen, 
hat  er  nach  seiner  Aussage  jenen  Zug  der  Bauern  nach 
Pillnitz  auf  dem  Wege  der  Selbsthülfe  ins  Werk  setzen  und 
„dem  Kurfürst  die  allgemeinen  Klagen  des  Landes  zur  Be- 
herzigung vorbringen"  wollen.  Sich  selbst  hoffte  er  dadurch 
„bei  den  Leuten  ein  Ansehen"  zu  verschaffen;  ,, hiemächst 
hätte  er  auch  die  Absicht  gehabt,  sich  unter  der  nach  seinem 
entworfenen  Plane  zu  errichtenden  reitenden  National-Garde 
zu  engagiren  in  der  Hoffnung  zu  avanciren;  denn  letzteres 
und  einst  bis  zum  Obristen  hinaufzusteigen,  wäre  überhaupt 
seine  Idee  gewesen,  so  oft  er  sich  beym  Militari  engagiret 
hätte".  —  Die  vier  Schriften  habe  er  ganz  allein,  ohne  eines 
anderen  Menschen  Beihülfe  und  Mitwissenschaft  innerhalb 
4  Wochen  heimlich  entworfen,  ,,die  data  dazu  theils  aus  dem 
, Teutschen  Mercur',  theils  aus  dem  Gerüchte  im  Publico 
hergenommen.  Wenn  er  etwas  gehört  hätte  im  Publico,  so 
hätte  er  wiederum  einen  Punkt  angemerket". 

Ganz  bestimmt  war  in  dieser  Weise  aus  dem  politischen 
Tagesgespräch  der  Kreise,  in  denen  Geifsler  sich  bewegte, 
der  Punkt  seines  Programms  entnommen,  der  die  Aufhebung 
alles  Wildhegens  forderte.  Darin  war  Geifsler  ganz  und  gar 
Wortführer  der  gesamten  bäuerlichen  und  kleinstädtischen 
Bevölkerung  im  oberen  Müglitztale:  denn  gerade  in  diesen 
wald-  und  wildreichen  Gegenden  hatte  die  Kunde  von  dem 
erfolgreichen  Vorgehen  der  rechtselbischen  gebirgischen  Bauern 
gegen  den  unerträglichen  Wildschaden  sofort  auf  aller  Lippen 


260  Hellmuth  Schmidt: 

jene  Forderung  laut  werden  lassen.  Mit  grofsem  Geschick 
hat  Geifsler  die  Erregung,  die  das  verursachte,  für  seine 
persönlichen,  weitergehenden  Absichten  nutzbar  gemacht.  Bei 
dem  Dittersdorfer  Richter  zum  Beispiel,  dem  er  fremd  war, 
hat  er  sich  eingreführt  und  seine  Überredungsversuche  be- 
gönnen  mit  einem  Gespräch  über  die  Wildabschiefsung:  ,,Wie 
es  um  die  Jagd  aussähe,  ob  sie  schössen",  hat  er  nach  seiner 
eigenen  Aussage  zunächst  den  Richter  gefragt,  imd  als  dieser: 
„Bis  dato  noch  nicht"  erwidert,  gerufen:  ,,Nun  hört  doch 
alles  auf".  Hiernächst  habe  er  ihn  gefragt:  ,,0b  er  ein  ge- 
treuer Sachse  sei  .  .  ."  usw. 

Der  Dresdner  Oberamtmann  beurteilt  am  Ende  seines  Be- 
richtes Geifsler  auf  Grund  seiner  persönlichen  Eindrücke  mit 
einem  gewissen  Wohlwollen:  er  betont,  dafs  seine  Unter- 
nehmung eigentlich  aus  einem  freilich  irregeleiteten  Patrio- 
tismus entspringe,  vor  allem  aber  vermutlich  aus  einer  perio- 
disch auftretenden,  eigentümlichen  Geistesstörung  Geifslers 
zu  erklären  sei,  deren  sich  der  Inkulpat  auch  selbst  jetzt  be- 
wufst  wäre. 

Diese  Behauptung  des  Dresdner  Oberamtmannes  schien 
geeio-net,  die  ganze  Angelegenheit  in  ein  neues  Licht  zu  rücken, 
und  so  suchte  man  mit  tunlichster  Beschleunigung  Klarheit 
darüber  zu  schaffen,  ob  eine  zeitweise  Unzurechnungsfähigkeit 
bei  Geifsler  wirklich  festgestellt  und  für  die  Zeit  seiner  Tat 
mit  orenügender  Sicherheit  angenommen  werden  könne.  Am 
2.  August  wurde  Geifsler  in  seinem  Gefängnisse  von  dem 
Gerichtsarzt  auf  Befehl  des  Kurfürsten  eingehend  untersucht, 
worüber  in  den  Prozefsakten  ein  genauer  Bericht  des  Arztes^) 
erhalten  ist,  der  für  Geifslers  Wesensart  wertvolle  neue  An- 
gaben bietet  und  vor  allem  wegen  der  hinreichend  ausführ- 
lichen Schilderung  der  beobachteten  und  erfragten  S3'mptome 
heute  noch  bis  zu  einem  gewissen  Grade  eine  Nachprüfung 
des  Resultates  ermöglicht.     Er  lautet  wie  folgt: 

prs.  den  6ten  Aug.  1790. 

Höchstem  Befehle  gemäs  und  auf  schriltl.  Requisition  E.Wlöbl. 
Ammtes  alhier  habe  ich  Endes  Benannter  mich  Dato  zu  dem  im.  Ammts- 
Arrest-Hause  befindlichen  Christian  Benjamin  Geifsler  begeben,  um 
dessen  Gemüthszustand  zu  exploriren  und  ein  gründliches  Gutachten 
dieserhalb  einzureichen. 

Zu  Erreichung  dieser  Absicht  habe  ich  mich  mit  Geifslern  in 
eine  Unterredung,  die  i  Stunde  lang  gewähret,  eingelassen  und  den 
Anfang  mit  der  Frage  gemacht: 


')  AG.  Dresden  Nr.  740,  Bl.  27. 


Christian  Benjamim  Geifsler.  261 

I.,  Wie  befindet  er  sich  auf  das  Aderlassen? 

Antw. :  Vormittags  ist  mir  Angst  ums  Herz.  Ich  habe  gedacht, 
die  Angst  käme  mir  wegen  der  Meinigen,  aber  nun  sehe  ich,  dafs 
es  ganz  was  anders  ist.  Diese  Angst  kann  ich  Niemand  beschreiben, 
sie  mag  wol  von  der  gegenwärtigen  Ruhe  und  Mangel  an  Be- 
wegung herkommen  p. 

Ich  fragte  ferner: 

2.,  Hat  er  denn  diese  Angst  auch  sonst  schon  gehabt? 

Antw.:  Ja!  aber  nur  wenn  die  Zeit  zum  Aderlassen  da  war, 
darnach  war's  besser. 

Weiter: 

3.,  Hat  er  viel  Krankheiten  ausgestanden  und  welche? 

Antw.:  In  der  Jugend  habe  ich  das  kalte  und  in  7jährigen 
Kriege  das  hitzige  Fieber  gehabt.  —  Bey  fernerm  Unterreden  über 
diese  Krankheiten  und  über  seine  Lebensart  sagte  er  noch,  was 
maasen  er  im  g^en  und  loten  Jahre  seines  Alters  öfters  aus  der 
Nase  geblutet  habe  p. 

4.,  Die  Frage:  Hat  er  guten  Appetit?  beantwortete  er  also: 

Antw.:  Ja,  den  hätte  ich  wol,  wenn  ich  nur  immer  das  hätte, 
was  mir  bekommt;  man  kann  nicht  alle  Speisen  kalt  essen,  und 
gleichwol  darf  ich  zu  der  Zeit,  wenn  mich  meine  gewöhnliche 
Angst  befällt,  gar  nichts  Warmes  essen  und  trinken,  sondern  alles 
so  kalt,  als  nur  möglich,  sonst  wirds  schlimmer.  Da  Geifsler  auf 
diese  Antwort  tief  stöhnte  und  ausrief:  Ja,  Du  lieber  Gott!  so  wurde 
die  Frage  aufgeworfen: 

£.,  Was  hat  er  denn  für  einen  Beichtvater? 

Antw.:  N.  N.  Es  ist  ein  braver  Mann,  fragen  sie  nur  den,  was 
er  von  mir  hält;  ich  communicire  4 mal  im  Jahre  p.  Ich  wolte  das 
Wort  nehmen,  allein  Geifsler  fiel  mir  drein,  sagend:  Vorige  Woche 
sehnete  ich  mich  sehr  nach  Trost,  da  kam  einer,  ein  Geistlicher 
(Lothius)  aber  mit  Moses  Donnerstimme  und  das  war  hart  für  mich, 
weil  ich  mich  gerade  zu  der  Zeit  für  Gott  geschmieget  und  meine 
Handlungen  bereuet  hatte  und  mich  nach  Tröste  sehnete.  —  Er 
schwieg  einige  Augenblicke  stille  und  brach  denn  sehr  heftig  in 
diese  Worte  aus:  Wenn  ich  nur  Schreiberey  hätte!  Schreiben,  ja, 
schreiben,  das  ist  meine  Sache,  ich  wolte  gern  alles,  was  ich  schreibe, 
ins  Amt  geben  p,  —  Er  sprach  vom  Versemachen  und  sagte  darauf 
indem  er  auf  die  Thür  zeigte:  Die  nach  mir  in  dieses  Zimmer 
kommen,  können  aus  dem,  was  ich  mit  einer  Stecknadel  an  diese 
Thür  geschrieben,  viel  Gutes  abnehmen  p.  —  Jetzt  fragte  er  mich: 
Ist  nicht  heute  der  2te  August?  Ich  bejahete  es  und  er  fuhr  so- 
gleich fort  und  sagte:  Es  ist  mir  be3-gefallen ,  dafs  der  August  der 
wohlthätigste  im  Jahre  ist;  da  nun  unser  Gnädigster  Churf^irst 
August  heifset,  so  habe  ich  gewünschet,  dafs  Seine  bekannte  Wöhl- 
thätigkeit  auch  auf  mich  würken  und  in  Seiner  Seele  ein  mitleidiger 
Gedanke  für  mich  erwecket  werden  möchte.  Er  wurde  sehr  beredt 
und  würde  hier  vieles  gesprochen  haben;  allein  ich  suchte  ihn  nach 
Möglichkeit  abzubringen,  konnte  ihn  aber  dennoch  nicht  hindern, 
folgendes  annoch  zu  sagen,  nämlich:  Nun,  soviel  weifs  ich,  dafs, 
wenn  ich  nur  einmal  wieder  frey  bin,  kein  Mensch  redlicher  seyn 
und  alle  Menschen  mehr  zur  Treue  und  Gehorsam  anmahnen  soll, 
als  ich  p.  Seine  Beredsamkeit  nahm  sehr  zu  und  ich  muste  seinem 
Eifer  durch  die  Frage: 


2^2  Hellmuth  Schmidt: 

6.,  Wer  waren  denn  seine  Eltern  ?  Grentzen  setzen. 

Nachdem  er  dieses  beantwortet,  fragte  ich  anderweit: 

7.,  Ob  ihm  nicht  wissend,  dafs  einer  derselben,  oder  aus  seiner 
Freundschaft  eben  die  Angst  empfunden  habe,  über  welche  er  oben 
(Quaest.  1.,  u,  2.,)  gesagt,  empfunden  hätte,  welches  er  sofort  be- 
jahete  und,  dafs  seines  Grofsvaters  Bruder,  ingleichen  seines  Vaters 
Bruder,  in  ihren  rüstigen  Jahren  ebenso  gewesen,  anführete,  mit 
dem  Zusätze,  es  verlöhre  sich  aber  von  selbst  und  mit  ihm  würde 
es  auch  bald  vorüber  gehen  p. 

Noch  mufs  ich  bemerken,  dafs  ich  durch  die  gantze  Unter- 
redung hindurch  die  Rede  öfters  abgebrochen  und  auf  den  Soldaten- 
stand und  besonders  auf  das  durch  diesen  Stand  zu  machende 
Glück  gelenket  und  jedesmal  wahrgenommen  habe,  dafs  er  beredt 
wurde  und  sein  Gesicht  sich  aufklärte.  Nichts  aber  brachte  diese 
Würkung  mehr  hervor,  nichts  hatte  mehr  Einflufs  auf  sein  Gemüth, 
als  wenn  man  seine  Handlung,  Geschicklichkeit,  Einfälle  p.  be- 
wunderte und  lobte.  So  schien  er  stolz  darauf  za  seyn,  dafs  er 
unter,  oder  mit  adelichen  Kindern  erzogen  worden  und  sagte  ganz 
frey,  dafs  dabey  die  groben  Spähne  abgefeilet  worden.  Desgleichen 
freuete  er  sich  inniglich  darüber,  dafs  er  auf  seinem  Grunde  und 
Boden  einen  Quell,  'dessen  Wasser  gelind  laxire.  entdecket  und  ihn 
zu  seinem,  als  des  Erlinders  Andenken,  Geifslers  Brunnen,  wie 
Jakob  den  seinigen  Jakobs  Brunnen,  genannt  habe  pp. 

Mein  pflichtmäsiges  Gutachten  über  den  Gemüthszustand 
Christian  Benjamin  Geifslers  ist  demnach  folgendes: 

Christian  Benjamin  Geifsler  ist  cholerisch  -  melancholischen 
Temperaments,  welches  seiner  trockner  Körper,  sein  dunkles  Haar, 
seine  ernsthaft -traurigen  Augen  und  Gebeerden,  selbst  seine  Dis- 
position zu  Hoemorrhoiden  die  niemals  zur  Vollkommenheit  gediehen 
und  aus  dem  jugendlichen  Nasenbluten  sowol,  als  aus  denen  von 
gewissen  zu  gewissen  Zeiten  erfolgten  Aufbrausen  des  Blutes  er- 
klärbar ist.    (Acta  Liebst,  fol.  i.  a  und  fol.  6.  b.) 

Christian  Benjamin  Geifsler  hat,  wie  aus  Acten  und  aus  der 
mit  ihm  gehabten  Unterredung  (vd.  quaest.  7)  hinlänglich  zu  ersehen, 
einen  gewissen,  an  sich  untadelhaften  Stolz,  oder  auch  nur  eine 
Begierde,  etwas  Ansehnliches  in  der  Welt  vorzustellen,  gehabt. 

Da  nun  ex  historia  et  praxi  medica  bekannt  ist,  dafs,  wenn  in 
utroque  sexu  die  natürlichen,  oder  gewöhnlichen  Blutausleerungen 
unterdrückt,  oder  auch  die  von  der  Natur  intendirten  Blutaus- 
leerungen nicht  erreichet  oder  hervorgebracht  werden,  nicht  eben 
gar  zu  selten  Gemüthszerrüttungen  verschiedener  Art  daraus  ent- 
stehen, so  erreichet  der  Satz  einen  sehr  hohen  Grad  der  Wahr- 
scheinlichkeit, dafs  nämlich  bey  Geifslern,  wenn  die  Natur  fruchtlos 
auf  Herfürbringung  der  goldnen  Ader  gearbeitet  hatte,  eine  würk- 
liche  Zerrüttung  der  Sinne  und  des  Verstandes  Statt  gefunden  und 
so  lange  gewähret  habe,  bis  die  ermüdete  Natur  wieder  ins  alte 
Gleis  einlenkte. 

Da  ferner  die  tief  und  vest  in  die  Organe  seiner  Einbildungs- 
kraft eingedrückte  Idee,  nämlich  etwas  Vornehmes  zu  werden,  durch 
diese  öfters  recurrirenden  Hämorrhoidalparoxysmen,  eine  Idea  fixa 
geworden. 

Da  eben  diese  Idea  fixa  durch  das,  während  gedachter  Paroxys- 
men,  häuffig  genossene  spirituoese  und  erhitzende  Getränk  immer 
mehr  und  mehr  genähret  und  verstärket  worden. 


Christian  Benjamin  Geifsler.  263 

Da  (vieleicht?)  wol  gar  eine  erbliche  Disposition  zu  der  Art 
Gemüthszerstreuung  bey  Geifslern  Statt  haben  könnte,  (vid:  die 
Geifslerische  Antwort  auf  die  yte  ihm  vorgelegte  Frage,  ab  initio.) 
Da  endlich  Geifsler,  sobald  die  Paroxysmen  vorbey  und  so 
lange  sie  nicht  da  waren,  ein  arbeitsamer,  guter  Bürger  gewesen. 
(Vid.  Act.  Liebst,  fol.  6  b.) 

So   kann    ich,    ohne   mein  Gewissen    und   ohne   meine   unter- 
thänigste  Schuldigkeit  zu  verletzen,  kein  anderes  als  nachstehendes 
Gutachten  über  den  Gemüths-Zustand  Geifslers  erteilen,  welchemnach 
Christian  Benjamin  Geifsler  zu  der  Zeit,  als  er  seine  Auf- 
wiegeleyen  schriftlich  begann  und   als  er  sie  nachgehends  auszu- 
führen Willens  war,  als  ein  mit  einer  Idea  fixa  befafster  Mensch, 
das  ist,  als  ein  Mensch,   der  nicht  richtigen  Gebrauch  von  seinen 
Sinnen  und  Verstände  zu  machen  im  Stande  ist,  das  ist  kurz  und 
gut,  als  ein  Narr,  gehandelt  hat,    und  dafür  auch  biUig  als  ein 
solcher  zu  behandeln  seyn  dürfte. 

Dresden,  am  2ten  Augusti  1790. 
L.  S.  D,  Johann  Gottlob  Heise,  Phys. 

Dieses  ärztliche  Gutachten  hat  das  endgültige  gericht- 
hche  Urteil  über  Geifsler  mafsgebend  beeinflufst:  die  Leip- 
ziger Schöffen,  denen  man  die  Akten  zusandte,  erkannten 
Ende  August  in  ihrem  Spruch  auf  Geifslers  amtliche  Ver- 
wahrung und  Beaufsichtigung  an  einem  festen,  sicheren  Orte, 
doch  nicht  im  Sinne  einer  Geifsler  entehrenden  Strafe, 
sondern  einer  polizeilichen  Vorsichtsmafsregel  gegen  even- 
tuelle erneute  Schädigungen  des  allgemeinen  Besten  durch 
seine  ,, Narrheit".  Die  Dresdner  Behörden  hielten  Geifslers 
Tat  allerdings  für  .strafbar  und  vermochten  sich  dem  medi- 
zinischen Gutachten  durchaus  nicht  anzuschliefsen.  Die  Be- 
hauptungen des  Amtsphysikus  bezeichnete  das  Geheime 
Konsilium  als  ,, voreilig",  und  an  die  medizinischen  Behörden 
wurde  damals  ein  besonderes  Reskript  ,, wegen  der  bey  Ab- 
fassung dergl.  visorum  repertorum  zu  beobachtenden  mehreren 
Vorsicht"  vom  Kurfürst  erlassen.  Das  Urteil  der  Schöffen 
wollte  man  aber  gleichwohl  nicht  anfechten,  und  so  wurde 
Geifsler  am  27.  September  aus  Dresden  unter  militärischer 
Bedeckung  in  das  Zucht-  und  Arbeitshaus  zu  Torgau  gebracht. 

Der  unmittelbare  Erfolg  von  Geifslers  Bestrebungen  ist 
durch  die  rasche  Gegenwirkung  der  patrimonialen  und  der 
landesherrlichen  Instanzen  unbedeutend  geblieben.  Von  Zu- 
sammenrottungen und  dergl.  hat  man  nach  den  Berichten  aus 
Liebstadt  und  Lauenstein  und  vom  Amtmann  in  Dippoldis- 
walde  nirgends  etwas  verspürt,  obwohl  Abschriften  des  von 
Geifsler  aufgestellten  Programms  unter  den  Bauern  der 
Gegend  in  Umlauf  waren.  Denn  auf  einer  aufrührerischen 
Schrift,   die  vermutlich  von  Dippoldiswalde  ausging  und  am 


264 


Hellmuth  Schmidt: 


17.  Juli  in  Lauenstein  laut  Bericht  des  dortigen  Bünauischen 
Gerichts^)  beschlagnahmt  wairde,  fanden  sich  auf  dem  Um- 
schlag acht  Punkte  aufnotiert,  die  sich  nicht  wie  der  sonstige 
Inhalt  der  Schrift  auf  die  rechtselbischen  Jagdunruhen  be- 
zogen, sondern  abschriftlich  auf  eine  Aufzeichnung  zurück- 
gingen, die  ein  Altenberger  Chirurgus  nach  der  Erzählung 
eines  Mannes  aus  Dorf  Bärenstein  gemacht  hatte.  In  nächster 
Nähe  von  Dorf  Bärenstein  und  im  selben  Patrimonialgerichts- 
bezirk  mit  ihm  liegt  das  von  Geifsler  aufgesuchte  Dorf 
Bömchen:  mit  grofser  Wahrscheinlichkeit  kann  man  an- 
nehmen, dafs  bei  diesen  Zusammenhängen  die  acht  Punkte  auf 
dem  Umschlag  identisch  mit  den  acht  Forderungen  in  Geifslers 
Aufruf  waren.  Und  dafs  von  der  Abschrift  dieser  Auf- 
zeichnung mehrere  Bauern  ihrerseits  wieder  Abschrift  ge- 
nommen haben,  ist  durch  die  spätere  gerichtliche  Unter- 
suchung des  Falles  ausdrücklich  bezeugt. 

Der  Eindruck,  den  Geifslers  Ideen  in  der  Gegend  machten, 
spiegelt  sich  wieder  in  einem  Brief-)  des  Dittersdorfer  Pastors, 
der  geschrieben  ist  am  8.  Juli,  wenige  Stunden  nachdem 
Geifsler  sein  Programm  dort  persönlich  in  Umlauf  gesetzt 
hatte.  ,,Seit  zwei  Stunden,  heifst  es  darin,  ist  hier  ein  wahrer 
grofser  Schrecken  für  mich  entstanden.  Ein  reitender  Bote 
aus  Liebstadt  hat  von  vielen  bei  sich  habenden  schriftlichen 
Aufforderungen  zu  einem  formalen  Aufstand  ein  Exemplar 
ins  hiesige  Gericht  gegeben,  wovon  ich,  da  ich  auf  eine 
Viertelstunde  den  Lärmbrief  in  Händen  haben  konnte,  in  der 
Geschwindigtkeit  folgende  Hauptpunkte,  auszeichnete:  .  .  .  ." 
Die  Inhaltsangabe,  die  nun  folgt,  enthält  eine  ganze  Anzahl 
Stellen,  die  sich  in  der  eingangs  abgedruckten  Abschrift  nicht 
finden,  die  aber  wörtlich  wiederkehren  in  einer  ohne  Namen, 
Datum  und  sonstige  Bezeichnung  in  die  Akten  des  Geheimen 
Kabinetts  eingehefteten  Aufruhrschrift'*),  die  dadurch  mit 
Sicherheit  als  von  Geifsler  herrührend  erwiesen  wird.  Un- 
gleich stärker  als  in  dem  Pro  Memoria  in  der  bisher  be- 
kannten Form  tritt  darin  die  religiöse  Färbung  der  Ideen 
Geifslers  zutage;  wie  eine  Predigt  mutet  vielfach  der  Text 
an  und  die  Sprache  wie  die  der  alttestamentlichen  Propheten; 

„Nunmehr  ist  die  höchste  Zeit  aufzuwachen  aus  dem  Schlummer, 
darinnen  wir  von  Last  und  Druck  betäubt  gelegen,  ....  jezo  ist  die 
Zeit,  wo  man  sich  das  unerträgliche  Joch  der  Edelleute  abschütteln 


')  Loc.  30749  Vol.  I,  S.  62.     Bericht  vom  20.  Juli  1790. 

2)  Loc.  5513. 

*)  Loc.  109s  Vol.  I,  S.  47—54. 


Christian  Benjamin  Geifsler.  265 

kann,  sie  haben  nach  Göttlichem  und  menschlichem  Recht  nicht 
den  Gerinsesten  Behuf  ihren  Nebenmenschen  wie  bisher  ohne  alle 
Barmherzigkeit  zu  schinden,  dieweil  es  vor  Gott  ein  Gräuel,  wenn  . . . 
einer  lebt  in  der  gröfsten  Wollust  und  der  andere  mufs  seinen 
Bissen  mit  Seufzen  und  Wehklagen  essen;  ...  so  will  es  Gott  unter 
einem  Volk,  das  sich  nach  seinem  Nahmen  nennt,  nicht  haben  .... 
du  armes  Sachsen!  warum  bist  du  denn  so  verunstaltet?  deine 
Äcker  und  deine  Weinberge  versagen  dir  ihre  Wirksamkeit" 

Mit  der  Zeit  erwies  es  sich,  dafs  diese  Ideen  Kraft 
genug  hatten,  um  auch  ohne  Betreiben  ihres  Urhebers  weiter 
in  die  Massen  zu  dringen.  Ein  späterer  Verhörsbericht  der 
Schönbergischen  Gerichte  za  Wingendorf  und  Hainichen^) 
gibt  eine  dafür  charakteristische  Szene  wieder,  die  Anfang 
August  sich  in  der  Schenke  des  Dorfes  Rossau  bei  Hainichen 
abspielte.  Einige  Soldaten  waren  dort  einquartiert  und  einer 
von  ihnen  hatte  eine  Schrift  bei  sich,  die  er  den  Gästen 
vorlas  und  die  solches  Interesse  erregte,  dafs  der  Schulmeister 
geholt  wurde  und  mehrere  Abschriften  davon  anfertigen 
mufste,  die  die  Gäste  ihm  mit  einem  Sechser  oder  einem 
Glas  Bier  vergüteten.  Eine  dieser  Abschriften  ist  im  Original 
erhalten:  der  Text  ist  im  w^esentlichen  ganz  der  des  Geifsler- 
schen  Pro  Memoria.  Ein  Seiler  aus  Nossen,  der  mit  in  der 
Rossauer  Schenke  war,  kannte  die  Schrift  bereits  und  er- 
zählte, ,, diese  Schrift  sey  allgemein  unter  Hohen  und  Niedrigen 
bekannt  und  der  Anstifter  se}^  eine  grofse  Person  und  schon 
bei  Ihro  Churf.  Durchlaucht  gewesen".  Einem  Gast  aus 
Hainichen,  der  auch  eine  Abschrift  haben  wollte,  sagte  der 
Schulmeister:  ,,Was  will  er  sich's  denn  abschreiben,  es  haben 
ja  schon  viele  Bürger  in  Hainichen."  Der  Betreffende  nahm 
aber  doch  eine  Abschrift  und  hat  sie  in  Hainichen  noch 
vielen  Bekannten  auf  deren  Verlangen  zur  Durchsicht  borgen 
müssen"-). 

Andere  Angaben  in  den  Akten  bezeugen,  dafs  in  der 
Gegend  von  Waldheim '^j  und  Würzen  Geifslers  Programm 
hier  und  da  in  Abschriften  weitergegeben  wurde,  und  zwar 
auch  unter  Gebildeten,  unter  Pastoren  und  Lehrern;  in  Riesa 
fand  es  sich  unter  den  Papieren  eines  berüchtigten  Agitators. 
Im  Schönburgischen  hat  es  nachweislich  bei  einer  der  heim- 
lichen   Zusammenkünfte    der   Untertanen   vor    dem    Aufstand 


^)  Loc.  30680  Acta  die  im  Freiberger  Amtsbezirk  ausge- 
brochenen Unruhen  betr.     Vol.  IV ».     Bericht  vom  28.  Oktober  1790. 

"-)  Vgl.  auch  Loc.  30751  Acta  die  unterm  Landvolke  1790  aus- 
gebrochenen Unruhen  betr.  Vol.  XI,  S.  1651!.  Verhörsaussagen  des 
Rossauer  Schulmeisters. 

3)  Loc.  30751  Vol.  X,  S.  311  ff 


2  66  Hellmuth  Schmidt: 

dort,  ein  Bauer  zur  Verlesung  gebracht^),  aber  in  diesen 
entfernteren  Gegenden  hatte  man  von  Geifslers  Person  und 
Schicksal  keine  Kunde.  Seine  Autorschaft  wurde  vergessen 
oder  blieb  unbekannt,  und  es  waren  dafür  derartige  Fabeleien 
über  den  Urheber  der  Ideen  in  Umlauf,  wie  der  Nossener 
Seiler  sie  in  Rossau  berichtet  hatte.  Dieser  Seiler  behauptete 
übrigens  vor  den  anderen  Gästen,  den  Autor  der  Schrift 
persönlich  zu  kennen:  es  sei  ein  vornehm  aussehender  Mann 
in  einem  grünen  Rock  gewesen.  Hält  man  diese  seltsame 
Angabe  zusammen  mit  verschiedentlichen  Aussagen  von 
Bauern  aus  der  Chemnitzer  Gegend'-),  in  denen  immer  ein 
vornehmer  Unbekannter  in  grünem  Überrock  als  Urheber  und 
Verbreiter  des  Geifslerschen  Programms  erscheint,  so  wird 
es  in  hohem  Grade  wahrscheinlich,  dafs  einer  der  Abenteurer, 
die  in  den  Tagen  der  Bauernunruhen  sich  so  zahlreich  in 
Sachsen  einfanden  und  hier  im  Trüben  fischten,  die  Ideen 
des  verhafteten  Liebstadter  Seilers  als  seine  eigenen  aus- 
gegeben und  in  der  Rolle  etwa  jenes  fingierten  Bibra  mit 
dem  Programm  eine  Agitation  in  selbstsüchtiger  unlauterer 
Absicht  betrieben  hat. 

Den  Behörden  ist  von  dieser  ganzen  Ausbreitung  der 
Geifslerschen  Gedanken  bei  der  Heimlichkeit,  mit  der  der- 
artiges geschah,  in  den  wenigsten  Fällen  etwas  bekannt  ge- 
worden; das  Bild  davon,  das  sich  aus  den  vereinzelten  An- 
gaben der  erhaltenen  Akten  zusammensetzen  läfst,  mufs  darum 
notwendig  unvollkommen  bleiben:  immerhin  zeigt  es  hier  und 
da,  wie  das  Programm  des  Liebstadter  Seilers  unabhängig  von 
dessen  persönlichem  Schicksal  im  weiteren  Verlauf  der  Bauern- 
unruhen vielfach  von  Einflufs  und  Bedeutung  gewesen  ist. 

Geifsler  hat  nach  seiner  Einheferung  in  das  Zuchthaus 
zu  Torgau  über  1 5  Jahre  dort  zubringen  müssen,  und  während 
die  anderen  bäuerlichen  Revolutionäre,  die  in  Torgau  in 
Gewahrsam  kamen,  nach  spätestens  3  bis  4  Jahren  entlassen 
wurden,  harrte  Geifsler  vergebens  auf  einen  Gnadenakt,  der 
auch  ihm  die  Freiheit  wiedergab.  Da  wendete  sich  im  Juli  1805 
seine  Adoptivtochter  und  deren  Mann  an  die  Kommission  zur 
Besorgung  der  Armen-,  Waisen-  und  Zuchthäuser  mit  einem 
Gesuch    um    zeitweise   Beurlaubung   ihres  Vaters^),     Bei   der 


1)  Loc.  30681  Vol.  VIII.  Acta  die  in  der  Herrschaft  Wechsel- 
burg etc. . . .  ausgebrochenen  Unruhen.  Bericht  vom  13.  Dezember  1790. 

'-)  Loc.  30680  Vol.  II  die  im  Chemnitzer  Amtsbezirk  ausge- 
brochenen Unruhen  betr. 

3)  Loc.  1095  Vol.  IV.  S.  279—280.  Bericht  der  Land.-Regierung 
vom  7.  August  1805. 


Christian  Benjamin  Geifsler.  267 

Entscheidung  darüber  forderte  die  Regierung  von  dem  Tor- 
gauer  Hausprediger  und  dem  Anstaltsarzt  ein  Zeugnis  über 
Geifslers  Gesundheitszustand  ein:  beide  erklärten,  dafs  Geifsler 
,,seit  seiner  Einlieferung  in  das  Haus,  also  seit  15  Jahren, 
keine  Spur  von  Verstandeszerrüttung  an  sich  habe  blicken 
lassen",  und  der  Torgauer  Hausverwalter  bezeichnete  Geifslers 
Führung  in  der  ganzen  Zeit  als  musterhaft  und  schlug  vor, 
ob  die  Regierung  nicht  Geifsler  völlig  aus  dem  Hause  ent- 
lassen wollte  \).  Nachdem  die  Instanzen  sich  geäufsert  hatten, 
entschied  der  Kurfürst  durch  Reskript  vom  12.  Oktober  1805 -), 
,,dafs  Geifsler  gestattet  werden  möge  auf  einige  Zeit  zu  den 
Seinen  nach  Liebstadt  sich  zu  begeben",  dafs  aber  das 
Carlo  witzische  Gericht  dort  ein  wachsames  Auge  auf  ihn 
haben  und  über  seine  Führung  berichten  sollte. 

Geifsler  hatte  von  dem  Urlaubsgesuch  seiner  Tochter 
Kunde  und  erwartete  die  Entscheidung  darüber  mit  steigender 
Ungeduld,  Als  monatelang  keine  Verfügung  aus  Dresden 
einlief,  gab  er  die  Hoffnung  auf  einen  günstigen  Ausgang 
auf,  und  als  man  ihn  im  September  vom  Zuchthaus  aus  zu 
einem  Seilermeister  auf  Arbeit  schickte,  kehrte  er  eines 
Abends  nicht  zurück,  und  alle  Versuche  seiner  habhaft  zu 
werden  oder  etwas  über  seinen  Verbleib  zu  erfahren,  blieben 
erfolglos"). 

Geifsler  hat  sich  bei  seiner  Flucht  zuerst  „ins  Anhaltische 
nach  Brandenburg  und  von  da  durch  Sachsen  nach  Böhmen 
und  Schlesien  und  Österreich  bis  Wien  gewendet,  von  wannen 
er  durch  Böhmen  und  die  Lausitz  zurückgekehrt  ist.  Seinen 
Lebensunterhalt  hat  er  dabei  teils  durch  Tagearbeit,  teils 
durch  seine  Profession  als  Seiler  gewonnen"*).  Nach  zwei- 
jährigem Umherwandern  wagte  er  sich  wieder  in  die  Gegend 
von  Liebstadt  und  wurde  dort  am  15.  November  1807  in 
dem  Dorf  Döbra  erkannt  und  angehalten.  Wiederum  gingen 
Berichte  und  Gutachten  über  ihn  durch  alle  Instanzen,  und 
obwohl  die  Geheimen  Räte^)  sich  bei  dem  Landesherrn  dafür 
verwendeten,  dafs  die  Flucht  aus  dem  Zuchthaus  ihm  ver- 
ziehen würde,  entschied  der  König  in  seinem  strengen  Rechts- 
standpunkt durch  sein  Reskript  vom  6.  Februar  1808'),  ,,dafs 


^)  Loc.  109s  Vol.  IV  S.  274 ff.  Vortrag  der  Geheimen  Räte  vom 
18.  September  1805. 

2)  ibidem  S.  281  mit  Kabinettsextrakt  vom  8.  Oktober  1805. 

^)  ibidem  S.  285.  Bericht  der  Land.- Regierung  vom  2o.Märzi8o6. 

*)  Loc.  109s  Vol.  IV  S.  284ff.  Vortrag  der  Geheimen  Räte  vom 
16.  Dezember  1807. 

^)  ibidem  S.  297. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVIII,  3.  4.  18 


2  68  Hellmuth  Schmidt:   Christian  Benjamin  Geifsler. 

Geifsler  sich   der  Begnadigung  unwürdig  gemacht  habe  und 
ins  Zuchthaus  zurückzubringen  sei". 

Auf  Geifslers  inständiges  Bitten,  auf  das  Gesuch  eines 
Seilermeisters  in  Liebstadt,  bei  dem  Geifsler  —  mit  seinen 
65  Jahren  —  als  Geselle  unterdes  zu  arbeiten  begonnen  hatte, 
und  auf  Verwendung  des  Herrn  von  Carlowitz,  der  mit  dem 
kränkelnden,  mittellosen  alten  Mann  Mitleid  hatte,  erneuerten 
die  Geheimen  Räte')  am  7.  September  1808  ihren  Vorschlag, 
Geifsler  wenigstens  urlaubsweise  in  Liebstadt  bleiben  zu 
lassen,  und  schliefslich  gab  der  König  dazu  seine  Zustimmung. 
Diese  letzte  Regierungsentscheidung  über  Geifslers  Schicksal 
erfolgte  fern  von  dem  stillen  Erzgebirgsstädtchen  am  19.  Januar 
1809  in  Warschau-).  Das  Liebstadter  Kirchenbuch  läfst 
Geifslers  Namen  in  den  Sterberegistern  der  Folgezeit  ver- 
missen, und  so  verliert  sich  die  letzte  Spur  dieses  seltsamen 
Lebens  ins  Dunkel. 


1)  ibidem    S.  298  ff.     Vortrag   der   Geheimen  Räte  vom  7.  Sep- 
tember 1808. 

■2)  Loc.  1095  Vol.  IV  S.  308. 


VIII. 

Topographisches  vom  alten  Roehlitz. 


Von 
W.  Clemens  Pfau. 


Allem  Anschein  nach  hat  unser  Muldenstädtchen  Roehlitz 
schon  lange  vor  dem  Eindringen  der  Deutschen  als  Ort  be- 
standen; jedenfalls  ist  es  nicht  jünger  als  die  zahlreichen 
Dörfer,  die  sich  in  seiner  Nachbarschaft  so  dicht  zusammen- 
drängen, dafs  kaum  eins  in  alter  Zeit  eine  sehr  bedeutende 
Ausdehnung  erlangen  konnte.  Sie  alle,  obgleich  sie  nunmehr 
teils  deutsch,  teils  wendisch  benannt  sind  und  als  Rundlinge 
oder  Strafsendörfer  verschiedene  Bebauungspläne  und  nicht 
gleiche  Flurverteilung  aufweisen,  bestanden  meines  Erachtens 
bereits  lange  vor  der  Herrschaft  des  Ottonenhauses  oder 
waren  wenigstens  durch  einzelne  Siedlungen,  die  vielleicht 
zerstreut  innerhalb  der  im  Grofsen  und  Ganzen  festoreleorten 
Dorffluren  lagen,  vorgezeichnet.  Die  Gründe  für  diese  Ansicht 
habe  ich  schon  früher^)  ausführlich  erörtert.  Hier  möchte 
ich  nur  nochmals  besonders  auf  die  zahlreichen  prähistorischen 
Einzelfunde  (Scherben,  Steinspäne,  Kernstücke,  steinernes 
Handwerkszeug,  wie  Beile  usw.)  innerhalb  der  Dorffluren, 
sowie  auf  die  Stellen  von  Massenfunden  gleicher  Art  im 
Gebiete  der  Ortsgrenze,  die  übereinstimmend  im  Bereich  aller 
Ortschaften  vorkommen,  hinweisen.     Dörfer  wie   Königsfeld, 


')  Pfau,  Topographische  Forschungen  über  die  ältesten 
Siedlungen  der  Rochlitzer  Gegend  (1900J  S.  26ff. ;  Geschichte  der 
Töpferei  in  der  Rochlitzer  Gegend  von  den  frühesten  vorchristlichen 
Zeiten  bis  auf  die  Gegenwart  (1905)  S.  11,  3 2  ff. 


zyo 


W.  Clemens  Pfau: 


Sachsendorf,  Amsdorf,  Wickershain,  Wittgendorf,  Stollsdorf, 
Schwarzbach,  Weifsbach,  Topfseifersdorf  verfügen  über  die- 
selben ergiebigen  prähistorischen  Massenfnnde  auf  der  Mark 
wie  wendisch  benannte,  z.  B.  Pursten,  Seelitz.  Vorgeschicht- 
liche Wälle  und  Gräber  treten  ebenfalls  in  verschiedenen 
Ortschaften  sowohl  wendischen  als  deutschen  Namens 
(Rochlitz,  Fischheim,  Schwarzbach  usw.)  auf.  Die  Deutschen 
haben  augenscheinlich  die  Dörfer  der  Rochlitzer  Pflegre  nicht 
begründet,  sondern  nur  ausgebaut,  den  Ackerbau  gehoben, 
den  übermäfsig  starken  Waldbestand  gelichtet,  die  innerhalb 
der  bereits  in  Hauptzügen  abgegrenzten  Ortsflur  vorhandenen 
Liegenschaften  endgültig  geteilt,  vielleicht  auch  Waldwirtschaft 
treibende  Ortschaften  erst  zu  Ackerbau  treibenden  umsfe- 
wandelt.  Die  ganz  eigenartigen  Massenfunde  auf  der  Flur- 
scheide halte  ich  in  der  Hauptsache  für  Überreste  von  Kult- 
handlungen, die  gelegentlich  von  Flurumzügen,  Flursegnungen, 
Opferungen,  Bannungen  u.  ä.  auf  der  Grenze  stattfanden,  und 
zwar  meist  da,  wo  die  Marken  von  drei  Ortschaften  zu- 
sammenstiefsen.  Ähnliche  Kulthandlungen  werden  noch  jetzt 
hier  und  da  in  katholischen  Ländern  ausgeübt;  die  Wurzel 
dieser  Bräuche  verliert  sich  im  Dunkel  der  heidnischen 
Urzeit.  In  der  Rochlitzer  Pflege  finden  sich  auf  den  Grenz- 
massenfundstellen vorsvendische,  slawische  und  frühdeutsche 
Findlinge  nebeneinander,  eine  Merkwürdigkeit,  die  darauf 
deuten  dürfte,  dafs  diese  Örtlichkeiten  ungemein  lange  ständig 
zu  gleichem  oder  ähnlichem  Zweck  benutzt  wurden.  Mit  den 
vermutlichen  Kulthandlungen  dürften  zahlreiche  Sagen  zu- 
sammenhängen, wonach  in  der  Nähe  dieser  abgelegenen 
Stellen  im  Grenzg-ebiet  granz  »-ewöhnlich  allerhand  fabelhafte 
Unwesen,  meist  ohne  Kopf  (Pferd,  Kalb,  Reiter,  Mann  usw.), 
spuken  sollen. 

Die  heutige  Rochlitzer  Stadtflur  besitzt  zwei  prähistorische 
Wälle  und  weist  die  meisten  und  reichsten  Massenfundstellen 
im  Grenzgebiet  auf,  nämlich  auf  dem  Galgenberg,  auf  dem 
Schieferberg,  auf  der  Brandsäule,  am  Münchswinkel,  auf  der 
wüsten  Lade,  auf  dem  Hospitalfeld,  im  Kifsling;  es  sind  dies 
Stellen,  auf  oder  bei  welchen  es  stark  umgehen  soll.  Der 
Reichtum  an  derartigen  städtischen  Fundg-ebieten  ist  sicher 
mit  daraus  zu  erklären,  dafs  in  der  Stadtflur  verschiedene, 
z.  T.  urkundlich  noch  nachweisbare  Siedlungen  eingegangen 
sind,  deren  wenige  Bewohner  in  der  Hauptsache  nach  der 
Stadt  und  den  Vorstädten  verzogen  sein  mögen.  Sehr  zahl- 
reich sind  in  der  Stadtflur  auf  vielen  Feldern  auch  Einzel- 
funde, besonders  wendische  Scherben  und  bearbeitete  Feuer- 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  271 

steine,  Findlinge,  die  sogar  in  den  Gärten  der  Stadthäuser 
auftreten.  Ich  habe  alle  prähistorischen  Funde  der  Gegend, 
nach  den  Ortsfluren  geordnet,  im  Rochlitzer  Museum  zu- 
sammengestellt. Kein  Dorf  der  ganzen  Pflege  kann  sich 
hinsichtlich  des  Reichtums  solcher  Funde  und  der  Fundstellen 
mit  Rochlitz  messen;  man  wird  deshalb  geradezu  zu  dem 
Schlufs  gezwungen,  dafs  schon  in  urgeschichtlicher  Zeit  auf 
der  Flur  um  Rochlitz  herum  das  Leben  und  Treiben  ein  bei 
weitem  regsameres  war  als  auf  den  benachbarten  und  ent- 
legeneren Ortsgebieten.  Unter  diesen  Verhältnissen  läfst  sich 
leicht  begreifen,  weshalb  Rochlitz  schon  in  frühgeschichtlichen 
Tagen  eine  besondere  Bedeutung  für  die  ganze  Pflege  als 
Vorort  erlangte. 

Auf  Rochlitzer  Flur  entstand  eine  deutsche  Burg,  die 
tonangebend  und  gebietend  für  die  ganze  Gegend  wurde 
und  wohl  schon  in  der  sächsischen  frühchristlichen  Zeit  weit 
bekannt  war.  Durch  eine  Urkunde  von  Otto  III.  wurde  996  das 
westliche  ,,RochHtzer  Muldenufer"  (ripa  Rochilinze')  mit  als 
Gebietsscheide  zwischen  den  Bistümern  Merseburg  und  Meifsen 
festo-estellt:  meines  Erachtens  hätte  man  damals  schwerlich 
diesen  Ortsbegriff  in  die  Niederschrift  aufgenommen,  wenn 
Rochlitz  zu  jener  Zeit  ein  unbedeutender  Ort  gewesen  wäre. 
Thietmar  von  Merseburg  berichtet  bereits  vom  Burgward 
Rochelenzi,  in  dessen  Gebiet  der  Bischof  einen  Wald  mit 
Wildfängen  inne  hatte,  wegen  welcher  Anlagen  der  hohe 
Herr  1018  selbst  nach  RochHtz  kam.  Die  betreffende  Be- 
sitzung war  schon  974  an  Merseburg  durch  Otto  II.  abge- 
treten worden.  Bei  seiner  Anwesenheit  in  Rochlitz  spendete 
Thietmar  eigenhändio-  das  heilio-e  Abendmahl. 

Der  Begriff  Burgward  Rochlitz,  d.  h.  Burgbezirk  Rochlitz, 
setzt  wohl  das  Vorhandensein  einer  Burg  voraus.  Ich  ver- 
mute aus  verschiedenen  Gründen,  dafs  die  Burg  Rochlitz 
nicht  von  den  Deutschen  selbst  an  Ort  und  Stelle  gegründet 
wurde,  wie  dies  z.  B.  in  Meifsen  geschah;  vielmehr  scheinen 
die  eindringenden  Deutschen  in  Rochlitz  eine  vorhandene 
Wallanlage  besetzt  und  allmählich  zur  Burg  ausgebaut  zu 
haben'-). 


^)  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  i,  276.  Nach  Posses  Untersuchungen 
und  Karten  (im  Cod.  dipl.  S.  r.  I,i,  178  und  Anhang)  mufs  das 
Muldenufer  schon  981  als  Grenze  gegolten  haben. 

^)  Nach  Heine,  Chron  Rochlic.  S.  32  berichteten  Überlieferun- 
gen, die  Stelle  der  Petri-(Schlol"s-)kirche  habe  ursprünglich  eine 
heidnische  Kapelle  mit  Götzen  eingenommen. 


272 


W.  Clemens  Pfau : 


Dieselbe  entstand  auf  einer  ziemlich  dreieckigen  Berg- 
zuno-e,  die  als  Ausläufer  des  Rochlitzer  Berges  beziehentlich 
des  östlichen  Teils  davon,  des  Schlofsberges,  erschenit.  Aui 
letzterem,   in   der   Nähe   der  westlichen  Schlofsbrücke ,   habe 


ich  wiederholt  wendische  Scherben,  auch  verschiedene  ge- 
schlagene Feuersteine  gefunden.  Ganz  besonders  bemerkens- 
wert ist  aber  die  Anlage  der  Burg  (Fig.  i);  die  Stelle  der 
letzteren  wurde  zunächst  durch  einen  mächtigen  Einschnitt 
ganz  vom  Schlofsberg  abgetrennt.     Ob   diese  Vertiefung,   in 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  2-73 

der  jetzt  „die  Schlofsbach"  läuft,  ursprünglich  schon  von  der 
Natur  vorgezeichnet  war  oder  ob  die  Schlofsbach  erst  nörd- 
lich um  den  Schlofsfelsen  herumrann  und  nur  nachträglich 
an  dessen  Westseite  vorbeigeleitet  worden  ist,  läfst  sich  nicht 
ausmachen.  Fest  steht  nur,  dafs  die  Wände  in  dem  tiefen 
Westeinschnitt  in  ihrer  jetzigen  Gestalt  durch  Schrotarbeit 
geformt  sind.  Die  abgetrennte  Felsenzunge  wurde  weiter 
durch  zwei  parallel  mit  dem  westlichen  Einschnitt  ver- 
laufende tiefe  künstliche  Einschnitte  gegliedert:  zwischen  dem 
westlichen  und  mittleren  entstand  das  Oberschlofs,  zwischen 
dem  mittleren  und  östlichen  das  Unterschlofs.  Auf  dem 
Ende  der  Bergzunge,  vor  dem  östlichen  Graben,  erhob  sich 
die  uralte  Petrikirche,  die  nach  den  Angaben  verschiedener 
Chronisten'),  welche  sich  auf  einen  alten  Kelch  berufen,  vom 
Kaiser  Heinrich  I.  gegründet  worden  sein  soll;  sie  hiefs  ehe- 
mals ganz  gewöhnlich  „Schlofskirche".  Da  sie  ursprünglich 
inmitten  des  Gottesackers  lag,  der  wiederum  doch  wohl  von 
Mauern  umgürtet  war,  so  kann  man  sie  als  eine  Art  Vor- 
wehr zur  Buror  ansehen.  Mit  letzterer  war  sie  in  alter  Zeit 
übrigens  aufs  innigste  durch  eine  überdeckte  Galerie  ver- 
bunden, durch  deren  Hilfe  1644  die  Kurfürstlichen  die 
Schweden  im  Schlofs  überrumpeln  wollten"-).  Die  Rochhtzer 
Schlofsanla2:e  mit  ihren  dreifachen  Grabeneinschnitten  er- 
innert  sehr  lebhaft  an  gewisse  wendische  Wallbauten,  m  der 
Rochlitzer  Gebend  besonders  an  die  Wälle  des  Kötterner 
Borscheibergs  hinter  dem  Rittergut  Neutaubenheim.  Hier 
ist  auch  eine  dreieckige  Landzunge,  die  gegen  ihr  Ende 
ziemlich  schroff  abfällt,  durch  drei  Gräben  quer  geteilt.  An 
den  letzteren  ziehen  sich  die  Wälle  hin.  Hätte  eine  der- 
artio-e  Anlaofe  auf  der  Stelle  des  Rochlitzer  Schlosses  ur- 
sprünglich  bestanden,  so  brauchten  die  Deutschen  nur  die 
Gräben  immer  mehr  zu  vertiefen  und  die  Erdzüge,  die  an- 
fänglich wohl  mit  Pallisaden  besetzt  waren,  durch  Mauern  zu 
verstärken  oder  zu  ersetzen.  Ich  habe  wiederholt^)  die  An- 
sicht ausgesprochen  und  besonders  durch  den  Hinweis  auf 
die  einschlägigen  Funde  begründet,  dafs  die  prähistorischen 
Wälle  der  Rochlitzer  Gegend  in  erster  Linie  Kultstellen,  die 
aber  zu  Zeiten  der  Kriegsgefahr  zur  Verteidigung  dienen 
konnten,  umschlossen.  Mit  einer  solchen  Annahme  liefse  sich 
wohl   auch   die  Eigenart  vieler  Kirchen   der  weiteren  Pflege 


1)  Heine  S.  33. 

-)  Heine  S  352. 

^}  Top.  Forschungen  S.  36  ff.  —  Geschichte  der  Töpferei  S.  35. 


274 


W.  Clemens  Pfau: 


erklären,  wonach  diese  Gotteshäuser  in  ältester  Zeit  offenbar 
mit  zu  Verteidigungszwecken  eingerichtet  wurden.  Das 
schönste  Beispiel  hierfür  bietet  die  Kirche  zu  Geithain,  von 
welcher  Stadt  der  Bebauungsplan  die  gröfste  Ähnlichkeit  mit 
dem  Rochlitzer  hat:  wo  in  Rochlitz  die  Burg  mit  der  ältesten 
Kirche  steht,  im  äufsersten  Westen,  da  befindet  sich  zu 
Geithain  auf  einer  Erhöhung  die  mächtige  Kirche,  deren 
Gottesacker  rnit  starken,  durch  Bastionen  besetzten  Mauern 
gedeckt  ist.  Eine  ähnliche  Wehranlage  weist  die  Peniger 
Kirche  auf.  In  dem  Gottesacker  zu  Geithain  kamen  bei  den 
Ausschachtungen  gelegentlich  der  letzten  Kirchenrestauration 
mehrfach  wendische  Scherben  zu  Tage.  Ganz  in  seiner 
Nähe  liegt  Altdorf;  die  Grenze  bildete  ursprünglich  wohl 
ein  Wassergraben,  welcher  später  ausgefüllt  und  mit  einigen 
Anwesen  besetzt  worden  ist. 

Die  Rochlitzer  Burg  nahm  in  ihrer  zugehörigen  Flur 
zweifellos  dieselbe  Stelle  ein,  wie  die  vorgeschichtlichen 
Wälle  der  Pflege  in  ihren  entsprechenden  Dorffluren.  Sie 
alle  liegen,  wie  auch  die  ausgeprägten  Massenfundstellen, 
regelmäfsig  auf  einem  hervorragenden  Buckel  an  oder  auf  der 
Ortsmark.  Das  Rochlitzer  Schlofs  ragt  auf  steilem  Fels  im 
Grenzgebiet  des  Rochlitzer  Waldes  und  dessen  zahlreichen 
benachbarten  Feldern  und  Wiesen,  die  ehemals  zur  Burg 
gehörten.  Die  letzteren  der  Landwirtschaft  dienenden  Liegen- 
schaften wurden  1558  vom  Amt  vererbt  und  sind  in  Privat- 
besitz übergegangen.  Ursprünglich  besorgte  ihre  Bewirt- 
schaftung das  in  der  Vorstadt  gelegene  amtliche  ,,Schlofs- 
vorwerk"  oder  ,,der  Viehhof",  den  das  Amt  1558  mit  ver- 
äufserte^). 

Im  Mittelalter  scheint  aufserdem  eine  Art  Vorwerk 
westlich  vom  Schlofs,  mehr  nach  der  Höhe  des  Rochlitzer 
Waldes,  auf  oder  an  den  dort  ausgesparten,  von  der  Peniger 
Strafse  durchschnittenen  Feldern  bestanden  zu  haben;  wenig- 
stens finde  ich  in  einem  Verzeichnis  über  Waldfuhren-)  von 
1722  eine  dortige  Stelle  „Hoffestöckicht"  genannt.  Flur- 
namen der  Rochlitzer  Gegend,  die  mit  ,,Hof-"  gebildet  sind, 
deuten  regelmäfsig  auf  eingegangene  ritterliche  Besitzungen, 
die  sich  zum  guten  Teil  auch  urkundlich  nachweisen   lassen. 


')  Abschrift  des  alten  Vererbungsbriefes  im  Archiv  des  Roch- 
litzer Geschichtsvereins;  vgl.  dazu  auch  die  ständigen  Einträge  in 
den  älteren  Amtsrechnungen. 

^)  Aktenstück  im  Archiv  des  Rochlitzer  Geschichtsvereins,  aus 
der  alten  Bauverwalterei  stammend. 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  zj^ 

Alle  jene  urbar  gemachten  Liegenschaften,  welche  der  Roch- 
Htzer  Wald  umschliefst  und  welche  heute  z.  T.  von  Nofswitz, 
z.  T.  von  Rochlitz  aus  bestellt  werden,  sind  zweifellos  uralt, 
waren  offenbar  schon  in  vordeutscher  Zeit  dem  Forst  abge- 
rungen: sie  weisen  nicht  nur  wendische,  sondern  auch  bronze- 
zeitliche Scherben  auf  und  ergeben  sogar  geschlagene  Stein- 
späne, Kernstücke  usw. 

Der  Rochlitzer  Wald  bildete  ein  von  unseren  Vorfahren 
der  Urzeit  oft  betretenes  Gebiet.  Angrenzende  Dörfer  haben 
ihre  prähistorischen  Massenfundstellen  unmittelbar  am  Saum 
des  Staatsforstes:  Carsdorf,  das  im  Mittelalter  auch  Carnitz 
hiefs,  im ,,  Rodeland"  und  ,, Steinberg",  Wittgendorf  im  ,,Heedel- 
born",  Sörnzig  in  der  ,,Bile"  und  dem  nordöstlichen  Acker  der 
„Adscher".  Im  Walde  (schönburgischer  Teil)  selbst  ist  das 
Dorf  Drosekowe,  das  1208  dem  Kloster  Zschillen  ^)  mit  zuge- 
wiesen wurde,  als  solches  eingegangen;  den  einzigen  Überrest 
bildet  das  Draschkengut.  Der  Porphyr  des  Rochlitzer  Waldes 
fand  schon  in  der  Bronzezeit,  zu  Mahlsteinen  verarbeitet, 
seine  Verwendung;  letztere  habe  ich  wiederholt  in  urge- 
schichtlichen Gräbern  angetroffen.  Schliefslich  bin  ich  auf 
Rodestellen  innerhalb  des  Rochlitzer  Waldes  mehrfach  wen- 
dischen Scherben,  besonders  auf  dem  ,, Hohen  Berg",  be- 
gegnet; von  einer  Waldrodestelle  besitzt  das  Rochlitzer 
Museum  einen  zierlich  gearbeiteten,  sehr  eigenartig  geformten 
Steinhammer.  Der  sogenannte  Katzenstein,  ein  Grenzfelsen 
des  Staatswaldes  am  Sörnziger  Adscherholz,  weist  am  Fufse 
eine  wallartige,  künstliche  Umgürtung  auf.  In  der  Erde 
kommen  hier  frühdeutsche  und  wendische  Scherben  vor;  die 
lehmige  Ausfüllung  in  den  Felsenrissen  ist  durch  Feuerglut 
wie  verziegelt.  AugenscheinUch  ist  auch  der  Katzenstein 
den  vorchristlichen  Grenzkultstätten  zuzuzählen. 

Das  landwirtschaftlich  bestellte  ehemalige  Gebiet  des 
Rochlitzer  Schlosses  war  höchstwahrscheinlich  ursprünglich 
die  Flur  eines  unbedeutenden  wendischen  Dorfes,  das  wie 
Drosekowe  untergegangen  sein  mag;  seine  Insassen  sanken 
wohl  in  der  Hauptsache  zu  Frönern  der  neuen  Herren  herab, 
die  auf  der  alten  Ortsflur  das  oben  erörterte  Vorwerk  grün- 
deten und  sich  in  der  Wallanlage  der  eingegangenen  Siedlung 
eine  Burg  bauten.  Zu  derselben  gehörte  in  alter  Zeit  eine 
Flur,  die  so  grofs  war  wie  diejenige  eines  mäfsigen  Dorfes. 
Dafs    die    spätere    Stadtflur    davon    ursprünglich    einen    Teil 


')  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  I,  3,  69. 


276 


W.  Clemens  Pfau: 


bildete,  läfst  sich  nicht  beweisen,  ist  wohl  auch  kaum  wahr- 
scheinhch.  Waren  aber  Burggebiet  und  Fhir  der  Stadt 
schon  anfänghch  zwei  verschiedene  Ortsbereiche,  so  müfste 
man  erwarten,  dafs  für  dieselben  anfangs  auch  zwei  ab- 
weichende Namen  vorhanden  gewesen  wären.  In  der  Roch- 
litzer  Gegend  kommen  mehrfach  benachbarte  oder  nicht  weit 
voneinander  gelegene  Ortschaften  vor,  deren  Bezeichnungen 
sehr  ähnhch  klinoen.  Ich  verweise  auf  die  Nachbarorte 
Zöllnitz  und  Seelitz  (dialektisch  Zillns  und  Sils  gesprochen); 
letzteres  heifst  im  Mittelalter  und  selbst  im  16.  Jahrhundert 
noch  nebenbei  Zelitcz,  Zeelicz.  Weiter  finden  sich  in  der 
Pflege  Zetteritz,  Zettlitz.  Die  vermutlichen  Ortschaften  auf 
der  späteren  Rochlitzer  Gesamtflur  hätten  wohl  auch  zwei 
ähnlich  lautende  Namen  besitzen  können,  so  dafs  leicht  eine 
Verwechselung  derselben  und  das  allmähliche  Verschwinden 
des  einen  eintreten  konnte.  Merkwürdigerweise  lassen  sich 
die  ungemein  zahlreichen  Namensformen  ältester  Zeit  für 
Rochlitz^)  im  Grunde  genommen  in  zwei  Hauptgruppen 
scheiden;  die  eine  hat  stets  ein  1  im  Anfang  des  zweiten 
Gliedes  und  regelmäfsig  eine  Spirans  z,  c  gegen  das  Ende, 
die  andere  nicht:  Rochelinze,  Rochilinze,  Rochelenzi,  Rotlizi, 
Rochelinti  (in  diesen  beiden  das  t  Fehler  für  c?),  Rochlezi, 
Rocheletz  usw.  —  Rochider,  Rochidech.  Wenn  auch  die 
Schreibungen  des  Namens  eines  Ortes  oft  in  ältester  Zeit 
verschiedene  sind,  so  geht  doch  wohl  die  Fülle  der  ab- 
weichenden Formen  betreffs  der  Rochlitzer  Benennung  über 
das  übliche  Mafs  hinaus.  Die  zweite  sehr  auffällige  Gruppe, 
die  in  einer  kaiserlichen  Urkunde  von  1046  vorkommt"), 
einfach  als  Schreibfehler  der  kaiserlichen  Kanzlei  auffassen  zu 
wollen,  halte  ich  für  zu  bedenklich.  Vielmehr  vermute  ich, 
dafs  die  zwei  Gruppen  von  Namen  zwei  verschiedene  Orts- 
bezirke  bezeichnen  und  dafs  die  kaiserliche  Kanzlei  den 
amtlich  richtigeren  Namen  der  Burg  und  des  Burgwards 
überliefert,  während  bei  Thietmar  schon  eine  einzige  Art  der 
Namensform  für  beide  Siedlungen  verwendet  wurde.  1046 
schenkte  Kaiser  Heinrich  III.  seiner  Gemahlin  Agnes  die 
Burgwarde  Rochideh,  Cholidistcha,  Lisnich.  Möglicher- 
weise war  dies  nicht  die  erste  kaiserliche  Frau,  welche 
Rochlitz  besafs;  auffällig  ist  jedenfalls,  dafs  die  alte  Über- 
lieferung, Kunigunde,  Gattin  von  Heinrich  II.,  habe  die  Roch- 
litzer   Kunigundenkirche ,    die    in    romanischer  Zeit    bestand. 


')  Pfau,  Top.  Forschungen  S.  85. 
2)  Cod.  dipl.  Sax.  I,  i,  312. 


Topographisches  vom  alten  Rochlilz.  277 

gegründet,  schon  im  Mittelalter  anerkannt  war;  denn  diese 
Kaiserin  ist  am  betreffenden  Bauwerk  mehrfach  als  Kirchen- 
gründerin dargestellt.  Sie  starb  1031,  ihr  Gemahl  1024. 
Agnes  bekam  mehrere  benachbarte  Burgwarde  des  Mulden- 
gebiets zugewiesen.  Höchst  auffällig  ist,  dals  die  Vororte 
der  beiden  Nachbarämter  Rochlitz  und  Borna  schon  in 
romanischer  Zeit  Kunigundenkirchen  besafsen,  obschon  für 
damalige  Zeit  sonst  Gotteshäuser,  nach  der  Kunigunde  be- 
nannt, in  ganz  Mitteldeutschland  kaum  nachzuweisen  sind. 
Wenn  Kunigunde  persönliche  Beziehungen  zu  Rochlitz  hatte, 
so  liefse  sich  wohl  denken,  dafs  die  kaiserliche  Kanzlei  1046 
den  Namen  Rochideh,  Rochider  aus  einer  früheren  urkund- 
lichen Vorlage  herübernahm. 

Wenn  auch  derartige  Urkunden  fehlen,  so  mufs  es  doch 
als  höchst  merkwürdig  erscheinen,  dafs  verhältnismäfsig  viel 
aus  alten  Überlieferungen  übereinstimmend  mehr  oder  weniger 
sehr  nahe  Beziehungen  zwischen  dem  sächsischen  Herrscher- 
haus und  unserem  weiteren  Muldengebiet  vermuten  läfst. 
Der  oben  erwähnte  Kelch  der  Rochlitzer  Petrikirche  soll  den 
Namen  Heinrich  I.  und  seiner  Gemahlin  getragen  haben 
(Henricus  et  Matildis  me  comparaverunt).  Die  Bornaische 
Kunigundenkirche  führte  bis  in  das  16,  Jahrhundert  herein 
auch  den  Namen  Köniorskirche.  Der  Urkunde  Ottos  III. 
von  996  verdanken  wir  die  älteste  Erwähnung  des  Roch- 
litzer Muldenufers.  Dafs  die  Benennuns:  verschiedener  Dörfer 
der  Rochlitzer  Gegend  (Königshain,  Königsfeld,  Ottenhain), 
sowie  eines  im  Lehnbuch  Friedrichs  des  Strengen  namhaft 
gemachten,  bei  Rochlitz  gelegenen  Waldes  Kunegszcwig 
ebenfalls  der  ältesten  Königszeit  entstammen  können,  mag 
nur  nebenbei  erwähnt  sein.  Ottenhain  grenzt  mit  Königsfeld. 
Ottendorf  liegt  nicht  weit  von  Königshain;  diese  Dörfer 
treten  gewissermafsen  paarweise  auf. 

Eine  zweifellos  uralte  zur  Rochlitzer  Burg  gehörige  An- 
lage zieht  sich  in  den  ehemals  als  ,, kleine  und  grofse  Forsterei" 
benannten  Waldteilen,  südwestlich  vom  Schlofs,  hin.  Hier 
entdeckte  ich  die  Reste  von  sehr  ausgedehnten,  geschlossenen 
Wildfängen,  deren  Verlauf  sich  noch  klar  verfolgen  läfst. 
Sie  bestehen  in  niedrigen  Erdzügen,  welche  früher  offenbar 
Verplankungen  u  dergl.  getragen  haben.  Wenn  bereits 
Thietmar  von  Merseburg  im  Rochlitzer  Burgward  Wildfänge 
besafs,  so  war  dies  damals  wohl  auch  der  Fall  auf  Seiten  der 
Besatzung  der  Burg,  und  es  ist  demnach  doch  wohl  nicht 
unmöglich,  dafs  die  erhaltenen  Rochlitzer  Fangvorrichtungen 
schon  zur  Kolonisationszeit  bestanden.     Das  Rochlitzer  Amts- 


278 


W.  Clemens  Pfau: 


erbbuch  von  1548  sagt  gelegentlich  der  Aufzeichnung  der 
Frondienste  des  Dorfes  Carsdorf:  „Die  Einwohner  semptlichen 
helfen  die  Schweine-  und  Wolfsjagten  uff  des  Ampts  Weldem, 
wan  und  so  offt  sie  erfordert,  thuen,  helffen  auch  neben 
anderen  an  dem  Wolffszaune,  so  uffm  Walde  stehet,  wan  es 
die  Notturft  erfordert  und  ihnen  derhalben  Bevehl  geschehen, 
bessern  und  ausbuefsen."  Die  Frondienste  der  mittelalter- 
lichen Dörfer  wurden  wohl  in  der  Hauptsache  im  Amt  schon 
in  der  Kolonisationszeit  festgelegt;  waren  Amtsuntertanen  zur 
Frone  an  dem  Wolfszaune  des  RochUtzer  Waldes  verbunden, 
so  bestand  diese  Jagdvorrichtung  demnach  vielleicht  schon 
in  frühestdeutscher  Zeit.  Der  Wolfszaun  als  solcher  hatte 
wahrscheinlich  schon  damals,  als  das  erste  Erbbuch  abgefafst 
wurde,  seine  Bedeutung  verloren,  weil  die  Wölfe  im  Amt 
um  die  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  ausgerottet  waren \);  sie 
tauchten  nur  vereinzelt  wieder  gegen  Ende  des  dreifsigj ährigen 
Krieges  auf.  In  den  Amtsbüchern  seit  dem  16.  Jahrhundert 
ist  von  dem  Wolfszaun  meines  Wissens  nie  wieder  die  Rede; 
doch  buchen  sie  öfters  Kleinigkeiten  (Pfähle  u.  dergl.)  für  die 
,, Wildbahn"  im  Wald.  Frondienste  für  letztere  habe  ich 
nicht  erwähnt  gefunden;  verschiedene  Dörfer  zahlten  gegen 
Ende  des  16.  Jahrhunderts  dem  Rochlitzer  Amt  Jagdgeld-). 
Nach  der  Anstellunofsurkunde  des  Rochlitzer  Försters  Kinder- 
brück  von  1496  hatte  letzterer  das  Torschhefsamt  der  Burg 
inne'^j. 

Das  Rochlitzer  Schlofs  mufs  schon  in  romanischer  Zeit 
sehr  stattlich  gewesen  sein;  sicher  war  es  damals  bereits 
zum  o-uten  Teil  steinern.  Darauf  deuten  nicht  nur  einzelne 
romanisch  oregliederte  Werkstücke,  die  an  verschiedenen 
Stellen  im  Mauerwerk  der  jetzigen  Burg  eingesetzt  sind, 
sondern  auch  ganze  Bauteile.  Der  schwere,  im  Halbkreis 
geschlossene  östliche  Toreingang,  in  welchen  die  gotische 
Kapelle  eingebaut  ist,  gehört  zweifellos  der  romanischen 
Zeit  an.  Dies  gilt  auch  vom  Unterbau  an  der  nordöstlichen 
Umfassungsmauer,  deren  Sockelgesims  an  den  Stützpfeilern 
in  der  Hauptsache  die  Welle  zeigt.  Diese  Pfeiler  überliefern 
spätromanische  Steinmetzzeichen,  die  vielleicht  die  ältesten 
im  Lande  sind,  denn  die  eigenartigen  Zeichen  an  der  Nossener 
Kirchpforte  lassen  sich  schwerlich  als  solche  deuten.  Als 
wichtigsten    Baubestand    des    Schlosses    aus    gotischer    Zeit 


')  Pfau,  Einzelheiten  usw.  I,  37. 
'^)  Daselbst  S.  32 
')  Ebenda  S.  53. 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  270 

müssen  die  beiden  Türme  ,Jupen"  gelten,  welche  die  west- 
liche Schmalseite,  d.  h.  die  für  den  Kriegsfall  heikelste  Stelle 
der  Burg,  decken.  Hinsich thch  der  Eigenart,  dafs  letztere 
auf  einer  schmälsten  Seite  zwei  Bergfriede  aufweist,  dürfte 
sie  in  Deutschland  einzig  dastehen.  Die  Jupen  sind  auf  Grund 
chronistischer  Angaben  und  unter  Berücksichtigung  ihrer 
baulichen  Eigenart  und  der  Steinmetzzeichen  als  um  1390 
erbaut  anzusehen.  Ich  habe  schon  früher^)  unter  Berück- 
sichtigung der  Steinmetzzeichen  der  Türme  die  Vermutung 
ausgesprochen,  die  Erbauer  der  Rochlitzer  Schlofstürme 
dürften  Werkleute  aus  Westdeutschland,  aus  dem  Rheinland, 
gewesen  sein.  1383  stellt  Markgraf  Wilhelm  dem  Steinmetz 
Nicol  de  Strazburg  eine  Urkunde  aus,  worin  dem  Werkmann 
Einkünfte  verschrieben  werden"-).  Möglicherweise  war  dieser 
Künstler  an  den  Jupen  tätig.  Um  diese  Zeit  entstand  auch 
die  Rochlitzer  Stadtmauer,  an  deren  Untertor  das  landes- 
herrliche Wappen  ,,der  Werkmatz",  worin  sich  als  Marke 
ein  gotisches  n  befindet,  angebracht  ist. 

Da  die  höchst  einfache  Rochlitzer  Stadtanlage  hinsicht- 
lich ihres  Grundrisses  eine  ziemlich  seltene  im  Lande  ist,  so 
möchte  ich  dieselbe  tunlichst  einsehend  schildern.  Der  Dar- 
Stellung  sei  eine  Skizze,  Fig.  2,  zugrunde  gelegt,  welche 
auf  dem  ältesten  erhaltenen,  in  der  KönigHchen  Bibliothek 
zu  Dresden  befindlichen  Stadtplan-^)  fufst.  Die  von  mir  ein- 
gezeichneten Zahlen  und  Buchstaben  dürften  seine  Be- 
schreibung erleichtern. 

Im  Jahre  1681  brannte  die  Stadt  Rochlitz  ab;  wegen 
ihrer  Neuanlage  pflog  der  Rat  Verhandlungen  mit  der 
Regierung*).  Um  diese  Zeit,  aber  wie  noch  später  zu  er- 
örtern sein  ward,  vor  1687,  scheint  auch  der  Plan  entstanden 
zu  sein.  Bald  darnach,  1699,  stellte  der  Rat  eine  Beschreibung 
der  Gebäude  u.  dergl.  zusammen '').  Eine  ähnhche  Zusammen- 
stellung, die  jedoch  im  Original  nicht  mehr  im  Ratsarchiv 
vorhanden  ist,  war  bereits  1687  erfolgt;  auf  letztere  bezieht 
sich  mit  das  Quatemberkataster  von  1782,  w^elches  die  Stadt 
ganz  genau  beschreibt. 


1)  Pfau,  Geschichte  des  Steinbetriebes  auf  dem  Rochlitzer 
Berg  S.  79  und  Pfau,  Das  gotische  Steinmetzzeichen  S.  66. 

2)  HStA.  Dresden,  Kop.  30  Fol.  97. 

^)  Mitgeteilt  von  Steche,  Beschreibende  Darstellung  der  Bau- 
und  Kunstdenkmäler  XIV,  56. 

*)  Rochlitzer  Ratsarchiv,  Fach  587. 

^)  Designalion  —  des  —  der  Stadt  Rochlitz  gegenwärtigen 
Zustandes,  Fach  736. 


280  W.  Clemens  Pfau: 

Das  ehemals  ummauerte  Rochlitz  erstreckte  sich  in  der 
Hauptsache  westöstHch  und  war  im  Grund  genommen  weiter 
nichts  als  eine  grofse,  mit  Stadthäusern  besetzte  Strafse,  ein 
Teil  jenes  grofsen  Verkehrsweges,  welcher  von  Geithain 
über  Wickershain-Nofswitz  nach  Rochlitz  und  von  hier  über 
Städten-Erlau  nach  Mittweida  führt.  Ihn  hatte  in  frühdeutscher 
Zeit  höchstwahrscheinlich  die  uralte,  sicher  mit  in  slawischen 
Verhältnissen  wurzelnde  Rochlitzer  Saupenschaft,  die  Gemeinde 
der  16  aus  5  Dörfern  stammenden  Landschöppen^),  militärisch 
zu  besetzen  und  zu  schützen.  Die  Rochlitz  am  nächsten 
gelegenen  Dörfer  im  Westen  und  Osten  sind  die  wichtigsten 
Saupendörfer:  Westlich  Nofswitz  mit  einem  der  Saupenschaft 
angehörigen  Erbrichter  und  zwei  anderen  Landschöppen,  die 
das  dortige  am  Dingstuhl  der  gesamten  Saupenschaft  ab- 
gehaltene Gericht  zu  hegen  hatten;  östlich  Stöbnig  mit  einem 
ebenfalls  der  Saupenschaft  zugehörigen  Erbrichter  und  vier 
anderen  Landschöppen.  Die  übrigen  Saupendörfer  besafsen 
keinen  derartigen  Richter. 

Die  Achse  von  Rochlitz  weist  nach  der  Stöbniger  Furt-), 
die  ehemals  den  wichtigsten  Zugang  nach  den  östlich  ge- 
legenen Ortschaften  Geringswalde  (mit  Burg  im  ,, Fürsten- 
wald"), Hartha,  Waldheim  bildete.  Noch  im  18.  Jahrhundert 
wurde  dieser  Muldenübergang  benutzt;  zu  ihm  hatte  die 
Rochlitzer  Hauptstrafse  eine  unmittelbare,  vom  Ratsquatember- 
buch  als  ,, Dresdner  Strafse"  bezeichnete  Verbindung  durch 
einen  Fahrweg,  welcher  über  die  östlich  vor  der  Stadt 
liegende  „Neue  Wiese"  leitete,  jetzt  aber  eingegangen  ist. 
In  der  Untervorstadt  zweigte  sich  ein  südlicher  Arm  der 
Strafse  ab,  der  über  die  Rochlitzer  Furt,  neben  welcher 
schon  frühzeitig  die  Brücke  entstanden  war,  nach  Mittweida 
führte.  Die  letztere  gehörte  ursprünglich  zur  Kunigunden- 
kirche  und  soll  mit  dieser  von  der  Kaiserin  Kunigunde  an- 
gelegt sein. 

Nördlich  zieht  sich  parallel  zur  Stadtmauer  (im  bei- 
gefügten Plan:  n)  die  Breitegasse  (23),  jetzt  Gärtnerstrafse, 
hin,  die  am  Grimmaischen  Tor  (8)  ihren  Anfang  nahm.  Die 
„Breitegasse"  bestand  schon  im  Mittelalter;  beispielsweise 
wird  sie  erwähnt  in  einer  Urkunde  von  1457'').  In  demselben 
Schriftstück   findet  sich  auch  das  Grimmaische  Tor  genannt. 


1)  Vgl.  Pfau,  Die  Saupen  vom  alten  Rochlitzer  Landgericht  (1900). 

2)  Über  die  Geschichte  der  Strafsen,  Furten,  Stege,  Brücken 
u.  ä.  vgl.  Pfau,  Einzelheiten  aus  dem  Gebiete  der  Rochlitzer 
Geschichte  V,  i68ff.  —  Pfau,  Topographi.'-che  Forschungen  S.  Sgft. 

^)  HStA.  Dresden,  Original  7550. 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz. 


281 


282  W.  Clemens  Pfau: 

das  sich  aber  auch  in  älteren  Aufzeichnungen,  z.  B,  von  1442, 
belegen  läfst.  Der  Rat  hatte  vor  dem  Grimmaischen  Tor 
und  in  der  Breitegasse  Besitzungen.  Zwischen  letzterer  und 
der  Stadtmauer  lag  ehemals  ein  Graben,  der  jedoch  gegen  das 
Ende  des  16.  Jahrhunderts  im  Westen  schon  so  weit  ein- 
gegangen war,  dafs  die  Schützengilde  hier  ihre  Schiefsübungen 
(„Schiefsgraben")  abhalten  konnte  M. 

Nördlich  der  Breitegasse  zog  sich,  parallel  zu  ihr,  ein 
Befestigungswerk  hin,  dessen  ehemaliger  Verlauf  noch  jetzt 
ziemlich  klar  zu  verfolgen  ist  (m).  Heutzutage  wirkt  die 
Anlage  als  ein  kräftiger,  teilweise  unterbrochener,  etwa 
I  — 2  m  hoher  Wall,  der  stellenweise  mit  vielen  gröfseren 
Steinen  durchsetzt  ist.  Wie  der  alte  Stadtplan  angibt,  ist 
das  Schutzwerk  mit  vereinzelten  Vorsprüngen  verstärkt  ge- 
wesen. Das  Ostende  verlief  um  1681  da,  wo  jetzt  das 
städtische  Krankenhaus  steht.  Als  man  1861  zu  letzterem 
die  Gründung  vornahm,  wurde  an  einer  sehr  versumpften 
Stelle  die  Grundmauer  eines  runden  Baues  freigelegt-),  den 
man  als  Turm  auffafste;  vielleicht  bildete  derselbe  einen  mit 
Wassergraben  versehenen  Eckturm.  Jedenfalls  ist  zu  ver- 
muten, dafs  diese  alte  Mauer  noch  eine  weitere  Verbindung 
nach  dem  Untertor  (6)  zu  hatte.  Im  Westen  des  Walles 
grub  man  vor  etwa  einem  Jahrzehnt  ein  Stück  des  auf- 
geschütteten Erdzugs  ab,  bei  welcher  Gelegenheit  zahlreiche 
Mauersteine,  sowie  eine  kleine,  eigenartig  geformte  mittel- 
alterliche Streitaxt,  die  jetzt  im  Rochlitzer  Museum  liegt, 
gefunden  wurden.  Vor  dem  Wall  zog  sich  früher  ein  schmaler 
Pfad,  der  sogenannte  Pestweg  (jetzt  Albert-Strafse)  hin,  auf 
welchem  der  Überlieferung  nach  die  nach  Rochlitz  ein- 
gepfarrten  Dörfer  ihre  Pesttoten  zur  Beerdigung  trugen. 
Nach  Heines  Chronik'')  soll  diese  Befestigung  die  älteste 
Stadtmauer  gewesen  sein;  man  könne  ,,es  auch  noch  wohl 
erkennen,  wo  einige  Thürme  und  Pasteyen  gestanden  haben. 
Der  Platz  zwischen  dieser  und  der  itzigen  Mauer  ist  vormahls 
die  alte  Stadt  genannt  worden".  Auch  das  Rochhtzer 
Quatemberbuch  braucht  den  Ausdruck  ,,alte  Stadtmauer"  im 
Gegensatz  zu  ,, Stadtmauer"*).  Die  angrenzenden  Grundstücks- 
besitzer nennen  jetzt  das  Verteidigungswerk  gewöhnlich  den 
„Wall".     Noch    vor    ungefähr    80  Jahren   hiefs    es    „die  alte 


1)  Pfau,    Die  ältere  Geschichte  der  Rochlitzer  Schützengilde 
S.  10. 

2)  MündUche  Angaben  alter  Arbeiter. 
=»)   S.  65. 

*)   Z.  B.  S.  337,  340. 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  283 

Mauer"');  man  rechnete  damals  zur  ,, alten  Mauer"  noch  mit 
eine  altertümliche,  noch  jetzt  bestehende  Gartenmauer,  die 
sich  westlich  vom  Grimmaischen  Tor  am  Weinberg  dahinzog 
und  einen  Teil  der  Schlofsvorstadt  umschlofs.  Diese  Mauer 
bildete  in  der  Hauptsache  die  Umfriedigung  des  ehemaligen 
Schlofs Vorwerks  oder  des  Viehhofs  (13).  —  Offenbar  ist  die 
,,alte  Mauer"  nördlich  der  Stadt  diejenige,  welche  im  Roch- 
litzer  Gerichtspachtbrief  von  1464-)  genannt  wird.  Die 
älteste  Gerichtsverpachtung  rührt  von  Markgraf  Friedrich 
dem  Strengen  her"^),  doch  ist  der  Wortlaut  dieses  Schrift- 
stücks nicht  übermittelt.  In  der  Urkunde  von  1464  heifst  es 
bei  Feststellung  der  Gerichtsgrenze  u.  a.:  „von  dem  Grimmi- 
schen thore  vortufs  hinum,  die  schunen  mit  den  wegen  uf 
bieden  siethen  mit  ingeschlossen,  bifs  an  den  pfarrers  garten 
und  uf  die  rechte  handt  bie  der  alten  muwer  hinab  bifs  an 
die  neuen  muwer".  Demnach  stiefs  die  alte  Mauer  doch 
wohl  an  die  ,,neue".  Wann  jene  angelegt  ist,  läfst  sich 
nicht  ausmachen.  1367  erliefsen  die  Gebrüder  Friedrich, 
Balthasar  und  Wilhelm  dem  Rochlitzer  Rat  gewisse  Leistungen 
auf  sechs  Jahre  unter  der  Bedingung,  ,,dafs  dieselben  rath- 
meister  und  purger  bynne  denselben  sechs  jaren  die  stad 
Rochlitz  ane  vorzok  und  ane  alles  hindernis  bemuren  und 
bevesten  sullen  mit  einer  guten  vertigen  muren,  die  sie  auch 
bynen  der  tzyd  vollbrengen  sullen"*).  Hier  ist  nur  die  Rede 
von  einer  einzigen,  und  zwar  neuanzulegenden  Mauer,  und 
man  darf  deshalb  wohl  vermuten,  dafs  Rochlitz  bis  dahin 
keine  wirklichen  Mauern  gehabt  hätte.  Eine  solche  Ansicht 
liefse  sich  durch  den  Hinweis  bestärken,  dafs  der  Rochlitzer 
Rat  1364  im  Siegel  noch  ein  Wappen  führte,  welches  anstatt 
der  später  übHchen  Mauer  nur  PalHsadenflechtwerk  zeigte'^). 
Der  Bau  von  1367  — 1373  mufs  die  alte  Mauer  mit  begriffen 
haben.  Nirgends  habe  ich  in  der  erhaltenen  Stadtmauer 
ein  romanisches  Werkstück  entdecken  können,  obgleich  diese 
viel  bearbeitete  Porphyrsteine  enthält.  Wenn  Heine,  S.  64, 
vermutet,     Rochlitz    müsse    schon    vor    dem    12.  Jahrhundert 


^)  Rochlitzer  Wochenblatt  1820  ,,Über  die  Rochlitzer  Stadt- 
mauer"; 1821  ,,Über  das  Grimmaische  Thor  und  die  alte  Stadtmauer 
zu  Rochlitz".  Vgl.  Pfau,  Neudrucke  aus  alten  Wochenblättern 
S.  i8flf.,  27 ff 

2)   Abgedruckt  bei  Heine  S.  223. 

')    Vgl.  Heine  (S.  222),  der  sich  auf  Mathesius  beruft. 

*)  Diese  Urkunde,  ehemals  in  der  Kunigundenbibliothek,  ist 
abgedruckt  Rochlitzer  Wochenblatt  181 9;  vgl.  Neudrucke  S.  15. 

5)  Mitgeteilt  von  Steche  a.  a.  O.    XIV,  55. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVm.    3.  4.  19 


284 


W.  Clemens  Pfau: 


Mauern  gehabt  haben,  so  schemt  mir  dies  unbegründet. 
Ähnliches  dürfte  von  Kretzschmars  Behauptung  zu  gelten 
haben,  wonach  Rochlitz  als  Marktort  gegen  Ende  des 
12.  Jahrhunderts  planmäfsig  gegründet  und  schon  vor  Er- 
richtung der  Petrikirche  ummauert  worden  sein  soll^).  Kretzsch- 
mar,  der  das  Lehnsbuch  Friedrichs  des  Strengen  zitiert,  gibt 
selbst  an,  dafs  sich  Rochlitz  als  Stadt  und  Marktort  urkund- 
lich nur  bis  zur  Mitte  des  14.  Jahrhunderts  verfolgen  läfst. 
Meines  Erachtens  deutet  überhaupt  nichts  darauf  hin,  dafs 
es  viel  früher  schon  Stadt  gewesen  wäre.  Allem  Augen- 
schein nach  erhielt  es  seine  Stadtberechtigung  erst  von 
Markgraf  Friedrich  dem  Ernsten;  denn  in  einer  von  dessen 
Urkunden'-),  ausgestellt  zu  Eisenach  1336,  kommt  zum  ersten 
mal  der  Ausdruck  ,, Rochlitz  hus  und  stat"  vor.  Die  Stadt 
Rochlitz  wurde  damals  mit  anderen  Besitzungen  verpfändet. 
Vielleicht  hängt  mit  der  Verpfändung  zusammen,  dafs  der 
wohl  erst  kürzlich  zur  Stadt  erhobene  Ort  noch  nicht  gleich 
Mauern  bekam.  Die  späte  Erteilung  der  Stadtberechtigung 
an  Rochlitz  mag  auch  Grund  mit  gewesen  sein,  dafs  es  als 
Stadt  nie  eine  besondere  Bedeutung  erlangte  und  dafs 
manches  Vorrecht,  wodurch  Nachbarstädte,  wie  Grimma, 
Leisnig  usw.,  ausgezeichnet  wurden,  ihm  fehlte.  Rochlitz  hatte 
kein  Stapelrecht;  seine  Bürger  waren  der  Frone  nicht  ent- 
hoben; der  Rat  hatte  das  Gericht  nur  gepachtet  usw. 

Da  die  ,,neue"  Stadtmauer  erst  1464  erwähnt  wird, 
während  die  Urkunde  von  1367,  auch  eine  Stiftungsurkunde 
von  1433^),  nur  schlechtweg  von  der  Stadtmauer  spricht, 
so  wäre  es  nicht  undenkbar,  dafs  die  ,,neue"  um  die  Mitte 
des  15.  Jahrhunderts  entstanden  ist.  Anlafs  zu  dem  Bau 
hätte  der  Hussitenkrieg  geben  können,  in  dessen  Verlauf 
Rochlitz  sehr  schwer  heimgesucht  worden  war.  Sicher  sind 
damals  auch  hier  wie  in  so  manchem  andern  Ort  zahlreiche 
Einwohner  unter  dem  Mordstahl  der  böhmischen  Fanatiker 
verblutet;  die  Zahl  der  Bürger  mag  sich  gar  nicht  unwesent- 
lich vermindert  haben,  und  manches  Bauwerk  sank  wohl 
in  Trümmer.  Dies  schreckliche  Ereignis  hatte  aller  Wahr- 
scheinlichkeit nach  umfassende  Neubauten,  die  sich  auch 
z.  T.  auf  die  Mauer  erstreckten,  zur  Folge.  Letztere  rückte 
auf  der  Nordseite  mehr  an  die  Stadt  heran.     Die  ,,alte  Stadt", 


*)  Die  Entstehung  von  Stadt  und  Stadtrecht  in  den  Gebieten 
zwischen  der  mittleren  und  der  Lausitzer  Neilse  S.  58. 

2)  Abgedruckt  Schmidt,  Urkundenbuch  der  Vögte  von  Weida, 
Gera  und  Plauen  I,  Nr.  764. 

")  HStA.  Dresden,  Loc.  9903,  Die  Bleiche  zu  Rochlitz.  14331!'.  Bl.  i. 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  285 

die  Breitegasse,  war  vielleicht  so  verwüstet,  dafs  sie  kaum 
mehr  als  bestehend  erachtet  werden  konnte;  wenigstens  gab 
es  in  den  folgenden  Jahrhunderten  nur  wenige  Gebäude  hier. 
Deshalb  mag  auch  die  alte  Stadtmauer  damals  hinfällig  ge- 
worden sein.  Sie  wurde  wohl  mit  ersetzt  durch  die  ,,neue", 
hinter  welcher  sich  die  ehemaligen  Altstädter  mit  bergen 
konnten.  Allem  Anscheine  nach  war  auch  die  neue  Stadt- 
mauer stets  unbedeutend.  Nach  den  erhaltenen  Resten  zu 
urteilen,  besafs  sie  nur  eine  Stärke  von  etwa  75  — 120  cm; 
oft  liel  sie,  wie  aus  den  Stadtrechnungen  zur  Genüge  hervor- 
geht, stellenweise  ein,  und  lediglich  ihre  Haupttore  und 
wenigen  Türme  zeichneten  sich  durch  kräftigere  Bauweise  aus. 
Dafs  die  Häuserverteilung  innerhalb  der  Ringmauer  jemals 
eine  bedeutend  andere  gewesen  wäre  als  wie  sie  die  beigefügte 
Skizze  (Fig.  2)  angibt,  ist  schlechterdings  nicht  anzunehmen. 
Die  ausgesparten  Plätze  waren  offenbar  nie  mit  wichtigeren 
Wohnhäusern  besetzt.  Wiederholt  konnte  ich  in  den  letzten 
15  Jahren  bei  umfassenden  Erdarbeiten  (Schleufsen-  und 
Wasserleitungsbauten  u.  dergl.)  auf  dem  Hauptmarkt,  den 
Strafsen  und  kleineren  Plätzen  beobachten,  dafs  hier  keine 
Hausanlage  nachweisbar  ist;  letztere  müfste  sich  doch  durch 
Reste  gewisser  Vorrichtungen,  die  im  gewachsenen  Boden 
angebracht  sind  (Düngergrube,  Brunnen  oder  Wasserloch, 
Grundmauer,  Keller  u.  dergl.),  zu  erkennen  geben.  Aber 
überall  auf  den  öffentlichen  Plätzen  und  Strafsen  habe  ich 
unter  der  deckenden  Abfall-  und  Schmutzschicht,  die  sich 
in  Rochlitz  wie  in  jeder  Stadt  durch  das  tägliche  Verkehrs- 
getriebe gebildet  hat,  nur  unberührten  gewachsenen  Boden 
vorgefunden,  natürlich  die  Stellen  abgerechnet,  wo  ehemals 
die  öffentliche  Wasserleitung  mit  ihren  ,, Pfützen"  verlief. 
Diese  Stränge,  welche  ziemlich  nahe  den  Häuserreihen, 
parallel  zu  denselben,  vorbeigehen,  sind  heute  noch  im  Erd- 
innern  deutlich  erkennbar  durch  den  sogenannten  ,, ersoffenen" 
Boden,  durch  vereinzelte  steckengebliebene  Röhren  und 
Pfützengeschränke.  Im  16.  Jahrhundert  verfügte  die  Stadt 
über  drei  Wasserleitungen'),  deren  Gründungsgeschichte  das 
Dunkel  des  Mittelalters  verbirgt.  Zwei  kamen  durch  die 
Mulde  in  Röhren  und  führten  die  Quellen  der  ,,Libbe"  und 
des  ,, Junkerbergs".  Die  dritte  übermittelte  das  offene  Wasser 
der  Schlofsbach,  welches  im  ,, Röhrgrund",  der  zum  Schlofs 
gehörte,   abgefangen   wurde.     Das   letztere  Wasser,   das   so- 


^)   Über    Rochlitzer    Wasserleitungen,    Brunnenbauerei,    Röhr- 
meisterei  usw.  vgl.  Pfau,  Einzelheiten  V,  148  —  167 


19* 


286  W.  Clemens  Pfau: 

genannte  ,, Bachewasser",  speiste  auch  die  Schlofsvorstadt 
mit  verschiedenen  amtUchen  Gebäuden,  wie  Schlofsvorwerk, 
Pfarre.  Da  der  Rat  um  1528  durch  Pflastereien  und  andere 
Erdarbeiten  in  der  Oberstadt  den  Stadtgrund  etwas  hob, 
Hef  das  Bachwasser  nicht  mehr  ordenthch  herein,  weshalb  es 
mit  Genehmigung  Herzog  Georgs  1529  höher  gefafst  woirde. 
1605  bekam  der  Rat  noch  eine  vierte  Wasserbezugsquelle, 
den  sogenannten  ,, Waldborn"  im  Amtswald  beim  Katzenstein 
an  der  ,,Adscher".  Dieses  Wasser  hatte  bis  um  das  Ende 
des  16.  Jahrhunderts  allein  das  Schlofs  versorgt;  da  der  Fall 
aber  zu  gering  war,  gab  der  Hauptmann  von  Bünau  damals 
diesen  Quell  für  die  Burg  auf  und  leitete  in  letztere  einen 
höher  gelegenen  aus  dem  Amtswald,  ,,Nofswitzer  Seite", 
herein,  welches  Wasser  heute  noch  das  Schlofs  speist.  Trotz 
der  vier  Leitungen  wäre  die  städtische  Wasserversoroamp; 
ganz  ungenügend  gewesen,  hätten  nicht  zahlreiche  Bürger- 
häuser eigene  Brunnen  (Ziehbrunnen  und  ,, Plumpen")  angelegt; 
auch  der  Rat  baute  nach  und  nach  verschiedene  derartige 
Wasserschächte,  die  mitunter  eine  ziemlich  beträchtliche  Tiefe 
besafsen.  Natürlich  war  die  ergiebige  Wasserversorgung 
von  gröfster  Wichtigkeit  besonders  für  die  brauberechtigten 
Häuser.  Die  Lage  der  letzteren  im  städtischen  Bebauungs- 
plan  erscheint  mir  als  höchst  bemerkenswert,  da  sie  einen 
Rückschlufs  auf  die  älteste  Topographie  der  Stadt  mit  zu- 
lassen dürfte. 

Der  Hauptbestand  der  Häuser  im  alten  ummauerten 
Rochlitz  wurde  nicht  nach  Strafsen  und  Gassen  eingeteilt, 
vielmehr  nach  der  Lage  im  Stadtplan,  eine  Eigenheit,  welche 
der  Volksmund  noch  heutzutage  gelegentlich  zum  Ausdruck 
bringt.  Man  nannte  die  seitlichen  Häuserreihen  Sommer-, 
Winter-,  Morgen-  und  Abendseite,  den  Block  in  der  Mitte 
die  Mittelseite  oder  Mittelzeile  (Fig.  II,  3).  Die  Sommer- 
und  Winterseite  erstreckte  sich  vom  Untertor  (6)  bis  zum 
Obertor  (7)  am  Ende  der  Burggasse.  Da  im  Norden  der 
Stadt  die  ,, Altstadt"  vorlagerte,  so  mufsten  hier  besondere 
Verkehrswege  aus  dem  Stadtinnern  vorgesehen  werden.  Auf 
dieser  Seite  haben  wir  deshalb  zwei  Gassen,  die  ehemals, 
z.  B.  ganz  gewöhnlich  in  den  Stadtrechnungen  des  17.  Jahr- 
hunderts, ,,Babstgasse"  (11)  und  ,, Buttergasse"  (10)  —  mit 
Babstpforte  und  Buttergassenpforte  —  genannt  wurden. 
Das  Eckhaus  am  Eingang  der  Babstgasse  gehörte  ursprünglich 
der  Bürgermeisterfamilie  Babst.  Die  „Löwengasse"  wurde 
nach  dem  dort  liegenden  Gasthof  zum  Löwen  genannt.  Dieser 
Name  verdrängte  allmählich  die  Bezeichnung  „Buttergasse", 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  287 

wie  der  Ausdruck  ,,Babstgasse"  schliefslich  durch  die  Be- 
nennung „Pfarrgasse"  (Weg  nach  den  „Pfarrfeldern")  unter- 
drückt wurde.  Auf  der  Südseite  war  nur  eine  Gasse  nötig, 
die  nach  der  uralten  Baderei')  (15)  führende  Badergasse  mit 
Badertor  (9).  Vielleicht  bestand,  wie  noch  näher  zu  erörtern 
sein  wird,  ursprünglich  auch  ein  Gang  aus  der  Burggasse 
bei  16,  der  wohl  nach  einem  besonders  wichtigen  Punkt  der 
Stadtmauer  führte ;  derm  letztere  bildete  hier  eine  stumpfe  Ecke, 
die  im  Belagerungsfall  besonders  berücksichtigt  werden  mufste. 
Umschlossen  von  den  Häuserreihen  lagen  der  Markt  (i),  der 
eine  Unterbrechung  der  Mittelzeile  bildende  Topfmarkt  (4), 
welchen  Namen  ich  aber  erst  1695  genannt  finde,  die 
Kunigundenkirche  (5)  und  das  Rathaus  (2).  Nach  dem  Stadt- 
brand von  1681  wurde  das  steinerne  Kornmafs,  welches  bisher 
beim  Gasthof  zum  Löwen  auf  dem  Kommarkt  gestanden 
hatte,  vor  das  Rathaus  gestellt-);  am  letzteren  brachte  man 
auch  andere  Mafse  (Weife,  Elle  u.  dergl.)  an,  wie  dort  auch 
die  steinernen  Schandflaschen  hingen"^).  Die  Freitreppe  vor 
dem  Rathaus  diente  zu  gerichtlichen  Verhandlungen,  z.  B. 
der  Verkündigung  von  Landesverweisungen*).  Der  Rat  unter- 
hielt am  Rathaus  eine  steinerne  Bank,  für  deren  Ausbesserungen 
die  Ratsrechnungen,  z.  B.  1674,  wiederholt  kleine  Ausgaben 
buchen.  Das  Rathaus  war  1529  gebaut  worden,  nachdem  zu 
diesem  Zweck  vier  auf  dem  Markt  befindliche  unbedeutende 
Häuser  weggerissen  worden  waren. 

Auf  dem  Hauptmarkt  stand  ehemals  das  ,, Wachhaus", 
das  die  Stadtrechnung  von  1679  erwähnt;  1693  wurde  ein 
neues  errichtet^).  Es  ist  im  Plan,  Fig.  2,  mit  angegeben. 
Die  Gasse  westlich  der  Kunigundenkirche  hiefs  ,, Kirchgasse", 
die  nordwesthche  ,, Beutlergasse",  die  nördlich  der  Schule 
,, Schulgasse". 

Auf  dem  beiorefüo-ten  Plan  unterscheide  ich  die  brau- 
berechtigten  Häuser  von  den  ,,Unbrauberechtigten";  ihre 
Lage  liefs  sich  genau  aus  dem  alten  Quatemberkataster  von 
1782  im  Rochlitzer  Ratsarchiv  ermitteln.  Die  im  Plan  schräg 
schraffierten  Gebäude  mit  Doppellinie  in  der  Front  sind  brau- 
berechtigt; die  mit  Punkten  versehenen  und  einfacher  Front- 
linie waren  dies   nicht.     Alle  brauberechtigten  Bürgerhäuser 


')    Über  die  Geschichte  der  Rochlitzer  Baderei  und  des  Medi- 
zinalwesens vgl.  Einzelheiten  V,  34  —  75. 
^)    Pfau,  Einzelheiten  V,  79. 
^)   Nach  Ausweis  der  Stadtrechnungen. 
•*)    Einzelheiten  V,  29. 
^J   Pfau,  Einzelheiten  VI,  32. 


2  88  W.  Clemens  Pfau : 

lagen  also  in  der  Ringmauer  nach  der  Burg  zu;  sicher  gehören 
sie  zu  den  allerältesten  deutschen  Wohnstätten  der  Stadt. 
Um  die  Kunigundenkirche  herum,  ferner  an  den  Toren  bestanden 
keine  brauberechtigten  Grundstücke;  um  das  Gotteshaus  zog 
sich  im  Mittelalter  der  Kirchhof,  von  dessen  Vorhandensein 
noch  heute  die  zahlreichen,  dort  im  Boden  vorkommenden 
Menschenknochen  zeugen.  An  den  Toren  konnten  offenbar 
deshalb  keine  brauberechtigten  Häuser  liegen,  weil  erstere 
in  ältester  Zeit  frei  zur  Verteidigung  bleiben  mufsten.  Das 
unbrauberechtigte  Haus  (i6)  der  Burggasse  ist  wohl  erst  sehr 
spät  entstanden,  als  der  Verteidigungszweck  der  Mauer  ziemlich 
hinfällig  geworden  war.  Wahrscheinlich  ragte  hier  auf  der 
Ecke  der  letzteren  ein  ähnlicher  Turm  wie  auf  der  entsprechenden 
Stelle  im  Nordost  bei  17,  welch  letzteres  Bauwerk  erst  1885 
abgetragen  wurde.  Zu  ihm  führte  ursprünglich  wohl  ein  eigener 
Weg;  das  Quatemberbuch  sagt  zu  dem  vor  dem  Turm  stehenden 
Haus  61:  ,, Hinter  diesem  Haufse  an  der  Stadtmauer  ist  der 
Communpulverthurm  und  durch  dieses  Haufs  der  Zugang  darzu". 
Das  Gebäude  war  wahrscheinlich  auf  den  betreffenden  Weg 
so  gebaut  worden,  dafs  die  alte  Weggerechtsame  als  Last 
auf  das  Grundstück  überging.  Als  der  Pulverturm  1749  der 
Garnison  mit  eingeräumt  wurde,  wodurch  dem  davorliegenden 
Gebäude  starke  Belästigungen  erwuchsen,  stand  der  Rat  dem 
betreffenden  Besitzer  Erleichterungen  hinsichtlich  der  Ver- 
quartierung  zu^). 

Am  Obertor  war  nördlich  ein  unbrauberechtigtes  Haus, 
das  sogenannte  „Schieferhaus",  im  Kataster  als  i^  bezeichnet, 
angebaut  worden;  es  bestand  schon  bei  der  Konsignation  von 
1687,  ist  aber  dann  mit  i*  konsolidiert  worden.  Ihm  gegen- 
über befand  sich  ebenfalls  bereits  1687  ein  unbrauberechtigtes 
Haus,  das  bis  heute  selbständig  geblieben  ist.  Da  die  Stelle 
dieses  Gebäudes  auf  dem  Plan,  Fig.  2,  noch  unbebaut  ist, 
mufs  derselbe  vor  1687   entstanden  sein. 

Der  westliche  Hauptblock  der  Mittelzeile  hinter  dem  Rat- 
haus setzte  sich  schon  im  17.  Jahrhundert  aus  einer  Doppel- 
reihe von  Gebäuden  ohne  Gärten  zusammen.  Nur  drei  davon 
galten  als  brauberechtigt;  in  ihren  ursprünglichen  Gärten 
u.  dergl.  sind  wahrscheinlich  die  übrigen  Anwesen  nachträg- 
lich entstanden.  Ähnliches  dürfte  von  den  Häusern  bei  der 
Kunigundenkirche,  an  der  Kirch-  und  Schulgasse,  gelten. 
Bei   dem   ersten   brauberechtigten    Haus  (i8j   an   der  Winter- 


')  Ebenda  S.  41- 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  289 

Seite  stofsen  die  Erdarbeiter  auf  altes  Grundmauerwerk, 
welches  quer  über  die  Strafse  zu  verlaufen  scheint;  viel- 
leicht hat  sich  hier  eine  Umfassungsmauer  des  Kirchhofs  hin- 
gezogen. 

Für  die  Altstadt  (Breitegasse)  läfstsichkeinbrauberechtigtes 
Haus  nachweisen,  obschon  dieselbe  doch  auch  innerhalb  von 
Mauern  lag.  Ihre  Insassen  waren  ursprünglich  wohl  nicht 
ebenbürtig  mit  den  andern  Bürgern,  vielmehr  bildeten  sie 
wahrscheinlich,  wenigstens  in  der  Hauptsache,  anfangs  den 
wendischen  Bestand  des  Orts. 

Nach  der  1739  konfirmierten  und  im  Druck  heraus- 
gegebenen ,, Brauordnung  bey  der  Stadt  Rochhtz"  besafs  die 
Stadt  112  brauberechtigte  Häuser,  welche  zusammen  273V2 
Biere  herstellen  konnten;  jedoch  wurde  damals  beschlossen, 
dafs  jährhch  nur  noch  der  vierte  Teil  erzeugt  werden  sollte. 
Die  vollständige  Zahl  der  Biere  konnte  offenbar  nicht  mehr 
wie  ursprünglich  abgesetzt  werden,  wahrscheinlich,  weil  der 
Stadt  im  Laufe  der  Jahrhunderte  zu  viel  Konkurrenz  hin- 
sichtlich der  Brauerei  auf  den  Dörfern  entstanden  war.  Der 
Urspnmg  vieler  brauberechtigter  Bürgerhäuser  ist  sicher  mit 
in  den  Verhältnissen  um  die  Kolonisationszeit  zu  suchen,  als 
Rochlitz  allmählich  sich  zur  Stadt  ausbildete.  Später  bekam 
es  sein  Bierprivileg,  welches  ihm  ein  gewisses  Absatzgebiet 
innerhalb  der  Meile  sichern  sollte.  Heines  Chronik  ^)  berichtet, 
dafs  Rochlitz  die  betreffende  Verschreibung  von  Friedrich  dem 
Strengen,  zu  dessen  Zeit  die  Stadtmauern  aufgeführt  wurden, 
erhalten  habe;  die  noch  im  Ratsarchiv-)  überlieferte  Be- 
stätigimg von  1748  verweist  auf  frühere  Konfirmationen  und 
sagt,  dafs  die  Stadt  das  Privileg  vom  Kurfürst  Ernst  1475 
erhalten  habe.  In  diesem  Jahr  bereits  schlössen  Rochlitz  und 
Mittweida  einen  Vertrag  wegen  ihrer  Bierprivilegien,  die  durch 
verschiedene  neuentstandene  Dorfschenken  beeinträchtigt  zu 
werden  Gefahr  liefen'^).  In  dem  Bierprivilegium  \vird  weder 
die  Zahl  der  brauberechtigten  Häuser,  noch  diejenige  der 
Biere  selbst  angegeben.  Nirgends  habe  ich  auch  nur  eine 
Andeutung  gefunden,  dafs  in  nachmittelalterlicher  Zeit  ein 
Rochlitzer  Bürgerhaus  mit  einer  neuen  Bierberechtigung 
ausgestattet  worden  wäre.  Neuverleihungen  von  diesem  Vor- 
recht an  einzelne  Grundstücke  hatten  doch  nur  Sinn,  solange 
die  Stadt  ihre  Erzeugnisse  wirklich  absetzen  konnte,  da  sonst 


')   S.  298. 

■-)   Fach  501. 

^)   Heine  S.  299. 


2go  W.  Clemens  Pfau: 

die  alten  brauberechtigten  Häuser  zu  sehr  geschädigt  werden 
mufsten.  Schwerlich  sind  die  Rochlitzer  brauberechtigten 
Häuser  alle  auf  einmal  gegründet  worden;  einzelne  mögen 
allmählich  noch  nachträglich  entstanden  sein,  aber  immerhin 
noch  im  Mittelalter.  Wie  auf  den  Dörfern  die  späteren  Güter 
meist  immer  kleiner  wurden,  nur  noch  Teile  von  Hufen  um- 
fafsten,  so  scheint  dies  in  Bezug  auf  die  Brauberechtigung 
in  Rochlitz  ähnlich  gewesen  zu  sein.  Wahrscheinlich  verfügten 
die  ältesten  Häuser  ursprünglich  über  die  stärkste  Brau- 
berechtigung, die  späteren  über  die  geringere.  Das  der  Burg 
am  nächsten  gelegene  Haus,  Nummer  i  der  Burgstrafse,  durfte 
das  meiste  Bier  von  allen  Häusern,  nämlich  4V2,  brauen,  die 
am  weitesten  abgelegenen,  in  der  Mittelzeile  und  am  Kunigunden- 
kirchhof  herum,  hatten  nur  die  Brauberechtigung  von  je  einem 
Bier.  Die  meisten  starkberechtigten  Häuser  lagen  in  der  Burg- 
strafse und  am  Markt.  Im  westlichen  Teil  des  letzteren,  also 
mehr  nach  der  Burg  zu,  befanden  sich  auch  die  zwei  einzigen 
Gasthöfe,  Bär  und  Löwe,  von  welchen  jeder  vier  Biere  braute. 
Doch  will  ich  nicht  gesagt  haben,  dafs  das  Alter  eines  brau- 
berechtigten Hauses  allein  mafsgebend  für  die  Gröfse  seiner 
Brauberechtigung  gewesen  sein  soll;  sicher  spielte  dabei  auch 
die  Gröfse  des  Grundstückes,  sein  Wasserbezug,  der  Besitz 
seines  Eigentümers  usw.  eine  Rolle  mit.  Mitunter  mag  auch 
ein  brauberechtigtes  Haus  geteilt  worden  sein,  wie  man 
schliefslich  gelegentlich  zwei  benachbarte  brauberechtigte 
Grundstücke  zu  einem  zusammenzog.  Während  die  Brau- 
ordnung von  1739  noch  112  brauberechtigte  Grundstücke 
anführt,  kennt  das  Quatemberbuch  von  1782  nur  noch  iii, 
und  im  19.  Jahrhundert  sind  eine  ganze  Reihe  gröfserer  Häuser 
in  der  Stadt  entstanden,  von  denen  jedes  zwei  bis  drei  ursprüng- 
lich brauberechtigte  Besitzungen  umfafst.  Aber  allem  Anschein 
nach  ist  für  alte  Zeit  der  Umstand,  ob  ein  Haus  schon  sehr 
frühe  bestand  oder  nicht,  für  die  Verleihung  der  gröfseren 
oder  kleineren  Brauberechtigung  mit  mafsgebend  gewesen.  Die 
mächtigen,  oft  in  zwei  Stockwerken  übereinander  angelegten 
Keller  und  die  tiefen  Brunnen  fesselte  das  brauberechtigte 
Haus  an  seine  Stelle;  das  Unterirdische  desselben  hatte  ehedem 
in  der  Regel  mehr  Wert  als  der  oberirdische  Bestand.  Sicher 
waren  die  vier  zum  Zweck  des  Rathausbaues  auf  dem  Markt 
um  1529  weggerissenen  Häuser  nicht  brauberechtigt;  sie 
waren  zweifellos  spätere  Einbauten.  Wie  wir  aus  schriftlichen 
Verhandlungen,  welche  den  Neubau  der  eingeäscherten  Stadt 
1681  betreffen,  erfahren,  konnten  selbst  die  Wünsche  und 
Vorstellungen  der  Regierung  gegen  die  Notwendigkeit,   dafs 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  291 

die  alten  Kellereien  wieder  Stand  und  Bauweise  der  neuen 
Häuser  bedingten,  nichts  ausrichten^). 

Die  zwei  eigentlichen  Vorstädte  der  Stadt  verdanken 
ihre  Entstehung  zweifellos  zwei  ganz  verschiedenen  Haupt- 
ursachen. In  der  Untervorstadt  gruppieren  sich  die  meisten 
Häuser  um  die  Brücke;  sie  sind  jedenfalls,  im  allgemeinen 
gesprochen,  auch  die  ältesten  des  Stadtteils.  Die  von  Nord 
nach  Süd  verlaufende  Gasse,  ehemals  ,, Landgasse",  jetzt 
,, Dresdner  Strafse"  benannt,  stöfst  mit  der  Achse  unmittelbar 
auf  die  uralte  Furt,  die  wohl  schon  zur  Wendenzeit  benutzt 
wurde.  Neben  ihr  bildete  sich  dann  die  Brücke,  nach  welcher 
die  dortige  westöstliche  Gasse  ,,  Brück engasse"  getauft  wurde. 
Beide  Gassen  bestanden  schon  vollständig  im  16.  Jahrhundert, 
wie  die  Bürgerverzeichnisse  in  den  Amtsrechnungen  ausweisen. 
In  der  Amtsrechnung  von  1601/02  wird  einmal  ,,das  Zollhaus 
unter  der  Brücken  hinter  den  Heuserlein"  erwähnt,  welches 
Gebäude  ich  sonst  nicht  wieder  genannt  gefunden  habe.  Um 
1735  hatte  die  Garnison  ein  eigenes  ,,Wachhäufsgen"  auf  der 
Brücke.  Auf  letzterer  übte  stets  das  Amt  die  Gerichtsbarkeit 
aus.  Obgleich  die  Furt  bei  der  Brücke  noch  im  Quatember- 
buch  von  1782  genannt  wird  und  offenbar  bis  um  diese  Zeit 
nebenbei  benutzt  wurde,  dürfte  die  Brücke  doch  bereits  zur 
Kolonisationszeit  allmählich  entstanden  sein,  wie  ihre  höchst 
eigenartigen  ehemaligen  Zins-  und  Dienstverhältnisse  an- 
deuten. 

In  der  Unterstadt  lag  nach  Mathesius-)  Bericht  ursprünglich 
ein  Anger,  auf  welchem  im  16.  Jahrhundert  der  Friedhof,  das 
Hospital  und  die  Kirche  ,,zum  Heiligen  Geist"  angelegt  wurden. 
Der  Gottesacker  heifst  16 17  auch  Spittelgarten*^);  vielleicht 
war  ein  Teil  davon  die  sogenannte  ,,Spitelwiese",  welche 
Amtsfröner  aus  Spernsdorf  nach  dem  Erbbuch  von  1548  zu 
hauen  hatten,  die  aber  später  nicht  mehr  genannt  wird. 

Der  Friedhof  bei  der  Kirche  zum  Heiligen  Geist  entstand 
1534*).  Da  nun  1538  bei  der  Kunigundenkirche  die  Schule 
gebaut  wurde,  so  darf  man  hieraus  wohl  schliefsen,  dafs  dieser 
Friedhof  um  diese  Zeit  einging;  nun  konnten  innerhalb  seines 
Gebietes  die  unbrauberechtigten  Häuser  entstehen. 

Die  Gerichtsbarkeit  auf  den  Grundstücken  der  Untervorstadt 
war  dem  Rat  stets  mit  verpachtet;  er  besafs  hier  auch  mehrere 
Gebäude  wie  Kuttelhof,  Meisterei,  Hirtenwohnungen  u.  dergl. 

^)  Einzelheiten  V,  116. 

^)  Heine  S.  10. 

")  Ratsarchiv,  Kommissionsakten  von  1617,  S.  7. 

*)  Heine  S.  54. 


292  W.  Clemens  Pfau: 

Am  spätesten  scheint  der  untere  Steinweg  bebaut  worden  zu 
sein.  Derselbe,  sehr  oft  im  Quatemberbuch  genannt,  schlofs 
sich  an  das  Untertor  an  und  verUef  von  West  nach  Ost.  In 
den  Amtsrechnungen  des  16.  Jahrhunderts  werden  die  Roch- 
Ktzer  Bürger,  welche  jährlich  Holz  auf  dem  Rochlitzer  Wald 
kauften,  ganz  gewöhnlich  nach  den  Strafsen  oder  Gassen,  in 
welchen  sie  wohnten,  aufgeführt.  Nie  kommen  hier  Bewohner 
des  unteren  Steinwegs  vor,  während  die  Leute  der  Land-, 
Brücken-,  Fischergasse,  des  oberen  Steinwegs  usw.  regelmäfsig 
auftreten.  Die  Stadtgrabenbrücke  am  oberen  Steinweg  wurde 
bereits  1529  aus  Stein  gebaut^),  während  diejenige  am  Unter- 
tor stets  hölzern  blieb-).  Von  letzterer  zog  sich  nach  Süden 
die  Fischergasse  hin;  dort  errichtete  die  Hospitalverwaltung 
im  18.  Jahrhundert  wegen  Überfüllung  des  Hospitals  Armen- 
häuser'^). Fischer-  und  Landgasse  stofsen  auf  die  ehemalige 
kurfürstliche  Bleiche;  letztere  übernahm  1564  der  Rat.  Es 
entstanden  nunmehr  allmählich  zahlreiche  eingezäunte  ,, Bleich- 
gärten"  und  Wohnhäuser  hier^). 

Bei  weitem  wichtiger  als  die  untere  Vorstadt  dürfte  die 
obere  sein,  schon  deshalb,  weil  die  Erörterung  ihrer  Geschichte 
zur  Untersuchung  über  das  Rochlitzer  Suburbium  führen  muf-;. 

Kretzschmar  a.  a.  O.  behauptet,  letzteres  sei  die  Roch- 
litzer ,, Altstadt",  die  nördUch  der  Stadt  noch  innerhalb  der 
,, alten  Mauer"  gelegene  Breitegasse.  Einen  Beweis  für  die 
Richtigkeit  der  Angabe  suche  ich  vergebens.  Wenn  Kretzsch- 
mar anführt,  dafs  Heine  ,, ausdrücklich  betont",  die  Stadt  und 
Altstadt  seien  ,, gerichtlich  von  einander  geschieden  gewesen", 
so  irrt  sich  Kretzschmar;  denn  die  Chronik  sagt  durchaus 
nicht  das,  was  ihr  zugeschrieben  wird.  Die  beiden  Stadt- 
bezirke waren  gerichtlich  nicht  getrennt,  waren  vielmehr 
durch  den  Gerichtspachtbrief  dem  Rat  zusammen  übergeben. 
Einzelne  Grundstücke  der  Breitegasse  gehörten  zur  Pfarr- 
verwaltung, welche  1570  der  Rat  erwarb.  Schon  deshalb, 
weil  die  innerhalb  der  Mauer  befindliche  Altstadt  am  weitesten 
vom  Schlofs  lag  und  zur  Gerichtsbarkeit  des  Rats  gehörte, 
kann  ich  Kretzschmar  in  dieser  Angelegenheit  nicht  zustimmen 

Das  Suburbium  müfste  man  meines  Erachtens  näher  am 
Schlofs,  zwischen  diesem  und  dem  Obertor  der  Stadt,  suchen. 


')  Rochl.  Amtsgerichtsarchiv,  ältestes  Handelsbuch  (15 13— 1537) 
Bl   185. 

-)  Nach  den  Ratsrechnungen,  z.  B.  von  1657,  wird  wiederholt 
am  ,,Brickle  vor  dem  Unterthor"  mit  Holz  gebessert. 

^)    Rechnungen  der  Hospitalverwaltung  im  Ratsarchiv. 

*)    Heine  S.  26  und  Amtsrechnungen. 


Topographisches  vom  alten  Rochhtz.  293 

Hier  lagen  schon  in  alter  Zeit  Gebäude,  welche  in  Lehns- 
und Gerichtsangelegenheiten  teils  dem  Rat,  teils  dem  Amt 
unterstanden;  die  letzteren  führten  früher  stets  den  Namen 
„Amtsvorstadt,  Schlofsvorstadt".  Diesen  Stadtteil  mufs  man 
offenbar  als  das  Suburbium,  welches  freilich  im  Mittelalter 
nicht  stark  ausgebildet  war,  auffassen. 

Die  Häuserblöcke  vor  dem  Obertor  (12)  nahmen  allmäh- 
lich zwei  ursprüngUche  Anger  ein,  welche  Mathesius  noch 
anführt  und  die  in  ältester  Zeit  mit  einigen  Meierhöfen  besetzt 
gewesen  sein  sollen^).  Der  nördliche  Teil  des  Geländes 
gehörte  zur  Pfarrverwaltung,  später  zum  Rat,  der  südliche 
zum  Amt.  Im  Jahre  1520  tauschte-)  Herzog  Georg  vom  Roch- 
litzer  Rat  das  Dorf  Bedeln  ,,mit  eylf  guten  schogken  jerlichs 
zinses,  zwelf  besessen  mennern,  erbgerichten  und  allen  zube- 
horungen".  Dagegen  gab  er  aufser  jährlichen  Einkünften  in 
Speriingsdorf  (jetzt  Spernsdorf)  und  Seelitz  ,,zcinse  und  lehn 
auf  allen  Eckern,  wysen  und  höltzern  der  dreyher  forwergke, 
Weyschitz,  Kofsehtz  und  Czafsnitz  genandt,  mit  erbge- 
richten", — •  ,, desgleichen  auch  nachfolgend  zinse  in  der 
Vorstadt  zu  Rochlitz  — ",  ,,item  i  seh.  7  gr-  i  -v?  innerhalb 
und  aufserhalb  der  Stadt  von  den  heusern  worfzins  alle  jar, 
jerlich  uff  Walpurgis  zu  fordern  und  zwene  tage  margktrecht, 
yhnen  vor  neuntzen  gr.  angerechnet".  Die  hier  genannte 
Vorstadt  ist  die  Schlofsvorstadt.  Nach  der  Tauschurkunde, 
welche  alle  Zinspflichtigen  mit  Namen  und  Abgabengröfse 
angibt,  wurden  dem  Rat  in  der  Vorstadt  19  Zensiten  über- 
wiesen. Die  Grundstücke  der  drei  genannten  Vor^verke  bilden 
heutzutage    den    Hauptbestand    der    städtischen   Ackerfluren. 

Zur  Zeit,  als  sich  dieser  Tausch  vollzog,  bestanden  wahr- 
scheinlich die  Gebäude  in  der  oberen  Vorstadt,  westHch  der 
Baderei,  noch  nicht.  Die  Stelle  vor  dem  Badertor  wird  in 
den  Amtsrechnungen  ganz  gewöhnlich,  z.  B.  in  einer  Buchung 
über  einen  Hauskauf  von  1572,  als  ,, Baderberg"  bezeichnet. 
Die  Wohngebäude  zwischen  Baderei  und  Mühle  bildeten  sich 
wohl  ganz  allmählich  im  i6.  Jahrhundert  heraus.  Sie  gehörten 
mit  Lehn-  und  Erbgericht  zum  Amt.  In  den  Amtsrechnxongen 
der  zweiten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts  werden  einzelne  dieser 
Häuser  als  ,,uff  dem  Graben"  liegend  bezeichnet,  während 
das  alte  Handelsbuch,  das  bis  1537  reicht,  kein  solches  Besitz- 
tum dort  aufführt,  trotzdem  es  doch  Einträge  über  verschiedene 
Besitzveränderungen  in   der  Vorstadt   bringt.     Beispielsweise 


^)  Heine  S.  10. 

-)  Amtsgerichtsarchiv,  ältestes  Handelsbuch  Bl.  264 — 267. 


294 


W.  Clemens  Pfau: 


kauft  nach  ihm  1525  Wolf  Weber  von  Donat  Hackentall  das 
,,Haus  vor  Rochlitz  bei  der  Mule'"^).  Dasselbe  lag  entweder 
am  ,, Mühlberg"  oder  am  „Mühlplan",  welche  Ortsbezeich- 
nungen in  den  ältesten  Amtsrechnungen  ziemlich  oft  auf- 
treten, z,  B.   1583. 

Die  Häuser  „uff  dem  Graben",  beim  Mühlgraben,  konnten 
sich  doch  erst  bilden,  als  die  dahinter  befindliche  Stadtmauer 
schon  stark  an  Bedeutung  verlor  und  der  ursprüngliche  Wall- 
graben so  verfallen  war,  dafs  er  schliefslich  Land  für  Gebäude, 
Höfe  und  Zugänge  herzugeben  vermochte.  In  dem  Gerichts- 
pachtbrief von  1464  werden  Häuser  ,,uff  dem  graben"  nicht 
erwähnt,  trotzdem  man  erwarten  könnte,  sie  hier  gebucht  zu 
finden,  wenn  sie  vorhanden  gewesen  wären.  Es  heifst  da 
,,von  der  badestube  hinauf  bifs  an  die  mohle".  Nach  dem 
Quatemberkataster  stellten  im  18.  Jahrhundert  die  Tuchmacher 
ihre  Rahmen  vor  der  Stadtmauer  beim  Badertor  auf,  weshalb 
der  Weg  hier  an  dem  alten  Verteidigungsbau  das  ,,Tuch- 
rahmengäfschen"  hiefs.  Es  lag  auf  dem  zugefüllten  Stadt- 
graben. 

Die  ältesten  Privathäuser  der  Schlofsvorstadt  entstanden 
zweifellos  in  der  Nähe  des  ,, hohen  Hauses"  (22)  und  der 
Mühle  (14).  Ihre  Insassen  mögen  ursprünglich  zum  guten 
Teil  Arbeiter  dieser  beiden  Besitzungen,  Taglöhner  usw., 
gewesen  sein.  Auch  in  viel  späterer  Zeit  noch  gehörten 
diese  Vorstädter  in  der  Hauptsache  durchaus  nicht  zu  den 
vornehmen  Einwohnern.  In  einer  Eingabe  an  den  Kurfürst 
sagt  der  Rat  1750,  die  Amtsvorstadt  bestände  meist  aus 
,,  Hütten,  worinnen  mehrenteils  Tagelöhner  wohnen,  und  werden 
solche  nur  Ambtsbothenhäuser  genannt"-). 

Die  alte  Gerichtsgrenze  unter  den  Liegenschaften  der 
oberen  Vorstadt  ist  nach  der  Urkunde  von  1464  nicht  recht 
klar:  ,,Von  der  badestube  hinuf  bifs  an  die  mohle  und  von 
der  mohel  fürüber  bifs  wieder  zu  dem  gessichen".  Das 
Gäfslein  war  der  Ausgangspunkt  der  ganzen  Weichbildsfest- 
setzuno;  orewesen.  Verständhcher  wird  letztere  durch  ein 
Aktenstück  über  die  abermalige  Grenzbestimmung  des  Gerichts- 
bezirks vom  Jahre  1704,  welches  Schriftstück  auch  Heine  in 
seinem  Bericht  über  diese  Angelegenheit  benutzt  hat^).  Den 
Ausgang  bei  dieser  späteren  Grenzaufnahme  bildet  wieder 
eine  Gasse,    und   die  ganze  Aufzählung   der  einzelnen  Mark- 

1)  Handelsbuch  Bl.  132b. 

-)  Ratsarchiv,  Fach  426,  Aktenstück  über  Servisangelegenheiten 
von  1749 — 17.54  Bl.  139. 

3)    S.  400. 


Topographisches  vom  alten  RochUtz.  295 

punkte  entspricht  genau  der  von  1464,  Man  fing  am  ,,Mühl- 
gäfschen"  an.  Die  Ecke  desselben  nebst  vier  anderen  der  Pfarre 
(21)  gegenüber  und  am  Schulborn  (bei  19)  befindlichen  Häusern 
und  zwei  Baustellen,  ferner  die  Mühle  mit  zugehörigen  Gärten 
und  Gebäuden  (14)  und  das  ,,hohe  Haus"  (22)  gehörten  zum 
Amt.  Die  Mühlgrasse  teilt  den  Liegenschaftsblock  12a.  Pfarre 
(21),  Schlofsvorwerk  (13)  standen  ebenfalls,  wie  alles  westlich 
davon  Gelegene,  unter  dem  Amt;  die  Liegenschaften  östlich 
davon  bildeten  Ratsgebiet. 

Als  Grenzbestimmung  kommt  das  Mühlengelände  sehr 
frühe  vor;  1288  reicht  Pfalzgraf  Friedrich  von  Sachsen  dem 
Kloster  Buch  eine  Hufe  mit  der  Fischerei  auf  der  Mulde 
vom  Dorf  Kralapp  ,,usque  ad  aggerem  molendini  in  Roche- 
lizc"^).  Der  Name  Mühlgasse  läfst  sich  schon  in  älteren 
Amtsrechnungen,  z.  B.  1582,  belegen;  in  der  Rechnung  von 
1604/05  kommt  der  Ausdruck  vor  „Ecke  des  Mühlgefslein 
gegenüber  der  Pfarre". 

Dafs  sich  das  Rochlitzer  Suburbium  im  Mittelalter  nicht 
stärker  entwickelte,  lag  zweifellos  an  den  Raumverhältnissen 
der  Schlofsanlage.  Die  Burg  trat  südlich  ziemlich  dicht  an 
die  JNIulde  heran  und  die  hier  sich  westlich  erstreckenden 
geringfügigen  Wiesen  hatten  ständig  von  den  Überschwem- 
mungen-) zu  leiden.  Auf  der  Nordseite  zog  sich  neben  dem 
Schlofsgraben  die  tiefeingeschnittene  ,,Geithainer  Strafse"  hin, 
am  Fufs  des  ziemlich  steilen  angrenzenden  amtlichen  ,, Wein- 
bergs". Im  Westen  lag  der  Amtswald  und  die  für  die 
Unterhaltung  der  Amtsgebäude  und  ihrer  Insassen  wichtige 
Feldflur.  Die  Petrikirche  mit  ihrem  offenbar  ziemlich  aus- 
gedehnten Gottesacker,  der  auch  oft  überschwemmt-^)  wurde, 
lagerte  sich  dem  Schlofs  östlich  vor;  ihr  zur  Seite  stand 
bis  1538  die  Schule.  Es  konnten  sich  demnach  im  Mittelalter 
am  Burgberg  höchstens  einige  kleine  Häuschen  anschmiegen. 

In  den  alten  Amtsrechnungen  des  1 6.  Jahrhunderts  werden 
wiederholt  die  Häuser  der  ,,Schlofsgasse"  (19)  an  der  Petri- 
kirche, z.  B.  1599,  genannt;  aus  ihren  Kaufspreisen  zu 
schliefsen  waren  sie  offenbar  nur  von  geringer  Bedeutung. 
Nach  der  Amtsrechnung  von  1635/36  brannten  1635  neun 
Häuser  der  Schlofsgasse  weg.  Der  Kurfürst  Hefs  ihre  Er- 
bauung wegen  der  Feuersgefahr  für  Schlofs  und  Kirche  nicht 
wieder  zu,  kaufte  vielmehr  die  Stellen  für  112  fl.  und  machte 


^)  Schöttgen  u.  Kreyssig.  Scriptores  II,  206. 

-)  Das  Nähere  darüber  vgl.  Pfau,  Einzelheiten  V,  157. 

^)  Ebenda  S.  15. 


296  W.  Clemens  Pfau: 

Gärten  daraus.  Wie  aus  den  Amtsrechnungen  weiter  zu  ent- 
nehmen ist,  entstanden  seit  der  zweiten  Hälfte  des  16.  Jahr- 
hunderts allmählich  einige  Häuschen  „uffm  Graben"  beim 
Schlofs;  das  sind  offenbar  die  Grundstücke,  aus  welchen  sich 
später  die  Petrigasse  an  der  Geithainer  Strafse^j  (20)  in  der 
Hauptsache  entwickelte.  Häuser  „am  Petrikirchhof "  werden  in 
den  älteren  Amtsrechnungen,  z.  B.  1577,  wiederholt  genannt. 

In  der  Nähe  der  Kirche  lag  bis  zur  Reformationszeit 
das  Haus  der  Brüderschaft  ,,der  elenden  Selen''.  Das  Besitz- 
tum bestand  aus  dem  „Underhaus"  und  „Oberhaus".  Ersteres 
wurde  1530,  letzteres  1536  vererbt,  und  zwar  an  den  Kirchner 
Fabian  Junckwirt"-|.  Augenscheinlich  ist  dieses  Gebäude 
gleichbedeutend  mit  dem  „Sehlhaus",  welches-^)  der  oben 
erörterte  Tauschvertrag  von  1520  mit  als  Inhaber  eines 
Vorwerksholzes  erwähnt. 

Die  Pfarre  (21)  befand  sich  in  der  Nähe  des  östlichen 
Petrikirchhofes;  sonst  grenzte  derselbe  an  den  Mühlplatz 
oder  Mühlplan.  Nach  Eingehen  des  Friedhofes  fiel  der  letztere 
offenbar  zum  guten  Teil  mit  dem  Gebiet  des  ehemaligen 
Begräbnisplatzes  zusammen.  Das  ganze  Gelände  ist  offenbar 
für  die  Geschichte  des  Rochlitzer  Gerichtswesens  von  gröfster 
Bedeutung. 

Ursprünglich  stand  auf  dem  Mühlplan  der  Amtspranger, 
also  bei  der  Gerichtsgrenze  des  Amtes;  derselbe  wird  1602 
ausgebessert,  da  er  aus  Holz  war*j.  1605  erwähnt  die  Amts- 
rechnung den  steinernen  Pranger  ,,ufin  Peterskirchhof". 
1595  schaffte  ein  Zimmermann  den  Gefangenenstock  aus 
„dem  untern  Zwinger",  d.  h.  dem  Wallgraben  bei  der  Kirche, 
in  den  ,, lichten  Turm".  Demnach  hatte  das  Gelände  um  die 
Kirche  in  alter  Zeit  eine  gewisse  Bedeutung  für  richterHche 
Strafvollstreckung  und  sicher  haben  hier  auch  Gerichts- 
verhandlungen im  Mittelalter  stattgefunden.  Das  geht  aus 
folgendem  hervor.  1290  regelte  Pfalzgraf  Friedrich  Grenz- 
streitigkeiten zwischen  dem  unter  Gerhardt  dictus  de  Krosna 
stehenden  Dorf  Weiditz  und  dem  zum  Kloster  Buch  gehörigen 
Kralapp.  Die  Urkunde'^)  über  diese  Angelegenheit  ist  aus- 
gestellt „in  porticu  ante  castrum  in  Rochelizc";  aufserdem 
werden  die  Streitparteien  als  ,,coram  nobis  in  Rochelizc  ante 
ecclesiam    in    porticu    venientes"    bezeichnet.       Es    bestand 


')  Über  die  Strafsen  vgl.  Pfau,  Einzelheiten  V,  168. 

-)  Handelsbuch  Bl.  221. 

3)  Ebenda  Bl.  266. 

■*)  Aratsrechnung.     Pfau,  Einzelheiten  V,  17. 

■'^)  Abgedruckt  bei  Schottgen  u.  Kreyssig,  Scriptores  II.  aiof. 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  207 

damals  also  vor  der  Kirche  eine  Gerichtshalle.  Ebenfalls  1290 
übergibt  Heinrich  von  Colditz  das  halbe  Dorf  Tierbaum  dem 
Kloster  Buch  in  einer  Urkunde,  welche  den  Ausstellunofs- 
vermerk  trägt  ,,Rochehzc  in  cimiterio".  Höchst  wahrscheinlich 
bildeten  die  hier  angedeuteten,  bei  der  Petrikirche  tagenden 
Gerichtssitzungen  das  älteste  Rochlitzer  Landgericht,  an 
welchem  die  16  Saupen  als  Schoppen  wirkten.  An  ihrem 
Dingstuhl  zu  Nofswitz  kamen  sie  nur  unter  sich  zusammen; 
sonst  hatten  sie  bis  in  die  neueste  Zeit  allerhand  Gerichtshand- 
'ungen  (Folterungen,  Hinrichtungen,  Aufhebungen  u.  dergl.) 
beizuwohnen.  Der  ,,porticus  ante  castrum  —  ante  ecclesiam" 
ist  wohl  so  ziemlich  gleichbedeutend  mit  dem  Rochlitzer 
,, Gerichtshaus",  über  welches  1528  ein  Vertrag  abgeschlossen 
wurde  ^).  Zwischen  Rat  und  Landgericht  waren  ,, Irrungen 
und  Gebrechen"  vorgekommen  wegen  der  ,, Frevel  und 
Gerichtsbussen,  die  sich  im  Gerichtshause,  weyl  die  Gerichts- 
personen allda  vorhanden,  begeben".  Es  wurde  deshalb 
festgesetzt,  dafs  die  Fälle  in  diesem  „Hause  zu  Rochlitz, 
darinnen  die  Landgerichte  gehalden"  von  Ostern  bis 
Michaelis  täglich  bis  7  nachmittags  „den  Lantgerichten  ader 
einem  Amptmann  zustehen",  desgleichen  diejenigen  von 
MichaeUs  bis  Ostern  täglich  bis  4  nachmittags.  „Was  sich 
aber  vor  Gerichtsfelle  nach  dieser  obberurten  Zceit  im  Landt- 
gerichtshause,  so  doch  das  die  Gerichte  aufgegeben,  erregnen 
würden,  die  sollen  und  mügen  der  Ratte  zu  Rochlitz  von 
wegen  irer  Gerichte  in  ire  Straff  zu  nemen  gut  Fug  und 
Recht  haben."  Wo  das  Landgerichtshaus  lag,  geht  aus  der 
Niederschrift  nicht  hervor;  doch  greift  man  wohl  nicht  fehl, 
wenn  man  annimmt,  dafs  es  am  Mühlplatz,  auf  der  Scheide 
zwischen  Rats-  und  Amtsgerichtsgebiet,  gestanden  habe. 
Augenscheinlich  ist  es  bald  nach  der  Zeit  dieses  Vertrags 
eingegangen.  In  den  Verzeichnissen  der  Amtsliegenschaften 
des  16.  Jahrhunderts  wird  es  nie  genannt  und  keine  Amts- 
rechnung bucht  eine  Ausgabe  für  dasselbe.  In  späterer  Zeit 
fanden  die  Landgerichtsverhandlungen  auf  dem  Schlofs  in 
der  Amtsstube  statt,  wie  z.  B.  aus  einem  Rügenprotokoll 
von  1687  hervorgeht'-). 

Ein  Strich  vom  Mühlplatz  hiefs  ehemals  der  ,,Urthelsplatz". 
Das  Quatemberkataster^)  von  1782  führt  unter  der  Nummer  11, 
Abteilung    Gärten   vor   dem    Obertor,    mehrere    Grundstücke 


>)  Handelsbuch  Bl  167. 
-■)  Pfau,  Die  Saupen  S.  43. 
=*)  Ratsarchiv  Bl.  299. 


2q8  W.  Clemens  Pfau: 

der  Reihe  nach  auf,  die  zwischen  einem  Stadtgrabengarten 
und  der  Schlofsaue  lagen.  Es  heifst  da:  ,,iia  —  Johann 
G.  Häfslers  Garten  zum  Hohen  Haufse  gehörig,  iib  — 
der  Küchen-  oder  Miethgarten  am  Urthelsplatze  unterm 
Schlofse.  HC  —  Der  Schlofsgraben-Garten.  1 1 d  —  Königs 
Lohmühle  am  Schantzenberge."  Da  diese  vier  Grundstücke 
unter  derselben  Nummer  eingetragen  sind,  so  bildeten  sie 
augenscheinlich  ursprünglich  einen  einheitlichen  Besitz  (Amts- 
eigentum). Die  „Schlofsaue  mit  Waschhaus,  altem  Teich 
und  drei  Fischhältern"  wurden  1559  an  Kaspar  Seidel  auf 
so  lange  verpachtet,  „bifs  ein  regierender  Herr  adder  eine 
Witwe  uf  solch  Ampt  verleibdinget  und  des  Orts  hofhalten". 
1685  wurde  der  Besitz  einem  Bürger  vererbt^). 

Der  Ausdruck  ,,Urthelsplatz"  erscheint  mir  auffällig,  denn 
er  bezieht  sich  doch  nur  auf  gewisse  gerichtliche  Handlungen, 
nicht  aber  auf  ganze  Gerichtssitzungen.  Es  wäre  wohl 
möglich,  dafs  die  betreffende  Örtlichkeit  nur  zur  Verkündung 
gewisser  Urteile  diente,  wie  die  Freitreppe  am  Rathaus  auch 
von  dem  aus  der  Ratsstube  tretenden  Gericht  zur  Verkündung 
von  Urteilen  u.  dergl.  benutzt  wurde.  Bei  der  Petrikirche, 
also  bei  der  Gerichtsstätte,  befand  sich  in  ältester  Zeit  eine 
,, steinerne  Treppe",  welcher  Ausdruck  als  allgemein  bekannte 
Ortsbezeichnung  öfters  in  den  amtlichen  Büchern  vorkommt. 
1528  wird  ,,Jacoff  Metzners  Haufs  uf  der  steinen  Treppen 
liegend"  verkauft-).  Nach  Einträgen  in  den  Amtsrechnungen 
heifst  sie  mitunter  die  steinerne  Treppe  am  Peterskirchhof. 
Zum  letztenmal  finde  ich  sie  erwähnt  in  der  Amtsrechnung 
von  1606  (,,Schlofsgasse  an  der  steinern  Treppe  am  St.  Peters- 
kirchhof"), ihre  Bedeutung  scheint  demnach  nicht  lange  nach 
dem  Untergang  des  Landgerichtshauses  auch  aufgehört  zu 
haben.  Sollte  von  den  Stufen  der  Treppe  aus  mitunter  das 
Urteil  verkündet  worden  sein? 

Die  Schlofsbrücke  diente  augenscheinlich  Rechtsbeiständen 
als  Geschäftsstelle.  Wenigstens  heifst  es  im  Anfang  eines 
Eintrags  von  15 13  im  Handelsbuch-'):  ,,Auf  heut  montag 
assumptionis  gloriosissime  virginis  Marie  anno  etc.  xiii  ist 
Lucas  Spreher  zu  den  achtbarn  und  wirdigen  Herren,  ern 
Conrado  Schreckh,  beider  recht  doctor,  zu  Geithain  pfarrer, 
nach  der  vesper  zu  Sankt  Peter  zu  Rochlitz  uff  die  brücke 
vor    dem    schlofs    kummen    und    angesaget  wie   das  —   — ". 


')  Pfau,  Einzelheiten  V,  157. 
2)  Handelsbuch  Bl.  77. 
»)  Ebenda  Bl.  5. 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  299 

Schreckh  beteiligt  sich  auch  noch  an  einer  Gerichtshandlung 
1514^),  kommt  aber  dann  nicht  mehr  vor.  Wahrscheinlich 
ist  er  um  diese  Zeit  gestorben ;  die  Kirchengalerie  weist  ihn 
nur  für  die  Zeit  1488 — ^1506  nach  und  gibt  nichts  über  seinen 
Charakter  als  Jurist  an-). 

Ursprünglich  mag  der  Platz  am  oder  bei  dem  Mühlplan 
auch  zur  Vollstreckung  von  Todesstrafen  gedient  haben. 
15 14  liefs  Herzog  Georg  einen  böhmischen  Edelmann,  Johann 
Günther,  ,,vor  dem  Schlofs"  enthaupten'^).  Sonst  wurden 
derartipfe  Strafen  an  verschiedenen  Stellen  in  Rochlitz  voll- 
zogen:  Enthauptungen  an  der  neuen  Wiese  vor  dem  Untertor 
am  Rabenstein,  Grenze  zwischen  Amts-  und  Stadtgebiet;  das 
Verbrennen  bei  der  Brandsäule  an  der  Seelitzer  Grenze,  Libbe; 
das  Hängen  auf  dem  Galgenberg,  ursprünglich  Kalchberg, 
auf  der  Gröblitzer  Grenze.  Die  beiden  letzten  Hinrichtungs- 
stätten umfassen  prähistorische  Massenfunde  ^), 

Rochlitz  hat  zweifellos  im  Mittelalter  eine  besondere 
Rolle  im  Gerichtswesen  gespielt.  Damit  hängt  vermutlich 
zusammen,  dafs  zur  Aufrechterhaltung  des  1383  von  den 
Bischöfen  Niclaus  von  Meifsen  und  Christian  von  Naumburg, 
sowie  von  Markgraf  Wilhelm  beschworenen  Nürnberger  Land- 
friedens nach  einer  weiteren  in  Chemnitz  am  4.  August  1384 
getroffenen  Abmachung  zum  mindesten  aller  vier  Wochen  in 
Rochlitz  vom  Richter  und  acht  Beisitzern  eine  gerichtliche 
Zusammenkunft  stattfinden  sollte'^).  Vielleicht  kam  man  hierbei 
auch  auf  der  Gerichtsstätte  am  Peterskirchhof  zusammen. 

Eine  besondere  Wichtigkeit  mufs  im  Mittelalter  das 
,,Hohe  Haus"  oder  ,,Fre3-haus"  der  Schlofsvorstadt  gehabt 
haben.  Dasselbe  (22)  lag  südwestlich  vom  Obertor  nach  der 
Mühle  zu,  unmittelbar  vor  der  Zafsnitzer  Muldenfurt.  Bis 
zum  Jahre  1588  bildete  es  ein  ,, Mannlehn",  welches  durchs 
Amt  vergeben  wurde:  der  letzte,  der  es  als  solches  inne 
hatte,  war  Hiob  v.  Milkau.  Die  Familie  v.  Milkau  safs  nach 
Ausweis  des  alten  Handelsbuches*')  schon  1529  darauf.  Hiob 
verkaufte  das  Hohe  Haus  ,,an  der  Mulden  gelegen"  mit  dem 
,,Hausrath  darinnen"  und  dem  dazu  gehörigen  ,,Obst-  und 
Kretzgertlein"  an  Kurfürst  Christian").     1588  wurde  der  Besitz 

^)  Ebenda  Bl.  8. 
-)  Ebenda  XI,  42. 
^)  Heine  S.  62. 
*)  Pfau,  Einzelheiten  V,  6ff. 
5)  Cod.  dipl.  Sax.  I.  B.  i,  82. 
®)  Ebenda  S.  192. 

"^  Rochl.  Amtsgerichtsarchiv,  Erbregistere  und  Ahnschläge  über 
die  zum  Ambte  Rochlitz  ufs  neue  erkauften  Güthere.   1587.  ßl.  5sft". 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVIII.    3.  4.  20 


■2  00  W.  Clemens  Pfau: 

weiter  auf  den  Colditzer  Forstmeister  Sebastian  Schmidt  ver- 
erbt^). Wann  es  entstanden  ist,  läfst  sich  nicht  ausmachen; 
ich  vermute,  dafs  es  in  sehr  früher  Zeit  angelegt  wurde,  und 
zwar  vielleicht  mit  zu  Verteidigungszwecken.  In  dem  Ver- 
erbungsbrief (Amtsrechnung)  wird  es  bezeichnet  als  ,,am 
Stege"  befindlich;  der  letztere  entstand  im  1 6.  Jahrhundert 
auf  der  Stelle  der  Zafsnitzer  Furt,  nachdem  die  Äcker  des 
an  den  Rochlitzer  Rat  durch  Herzog  Georg  vertauschten 
Vorwerks  Zafsnitz  in  die  Hand  der  Bürgerschaft  überge- 
o-angen  waren.  Das  hohe  Haus  und  das  Zafsnitzer  Vorwerk 
hatten  für  den  Kriegsfall  wohl  den  zwischen  ihnen  liegenden 
Muldenübergang  zu  sichern,  denn  durch  denselben  konnte  die 
Vorstadt  und  das  Schlofs  vom  Feind  unter  Umständen  leicht 
überrumpelt  werden;  auf  letzteres  hatte  das  ,,hohe  Haus"  im 
Kriegsfalle  auf  Verlangen  einen  tüchtigen  Mann  zu  stellen-). 
Der  Name  „hohes  Haus"  erinnert  lebhaft  an  die  Bezeichnung 
,,das  grofse  Haus",  womit  der  Volksmund  das  Rochlitzer 
Schlofs  zuweilen  noch  heutzutage  belegt  und  damit  die  ur- 
kundliche, mittelalterliche  Benennung  „Haus"  für  „Burg" 
überliefert. 

Wenn  das  hohe  Haus  und  das  Zafsnitzer  Vorwerk 
ursprünglich  wirklich  eine  militärische  Wichtigkeit  für  die 
Sicherung  eines  Zuganges  zum  Schlofs  besessen  hätten,  so 
bildeten  sie  wohl  nur  Glieder  einer  enggezogenen  Kette  ähn- 
licher Anlagen,  die  ehemals  der  Rochlitzer  Burg  vorlagerten 
und  ursprünglich  etwas  wie  kleinere  Ministerialsitze  gewesen 
sein  mögen,  bis  sie  zu  Meiereien  herabsanken  und  —  wohl 
um  den  Ausgang  des  Mittelalters  —  ganz  eingingen.  Ich 
habe  schon  gesagt,  dafs  auf  den  auf  dem  Wald  befindlichen 
Schlofsfeldern  ein  zur  Burg  gehöriger  ritterlicher  Hof  gelegen 
haben  mufs,  von  dem  nur  die  Flurbezeichnung  „Hofstöckigt" 
erhalten  blieb.  Am  Grimmaischen  Tor,  also  am  Eingang  zur 
Schlofsvorstadt,  bestand  bis  in  das  1 6.  Jahrhundert  das  Schlofs- 
vorwerk.  Ferner  überwiesen  die  Gebrüder  Friedrich  und 
Sigismund  1433'^)  einem  Altar  der  Petrikirche  u.  a.  „eine 
hofestat  —  dy  do  gelegen  ist  an  statmauer",  also  wohl  auch  die 
Stelle  eines  eingegangenen  Vorwerks.  Die  Kuppen  des  nörd- 
lich der  Burg  gegenüber  gelegenen,  zu  ihr  gehörigen  Saubergs 
trug  das  Vorwerk  Weydschitz,  das  1520  der  Rat  eintauschte. 
Flurstücke   auf  dem  Sauberg   heifsen   noch  jetzt   die  „Weid- 


1)  Amtsrechnung. 

'^)  Archiv  des  Rochl.   Geschichtsvereins,  Erbregister  um   1600. 

8)  HStA.  Dresden.  Loc.9903  Die  Bleiche  zu  Rochlitz  1433^-  Bli- 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  ^oi 

schitz",  die  ,, Mützenburg".  Bei  Poppitz  erwarb  ferner  der 
Rat  1520  das  amtliche  Vorwerk  Koselitz,  das  in  einer  Stiftungs- 
urkunde für  das  Altar  Beatae  virginis  der  Kunigundenkirche 
1408^)  auch  Koselich  heifst  und  der  Flur  Kisseling,  Kesseling, 
wovon  ein  Teil  auch  „Hofstatt"  genannt  wird,  den  Namen 
gegeben  hat.  Eine  „Hofstatt  über  der  Brücke"  wird  im  alten 
Ratshandelsbuch  (im  Rochlitzer  Amtsgericht)  noch  für  die  Zeit 
um  1700  angeführt.  Vielleicht  hängt  mit  diesem  ursprüng- 
lichen Hof  der  Name  des  Junkerberges  über  der  Brücke  zu- 
sammen. Alle  diese  Höfe  lagen  an  wichtigen  Zugängen  nach 
Rochlitz.  In  meiner  „Geschichte  des  Dorfes  Seelitz"  -)  habe 
ich  ferner  aus  verschiedenen  Erörterungen  den  Schlufs  ge- 
zogen, dafs  diese  Ortschaft  in  ältester  deutscher  Zeit  einen 
ritterlichen  Sitz  gehabt  haben  dürfte;  Seelitz  ist  das  erste 
Dorf  über  der  Brücke.  Nimmt  man  nun  noch  an,  zu  welcher 
Vermutung  mehrere  Umstände  berechtigen,  dafs  auch  die 
Saupenschaft,  deren  Hauptdörfer,  Nofswitz  und  Stöbnig,  un- 
mittelbar der  Rochlitzer  Flur  angrenzen,  ursprünglich  von 
Bedeutung  für  die  Sicherung  der  Strafsen  und  Flufsübergänge 
waren,  so  mufs  man  sagen,  dafs  die  nächsten  Zugänge  zur 
Rochlitzer  Feste  augenscheinlich  recht  gut  gesichert  waren. 
Eine  für  das  Schlofs  zu  Zeiten  der  Kriegsgefahr  höchst 
bedenkliche  Stelle  ist  in  vorstehender  Schilderung  unerwähnt 
geblieben:  die  etwas  abgelegene  Furt  bei  Sörnzig.  Das  be- 
treffende Dörfchen,  welches  in  südwestlicher  Richtung  die 
nächste  Ortschaft  von  Rochhtz  bildet,  hegt  hinter  dem  Wald, 
der  es  ursprünglich  wohl  ziemlich  vollständig  umschlofs.  In 
ältester  Zeit  dürfte  die  Verbindung  des  Dorfes  mit  der  Stadt 
recht  ungünstig  gewesen  sein,  denn  der  jetzige  Weg  an  der 
Mulde  hin,  bei  dessen  Anlage  eine  Anzahl  von  Klippen  und 
felsigen  Böschungen  weggeschroten  werden  mufste,  war  an- 
fänglich höchstens  ein  sehr  dürftiger  Fufspfad,  etwa  von  der 
Beschaffenheit  desjenigen,  welcher  von  Sörnzig  an  der  Mulde- 
seite nach  der  Draschke,  dem  eingegangenen  Dorf  Drosekowe, 
noch  jetzt  führt.  Der  Sörnzig -Rochlitzer  Muldenweg,  der 
unter  allen  Dorfwegen  der  ganzen  Gegend  am  schwersten 
anzulegen  war,  hat  sich  höchstwahrscheinlich  ganz  allmählich 
ausgebaut  und  ist  wohl  erst  sehr  spät  vollendet  worden,  zu 
einer  Zeit,  als  man  sich  im  Amt  die  Verbesserungen  der 
Strafsen,  ihre  stellenweise  Verlegung  u.  dergl   besonders  an- 


1)   Abgedruckt    bei    Hörn,     Lebens-     und     Heldengeschichte 
Friedrichs  des  Streitbaren  S.  748. 
'-)  Ebenda  S.  26 ff. 


302 


W.  Clemens  Pfau : 


gelegen  sein  liefs ;  das  geschah  im  allgemeinen  nicht  vor  dem 
17.  Jahrhundert^).  Im  Mittelalter  hatte  Sörnzig  nach  Rochlitz 
nur  einen  einzigen  zum  Reiten  und  Fahren  geeigneten  Zu- 
gang, der  über  die  waldige  Höhe  führte.  Wegen  der  ver- 
steckten Lage  des  Dorfes  konnte  es  und  seine  Furt  von 
Rochlitz  aus  nicht  beobachtet  werden.  Der  Feind  hätte  des- 
halb in  Sörnzig  leicht  übersetzen  und  durch  die  bis  an  die 
Burg  reichende  Waldung  zu  einem  Überfall  der  Besatzung 
vordringen  können,  wenn  letztere  sich  nicht  in  dem  Mulden- 
dorf einen  Vertrauensposten  sicherte.  Als  im  Schmalkaldischen 
Krieg  1547  die  kaiserliche  Partei  in  Rochlitz  von  den  Kur- 
fürstlichen eingeschlossen  werden  sollte,  ging  ein  Teil  des 
heranziehenden  Heeres  durch  die  Sörnziger  Furt-j. 

Nach  dem  alten  Erbbuch  des  Rochlitzer  Amtes  besafs 
letzteres  auf  allen  Dörfern  zusammen  nur  drei  Erbrichter, 
nämlich  aufser  den  beiden  aus  der  Saupenschaft  nur  noch 
einen  in  dem  verhältnismäfsig  unbedeutenden  Dorf  Sörnzig. 
Die  übrigen  bäuerlichen  Richter  und,  was  für  das  Rochlitzer 
Amt  dasselbe  scheint,  die  Heimbürgen  (Hainburgen)  wurden 
von  den  Erbherren  gewählt  oder  verrichteten  ihr  Amt  ,, zech- 
weise". Am  Landgericht  zu  RochHtz  traten  die  zwei  Erb- 
richter der  Saupenschaft  nicht  als  solche,  sondern  nur  als 
Schoppen  auf;  sie  amtierten  als  Erbrichter  lediglich  in  ihren 
Dörfern.  Am  Rochlitzer  Landgericht  mufste  auch  der  Sörnziarer 
Erbrichter  teilnehmen.  Während  aber  die  Saupen  alle  14  Tage 
dort  zu  erscheinen  hatten,  ging  der  Sörnziger,  der  aufserhalb 
der  Saupenschaft  stand,  nur  alle  sechs  Wochen  dahin,  wie 
das  Erbbuch  angibt.  Eine  grofse  Rolle  hat  er  offenbar  am 
Landgericht  nicht  gespielt;  zweifellos  war  er  hier  auch  nur 
Schöppe,  denn  das  Landgericht  tagte  nach  Ausweis  der  Ein- 
träge im  alten  Handelsbuch  regelmäfsig  unter  dem  Amtmann 
oder  Hauptmann  von  Rochlitz.  Merkwürdigerweise  gab  es 
in  Sörnzig  offenbar  gar  kein  Dorfgericht;  denn  nach  dem 
Erbbuch  gingen  die  dortigen  Einwohner  ,,zur  Wechselburg 
zu  Gericht";  das  Obergericht  übte  das  Amt  aus.  Sörnzig 
war  bald  nach  der  Gründung  des  Klosters  Zschillen  (Wechsel- 
burg) mit  fünf  anderen  Ortschaften  letzterem  geschenkt  worden, 
welche  Stiftung  der  Markgraf  Konrad  und  der  Graf  Dietrich 
von  Sumersenburc   1208  bestätigten^). 

Die  Belegung  eines  Sörnziger  Gutes  mit  der  Erbrichter- 
würde stammt  wohl  aus  sehr  alter  Zeit,  etwa  aus  der  Koloni- 

')  Pfau,  Einzelheiten  V,  168 ff. 

")  Heine  S.  330. 

"J  Cod.  dipl.  iSax.  I,  3,  98. 


Topographisches  vom  alten  Rochlitz.  303 

sationszeit.  Dafs  in  dem  Dörfchen  die  sonst  im  Amt  so 
seltene  Erbrichterwürde  eingeführt  wurde,  dafs  letzteres  trotz 
der  Abtretunor  des  Ortes  an  Zschillen  dieses  Erbrichteramt 
bestehen  liefs,  liegt  meines  Erachtens  schwerlich  in  richter- 
lichen Erwäofuno-en.  In  Sachen  des  Obergerichts  brauchte  das 
Amt  für  Sörnzig  keinen  Erbrichter,  wie  es  auch  m  anderen 
Ortschaften  zu  diesem  Zweck  keinen  besafs.  Höchstwahr- 
scheinlich war  der  Sörnziger  Erbrichter  ursprünglich,  in 
ritterlicher  Zeit,  eine  militärisch  wichtige  Person,  ein  Ver- 
trauensmann, ein  Botschafter  in  Kriegsgefahr,  ein  Furtwächter. 
Die  drei  Rochlitzer  Erbrichter  besafsen  wohl  eine  ähnliche 
Bedeutuna:  wie  die  Inhaber  von  ritterlichen  Sitzen  oder  die 
Ministerialen.  Erst  wenn  man  das  Sörnziger  Erbrichtergut 
als  Glied  in  die  Vorpostenkette  der  Rochlitzer  Burg  einreiht, 
scheint  letztere  als  vollständig  gesichert. 

Bei  der  Besprechung  der  Rochlitzer  Vorstädte  bliebe 
schliefslich  noch  die  Frage  zu  erörtern,  ob  es  ursprünglich 
auch  eine  Vorstadt  vor  dem  Grimmaischen  Tor  gegeben  hat. 
Dasselbe  bildete  ehemals  offenbar  ein  Haupttor;  Heine ^)  sagt 
von  ihm,  es  möge  vor  Zeiten  auch  ,, einen  Thurm  gehabt 
haben,  wie  es  sich  ansehen  läfst".  Der  beigegebene  Stadt- 
plan gibt  dasselbe  (8)  an;  zu  Heines  Zeit  bestand  es  noch 
zum  Teil.  In  der  Konsignation  der  Stadt  Rochlitz  von  1760 -) 
werden  von  diesem  Bauwerk  nur  die  „Rudera"  erwähnt. 
Seine  Bedeutung  hatte  es  offenbar  sehr  früh  verloren,  bereits 
vor  dem  Dreifsigjährigen  Krieg.  1604  führte  das  Amt  Ge- 
leitsbeamte auf  dem  Unter-,  Ober-  vmd  Badertor  ein,  aber 
nicht  auf  dem  Grimmaischen •^).  Heine'*)  erwähnt,  dafs  bei 
letzterem  ehemals  ein  Anger  gewesen  sei;  dieser  wurde  aber 
offenbar  nicht  zu   einer  Vorstadt  umgeschaifen. 

Nach  demselben  Chronisten'^)  wäre  es  ,,eine  gemeine 
Sage",  dafs  die  Stadtmauern  ehemals  bis  Poppitz  gegangen 
seien;  die  Stadt  hätte  das  Gelände  vor  dem  Grimmaischen 
Tor  und  der ,, alten"  Mauer  mit  als  Baugrund  umfafst,  d.  h.  also 
die  sogenannten  jetzigen  ,, Pfarrfelder".  Dieselben  sind  zwar 
ziemlich  reich  an  abgeführten  wendischen  Scherben,  aber  mit 
Ausnahme  einer  kleinen  Grundmauer  habe  ich  nirgends  etwas 
(Düngergrube,  Keller  usw.)  entdecken  können,  was  auf  den 
ehemahgen   Bestand   von   Häusern    schliefsen   liefse.     In   den 


1)  S.  66. 

2)  Ratsarchiv,  Fach  736;  Fol.  91. 
'*)  Amtsrechnungen. 

')  S.  10. 

')  S.  65. 


304         W.  Cl.  Pfau:    Topographisches  vom  alten  Rochlitz. 

letzten  20  Jahren  sind  hier  zahlreiche  Häuser  (Albert-,  Bis- 
marck-,  Seminar-,  Bahnhofs-Strafse)  entstanden,  deren  Grün- 
dungsarbeiten genügend  Aufschlufs  über  das  Bodeninnere 
gewährten.  Unter  der  etwa  'j^  m  starken  Ackerkrume  findet 
sich  überall  unberührter  „gewachsener  Boden".  Hätten  hier 
in  ältester  Zeit  Anwesen  gestanden,  so  müfsten  dies  die  dürf- 
tigsten Hütten  gewesen  sein,  die  keine  Spur  ihres  Daseins 
hinterlassen  konnten.  Das  Gelände  vor  der  alten  Mauer 
gehörte  zum  Gerichtsbezirk  des  Amtes. 

Die  einzelnen  Privathäuser  der  Vorstädte  und  der  Stadt 
kommen  für  meine  topographischen  Erörterungen  im  übrigen 
nicht  weiter  in  Betracht.  In  den  Vorstädten  waren  sämtliche 
als  Privathäuser  gegründeten  Gebäude  nicht  brauberechtigt. 
Vor  den  Toren  lagen  auch  die  Scheunen,  die  bereits  im 
Gerichtspachtbrief  von  1464  erwähnt  werden. 

Die  Numerierung  der  Häuser  geschah  in  den  amtlichen 
Unterlagen  nach  dem  Stadtbrande  von  1681  im  Jahre  1687. 
Die  damals  entstandenen  Hausnummern  wurden  im  Quatember- 
kataster  1782  mit  gebucht;  zu  aller  Zeit  seitdem  ist  das 
stärkste  brauberechtigte  Haus  der  Stadt,  das  erste  am  Ober- 
tor, mit  der  Nummer  i  bedacht  worden.  Das  Anbringen  der 
Nummern  an  den  Gebäuden  trat  viel  später  ein.  Das  früheste 
Beispiel  einer  angebrachten  Hausnummer  befindet  sich  in 
Rochlitz  an  einem  Gebäude  neben  dem  ehemaUgen  Untertor; 
die  Haustür  trägt  im  Sturz  die  Jahreszahl  1788  und  die 
Nummer  54,   welche   das    Grundstück  1782    erhalten   hatte ^). 

Über  die  ältesten  Grenzbestimmungen  und  Grenzbe- 
zeichnungen in  der  Rochlitzer  Gegend  habe  ich  eingehend 
gehandelt  in  den  ,, Topographischen  Forschungen"  usw. 
S.  27 ff.  und  in  „Unsrer  Heimat",  1906,  „Über  alte  Grenz- 
steine in  Westsachsen".  Es  dürfte  hier  genügen,  auf  diese 
beiden  Arbeiten,  welche  Rochlitz  im  besonderen  mit  betreffen, 
zu  verweisen. 


1)  Nach  dem  Quatemberkataster. 


IX. 

Kleinere  Mitteilungen. 


I.  Eine  Leipziger  Kleiderordnung  von  1506. 

Von  Otto  Giemen. 

Über  sächsische  Kleiderordnungen  aus  der  Zeit  von  1450 
bis  1750  hat  L.  Bartsch  in  zwei  in  den  Jahren  1882  und 
1883  erschienenen  Programmen  gehandelt^).  Er  teilt  sie  ein 
in  fürstliche,  für  das  ganze  Land  bestimmte,  in  von  weltlichen 
und  geistlichen  Herren  für  ein  beschränkteres  Gebiet  erlassene, 
in  städtische,  und  endlich  kommen  viertens  hinzu  die  von  den 
Rektoren  und  Professorenkollegien  der  Universitäten  Leipzig 
und  Wittenberg  für  die  Universitätsangehörigen  errichteten 
Kleiderordnungen.  Von  gröfserer  Bedeutung  sind  nur  die 
fürstlichen  und  städtischen.  Von  ersteren  ist  die .  älteste  die- 
jenige, die  in  der  aus  der  gemeinschaftlichen  Regierung  Ernsts 
und  Albrechts  stammenden  Landesordnung  von  1482  enthalten 
ist.  Wie  weit  die  städtischen  Ordnungen  zurückreichen,  läfst 
sich  nicht  mit  Bestimmtheit  sagen.  Die  Landesordnung  von 
1482  setzt  solche  voraus,  und  einzelne  gegen  den  Kleider- 
luxus sich  wendende  Verordnungen  finden  wir  bald  nach  der 
Mitte  des  15.  Jahrhunderts  in  Leipzig,  Freiberg,  Dresden, 
Oschatz   und  Borna.    Wahrscheinlich   aber  sind   solche  Ord- 


')  39.  und  40.  Bericht  über  die  Königliche  Realschule  I.  O.  nebst 
Progymnasium  zu  Annaberg,  Annaberg  1882  und  1883.  Dazugehört 
noch  ein  Aufsatz  desselben  Verfassers:  Die  sächsischen  Kleider- 
ordnungen unter  Bezugnahme  auf  Freiberger  Verhältnisse  in  Heft  20 
der  Mitteilungen  des  Freiberger  Altertumsvereins  S.  i — 44.  Vgl.  die 
Besprechung  dieser  Arbeiten  von  H.  Er  misch  in  dieser  Zeitschrift  5, 
260  f.  Vgl.  ferner  Germann,  Kurfürstliche  Kleiderordnungen  und 
ihre  Durchführung  in  Meifsen,  5.  Bd.  der  Mitteilungen  des  Vereins 
für  Geschichte  der  Stadt  Meifsen  S.  i  — 14.  —  Über  Kleiderordnungen 
im  allgemeinen  vgl.  z.  B.  Georg  Steinhausen,  Geschichte  der 
deutschen  Kultur,  Leipzig  und  Wien  1904,  S.  314,  380,  3  94  f. 


3o6  Kleinere  Älitteilungen. 

nungen  z.  B.  in  Leipzig  schon  früher  errichtet  worden.  Die 
Motive  zu  dieser  Gesetzgebung  sind  verschiedenartig.  Tei.'s 
sind  sie  vorwiegend  rehgiös-sittUcher  Natur,  indem  sie  sich 
gegen  die  in  der  Tracht  bei  Männern  und  Frauen  offenbar 
werdende  Schamlosigkeit,  gegen  Hoffart,  Üppigkeit  und  Ver- 
schwendungssucht wenden,  teils  sind  es  mehr  nationalökono- 
mische Erwägungen:  durch  Verbot  ausländischer  Stoffe  sucht 
man  die  heimische  Industrie  zu  heben,  den  heimischen  Handel  zu 
beleben  und  das  Geld  im  Lande  zu  halten,  durch  Beschränkung 
des  Luxus  die  Steuerkraft  des  Volkes  zu  erhöhen  und  die  Arbeits- 
löhne und  Lebensmittelpreise  herabzumindern,  Hauptgrund  aber 
ist  meist  der,  dafs  in  der  Tracht  die  Unterschiede  der  einzelnen 
Stände  zu  Tage  treten  sollen.  „Wenn  man  die  Stendt  nit  me 
in  der  Cleidunge  unterscheiden  kan,  das  ist  ein  bös  Anzeichen!" 
Dieses  Wort  Geilers  von  Kaisersberg  war  den  Obrigkeiten 
und  den  höheren  Ständen  aus  der  Seele  gesprochen. 

Meist  sind  die  Kleiderordnungen  verbunden  mit  anderen 
Polizeigesetzen,  die  dem  übertriebenen  Aufwand  bei  Taufen, 
Hochzeiten,  Gastmählern,  dem  Spielen,  Gotteslästern,  Fluchen 
usw.  steuern  wollen  und  Sonderinstruktionen  für  die  Wirte, 
Dienstboten,  Dirnen  usw.  enthalten. 

Für  Leipzig  wurde  eine  Reihe  solcher  Polizeigesetze  zum 
ersten  Male  1463  erlassen^).  Es  sind,  wenn  wir  die  prinzip- 
lose Reihenfolge,  in  der  die  einzelnen  Paragraphen  neben 
einander  stehen,  einhalten,  Bekleidungsvorschriften  für  die 
Dirnen,  Gesetze  gegen  das  Spielen,  gegen  Unzucht  und  Ehe- 
bruch;,  gegen  den  übermäfsigen  Aufwand  bei  Wirtschaften  und 
Gastmählern,  gegen  Überflufs  und  Unsitte  in  der  Kleidung  der 
Frauen  und  jungen  Männer,  gegen  das  ,,slethfarn  [^  Schlitten- 
fahren] iunger  lute",  gegen  nicht  standesgemäfse  Kleidung 
der  Dienstboten,  Vorschriften  für  Schankwirte,  über  Getreide - 
kauf,  gegen  Waffentragen,  gegen  das  Ausschenken  fremder 
Biere,  Wiedereinschärfung  der  Bestimmungen  von  1454,  be- 
treffend Hochzeiten,  Kindtaufen,  Gastmähler  usw.  In  der 
Folgezeit  kamen  teils  einzelne  neue  Verordnungen  hinzu,  wie 
die  gegen  die  Schnabelschuhe-),  teils  wurden  ältere  Gesetze 
wieder  in  Erinnerung  gebracht.  Bisher  kannten  wir  dann 
erst  wieder  eine  Sammlung  solcher  Polizeigesetze  in  der  1544 
,, durch  Valentin  Bapst,  in  der  Ritterstrafsen"  prächtig  ge- 
druckten ,,der  Stad  Leipzig  allerley  Ordnunge".  Nun  ist 
aber  auch  schon  im  Anfang  des  Jahres  1506  solch  eine  Ge- 


')  Cod.  dipl.  Sax.  reg.  II,  8,  Nr.  364  und  365. 

^)  Nr.  404. 


Kleinere  Mitteilungen.  307 

setzessammlung  im  Druck  erschienen^).  Johann  Gottfried 
Well  er  hat  1762  zuerst  auf  sie  aufmerksam  gemacht:  Altes 
aus  allen  Theilen  der  Geschichte,  I.  Band  (Chemnitz  1762), 
S.  372  f.  Seine  Notiz  ging  dann  über  in  bibliographische 
Werke,  wie  Emil  Weller,  Repertorium  typographicum, 
Nördlingen  1864,  S.  41,  Nr.  359  und  in  die  Leipziger  Chroniken, 
wie  z.  B.  Dolz,  Versuch  einer  Geschichte  Leipzigs,  Leipzig 
1818,  S.  149  f.  Seit  Weller  hat  aber  niemand  wieder  den 
Druck  in  Händen  gehabt.  Das  Exemplar,  das  er  einst  ein- 
gesehen, befindet  sich  jetzt  noch  in  der  Zwickauer  Ratsschul- 
bibliothek, und  zwar  in  dem  Kostbarkeiten  allerersten  Ranges 
in  sich  vereinigenden  Sammelbande  XXIV.  XII.  20.  Da  der 
Druck  höchstwahrscheinlich  Unikum  ist  und  diese  Gesetzes- 
sammlung sich  als  eine  reiche  Quelle  für  die  Kultur-  und 
Sittengeschichte  erweist,  gestatte  ich  mir  hier  einen  kommen- 
tierten Neudruck  zu  bieten.     Der  Titel  lautet: 

^tlic^e  ber  (Btat  2xp 
c§!  gefe^  obir  ber  hux 

ger  :  buvgevm  :   aurf)   anber  inrooner 

trad)t :  SIeibung  :  tuirtfd)afft :  önb  anberl  to^  bes  9iatf)» 
orbnung    önb   [tatuten 
in  funber!^eit  gegcogen. 

Der  Druck  umfafst  12  Quartblätter.  Titelrückseite  und 
letztes  Blatt  leer.  Bl.  11^  unten:  Gedruckt  in  der  fürstlichen 
Stadt  Liptzk,  durch  /Jacob  Tanner  von  Würtzburgk,  mitbürger. 


1)  Herr  Professor  Wust  mann  hatte  die  Güte,  mir  zwei  auf 
diese  Polizeiordnung  sich  beziehende  Ratsbeschlüsse  mitzuteilen:  1506 
Mittwoch  nach  Trium  Regum  [7.  Januarj:  Uff  difsmal  von  der  orde- 
nunge  geredt  und  beslossen,  das  man  ethche  artickel  vorwandeln 
solle,  wie  sie  vorzeichent  sein.  —  Freitag  nach  Trium  Regum 
[9.  Januar] :  Uff  difsmal  beslossen,  das  man  die  ordenunge,  wie  vil- 
mal  dovon  geredt  und  vorzeichent,  auch  entlich  mit  dem  marschalk 
[Heinrich  von  Schleinitz,  vgl.  Gefs,  Akten  und  Briefe  zur  Kirchen- 
politik Herzog  Georgs  von  Sachsen  I  (Leipzig  1905),  20  A.  2]  beredt 
und  durch  die  rethe  beslossen  ist  und  in  einen  begreif  bracht,  uff 
Dornstag  8va  trium  regum  [Donnerstag  =  15.  Januar  stimmt  mit  der 
Schlufsbemerkung  des  Druckes,  aber  Octava  trium  regum  war  1506 
Dienstag  den  13.  Januar]  sol  aufsgehn  lassen  und  vorkundigen  der 
gemeine  Utinam  bono  fato.  Disse  heren  sein  uff  difsmall  von  allen 
dreien  rethen  [s.  die  nächste  Anm.]  vorordent,  disse  ordenunge  zu 
hanthaben  und  die  obertreter  zu  straffen:  Johann  Hommelfshan, 
Matt.  Lichtenhan,  Augustin  Pantzschman. 


qo8  Kleinere  Mitteilungen. 

Vorrede. 

NAchdem  in  dieser  Stadt  vormargkt,  gesehen  vnd  öffentlich 
bfunden  ist,  das  sich  gemeine  burger,  auch  hantwergs  lewte  vnd 
sunderlich  ire  we^-ber,  kinder  vnd  gesinde,  handtwergfs  gesellen, 
knecht  vnd  meyde,  auch  ander  inwoner  kostlicher  tracht  an  smugke, 
cleynoten  vnd  cleydernn,  auch  vil  obriger  vnnottürfftiger  kost  in 
wirdtschaft'ten  ader  hochzceyten,  kindtewftenn,  in  kindt  betten  ader 
sechs  Wochen  vnd  kirch  gengen  sich  geflissen  vnd  gebraucht,  ein 
teils  ober  gebür,  das  sich  irem  Stande  nicht  gezt}-mbt  ader  dem  adel 
gle5xh,  auch  eyns  teyls  ober  yr  vormögen,  dar  aufs'  dan  gemeyner 
Stadt,  iren  bürgern  vnd  inwonern  vnd  die  sich  wesentlich  älhie 
enthalden,  vil  abegunst,  vorterb  vnd  Schadens  erwachsen,  auch  bey 
andern  frembden  lewten ,  von  den  sulchs  also  gesehen,  vil  ergerniis 
vnd  den  Rethen  vnd  regirern  von  dem  vnd  anderm,  das  vngeordent 
eyn  zce3-t  lang  vorbleben,  vnd  was  geordent  gewest,  das  man  dorüber 
nicht  gehalden,  sundern  übergangen  vnd  nicht  gebüsset  adder  ge- 
stroftt  ist  worden,  vil  nachrede,  auch  von  den  bürgern  vnd  inwonern, 
die  dem  Rathe  vnd  gerichte  vnderworffen,  vil  vngeho-'sams  ent- 
standen, vnd  befunden,  das  auch  in  der  Stadt  vill  vntzucht,  auch  vü 
vnredliche  Sachen  wider  got  vnd  seyne  götliche  geboth  begangen 
vnd  in  mancherley  weyse  gar  offenbar  vnd  vnuorborgen  ane  alle 
forcht  vnd  vnuorschemt  geübet  würden.  Da  durch  dan  alle  drey 
Rethe')  vff'  beuehel  vnd  mit  rathe  des  durchlauchten  hochgebornen 
fürsten  vnd  herren  herren  Georgen  Römischer  königlicher  maiestatvnd 
des  heyligen  reychs  Erblicher  gubernator  in  Frifsland,  Hertzogen  zu 
Sachsen,  Landtgrauen  inDöringen  vnd  Marggrauen  zu  Meyfsen  vnsers 
gnedigen  herren,  vnd  aufs  eigener  betrachtung,  macht  vnd  gewalt 
inen  von  rechten  zugelassen  diefse  nachuolgende  ordenung  zu  forderst 
gotte  zu  lobe  vnd  ere,  auch  der  regirung  vnd  geme5-ner  Stadt  zu  gute, 
nutze  vnd  fromen,  oberflössig  vorterb,  nachrede,  sunde  vnd  laster 
zuuorkommen  vnd  zuuorhütten,  so  vil  möglich  ist,  nach  vor-  [a  ijt>] 
gehaltem  zce3-tigen  rathe  eintrechtiglich  beslofsen,  geordennt,  gesatzt 
vnd  begriffen  haben  allen  bürgernn,  bürgerin  vnd  inwonern  disser 
Stadt,  dye  dem  Rathe  vnd  gerichte  ader  irer  öberkeit  vnderworffen 
sein,  zuuorkündigen  lassen.  Solche  ordenung  vnd  gesetze  von  den 
selbigen  allen  gehorsamlich  ane  Widerrede  vnd  vngewegert  zuhalden 
be}'  bufs,  pene  vnd  straffe,  dye  dor  inne  vnd  vff  3-des  stücke  gesatzt, 
von  den  öbertreternn  der  selbigen  ordenung  e^-nes  ader  meher  stücken 
vnabelefslich  von  den  herrn,  die  von  Rethen  auch  dar  zu  vorordent 
sind,  ein  zu  fordern  vnd  zunehmenn. 

[a  ija]    Gesetz    von    Cleydung  vnd    erstlich    der    in  Rethen 

vnd  anderer  redlicher  burger  vnd  hendeler,  d3-e  den   in 

rethen  gle3-ch  geacht  werdenn. 

BVrger  die  inn  Rethen  sein,  vnd  ander  vsfserhalb  der  rethe, 
als  nemlich  redliche  bürger,  die  von  alders  ires  geschlechts  redelich 


')  Seit  dem  15  Jahrhundert  zerfiel  der  Rat  in  Leipzig  in  drei 
Gruppen.  Jedes  Drittel  war  ein  Jahr  lang  im  Amt,  so  dafs  aller  drei 
Jahre  wieder  dasselbe  Drittel  an  die  Reihe  kam  Das  im  Regiment 
"befindliche  Drittel  hiefs  der  sitzende  Rat,  die  beiden  anderen  die 
ruhenden  Räte  (Wustmann,  Geschichte  der  Stadt  Leipzig  I,  74). 
Alle  wichtigeren  Sachen  wurden  von  allen  drei  Räten  beraten  und 
beschlossen  (ebenda  85). 


Kleinere  Mitteilungen  309 

vnd  vormoglich  herkomen,  Auch  redlich  bürgers  fsöne,  die  sich  irer 
zcynfse  ader  lehengüter  enthalden,  Vnd  redelich  vormögliche  kawflf 
leut,  di  von  dem  regirenden  Rath  sampt  den  sechs  eldisten,  als  nem- 
lich  von  den  andern  beyden  Bürgermeistern  vnd  vier  Bawmeistern^) 
der  ander  zweyer  Rethe  eynirechtighch  ader  von  dem  me3'sten  teyl 
bey  iren  pflichten,  so  sie  zum  Rathe  gethon,  do  vor  geacht  vnd 
erkant  werden,  Sollen  kein  kleyt,  das  gefüttert  ader  vngefüttert 
vbir  virtzig  gülden  wirdig  ist,  tragenn  bei  pene  drej-er  reynischer 
gülden. 

Den  selbigen  allen  sollen  zcobelne,  hermelyn  vnd  lassitze  2) 
futter  zu  schawben,  zu  rogken  vnd  anderer  cleydung,  auch  zcobelne 
mützenn  ader  Panet^),  3-edes  stücke  bey  obgeschribener  pene  zw 
tragen  vorpoten  sein. 

Es  sal  ynen  auch  zw  aller  kleydung  ane  zw  ioppen  vnd  wammes 
alles  seyden  gewant  zw  tragen  vorbdtten  sein,  Aufsgeschlossenn 
Ztschamlot^),  Settyn'')  vnd  Kartegk^)  mögen  sie  zw  Schwawben, 
Rogken  vnd  ander  clej-dung  gebrauchen,  doch  das  dasselbig  kleyt, 
wie  vorbenxrt,  vbir  virtzig  güldenn  nicht  wirdig  se}',  bev  vorbe- 
stympter  pene.  Szunder  zw  ioppen  ist  \*nen  allerley  Sevden  gewant 
zw  tragen  zwgelassen,  Ausgeschlossen  Güldene  vnd  silberne  stügke, 
das  3'nen  allen  in  aller  tracht  zwtragen  gentzlich  sal  Vorboten  sein 
bej'  obgerurter  pene. 

Sie  soUen  auch  keine  güldene  ketten,  güldene  halfsbender  ader 
[a  iijb]  Perlen  schnüre  tragen  Bei  pene  eins  reynischen  gülden. 

Vnnd  in  sunderheit  sollen  ynen  alles  vorgült  Silber wergk, 
Kuppffer  adir  messing,  es  sey  an  kettenn,  halfsbender  adir  anderm 
geschmugk  gentzlich  vnd  gar  verboten  sein  Bei  pene  zwene  rey- 
nische  gülden. 

Inen  sali  auch  zw  aller  tracht  der  klej'dunge,  ausserhalb  zw 
hawben,  alles  vntzen  golt  adir  vntzen  silber  Bei  pene  eines  R;  f; 
zw  tragen  vorbotten  sein.  Doch  das  zw  solcher  hawben  nicht  mhr 
dan  ein  vntzen  golt  adir  silber  gebraucht  werd. 

Vonn  Clej'dung  gemeyner  bürger,   handtwerger,  hant- 
iwergs  gesellen  vnd  arbeytender  lewthe. 

Gemej'ne  bürger,  hantwerger,  hantwergs  gesellen  vnd  arbeitende 
lewt  Sollen  keyner  kein  kleidt,  das  von  aufslendischem  adir  eyn- 
lendischem  gewant  vnderfüttert  adir  vngefüttert  vbir  Zwentzig  gülden 
wirdig  sey,  tragen  Bei  pene  dreier  gülden  Reinisch. 

Den  selbigen  sollen  auch  alles  Rauchwergk  von  Zcobelnn, 
Mardern,  Hermelein,  Nortzen'),  Lassitz  vnd  Feherügken  zw  schawben, 


^)  Über  die  „Ältesten"  vgl.  Wustmann  a.  a.  O.  85!,  über  die 
Bauherrn  84. 

-)  ,,Das  Tierchen,  nach  welchem  dieses  Grauwerk  seinen  Namen 
hat,  ist  ohne  Zweifel  das  Wiesel  (lasica,  lasyce,  läsotschka)  der  Polen, 
Böhmen  und  Russen"  (Bartsch  I,  13  A. '41.  Vgl.  ferner  Deutsches 
Wörterbuch  V,  2821  und  Chroniken  der  deutschen  Städte  XXIII,  301 30)- 

^)  =  galerus,  franz.  bonnet:  D.Wb.  I,  11 17. 

*)  Ein  im  Mittelalter  hochgeschätzter  feiner  Wollenstoft',  zunächst 
ein  aus  Kamelhaaren  bereiteter:  D.Wb. VIII,  21 19 f. 

'^)  Eine  geringere  leichte  Sorte  Atlas:  D.Wb.  X,  642  vgl.  Satin 
VIII,  1810. 

öj  Atlas  aus  Brügge:  D.Wb.  V,  238  f. 

'j  Nörz  =  der  kleinen  Fischotter,  dasWasserwiesel:  D.Wb.VII,9oo. 


^lo  Kleinere  Mitteilungen. 

zw  rögken  adir  andre  cleidung  zw  futtern,  Auch  mutzen  adir  panet 
do  von  zw  machen,  aufsgeschlossen  vehe  rügken,  Des  gleichen  Güldene 
vnd  silberne  stügk,  vnd  alles  seyden  gewant  zw  tragen  gantz  Vor- 
boten sein  Bei  von  emem  iglichen  stügke  drei  gülden  reinisch  zw 
bufs  zw  geben. 

Doch  sollen  Doctores  vnd  Licentiaten  inn  adir  aufserhalb  den 
Rethen,  den  solches  von  wirden  ires  Standes  zw  trafen  gebüreth, 
Des  gleichen  die  gefste,  die  sich  zw  Liptzk  wesentlich  nicht  ent- 
halten, mit  diesen  obgeschriben  Statuten  nicht  begriffen  sein. 

[4a]  Von  Cleydung  der  in  Rethen  vnd  anderer  Redelichenn 
burger  vnd  hendeler  weiber  vnd  töchter. 

Der  burger  in  Rethen  vnd  anderer  Redlichen  bürger  vnd  hen- 
deler, die  den  in  Rethen,  wie  vorberurt,  gleich  geacht  werden,  weiber 
vnd  tochter  sollen  Güldene  vnd  silberne  stügk,  Scharlach,  auch  alles 
Seiden  gewandt  zw  schawben,  zw  rogken,  vnderrögken  vnd  zw  aller 
kleidung  bei  pene  sechs  gülden  reinisch  vorboten,  Aufsgeschlossen 
Ztschamlot,  Tobyn^)  vnd  Kartegk  sali  ynen  zw  tragen  zwgelassen 
sein,  Doch  das  kein  fraw  adir  iungkfraw  keyn  kleydt,  das  gefüttert 
adir  vngefüttert  vbir  dreifsig  gülden  wirdig  sei,  tragen  sal  Bei  ob- 
geschribener  pene,  Vnd  wie  wol  ine  hir  mit  Arras  vnd  Setyn  zw 
tragen  zwgelassen,  Sal  doch  keine  des  eine  ele  vbir  funfif  groschen 
wirdig  tragen  Bei  pene  eins  reinischen  gülden. 

Des  gleichen  sali  inen  kein  vntzen  golt  adir  silber  vsserhalb  zw 
hawben,  letzen  vnd  preylsen'-)  zw  tragen  vorstadt  werden.  Doch 
das  zw  einer  hawben  nicht  mher  dan  ein  vntzen  goldes  adir  silbers, 
Des  gleichen  das  zw  den  andern  stügken  allen  auch  nicht  mher  dan 
ein  vntzen  goldes  adir  silbers  gebraucht  werde  vnd  also  das  yne 
nicht  mher  dan  zwo  vntzen  goldis  adir  silbers  in  aller  tracht  sollen 
erleübt  sein  Bei  pene  dreier  reinischer  gülden. 

Güldene  ketten  adir  güldene  halfsbender,  die  gantz  gülden  sein, 
Sollen  ynen  zw  tragen  zwgelassen  werden.  Sunder  alles  vergült 
silberwerg.  Aufsgeschlossen  zw  gorteln,  harbandt  vnd  heiften,  Dorzw 
vorgült  kopffer  adir  messing,  es  sei  an  ketten,  halfsbendernn,  faberei 
adir  anderm  geschmugk,  wor  an  das  sei,  sali  yne  bei  pene  eines 
R ;  gülden  vnd  bei  vorlust  so  schwer  silbers,  als  die  selbe  gefelschte 
kethe,  halfsbanth  ader  geschmuk  am  gewicht  haben  wirt,  zw  bufs 
zwgebenn  gantz  vorboten  vnd  ynen  allein  gut  Golt  ader  vnuorgült 
Silber  zw  ketten,  halfsbendern  vnd  anderm  geschmugk  sampt  den 
[4b]  vbirgülten  gorteln,  harbandt  vnd  heffte  zw  tragen  zwgelassen  sein. 

Inen  sal  auch  allerley  geschmugk  von  Perlen  vnnd  allerley 
edel  gestein  zw  tragen  vorboten  seinn,  Ausserhalb  die  iungkfrawen 
mögen  vier  lot  perlen'')  zw  eynem  bendichin  tragenn.  Doch  das  ein 
lot  vbir  vier  gülden  nicht  wirdig  sey. 

Sammeth,  Atlas  vnd  Tamaschka*)  sal  frawen  vnd  iungkfrauen 
zw  brustletzen  zwtragen  vnd  ire  kleider  do  mit  zuuorbremen  zcu- 
gelassen  sein,  Doch  das  dieselbigen  seyden  gewandt,  es  sei  Sammeth, 
Atlas  adir  Tammaschken  zw  einem  brustlatze  vnd  gebreme   eines 


J)  Gewässerter  Doppeltaflfet:  D.Wb.  XI,  531. 
^)  preis  D.Wb.VII,  2092      breis  II,  355:  fimbriae  manicae  superae. 
=*)      kleine  Perlen.    Die  grofsen  hiefsen  „Zahlperlen"  (Bartsch 
I,  14). 

*)  -Damast:   D.Wb.  II,  701 1. 


Kleinere  Mitteilungen.  311 

kleides  alles  zwsampt  nicht  meher  dan  drey  virtel  einer  elen  vnd 
dorubir  nicht  gebraucht  werde,  bey  pene  dreyer  R;  gülden.  So 
mögen  auch  der  in  Rethen  adir  der,  dy  yne  vorgleich  geacht  werden, 
weyber  vnd  töchter  Atlas,  Damaschken,  Tobyn  vnd  anders,  Szo 
man  die  ein  vmb  ein  halben  gülden  vnd  nicht  dorubir  kauffen  mag, 
zw  halfskollernn  wol  tragen.  Also  doch,  das  sie  wider  in  kollern 
nach  gebremen  kein  bundtwergk ')  gentzlich  vnd  in  aller  tracht  bey 
obberurter  pene  nicht  tragen  sollen. 

Zobelne,  Mardern,  Hermelin  vnd  Lassitz  sali  inen  allinthalben 
zw  kleydungen  bei  obgemelter  pene  zw  tragen  vorbotten  sein.  Doch 
mögen  sie  Lassitz  vnd  Vehewemmin  zuuorbremen  gebrauchen,  also 
das  dasselbige  gebrehme  vonn  diesem  ader  anderm  rauchwerck  vber 
ein  virtel  einer  elen  nicht  breit  sei.  Auch  bey  pene  eines  gülden 
re5-nisch. 

Es  mögen  auch  frawen,  iungkfrawen  zw  zcöppen  vnd  hawben 
Seyden  als  Taffant  vnd  zcendel-)  tragen,  doch  nicht  anders  den  das 
vngeuerlich  dritthalb  elen  Taffant  ader  zcendel  tzehen  ein  eines 
gülden  wirdig  sei.  Bei  pene  dre}^  R;  gülden. 

Der  inn  Rethen  vnd  anderer  redlichen  bürger  vnd  hendeler 
wie  obinbenirt,  auch  die  nicht  hantwergk  treyben,  Weyber  [5  a]  vnd 
töchter  sollen  zw  Schlayernn  vnd  anderer  tracht  nicht  tewrer  lej'n- 
wath  tragen  den  der  man  zwu  elen  vor  ein  gülden  reynisch  keuften 
mag,  bei  pene  eyns  halben  reynische  gülden. 

Gemeyner  burger  vnd  hantwergs  leuth  Wej-ber 

vnd  Töchter. 

Gemevner  bürger  vnd  hantwergs  leut  weyber  vnd  töchter 
Sollen  keyne  kein  kleidt,  das  vnderfüttert  adir  vngefüttert  vbir 
funffzcehen  gülden  reinisch  wirdig.  Auch  keyne  kürfsen''),  die  vbir 
acht  gülden  wirdig  sey,  tragenn  bej-  pene  von  einem  itzlichen  drei 
reinisch  gülden  zw  pufs  zwgeben. 

Inen  sal  auch  güldene  vnd  silberne  stück,  Dorzw  auch  alles 
Seiden  gewant  zw  Schawben,  zw  Rögken,  vnderrögken  vnd  zw 
aller  cleidung  bei  pene  drei  reinisch  gülden  zwtragen  vorbotten  sein. 
Abir  zw  brustletzen  vnd  tzuuorbremen  sali  inen  Ztschamlot  vnd 
Kartegk  zwgelassen  sein,  Doch  das  zw  Brustlatz  vnd  zw  einem 
gepreme  eines  kleides  alles  zwsammen  nicht  mhr  dan  drei  virtel 
einer  ein  gebraucht  werden. 

Gemeine  bürger  vnd  hantwergs  weiber  vnd  Töchter  Sollen 
haupt  vnd  halfsschmugk  vbir  funfftzehen  gülden  wert  nicht  tragen, 
bei  pene  eines  R;  gülden.  Inen  sollen  von  gutem  golde  adir  vn- 
uorgültem  gutem  silber  ketten,  halfsbender  sampt  gürtel,  harband 
vnd  heff't  vbirgült  zwtragen  zwgelassen  sein. 

Es  sal  auch  keins  gemeinen  bürgers,  die  den  in  rethen  nicht 
vorgleicht  werden,  ader  hantwergs  töchter  Perlen  tragen.  Sundern 
inen  sollen  die  mit  samptt  allerlei  edeln  gesteyn  zw  tragen  alle  Vor- 
boten sein.  Aufsgeschlossen  zw  einem  Perlin  bendichin,  das  vber 
sechs  gülden  nicht  werd  ist,  sal  in  erlaubt  sein. 

Es  sali  inen  auch  alles  Seiden  gewant  zw  Rögken  vnd  vnder- 
rögken ane  zw  zcöppen  vnd  zw  menteln  vorne  zw  vnter  [51»]  füttern 
zw  tragen  gantz  vorboten  sein. 

1)  Pelzwerk  vom  nordischen  Eichhorn:  D.Wb.  II,  531  und  527. 

2)  Eine  Art  Taffet:   Bartsch  I,  13  A.  44. 

ä)  Kursen,  Kurse,  Kursche -=  Pelzkleid :  D.Wb.  V,  2820 ff". 


^12  Kleinere  Mitteilungen. 

Gemeiner  bürger  vnd  hantwerger  weiber  vnd  töchter  scllenn 
zw  Schleyern  vnd  ander  tracht  nicht  tewrer  leinwat  tragen  denn 
der  man  vier  ein  vor  ein  gülden  kewffen  mag,  Bei  pene  eins  halben 
gülden  R;. 

Es  sollen  dorbei  alle  Seidene  vnnd  donne  tucher  iungkfrawen 
vnd  frawen  allinthalben  zwtragen  gantz  Vorboten  sein,  Bei  bufs 
eins  R;  gülden. 

Keine  fraw  sali  hinfürder  in  der  hawben,  in  krentzen,  in 
Spanen  1),  noch  mit  Regers  2)  ader  andirn  Strawfsfedern  vffintlich 
gehen  adir  tantzen,  Bei  pene  eins  R;  gülden. 

Frawen  vnd  iungkfrawen  sollen  mentel,  rogke,  kittel  vnd  kleidir 
nicht  lenger  dann  der  erden  gleich  tragen,  Bei  pene  eins  R;  gülden, 
so  offt  eine  des  besehen  adir  zwtragen  vbir  funden  wird. 

In  allen  obgeschrieben  pungkten  vnd  artigkeln  sollen  der 
Doctores  weiber  vnd  tochter  der  weiber  vnd  töchter,  die  in  Reten 
sein  adir  ine  gleich  geacht  werden ,  sich  mit  cleidung  vnd  anderm 
yne  gleichmessig  zwhalden  verbunden  sein,  Bey  pene  eins  itzlichen 
artigkels  vbir  der  andern  der  obgerurten  weyber  vnd  tochter  kleidung 
gesatzt  vnd  aufsgedrugkt. 

Von  der  dienstmeyde  cleydung. 

Dinstmeide  suUen  keynerlei  Seyden  gewanth,  wie  das  nhamen 
hat,  wider  zw  ermein,  vnder  menteln  adir  vndir  rogken  gefüttert  adir 
zw  gebremen  an  keynem  end  an  allein  zw  zcoppen  an  yrer  kleidung 
tragen.  Des  gleichen  sullen  sie  auch  keinerley  von  rauchwergk 
denn  allein  ein  harschlecht^)  gebreme,  doch  nicht  vbir  eins  fingers 
breit,  Auch  keine  brustletz  noch  keine  geteylte  färbe  adir  gewannd 
vorbrehmen  aufswendig  [6^].  Auch  kein  Doppel  arras,  Ztschamlot, 
noch  Settyn  zw  keinem  kleide  tragen,  dan  vnderrögk  von  allerley 
gewande,  dye  mit  seiden  gewande  vnd  von  allerlei  gewürchte,  auch 
von  rauch werg  als  von  Schonberg*)  zuuorbremen,  Setyn,  Düppel 
arras  vnd  Ztschamloth  sollen  yne  gantz  vorboten  sein  zw  tragen. 

Item  Sie  sollen  auch  nicht  tragen  Perlen  adir  Perlen  bendichin, 
Corallen  pater  noster^).  Güldene  ringe,  dorzu  keinerley  Spangen, 
Aufsgeschlossen  Silberne  adir  vorgülte  heffte,  die  mögen  sie  tragenn, 
Doch  das  die  nicht  haben  am  gewychte  vbir  zwey  lot.  Auch  kein 
kleidt  lenger  dan  das  es  vff  die  erden  stosse,  Kejn  golt  adir  silber 
in  brüstigen*'),  zw  schlingen  vnd  zw  bortichen,  in  schnüren  adir 
sust,  auch  nicht  seyden  schlingen  adir  offene  nethe  in  ermein  adir 
badekappen ''),  Silberne  noch  güldene  ketten.  Auch  kein  kleyd  vbir 
sechs  gülden  wirdig  tragen,  Bei  pene  eins  halben  gülden  von  itz- 
lichem  stügk  zw  geben,  so  offt  das  vbirfaren  wirdet. 


1)  Span  ^  eine  im  Mittelalter  zeitweise  modische  ringelichte  Haar- 
tracht: D.Wb.  X,  1866. 

2)  Reihers. 

^)  Haarschlecht  kommt  im  D.Wb.  IV,  36  nur  vor  als  Eigenschaft 
von  Pferden,  die  von  unreinem  und  staubigem  Futter  so  werden. 

*)  Schönwerk  ^  feines  Pelzwerk:  Grimm  IX,  1485. 

■')  Rosenkränze:  D.Wb.  VII,  1503  und  Wilhelm  Schmitz, 
Das  Rosenkranzgebet  im  15.  und  im  Anfange  des  16.  Jahrhunderts 
(Freiburg  i.  Br.  1903)  S.  42  ft'. 

**)  Bröstigen  ^  Schnürbrust:  D.Wb.  II,  446. 

')  Vgl.  D.Wb.  I,  1071. 


Kleinere  Mitteilungen.  313 

Item  mit  diesen  beiden  gesetzen  sollen  alle  dinstmeyde,  es 
sind  burgerstochter  adir  nicht,  die  vmb  Ion  dienen,  begriffen  seyn, 
Den  auch  in  alle  weg  schönberg  vnd  bunthwerg  futter  zutragen  ver- 
boten sein  sal.  Vnd  des  nicht  mher  dan  vngeuerlichen  einen  sechsten 
teyl  eines  virtels  von  einer  elenn  oben  vmb  den  halfs  vnd  forn  bis 
auff  das  görtel  vnd  forder  an  andern  örtern.  Dan  yn  sali  alleyn  ein 
harschlecht  gebreme  an  schawben  ader  andern  gefütterten  kleydern 
zwtragen  erloübt  sein,  Bei  pene  von  einem  itzlichem  stügk  eins  ort 
eines  R;  gülden. 

Es  sali  auch  allen  dinstmeyden  Schleyer,  schorletze,  brostichen 
adir  leybichin,  badekappen  vnd  halfstücher  von  Synewoffen  ^),  Nider- 
lendischer  adir  andrer  le^mwath,  der  man  ein  elln  vor  drey  grosch 
kaufft,  Vorboten  sein,  Bei  pene  von  einem  itzlichen  stügk  eines  orts 
eines  R;  gülden 

Es  sali  keyne  dinstmeyd  schwe  mit  anderen  hoen  dan  eytel 
[6i>]  schwartz  vnd  das  der  knochel  bedegkt  werd  tragen.  Bei  pene 
drei  silberne  groschen. 

Von  heymlicher  ader  offinbaren  dirnen-)  tracht  vnd 
Cleidung,  sie  sein  im  gemeinem  hawfs  adir  nicht. 

Item  heimlichen  vnd  offinbaren  diernen  ist  vorbotten  zwtragen 
alle  gestigke,  faberei.  Silbern  gürtein,  Spangen,  vorgillte  heffte,  alle 
Seiden  gewandt,  vnterrögke  vnd  alle  gebreme  von  hermlen,  lassitz 
ader  der  gleich.  Aufsgeschlossen  ingelegte  adir  von  harschlecht  ge- 
breme, das  nicht  vbir  eins  vingers  breit,  mögen  sie  tragen.  Auch 
sind  ine  verboten  Corallen  pater  noster,  güldene  ringe.  Silberne  adir 
güldene  ketten  bei  vorlust  der  selbigen,  wo  die  bei  inen  bfunden, 
Vnnd  alles  untzen  golt  adir  silber  zw  schlingen,  schnüren,  zwbröstigen, 
badekappen  adir  sust,  Lange  mentel,  kürschen,  schawben,  die  mit 
anderm  rauchwerg  danmitSchmaschen*^),  Künerügken  adir  Wammen*), 
Grotschen^)  adir  Hemstern  gefuttert  seint,  Schlaier  von  Sinowoffen, 
Niderlendischer  adir  Hoelendischer  leinwath,  Schwebisch  vnd  ander 
leinwath,  der  man  ein  ein  nicht  vor  drei  groschen  kewffen  mag. 
Vnnd  die  heimlichen  weiber  adir  diernen  sollen  nicht  lenger  mentel 
tragen  dan  die  in  stregken  die  lingken  handt  halb  bedecken,  also 
das  man  den  dawmen  an  der  handt  sehen  möge,  Doch  von  keinerlei 
dan  von  gelem  gewande  mit  einer  digken  blawen  schnüre.  Vnd 
welche  in  andern  menteln  befunden,  die  sollen  der  mentel  vber  die 
nachuolgende  bufs  vorfallenn  sein.  Bei  pene  von  einem  itzHchen  eins 
halben  gülden  reinisch. 

Aber  die  gemeinen  offinbaren  diernen  mögen  kurtze  mentell 
von   wafserlei   färb   sie   wollen,   in  der  lenge  wie  vor  berurt  adir 


^)  Chinesisches  Gewebe?  Vgl.  Schmeller,  Bayrisch.Wb.I,  2911. 

2)  Auch  in  der  Verordnung  über  die  Kleidung  der  Dirnen  Cod. 
dipl.  Sax.  reg.  II,  VIII  Nr.  364  vom  30.  März  1463  wird  unterschieden 
zwischen  den  Huren  „vff  dem  freyhen  hufse"  und  den  „heimlichen 
huren".  —  Im  allgemeinen  vgl.  K.  Weinhold,  Die  deutschen  Frauen 
in  dem  Mittelalter,  Wien  1897,  S.  19 ff.   und   Steinhausen   S.  406 1. 

^)  =  fein  zubereitetes  Lammfell:   D.Wb.  V,  944. 

*)  Kühn  bei  den  Kürschnern  für  Kaninchen,  daher  Kühnrücken, 
Kühnwamme:  D.Wb.  V,  2579. 

•^)  Was  für  ein  Pelz  damit  gemeint  ist,  weifs  ich  nicht. 


314  Kleinere  Mitteilungen. 

kurtzer  vnd  zuuoraufs  eia  zceichen  von  einem  gelen  gewandes  flegk 
eins  schregkenbergisch  groschen,  der  siben  ein  güldenn  gilt,  breit 
vff  irem  schleier  vnd  heupt  tragen,  Bei  pene  eins  ort  [Ba]  eins  gülden, 
Den  die  Margmeister  bei  iren  pflichtenn  einfordern  vnd  behalden, 
do  durch  das  sie  vff  die  vnd  andere  dirnen  vnd  Sachen  deste  bessern 
fleifs  vnd  auff  sehen  haben  sollen. 

Wo  abir  die  Margmeister  dorinne  seumig  adir  ymandis  vor 
hengen  adir  nachlassen  werdenn,  den  sali  der  Rathe  sampt  den 
eldisten  selbst  dorümb  straffen,  ein  tag  vnd  nacht  in  den  Torm  legen. 

Item,  welch  man  adir  weip,  sie  sein  bürger  adir  inwoner,  solche 
heimliche  adir  offinbare  diernen  vnd  weiber  hawsen  adir  herbrigen 
wurd,  der  adir  die  sali  dem  Rate  iedes  halben  iars  von  einer  person 
ein  halb  schogk  groschen  geben. 

\'nd  so  offt  vnd  digk  von  wegen  der  selbigen  diernen  einer 
ader  mhr  in  des  burgers  adir  inwoners  hawfs  adir  raithe  einiche 
auffrhur  vnd  offinbarlich  grofs  auft'leuffte  gemachtt  würde  adir  ge- 
schrei,  also  das  sie  ein  offinberlich,  vnzcochtig  vnd  vnuorschempt 
lebenn  hette  adir  triebe:  Szo  sali  der  selbig  wirt,  bürger  adir  in- 
woner, dem  Rath  ein  schogk  groschen  zu  bufs  geben,  Vnd  solch 
bufs  sali  der  Rath  vnablessig  vnd  vnuormindert  einfordern  vnd 
nhemen. 

Die  ienigenn,  die  solch  auffVhur  gemacht,  was  wesens  adir 
standis  die  seint.  Die  sollen  noch  aussatzung  der  Rethe  adir  vnser 
Statut,  vnd  die  dierne,  vmb  der  willen  der  auft'lawff  geschehen,  noch 
gelegenheit  vnd  gröfse  der  auffrhur  vnd  verhandelung  gestrafft  adir 
von  der  Stad  geweist  werden. 

Würde  auch  imandis,  es  wher  man  adir  weibs  bilde,  bfunden, 
der  ader  die  vnredliche  leut  zw  suntlichem  handel  ader  wesen  auft"- 
hielde  vnd  also  zw  mher  laster,  schände,  vnere,  adir  zw  ehebruch 
furdernis  adir  vorhengknis  tete,  do  durch  weiber,  meide  adir  andre 
personen  in  vnzcüchtig  leben  adir  wesen  gefurt  adir  gebracht  würden, 
den  adir  die  sali  man,  wo  sie  sich  [Bt>]  anders  zw  peinlicher  straft" 
weiter  nicht  vorwirgkit  ader  vorhandelt  haben,  ewig  aus  der  stad 
zw  weisen. 

Würde  auch  yndert  eine  heymliche  adir  offinbare  dirnne  in 
pfarkirchen,  Clöster  adir  Capellen  neben  andere  erliche  personen 
adir  sust  in  einem  stull  adir  sunderlich  gemacht  gesefs  treten  adir 
sitzen.  Sali  darumb  dem  Rathe  ein  ort  eines  reynischen  gülden,  so 
offt  das  von  ^nen  adir  von  einer  yeden  besehen  würdet,  vorfallen  sein '). 

Vonn  wirdtschafften. 

Es  sollen  die  burger,  die  in  Rethen  sind,  aller  lewthe,  fso  sie 
zw  wirtschaft'cen  biten  vnd  laden,  vbir  sechs  tisch  nicht  haben  vnd 
setzen.  Vnd  mögenn  zweNerlei  weyn  vnd  z\ve\erley  frembde  bir 
geben  vnd  nicht  dorübir. 

Die  gemeynen  burger  etc.  sullen  vbir  vier  tisch  nicht  habenn. 
Auch  vbir  eynerlei  wein  vnd  eynerley  frembde  bir  nicht  geben, 
Doch  mag  ein  yder,  der  die  w^rtschaft't  aufsricht,  einen  nachtisch 
haben,  also  doch,   dals  die  geste  dorinne  beschlossen  sevn.     Aber 


^)  In  der  Verordnung  über  die  Dirnen  vom  30.  März  1463  heifst 
es  einfach:  „Sie  sallen  auch  bei  keine  fromme  frauwe  in  der  kirchen 
in  die  stule  treten". 


Kleinere  Mitteilungen.  qic 

der  priester,  der  die  Brawtmesse^j  singet  mit  zweyen  dynern  als 
zweyen  korschulern,  Custoden  vnd  Organisten  sali  in  die  obbemelte 
zcal  nicht  gezcogen  sein.  Auch  sollen  sie  keinen  süssen  wein  zw 
tringken  geben.  Vnd  der  gemeine  bürger  adir  hantwerger  sollen 
keinen  frembden,  sunder  allein  landtwein  geben. 

Item  tzw  Wirdtschafiftenn,  Hochzceitenn  adir  einn  wirdt  seinen 
gesten  sali  nymandis  vbir  meinem  tisch  des  morgenns  vbir  sechs 
essen  vnd  des  abinds  vber  funff,  Nach  vff  eyne  malzceit  vnd  eine 
schvissel  vbir  sechserley  gebratens,  dor  vnter  mag  er  zwej^erley 
wilprat,  wafserley  das  sey,  vogel  adir  anders,  geben,  Doch  das  das- 
selbig  gebratens  zcymlicb  angericht  vnd  überflüssikeit  vormyden 
werden.  Do  mit  sollen  alle  schaw-  [b  ij  a]  essen 2),  hirschzcemeP) 
Vorboten  sein  zw  geben.  Von  allen  vnd  itzlichen  stügken  obin- 
bemelt  sali  yderman,  der  das  vbertrit,  dem  Rathe  von  iglicher  person 
ein  gülden .  adir  von  itzlichem  obgemelten  stügk  funff  gülden  Rei- 
nisch  zw  bufs  vnableslich  vorfallen  sein. 

Vnd  welcher  adir  welche  person  eyn  wirt schafft  aufsrichten 
will,  der  adir  die  soll  vor  der  wirtschafft  ein  buchlin  ader  vor- 
zceichnufs  von  dem  Rath  haben  vnd  entpfaen,  sich  dornoch  haben 
zwrichten  vnd  das  selbige  büchhn  des  dritten  tags  noch  der  wirt- 
schafft dem  Rate  wider  antworten  vnd  sich  gegen  dem  Rathe  recht- 
uertigen,  das  er  sich  mit  vfsrichtung  der  wirtschafft  in  allen  stiigken 
noch  aufsweysung  des  buchlins  gehalden  vnd  das  nicht  vbirfarn 
habe,  Bei  obgerurter  pene  funff"  gülden. 

Gemeyne  bürger  ader  hantwerger  sollen  nicht  mher  den  auff 
den  morgen  funff  vnd  auff'  den  abind  vier  essen  vnnd  vbir  vierley 
gebratens,  dorunder  ein  wilprat  allein  sein  mag,  nicht  haben.  Vnd 
zw  gleich  von  itzlichem  stügke,  das  vbirtretten  wirdet,  zw  pene 
drey  Reinische  gülden  vorfallenn  sein  vnableslich  zw  nhemen  Vnd 
sich  auch  noch  des  Raths  buchlin  halten,  Bei  obgerurter  pene. 


1)  Im  Laufe  des  lo. — 12.  Jahrhunderts  setzte  die  Kirche  die 
Forderung  durch,  dafs  die  öffentliche  Hochzeit  (publicae  nuptiae) 
—  die  Verlobung  liefs  sie  als  einen  Akt  des  weltlichen  Vormund- 
schaftsrechts aufser  Betracht  —  in  der  Kirche  durch  den  priesterUchen 
Segen  nach  Anhörung  der  Brautmesse  gefeiert  wurde.  Den  nächsten 
Schritt  tat  sie  damit,  dafs  sie  die  weltliche  Übergabe  der  Braut  an 
den  Bräutigam  mit  dem  kirchhchen  Akte  zu  verbinden  suchte.  Sie 
forderte  daher  die  Verlegung  des  ersteren  Aktes  vor  die  Kirchentür 
in  Gegenwart  des  Priesters;  gleich  darauf  sollte  in  die  Kirche  ge- 
zogen und  die  Brautmesse  gefeiert  werden.  Endlich  verbot  sie  die 
Laientrauung  (Weinhold  I,  355;  vgl.  auch  neuestens  R.  Stapper, 
Die  älteste  Agende  des  Bistums  Münster,  Münster  1906,  S.  iiof.). — 
Aus  dieser  und  der  durch  ein  *  markierten  Stelle  auf  S.  316  scheint 
sich  zu  ergeben,  dafs  damals  in  Leipzig  die  Eheschliefsung  ,in  facie 
ecclesiae'  noch  nicht  gefordert  wurde.  Gefordert  wurde  eben  nur, 
dafs  die  Brautleute  vor  dem  Festmahl  eine  Messe  hörten. 

-)  Schauessen  -  Aufsätze  von  Speisen,  die  bei  Festmählern  nur 
zur  Zier  und  nicht  zum  Verspeisen  aufgetragen  werden,  wie  zierlich 
ausgeputzte  Schweinsköpfe,  buntfarbige  Gallerte  u.  dgl.,  zuweilen 
auch  Nachbildungen  von  Speisen  in  nicht  efsbarem  Materiale: 
D.Wb.VIII,  2338. 

^)  =  Hirschziemer. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXVIII.    3.  4.  21 


3i6  Kleinere  Mitteilungen. 

Item  es  solle  n^-niandis  zw  hochzceiten  vnd  wirtschafften  den 
gasten,  so  er  gebeten,  vbir  drey  mal  zw  essen  geben  bei  pene  sechs 
gülden,  Vnd  vbir  ein  tisch  vbir  zcehen  person  nicht  setzen  Bei  pene 
von  iglicher  person  eins  reynischen  guldenn,  Aufsgeschlossen  den 
frembden,  den  einer  des  andern  tags  im  wegk  zcyhen  ein  malzceit 
geben  mag,  dor  zw  vnnd  dor  bey  der  adir  die  die  wirtschafft  aufs- 
gericht  nymandis  laden  adir  haben  sali  dan  Brawt  vnd  breutgams 
vater  vnnd  muter,  brüder  vnd  Schwester  zwsampt  dem  küchemeister, 
schengken  vnd  beyden  brawtdienern.  Vnd  do  mit  sali  yn  vnd  den 
iungenn  gesellen  yre  aide  gewonheyt  adir  CoUation,  Szo  man  yne 
vormals  vff  den  hochzceit  tag  aufswendig  des  hawfses  [bijb]  der 
wirtschaftt  gegebenn  hat,  abgestelt  seinn. 

Es  sal  hinfurder,  vbrige  kost,  schadenn  vnd  vnrathe  zuuor- 
meidenn,  ein  itzlich,  es  sei  man  adir  weip,  das  d}^  wirtschaftt  aufs- 
richt,  bestellen  vnd  vororden,  Das  braut  vnd  breutgam  mit  sampt 
iren  freunden  vnuorzcoglichenn  zw  Newn  schlegenn  des  Seigers 
vftem  Rathawfs  zw  kirchenn  gehenn,  do  selbst  die  stunde  des  got- 
lichenn  ampt  mefs  zw  horenn  *,  vnd  das  man  zu  Zcehenn  schlegenn 
zu  Tisch  sitze,  Bei  pene  funff  guldenn  R;,  der  adir  die,  so  wider 
ditz  gesetze  tun,  dem  Rathe  vnableslichen  vnd  vnuormindert  zu 
geben  vorfallenn  sein  sollenn. 

Es  sollen  auch  alle  fortantz,  die  man  Walpernacht  ader  Rampel- 
nacht^)  nennet,  gantz  vnd  gar  ab  sein  vnd  nachbleiben,  Bey  pene 
drej'er  gülden. 

Bey  gleicher  pene  sollenn  auch  alle  geschengke  zw  vorlobnis, 
essen,  quese^)  gantz  ab  vnd  verboten  sein.  Vnd  ab  ymandis  aufser- 
halben  des  geste  zw  hawfs  laden  adir  bittin  wölde.  Doch  nicht  zw 
vbirfarunge  adir  hinder  gehin  vnser  Statut  vnnd  gesetze,  Szo  sali 
dennoch  ein  yder  3'ne  essen  vnd  trin^ken  zw  geben  mit  den  vorigen 
Statuten  vnd  penen  der  wirtschafftt  halben  auff  essen  vnd  tringken 
aufsgesatzt  verbunden  sein. 

Es  suUen  auch  alle  offenberliche  nachtentz ''X  dorzw  man  sun- 
derlich  vmbgehen  vnd  biten  lest,  verboten  sein  vnd  ane  sunderliche 
erlawbung  des  Raths  nicht  gehalden  noch  zw  gelassen  werden, 
mancherley  leichtuertigkeit,  vnkost  vnd  vnnütze  zcerung,  so  den 
bürgers  fsönen,  einwonern  vnd  andern  do  von  entstehet,  zuuormeiden, 
Bei  pene  sechfs  giilden  reynisch,  die  diselbigen  bürgers  fsöne,  ein- 
woner  adir  dy  sich  wesentlich  alhie  enthalden,  ein  iglicher,  der  adir 
die  solche  nachtentz  anrichten  adir  do  bey  sein  vnnd  mithalden, 
dem  Rathe  zw  geben  vnableslich  vorfallen  sein  sollen. 

[biija]   Von  geschenck  zu   den  wyrtschafften. 

Es  sali  nymands  zw  keiner  zceit  Brawt  vnd  breutgam  vbir 
zcehen  halb  groschen  adir  ein  ort  eins  gülden  schengken,  aufs  ge- 


')  Schon  die  Leipziger  Polizeiordnung  von  1454  (Cod.  dipl.  Sax. 
reg.  II,  8,  349  Nr.  317)  verbietet,  dafs  die  Braut  einen  Tag  vor 
der  Hochzeit  Jungfrauen  zu  sich  lade  und  die  bei  sich  über  Nacht 
behalte,  „das  man  dy  Rammelnacht  [offenbar  von  rammeln  schäkern, 
spielen:  D.Wb.  VIII,  78]  genant  hat".  Vgl.  auch  Weinhold  I,  391, 
Zu  Polterabend,      nacht  vgl.  D.Wb. VII,  1989  und  1993. 

2j  Quas     Schlemmerei:  D.Wb.  VII,  2328  f. 

")  l'Jber  Nachhochzeiten  und  polizeiliche  Beschränkung  derselben 
in  Lübeck  vgl.  Weinhold  I,  391. 


Kleinere  Mitteilungen.  2 17 

schlössen  wilprat,  Bei  pene  vnd  bufs  drei  R;  f;.  Vnd  vater  vnd 
)nuter,  btüder  vnd  Schwester  braut  vnd  breutgams  mögen  schencken 
bette,  küssen  ader  anders  in  malsen,  wie  vor  geschehen  ist. 

Item  iungkfrawen  vnd  frawen,  die  sollen  zw  wirtschafften  nicht 
vbir  funff  halbe  groschen  adir  einen  halben  ort  schencken,  Bei  pene 
eines  halben  gülden  reynisch. 

Item  Brawt  vnd  Breütgam  sollen  nymand,  wider  freunden  noch 
frembden,  zw  der  hochzceit  schwe,  badekappen,  hembde  adir  der 
gleichen  schengken,  Bei  pene  drey  R;  gülden.  Aufsgenomen  die 
Brawt  mag  dem  breütgam  eine  badekappe,  hembde  vnd  krantz,  auch 
beyden  brawtdinern  itzlichem  einen  krantz,  vnd  sust  nymandis  kein 
krantz  mher  noch  sust  ichts  geben,  Bei  pene  von  itzlichem  einen 
halben  reynischen  gülden  \). 

Item  Man  sali  in  keiner  wyrtschafft  hinfurder  den  handtwergern, 
schustern,  schneidern  vnd  andern,  als  Schülern,  lewthern,  hawfs- 
leüten,  stadknechten  noch  sust  nymands  ausserhalb  des  hawses  der 
hochzceit,  er  sei  gebeten  adir  vngebeten,  von  der  wyrtschafft  soppen 
noch  sust  keynerley  essen  noch  tringken  geben  ader  vorschigken, 
Bei  pene  eynes  rej^nischen  gülden,  Vsserhalben  was  man  vmb  gots 
willen-)  geben  will. 

Item  Gleicher  weifs  sali  es  mit  den  Ersten  messen  ä)  gehalden 
werden,  Bey  obgemelter  pene,  Aufsgeschlossen  frembden,  ab  die  von 
der  malzceit  zu  der  wirtschafft  vngeessen  komen. 

Es  sali  auch  kein  koch  noch  gesinde,  helffer  adir  helfferin  zu 
der  köchenn  gebraucht,  keynerlei  essen  an  fleisch,  gar  ader  rohe 
adir  wor  an  das  sust  ist,  aus  der  küchen  adir  sust,  ane  wissen 
[biijb]  vnd  willen  des  ader  der,  die  die  wirtschafft  aufsrichten,  vor- 
geben, vorschicken  ader  selbst  wegk  tragen  bei  vormeydung  adir 
vorlust  seins  dinsts  vnd  lohens.  Man  sali  auch  den  kochen  alleyn  itz- 
lichem vff  den  abind  zw  schlaff  trangk  heim  zu  tragen  nicht  vbir  ein 
halb  Stöbgin  bir.  Auch  dem  selbigen  koch  von  den,  den  sechs  tisch  er- 
lewbt  sein,  nicht  vber  zwen  gülden  Vnd  von  den,  so  vier  tisch  erlaubt, 
nicht  vber  dreifsig  eroschen  allinthalben  zw  lone  geben  werden. 

Es  sali  auch  die  brawt  dem  koch  inns  brauthun'')  vnd  denn 
pfeiffern  ins  begken  iedem  teil  nicht  öbir  ein  ort  einns  güldenn  zw 
geschengke  geben,  Vnd  sali  auch  allen  vnd  itzlichen,  die  wirdtschafft 
aufsrichten,  vor  adir  nach  bad^)  zu  bestellen  verboten  sein,  Bei  pene 
drei  reinisch  gülden. 

Von  brautbette   geschencke. 
Man  sali  autf  das  Brautbethe  hinfurder  kein  Confeckt  noch  süssen 
wein  geben  Noch  zw  kindttewft'en,  kirchen  gehenn  vnd  in  der  dreien 


*)  Über  die  uralte  Sitte  der  Hochzeitsgeschenke  und  luxus- 
polizeiliche Verordnungen  dagegen  vgl.  Wein  hold  I,  3  69  f.,  über  Ge- 
schenke der  Braut  an  den  Bräutigam  und  die  Brautführer  ebenda  305. 

2)  =  als  Almosen  an  Arme. 

^)  =-  Primizen. 

*)  Am  Morgen  nach  der  Hochzeitsnacht  brachte  man  den  jungen 
Eheleuten  ein  gebratenes  Huhn,  das  Brauthuhn,  ans  Bett.  Über 
Polizeiverordnungen  gegen  den  damit  verbundenen  Luxus  vgl. 
Weinhold  I,  387^ 

^)  Das  Brautbad  war  ursprünglich  eine  entsühnende  Weihung. 
Seit  dem  14.  Jahrhundert  wurden  an  diesem  Tage  üppige  Schmause 
abgehalten:  Wein  hold  I,  337!. 


3i8 


Kleinere  Mitteiluno-en. 


ader  sechs  wochen  kein  kostung  wider  mit  tladenn,  kuchen  adir 
anderm  bei  einem  schock  groschen  silbernn  möntze.  Abir  einen  wein 
vnd  ein  frembd  bir  mag  man  wol  schengken,  ader  keinerlei  andern 
noch  süssen  wein  geben  ^).  Des  gleichen  sali  es  zw  begengknissen 
vnnd  ihartagen  auch  gehalden  werden. 

Es  mag  abir  ein  kindtbetterin,  so  sie  zw  kirchen  gegangenn, 
den  frawen,  iso  bei  ir  in  iren  nöten  sein  adir  gewest,  vnd  sust  ni- 
mandis,  wol  ein  malzceit  geben. 

Von  gefatterschafft,   Kindttewffen,  Sechs  vnd  dreien 
wochen  vnd   Kirchgang  etc. 

Auch  sali  nimandes,  es  sei  Mannes  adir  Weybes  bilde,  das  [lo*] 
zw  gefattern  gebeten  wnrdt,  zw  dem  kindttewften  dem  kinde  der 
man  nicht  vbir  tzehen  halbe  groschenn  adir  ein  ort  eines  gülden 
Vnd  die  fraw  adir  iungfraw  vbir  funlT  halbe  groschen  adir  ein  halben 
ort  eines  gülden,  einlegen,  Bei  pene  eins  reinischen  gülden"^). 

Von   Czechen  vnd   Biergehen. 

Es  sali  nimandes,  es  sei  inwoner  adir  hantwergs  geselle,  die 
iren  meistern  tagwergk  gedieng  adir  sust  arbeiten,  an  wergtagen  zu 
den  zcechen  in  keinen  keller  noch  schenckhauls  noch  auch  des 
heiligen  adir  wergketags  zw  gebrantem  wein  gehen  vnd  sitzen,  Bei 
pene  eins  ort  eines  gülden. 

Es  sali  kein  handtwergs  man  des  wergtags  vor  der  vesper  zceit 
zum  bire  noch  zum  wein  vnd  zur  zceche  gehen  adir  sitzen.  Auch 
in  keinem  keller  vor  der  selbigen  zceit  vor  adir  nach  mittage,  Bei 
pene  eines  halben  reinischen  gülden. 

Es  sali  auch  kein  wirt  noch  Birschengk  an  wergk  tagen  orthe 
adir  bierzcechen  des  stad  volgks  vor  der  vesperzceit,  als  vor  zweien 
schlegen  des  Seigers,  in  seinem  hawfs  halten,  bei  pene  eins  halben 
R;  gülden,  Sündern  an  Feiertagen  mögen  sie  Birgeste  setzen  vnd 
orthen^)  in  iren  hewsern,  wenne  sich  die  heiUgen  gotlichen  ampt 
geendet  haben  vnd  ehr  nicht.  Doch  das  der  selbige  Wirdt  adir 
Bierschengk  sulche  Biergeste  vnd  zcheche  Sommerzceit,  als  von 
Ostern  bifs  vff  Bartholomei,  vff  den  abind  vmb  newn  hören,  Vnd 
von  Bartholomei  bis  vff  ostern  des  abinds  vbir  sechs  hören  an  der 
zceche  nicht  halten,  Noch  denne  nicht  mhr  bier  zwtrincken  vor- 
kauffen  ader  geben  lassen,  Bei  pene  eins  halben  R;  gülden.  Welch 
wirt  ditz  an  heiligen  tagen  nicht  halden  vnd  vbirgehen  wurde,  das 
der  selbige  von  einer  itzlichen  person,  die  bei  im  bfunden,  ein  halben 
gülden  zw  pene  gebe. 

[lobj  Vnd  ein  itzlicher  Weinschengk  sali  sein  keller,  wen  des 
Rats  keller  geschlossen,  als  nemlich  im  Sommer  zw  zcehen  vnd  im 
Winter  zu  newn  schlegen  des  seygers  vffem  Rathaws,  aufsgeslossen 
in  merckten,  auch  zw  schlissen.  Bei  der  selbigen  pene.  Vnd  welcher 


')  Über  die  Besuche  der  Wöchnerin  im  Kindbett,  die  zu  kost- 
spieligen Gastereien  ausarteten,  über  die  übertriebenen  Geschenke, 
die  von  den  Gästen  der  Kindbetterin  aufs  Bett  gelegt  wurden,  über 
das  Gepränge  beim  Kirchgang  der  Wöchnerin  vgl.  Wein  hold  I,  94 f. 

^)  Über  Patengeschenke:  Wein  hold  I,  94. 

^)  orten  transitiv  kennt  das  D.Wb.  (MI,  1362)  nur  in  der  Be- 
deutung: in  die  Ecke,  bei  Seite  schieben  (Speise,  Futter). 


Kleinere  Mitteilungen.  5 ig 

schengk  adir  wyrdt  das  nicht  tete  vnd  dorübir  seinen  keller  offen 
liefs  adir  geste  hild,  der  sali  dem  Rathe  ein  schogk  groschen  zw 
bufs  vorfallen  sein. 

Es  sollen  auch  die  Birschengken  den  Birgesten  kein  essenn, 
sunder  rechte  mafs  geben,  Bei  pene  eins  halben  gülden. 

Auch  bei  pene  eins  halben  R;  gülden  kein  Spil  vmb  gelt  adir 
geldes  werd  in  seinem  haws  zwgestaten,  aufsgeschlossen  umb  die 
zcechen  vngeuerlich '). 

Item  Keyn  tag  arbeiter  adir  ander  ledige  gesellen  sollen  an 
wergktagen  zw  Bier  gehen,  Bei  pene  eins  ort  eins  güldenn.  Wo  aber 
emer  mher  dan  dreymal  gebüst,  also  das  er  dorüber  gantz  vnge- 
horsam  vnd  vnstrefflich  sein  ader  bfunden  würde,  den  mag  der  Rath 
von  der  stadt  weysen. 

Von  mussig  gehernn   vnd  dinstboten. 

Es  sali  kein  wirt  kein  müssick  geher  vbir  zwen  tag  herbrigen 
ane  wissen  vnd  willen  des  Rats,  Bei  pene  eins  halben  R;  gülden. 

Item  welche  dinstboten,  es  sei  hawfsknecht,schirmeister,  encke-), 
ineyde,  kochin,  ader  ander  gemyet  gesinde,  ane  redliche  vrsach  adir 
mit  vnwillen  vnd  ane  gunst  seins  herren  ader  frawen  aufs  dem 
dinste,  zw  welcher  zceit  das  geschee,  gehen  vnd  sich  in  der  stad 
anderfswo  ane  dinste  vnd  redehche  vrsache  enthalden  vnd  müssig 
gehen  wölte,  Den  adir  die  sali  auch  kein  bürger  adir  inwoner  im 
weichbilde  vber  zwen  tag  hawfsen  noch  herbrigenn  bei  obenn  be- 
rurter  pene.  Vnnd  dar  zw  sali  der  dinnstbothe  seinnes  lohens  ganntz 
berawbet  vnnd  vor-  [11  a]  lustig  sein.  Vnd  es  sali  vne  sust  kein 
burger  adir  inwoner  zw  dinste  in  einem  iar  auffnehmeri,  Sundern  sali 
die  Stat  ein  iar  meiden  adir  dem  Rathe  ein  gülden  zw  bufs  geben. 

Es  sali  auch  kein  dinstboth,  knecht,  mevde  adir  wevbes  bild 
ir  laden,  kisten  adir  andre  vorschlofsne  beheltnifs  an  andernn  örtern, 
hewsernn  adir  kammernn  denne  bei  seinem  herren  adir  frawen,  dem  es 
dienet,  ire  gerethe  adir  anders  dar  inne  zuuorwaren,  stehend  haben, 
bey  vorliefsung  desselbigen  beheltnifs  vnd  was  dorinne  ist,  das  dem 
Rathe  vorfallen  sein  sali.  Vnd  der  wyrt  ader  wirtin,  der  ader  die 
solchs  herbergen,  suUen  dem  Rathe  einen  gülden  zw  bufs  geben. 
Wer  es  abir  gestolen,  sal  der  gast  vnd  wirtt  sein  pene  des  rechten 
dorumb  leiden. 

So  auch  ein  bürger,  bürgerin  adir  inwonerin  einem  andern 
seinen  dinstbotten  adir  gesinde,  es  sey  knecht  adir  magt,  ane  seinen 
wissen  vnd  willen  abspenen,  durch  hocher  gedinge  adir  ander  wege 
abzciehenn  vnd  entwendenn,  Szo  das  aufsfündigk  würde,  der  adir 
die  sali  dem  Rathe  dorümb  ein  schogk  groschen  zw  bufs  zw  geben 
vorfallen  sein  vnd  dorzw  den  selbigen  dinstboten  nicht  behaldenn. 
Vnd  der  selbige  dinstbothe  sali  auch  bei  einem  iar,  dem  negsten 
dornoch,  in  der  stadt  nicht  sein  noch  dienen,  bsunder  dasselbig  iar 
die  Stadt  meyden,  aber  dem  Rathe  ein  gülden  zw  bufs  geben. 

Von  gemeynem  bier   der  hantwerger  Innunge. 
Item  die  handtwerger  sollen  nicht  mher  dan  eines  des  iars  zw 
des  heiligen  Leychnams  adir  vff  welchen  tag   inen   das  sunst  eben 


^)  Über  Spielbufsen    in    Zwickau  15 30 ff.    vgl.  diese  Zeitschrift 
XXV,  64. 

2)  =famulus  rusticus:  D.Wb.  III,  483  f. 


220  Kleinere  Mitteilungen. 

adir  bequem  sein  wirdet,  geme3^n  bier  tringken,  Bei  pene  zcehen 
schogk  groschen. 

Es  sali  auch  allen  vnd  iglichen  hantwergs  gesellen,  welchs  hant- 
wergs  die  sein,  ein  vnd  auis  schencken  mit  kannen,  krugen,  [iit>] 
adir  sust  mit  bawgken,  pfeyffen  ader  ander  Se^tenspil  gantz  ver- 
boten sein,  des  hinfur  gantz  ab  zwstellen  vnd  zw  meiden,  Bei  pene 
einem  iglichen  zw  geben  eins  ort  eins  R;  gülden. 

Beschlufs. 

Vnd  ob  imandes,  so  in  dieser  ordenung  begriffen,  was  Standes 
adir  wesens  die  selbig  person  sei,  sulche  ordenung  in  eynem  adir 
mher  stugken  in  itzlichem  freuelich  vbirgehen  vnd  dreimal  strefflich 
funden  vnd  gebüst  wurden,  Die  selbig  person,  es  sey  eyne  adir  mher, 
sollen,  wo  sie  zum  virden  mal  straffwirdigk  vormargk  für  den  Rathe 
furgefordert  werden,  Wo  dan  die  selbig  person  in  tracht  der  kleidung 
in  einem  adir  mher  stugken  solche  ordenung  vbirgangen  hette,  sali 
der  Rathe  der  selbigen  person  so  vil  gelts,  als  in  berurter  ordenung 
auff  solche  kleydung,  in  welchem  werdt  dyselbige  sal  getragen 
werden,  gesatzt  ist,  bezcalen  vnd  hiraws  geben  vnd  dyselbige  klei- 
dung zw  sich  nemen.  Ob  abir  imands  in  andern  stücken  vbir  drei- 
mal bufsfelhg  bfunden,  diese  ordenung  vorechtlich  halden  vnd  der 
nicht  nachgehen  würde.  Die  selbige  person  sali  zwsampt  der  awff 
gesatzten  pene  in  ander  weifse  hartiglich  gestrafft  werdenn.  Wo 
auch  eine  ader  mher  sachen  strefflich  bfunden  vnd  den  ihenen,  die 
straften  tun  ader  bufs  einbrengen,  sollen  vormeldet  vnd  von  den 
selbigen  straff"  ader  bufs  einzwbringern  doran  nachlafsung  bfunden 
würde,  dieselbigen  sollen  selber  dreimal  so  vill  verfallen  sein,  als 
die  bufs  sein  wirt,  die  sie  solden  einbracht  haben,  die  auch  vnnach- 
lessig  sali  einbracht  werden. 

Vorkündiget  dornstag  nach  Felicis  in  pincis^) 
Anno  salutis  Millesimoquingentesimosexto. 


2.    Ein  Epigramm  von  Hleronymus  Emser. 

Von  Otto  Giemen. 

Überaus  zahlreich  sind  die  Klagen  über  das  unsittliche 
Leben  der  Geistlichen  im  ausgehenden  Mittelalter.  Ebenso 
zahlreich  sind  die  Kundgebungen  einzelner  Bischöfe  und 
Synoden  gegen  diesen  Krebsschaden  —  ein  Zeichen  dafür, 
dafs  jene  Klagen  zum  guten  Teil  berechtigt  waren,  ein 
Zeichen  aber  auch  dafür,  dafs  die  Kirche  immer  wieder 
pflichtgemäfs  dagegen  einschritt.  Unter  den  Gebieten,  in 
denen  es  mit  der  Sittlichkeit  des  Klerus  ,,sehr  schlimm  stand", 
nennt  Janssen,  Geschichte  des  deutschen  Volkes  seit  dem 
Ausgang  des  Mittelalters,  Bd.  I  (17.  u.  18.  Auflage,  Freiburg  i.  Br, 

^1       15.  Januar. 


Kleinere  Mitteilungen.  321 

1897),  S.  710  an  erster  Stelle  Sachsen.  Dafs  aber  auch  hier  an 
manchen  Orten  nicht  so  greuliche  Zustände  herrschten,  wie 
wohl  von  übereifrigen  Moralisten  behauptet  wurde,  beweist 
das  folgende  Gedicht  des  Hieronymus  Emser,  das  sich  von 
Stephan  Roth  eingeschrieben  auf  der  Innenseite  des  Einband- 
rückdeckels des  Foliobandes  XXIV.  V.  1 1  der  Zwickauer  Rats- 
schulbibliothek findet: 

Hiero:  Emfser. 

Ancillas  Misne  non  amplius  vndeuiginti, 

Quas  illo  secum  tempore  clerus  alit, 
Jam  non  ancillas,  sed  dicis  esse  Sibyllas, 

Conferat  etatem  si  quotaqueque  suam, 
Secula  cornicum  quoniam  superare  videntur 

Scilicet  et  querne  robora  dura  trabis. 
Expectas  numerum?  summam  accipe:  circiter  annos 

Mille  quadraginta  grex  simul  omnis  habet. 
I  nunc  et  clero  vitam  die  esse  salacem, 

Si  Veneris  vetulis  vsus  inesse  potest. 

Dürfen  wir  diesen  Scherz  ernst  nehmen,  dann  gab  es 
also  um  1500  in  Meifsen  nur  19  Pfaffenköchinnen,  die  durch- 
schnittlich 55  Jahre  alt  waren. 


3.    30  weitere  Dohnische  Schöppensprüche. 

Von  Georff  Schlauch. 


& 


In  der  Arbeit  über  den  Schöppenstuhl  zu  Dohna  (s.  diese 
Zeitschrift  XXVI,  209  f.)  ist  S.  212  ein  Eintrag  von  Th.  Distels 
Hand  im  Archivverzeichnis  III,  118  des  Dresdner  HStA.  f.  10 
erwähnt:  ,,1387  schon  ein  Rechtsgutachten  der  Burggrafen 
von  Dohna  (Original?)  in  der  Milichschen  Bibliothek  zu  Görlitz 
(Vol.  20;  18/19)."  Den  betreffenden  Band  suchte  seinerzeit 
Professor  Jecht  vergeblich,  erst  in  neuerer  Zeit  ist  er  ge- 
funden und  mit  seinem  Inhalt  ein  beträchtlicher  Zuwachs  zu 
den  bisher  bekannten  Dohnischen  Schöppenurteilen  gewonnen 
worden.  In  seinem  Aufsatze  ,,über  die  in  Görlitz  vorhandenen 
Handschriften  des  Sachsenspiegels  und  verwandter  Rechts - 
quellen"^)  beschreibt  Professor  Jecht  den  Kodex,  den  er  als 
„  Systematisches  Schöppenrecht,  Informaciones  und  Weise  des 
Lehnrechtes"  bezeichnet.  Der  jetzt  im  Ratsarchive  unter 
Varia  4,  früher  auf  der  Milichschen  Bibliothek  sub  mspt.  fol.  190 
aufgestellte    Band,    eine    um    die    Mitte   des  15.  Jahrhunderts 


1)  N.  Laus.  Magazin  LXXXII,  223  f. 


?22  Kleinere  Mitteilungen. 

angelegte  Sammlung  von  Rechtssprüchen,  enthält  aut  Bl.  i 
bis  207^  Magdeburger  Sprüche  nach  Liegnitz  und  Görlitz, 
dann  bis  Bl.  220^^  Dohnische,  denen  sich  wieder  Magde- 
burger, auch  vereinzelte  Leipziger  und  Hallische  Urteile  und 
eine  Anzahl  für  unseren  Zweck  nicht  in  Betracht  kommender 
Niederschriften  anschliefsen.  Auf  diesen  Band  bezieht  sich 
möglicherweise  auch  die  bei  Zepernick^)  befindliche  Notiz, 
nach  der  im  Görlitzer  Rathause  vier  Foliobände  vorhanden 
sein  sollten,  in  denen,  ,, besonders  in  einem  derselben,  eine 
grofse  Anzahl  Dohnaer  Schöppenurthel  anzutreffen"  seien. 
Dank  der  liebenswürdigen  Vermittelung  des  Professors  Jecht 
und  durch  das  wohlwollende  Entgegenkommen  des  Görlitzer 
Magistrats  ist  es  mir  möglich  gewesen,  den  Kodex  einsehen 
und  die  Dohnischen  Urteile  zu  einer  Ergänzung  der  eingangs 
erwähnten  Arbeit  benützen  zu  können. 

Bl.  207*^-)  trägt  am  oberen  äufseren  Rande  die  Bezeich- 
nung Donynn,  am  unteren  äufseren  Rande  die  Worte 
Donysche  Vrtel  folgen.  Die  folgenden  Seiten  zeigen  am 
oberen  Rande  eine  spezielle  Numerierung  von  I — XXXI,  dann 
beginnt  die  bei  350  unterbrochene  Zählung  der  Magdeburger 
Urteile  mit  351  wieder.  Die  Randbemerkungen  wie  die 
Zählung  sind  ungenau,  denn  das  erste  Urteil  beginnt  bereits 
Bl.  207^  Zeile  26,  und  es  sind  nicht  31,  sondern  nur  30  Urteile 
aufgezählt. 

Auch  diese  Sammlung  zeigt  den  alten  Mangel  an  genauer 
Datierung.  Nur  ein  Urteil  (Nr.  24)  trägt  Datum  und  Jahres- 
zahl, letztere  aber  falsch,  wie  sich  später  ergeben  wird,  es 
enthält  aufserdem  einen  Hinweis  auf  einen  datierten  Brief. 
Sechs  weitere  Urteile  tragen  das  Datum  der  Ausstellung, 
und  zwar:  Nr.  23:  Mitwoch  noch  Assumpcionis  Marie;  Nr.  25: 
Montag  noch  Letare;  Nr.  26:  Dinstag  Valent.ini;  Nr.  27: 
Montag  vor  Petri;  Nr.  29:  Montag  nach  Quasimodogeniti  und 
Nr.  30:  Freytag  noch  Allirgotisheyligin  tage.  Von  ihnen  ist 
nur  Nr.  26  mit  Wahrscheinlichkeit  auf  den  14.  Februar  141 7 
zu  bestimmen.  Drei  Urteile  enthalten  auch  noch  den  Tag 
der  Anfrage,  Nr.  25:  Mittwoch  vor  Gregori;  Nr.  27:  am  Tage 
der  IG 000  Ritter;  Nr.  30:  Mittwoch  vor  Simon  Judä. 

Die  Urteile  sind  namentlich  deshalb  interessant,  weil  18 
von  ihnen  (Nr.  i  — 16,  20,  22)  aus  der  Zeit  der  Burggrafen 
stammen.  Leider  sind  auch  die  Einleitungen  häutig  ungenau. 
So  beginnt  die  Sentencia  des  ersten  Urteils  mit  den  Worten: 


')  Zepernick,  Miscell.  z.  Lehnrechte  I,  f.  XXII. 

-)  Die  Paginierung  ist  erst  neuzeitlich  mit  Bleistift  durchgeführt. 


Kleinere  Mitteilungen.  323 

„Hirouff  sprechin  wir  a.  b.  c.  gebrudere  houptmanne  zcu 
Donyn  vor  ein  recht."  Das  Wort  „gebrudere"  deutet  doch 
sicher  auf  die  Burggrafen  hin,  der  Schreiber  erspart  sich  aber 
nicht  nur  die  Aufzählung  der  Namen,  sondern  fügt  auch  noch 
den  sinnlosen  Titel  ,, houptmanne  zcu  Don}^"  hinzu.  Auch 
wo  er  die  um  die  Wende  des  14.  Jahrhunderts  lebenden  vier') 
burggräfhchen  Brüder,  Otto  Heyde  III.,  Jeschke,  Otto  Mui 
und  Jan,  erwähnt,  läfst  er  regelmäfsig  Mul  aus  und  hält  Otto 
Heyde  anscheinend  für  zwei  Personen.  Zwei  Sentenzen  (Nr.  2 
und  3)  beginnen:  ,,Wyr  Otto  heide  Jeschko  vnnd  Jan  ge- 
brudere burggrauen  zcu  Donyn",  die  anderen  gröfstenteils 
„Wir  Otto  Jeschko  heyde  vnnd  Jon"  oder  ,,Wir  Otto 
Jefske  usw.",  eines  (Nr.  11)  nur  ,,WyrJefsko  usw."  Aus  dem 
Fehlen  Muls  den  Schlufs  zu  ziehen,  dafs  die  betreffenden 
Rechtsbelehrungen  erst  nach  Muls  am  11.  März  1401  er- 
folgtem Tode  erteilt  worden  seien,  verbietet  der  Umstand, 
dafs  ein  bei  Anton  (s.  u.)  gedrucktes  Urteil  (Nr.  20)  Mul  mit 
aufführt. 

Das  Urteil  Nr.  17  nennt  keine  Aussteller  (hirouff  spreche 
usw.),  Nr.  22  die  Burggrafen  und  ihre  Mannen  (vnnd  vnfser 
man),  die  übrigen  Urteile  sind  von  der  Mannschaft  (von,  zu 
Donyn;  der  Dohnischen  Pflege)  gefällt,  zum  Teil  unter  Nennung 
des  Hauptmanns,  des  markgräflichen  Vogtes  zu  Dohna.  Fünf 
Schöppensprüche  werden  erteilt  durch  Hans  Bebrach,  Vogt 
zu  Dohna  (18,  19,  27)  oder  unter  Hans  Bebrachs  Siegel  (21), 
„das  wir  mannschafft  mete  gebrauchin"  (23);  zwei  durch 
Hans  von  der  Oelsnitz,  Hauptmann  (24,  25),  je  eins  durch 
Heinrich  List  (26)  und  Foltsch  von  Torgau  (28),  die 
beide  als  Hauptleute  bezeichnet  werden,  zwei  durch  Apetz 
Kar  ras  (29:  Apetz  kaws  houptman,  30:  Dewps  karas  heupt- 
mann).  Diese  Namen  ergänzen  nicht  nur  die  bisher  bekannte 
Reihe  Dohnischer  Vögte,  sie  ermöglichen  auch,  zusammen- 
gehalten mit  den  Resultaten  meiner  ersten  Arbeit,  eine  ge- 
nauere Bestimmung  verschiedener  Urteile. 

Ich  hatte  mich  bereits  früher  für  Gottschalks  Ansicht 
ausgesprochen,  dafs  Hans  Bebrach  Vogt  zu  Dohna  gewesen 
sei,  wahrscheinlich  um  1412.  In  dem  von  ihm  gezeichneten 
Urteile  Nr.  18  streitet  nun  Kwnhanns  (kynnhanns)  mit  der 
Frauen,  derselbe  (kwnhans,  kinhans)  in  Nr.  19  mit  der  Frau. 
Einen  gleichen  Streit  betraf  aber  das  Urteil  Nr.  30  meiner 
ersten  Veröffentlichung,  der  nach  Knothe  141 1  zu  gunsten 
der    Frau    Katharina,    Leuthers    von    Gersdorf   Witwe,    und 


^)  Der  fünfte,  Friedrich,  kommt  als  Geistlicher  nicht  in  Betracht. 


224  Kleinere  Mitteilungen. 

gegen  Hans  (Jon)  von  Gersdorf  auf  Reichenbach,  früher  auf 
Kuhna,  „dem  Kuhnehans",  durch  die  Mannen  zu  Dohna  ent- 
schieden wurde.  Zur  selben  Zeit  war  Hans  von  Bibrach  mit 
seinem  Bruder  Gebhard  Besitzer  von  Grofssedhtz  bei  Dohna  ^). 

In  Nr.  21  sprechen  Jan  und  Heinrich  Güter  an,  die 
Lutold  innehat.  Auf  Angehörige  der  FamiUe  Gersdorf  scheint 
sich  der  Streit  nicht  zu  beziehen,  wie  man  aus  den  Vor- 
namen vermuten  könnte  (Leuther  von  Gersdorf  wird  urkund- 
hch  auch  einmal  Leutold  genannt  [Knothe  S.  220]),  da  Leuther 
schon   1408  starb. 

In  Nr.  23  gibt  Frenzel  von  Borna  an:  vier  Brüder, 
Pritsche,  Hanns,  Witche  und  Ingram  von  Landskrone,  hätten 
ihren  Besitz  so  unter  sich  verteilt,  dafs  Pritsche  den  einen 
Teil  bis  an  die  Strafse  auf  dem  Berge  hinter  dem  Dorfe 
Damas  (Dohms,  Weichbild  Lauban)  bekam,  die  anderen  aber 
die  (Sommerauer)  Heide  von  der  Strafse  ab  und  Frymsdorf 
(Primsdorf),  Sommerau  und  andere  Güter  behielten.  Nach 
ihrem  Tode  seien  diese  an  Hentschels  (Hans?)  Kinder  und 
seine  Frau  gekommen,  die  die  Heide  an  den  von  Borna  ver- 
kauft hätten.  Nun  erhöben  Pritsche  und  seine  Kinder  An- 
spruch auf  diese.  Die  Landskroner  Zschaslau  und  Kalkreuter 
und  Peter  bestritten  die  Rechtsgültigkeit  des  Kaufes,  da 
Hentschils  Kinder  unmündig  gewesen  seien,  Nickel  Lands- 
krone habe  beim  Vogt  Einspruch  erhoben  und  die  Görlitzer 
Mannschaft  demgemäfs  entschieden. 

Wenn  die  Görlitzer  Kopie  in  Bezug  auf  die  Namen  zu- 
verlässig ist,  würde  sie  einen  interessanten  Beitrag  zur  Ge- 
schichte derer  von  Landeskrone  bieten,  nach  Knothe  (S.  329) 
wären  sie  schon  seit  1366  nicht  mehr  in  der  Oberlausitz  an- 
sässig gewesen.  Von  dem  erwähnten  Besitze  gehörte  Sommerau 
später  denen  von  Biberstein,  Dohms  seit  dem  ersten  Drittel 
des  15.  Jahrhunderts  zur  Hälfte  denen  von  Kaikreuth,  die 
andere  Hälfte  und  die  Sommerauer  Heide  um  1507  Heinrich 
von  Kittlitz  auf  Eisenberg,  Primsdorf  denen  von  Rechenberg 
(Knothe  S.  664  und  641). 

Wenn  im  Urteile  27  die  Anfrage  am  Tage  der  10  000 
Ritter,  die  Antwort  Montag  vor  Petri  erfolgt,  so  können  nur 
die  Jahre  141 2  und  14 13  in  Betracht  kommen,  da  nur  in 
diesen  zwischen  beiden  Terminen  eine  Frist  von  fünf  (141 2: 
22.  Juni  bis  27.  Juni)  und  vier  (1413:  22.  Juni  bis  26.  Juni) 
Tagen  liegt,  die  einer  Anfrage  aus  Görlitz  entsprechen  würde. 


')  Am  28  Januar  1412  erhalten  sie  einen  neuen  Lehnbriet'  ( M  e  i  c  h  e , 
Burgen  u.  vorgesch.  Wohnst,  d.  sächs.  Schweiz  S.  127). 


Kleinere  Mitteilungen.  325 

Hans  von  der  Oelsnitz  ist  (Urteil  Nr.  40  der  früheren 
Arbeit)  am  24.  März  1423  bereits  als  Hauptmann  genannt, 
ihm  folgt  am  8.  Juli  1423  Apetz  Karras').  Da  er  die  Stelle 
noch  am  lo.Juh  1426  bekleidet  (Urteil  Nr.  41  der  früheren 
Arbeit),  kann  das  Datum  der  Anfrage  aus  Görlitz  in  Nr.  24 
,,  Donnerstag  vor  Agnes  1424"  nicht  stimmen,  um  so  weniger, 
als  es  1424  auf  den  20.  Januar  fällt,  die  Antwort  ,, Montag 
vor  Fabian  Sebastian"  (17.  Jam;ar)  also  drei  Tage  vor  die 
Anfrage  fallen  würde.  Dagegen  kann  das  Urteil  auf  die 
Jahre  1422  (15.  Januar  bis  19.  Januar)  oder  1423  (14.  Januar 
bis  18.  Januar)  gelegt  werden,  in  die  es  gehören  mufs,  da  in 
der  Anfrage  auf  einen  Brief  Bartholomäus  Eberhards  zu  Görlitz 
vom  16.  Oktober  142 1  Bezug  genommen  wird.  Das  nächste 
Urteil  (Nr.  25)  suchen  dieselben  Parteien.  Die  Anfrage  ge- 
schieht aus  Görlitz  unter  ,,Thamen  von  Gersdorf,  des  Haupt- 
manns der  Mannschaft,  Siegel"  am  Mittwoch  vor  Gregori 
(d.i.  1422:  II.  März,  1423:  10.  März),  der  Bescheid  erfolgt 
am  Montag  nach  Lätare  (d.  i.  1422:  23.  März,  1423:  15.  März). 
Vergleicht  man  das  Intervall  von  fünf  Tagen  zwischen  Anfrage 
und  Urteil  in  Nr.  24,  so  könnte  man  versucht  sein,  beide 
Sprüche  in  das  Jahr  1423  zu  verlegen.  Tamme  von  Gers- 
dorf war  seit  1420  Hauptmann  zu  GörUtz^),  Bartholomäus 
Eberhardt,  142 1  Bürgermeister  zu  Görlitz,  besafs  zur  gleichen 
Zeit  das  Gut  Schönbnmn  (südöstlich  Görlitz-''),  Verklagter 
beider  Urteile  ist  Peter  N.,  Richter  zu  Schönborn. 

Heinrich  List  war  1417  bis  etwa  1420  Vogt  zu  Pirna*), 
als  Vogt  zu  Dohna  ist  er  nicht  belegt.  Nehmen  wir  an,  dafs 
er  beide  Ämter  zu  jener  Zeit  verband,  wie  dies  ja  schon 
früher  Günther  sen.  von  Bünau  tat,  so  weist  uns  die  Tages- 
angabe des  Urteils  Nr.  26  „am  Dienstage  Valentini"  auf  das 
Ausstellungsjahr  1417,  da  nur  in  diesem  der  Valentinstag  auf 
einen  Dienstag  (14.  Februar)  fiel. 

Foltsch  von  Torgau  war  vom  25.  April  bis  17.  Mai  1405 
Vogt  zu  Dohna.  Er  war  aber  auch  ungefähr  1420  — 1424 
Vogt  zu  Pirna  und  hätte  in  dieser  Zeit,  zwischen  Heinrich 
List  (bis  1420)  und  Hans  von  der  Oelsnitz  (bis  1423),  die 
Vogtei  Dohna  mit  verwalten  können.  Das  völlig  undatierte 
Urteil  Nr.  28  verweist  uns  in  den  ersten  Zeitraum.  In  ihm 
streitet   Hans   von    Biberstein,    Herr    zu   Sorau    und   Beiskau 


')  HStA.  Cop.  39  f.  76b. 

-)  Knothe,  Gesch.  d.  oberlaus.  Adels  S.  193. 

^)  Ebenda  S.  168. 

*)  Meiche  a.  a.  O.  S.  107. 


326  Kleinere  Mitteilungen. 

(Beeskow),  mit  Siegmund  Bär,  Bürgermeister  zu  Bautzen,  um 
das  Lehngut  Radewar  (Radibor  nnw.  Bautzen).  Nach  Knothe 
(S.  593)  soll  letzteres  1397  "^^"^  ,, Siegsmund  Behr,  Bürger 
zu  ßudissin",  gehört,  142 1  aber  im  Besitze  von  Gerhard 
von  Bolberitz  gewesen  sein  (Knothe  S.  137);  Johann  II. 
von  Biberstein  (1346 — 1428)  war  Herr  der  obengenannten 
Besitzung-en. 

Apetzkaws  und  Dewpskaras  endlich  scheinen  wieder 
mit  dem  schon  erwähnten  Apetz  Karras  identisch  zu  sein, 
der  vom  8.  JuU  1423  bis  (mindestens)  10.  Juli  1426  Vogt 
zu  Dohna  war.  Er  zeichnet  Urteil  Nr.  29  und  30,  von  denen 
nur  letzteres  das  Datum  der  Anfrage  (Mittwoch  vor  Simon 
Judä)  und  Antwort  (Freitag  nach  Allerheiligen)  trägt.  Die 
zwischenHegende  Frist  ist  zehn  (1423)  oder  neun  Tage  (1424, 
1425),  pafst  also  bei  allen  drei  in  Frage  kommenden  Jahren. 
Das  Urteil  selbst  behandelt  eine  Willkür  zwischen  Coimann 
von  Metzinrode  und  Friedrich  von  Rabenau,  in  der  auf  einen 
Brief  des  Thamme  von  Gersdorf  an  Hans  von  Penzig  Bezug 
genommen  wird.  Die  Anfrage  unterschreibt  Nickel  von  Gers- 
dorf vom  Hörne,  Hauptmann  zu  Görlitz.  Ein  Coimann 
von  Metzrath  besitzt  nun  1422  — 1444  Liebeln  (Knothe  S.  367), 
ein  zweiter,  auf  Reichwalde  (Knothe  S.  432)  zitiert  1423 
Friedrich  von  Rabenau  wegen  Holzfrevels  vor  Gericht.  Ein 
Nickel -Voitländer  von  Gersdorf  war  142 1  Hauptmann  zu 
Görlitz  (Knothe  S.  231),  ein  Hans  von  Penzig,  der  14 19  eine 
Fehde  mit  Christoph  von  Metzradt  auf  Reichwalde  hatte,  safs 
auf  Muskau  (Knothe  S.  41 5  f.). 

Auch  einige  der  anderen  Urteile  gestatten  mitunter  durch 
die  in  ihnen  genannten  Personen  eine  etwas  genauere  Be- 
stimmung. In  Nr.  8  (burggräflich)  wird  ein  Heinze,  ein 
Heinrich  von  Schreibersdorf,  ein  Ecke  erwähnt.  Ein  Heinze 
von  Schreibersdorf  safs  Ausgang  des  14.  Jahrhunderts  auf 
Gruna  (östlich  Görlitz);  den  seltenen  Vornamen  Ecke  führt 
ein  Herr  von  Radeberg  auf  Holtendorf  und  Thiemendorf, 
dessen  Bruder  Jone  um  1390  starb. 

Im  Urteile  Nr.  9  (burggräflich)  wird  ein  Hans  von  Panne- 
witz als  verstorben  erw^ähnt.  Knothe  (S.  409)  führt  zwei 
dieses  Namens  an,  einen  1397  zu  Lossa  (nordöstlich  Königs- 
wartha),  der  aber  noch  1435  lebt,  einen  zweiten  1350  auf 
Königswartha. 

Im  Urteile  Nr.  10  (burggräflich)  handelt  es  sich  um  eine 
Geldschuld  Peters  und  seines  Sohnes  Heinrich  an  Heinrich 
von  Czirnhawse,  zu  der  Hans  von  Sebin  und  andere  Leute 
klagen.    Wenn  im  Urteile  „Peter  von  Hoberg  und  sein  Sohn" 


Kleinere  Mitteilungen.  327 

Urteil  zu  Donin  holen  liefsen,  so  könnten  dies  entweder  die 
„anderen  Leute"  oder  die  Schuldner  sein.  Ein  Peter  von  H. 
und  Sohn  Heinrich  kommen  jedoch  nicht  vor,  dagegen  1378 
bis  1401  ein  Peter  von  Grifslau  auf  Rudelsdorf,  dem  1403 
bis  1433  ein  Heinrich  von  Gr.  daselbst  folgt,  nach  Knothe 
(S.  251)  wohl  sein  Sohn;  ein  Niklas  von  Gr.,  der  im  Urteil 
als  Zeuge  erwähnt  wird,  lebt  um  dieselbe  Zeit.  Vielleicht 
betrifft  der  Streit  also  die  Familie  von  Grifslau.  Da  Knothe 
(S.  517)  berichtet,  dafs  Heinrich  Scerhusen  und  Hannus 
von  Sebin  1385  um  100  Mark,  die  letzterer  zu  fordern  hatte, 
in  Görlitz  verglichen  wurden,  fällt  unser  Urteil  also  nach 
dieser  Zeit. 

Das  Urteil  Nr.  20  zeigt  sich  durch  die  angeführten  beiden 
Lehnbriefe  als  identisch  mit  dem  alten  Urteile  Nr.  7,  das 
Anton  veröffentlicht  hat  und  das  sich  auf  den  13.  Januar  1390 
bestimmen  liefs.  Es  zeigt  so  recht  die  Unzuverlässigkeit  des 
Abschreibers,  der  im  ersten  Lehnbriefe  nach  ,, gegeben  zu 
Prag  an  deme  irsten"  die  Schlufsworte  ,,Tage  in  Ottobris" 
vergifst.  Wenn  Anton  im  zweiten  Lehnbrief  das  wohl  richtigere 
Jahr  1382  hat  statt  1388  und  unter  den  urteilfällenden  Burg- 
grafen auch  Mul  nennt,  so  war  die  ihm  vorliegende  Kopie 
wohl  die  bessere,  obwohl  sie  bereits  so  vermodert  war,  ,,dafs 
ihr  Dasein  nicht  mehr  lange  bestehen"  konnte'). 

Die  Urteilsfloskeln  sind  völlig  dieselben  wie  in  den  bereits 
bekannten  Schöppensprüchen,  nur  dafs  die  Burggrafen  an  Stelle 
des  ,,wir  sind  um  Recht  gefragt  worden"  das  zeremoniellere 
,, bekennen  und  tun  kund,  dafs  wir  um  Recht  gefragt  sind", 
setzen.  Die  Formeln  der  Zuschriften  sind  die  im  Verkehr 
mit  adeligen  Herren  gebräuchlichen:  „Vnfsern  vnuordrossen 
willigen  dinst  zcuuor  lobesamer  gestrenger  gunstiger  forderer" 
(Nr.  23),  „Unfsern  vnuordrossen  dinst  mit  fruntlicher  behege- 
lichkeyd  Edelen  weyssin  hern,  besundern  gonner,  ewer  vor- 
sichtike3^t  thw  wir  zcuwissin"  (Nr.  28),  ,, Bitte  wir  ewer  weys- 
heid  vnns  zcu  vndirrichten"  (Nr.  25)  oder  ,,zcu  vndir- 
we3'ssin"  (Nr.  24). 

Die  meisten  Urteile  zeigen  durch  die  kopierte  Anfrage 
oder  durch  Redewendungen,  dafs  sie  schriftlich  gegebene  Be- 
scheide waren,  und  zwar  solche  eines  freiwillig  gewählten 
Schiedsgerichts,  oder  erbetene  Ratschläge  des  im  Gerüche 
gröfserer  Kenntnis  stehenden  Gerichtes.  Den  schriftlichen 
Bescheid  beweisen  Äufserungen  wie  ,,hirouff  spreche  wir 
schrifftliche    schault   vnnd    antwort    als    die   vor   vnns   brocht 


1)  Anton,  Diplomat.  Beiträge  S.  227. 


328  Kleinere  Mitteilungen. 

ist"  (Nr.  26),  „Des  beten  wir  vns  yn  ewern  vorsigelten  briffe 
So  ir  das  eh  gethun  moget  wedir  zuuorschreibin"  (Nr.  23) 
und  „Hirinne  bitte  wir  ewre  lobeliche  weysheid  vnns  zcu 
vndirweyssin  noch  leenrechtis  rechte  vndir  ewren  Ingesigel" 
(Nr.  28).  Im  Urteil  Nr.  10  haben  die  Parteien,  nachdem  ein 
Urteil  von  Dohna  schon  eingeholt  ist,  sich  verglichen,  die 
Sache  niemals  wieder  vor  Gericht  zu  bringen,  sondern  durch 
vier  Schiedsrichter  entscheiden  zu  lassen.  Trotzdem  reisen 
die  Zeugen,  Klaus  Heller  und  Niclas  von  Grifslau,  selbst 
nach  Donin,  wohl  weil  sie  selbst  keine  Entscheidung  fanden, 
und  es  wird  auch  noch  ein  dritter  Spruch  (Nr.  10)  eingeholt. 
In  ähnlicher  Weise  beschlielsen  die  Parteien  in  Nr.  28  ,,die 
[Sache]  keyn  Donynn  [zu]  schreibin",  wenn  sie  nicht  ent- 
schieden werden  könne.  In  Nr.  28  ermächtigt  Siegmund  Bär 
die  Mannen  zu  Friedland,  falls  sie  selbst  Recht  nicht  finden 
können,  ,,das  ir  das  holet  an  der  stat  do  ir  daz  billich  holin 
sollet  noch  leenrechtis  rechte  als  recht  ist".  Sie  holen  es 
in  Dohna  und  zeigen  dadurch,  dafs  dessen  Ruhm  eben  vorzugs- 
weise auf  lehnrechtlichen  Entscheidungen  gegründet  war. 

Diese  Inanspruchnahme  des  Dohnaer  Gerichts  geschieht 
auch  hier  wiederholt  durch  die  gleichen  Parteien.  So  sind 
letztere  dieselben  in  Nr.  i  und  22,  in  Nr.  5  und  7,  in  Nr.  18 
und  19,  in  Nr.  24  und  25,  so  ist  in  Nr.  11  bereits  früher  ,,das 
recht  von  Donyn  her  geteylt",  ebenso,  wie  schon  erwähnt, 
in  Nr.  10. 

Wenn  in  der  „Sentencia  von  Bekentnisse  Neyn  vnnd 
yo"  (Nr.  4)  die  Burggrafen  bekennen:  ,,Eynn  Jude  qwam  vor 
vnns  vnd  sprach"  (ein  Ritter  sei  ihm  30  Mark  Groschen 
schuldig;  Frenzel  habe  gebürgt;  er  begehre  mit  ihrem  be- 
siegelten Brief  als  Beweis  Gerichtes  und  Antwort)  —  ,,der 
Ritter  antwortet"  (er  bekenne  sein  Siegel,  doch  die  Summe, 
die  er  gern  zahlen  wolle,  sei  nur  10  Mark)^ —  ,, Frenzel  spricht" 
(er  bekenne  sein  Siegel,  die  Summe  wisse  er  nicht),  so  er- 
weckt das  den  Anschein,  als  sei  das  Urteil  im  offenen  Ding 
gesprochen.  Dann  würde  diese  Schuldklage  die  Bd.  26,  S.  231 
ausgesprochene  Ansicht  widerlegen,  d^fs  offene  Dingsprüche 
des  Dohnaer  Schöppenstuhls  nur  lehnrechtliche  Streitigkeiten 
betreffen  durften.  Wir  finden  aber  die  Redewendungen  ,,kam 
vor  uns",  ,, spricht"  und  ,, antwortet"  so  oft  in  nachweisbar 
schriftlich  gegebenen  Bescheiden,  dafs  sie  nicht  als  beweis- 
kräftig für  ein  Dingurteil  angesehen  werden  dürfen.  Eher 
schon  könnte  das  Urteil  Nr.  5  ein  solches  sein.  Es  trägt  die 
Überschrift:  ,, Sentencia.  Mit  orteylen  behalden.  Vor  gehe- 
getter  banck  zwir  frogin  vmb  recht  ann  vnns  Ottenjeschkon 


Kleinere  Mitteilungen.  329 

Heyde  vnnd  Jon  ist  also."  Im  Texte  spricht  der  Kläger: 
sein  verstorbener  Bruder  habe  120  Mark  hinterlassen,  die 
einer  innehabe;  er  verlange  seinen  Erbteil  (es  sind  mehrere 
Geschwister);  der  Antworter  spricht:  der  Kläger  und  auch 
die  Frau  hätten  das  Geld  angesprochen,  die  Frau  es  vor 
gehegter  Bank  gewonnen.  Dem  entgegnet  der  Kläger,  er 
wolle  nicht  der  Frau,  sondern  seines  Bruders  Geld.  In  diesem 
Urteile  würde  es  sich  also  um  Erbe  in  einem  offenen  Ding- 
spruche handeln.  Aber  auch  hier  scheint  die  ,, gehegte  Bank" 
sich  auf  die  erste  Instanz,  die  den  Dohnaer  Ratschlag  ein- 
holt, zu  beziehen. 

Die  Rechtsprechung  des  Dohnischen  Schöppenstuhls  um- 
falst  auch  in  diesen  30  Sprüchen  das  bisher  bekannte  Gebiet, 
doch  bieten  zwei  Urteile  besonderes  Interesse.  In  Nr.  23 
wird  von  Borne  eines  Friedensbruches  beschuldigt,  darauf 
entscheidet  die  Mannschaft  unter  Hans  von  Bibrach:  ,,darüme 
fuget  vnns  doruff  nicht  zcusprechin  Sintdemole  das  die  sache 
vnuorantwortet  ist".  In  Nr.  30  aber,  die  eine  Willkür  zwischen 
Colmann  von  Metzradt  und  Friedrich  von  Rabenau  betrifft, 
die  letzterer  nicht  gehalten  haben  soll,  antworten  die  Mannen, 
„wenne  wir  abir  willekore  vorder  keynn  Recht  sprechin". 
Sie  entscheiden  also  nicht  nur  über  Stadtrecht  nicht  (Bd.  26 
S.  235),  sondern  auch  nicht  über  persönliche  Verträge.  Ob 
das  vorder  (=  sonst)  sich  auf  eine  nicht  genannte  Bedingung 
bezieht,  ist  zweifelhaft,  es  könnte  auch  auf  den  Nachsatz 
zielen,  in  dem  sie  vorsichtig  die  eben  gemachte  Einschrän- 
kung ihrer  Tätigkeit  umgehen:  ,, wenne  wes  sich  yo  der  mann 
vorkoret  das  helt  her  mogelich". 

Zum  Schlufs  möchte  ich  noch  darauf  hinweisen,  dafs  eine 
Redewendung  auf  die  Bezahlung  der  Urteile  zu  deuten  scheint: 
„betten  wir  euch  liebin  hern  vmb  ewre  forderunge  Das 
wellin  wir  alletzit  vordynnen". 


4.   Das  Wappen  des  Bistums  Meifsen. 

Von  Eduard  Heydenreich. 

In  der  Literatur  über  das  Wappen  des  Bistums  Meifsen 
finden  sich  zahlreiche  Irrtümer.  Eine  auch  hinsichthch  der 
Farben  vollständige  und  richtige  Beschreibung  des  Wappens 
ist  nirgends  gedruckt.  Auch  eine  erschöpfende  Verzeichnung 
der  einschlagenden  Literatur  fehlt. 


0  3O  Kleinere  Mitteilungen. 

Kissel,  Wappenbuch  des  deutschen  Episkopats  (Frank- 
furt a.  M.  1891)  S.  108  hat  eine  Abbildung  des  Schildes  des 
Bistums  Meifsen  veröffentlicht;  derselbe  ist  von  Gold  und 
Blau  gespalten  und  zeigt  auf  der  Spaltlinie  eine  heraldische 
Lilie  mit  verwechselten  Farben.  Als  Quelle  nennt  Kissel 
Siebmachers  Wappenbuch  Dieses  Wappenwerk  zeigt  in  der 
Ausgabe  von  1696  noch  keine  Abbildung  des  Meifsner  Bistums- 
wappens, doch  tindet  sich  eine  solche  in  den  Ausgaben  von 
1705  und  1734,  Tafel  11,  aber  ohne  jede  Quellenangabe. 
Das  Wappen  vom  „Bisthumbe  Meichsen"  zeigt  auch  hier  im 
Schild  die  Lilie  auf  der  Teilungslinie.  Dieses  Wappen  findet 
sich  bereits  1608  als  das  Meifsner  Bistumswappen  bei  Peccen- 
stein,  Theatrum  Saxonicum,  S.  31.  Ein  noch  älteres  Vor- 
kommen der  Lilie,  freilich  im  ungespaltenen  Schild,  würde 
für  den  episcopus  Misnensis  auf  dem  Konstanzer  Konzil  vor- 
liegen, wenn  nicht,  wie  weiter  unten  ausgeführt  wird,  diese 
Überlieferung  in  einem  Frankfurter  Druck  des  Jahres  1575 
Blatt  105  b  sehr  schlecht  bezeugt  wäre. 

Die  Lilie  ist  eine  der  allerhäufigsten  W^appenfiguren.  La 
Chesnaye  des  Bois  zählt  in  seinem  Dictionnaire  genealogique 
(1757)  Tom  III  5500  Familien,  Städte  und  Korporationen  allein 
in  Frankreich  auf,  welche  die  Lilie  führen ;  und  das  Verzeichnis 
der  europäischen  Familien  mit  der  Lilie  im  Wappen  bei 
Ren  esse,  Dictionnaire  des  ligures  heraldiques  (Bruxelles 
1894 ff.)  beträgt  trotz  der  besonders  vom  Verfasser  hervor- 
gehobenen Kürze  seiner  Darstellung  doch  noch  88  Spalten. 
Beispielsweise  sei  aus  Grensers  Aufsatz  ,,Die  Lilie  in  der 
Heraldik"  (Zeitschrift  des  heraldischen  Vereins  ,,  Adler"  in  Wien 
III,  1873,  S.  89)  hervorgehoben,  dafs  die  von  Schatz  in  Strafs- 
burg in  allen  Einzelheiten  genau  dasselbe  Wappen  führen,  das 
bei  Kissel,  Siebmacher  und  Peccenstein  als  das  des  Bistums 
Meifsen  ang^egeben  ist.  Wie  leicht  konnte  ein  solches  Fami- 
lienwappen  von  einem  derjenigen  Bischöfe  von  Meifsen,  deren 
Familien  auch  nach  den  Untersuchungen  von  Machatschek 
(Geschichte  der  Bischöfe  des  Hochstiftes  Meifsen  in  chrono- 
logischer Reihenfolge,  Dresden  1884)  und  Ebeling  (Die 
deutschen  Bischöfe  bis  zum  Ende  des  16.  Jahrhunderts,  2.  Bd., 
Leipzig  1857,  S-  205 ff.)  unbekannt  sind,  oder  von  einem  Mit- 
gliede  des  Meifsner  Domkapitels  geführt  und  dann  irrtüm- 
licherweise für  das  des  Bistums  selbst  gehalten  werden! 
Auch  kam  es  vor,  dafs  Wappen  durch  Schenkung,  Verkauf 
oder  letztwillige  Verfügung  von  einer  Person  erworben  wur- 
den, die  mit  dem  das  Wappen  führenden  Geschlechte  nicht 
verwandt  war  (Kekule  v.  Stradonitz,  Rechtsgeschäfte  über 


Kleinere  Mitteilungren 


ö"- 


331 


Wappen  und  Wappenteile,  Jahrbuch  der  Gesellschaft  „Adler" 
Neue  Folge,  14.  Bd.,  Wien  1904  und  Ausgewählte  Aufsätze  aus 
dem  Gebiete  des  Staatsrechtes  und  der  Genealoorie.  Neue 
Folge,  Berlin  1907,  S.  173  if.)-  Dals  das  genannte  Lilienwappen 
nicht  das  des  Bistums  Meifsen  ist,  ergibt  sich  schon  aus  dessen 
weiter  unten  zu  besprechenden  Siegelführung. 

Es  hat  ein  Unstern  über  den  Veröffentlichungen  des 
Meifsner  Bistumswappens  geschwebt.  Denn  wenn  das  von 
Adam  Berg  1576  herausgegebene  Schrotsche  Wappenbuch 
ein  schwarzes  Kreuz  im  gelben  Schilde  als  Wappen  des  Bis- 
tums Meifsen  darbietet,  so  ist  dies  ein  völlig  aus  der  Luft  s:e- 
griffenes  Machwerk.  Seine  Neuveröffentlichung  durch  Seyler  in 
der  neuesten  Bearbeitung  von  Siebmachers  Wappenbuch  ( i .  Band, 
5.  Abteilung,  i,  Reihe,  Bistümer  und  Klöster  1881,  Tafel  7)  hat 
nur  Wert  als  ein  Beitrag  zur  Geschichte  der  Fälschungen. 

Auch    die    Darstellung    des   Wappens  Johannes  III.    von 
Kittlitz,    Bischofs    von    Meifsen   (1393  —  98),    auf  der  soeben 
zitierten  Tafel  der  neuesten  Ausgabe  von  Siebmachers  W^appen- 
buch  enthält  einen  Fehler,  insofern  —  entgegen  dem  sonstigen 
Gebrauch  bei  den  Darstellungen  des  Meifsner  Bistumswappens 
—  neben  der  Bischofsmütze  nicht  nur  der  Krummstab,  sondern 
auch  das  Schwert  gezeichnet  ist.     Das   mit  dem  Krummstab 
geschrägte    blanke    Schwert,     das    Zeichen    des    Blutbannes, 
führten  nur  die  ehemals  souveränen  geistlichen  Reichsfürsten 
(von  Sacken,  Heraldik,  6.  Aufl  ,  S.  121).     Der  Fürstenstand 
der  Bischöfe  von  Meifsen  ist  umstritten.     Man  mag  ihn  theo- 
retisch  für  die  ältere  Zeit  des  Bistums  nicht  bezweifeln  (vgl. 
Ficker,    Vom    Reichsfürstenstande  I,    276;    Gersdorf,    Ur- 
kundenbuch  des  Hochstiftes  Meifsen  I,   1864,  S,  VIII),  da  die 
Namen  der  Bischöfe  von  Meifsen  dort,  wo  sie  als  Zeugen  in 
Kaiserurkunden  erscheinen,  nicht  selten  vor  Bischöfen  stehen, 
deren  Reichsfürstenstand  nicht  dem  geringsten  Zweifel  unter- 
liegt, und  da  ihnen  auch  in  Urkunden  die  Prädikate  princeps 
karissimus  (1292),    princeps   devotus  dilectus  (1372)  und  ,,er- 
wirdiger  fürst"  (1475)  beigelegt  werden.    Praktisch  aber  übten 
zwar  die  Bischöfe  von  Meifsen  einige  landesherrliche  Rechte 
aus,    besaisen   jedoch    keine    unmittelbare    Reichsstandschaft, 
sondern    hatten    bei    dem    mit   fast    ängstlicher  Vorsicht    be- 
handelten  Verhältnis    zu    den    Markgrafen    von    Meifsen  Ver- 
anlassung,    diese    als    Erbschutzherren,    sich    selber    aber    als 
partikulare  Landstände  und  Landesbischöfe  zu  betrachten.    Die 
Anerkennung  dieses  Verhältnisses  geschah  ausdrücklich  1542. 
Das  Wappen  des  Bistums  Meifsen   entbehrt  daher  mit  Recht 
des  Schwertes. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXVIII.     3.  4.  22 


33: 


Kleinere  Mitteilung:en 


?:>'■ 


Über  das  wahre  Wappen  des  Bistums  Meifsen  gibt  die 
Siegelführung  der  Bischöfe  von  Meifsen  Auskunft,  wie  solche 
aus  dem  von  Gersdorf  in  drei  Bänden  heraussfe^ebenen 
Urkundenbuche  des  Hochstiftes  Meifsen  ersichtlich  ist.  Diese 
Siegelführung  hat  Seyler  in  der  Vierteljahrsschrift  für 
Heraldik,  Sphragistik  und  Genealogie  2.  Jahrg.  1874,  S.  33  ff. 
im  Zusammenhang  erörtert.  Der  erste,  welcher  ein  Wappen 
des  Bistums  Meifsen  führte,  ist,  wie  auch  Hauptmann, 
Das  Wappenrecht  (Bonn  1896)  S.  134,  mit  Recht  bemerkt, 
Johann  II.  von  Jenzenstein  (1375 — 79).  Das  spitzovale  Haupt- 
siegel dieses  Bischofs  zeigt  in  einem  gotischen  Chore  die 
beiden  Heiligen  Donatus  und  Johannes,  unter  dem  Chore  in 
einer  torartigen  Einfassung  eine  knieende  Figur  im  bischöf- 
lichen Ornate,  aufserhalb  dieser  Einfassung,  rechts  und  links, 
zwei  Wappenschilde.  Von  diesen  zeigt  das  heraldisch  linke 
das  Geschlechtswappen  des  Bischofs,  nämlich  zwei  Geier- 
köpfe, die  aber  hier  mehr  Schwanenköpfen  ähnlich  sehen, 
dagegen  das  heraldisch  rechte  zum  ersten  Male  das  Wappen- 
bild des  Bistums  Meifsen,  nämlich  das  Lamm  Gottes  mit  der 
Fahne.  Das  kleinere  und  Rücksiegel  dieses  Bischofs  zeigt 
bis  an  den  rechten  Rand  herausgerückt  ebenfalls  das  Lamm 
Gottes  mit  der  Fahne.  Dieses  Siegelbild  des  Bistums  Meifsen 
findet  sich  von  da  an  häufig,  schon  bei  Johann  III.  von 
Kittlitz  in  Feld  i  und  4  eines  gevierten  Wappenschildes, 
dessen  Feld  2  und  3  das  Familienwappen  des  Bischofs  auf- 
weisen. Das  kleinere  Siegel  des  Bischofs  Dietrich  III.  von 
Schönberg  (1463—76)  enthält  lediglich  den  Wappenschild 
des  Hochstiftes,  kein  Familien wappen:  über  dem  Lamm  ein 
t,  rechts  und  links  davon  die  Buchstaben  m  und  e. 

Die  gewöhnliche  Richtung,  in  welcher  das  Lamm  des 
Meifsner  Bistums  einherschritt,  ist  von  heraldisch  links  nach 
heraldisch  rechts.  Wenn  Bischof  Johann  V.  von  Weifsenbach 
auf  seinem  kleineren  Siegel  unter  dem  Brustbild  eines  Priesters, 
der  einen  Kelch  in  der  rechten  Hand  hält,  zwei  einander 
zugeneigte  Wap})enbilder  führt,  von  denen  das  heraldisch 
rechte  das  Lamm  Gottes  in  der  Richtung  heraldisch  links 
schreitend  zeigt,  während  das  heraldisch  linke  Wappen  den 
Ochsenkopf,  also  das  Familienwappen  des  Bischofs  aufweist, 
so  entspricht  dies  der  später,  namentlich  bei  Ehewappen, 
immer  mehr  üblich  gewordenen  Gewohnheit,  die  Wappentiere 
und  Wappenteile  tunlichst  einander  zugeneigt  zu  stellen.  Aber 
auch  separat  kommt  ausnahmsweise  das  Lamm  in  der  Richtung 
nach  heraldisch  links  schreitend  vor,  so  im  kleineren  und 
Rücksiegel  des   Bischofs  Johann  IV.    Hofmann  (1427  — 145 1). 


Kleinere  Mitteilungen.  7^7 

Abgesehen  von  der  Richtung,  in  welcher  das  Lamm 
schreitet,  finden  sich  noch  drei  Variationen:  i,  die  veröffent- 
lichten Siegelbiider  an  Urkunden  zeigen  keinen  Heiligenschein 
um  den  Kopf  des  Lammes;  die  Grabdenkmäler  am  Dom  zu 
Meifsen  bieten,  soweit  man  nach  dem  Buch  von  Ebert  über 
dieses  Gotteshaus  urteilen  kann,  bei  Johann  von  Ysenberg, 
Thimo  von  Kolditz  und  Kaspar  von  Schönberg  keinen 
Heiligenschein,  dagegen  die  von  Johann  von  Weifsenbach  und 
Johann  von  Schleinitz  einen  solchen.  2.  Das  Lamm  setzt 
bald  den  rechten,  bald,  den  linken  Fufs  vor.  3.  Die  Fahnen- 
stange ist  bald  hinter,  bald  vor  dem  Rumpf  des  Lammes 
dargestellt.  Schraffierung  ist  auf  keinem  der  mir  vorgelegenen 
Siegel  des  Bistums  Meifsen  wahrzunehmen  gewesen. 

Wenn  Seyler  auf  der  angezogenen  Tafel  der  neuesten 
Ausgabe  von  Siebmachers  Wappenbuch  ,,nach  Siegeln"  das 
Lamm  auf  einer  Rasenfläche  dahinschreitend  abbildet,  so  ist 
dem  entgegenzuhalten,  dafs  auf  den  von  Seyler  zu  Grunde 
gelegten  Siegelabbildungen ^)  ein  Boden  oder  Rasen,  auf 
welchem  das  Lamm  einherschreiten  könnte,  nicht  ange- 
geben ist. 

Bei  Grote,  Stammtafeln,  Leipzig  1877  (=  Münzstudien 
desselben  Verfassers,  Bd.  9)  S.  517  wird  das  Wappen  der 
Bischöfe  von  Meifsen  wie  folgt  beschrieben:  ,,6 -fach  h[och] 
g[e]th[eilt]  g|old]  b[lauj.  Darauf  Osterlamm  w[eifs]  mit  Fahne, 
darin  Kreuz  w[eifs]  in  b[lau]".  Die  hier  vorliegende  Angabe, 
dafs  der  Schild  des  Meifsner  Bistumswappens  ,, hochgeteilt" 
oder,  wie  man  sich  jetzt  deuthcher  auszudrücken  gewöhnt 
hat,  „gespalten"  geführt  wurde,  begegnet  auch  in  dem  äufserst 
seltenen,  zu  Augsburg  1483  erschienenen,  mit  zahlreichen 
Wappen  ausgestatteten  Buche  über  das  Konstanzer  Konzil 
(auf  der  Königl.  öffentl.  Bibliothek  in  Dresden-Neustadt  Concil. 
39  m).  Hier  wird  Blatt  138b  unter  anderen  das  Wappen  von 
,,d(omi)n(u)s  Petrus  episcopus  Mifsnensis"  vorgeführt:  der 
Schild  ist  fünffach  von  Rot  und  Gold  gespalten,  also  nicht 
sechsfach,  wie  bei  Grote  angegeben  wird.  Auf  die  Farben 
jenes  alten  Druckes  ist  ein  Gewicht  nicht  zu  legen.  Denn 
in  den  Drucken  jener  Zeit  wurden  die  Wappenfarben  erst 
nach  erfolgter  Drucklegung  eingetragen,  und  zwar  mit  grofser 
Willkür,  wie  es  demjenigen,  der  diese  nachträgliche  Kolo- 
rierung  zu  besorgen  hatte,   gerade  pafste.     Zu  der  Wappen- 


1)  Vgl.  Gersdorf,  Urkundenbuch  des  Hochstiftes  Meifsen  2.  Bd. 
Tafel  III  und  Seyler  in  der  Vierteljahrsschrift  f.  Heraldik,  Sphragistik 
u.  Genealogie  II  (1874),  33  ff. 


334  Kleinere  Mitteilungen. 

darstellung  in  jenem  Konzilbuch  vom  Jahr  1483  ist  jedoch  zu 
bemerken,  dafs  der  ohne  Farbennachtragung  vorliegende 
Druck  ,,Costnitzer  Concilium  So  gehalten  worden  im  Jar 
tausend  vier  hundert  und  dreyzehn",  Frankfurt  a.  M.  1575, 
Blatt  105  das  Wappen  des  dominus  Petrus  episcopus  Mis- 
nensis  und  das  auf  derselben  Seite  abgedruckte  Wappen  des 
dominus  Johannes  episcopus  Warrinacensis  miteinander  ver- 
tauscht zeigt,  also  den  fünffach  gespaltenen  Schild  dem  epis- 
copus Warrinacensis  zuweist,  dagegen  dem  dominus  Petrus 
episcopus  Misnensis  einen  gevierten  Schild,  in  welchem  in 
den  ungespaltenen  Feldern  i  und  4  eine  Lihe  und  in  Feld  2 
und  3  ein  Wiederkreuz  erscheint.  Ferner  w-ar  zur  Zeit  des 
Konstanzer  Konzils  kein  Petrus,  sondern  Rudolf  von  der  Planitz 
(1411  —  27)  Bischof  von  Meifsen.  Dafs  auch  in  den  letzten 
Zeiten  des  Bistums  Meifsen  der  Schild  desselben  in  Wahrheit 
ungespalten  geführt  wurde,  beweisen  die  im  Kgl.  Sächsischen 
Hauptstaatsarchiv  aufbewahrten,  höchst  sorgfältigen  Ab- 
bildungen von  Siegeln  des  Meifsner  Bistums  aus  den  Jahren 
1524  und  1540.  Ebenso  zeigt  das  Grabdenkmal  für  Bischof 
Johannes  von  Schleinitz  (-j-  1532)  das  Wappen  des  Bistums 
Meifsen  mit  ungespaltenem  Schild  (Ebert,  Der  Dom  zu  Meifsen 
1835,  Abbildung  zu  S.  121).  Als  nach  Säkularisierung  des 
Bistums  der  Kurfürst  und  dann  der  Königr  von  Sachsen  das 
Wappen  des  Meifsner  Bistums  weiterführten,  taten  sie  dies 
ebenfalls  im  ungespaltenen  Schild.  Dies  zeigen  die  ein- 
schlagenden Siegelstempel  des  Kurfürsten  Johann  Georg  II. 
und  des  Königs  Friedrich  August  (Kgl.  Sachs.  Hauptstaats- 
archiv, Schrank  XXXIII,  Kasten  i,  Fach  2  und  Schrank  XXXIII, 
Kasten  29,  Fach  31).  Wie  übrigens  der  Graveur  dazu  kam, 
den  Schild  des  Bistums  Meifsen  im  vorerwähnten  Siegel- 
stempel des  Königs  Friedrich  August  vollständig  (nicht  ge- 
spalten) blau  zu  gravieren,  ist  unerfindlich,  da  ein  solcher 
Schild  für  das  Bistum  Meifsen  nirgends  sonst  bezeugt  ist. 

Glücklicherweise  läfst  sich  das  richtige  Wappen  des 
Bistums  Meifsen  auch  hinsichtlich  der  Farben  feststellen. 
Ursinus  sah  nämlich  in  der  Domkirche  zu  Meifsen,  wie  er  in 
deren  Geschichte  (Dresden  1782,  S.  82)  berichtet,  das  „Stifts- 
Wappenschild"  ,,rot  tingiert  mit  einem  weifsen  Agnus  dei". 
Unter  Berufung  auf  diesen  Gewährsmann  hat  Georg  Viktor 
Schmid  ,,Die  säcularisierten  Bisthümer  Teutschlands"  I  (1858), 
395  das  Wappen  bildUch  veröffentlicht.  Über  die  Farben  der 
Fahne  auf  dem  gemalten  Bilde  in  der  Domkirche  zu  Meifsen 
berichtet  Ursinus  nichts.  Schmid  hat  die  Fahne  weifs  mit 
rotem  Kreuz  veröffentlicht.     Diese  bei  Ursinus  fehlende  An- 


Kleinere  Mitteilungen.  33^ 

gäbe  ist  eine  Zutat  Schmids;  dafs  sie  irrig  ist,  ergibt  sich 
aus   dem  Folo-enden. 

Im  Jahre  1504  erschienen  in  Meifsen  mit  zahlreichen 
Abbreviaturen  die  vom  dortigen  Bischof  Johann  von  Sal- 
hausen  (1457 — ^S^^)  testgesetzten  Statuta  Synodalia  epis- 
copatus  Misnensis.  Über  diese  Publikation  berichtet  sie  selbst 
am  Schlufs:  „Statuta  ista  cum  aliis  eis  adiunctis.  Ex  speciali 
commissione  Reverendissimi  in  christo  fratris  et  domini  domini 
Johannis  de  Salhaufsen  Episcopi  Mifsnensis  per  venerabilem 
et  eorregium  virum  dominum  wilhelmum  de  Hetzschitz  Utrius- 
que  iuris  doctorem  pro  tunc  curie  Episcopalis  Mifsnensis 
Officialem  generalem  in  ordinem  premissum  redacta  et  dili- 
genter  perque  Melchiorem  Lotter  in  famoso  opido  Liptzk 
Merfseburgensis  dyocesis.  predicti  domini  Episcopi  impensis 
pro  conseruatione  Status  ecclesiastici  sunt  impressa"^).  Das 
auf  der  Königl.  öffentlichen  Bibliothek  in  Dresden  verwahrte 
Exemplar  dieser  Statuten  (Hist.  Saxon.  L  85)  enthält  auf  der 
Rückseite  des  Titelblattes  ein  mit  seltener  Schönheit  sorsr- 
fältigst  gemaltes  Wappen  des  genannten  Bischofs,  nämlich  einen 
quadrierten  Schild,  Feld  i  und  4  das  Stiftswappen,  Feld  2  und  3 
das  Familienwappen  des  Bischofs,  nämlich  in  Gold  einen 
roten  Greifenkopf,  auf  dem  Helm  mit  rotgoldener  Decke  den 
Kopf  des  Schildes,  durchbohrt  von  einem  goldenen  Pfeil, 
Das  Wappen  des  Bistums  Meifsen  weist  in  vollkommenster 
Deutlichkeit  alle  Einzelheiten  auf:  der  Schild  ist  ungespalten 
und  rot;  das  Lamm  schreitet  nicht  auf  einem  Boden  oder 
Rasen  und  hat  um  den  Kopf  einen  goldenen  Heiligenschein; 
das  als  Fahnenstange  dienende  Holzkreuz  ist  naturfarben,  die 
Fahne  selbst  blau,  das  Kreuz  an  ihr  silbern.  Bischofsmütze 
und  Krummstab  sind  o^olden.  Das  Schwert  als  Zeichen  des 
Blutbannes  fehlt  mit  Recht.  Das  offenbar  unter  Aufsicht  des 
Bischofs  von  Meifsen  gemalte  Wappen  stimmt  mit  der  vor- 
genannten Beschreibung  bei  Ursinus  und  ergänzt  sie  betreffs 
der  Farben. 

Dementsprechend  ist  das  Wappen  des  Bistums  Meifsen 
wie  folgt  zu  blasonieren:  In  Rot  ein  schreitendes,  weifses 
Lamm  Gottes  mit  goldenem  Heiligenschein,  ein 
naturfarbenes  Holzkreuz  tragend,  an  welchem  eine 
blaue  Fahne  mit  silbernem  Kreuz  flattert. 


^)  Die  Abkürzungen  sind  von  mir  aufgelöst,  Orthographie  und 
Interpunktion  beibehalten. 


Literatur. 


Erpliurdianus  Antiquitatiim  Variloquus  incerti  auctoris  nebst  einem 
Anhange  historischer  Notizen  über  den  Bauernkrieg  in  und  um 
Erfurt  im  Jahre  1525.  Herausgegeben  von  der  Historischen  Kom- 
mission für  die  Provinz  Sachsen  und  das  Herzogtum  Anhalt. 
Bearbeitet  von  Dr.  ßicliard  Thiele,  Direktor  des  Gymnasiums  zu 
Erfurt.  Mit  2  Plänen  der  Stadt  Erfurt  im  XIII.  unJ  XVI.  Jahr- 
hundert, (Geschichtsquellen  der  Provinz  Sachsen  und  anderer 
Gebiete.  22.  Band.)  Halle,  Hendel.  1906.  X,  280  SS.  8». 

Der  Variloquus  —  bereits  von  Eckart  in  den  Scriptores  rer. 
Germanicar.  von  Mencke  tom.  II,  jedoch  völlig  unzulänglich,  mit 
zahlreichen  Lücken  und  Lesefehlern  veröffentlicht  —  hat  in  Thiele 
einen  sehr  sorgfältigen  und  sehr  belesenen  Herausgeber  und  Be- 
arbeiter gefunden.  In  umsichtiger  Weise  antwortet  er  auf  die 
Frage,  wann  und  von  wem  diese  Aufzeichnungen  gemacht  sein 
dürften,  deren  Hauptmasse,  eine  Chronik  von  der  Gründung  Erfurts 
in  fränkischer  Zeit  bis  zum  Jahre  1355  mit  einigen  anhängenden 
Notizen,  die  das  XV.  Jahrhundert  betreffen,  er  als  „Annalen"  im 
Gegensatz  zu  den  an  Bedeutung  ungleich  wichtigeren  „Historien", 
der  Zeitgeschichte  (1509  — 1517),  die  den  übrigen  Teil  des  Variloquus 
ausmachen,  bezeichnet  Er  bringt  den  Nachweis,  dafs  der  Autor 
die  aus  wörtlichen  Entlehnungen  aus  uns  bekannten  Quellen  zumal 
Erfurtischen  Ursprungs  und  einigen  untermischten  originalen  oder 
nach  ihrer  Herkunft  bisher  noch  nicht  nachweisbaren  Zusätzen  be- 
stehenden Annalen  zwischen  dem  Herbst  1508  und  dem  Frühjahr 
1514  zusammen  geschrieben  haben  und  dafs  er  mit  dem  V^erfasser 
der  Historien  identisch  sein  müsse.  Er  stellt  weiter  die  ansprechende 
Vermutung  auf,  dafs  dieser  Verfasser  der  aus  Erfurt  gebürtige  im 
W.-S.  1512/13  als  Rektor  der  Universität,  seit  151 3  als  Pfarrer  zu 
St.  Michaelis  in  Erfurt  tätige,  1521  an  der  Pest  daselbst  verstorbene 
Magister  Johann  Werlich  gewesen  sein  dürfte.  Man  sieht  aus  der 
letzten  Angabe,  dafs  die  anhangsweise  gegebenen  Notizen  über 
den  Bauernkrieg  von  anderer  Hand  herrühren  müssen.  Beiden, 
den  Historien  und  diesen  Notizen,  hat  Thiele  eine  Fülle  von  sach- 
lichen Anmerkungen  hinzugefügt,  die  der  Reformationshistoriker 
mit  grofsem  Dank  begrüfsen  wird;  handelt  es  sich  doch  um  das 
„tolle  Jahr"  und  seine  nächste  Folgezeit  sowie  um  den  thüringischen 
Bauernkrieg,  Vorgänge,  die  trotz  vieler  darauf  verwandter  Mühe 
immer  noch  an  vielen  Stellen  weiterer  Aufklärung  bedürfen. 

Dresden.  Felician  Gefs. 


Literatur.  337 

Die  Beziehungen  Anhalls  zu  Kursaclisen  von  1212  -1485.  Inaugural- 
Dissertation  von  Friedrich  Berentlt.    Halle  1907.    70  SS.  8''. 

Der  Gegenstand,  mit  dem  sich  diese  Arbeit  beschäftigt,  ist  für 
die  Geschichte  Kursachsens  und  Anhalts  von  grofser  Bedeutung, 
einerseits  des  älteren  Familienzusammenhangs  der  askanischen 
Herrscher,  andererseits  der  unmittelbaren  Nachbarschaft  der  Gebiete 
wegen  und  der  sich  daraus  ergebenden  politischen  und  wirtschaft- 
lichen Fragen.  Die  vorliegende  Dissertation  ist  nur  ein  Teil  der 
ganzen  Arbeit,  die  vollständig  erst  später  im  Druck  erscheinen  soll; 
sie  umfafst  eine  knappe  Darstellung  der  Beziehungen  beider  Staaten 
vom  Jahre  1212 — 1347,  und  zwar  in  rein  chronologischer  Aufzählung 
der  wichtigsten  in  das  Bereich  der  Aufgabe  fallenden  Ereignisse; 
auf  der  letzten  Seite  wird  m  einem  summarischen  Überblick  auf 
die  Fortdauer  guter  Beziehungen  bis  zum  16.  Jahrhundert  hinge- 
wiesen. Die  Arbeit  des  Verfassers  erstreckte  sich  in  diesem  Teile 
mehr  auf  ein  Aufsuchen  der  Beziehungen  innerhalb  der  quellen- 
mäfsigen  Überlieferung  und  Verdeutlichung  des  einzelnen  Ereig- 
nisses durch  Hinweis  auf  die  allgemeinen  geschichtlichen  Verhält- 
nisse, das  eine  wie  das  andere  mehr  Sache  des  Fleifses  und  der 
Sorgfalt.  Wir  erkennen  dabei  an,  dafs  der  Verfasser  hierin  Be- 
friedigendes geleistet  und  sowohl  die  originalen  Quellen  als  die 
entsprechende  historische  Literatur  für  seine  Zwecke  ergiebig  aus- 
genutzt und  verwertet  hat.  Das  Urteil  des  Verfassers,  das  sich  in 
diesem  Teile  nur  in  der  Kritik  der  Überlieferung  und  in  der  Stellung- 
nahme zu  kontroversen  Fragen  zeigen  kann,  ist  besonnen,  unter 
anderem  die  selbständig  von  ihm  S.  9  gegebene  Erklärung  ansprechend 
und  der  weiteren  Prüfung  wohl  wert.  Nur  in  einem  scheint  er  mir 
nicht  ganz  angemessen  zu  verfahren,  nämlich  darin,  dafs  er  per- 
sönliche Verhältnisse  zu  sehr  in  den  Vordergrund  rückt  und  von 
herzlichen  Beziehungen  spricht  (z.  B.  S  56),  wo  doch  nur  die  Wahrung 
wi'hlverstandener  Interessen  die  Triebfeder  sein  konnte.  Auf  ein- 
zelne Fragen  einzugehen,  verbietet  der  hier  gewährte  Raum,  doch 
will  ich  wenigstens  darauf  hingewiesen  haben,  dafs  S.  39  doch  wohl 
nicht  von  „Gebietsabrundungen"  die  Rede  sein  kann,  da  die  dort 
genannten  Ortschaften  trotz  ihrer  Übergabe  an  das  Coswiger 
Kollegiatstift  bei  Sachsen  verblieben  und  nicht  an  Anhalt  kamen. 
Auch  dürfte  die  vom  Verfasser  S.  45  vorgetragene  AnNicht  von  der 
Lage  der  Burg  Reina  mitten  im  Eibstrom  nunmehr  endgültig  in  das 
Inventar  der  Sage  gewiesen  werden,  nachdem  ernste  Forscher,  jüngst 
z  B.  E.  Weyhe  in  der  Landeskunde  des  Herzogtums  Anhalt,  Bd.  II 
S.  586,  die  Unwahrscheinlichkeit  dieser  Schiffersage  dargetan  haben. 
Die  Korrektur  könnte  etwas  sorgfältiger  sein,  wir  erwähnen  nur  die 
sinnstörenden  Stufen  für  Hufen  S.  48  und  49,  superpacis  für  super 
pacis  S.  46  und  Sachsen -Zerbst  für  (Anhalt-)Zerbst  S.  53.  Insgesamt 
darf  man  die  Arbeit,  soweit  sie  vorliegt,  als  eine  fleifsige  und  sorg- 
fältige bezeichnen,  die  wichtigsten  Aufschlüsse  freilich  wird  man 
von  ihrer  Fortsetzung  zu  erwarten  haben,  denn  erst  mit  dem  Aus- 
sterben der  Askanier  in  Kursachsen  beginnen  die  politischen  und 
wirtschaftlichen  Fragen,  die  eine  Bearbeitung  des  Gegenstandes  für 
die  Landesgeschichte  wertvoll  und  darum  wünschenswert  erscheinen 
liefsen.  Möchte  es  dem  Verfasser  gelingen,  in  dieser  Beziehung  zu 
gesicherten  und  für  die  Landesforschung  verwertbaren  Ergebnissen 
zu  gelangen. 

Zerbst.  Wäschke. 


338  Literatur. 

König  Albrecht  II.  (1437— 1439).  Von  Wilhelm  Wostry.  (Prager 
Studien  aus  dem  Gebiete  der  Geschichtswissenschaft  im  Vereine 
mit  den  anderen  Fachprofessoren  der  Geschichte  herausgegeben 
von  Ad.  Bachmann.  Heft  12  und  13,)  Prag,  RohUcek  und  Sievers. 
1906.  1907.    III,  180  u.  196  SS.    8**. 

Die  sympathische  Persönlichkeit  Herzog  Albrechts  V.  von  Öster- 
reich und  seine  kurze  Regierung  als  deutscher,  böhmischer  und 
ungarischer  König  hat  von  jeher  eine  gewisse  Anziehungskraft  auf 
den  Geschichtsforscher  ausgeübt;  wenn  auch  seit  dem  1835  erschie- 
nenen Werke  von  Franz  Kurz  „Österreich  unter  König  Albrecht  dem 
Zweiten"  ihm  keine  biographische  Darstellung  gewidmet  worden 
ist,  so  beschäftigen  sich  doch  mit  ihm  eine  Reihe  mehr  oder  weniger 
eingehender  Studien  vom  Standpunkte  der  verschiedenen  Landes- 
ge-chichtea  aus.  Der  Verfasser,  der  die  Regierungsgeschichte 
Albrechts  im  Zusammenhang  zu  behandeln  sich  zur  Aufgabe  ge- 
macht hat,  sah  sich  daher  im  wesentlichen  auf  eine  Rrivision  jener 
Einzeluntersuchungen  angewiesen,  von  der  er  kaum  wesentlich  neue 
Ergebnisse  erwarten  konnte;  die  Aufgabe  war  um  so  entsagungs- 
voller, als  das  Erscheinen  der  Reichstagsakten  für  jene  Jahre,  das 
in  absehbarer  Zeit  bevorsteht,  vermutlich  noch  manches  neue 
Material  zu  Tage  fördern  wird.  In  der  Tat  weicht  das  Bild  des  Fürsten 
und  seiner  Politik,  das  W.  entrollt,  nicht  wesentlich  von  dem  ab, 
das  bisher  als  richtig  gegolten  hat.  Immerhin  haben  fleifsige  Studien 
in  den  Archiven  zu  Breslau,  Dresden,  Eger,  München,  Prag  und 
Wien  eine  Reihe  neuer  Einzelheiten  ergeben,  für  die  man  dem 
Verfasser  dankbar  sein  mufs;  die  wichtigsten  (21  Nummern) 
hat  er  dem  Werkchen  als  Beilagen  im  Wortlaute  beigefügt.  Die 
Darstellung  ist  geschickt  gruppiert  und ,  abgesehen  von  einigen 
Austriazismen  („in  Gänze",  „diesbezüglich"  u.  dergl.),  gewandt  durch- 
geführt. Nach  einer  Einleitung,  in  der  nach  einer  Charakteristik 
Albrechts  sein  Verhältnis  zu  seinem  Vorgänger  Sigismund  nament- 
lich in  reichspolitischer  Beziehung  besprochen  wird,  behandelt  der 
Verfasser  in  sechs  Abschnitten  Albrechts  Nachfolge  in  Ungarn, 
seine  Wahl  zum  deutschen  König,  seine  Nachfolge  in  Böhmen,  seine 
Stellung  zur  weltlichen  Reform  und  zur  kurfürstlichen  Neutralität, 
König  Albrecht  in  Schlesien,  König  Albrecht  in  Ungarn  und  seinen 
Ausgang.  Der  vorletzte  Ab.^chnitt  berührt  sich  nahe  mit  einer  Studie 
des  Referenten  über  Schlesiens  Verhältnis  zu  Polen  und  zu  König 
Albrecht  II.  1435 — 1439,  die  1874  im  12.  Bande  der  Zeitschrift  für 
Geschichte  und  Altertum  Schlesiens  (und  zugleich  als  Festgabe  zum 
50.  vSemester  der  historischen  Übungen  von  Gf  ort;  Waitz)  erschien; 
mit  Befriedigung  kann  ich  feststellen,  dafs  der  Verfasser  über  ein 
reicheres  Materiil  verfügte,  als  mir  damals  zur  Verfügung  stand, 
und  meine  Darstellung  in  mancher  Einzelheit  berichtigt.  Im  ein- 
zelnen auf  den  Inhalt  des  Werkchens  einzugehen,  ibt  hier  nicht  die 
geeignete  Stelle.  Nur  darauf  möchte  ich  hinweisen,  dafs  auch  die 
sächsische  Geschichte  jener  Zeit,  über  die  Spezialuntersuchungen 
noch  nicht  vorliegen,  manchen  Gewinn  aus  der  Arbeit  Wostrys 
ziehen  kann.  Kurfürst  Friedrich  der  Sanftmütige  stand,  völlig  im 
Einklang  mit  der  von  Alters  her  reichstreuen  Politik  der  Wettiner, 
auch  diesem  ersten  Habsburger  auf  dem  deutschen,  böhmischen  und 
ungarischen  Throne  von  Anfang  an  treu  zur  Seite.  Als  er  nicht 
imstande  war,  den  feindlichen  Zusammenstols  mit  Polen  durch 
gütliche  Vermittlung  zu  vermeiden,  stellte  er  dem  Könige  ein  be- 
deutendes Kontingent  an  Hilfsmannschaft,  und  gerade  die  sächsischen 


Literatur. 


339 


Truppen  waren  die  einzigen,  die  in  dem  sonst  ziemlich  ruhmlosen 
Feldzug  durch  den  Sieg  bei  Sellnitz  am  23.  September  1438  einen 
glänzenden  Erfolg  davontrugen,  für  den  sie  freilich  nicht  viel  Dank 
ernteten.  Im  April  1439  kam  es  dann  zu  einem  durch  die  Verlobung 
des  Herzogs  Wilhelm  mit  Albrechts  Tochter  Anna  bekräftigten  noch 
engeren  Bündnisse  zwischen  König  Albrecht  und  den  wettinischen 
Fürsten. 

Dresden.  Ermisch. 

Luther  und  die  Pflege  der  kii'chliclien  Musik  in  Sachsen  (14.  bis 

19.  Jahrhundert).  Von  Johannes  Rautenstrauch.  Leipzig,  Breitkopf 
&  Härtel.    1907.    VIII,  472  SS.    S». 

Eine  sehr  fleifsige  Arbeit,  für  unsere  Vorstellung  von  der 
Kirchenmusikpflege  namentlich  in  den  mittleren  und  kleineren 
Städten  Kursachsens  —  besonders  zwischen  1550  und  1750  —  nütz- 
lich und  in  Zukunft  für  die  Musikhistoriker  dieser  Landschaft  und 
Zeit  unentbehrlich.  Der  Verfasser  hat  eine  grofse  Zahl  sächsischer 
Staats-  und  Stadt-,  Kirchen-  und  Schulakten,  besonders  aber  die 
Archivalien  der  alten  sächsischen  Kantoreigesellschaften  sorgfältig 
auf  musikgeschichtliche  Notizen  hin  exzerpiert  und  seine  Sammlungen 
zu  einer  eingehenden,  ganz  hübsch  lesbaren  Darstellung  aneinander- 
gereiht. Man  wird  sich  aus  folgenden  beiden  Zahlen  einen  un- 
gefähren Begriff  von  seiner  Arbeit  und  ihren  Ergebnissen  machen 
können:  das  Ortsregister  enthält  279  Namen,  und  unter  diesen  fallen 
z.  B.  allein  auf  Strehla  wieder  49  Seitenhinweise.  Für  das  aus- 
gehende Mittelalter,  das  am  Anfang  behandelt  wird,  ist  das  Material 
natürlich  spärlicher;  dafür  ist  Luthers  Verhältnis  zur  kursächsischen 
Musikpflege  einer  möglichst  quellengetreuen  Darstellung  unterworfen 
worden,  doch  ist  der  Verfasser  gerade  in  dieser  Frage  nicht  ganz 
auf  den  Grund  der  Probleme  gedrungen. 

Wir  erfahren  zunächst  mancherlei  neues  oder  doch  hier  zweck- 
mäfsig  zusammengestelltes  über  sächsisch-thüringische  Pflegstätten 
des  Kirchengesanges  in  vorreformatorischer  Zeit,  über  die  Kantoreien 
an  Fürstenhöfen  und  Bischofssitzen,  in  Kloster-  und  Stadtschulen, 
über  die  Kaiandbrüderschaften  und  über  die  Musikpflege  der  spät- 
mittelalterlichen Laienbrüderschaften,  die  sich  nach  Maria,  dem 
heiligen  Jakob,  Georg  usw.  oder  dem  heiligen  Fronleichnam  nannten. 
Darauf  wird  die  Pflege  der  Kirchenmusik  in  dem  nachreformatorischen 
Zeitraum  von  1539  bis  1618  eingehend  und  überall  an  der  Hand  des 
Wortlautes  der  Quellen  dargestellt:  die  Verfassungen  der  Kantoreien, 
ihre  musikalische  Tätigkeit  und  ihre  fröhliche  Geselligkeit  werden 
vor  uns  lebendig.  Der  Abschnitt  „Die  Pflege  der  kirchlichen  Musik 
in  Sachsen  während  des  17.  Jahrhunderts"  zeigt  dann  trotz  des  Auf- 
blühens von  coUegia  musica  und  anfänglicher  Begeisterung  für  den 
neuen  konzertierenden  Stil  doch  namentlich  nach  der  Mitte  des 
Jahrhunderts  manchen  Rückgang,  der  in  dem  Abschnitt  über  das 
18.  Jahrhundert  noch  deutlicher  zutage  tritt.  In  den  ersten  Jahr- 
zehnten schliefslich  des  19.  Jahrhunderts  hat  das  kirchenmusikalische 
Interesse  des  Kleinbürgertums  nach  Rautenstrauchs  Ausführungen 
am  tiefsten  gestanden;  seit  etwa  1850  ist  eine  Besserung  im  Gange. 

Eine  aas  der  Liebe  zur  Sache  erklärliche  zu  günstige  Beur- 
teilung ist  es,  wenn  R.  aus  den  lobenden  Zeugnissen  der  Visitations- 
akten über  die  Tätigkeit  der  Kantoren  des  16.  Jahrhunderts  folgert: 
„Sie    erzielten    fast    durchweg    eine    Leistungsfähigkeit    der    Chor- 


340 


Literatur. 


Institute,  wie  sie  in  dieser  Höhe  bis  in  die  Gegenwart  herein  nie 
wieder  erreicht  worden  ist."  Ich  bin  der  Ansicht,  dafs  dieses  alte 
Musizieren  trotz  Sicherheit  und  Selbständigkeit  der  Ausführenden 
und  trotz  gelegenthcher  Koloraturen  im  Durchschnitt  eine  für  unsere 
Ohren  doch  etwas  grobe  Sache  gewesen  ist  und  dafs  die  alten 
Chöre  von  der  Präzision,  Dynamik,  aber  auch  dem  abgeklärten 
Verständnis,  wie  es  uns  in  den  Reproduktionen  unserer  Thomaner 
und  Crucianer  erfreut,  ziemlich  weit  entfernt  gewesen  sind.  Sonst 
möchte  ich  an  dem  Gesamtbild,  das  R.  entwirft,  hier  nichts  wesent- 
liches korrigieren;  am  ehesten  wird  man  vielleicht  über  die  Grenzen 
der  Hauptzeitabschnitte  anderer  Meinung  sein  können  als  er. 

Im  einzelnen  sei  wenigstens  folgender  Irrtum  beseitigt,  der  be- 
sonders geeignet  ist,  leicht  weiterverbreitet  zu  werden.  R.  spricht 
S.  8  u.  9  über  Möglichkeiten  der  Entstehung  der  lutherischen  Melodie 
„Ein  feste  Burg'',  ohne  sich  dabei  den  Quellen  zu  nähern,  und 
schliefst:  „Erwähnt  sei  noch,  dafs  Zeilen  dieser  Melodie  als  loci 
communes  bereits  im  Minne-  und  Meistersang  sich  finden".  Er 
zitiert  dazu:  „Cf.  Jenaer  Liederhandschrift  und  Kolmarer  Codex" 
und  bemerkt,  er  verdanke  seine  Angabe  H.  Kretzschmar.  Die  tat- 
sächlichen Unterlagen  dieser  Ausführungen  sind  wohl  folgende.  In 
Kretzschmars  musikhistorischen  Übungen  in  Leipzig  habe  ich  ge- 
legentlich einer  eingehenden  Behandlung  der  Jenaer  Melodien,  der 
ich  mich  unterzog,  darauf  aufmerksam  gemacht,  dafs  eine  Spervogel- 
melodiezeile  genau  in  Luthers  „Vom  Himmel  hoch"'  (zweite  Zeile) 
wieder  auftauche,  auch  die  Möglichkeit  des  Weges  dieser  Zeilen- 
wanderung angedeutet  und  dafs  sich  Anklänge  an  den  Anfang  von 
„Aus  tiefer  Not"  in  der  Kolmarer  Hs.  fänden.  Die  Melodie  „Ein 
feste  Burg"  aber  zeigt,  soweit  mir  das  Material  bekannt  ist,  keine 
derartigen  Anklänge. 

S.  126  hat  R.  versäumt,  den  längsten  Abschnitt  als  eip  Zitat 
aus  Seifferts  Aufsatz  über  „Die  musikalische  Gilde  in  Friedland"  zu 
bezeichnen.  Eine  sehr  kühne  Behauptung  steht  S.  125:  „da  [durch  R.J 
als  festgestellt  gelten  mufs,  dafs  die  Bezeichnungen  Konstabier  und 
Kaianden  identisch  sind";  wir  möchten  demgegenüber  auf  die  beiden 
Artikel  Konstabel  und  Kaland,  dazu  Kalandsbruder  usw.  von 
Hildebrand  in  Grimms  Wörterbuch  aufmerksam  machen,  wo  sich 
manche  lehrreiche  Ergänzung  zu  Rautenstrauchs  Ausführungen 
über  beide  Begriffe  findet.  Der  Kenner  des  StolTes  wird  ge- 
legentlich gröbere  lateinische  Druckfehler  (z  B.  S.  279  Deus  sis 
adiutorium  statt  Deus  in  adiutorium,  S.  283  Lidae  Lossii  statt  Lucae 
Lossii)  verbessern.  Der  S.  75  erwähnte  Clemens  Uttentalio  stammt 
aus  zwei  unrichtig  übersetzten  Ablativen  demente,  Uttentalio 
(S.  93);  S  75  ist  Alexander  Utendahl  gemeint.  S.  345  ist  durch  die 
falsche  Übersetzung  von  substituantur  gerade  der  entgegengesetzte 
Sinn    erschlossen  worden,    als    in    den    lateinischen    Worten    liegt. 

R.  Wustmann. 

Die  Eutätehniig  der  karsächsiächeii  Scliulordimng  von  1580.    Auf 

Grund  archivalischer  Studien  dargestellt  von  Frank  Ludwig. 
(Beiheft  zu  den  Mitteilungen  der  Gesellschaft  für  deutsche  Erzie- 
hungs-  und  Schulgeschichte  13.)  Berlin,  A.  Hofmann  &  Komp. 
1907.     VIII,    176  SS.     8". 

Mit  diesem  Hefte  tritt  die  Sachsengruppe  der  genannten  Ge- 
sellschaft zum  ersten  Male  schriftstellerisch  hervor.     Die  gründliche 


Literatur. 


341 


Schrift  hat  eine  doppelte  Bedeutung.  Sie  enthält  zunächst  eine  über- 
raschende Fülle  fesselnder  Züge  zur  Geschichte  der  Universitäten 
Leipzig  und  Wittenberg.  Verwiesen  sei  z.  B,  auf  das  S.  96!  ab- 
gedruckte Stück,  eine  eigenhändige  Niederschrift  des  Kurfürsten 
August,  in  der  seine  Erregung  über  den  seinen  Bestrebungen  ent- 
gegentretenden "Widerspruch  Leipziger  Professoren  zutage  tritt  und 
dazu  die  Antworten  Jakob  Andreas,  weiter  auf  die  eingehenden 
Angaben  über  die  Professoren  und  Studenten,  Vorlesungen,  Dis- 
ziplin usw.  Dann  aber  ist  von  Wichtigkeit  die  Bestimmung  des 
Verhältnisses  der  sächsischen  Schulordnung  zur  württembergischen, 
durch  Jakob  Andrea  vermittelten  Quelle  Mit  der  gröfsten  Anschau- 
lichkeit und  Sorgfalt  werden  die  einzelnen  Stadien  der  Entwicklung 
vorgeführt.  Die  Arbeit  ist  ein  Vorläufer  für  die  in  Aussicht  ge- 
nommene Herausgabe  der  sächsischen  Schulordnungen,  von  denen 
zuerst  die  landesherrlichen  erscheinen  sollen.  E.  Schwabe  hat  dazu 
seit  Jahren  gesammelt.  Dafs  eine  Menge  Stoff  an  verschiedenen 
Orten  verstreut  liegt,  zeigt  die  eben  erschienene  Studie  von 
O.  Giemen:  „Zur  ältesten  Geschichte  von  Schulpforta",  wo  aus  einer 
Handschrift  der  Königl.  Bibliothek  zu  Bamberg  die  Beschwerde- 
artikel der  Pförtner  Lehrer  über  den  Schulverwalter  Michael 
Lemmermann  zum  Abdruck  gelangen  (Mitt.  d.  Ges.  f.  deutsche  Erz.- 
und  Schulgeschichte.    17.  Jahrgang.    S.  238  — 241). 

Leipzig.  Georg  Müller. 

Kurfürstin  Anna  TOn  Sachsen.  Ein  politisches  und  sittenge- 
schichtliches Lebensbild  aus  dem  XVL  Jahrhundert.  Von  Kourad 
SturmhoefeL  (Biographien  bedeutender  Frauen,  in  Verbindung  mit 
anderen  herausgegeben  von  Ernst  Haberland.  V).  Leipzig- R., 
E.  Haberland.     O.  J.     300  SS.    8«. 

Seine  „Illustrierte  Geschichte  der  Sächsischen  Lande  und  ihrer 
Herrscher",  von  der  1898  und  1899  der  erste  Band  in  zwei  Ab- 
teilungen erschien  und  den  Eindruck  eines  gediegenen  Werkes  machte, 
hat  Konrad  Sturmhoefel  leider  nicht  zu  Ende  führen  können,  da  er 
von  seinem  Verlage  in  Stich  gelassen  wurde.  Mit  dem  Übergange 
der  Kurwürde  von  den  Ernestinern  auf  die  Albertiner  1547  bricht 
die  Darstellung  ab.  Wir  gehen  wohl  nicht  in  der  Annahme  fehl, 
dafs  der  Verfasser  bereits  für  die  folgende  Zeit  den  Stoff  gesammelt 
hatte  und  dafs  er  diesen  nun  zum  Teil  in  der  vorliegenden  Arbeit 
verwertet  hat,  die  weniger  ein  Lebensbild  der  Kurfürstin  Anna,  ge- 
borenen Prinzessin  von  Dänemark,  als  eine  Geschichte  Sachsens  zur 
Zeit  des  Kurfürsten  August  mit  vorausgeschicktem  Abrisse  der 
dänischen  Geschichte  von  1448 — 1548  genannt  zu  werden  ver- 
dient. Nur  in  dem  zweiten,  kleineren  Teile  (S.  169 — 299),  der  die 
durch  K.  v.  Webers  Buch  „Anna,  Churfürstin  zu  Sachsen"  (Leipzig 
1865),  hinlänglich  bekannte  Rolle  behandelt,  die  Anna  „als  Landes- 
mutter, als  Vorsteherin  eines  fürstlichen  Haushaltes,  als  Herrscherin 
über  Garten,  Küche  und  Keller,  als  sorgsame  und  liebende  Gattin 
und  Mutter"  gespielt  hat,  tritt  ihre  Person  recht  eigentlich  in  den 
Vordergrund.  In  dem  ersten  Teile  begegnet  man  dafür  ihrer  Ge- 
stalt um  so  weniger.  Nur  hin  und  wieder  heifst  es  da,  nachdem  die 
Vorgänge  in  Dänemark  während  der  ersten  Hälfte  des  i6.  Jahr- 
hunderts ausführlich  geschildert  worden  sind,  das  sei  der  politische 
Hintergrund,  von  dem  sich  die  Jugend  der  Prinzessin  Anna  abhebe, 
das  seien   die  Anschauungen,  in  denen  sie  aufgewachsen  sei.    Das 


2^2  Literatur. 

ist  aber  auch  so  ^ut  wie  alles.  Und  fast  genau  so  verhält  es  sich 
mit  den  späteren  Zeiten.  Eingehend  werden  die  politischen  Wirren 
Sachsens  um  die  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  und  namentlich  auch 
die  nicht  gerade  sehr  sympathisch  berührenden  Bemühungen  Kur- 
fürst Augusts  um  Unterdrückung  des  Kryptokalvinismus  geschildert, 
aber  wie  weit  seine  Gemahlin  persönlichen  Anteil  an  diesen  Ereig- 
nissen nahm  oder  gar  in  sie  bestimmend  eingriff,  wird  doch  nur  in 
verschwindend  wenigen  Fällea  aus  gelegentlichen  Briefäufserungen 
nachgewiesen,  die  Sturmhoefel  der  Literatur  entnommen  hat  und 
die  er  noch  um  einige  bezeichnende  Stellen  hätte  vermehren  können, 
wenn  er  die  ihm  wohl  unbekannt  gebliebenen  Aufsätze  von 
Dr.  B[erbig],  Aus  dem  Briefwechsel  einer  sächsischen  Landes- 
mutter (mit  der  Gemahlin  Dorothea  Susanna  des  Herzogs  Johann 
Wilhelm  von  Sachsen  Weimar,  1564  —  1584),  im  „Leipziger  Ta^^eblatt" 
vom  6.,  13.  und  2o.Juli  1896  (Nr.  338,  351  und  364),  herangezogen 
hätte.  Aus  diesen  Äufserungen  erkennt  man  ja,  dafs  die  Kurfürstin, 
entsprechend  ihrer  ganzen  Erziehung  und  Anschauungsweise,  die 
Ansichten  ihres  Gemahls  teilte  und  wohl  auch  gelegentlich  seine 
Eiüschliefsungen  beeinflufste.  Urkundliche  Zeugnisse  dafür  sind 
aber  eben  nur  spärlich  vorhanden,  weil  Anna  fast  immer  um  ihren 
Mann  war  und  natürlich  alle  wichtigen  Dinge,  nameatlich  auch 
solche,  die  sich  auf  die  ReUgion  bezogen,  mit  ihm  mündlich  besprach, 
dritten  gegenüber  aber  diese  in  Briefen  nur  selten  berührte.  Infolge- 
dessen muls  sich  Sturmhoefel,  wie  gesagt,  meist  darauf  beschränken, 
die  Vermutung  auszusprechen,  dafs  sie  hier  ihre  Hand  im  Spiele 
gehabt,  dort  ihren  Gemahl  so  oder  so  beeinflufst  haben  dürfte. 

Ob  nach  dem  Gesagten  Sturmhoefels  Buch  ganz  in  den  Rahmen 
der  „Biographien  bedeutender  Frauen"  pafst,  die  Haberland  seit 
1904  herausgibt  und  in  denen  er  bisher  Carmen  Silva,  die  Fürstin- 
Mutter  Maria  zu  Wied.  Ellen  Key,  die  Gräfin  Lafayette  und  Katharina 
von  Bora  hat  behandeln  lassen,  darf  füglich  bezweifelt  werden.  Die 
meisten  Leser  und  namentlich  Leserinnen,  für  die  diese  Biographien 
in  erster  Linie  bestimmt  sein  sollen,  werden  gewifs  die  Schilde- 
rungen der  Zeitkämpfe  viel  zu  breit  finden.  Dagegen  soll  nicht 
bestritten  werden,  dafs  Sturmhoefels  ,. Kurfürstin  Anna"  trotz  einiger 
kleiner  Unrichtigkeiten,  wie  sie  G.  Wolf  in  den  Mitteilungen  aus 
der  historischen  Literatur  XXXIV  (1906),  444f-,  ausgestellt  hat,  ein 
tüchtiges  Werk  ist  und  eine  gute  Zusammenfassung  dessen  bietet, 
was  üoer  die  Haus-,  Reichs-  und  Kirchenpolitik  der  Albertiner  zu 
Lebzeiten  des  Kurfürsten  August  in  selbständigen  Werken  und 
Zeitschriftenaufsätzen  veröffentlicht  worden  ist.  Neben  der  benutzten 
Literatur,  die  S.  300  kurz  angeführt  ist,  hat  der  Verfasser  ungedruckte 
Quellen  nicht  herangezogen.  Das  in  der  Leipziger  Stadtbibliothek 
verwahrte  „Verzeichnus,  was  vor  Chur-  und  Fürsten  auf  dem  Bev- 
lager  Herrn  Augusten  ....  1548  zu  Torgau  gewesen",  bildet  wolil 
die  einzige  Ausnahme. 

Die  Ausstattung,  die  der  Verlag  dem  leider  mit  keinem  Register 
versehenen  Werke  hat  zuteil  werden  lassen,  verdient  uneinge- 
schränktes Lob.  Papier  und  Druck  des  federleichten  Buches  .sind 
ganz  vorzüglich.  Der  Einband  zeichnet  sich  durch  Gediegenheit 
unä  vornehmen  Geschmack  aus.  Die  drei  Bilder  endlich,  die  die 
Kurfürstin  im  20  und  33.,  den  Vater  August  im  26.  Lebensjahre 
darstellen,  sind  wohl  gelungen.  Alles  in  allem:  ein  Buch,  das  man 
schon  seiner  äufseren  Vorzüge  wegen  gern  zur  Hand  nimmt. 

Dresden.  Beschorner. 


Literatur.  343 

Die  polnische  Königswall!  von  1697  und  die  Konversion  Augusts 

des  Starken.    Von  Philipp  Hiltebrandt.    (S.  A.  aus  „Quellen  u. 

Forsch,  aus  ital.  Archiven  u,  Bibliotheken,  herausgegeben  v.  Kgl. 

Preufs.  Hist.  Institut  in  Rom",  Bd.  X,  Hft.  1.)  Rom,  Loescher&Co. 

1907.    66  SS.    8«. 

H.  schildert  im  allgemeinen  richtig  die  Vorgänge  der  polnischen 
Königswahl  Augusts  des  Starken,  stellt  aber  dabei  die  durchaus  un- 
haltbare Hypothese  auf,  August  habe  vor  seiner  Wahl  keine  Fühlung 
mit  der  Kurie  gesucht,  sei  auch  nicht  formell  zum  Katholizismus 
übergetreten,  sondern  habe  nur  seinem  Vetter,  dem  Bischof  von  Raab, 
eine  Generalbeichte  abgelegt  und  aus  seinen  Händen  das  Abend- 
mahl nach  katholischem  Ritus  empfangen,  um  bei  einem  Fehlschlagen 
seiner  Kandidatur  den  Glaubenswechsel  unbehindert  ableugnen  zu 
können.  „Sein  sogenannter  Übertritt .  .  .  stellt  im  Grunde  genommen 
nur  das  Versprechen  des  Kurfürsten  an  seinen  Vetter  dar,  im  Falle 
seiner  Wahl  den  katholischen  Glauben  zu  bekennen.  Dafür  hat  ihm 
der  Bischof  das  Attest  vom  2  Juni  1697  (über  seine  Zugehörigkeit 
zur  katholischen  Kirche)  ausgestellt.  Der  Bischof  ging  auf  den 
Handel  ein,  weil  er  mit  Hilfe  des  von  ihm  bekehrten  zukünftigen 
Königs  von  Polen  Kardinal  zu  werden  hoffte."  Der  Bischof  „gab 
das  Attest  in  anfechtbarer  Form,  damit  es  (von  August  und)  auch 
von  ihm,  wenn  nötig,  der  Öffentlichkeit  gegenüber  für  nichtig  er- 
klärt werden  konnte". 

Der  Beweis  beginnt  mit  der  kühnen  Behauptung,  dafs  damals 
der  Einflufs  des  Papstes  und  die  Macht  des  katholischen  Klerus  in 
Polen  nii  ht  grofs  gewesen  wäre,  weil  man  gelegentlich  einen  hohen 
Geistlichen  mifshandelte,  Kirchengüter  mit  Einquartierung  belegte, 
weil  der  Rat  von  Warschau  mit  Mönchen  in  einen  Konflikt  geriet 
und  die  Republik  mit  dem  Papste  über  das  Patronatsrecht  der 
Abteien  haderte  —  als  ob  derartige  Reibungen  in  dem  von  der 
Kirche  wahrlich  beherrschten  Mittelalter,  selbst  in  den  Zeiten 
inbrünstigster  Glaubenswut,  nicht  an  der  Tagesordnung  gewesen 
wären.  Trotz  derartiger  Vorkommnisse  bleibt  doch  die  Tatsache 
aufser  Zweifel,  dafs  ein  energischer  päpstlicher  Widerspruch  alle 
Pläne  Augusts  im  Keime  erstickt  hätte.  Im  übrigen  verweise  ich  auf 
die  Gründe,  die  P.  Haake  in  der  Hist.  Vierteljahrsch.  Bd.  10  S.  382 ff. 
gegen  Hiltebrandt  ins  Treffen  führt.  Haakes  Beweismittel  lassen 
sich  vermehren.  Mag  der  von  mir  in  der  Zeitschr.  f.  Kirchengesch. 
Bd.  24  S.  98  Anm.  i  angeführte  Brief  Augusts  mit  dem  Versprechen 
seines  Öffentlichen  Übertritts,  wie  Hiltebrandt  S.  176  Anm.  3  will, 
tatsächlich  an  den  Kardinal-Primas  von  Polen  gerichtet  sein,  so 
mufste  doch  August  mit  Sicherheit  daraufrechnen,  dafs  sein  Schieiben 
dem  Nuntius  und  damit  der  römischen  Kurie  mitgeteilt  würde,  was 
ja  auch  tatsächlich  geschah.  Wollte  nun  August,  falls  er  nicht  ge- 
wählt wurde,  den  "Religionswechsel  ableugnen,  so  besafsen  die 
kirchlichen  Kreise  in  diesem  Briefe  das  Mittel,  August  völlig  zu 
kompromittieren.  Deshalb  hätte  das  dem  Kurfürsten  von  Hiltebrandt 
zugemutete  Doppelspiel  von  vornherein  seinen  Zweck  verfehlt;  was 
sollte  also  das  zwecklose  Versteckspiel  nützen  ? 

Vor  allem  das  Risiko,  dem  August  sich  aussetzte,  bestand  nicht 
so  sehr  darin,  dafs  ihm  der  formell  vollendete  Übertritt  zur  katho- 
lischen Kirche  nachgewiesen  werden  konnte,  für  seine  streng 
gläubigen  lutherischen  Untertanen  in  Sachsen  fiel  erst  in  zweiter 
Linie  ins  Gewicht,  ob  August  übergetreten  sei  oder  übertreten 
wolle,  für   sie   genügte   es   schon,  dafs  Augusts  Bruch   mit   dem 


344 


Literatur. 


lutherischen  Glauben  der  Väter  zu  tage  trat.  Nicht  erst  der  positive 
Schritt,  der  Übertritt,  sondern  schon  der  negative,  der  offenkundige 
Abfall  von  dem  herrschenden  Glaubensbekenntnis,  mufste  die  Ge- 
müter in  Sachsen  erregen.  Hätte  daher  auch  August  nach  dem 
Scheitern  seiner  polnischen  Pläne  seine  Konversionsabsichten  in 
Abrede  gestellt,  so  würden  doch  die  Verhandlungen  Flemmings  in 
Warschau,  Augusts  Reise  nach  Schlesien,  die  Konzentration  säch- 
sischer Truppen  an  der  polnischen  Grenze,  endlich  Augusts  Brief 
an  den  Kardinal-Primas  nach  seiner  Publikation  jedem,  der  sehen 
wollte,  wenigstens  soviel  bewiesen  haben,  dafs  August  sich  um  die 
polnische  Krone  beworben  habe  und  d.h.,  dafs  er  dem  Protestantismus 
den  Rücken  zu  kehren  bereit  sei,  dafs  er  im  Herzen  schon  längst 
mit  ihm  gebrochen  habe.  Welche  Wirkung  diese  Erkenntnis  auf 
seine  Untertanen  und  die  protestantischen  Reichsfürsten  ausüben 
wurde,  liefs  sich  vorher  nicht  berechnen;  darin  bestand  die  Gefahr, 
der  August  trotzen  mufste,  eine  Gefahr,  die  sich  durch  ein  mit  dem 
Vetter  abgekartetes  Spiel  nicht  besclnvören  liefs. 

Zum  Schlufs  die  ßemerkung:  Der  ötfentliche  Übertritt  Augusts 
vollzog  sich  nicht  in  Pikari,  wie  Hiltebrandt  S.  19  und  Haake  in 
der  Hist.  Vierteljahrschr.  Bd.  10  S.  390  wollen  —  gemeint  ist  die  be- 
rühmte Wallfahrtskirche  in  Deutsch -Piekar  in  Oberschlesien  — , 
sondern  wie  ich  in  der  Zeitschr.  f.  Kirchengesch.  Bd.  24  S.  102  aus- 
führte, bei  den  Breslauer  Jesuiten;  in  Deutsch-Piekar  wiederholte 
ihn  August. 

Breslau.  Ziekursch. 

Die  Staatsschulden  Sachsens  in  der  Zeit  Ton  1763  bis  1837.  Inau- 
guraldissertation der  philosophischen  Fakultät  der  Universität 
Leipzig.  Von  Walter  Däbritz  Leipzig,  Druck  von  B.  G.  Teubner. 
1906.    VIII,  159  SS.    8«. 

Der  geschichtlichen  Darstellung  der  sächsischen  Staatsschulden 
ist  eine  allgemeine  Entwickelung  der  Staatsschulden  in  den  deutschen 
Territorien  während  des  XVTII.  Jahrhunderts  (S.  i — 30)  vorausgeschickt. 
Wir  können  uns  mit  diesem  Gange  der  Untersuchung  nicht  be- 
freunden. Geht  man,  wie  Däbritz,  von  der  „Methode  und  (den) 
Ergebnissen  der  entwicklungsgeschichtlichen  und  entwicklungs- 
theoretischen Untersuchungen  der  letzten  Jahrzehnte"  aus,  so  verliert 
man  leicht  den  unbefangenen  Blick  für  die  richtige  Würdigung  der 
Akten  und  des  Tatsachenmaterials;  man  ist  dann  nur  zu  leicht  ge- 
neigt, sie  in  den  Rahmen  des  schon  vorhandenen  theoretischen 
Schemas  einzuordnen.  Schlägt  man  dagegen  den  entgegengesetzten 
Weg  ein:  stellt  man  zuerst  die  geschichtliche  Entwicklung  akten- 
mäfsig  klar,  dann  ist  auch  die  Bahn  frei,  die  aus  der  objektiven  Dar- 
stellung abgeleiteten  Ergebnisse  mit  dem  Gange  der  allgemeinen 
geschichtlichen  Entwicklung  zu  verbinden.  Im  ersteren  Falle  bleibt 
man  abhängig  von  seinen  Vorarbeitern,  im  letzteren  kann  man  selbst- 
ständig zu  ihnen  Stellung  nehmen. 

Vorwiegend  im  Anschlufs  an  Bücher  werden  in  diesem  ein- 
leitenden Kapitel  in  allgemeinen  Umrissen  Feudalismus,  Kapitalismus 
und  aufgeklärter  Absolutismus  kurz  geschildert.  Die  Eigenart  der 
deutschen  staatlichen  Verschuldung  wird  richtig  gekennzeichnet: 
„entsprechend  dem  subsidiären  Charakter  der  ständischen  Finanzen 
vollzieht  sich  der  Prozefs  in  den  deutschen  Territorien  meist 
derart,  dafs  in  erster  Linie  der  Landesherr  die  Anleihe  selbst  auf- 


Literatur.  345 

nimmt  und  aus  seinen  Mitteln  verzinst  und  tilgt,  bis  ihm  der  Schulden- 
dienst über  den  Kopf  wächst,  seine  Rentkammer  versagt.  Dann 
erklären  sich  die  Stände,  oft  nach  langen  Verhandlungen  und  gegen 
reiche  Konzessionen,  zur  Bewilligung  neuer  Steuern  für  die  Ver- 
zinsung, schlieislich  zur  Übernahme  der  Schulden  selbst  auf  ihre 
Kasse  bereit".  Auf  die  politischen  und  wirtschaftlichen  Ursachen 
wie  Folgeerscheinungen  dieses  doch  ganz  eigenartigen  Charakters 
der  ehemaligen  stänidischen  Finanzpolitik  wird  aber  leider  nicht 
näher  eingegangen.  Und  doch  liegt  hier  der  Schlüssel  zum  Ver- 
ständnis der  späteren  Entwicklung,  des  Kampfes  zwischen  dem 
Beamtentum,  wie  es  im  Laufe  des  XVII I.  Jahrhunderts  Macht  und 
Einfiufs  gewonnen  hat,  und  den  Ständen  um  die  Finanzhoheit  des 
Staates  und  damit  schliefslich  um  den  vorherrschenden  Einflufs  auf 
das  gesamte  staatspolitische  Leben.  Die  weiteren  Ausführungen  von 
Däbritz:  „fürstliches  und  landschaftliches  Schulden  werk  stehen  gleich- 
berechtigt nebeneinander.  Geteilte  Verantwortlichkeit  aber  bedeutet 
auch  entsprechende  Minderung  des  Verantwortlichkeitsgefühls" 
treffen  deshalb  auch  nicht  den  Kern  der  Frage.  Gerade  das  „öffent- 
liche Gewissen",  wie  es  in  den  Landtagen  sich  zeigte,  war  für  Klar- 
legung der  Schuldenverhältnisse,  verlangte,  dafs  Kommissionen  ein- 
gesetzt würden,  die  Klarheit  in  die  Verworrenheit  der  Einnahmen 
und  Ausgaben  bringen  sollten,  aber  der  ständische  Staat  hatte 
damals,  weil  er  ohne  ein  festes  Beamtentum  die  Macht  der  Stände 
fürchtete,  Interesse  daran,  seine  finanzpolitischen  Mafsnahmen  zu 
verschleiern. 

Von  S.  31 — 159  wird  unter  Benutzung  der  Landtagsakten  wie 
der  vorhandenen  Literatur  die  sächsische  Staatsschuld  im  XVIII.  Jahr- 
hunderts geschildert.  Nach  einer  allgemeinen  Erörterung  über  die 
wirtschaftliche  und  finanzielle  Lage  Sachsens  um  die  Mitte  des 
XVIII.  Jahrhundert  werden  zuerst  die  Staatsschulden,  dann  die 
Steuerkreditkasse  und  die  Kammerkreditkasse  bis  zur  Begründung 
der  Staatsschuldenkasse  im  Jahre  1834  behandelt. 

Für  die  ältere  sächsische  Schulden  Wirtschaft  finden  wir  zwei 
ihr  eigentümliche  Formen:  i.  Anlehen  entweder  bei  Städten,  Körper- 
schaften usw.  als  rrine  Anlehen  aufgenommen,  oder,  was  bei 
gröfseren  Anlehen  fast  durchgängig  der  Fall  war,  mit  Verpfändungs- 
klausel usw.  ausgestellt.  Auf  diese  Form  geht  Däbritz  kurz  ein. 
2.  Schuldaufnahmen  einzelner  Privatgläubiger.  An  den  Messeterminen 
nahm  die  Steuerkasse  in  Leipzig  jeden  auch  noch  so  kleinen  Geld- 
betrag an,  bei  gröfseren  wurde  die  Kündigungsfrist  festgesetzt,  bei 
kleineren  fehlte  sie.  Sie  konnten  jederzeit  der  Steuerkasse  auf  den 
Messeterminen  zur  Auszahlung  vorgelegt  werden.  Die  Steuerkasse 
übernahm  damals  eine  wirtschaftliche  Funktion,  die  unserem  heutigen 
Sparkassenwesen  ähnelt.  Diese  ganze  Geldaufnahme  war  mehr  ein 
privatwirtschaftlicher  als  ein  staatsrechtlicher  Vorgang.  Nur  ganz 
kurz  wird  auf  S.  51  diese  Form  der  Geldaufnahme  gestreift,  nach 
ihrer  Bedeutung  für  das  sächsische  Schuldenwesen  aber  nicht 
gewürdigt. 

Das  sächsische  Schuldenwesen  hat  nun  nach  unserer  Auffassung 
im  XVIII.  Jahrhundert  diese  Formen  abgestreift;  es  ist  zum  reinen 
Staatskredit  übergegangen;  fest  normierte  Beträge  in  staatlichen 
Schuldverschreibungen,  keine  Verpfändung  von  einzelnem  Staatsgut 
mehr.  Eine  Geschichte  des  sächsischen  Staatsschuldenwesens  hatte 
m.  E.  in  erster  Linie  die  Aufgabe  den  Übergang  aus  der  mehr 
privatwirtschaftlichen  zur  reinen  staatswirtschaftlichen  Geldaufnahme 


346 


Literatur. 


zu  zeigen.  Dieser  ganze  Entwicklungsgang  ist  uns  bei  Däbritz  nicht 
klar  genug  gezeichnet.  Und  auch  einen  anderen  Vorwurf  können  wir 
dem  Verfasser  nicht  ersparen.  Sachsen  führte  von  allen  deutschen 
Staaten  zuerst,  selbst  vor  England,  1772  Kassenbillets,  Papiergeld  ein, 
und  schuf  damit  eine  schwebende  zinslose  Schuld.  Eine  Arbeit,  die 
über  das  sächsische  Schuldenwesen  handelt,  hätte  diesen  wichtigen 
Vorgang  ausführlich  in  einem  eigenen  Kapitel  behandeln  müssen. 
Das  eigentliche  Aktenmaterial  des  Hauptstaatsarchivs  ist  nicht  in 
ausreichender  Weise  herangezogen  worden.  Die  Arbeit  macht 
einen  fleifsigen  Eindruck,  sie  wird  an  Wert  sehr  gewinnen,  wenn 
sie,  was  zu  erwarten  steht,  noch  weiter  ergänzt  und  vertieft  wird. 
Dann  werden  wohl  auch  neben  den  wirtschaftlichen  die  politischen 
Motive,  die  jetzt  etwas  zu  kurz  kommen,  voll  berücksichtigt  werden. 

Dresden.  Robert  Wuttke. 


Die  Genesis  des  am  4.  April  1813  eingesetzten  Zentral-Verivaltung's- 
rates  und  seine  Wirksamkeit  bis  zum  Herbst  dieses  Jahres.  Mit 
Benutzung  archivalischer  Quellen  dargestellt  von  Dr.  Paul  Wetzel. 
(Dissertation.)  Greifs wald,  Buchdruckerei  Hans  Adler.  1907. 
HO  SS.    8". 

Häusser,  Seeley  und  Max  Lehmann  (Scharnhorst  II,  578)  waren 
der  Meinung,  der  am  4.  April  181 3  von  Preufsen  und  Rufsland  zur 
Organisierung  der  Erhebung  gegen  Napoleon  in  den  norddeut- 
schen Rheinbundstaaten  eingesetzte  Zentral -Verwaltungsrat  habe  im 
wesentlichen  den  Absichten  seines  geistigen  Vaters,  des  Freiherrn 
vom  Stein,  entsprochen.  Der  Verfasser  vorliegender  Greifswalder 
Dissertation  zeigt  im  ersten  Teile  seiner  Arbeit,  wie  weit  die  Befug- 
nisse dieser  Behörde  hinter  denen,  die  ihr  Stein  beigelegt  wissen 
wollte,  zurückblieben  und  wie  seine  ganz  radikalen,  vom  tiefsten 
Milstrauen  gegen  die  Fürsten  eingegebenen  Vorschläge  allmählich 
derart  modifiziert  wurden,  dafs  dem  Verwaltungsrat  jede  durch- 
greifende Wirksamkeit  versagt  blieb.  Stein  wollte  eine  durch  Zu- 
ziehung von  Männern  aus  dem  Volke  demokratisch  gefärbte  Behörde 
mit  diktatorischer  Vollmacht,  ein  kurzfristiges  Ultimatum  an  die 
Rheinbundfiirsten,  deren  keinem  er  einen  Rechtsanspruch  auf  seine 
Souveränität  zugesteht;  endlich  für  das  Volk  das  Versprechen,  dafs 
man  nach  Wiederherstellung  des  Friedens  ihm  ganz  allein  die  Ord- 
nung seiner  Verfassungsangelegenheiten  überlassen  würde.  Was 
aber  durch  Kaiser  Alexanders  Willen  und  Preufsens  Nachgiebigkeit 
herauskam,  war  eine  der  Kontrolle  der  Monarchen  unterworfene 
Kommission  hoher  Staatsbeamter  mit  dem  Auftrage,  mit  den  Rhein- 
bundfürsten Verträge  über  ihre  Leistungen  für  die  Befreiung  Deutsch- 
lands abzuschliefsen  und  deren  Ausführung  zu  überwachen;  von 
jener  Zusicherung  an  das  Volk  verlautet  nichts  mehr.  Der  Ver- 
fasser glaubt  in  verwandtschaftlichen  Rücksichten  auf  den  Herzog 
von  Mecklenburg-Schwerin  wenigstens  eine  der  Ursachen  finden 
zu  dürfen,  die  Alexander  zu  seiner  Entscheidung  bewogen,  und 
sieht  in  dieser  mit  Recht  eine  entschiedene  Niederlage  der  von  Stein 
vertretenen  Grundsätze. 

Der  zweite  Teil  von  Wetzeis  Arbeit  beschäftigt  sich  mit  der 
Wirksamkeit  des  Verwaltungsrates,  dessen  Präsident  Stein  wurde, 
und  zwar  7,unächst  mit  seiner  Tätigkeit  im  Königreich  Sachsen. 
Beide   verbündete  Monarchen    hatten    kein  Interesse   an   Sachsens 


Literatur. 


347 


gutwilligem  Beitritt  zur  Allianz,  da  sie  es  als  Kompensation  für  die 
von  Alexander  gewünschten,  ehemals  preufsischen  Teile  des  Herzog- 
tums Warschau  ins  Auge  gefafst  hatten,  und  demgemäfs  waren 
beide,  besonders  aber  Alexander,  anfänglich  für  ein  scharfes  Vor- 
gehen gegen  Sachsen.  Unter  den  vom  Verfasser  eingehend  be- 
sprochenen Gründen,  die  sie  zum  Aufgeben  dieses  Standpunktes 
und  zur  Sendung  des  Generalmajors  Heister  an  Friedrich  August  I. 
veranlafsten,  dürfte  die  Rücksicht  auf  Österreich  den  Ausschlag  ge- 
geben haben.  Unter  diesen  Umständen  machte  die  heftige  Sprache, 
die  Stein  trotzdem  in  Dresden  führte,  geringen  Eindruck  auf  die 
dortige,  vom  König  eingesetzte  Immediatkommission,  und  seinen 
Forderungen  setzte  sie  den  äufsersten  Widerstand  entgegen,  denn 
die  schwächhche  Haltung  der  Verbündeten  mufste  sie  ja  geradezu 
ermutigen.  Schlielslich  erreichte  Stein  mit  Mühe  und  Not,  dals  er 
statt  der  verlangten  500000  Taler  ein  Fünftel  dieser  Summe  erhielt; 
erst  nach  der  Schlacht  von  Grofs-Görschen  schritt  man  zur  Beschlag- 
nahme der  öffentlichen  Kassen,  die  etwa  230000  Taler  ergab. 

Das  Vorgehen  des  Zentral-Verwaltungsrates  gegen  die  übrigen 
norddeutschen  Rheinbundstaaten  (sächsische  Herzogtümer,  beide 
Mecklenburg,  Lübeck,  Hamburg,  Kurhessen,  Anhalt)  erfährt  in  den 
beiden  letzten  Kapiteln  eine  mehr  oder  minder  ausführliche  Er- 
örterung, auf  die  näher  einzugehen  sich  aber  in  dieser  Zeitschrift 
erübrigt. 

Die  Arbeit  beruht  auf  gewissenhaftem  Quellenstudium;  den 
Akten  des  Geheimen  Staatsarchivs  in  Berlin  smd  zahlreiche  noch 
nicht  verwertete  Aufschlüsse  zu  verdanken.  Die  einschlägige  Lite- 
ratur ist  gründlich  durchgearbeitet,  die  Darstellung  frisch  und  ge- 
wandt. Dem  etwas  temperamentvollen  Urteile  des  Verfassers  wird 
man  im  ganzen  sicherlich  beipflichten,  wenn  auch  nicht  ohne  einige 
Vorbehalte.  Der  Souveränitätsdünkel  der  kleinen  Fürsten  war  eine 
natürliche  Folge  der  deutschen  Territorialgeschichte,  die  man  als 
solche  begreifen  mufs,  und  der  herben  Verurteilung  des  „kleinlichen 
Feilschens"  der  Schweriner  Regierung  hätte,  da  die  Vorschläge  des 
Grofsherzogs  ein  ziemliches  Mafs  guten  Willens  doch  unzweifelhaft 
verraten,  eine  Erörterung  der  Leistungsfähigkeit  des  Landes  wohl 
billigerweise  vorausgehen  sollen. 

Kiel.  Fritz  Friedrich. 


Beiträge  zur  sächsisclien  Kircheugeschichte.  Herausgegeben  im 
Auftrage  der  Gesellschaft  für  sächsische  Kirchengeschichte  von 
Frauz  Dibelius  und  Theodor  Brieger.  17. — 20.  Heft.  (Jahreshefte 
für  1903  —  1906.)  Leipzig,  Johann  Ambrosius  Barth.  1904 — 1907. 
163,  156,  220  und  259  SS.    S*'. 

Die  vorliegenden  vier  stattlichen  Hefte  enthalten  wie  die 
früheren  wesentlich  Arbeiten  zur  Reformations-  und  neueren  Kirchen- 
geschichte. Doch  wird  auch  das  Mittelalter  berührt:  O.  Giemen 
weist  (Heft  19,  S.  120 — 124)  auf  Grund  von  Forschungen  Schnürers 
nach,  dafs  die  „sant  gehulfen  capel"  zu  Treuen  das  älteste  Zeugnis 
für  den  aus  Italien  nach  Deutschland  gekommenen  Kultus  ,,der 
heiligen  Hülfe"  oder  ,,Sante  Unkommer"  ist.  Derselbe  veröffent- 
licht eine  Urkunde  zur  Geschichte  des  Zwickauer  Knappenaltars 
(Heft  20,  S.  253  ff).  O.  Bönhoff  bietet  Studien  zur  kirchlichen 
Geographie  des  Mittelalters  in  folgenden  drei  Arbeiten :  Die  Grenzen 

Neues  .Archiv  f.  S.  G.  u.  A.    XXVIII.    3.  4.  23 


248  Literatur. 

der  Bistümer  Naumburg,  Merseburg  und  Meifsen  untereinander. 
Weshalb  fehlt  die  Parochie  Altenhof  bei  Leisnig  in  der  Meifsner 
Jurisdiktionsmatrikel?  Bildete  die  Propstei  Riesa  ein  Archidiakonat 
des  Meifsner  Hochstifts?  In  das  Ende  des  Mittelalters  führt 
F.  Dibelius  mit  seiner  Studie  über  Johann  Tetzel  iHeft  17)  und 
Barth  in  seinen  Mitteilungen  zur  Geschichte  der  Dresdner  Kreuz- 
kirche iHeft  i8t. 

Die  Geschichte  der  Einführung  der  Reformation  in  einzelnen 
Gebieten  ist  mit  mehreren,  zum  Teil  umfangreichen  Arbeiten  ver- 
treten. G.  Planitz  behandelt  die  Ämter  Rochlitz  und  Kriebfctein 
(Heft  17),  Goldammer  das  Vogtland  mit  besonderer  Berück- 
sichtigung der  Ephorie  Ölsnitz  (Heft  i8j,  O.  Giemen  die  Reforma- 
tionsgeschichte von  Schiettau  (Heft  i8j. 

Von  hervorragenden  Persönlichkeiten,  die  zur  Behandlung  ge- 
langen, sei  Herzog  Heinrich  (von  Ifsleib.  Heft  19),  Kurfürst  Moritz 
(von  demselben,  Heft  20),  Daniel  Greser  (von  O  Giemen,  Heft  20) 
und  Johann  Pfeffinger  (von  R.  Merkel,  Heft  19)  erwähnt.  In  ein 
Stammbuch  (Heft  20)  haben  sich  Hieronymus  Weller,  Johannes  und 
Paulus  Mathesius  u.  a.  m,  eingetragen.  Zur  Liturgie  bieten  Otto 
Dibelius-Wittenberg  (Heft  18)  und  O.  Giemen  (ebenda)  Beiträge, 
zur  Geschichte  der  kirchlichen  Kleidung  A.  Chalybäus  (Heft  20). 
Blanckmeister  schildert  Sachsens  Beihilfe  zur  Erbauung  evange- 
lischer Kirchen  in  Böhmen  nach  Erlals  des  Majestätsbriefes  (Heft  19). 
R.  Franke  gibt  einen  Überblick  über  die  Geschichte  der  Privat- 
beichte in  Sachsen  (Heft  19).  Besonders  verwiesen  sei  auf  den 
ersten  Versuch  des  Herausgebers  Franz  Dibelius,  dem  sächsischen 
Kalender  zu  einer  wirkhch  evangelischen  Namenreihe  zu  verhelfen. 
Seine  „Vorschläge  sind  S.  99 — iio  in  Heft  18  zusammengestellt. 
Eine  Übersicht  über  die  Geschichte  der  Frage  geht  voran. 

In  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  führen  E.  Luthardts  Briefe  an 
Henke,  von  Rade  herausgegeben  (Heft .18).  Von  besonderem  Inter- 
esse sind  die,  die  des  Briefschreibers  Übersiedlung  von  Marburg 
nach  Leipzig  und  die  ersten  Eindrücke  hier  und  in  Dresden  zum 
Gegenstande  haben. 

Zum  Schlüsse  noch  einen  Wansch!  Sollte  sich  nicht  ein  opfer- 
freudiger Landpfarrer  finden,  der  zu  den  inhaltreichen  20  Bäaden 
ein  Personen-  und  Ortsregister  fertigte?  Er  würde  sich  den  Dank 
der  Leser  und  der  Wissenschaft  verdienen. 

Leipzig.  Georg  Müller. 


Qnellenbuch  zur  Gescliichte  des  (xjmnasiiims  zu  Zittau.    I.  Heft: 

Bis  zum  Tode  des  Rektors  Christian  Weise  (1708).  Bearbeitet  von 
Dr.TheodorGJärtiier,  Professor  am  Gymnasium  zuZittau.  (A.  u.  d.T.: 
Veröffentlichungen  zur  Geschichte  des  gelehrten  Schulwesens  im 
albertinischen  Sachsen  Herausgegeben  im  Auftrage  des  Sächsischen 
Gymnasiallehrer -Vereins.  II.  Teil:  Urkundenbücher  der  sächsischen 
Gymnasien.)    Leipzig,  B.  G.Teubner.    1905.    V,  142  SS.   8*^. 

Mit  vorliegendem  Bande  beginnt  der  Sächsische  Gymnasiallehrer- 
Verein  ein  von  langer  Hand  geplantes  Unternehmen,  die  Herausgabe 
der  Urkundenbücher  der  einzelnen  Schulen.  Das  Zittauer  G^'mnasium 
verfügt  nur  über  wenige  und  dürftige  Quellen.  Aber  der  Bearbeiter 
hat  durch  eingehende  Studien  während  reichlich  zweier  Jahrzehnte 
eine  Menge  Stoff  aufgespürt  und  zusammengebracht.  Unsere  Kenntnis 


Literatur.  34g 

wird  durch  das  Ergebnis  seiner  Studien  wesentlich  bereichert.  Als 
Beispiel  führe  ich  den  Rektor  M.  Christian  Keimann  an,  dessen 
3oojähriger  Geburtstag  am  vergangenen  27.  Februar  gefeiert  worden 
ist.  Bezüglich  der  von  ihm  verfafsten  Bücher  war  man  bisher  auf 
die  unvollständigen  Angaben  von  Ludovici  und  Otto  angewiesen; 
hier  werden  auf  Seite  88—90  nicht  weniger  als  24  gedruckte  Schriften 
aufgeführt  und  aufserdem  Manuskripte  erwähnt.  Zur  Geschichte  der 
Schulbücher  finden  sich  zahlreiche  Angaben,  z.  B.  S.  17  in  den  Aus- 
gaben des  Gotteskastens  für  arme  Schüler.  Verwiesen  sei  ferner 
auf  die  Mitteilungen  über  die  Entwicklung  der  Schulbibliothek 
S.  112.  Die  Schulordnungen  werden  besonders  auf  Beachtung 
rechnen  dürfen.  Wir  wünschen  dem  Verfasser,  dafs  es  ihm  gelingen 
möge,  recht  bald  den  zweiten  Band  zum  Abschlufs  zu  bringen. 

Leipzig.  Georg  Müller. 

Die  Diözese  Braadeubur^.  Untersuchungen  zur  historischen  Geo- 
graphie und  Verfassungsgeschichte  eines  ostdeutschen  Kolonial- 
bistums. Von  Fritz  Carschmanu.  Mit  zwei  Kartenbeilagea. 
Veröffentlichungen  des  Vereins  für  Geschichte  der  Mark  Branden- 
burg.    Leipzig,  Duncker  und  Humblot  1906.    XV,  488  SS.   8*'. 

Die  vorliegende  ebenso  umfangreiche  wie  gründliche  Arbeit 
ist  die  erste  der  historisch-geographischea  Bistumsbeschreibungen, 
zu  denen  1898  von  dem  Herausgeber  der  Historischen  Zeitschrift, 
Friedrich  Meinecke,  die  Anregung  gegeben  worden  ist.  C.'s  Werk 
liefert  den  Beweis,  dafs  man  nicht  sofort  nach  Ablauf  der  ersten 
Jahre  das  Erscheinen  von  einer  ganzen  Anzahl  der  in  Angriff  ge- 
nommenen Werke  erwarten  durfte.  Dafs  in  dem  nunmehr  verflos- 
senen Jahrzehnt  gearbeitet  worden  ist,  zeigt  sich  darin,  dafs  in 
Zeitschriften  usw.  eine  Menge  Einzelfragen  erörtert  worden  sind, 
die  mit  dem  Thema  m  Verbindung  stehen.  —  Nachdem  das  erste 
Werk  erschienen  ist,  wird  man  der  Frage  nähertreten  müssen,  was 
streng  genommen  in  die  historisch-geographische  Beschreibung  eines 
Bistums  gehört.  Auch  den  Punkt  wird  die  vorliegende  Arbeit  klären 
helfen.  —  Für  die  Leser  dieser  Zeitschrift  ist  in  diesem  Werke  vor 
allem  von  Belang,  was  S.  3 5 ff.  über  die  Gründung  der  drei  sächsi- 
schen Bistümer  Meifsen,  Merseburg  und  Zeitz  gesagt  ist,  ein  Punkt, 
der  in  letzter  Zeit  ausführlich  von  Hauck  im  3.  Teil  seiner  Kirchen- 
geschichte Deutschlands  behandelt  worden  ist,  sodann  die  Ermittelung 
der  Grenze  der  Diözesen  Brandenburg  und  Meifsen  S.  21 2 ff.,  wozu 
die  beigegebene  Karte  zu  vergleichen  ist.  Es  grenzen  aneinander 
die  Sedes  Jüterbog  dioc.  Brandenburg,  und  die  Sedes  Schlichen  dioc. 
Misn.  Hier  ist  zu  bemerken,  dafs  das  in  den  Visitationsprotokollen 
von  1529  (HStA.  Dresd.  Loc.  10598  Registration  1529,  Bl.  i  a ,  vgl. 
Burkhardt  Kirchenvisit.  S.  30)  genannte  und  von  Burkhardt  auf  der 
Karte  als  fehlend  bezeichnete  Dietmanstorff  unstreitig  Dixförde  Par. 
Schweinitz  ist  (von  C.  nicht  genannt).  Weiter  wird  verfolgt  die 
Abgrenzung  der  Sedes  Jüterbog  gegen  die  Sedes  Dahme  dioc.  Misn  , 
die  Enklave  des  Erzbistums  Magdeburg  Baruth  und  die  Meifsner 
Sedes  Zossen,  die  der  Sedes  Brietzen  und  Spandau  gegen  Zossen, 
sodann  die  von  Spandau  gegen  Storkow.  Das  ist  offenbar  nicht  die 
ursprüngliche  Grenze  der  beiden  Bistümer.  Es  wird  nun  zunächst 
S.  2i6ff.  der  Nachweis  geführt,  dafs  die  Lausitz,  um  die  es  sich  hier 
handelt,    nicht  erst  gegen  Ende    des   12.  Jahrhunderts   vom   Bistum 

23* 


350 


Literatur. 


Brandenburg  an  Meifsen  kam,  wie  bisher  angenommen  wurde  (doch 
vgl.  dazu  Hauck  III,  135),  sondern  dafs  bereits  Bischof  Folchold  von 
Meifsen  Anspruch  auf  die  Lausitz  machte.  Die  Urkunde  Ottos  I. 
von  971,  in  der  er  der  Kirche  zu  Meilsen  die  fünf  bekannten  slawi- 
schen Landschaften  überwies,  ist  ein  Blankett,  das  der  Kaiser  dem 
Meifsner  Bischof  übergeben  hat  und  das  dieser  ausgefüllt  hat.  Was 
der  Bischof  in  diesem  Schriftstück  bereits  als  zu  seiner  Diözese 
gehörig  bezeichnet,  bestätigt  Otto  III.  ausdrücklich  995  der  Meifsner 
Kirche.  Die  genauere  Festlegung  der  oben  angeführten  Grenze, 
die  mit  der  politischen  nicht  überall  zusammenfällt  und  also  später 
entstanden  sein  mufs,  wird  darauf  S.  219  ff.  im  einzelnen  behandelt. 

Dresden.  Rieh.  Becker. 


Übersicht 

über  neuerdings  erschienene  Schriften  und  Aufsätze 

zur  sächsischen  Geschichte  und  Altertumskunde^). 

Von  Viktor  Hantzsch. 


A.,  H.    Die  alten  Befestigungen    der  Stadt   Leipzig:    Der  Leipziger 

11(1907),  857.    Mit  I  Abb." 
Am  Ende.    Bilder  aus  der  Sächsischen  Schweiz.    I.  Geschichtliches: 

Unsere  Heimat  VI  (1906  07),  102 — 105.    Mit  Abb. 
v.ArchenhoIts,  Johann  Wilhelm.  Geschichte  des  Siebenjährigen  Krieges 

in    Deutschland.      Herausgegeben    und    durchgesehen    von    Max 

Mendheim.      (Universalbibliothek.     Nr.   134 — 137.)      Leipzig,    Ph. 

Reclam  jun.   (1907.)    504  SS.    S''. 
Arndt,  G.    Der   sächsische   Hofprediger  D.  Mirus   als    Prediger   in 

Halberstadt:  Zeitschrift  des  Vereins  für  Kirchengeschichte  in  der 

Provinz  Sachsen  III  (1906,07),  271  —  277. 
Arnold,  E.  M.     Leipziger  Reiseleben   im  Wandel    der  Zeiten:   Der 

Leipziger  II  (1907 1,  6 — 8.    Mit  4  Abb. 
Baltzer.     Aus    einem    Studentenleben    vor    90  Jahren:     Sächsisches 

Kirchen-  und  Schulblatt.    1907.    Sp.  406—411. 
„  Nachrichten  über  den  Turm  der  Kirche  zu  Dohna:     Kirchlicher 

Jahresbericht  der  Kirchgemeinde  Dohna  auf  das  Jahr  1906.  S.2 — 10. 
Bär,  Anto)i.   Die  Albrechtsburg  in  Meifsen:    Heimatsklänge  11(1906), 

242—245.    Mit  Abb. 


')  Vgl.  die  Übersicht  über  die  neuerdings  erschienene  Literatur  zur 
thüringischen  Geschichte  und  Altertumskunde  von  O.  Dobenecker 
in  der  Zeitschrift  d.  V.  f.  Thür.  Gesch.  u.  Altertumskunde  XXV  = 
N.  F.  XVII  (1907),  504—516. 


Literatur.  gcj 

Bartsch,  Clemens.  Wo  lag  der  Weibertausch?:  Über  Bere  und 
Thal  XXX  (1907),  i78f. 

Beil,  Arthur.  1857— 1907.  50  Jahre  im  Dienste  der  Kameradschaft. 
Festschrift  zur  Feier  des  50jährigen  Bestehens  des  Kgl.  Sachs. 
Militärvereins  zu  Taura.  Taura,  Druck  von  G.  Delling.  1907. 
23  SS.    80.  *      ^  / 

„  Die  Vergangenheit  Tauras.  (S.-A.  aus  dem  Haushaltplane  der 
Gemeinde  Taura  1907.)  Taura,  Druck  von  G.  Delling.  (1907.) 
12  SS.    80. 

Benndorf,  Paul.  Der  alte  Leipziger  Johannisfriedhof  und  die  Rats- 
oder Hospitalgruft.  Ein  Beitrag  zur  Stadtgeschichte.  Mit  70  Abb. 
in  Lichtdruck  nach  photographischen  Autnahmen  des  Verfassers 
und  2  Plänen  des  Friedhofes.  Leipzig,  G.  Merseburger.  1907. 
XII,  96  Spp.    Mit  48  Taff.    QU.-80. 

Volkstümlicher  Humor  und  andere  Redensarten.  Leipzig  und 
Umgebung  (sächsisches  Niederland).  Fortsetzung:  Mitteilungen 
des  Vereins  für  sächs.  Volkskunde  IV  (1907),  i76f. 

Berbig,  G.  Das  Sequestrationsrecht  im  Ortslande  Franken  1531  —  1534: 
Deutsche  Zeitschrift  für  Kirchenrecht  XVI  (1906),  302 — 340. 
„  29  Briefe  des  Kurfürsten  Johann  Friedrich  des  Grofsmütigen  aus 
der  Gefangenschaft  1547— 1552:  Zeitschrift  des  Vereins  für  Thürin- 
gische Geschichte  und  Altertumskunde  XXV=N.  F.  XVII  (1907), 
251 — 290. 

Bernhardt,  P.  Geheimrat  Professor  Dr.  Friedrich  Möring  7:  Über 
Berg  und  Thal  XXX  (1907),  154 f. 

Beschorner,  Hans.    VI.  Flurnamenbericht:    Mitteilungen  des  Vereins 
für  sächs.  Volkskunde  IV  (1907),  155! 
„  Zu  dem  Friedrich  August-Denkstem  an  der  alten  Meifsner  Land- 

strafse:  Über  Berg  und  Thal  XXX  (1907),  138. 
„  Kunstdenkmäler  in   Dörfern:   Dresdner  Anzeiger.    1907.    Nr.  174. 

S.  3. 
„  Der  geplante  Wiederaufbau  der  Wüstung  Kolmen  1708:  Wissen- 
schaftliche Beilage  zum  Leipziger  Tageblatt.    1907.    Nr.  228. 

Blanckmeister ,  Franz.  Meister  Rietschel  und  der  Fastor  von  der 
Annenkirche.  Zur  Entstehungsgeschichte  des  Wormser  Refor- 
mationsdenkmals: Das  Pfarrhaus  XXIII  (1907),  116 — 119. 

Bönhoff.  Die  politischen  und  kirchlichen  Verhältnisse  des  mittleren 
Erzgebirges  im  Mittelalter:  Glückauf  XXVII  (1907),  4 — 7.  21—24. 
33—37- 
,,  Sächsische  Stifter  und  Ordensniederlassungen  einst  und  jetzt 
(Schlufs):  Sächsisches  Kirchen-  und  Schulblatt.  1907.  Sp.  148 
bis  152. 
„  Die    Herrschaft    Schiettau    im    Mittelalter:     Obererzgebirgische 

Zeitung.    1907.   Nr.  165.  167.  169. 
„  Fragen     aus     der    Ehrenfriedersdorfer    Geschichte:     Amts-     und 
Wochenblatt    für    die    Kgl.  Amtshauptmannschaft    zu  Annaberg. 
1907.    Nr.  81.    S.  5f. 

Bonwetsch,  Gerhard.  Geschichte  des  Passauischen  Vertrages  von 
1552.  Gekrönte  Preisschrift.  Göttingen,  Vandenhoeck  &  Ruprecht. 
1907.    VIII,  216  SS.    80. 

Bornhai-,  C  Die  Mediatisierung  der  Grafschaften  Stolberg-Stolberg 
und  Stolberg -Rofsla:  Forschungen  zur  Brandenburgischen  und 
Preufsischen  Geschichte  XIX  (1906),  35  —  52. 

Brandenburger,  Clemens.  Polnische  Geschichte.  (Sammlung  Göschen. 
Nr.  338.)   Leipzig,  G.  J.  Göschen.    1907.    206  SS.    8«. 


352  Literatur. 

Brüning,  Adolf.  Porzellan.  (Handbücher  der  Königlichen  Museen 
zu  Berlin.  Kunstgewerbemuseum.)  Älit  i66  Abb.  im  Text.  Berlin, 
Georg  Reimer.  1907.  iIL,  230  SS.  8*^.  (Darin  S.  44 — 56:  Johann 
Friedrich  Böttger.    S.  57 — 104:  Meilsen  von  1720— 1814.) 

Bücher.  "Wilhelm  Georg  Friedrich  Röscher,  Nationalökonom:  All- 
gemeine Deutsche  Biographie  LUI  (1907),  486 — 492. 

BiichicaJd.  Georg.  Neue  Beiträge  zur  Kenntnis  der  sächsischen 
Geistlichkeit  in  der  Zeit  der  Reformation:  Wissenschafthche 
Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1907.    Nr.  12. 

Buchiccüd,  Reinhard.  Joachim  Greflf.  Untersuchungen  über  die  An- 
fänge des  Renaissancedramas  in  Sachsen.  (Probefahrten.  Erst- 
lingsarbeiten aus  dem  Deutschen  Seminar  in  Leipzig.  Heraus- 
gegeben von  Albert  Köster.  Band  11.)  Leipzig.  R.  Voigtländer. 
1907.    X,  89  SS.    8«. 

Burlchardt,  K.  A.  H.  Zum  ungedruckten  Briefwechsel  der  Refor- 
matoren, besonders  Luthers :  Archiv  für  Reformationsgeschichte  IV 
11907),  2,  184 — 212. 

[v.  Bidtlar.  Wilhelm.]  Das  Körner -Schiller -Denkmal  in  Losch- 
\\-itz.  (Sonderbeilage  zur  Sächsischen  Dorfzeitung  und  Eibgau- 
presse.) Blasewitz^  Hermann  Bever  &  Co.  (1907.)  i  Bl.  "Mit 
3  Abb.     2*'. 

Cardaun$,  L.  Zur  Kirchenpolitik  Herzog  Georgs  von  Sachsen  vor- 
nehmlich in  seinen  letzten  Regierungsjahren:  Quellen  und  For- 
schungen aus  italienischen  Archiven  und  Bibliotheken  X  (1907), 
loi — 151. 

Carlson,  Ernst.  Der  Vertrag  zwischen  Karl  XII.  von  Schweden  und 
Kaiser  Joseph  I.  zu  Altranstädt  1707.  Stockholm,  P.  A.  Norstedt 
&Söner.   (1907.)    71  SS.    Mit  Taff.    4*^- 

Giemen.  Otto.  Briefe  von  Hieronymus  Emser,  Johann  Cochläus,  Johann 
Mensing  und  Petrus  Rauch  an  die  Fürstin  Margarete  und  die 
Fürsten  Johann  und  Georg  von  Anhalt.  (Reformationsgeschichtliche 
Studien  und  Texte.  Herausgegeben  von  J.  Grevmg.  Heft  3.) 
^Münster,  Aschendortf  1907.  \TII,  67  SS.  8". 
„  Das  Vorlesungsverzeichnis  der  Leipziger  Universität  vom  Jahre 
1519:  Neue  Jahrbücher  für  das  klassische  Altertum  XlX/XX(i907), 
112 — 124. 

Creutzhcrg.  Heinrich  August.  Karl  von  Miltitz.  1490 — 1529.  Sein 
Leben  und  seine  geschichtliche  Bedeutung.  (Studien  und  Dar- 
stellungen aus  dem  Gebiete  der  Geschichte.  Im  Auftrage  der 
Görres  -  Gesellschaft  herausgegeben  von  H.  Grauert.  Band  VI, 
Hefti.)   Freiburg  i.  Br.,    Herder.    1907.    IV,  123  SS.    S'\ 

V.  Degenfeld-Schonburg,  Christoph.  Graf.  Schweinschädel  und  König- 
grätz.  Meine  Kriegserinnerungen  als  Kommandant  des  7.  Husaren- 
regiments.   Wien,  C.  Konegen.    1907.    38  SS.    8^\ 

Deichmidier,  J.  Die  Gegend  von  Dresden  in  vorgeschichtlicher  Zeit: 
Dresdner  Anzeiger.    Sonntags-Beilage.    1907.    Nr.  36 — 38. 

Doehler,  Eichard.  Geschichte  des  Dorfes  Leuba  in  der  königlich 
sächsischen  Oberlausitz.  Nach  archivalischen  Quellen  bearbeitet. 
Zittau,  A.  Graun.    1907.    IV,  201  SS.    Mit  9  TartT    8'\ 

Drescher,  G.    Wie  Alt-Leipzig  baute:   Der  Leipziger  II  (1907),  437 f- 
Mit  5  Abb. 
„  Alt- Leipziger  Höfe:    ebenda  7 16 f.  904!'.    Mit  9  Abb. 
„  Aus  der  \'orzeit  unserer  Heimat;  ebenda  877  f.    Mit  4  Abb. 

Einfeldt,  W.  Schlacht  bei  Lucka,  31.  V.  1307,  und  Geschichte  der 
Stadt  Lucka.    Leipzig,  W.  Belke.    (1907.)    19  SS.   Mit  2  Abb.    8". 


Literatur.  353 

V.  Einsiedel,  Kurt.  Tagebuchblätter  aus  dem  deutsch -französischen 
Kriege  des  Generalleutnants  Kurt  von  Einsiedel,  1870/71  Major  und 
Bataillonskommandeur  im  königlich  sächsischen  3.  Infanterie- 
regiment „Kronprinz"  Xr.  102.  Berlin  und  Breslau.  S.  Schottländer. 
1907.    IX,  267  SS.    8^'. 

Erfurth,  Bichard.  Bilder  aus  der  Kulturgeschichte  unserer  Heimat. 
Mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Provinz  Sachsen,  des 
Herzogtums  Anhalt  und  des  Königreichs  Sachsen.  2.  vermehrte 
Auflage.  Mit  i  Taf. :  Vor-  und  frühgeschichtliche  Altertümer. 
Halle,  R.  Mühlmann.    1907.    V,  132  SS.'    8». 

Esche,  F.  A.  Ein  sächsischer  Seeheld  [Admiral  BrommeJ:  Sachsen- 
post I  (1907).    Nr.  39.    S   I — 3.    Xr.  40.    S   i — 3. 

Ettig,  Fr.  Otto.  Aus  der  Vergangenheit  Dresdens.  Dresden,  Holze  & 
Fahl.    1907.    19  SS.    80. 

F.,  Cr.  Vater  Grofsmann  [Leipziger  Superintendent].  Zu  seinem 
50jährigen  Todestage  am  29.  Juni:  Der  Leipziger  II  (1907),  735 f. 
Mit  Bildnis, 

V.  Feilitsch,  Erwin.  Zur  Würdigung  des  sächsischen  Kanzlers 
Dr.  Xikolaus  Krell:  Neues  Sächsisches  Kirchenblatt  XIV  (1907), 
321—328.  337  -  344 

Finck,  Emil.    Erzgebirgs-Mu.«eum :  Glückauf  XXVII  (1907),  57  f. 

Francke,  Heinrich  Gottlieh.  Nachrichten  über  die  Familie  Francke 
in  Weida.    Nr.  i.    Abgeschlossen  Ostern  1907.    46  SS.    8". 

Frank,  G.  Leopold  Emanuel  Rückert.  Lausitzer  Theolog:  Allgemeine 
Deutsche  Biographie  LIII  (1907),  573—576. 

Franke,  Th.  Praktisches  Lehrbuch  der  Sächsischen  Geschichte.  Für 
die  Volks-  und  Bürgerschule  bearbeitet.  2.  verbesserte  Auflage. 
Leipzig,  Ernst  WunderUch.    1907.    IV,  212  SS.    8". 

Franz,  Adolf.  Drei  deutsche  Minoritenprediger  aus  dem  XIII.  und 
XIV.  Jahrhundert.  Freiburg  i.  Br.,  Herder.  1907.  XVI,  160  SS.  8". 
(S.  7— 46:  Konrad  von  Sachsen.  S.  47— 103;  Frater  Ludovicus 
aus  Sachsen.) 

Freytag,  E.  Eichard.  Sächsische  Krieger-  und  Kriegespoesie  aus  dem 
Jahre  1866;  Mitteilungen  des  Vereins  für  sächs.  Volkskunde  IV 
(1907X  156—163. 
„  Zur  Bibliographie  der  Geschichte  des  sächsischen  Volksschul- 
wesens: Sächsische  Schulzeitung.  1907.  S.  189!  259^  287 — 290. 
301—303.  403 f.  447!  460-462.  478—480. 

V.  Freytag -Loringhoven.  Studien  nach  Clausewitz.  Neue  Folge. 
1.  Der  Herbstteldzug  1813.  4. — 5.  Fortsetzung.  Mit  i  Skizze  im 
Text  und  3  Skizzen  als  Anlagen:  Vierteljahrshefte  für  Truppen- 
führung und  Heereskunde  IV  (1907),  269—280.    524—533. 

F[riedenshurgJ,  WfalterJ.  Zur  Vorgeschichte  des  Interim:  Archiv 
für  Reformationsgeschichte  IV  (1907),  213  —  215. 

Friedrich,  Faul.  Theodor  Körner.  Eine  literarische  Revision:  Deutsche 
Monatsschrift  VI  (1907),  541 — 545. 

G.  Der  vogtländische  Dichterjubilar  L.  Riedel,  ein  Sohn  unseres 
Erzgebirges:  Glückauf  XXVII  (1907),  88—92.    Mit  Bildnis. 

Gebser,  K.  Festreden  für  Schulen  und  patriotische  Vereine  zur 
Geburtstagsfeier  des  Königs  Friedrich  August  von  Sachsen. 
Leipzig,  Alfred  Hahn.  1907!^  64  SS.  8**.  (Darin:  Gustav  Küttner, 
Lebensbild  des  Königs.  —  W.  Pasig,  Die  Besiedelung  unseres 
Vaterlandes.  —  E.  Fickelsc herer,  Wie  die  erste  sächsische 
Eisenbahn  entstanden  ist.  —  H.  Wiesemann,  Unser  Vaterland 


354 


Literatur. 


vor  hundert  Jahren.  —  Otto  Hanschmann,  Vater  August  und 
Mutter  Anna.  —  Wilhelm  Naumann,  Wie  unser  Sachsenland 
ehemals  deutsch  wurde.) 

Gerlach,  Oskar.  Elbe -Schiffahrts- Recht.  Elbe- Akte,  Strom -Polizei, 
Haupterwesen ,  Schifferdeutsch.  Als  Handsteuer  für  die  Praxis 
zusammengestellt  und  kritisch  bearbeitet.  Dresden,  C.  Heinrich. 
(1907.)   XI,  159  SS.    Mit  Abb.    8  <>. 

Gcrland,  Bernhard.  Das  Könighch  Sächsische  Jagdrecht.  (Leipziger 
Diss.)    Borna-Leipzig,  Robert  Noske.    1906.    XIII,  61  SS.    8". 

Gcebel.  Kurzer  Rückblick  auf  die  loojährige  Geschichte  der  Reitenden 
Abteilung  des  i.  Königl.  Sachs.  Feldartillerie- Regiments  Nr.  12. 
Auf  Befehl  der  Reitenden  Abteilung  zusammengestellt.  Königs- 
brück,  Druck  von  A.  Pabst.    1906.    66  SS.    Mit  1  Taf.    8». 

V.    Gottschan,   Rudolf.     Ein    Leipziger    Bürgermeister.     Ein    Bild 
deutscher  Geschichte:  Gartenlaube.    1907.    Nr.  25  —  27. 
„  Die  Schauspielkritik  des  Leipziger  Tageblattes  seit  1868 :  Leipziger 
Tageblatt.  Jubiläumsausgabe  vom  i.Juli  1907.    S.  6—8. 

Greif,  Wilfrid.  Studien  über  die  Wirkwarenindustrie  in  Limbach  i.  S. 
und  Umgebung.  (Volkswirtschaftliche  Abhandlungen  der  Badischen 
Hochschulen,  herausgegeben  von  Carl  Johannes  Fuchs,  Eberhard 
Gothein,  Karl  Rathgen,  Gerhard  von  Schulze-Gävernitz.  IX.  Band. 
2.  Ergänzungsheft.)    Karlsruhe,  G.Braun.    1907.    VII,  118  SS.    8**. 

Grüner,  E.  Ernst  Bernhard  Reichardt,  eme  biographische  Skizze: 
Der  Kirchenchor  XVIII  (1907),  28  f.  35. 

Gurlitt,  Cornelius.   Dresden.    (Die  Kultur.    Einzeldarstellungen.   Her- 
ausgegeben von  C.  G.  Band  23/24.)  Berlin.  Marquardt  &  Co.  (1907.) 
115  SS.    Mit  29  Vollbildern  in  Tonätzuns:.    8". 
,,  Alt- Dresden:  Die  Zukunft  XV  (1907).    Nr.  40. 
„  Die  kirchliche  Kunst  in  Sachsen:  Chrisiliches  Kunstblatt  IL  (i907)> 
260 — 265. 

H.  Teilnahme  der  Sachsen  am  Feldzuge  in  Polen  vor  100 Jahren: 
Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpg.  Ztg.    1907.    Nr.  16. 

Haalce,  Paul.  Der  Glaubenswechsel  Augusts  des  Starken:  Historische 
Vierteljahrsschrift  X  (1907),  382 — 392. 

Habbicht,  H.  Johann  Hermann  Schein.  Ein  Vorläufer  Bachs:  Wei- 
marische Zeitung.    1907.    Mai  30/31. 

Hälsig,  F.  Brauch  am  Andreasabend.  Aus  der  Harthaer  Gegend: 
Mitteilungen    des  Vereins  für  säch«.  Volkskunde  IV  (1907),  i77f. 

Hamann,  L.  Bastei -Chronik  1857— 1907.  Aus  dem  Archive  der 
„Bastei",  Verein  jüngerer  Buchhändler  zu  Dresden.  Gelegentlich 
des  36.  Stiftungsfestes  1893  herausgegeben.  Fortgeführt  und  neu 
herausgegeben  zur  Feier  des  50.  Stiftung.sfestes  1907  von  Adolf 
Beschoren.    Dresden,  C.  Weiske.    1907.  87  SS.    8''. 

Hammitzsch,  Martin.  Der  moderne  Theaterbau.  Der  höfische  Theater- 
bau. Der  Anfang  der  modernen  Theaterbaukunst,  ihre  Ent- 
wicklung und  Betätigung  zur  Zeit  der  Renaissance,  des  Barock 
und  des  Rokoko.  Mit  142  Illustrationen  und  228  Anmerkungen. 
Von  der  Kgl.  sächs.  Technischen  Hochschule  zu  Dresden  ge- 
nehmigte Dissertation.  Berlin,  Ernst  Wasmuth  A.-G.  1906.  VIII, 
207  SS.    4°.   (S.  i27ff.,  i35ff.,  164«".,  i9ift".:  Dresden.) 

Hantzsch,  Viktor.  Oskar  Adalbert  GrüUich :  Biographisches  Jahr- 
buch X  (1907),  197 — 200. 

Hardeland.  Zum  Gedächtnis  des  Zittauer  Sängers  Christian  Keymann 
Allgemeine    evangelisch -lutherische    Kirchenzeitung   XL    (1907), 
417—420-  439—442. 


Literatur. 


355 


Harrivitz,  Max.  Verlorene  Bücher  und  Peter  Philipp  Wolf  [in  Leipzig], 
ein  vergessener  Schriftsteller:  Zeitschrift  für  Bücherfreunde  X 
(1906/07),  433—452.   Mit  4  Abb. 

Heber.  David  Samuel  Roller,  Pfarrer:  Allgemeine  Deutsche  Bio- 
graphie LIII  (1907),  449  f. 

Heepke,  W.  Die  Erweiterung  des  Wasserwerkes  der  Stadt  Mittweida 
i.  S.  (S.-A.  aus  dem  „Journal  für  Gasbeleuchtung  und  Wasser- 
versorgung" 1906.)   40  SS.    Mit  2  Taff.    8*^. 

Heerde,  Otto.  AJrefsbuch  der  Stadt  Ehrenfriedersdorf,  verbunden 
mit  Fremdenführer.  Nach  amtlichen  Unterlagen  bearbeitet. 
Ehrenfriedersdorf,  Otto  Heerde.  (1907.)  144  SS.  8".  (S.  i27ff. : 
Seidel,  Beitrag  zur  Geschichte  von  E.  und  Beitrag  zur  Kirchen- 
geschichte von  E.) 

Heimann,  Frau,:.  Die  Landesverteidigung  im  Fürstentum  Anhalt 
von  der  Auflösung  der  Union  bis  zum  Einmarsch  der  Kaiser- 
lichen, Mai  1621  bis  Januar  1626.  Leipzig,  Walther  Fiedler. 
1907.  452  SS.  8".  (Behandelt  auch  die  gleichzeitige  Politik  Kur- 
sachsens.) 

Heintze.  Mitteilung  zu  H.  Peters  Abhandlung  über  die  Erfindungs- 
geschichte des  europ.  Porzellans:  Zeitschrift  für  angewandte 
Chemie  XX  (1907),  302 — 304. 

Hermann,  Karl.  Zur  Geschichte  der  Heidemühle  bei  Langebrück. 
Langebrück,  C.  H.  Schmidt.   (1907.)   23  SS.    Mit  i  Abb.    8°. 

Herrlich,  Hermann  Ferdinand.  Ein  Beitrag  zur  Musikgeschichte  der 
Oberlausitz:  Der  Kirchenchor  XVIII  (1907),  4if,  5of,  57f.,  65! 
(Fortsetzung  folgt.) 

Herschel,  M.  ßild.stöcke,  Pest-,  Marter-  oder  Stationssäulen:  Über 
Berg  und  Thal  XXX  (1907),  133 f.    Mit  3  Abb. 

Heubner,  P.  Die  Bedeutung  der  Leipziger  Messe  für  die  Musik- 
instrumenten-Branche:  Zeitschrift  für  Instrumentenbau  XXVII 
(1907),  439-442. 

Hiltebrandt,  Fh.  Die  polnische  Königswahl  von  1697  und  die  Kon- 
version Augusts  des  Starken:  Quellen  und  Forschungen  aus 
italienischen  Archiven  und  Bibliotheken  X  (1907),  152 — 215.  Auch 
als  Sonderdruck:  Rom,  Löscher  &  Co.    1907.    66  SS.    8*'. 

V.  Hinüber,  Ernst  August.  Stammliste  des  Königlich  Sächsischen 
Garde -Reiter -Regiments  1680 — 1905  Auf  Befehl  des  Regiments 
zusammengestellt.  BerUn,  Ernst  Siegfried  Mittler  &  Sohn.  1907. 
VII,  VI,  361  SS.    Mit  2  Bildnissen.    8». 

Höfer,  Faul.  Die  sächsische  Legende  zum  thüringisch -fränkischen 
Kriege  531  n.  Chr.:  Zeitschrift  des  Vereins  für  Thüringische 
Geschichte  und  Altertumskunde  XXV  =  N.  F.  XVII  (1907), 
1  —  80.      • 

Hof  mann,  Cölcstin.  Khaa,  d.  h.  Kühau  und  die  von  Kyau:  Mit- 
teilungen des  Nordböhraischen  Exkursionsklubs  XXX  (1907), 
15—22. 

Hofmaiin,  Beinhold.  Heimatklänge  aus  dem  Vogtland:  Unsere  Heimat 
VI  (1906/07),  105  —  108.  134 — 138. 

Hottenroth,  J.  Der  Streit  der  Kirch-  und  Schulgemeinde  N.  mit  ihrem 
Schulmeister  Christian  Rost.  1782 — 1790:  Mitteilungen  des  Vereins 
für  Sachs.  Volkskunde  IV  (1907),  170—174. 

Hübschmann,  Paul.  Der  neue  sächsische  Truppenübungsplatz:  Der 
Kamerad  XLV  (1907).    Nr.  24.    S.  9!    Mit  Abb. 

Jacobi.  Reichenbach  i.V.  in  Wort  u.  Bild:  Heimatsklänge  II  (1906), 
248—253.  283  —  289.    Mit  Abb. 


oe5  Literatur. 

Jahns.  Herkunft  und  Wesen  des  sächsischen  Wasserrechts:  Sächsi- 
sches Archiv  für  Rechtspflege  I  (1906),  82—92.  114— 118. 

Jecht,  Bicliard.  Der  Zusammenstofs  der  Brandenburger  und  Böhmen 
in  der  Niederlausitz  i.  J.  1461  und  seine  Veranlassung:  Nieder- 
lausitzer  Mitteilungen  X  (1907),  1—50. 

Jentsch,  J.  A.  Der  Name  Pirna:  Über  Berg  und  Thal  XXX  (1907), 
134—136. 

John,  Ernst.  Aberglaube,  Sitte  und  Brauch  im  sächsischen  Erz- 
gebirge (Forts.):  Mitteilungen  des  Vereins  für  sächs.  Volkskunde  IV 
(1907),  163-170.  205 — 209.    (Schlufs  folgt.) 

Johnen.   Johann  Richard  Rätzsch,  Stenograph:  Allgemeine  Deutsche 
Biographie  LIII  (1907),  2i8f. 
„  Karl  Heinrich  August  Rätzsch,  Stenograph:  ebenda  219 f. 

Kaemmel,  Otto.  Ein  Charakterkopf  aus  der  älteren  Leipziger  Schul- 
geschichte: Die  Grenzboten  LXVI  (1907).    Nr.  26. 

V.  Kauffungen,  Kuns.  Neueste  Literatur  zur  Geschichte  des  sächsischen 
Prinzenraubes:  Heraldisch-genealogische  Blätter  für  adelige  und 
bürgerliche  Geschlechter  IV  (1907)-    Nr.  4,    S.  61—63. 

Kcmerau,  Gustav.    Paul  Gerhardt.    Ein  Erinnerungsblatt.   (Schriften 
des  Vereins  iür  Reformationsgeschichte.  XXIV.  Jahrgang.  Stück  4. 
Nr.  93.)    Halle,  Rudolf  Haupt  in  Komm.    1907.    85  SS.    Mit  Bild- 
nis.   8».  ,  ^     , 
„  Michael    Stiefel,    Anhänger   Luthers    und    Mathematiker:     Real- 
encyclopädie    für    protestantische   Theologie    und    Kirche   XIX» 
(1907),  24—28. 
„  (ohann  Stigelius,  Humanist:  ebenda  42  —  45. 
„  Johann  Stössel,  Theolog:  ebenda  59—61. 
„  Victorinus  Strigel:  ebenda  97—102. 
„  Synergismus,  Synergistischer  Streit:  ebenda  229-235. 

Kekule  von  Stradomtz,  Stephan.  Über  die  mütterlichen  Ahnen  Richard 
Wagners:  Richard  Wagner-Jahrbuch  II  (1907)5  19—26. 

Kern,  Arthur.  Deutsche  Hofordnungen  des  16.  und  17.  Jahrhunderts. 
II.  Band.  (Denkmäler  der  deutschen  Kulturgeschictite.  Heraus- 
gegeben von  Georg  Steinhausen.  2.  Abteilung.  IL  Band.)  Berlin, 
Weidmann.  1907.  XVI,  263  SS.  80.  [Darin  S.  27-35:  Hofordnung 
Herzog  Albrechts  des  Beherzten  von  Sachsen,  S,  36  f :  Frauen- 
zimmerordnung des  Herzogs  Moritz  von  Sachsen  (1541),  S.  37—41: 
Regierungsordnung  des  Kurfürsten  Moritz  von  Sachsen  (1548), 
S.  41  —  50:  Hofordnung  des  Kurfürsten  August  von  Sachsen  (1554), 
S.  50—66:  Hofordnung  des  Kurfürsten  Christian  I.  von  Sachsen 
(1586),  S.  66-79:  Hofordnung  des  Kurfürsten  Johann  Georg  I.  von 
Sachsen  (1637),  S.  8of.:  Trinkgeldordnung  des  Herzogs  Moritz 
von  Sachsen-Zeitz  (1668),  S.  81—83:  Hofordnung  des  Herzogs 
Johann  Adolf  I.  von  Sachsen- Weifsenfeis  (1680).] 

Kietz,  Gustav.  Die  Zeit  der  ersten  Rienzi-Aufführung  in  Dresden: 
Richard  Wagner-Jahrbuch  II  (1907)»  426  f. 

Kietz,  Gustav  Adolf.    Richard  Wagner  in  den  Jahren  1842— 1849  und 
1873—1875.      Erinnerungen.      Aufgezeichnet    von    Marie    Kietz. 
2.  Ausgabe.     Dresden,  C.  Reifsner.     1907.    V,  225  SS.    Mit  2  Voll- 
bildern.   8".  ..  .       ^      , 
Kietz,  G.  M.     Eine  alte  Schuld  [Übertritt  Augusts  des  Starken  zur 

kathoUschen  Kirche]:  Die  Wartburg.    1906.      Nr.  8. 
Kirschen.  Johannes.     Radeberg:    Heimatsklänge  III  (1907)»    97— io6. 
Mit  Abb. 


Literatur. 


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251 — 253.     Mit  2  Abb. 

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Anzeiger.    Sonntags-Beilage.    1907.    Nr.  19. 
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Leipzig,  J.  M.  Gebhardt.  1905.  98  SS.  Mit  i  Plan,  10  Textfiguren 
und  loTaff.    8». 

Kohut,  Adolf.  Der  sächsische  Prinzenraub  vor  450  Jahren.  Nach 
urkundlichen  Quellen :  Heraldisch-genealogische  Blätter  für  adelige 
und  bürgerliche  Geschlechter  III  (1906),  142!,  156  —  159.  Nebst 
einer  Erwiderung  und  Berichtigung  von  Kunz  v.  Kauffungen: 
ebenda  159. 
„  Leipziger  Verleger.  I:  Anton  Philipp  Reclam:  Der  Leipziger  II 
(1907),  603—605.    Mit  Bildnis. 

Kolde,  Th.  Neue  Augustana- Studien:  Neue  Kirchliche  Zeitschrift 
XVII  (1906),  729  —  752. 

Korn,  B.  Die  Necknamen  der  Kinder:  Mitteilungen  des  Vereins  für 
Sachs.  Volkskunde  IV  (1907),  i7sf. 

Kötsschlce,  B  Die  historisch -geographischen  Arbeiten  im  König- 
reich Sachsen.  Im  Auftrag  der  Königlich  Sächsischen  Kom- 
mission für  Geschichte  zusammengestellt  von  R.  Kötzschke, 
H.  Beschorner,  A.  Meiche,  R.  Becker.  Leipzig,  B.  G.  Teubner, 
1907.    84,(4)  SS.    8». 

Krebs,  K.  Der  Fürstenzug  am  königlichen  Schlosse  zu  Dresden 
nach  den  Originalkartons  von  Professor  W.  Walther  für  den 
Geschichtsunterricht  herausgegeben.  Leipzig,  F.  E.  Wachsmuth. 
1907.    14  SS.    S^*. 

Krenkel,  Erich.  Das  Polizeiverordnungsrecht  in  Sachsen.  (Leip- 
ziger Dissertation.)  Leipzig,  Druck  von  Walter  Wigand.  1905. 
80  SS.    80. 

Krondorf y  F.  W.  Ein  Rofsweiner  Schulfest:  Aus  deutschen  Bergen 
XXII  (1907),  65—67.    Mit  2  Abb. 

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Düsseldorf,  W.  Langewiesche-Brandt.  (1907.)  471  SS.  Mit  Taff. 
und  Abb.  8". 
„  Jugenderinnerungen  eines  alten  Mannes.  Mit  i  Photogravure 
und  16  Abb.  nach  Gemälden,  Zeichnungen  und  Stichen  und  einem 
ausführlichen  Vor-  und  Nachwort.  6.  Auflage.  Stuttgart,  Ch. 
Belser.    (1907.)   XVI,  532  SS.    80. 

Kuhfahl.  Der  Falkenstein:  Über  Berg  und  Thal  XXX  (1907),  157! 
Mit  3  Abb. 

Kühn,    Wilhelm.     Fastnachtsfeierlichkeiten   in  Alt -Leipzig  und  Alt- 
Sachsen:  Der  Leipziger  II  (1907),  213!    Mit  i  Abb. 
„  Die  alte  Leipziger  Wasserleitung  und  der  Marienborn:   ebenda 

379 f.    Mit  2  Abb. 
„  Die  erste  deutsche  Rettungsgesellschaft  in  Leipzig:    ebenda  660 

bis  662.    Mit  6  Abb. 
„  Die  Johannisfeier  in  Leipzig,  der  Überrest  eines  alten  Leipziger 

Volksfestes:  ebenda  679-681.    Mit  i  Abb. 
„  Das  Fischerstechen  in  Leipzig:  ebenda  847 f.    Mit  2  Abb. 


Tcg  Literatur. 

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Wiens  1683.  2.  Auflage.  Wien,  G.  Eichinger.  (1907.)  84  SS.  Mit 
Abb.  u.  8  Taff.    8«. 

K fummer],  FfriedrichJ.  Hubert  Ermisch.  Illustrierte  Zeitung  CXXVIII 
(1907).    Nr.  3324.    S.  440—442.    Mit  Bildnis. 

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Anzeiger  der  Akademie  der  Wissenschaften  in  Krakau.  Philol. 
u.  hist.-philos.  Klasse.    1906.    Nr.  8. 

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Leipzig,  Buchdruckerei  Robert  Noske.    1906.      3  SS.    8". 
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Zeitschrift  für  Deutsche  Mundarten  II  (1907),  19—29. 

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181.  183. 

Leszczynski,  Stanislas.  Correspondance  inedite  de  Stanislas  Lesz- 
czynski,  duc  de  Lorraine  et  de  Bar,  avec  le  roi  de  Prusse  Frederic- 
Güillaume  I'«  et  Frederic  II  (1736— 1766)  publiee  avec  une  etude 
et  des  notes,  par  Pierre  Boye.  Paris,  Berger -Levrault  et  Cie. 
1907.    89  SS.    S''. 

LJer,  H.  A.    Julius  Woldemar  Zeibig:    Biographisches  Jahrbuch  X 
(1907),  189  —  192. 
,.  Karl  Robert  Weilsbach:  ebenda  207 f. 

Lietzmann,  Hans.  Die  Wittenberger  und  Leisniger  Kastenordnung. 
1522.  1523  (Kleine  Texte  für  theologische  Vorlesungen  und 
Übuneen.  Herausgegeben  von  H.  L.  Heft  21.)  Bonn,  A.  Marcus 
&  E.Weber.    1907.    24  SS.    8«. 

Löscher,  F.  H.  Das  Zwönitztal:  Heimatsklänge  II  (1906),  15  —  20. 
53 — 56.  96—101.   131  — 136.  171 — 176.  200 — 213.    Mit  Abb. 

Ludtvig,  Frank.  Die  Entstehung  der  kursächsischen  Schulordnung 
von  1580.  Auf  Grund  archivalischer  Studien  dargestellt.  (Bei- 
heft XIII  zu  den  Mitteilungen  der  Gesellschaft  für  deutsche  Er- 
ziehunes-  und  Schulgeschichte.)  Berlin,  A.  Hofmann  &  Komp. 
1907.    (III),  176  SS.    8°. 

Müder,  Guido.    Ein  verwunschenes  Schlofs  ( Wasserschlofs  in  Plauen- 

Dresden):  Heimatsklänge  II  (1906),  295  —  298.    Mit  Abb. 
„  Die  Frauenkirche  zu  Dresden:  ebenda  345  —  349-    Mit  Abb. 

Mangler.  Der  Entwurf  eines  Wassergesetzes  für  das  Königreich 
Sachsen:  Sächsisches  Archiv  für  Rechtspflege  I  (1906),  66—70. 

Markert,  Fra)tz.  Bilder  und  Skizzen  aus  Aue.  IX:  Das  alte  Rathaus: 
Unsere  Heimat  VI  (1907),  165 — 167. 

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in  früherer  Zeit:  Archiv  für  Kulturgeschichte  V  (1907),  216—248. 
363—376.  r    .  ^  ■ 

„  Ein   Knabenraub   und  seine  Sühne  zu  Leipzig   m  früherer  Zeit: 
Der  Leipziger  II  (1907J,  81 9  f.    Mit  i  Abb. 


Literatur. 


359 


Mauchcr,  Wühehn.     Die   sächsischen   Erz-   und  Kohlenvorkommen. 

Freiberg,  Graz  &  Gerlach.    1907.   40  SS.    S''. 
May,  Eberhard.     Die    Entwicklung   der    sächsischen   Bierbrauerei. 

(Tübinger  Diss.)    Borna-Leipzig,  Druck  von  Robert  Noske.    1905. 

VI,  13s  SS.    8". 
Menadier,  J.   Die  Sachsenpfennige:  Zeitschrift  für  Numismatik  XXVI 

(1907).    Heft  if. 
V.  Metzsch,   Georg.    Beiträge   zur  Geschichte   adliger  Familien   aus 

den  Kirchenbüchern  der  Umgebung  Leipzigs:  Mitteilungen   der 

Zentralstelle    für    deutsche    Personen-    und    Familiengeschichte. 

Heft  II  (1906),  128— T38. 
V.  Metssch  -  Beichenbach ,    Karl.      Geschichtliche    Nachrichten    über 

die  Burg   Altschönfels:    Der  Burgwart  VIII    (1907),  47  —  52.     Mit 

2  Abb. 
Mitzschl-e.    Stephan  Roth,  Zwickauer  Theolog  und  Ratsherr:  Allge- 
meine Deutsche  Biographie  LIII  (1907),  564 — 567. 
[Möcliel,  Hermann.]    „Weihnachts-Komödie",    welche  Anfang   des 

19.  Jahrhunderts  im  Erzgebirge  aufgeführt  ward:  Glückauf  XXVII 

(1907),  7—12. 
V.  der  Mosel ,  Gurt.    Handwörterbuch  des  Sächsischen  Verwaltungs- 
rechts, II.  Auflage.  Leipzig,  Arthur  Rofsberg.  1907.  IV,  896  SS.  8". 
Mfüller],  E[d.]     Ein  Leipziger  Studentenstreik.     Erinnerung  eines 

alten  Herrn:  Der  Leipziger  II  (1907),  297 — 299.    Mit  i  Abb. 
„  Die    Abenteuer    eines    sächsischen    Chevauxlegers    während    der 

Leipziger  Völkerschlacht:  ebenda  408 f.    Mit  i  Abb. 
Müller,  Geurg.    Zur  Gelehrten-  und  Schulgeschichte  des  Leipziger 

Kreises:  Wissenschaftliche  Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1907.    Nr.  9. 
„  Bernhard  Rüling,  Theolog:  Allgemeine  Deutsche  Biographie  LIII 

(1907),  593— S9S- 
„  Visitationsakten  als  Geschichtsquelle:  Deutsche  Geschichtsblätter 
VIII  (1907),  287—316. 

Muller,  J.  T.  Die  symbolischen  Bücher  der  evangelisch-lutherischen 
Kirche,  deutsch  und  lateinisch.  Mit  den  sächsischen  Visitations- 
Artikeln,  einem  Verzeichnis  abweichender  Lesarten,  historischen 
Einleitungen  und  ausführlichen  Registern.  Besorgt  von  M.  Mit 
einer  neuen  historischen  Einleitung  von  Th.  Kolde.  10.  Auflage. 
Gütersloh,  C.  Bertelsmann.    1907.    X,  LXXXIH,  98?  SS.    8». 

Müller.,  Karl.  Obersächsische  Feminina  auf  che  (ke):  Zeitschrift  für 
Deutsche  Mundarten  II  (1907),  29  —  34. 

Müller,  Kurt.  Aus  der  Heimat  vergangenen  Tagen.  Bilder  aus 
Geschichte  und  Sage  der  heimatlichen  Landschaft,  für  Schule 
und  Haus  bearbeitet  und  herausgegeben.  Leipzig,  J.  Klinkhardt. 
1907.    V,  137  SS.    8». 

Müller,  Walter  Felix  Die  Teilung  der  Militärgewalt  im  deutschen 
Bundesstaat.  Mit  besonderer  Berücksichtigung  des  Königreichs 
Sachsen.  Leipziger  juristische  Inauguraldissertation.  Leipzig, 
Veit  &  Comp.    1905.    VI,  84  SS.    80. 

V.  Mülverstedt.  Die  v.  Drakendorf  =  v.  Drachsdorf?  Beiträge  zur 
thüringischen  und  vogtländischen  Adelskunde:  Der  Deutsche 
Herold.  1906.  S.  30 — 34.  Dazu:  Zusätze  und  Ergänzungen  von 
v.  Obernitz:  ebenda  S.  86  f. 

Münzenberger,  E.  F.  A.  Zur  Kenntnis  und  Würdigung  der  mittel- 
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der  vaterländischen  Kunst.     Begonnen  von  M.,   fortgesetzt   von 


360 


Literatur. 


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Monatshefte  IV  (1907),  257—263. 
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und  Hirschfelde  (1373):  Vesperglocken.    Unterhaltungsbeilage  zu 
den  „Zittauer  Nachrichten  und  Anzeiger"  X  (igo?!!.    Nr.  87  f. 
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dem  XXIII.  Jahresberichte  der  deutschen  Landes -Oberrealschule 
in  MäUrisch-Ostrau.    1906.    XV  SS.    8°. 
Neumann,  Angelo.     Erinnerungen  an  Richard  Wagner.    Mit  4  Kunst- 
blättern und  2  Faksimiles.  Leipzig.  L.Staackmann.  1907.  II,  341  SS, 
8<*.   (S.  55  —  109:  Der  Ring  in  Leipzig.) 
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Fachali,    Johanna.      Moritz    von    Sachsen.      Eine    Charakterstudie. 
(Schriften  für  das  deutsche  Volk,  herausgegeben  vom  Verein  für 
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1907.    28  SS.  "80. 
Fache,  Alfred.    Geschichte  des  sächsischen  Landtagswahlrechts  von 
1831— 1907  und  Beurteilung  des  Entwurfs  der  Regierung  von  1903 
in  der  Zweiten  Kammer  am  3.  Februar  1904,   sowie  der  Entwurf 
der    Regierung   zur   Reform    des  Wahlgesetzes  vom   7.  Juli   1907 
und  dessen  Beurteilung  durch  die  Presse.     Auf  Grund  amtlicher 
Unterlagen  verfafst.    Dresden,  v.  Zahn  &  Jaensch.    1907.    179  SS. 
Mit  Bildnissen.    8". 
Fasig,  Faul.    Leipzig  am  Vorabend  des  grofsen  Krieges  1870—71: 

Der  Leipziger  II  (1907),  763!    Mit  1  Abb. 
Faxise.      Bilder    aus    dem    Pleifsentale :     Unsere    Heimat  VI   (1907), 

129— 131.    Mit  Abb. 
Fenndorf,  Balduin.     Das  Innungswesen  im  Königreich  Sachsen  seit 
Einführung  der  Gewerbefreiheit.    Leipzig,  Theod,  Thomas.    1907. 
XVL  230  SS.    80. 
Ff  au,  Karl  Fr.    Anton  Philipp   Reclam,  Buchhändler:    Allgemeine 

Deutsche  Biographie  LIII  (1907),  246—249. 
Ffaa,  W.  C    Einzelheiten  aus  dem  Gebiete  der  Rochlitzer  Geschichte. 
Lieferung  6:    Grundrifs  der  Rochlitzer  Garnisonsgeschichte.    (Son- 
derabdruck aus  dem  Rochlitzer  Tageblatt  1907,  zugleich  Abhand- 
lung   für    die    Festschrift    zur    Rochlitzer    Feier    des    40  jährigen 
Bestehens  des  2.  Kgl.  Sachs.  Ulanen- Regim-ints  Nr.  18.)    Rochlitz, 
Karl  Meltzer.    1907.    145  SS.    8". 
Fletsch,  F.    Aus  dem  Tagebuch  eines  sächsischen  Offiziers  i.  J.  1808: 
Historische    Monatsblätter    für    die    Provinz    Posen    VII    (1906), 
1 13 — 126. 
Filk,   Georg.    Das   älteste  Darlehnswesen   im   Meifsner   Hochlande. 
Eine  wirtschaftsgeschichtliche  SpezialStudie:  Über  Berg  und  Thal 
XXX  (1907),  158-161.  181—183.  189-191. 
„  Der  Valtenberg-Turm.     Eine   Plauderei    bei    seinem    50jährigen 

Jubiläum  am  i.Juli  1907:  ebenda  169  — 171.    Mit  Abb. 
Fontinus,  Max.    Das  älteste  Leipziger  Kaffeehaus:  Der  Leipziger  II 

(1907),  326 f.    Mit  3  Abb. 
V.  Föten,  B.      Franz  v.  Rudorff,    kgl.  sächs.  General  der  Infanterie: 
Allgemeine  Deutsche  Biographie  LIII  (1907),  585  f. 


Literatur.  ß6l 

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anstalt in  Dresden- Neustadt  (1841-1873):  Dresdner  Anzeiger. 
Sonntags-Beilage.    1907.    Nr.  9  — 11. 

Bachfahl,  Felix.  Wilhelm  von  Oranien  und  der  Niederländische 
Aufstand.  II.  Band.  i.  Abteilung.  Halle,  Max  Niemeyer.  1907. 
(II),  512,  42  SS.  8".  (S.  85— 128:  Die  Heirat  Oraniens  mit  Anna 
von  Sachsen.) 

Rademacher,  0.  Die  Merseburger  Bischofschronik.  Übersetzt  und 
mit  Anmerkungen  versehen.  II.  Teil  (1136  — 1341).  Merseburg, 
(F.  Stollberg.)    1907.    39  SS.    8». 

Raebiger,  Karl.  Die  Wegnahme  der  evangelischen  Kirchen  im 
Fürstentum  Wohlau  1680  — 1706  und  die  Konvention  von  Alt- 
Ranstädt  1707.  (Flugschriften  des  Evangehschen  Bundes.  Nr.  251. 
XXI.  Reihe,  11.)    Leipzig,  Carl  Braun  in  Komm.    1907.    36  SS.   8*^. 

Rauten  Strauch,  Johannes.  Luther  und  die  Pflege  der  kirchlichen 
Musik  in  Sachsen  (14.  bis  19.  Jahrhundert).  Ein  Beitrag  zur  Ge- 
schichte der  katholischen  Brüderschaften,  der  vor-  und  nach- 
reformatorischen  Kurrenden,  Schulchöre  und  Kantoreien  Sachsens. 
Herausgegeben  mit  Unterstützung  der  König  Johann-Stiftung  und 
des  evangelischen  Landeskonsistoriums.  Leipzig,  Breitkopf  & 
Härteh    1907.    VIII,  472  SS.    S^. 

Regensher g,  Friedrich.  1866.  i.  Band:  Von  Dresden  bis  München- 
grätz.  Gitschin.  Custoza.  Mit  Illustrationen  und  Karten.  Stutt- 
gart, Franckh.    (1907.)   XII,  78,  80,  126  SS.    8°. 

Reinige,  Hanns.  Die  Sukzession  in  Familienanwartschaften  nach 
neuestem  sächsischen  Rechte.  (Leipziger  Diss.)  Leipzig,  Druck 
von  Julius  Klinkhardt.    1905.    63  SS.    8^. 

Reuschel,  Karl.  Die  Volkssagen  des  Königreichs  Sachsen:  Wissen- 
schaftliche Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1907.    Nr.  12  f. 

Richter,  Ä.  Die  Christuskirche  in  Dresden -Strehlen.  Der  Christus- 
kirchengemeinde dargeboten  vom  Kirchenvorstand  durch  seinen 
Vorsitzenden.  Mit  43  Bildern  und  Grundrissen.  Stuttgart,  Hoff- 
mannsche  Buchdruckerei.     (1907.)    15  SS.  Text  u.  32  SS.  Abb.   4<>. 

Richter,  Bernhard  Friedrich.  Über  die  Schicksale  der  der  Thomas- 
schule zu  Leipzig  angehörenden  Kantaten  Joh.  Seb.  Bachs:  Bach- 
Jahrbuch.  1906.    S.  43—73. 

Richter,  Eduard  Emil.  E.  E.  R.'s  Niederschrift  der  von  ihm  selbst 
erlebten  Belagerung  Dresdens  im  Jahre  181 3:  Mirusblatt.  Nr.  15. 
1907.    S.  228 — 231. 

Rost,  Bernhard.  Entwicklung  und  Stand  des  höheren  Mädchen- 
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sichtigung der  letzten  Decennien.  Historisch -statistisch  dar- 
gestellt. Tübingen  (Leipzig,  Roth  &  Schunke).  1907.  XVIII, 
430  SS.    80. 

„  Die  sächsischen  Lehrerinnenseminare  in  ihrer  geschichtlichen  Ent- 
wicklung und  ihrem  gegenwärtigen  Stande.  Historisch-statistisch 
dargestellt,  hauptsächlich  nach  der  verwaltungsrechtlichen  Seite. 
Ebenda  1907.   VII,  164  SS.    80. 

„  Die  gymnasiale  Ausbildung  der  Mädchen  im  Königreiche  Sachsen. 
Ebenda  1907.   V,  40  SS.    8». 


362 


Literatur. 


Eudhart,  Peter.  Dr,  Martin  Luther  und  die  die  Reformation  fördern- 
den Churfürsten  und  Herzooje  zu  Sachsen,  Landgrafen  zuThüringen 
bildlich  dargestellt,  ihre  Wahlsprüche  und  Lebensbeschreibung 
nach  Bibelabdruck  1744.  Dresden-Blasewitz,  Gustav  Adolf- Verlag. 
1907.    31  SS.    Mit  Abb.    80. 

Schäfer,  Fr.  Wissenschaftlicher  Führer  durch  Dresden.  Im  Auf- 
trage des  Rates  und  in  Verbindung  mit  den  Ausschufsmitgliedern 
H.  Bucherer,  E.  Nowack,  A.  Neumeister,  K.  Werner  und  G.  Stahl 
herausgegeben.  Dresden,  v.  Zahn  &  jaensch.  1907.  X,  385  SS. 
Mit  Plänen  und  Taft".    8". 

Scheel,  L.  Ein  Besuch  Dresdens  im  Jahre  1744:  Dresdner  Anzeiger. 
Sonntags-Beilage.    1907.    Nr.  23 f. 

Schilbach,  Wilhelm  Der  „Dampf  auf  der  Flucht  vor  40  Jahren": 
Der  Leipziger  II  (1907),  32 — 34.    Mit  2  Abb. 

Schirmer,  Adolf.  Die  Schlacht  bei  Lucka,  ein  Wendepunkt  in  der  Ge- 
schichte der  Wettiner.  Eine  Jubiläumsgabe,  im  Verein  mit  dem 
Verfasser  dargeboten  von  Hermann  Schroedel  auf  Friedrichs- 
tanneck.   Leipzig,  Druck  von  Fischer  &  Kürsten.    1907.    36  SS.  4". 

Schlatich,  Georg.    Die  Familie  von  Bora  und  das  Freigut  zu  Dohna: 
Über  Berg  und  Thal  XXX  (1907),  141 — 145. 
„  Heinrich" Gödings  Mühle  zu  Mügeln  bei  Pirna:  ebenda  153 f. 

Schmidt,  Friedrich.  Geschichte  der  Stadt  Sangerhausen.  Im  Auf- 
trage des  Magistrats  bearbeitet,  i.— 2.  Teil.  Sangerhausen,  Selbst- 
verlag des  Magistrats.  1906.  VII,  916;  IV,  613  SS  Mit  5  TaflF.  8". 
(Darin  I,  407—410  und  423 — 489:  Sangerhausen  unter  dem  Hause 
Wettin.) 

Schmidt,  0.  F.  Aus  den  Jugendjahren  eines  Romantikers  (Karl 
von  Miltitz):  Zeitschrift'  für  Bücherfreunde  XI  (1907),  49—59- 
Mit  7  Abb. 

Schmidt,  Wilhelm.  Die  Kirchen-  und  Schul  Visitation  im  sächsischen 
Kurkreise  vom  Jahre  1555.  IL  Heft:  Die  wirtschaftlichen  Ver- 
hältnisse. (Schriften  des  Vereins  für  Reformationsgeschichte. 
24.  Jahrgang.  3.  Stück.  Nr.  92.)  Halle  a.  S.,  R.  Haupt  in  Komm. 
1907.    m,  88  SS.    8». 

Schneider,  Bernhard.  Der  wendische  Hochzeitsbitter  (Braska).  Ein 
Beitrag  zur  sächsischen  Volkskunde:  Mitteilungen  des  Vereins 
für  Sachs.  Volkskunde  IV  (1907),  184— 191.    (Fortsetzung  folgt.) 

V.  Schroeder,  Felix.  Das  Budgetrecht  des  Königreiches  Sachsen. 
Leipziger  juristische  Inauguraldissertation.  Leipzig,  Veit  &  Comp. 
1906.    VL  108  SS.    8». 

Schröder,  Ferdinand.  Maria  Kunigimde  von  Sachsen,  die  letzte  Aeb- 
tissin  von  Essen:  Beiträge  zur  Geschichte  von  Stadt  und  Stift 
Essen  XXIX  (1907),  1—47-  Mit  3  Taff. 
„  Eine  kanonische  Wahl  im  Zeitalter  des  Josephinismus  [Bestellung 
der  Tochter  Friedrich  Augusts  IL  Kunigunde  zur  Koadjutorin 
der  Reichsabtei  Essen  1775]:  Historisches  Jahrbuch  XXVII  (1906), 
551  —  560.  729—738. 

Schubert,  (Max  Edmund).  Die  neue  Ehrlich'sche  Gestiftskirche: 
Jahresbericht  des  Ehrlich'schcn  Gestifts.  1907.   S.  3  —  14- 

Schumann,  Cr.  Die  Gründung  der  Taubstummenanstalt  zu  Leipzig 
durch  Samuel  Heinicke.  Nach  den  Akten  dargestellt:  Blätter 
für  Taulwtummenbildung  XX  (1907),  193  —  206. 
„  M.  Saixuel  Seidel,  ein  Zeitgenosse  und  Freund  Gottscheds,  vor- 
nehmlich in  seinen  Beziehungen  zu  Leipzig:  Wissenschaftliche 
Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1907.    Nr.  5. 


Literatur.  363 

SchiwuunijFaiih  Nosseniund  die  Walther.  Erweiterter  Sonderabdruck 
aus  der  Sonntagsbeilage  des  Dresdner  Anzeigers.  1907.  Nr.  20. 
Dresden,  Buchdruckerei  der  Dr.  Güntzschen  Stiftung.  (1907.) 
12  SS.  8". 
„  Baudenkmäler  in  Dörfern:  Dresdner  Anzeiger.  1907.  Nr.i68.  S.3. 
„  Die  Augustusbrücke  zu  Dresden:  Daheim  XLIII  (1907).  Nr.  43. 
S.  II  — 14.    Mit  Abb. 

Schur  ig,  Arthur.  Friedrich  August  der  Starke.  Ein  zeitgenössisches 
Charakterbild.  Aus  dem  unveröffentlichten  Originalmanuskript 
von  1722  übertragen:  Dresdner  Neueste  Nachrichten.  1907. 
Nr.  251.    S.  if.    (Auch  in  andern  Tagesblättern.) 

Sfchurigj,  Efugeu].     Dresden  40  Jahre  Grenadier-Garnison  (1867  bis 
1907I:  Der  Kamerad  XLV  (1907).    Nr.  11.    S.  2f. 
„  Vierzig  Jahre  Schützen-(Füsilier-)Regiment  Nr.  108.     1867 — 1907: 

ebenda  >st.  14.    S.  2. 
„  Die  ..Pickelhaube''   in   der   Sächsischen  Armee:    ebenda   Nr.  27. 

S.  lof.    Mit  Abb. 
,,  Der  Königlich  Sächsische  Hausorden  der  Rautenkrone  und  sein 

hundertjähriges  Bestehen :  ebenda  Nr.  29.    S.  i  f.    Mit  Abb. 
„  Napoleons    erster    Besuch    in    Dresden    (17.  bis    22.  Juli    1807): 

ebenda  Nr.  29.    S.  13! 
„  Das  preufsische  ,, Porzellanregiment"   und   die  sächsischen  „Dra- 
gonervasen": ebenda  Nr.  33.    S.  i7f. 
„  Sächsische   Künstler  im  Waffenrock:  ebenda. 

Nr.  34.     S.  17— 19.    Nr.  36.    S.  i8f.     Nr.  37.    S.  17  — 19-    Nr.  38. 
S.  17. 

Schwedler,  W.  Die  sächsische  Industrie  in  englischer  Beleuchtung: 
Sächsische  Industrie  III  (1907),  290 — 292.  304 — 306. 

V.  Seidlitz,  W.  Kunstmuseen.  Vorschlag  zur  Begründung  eines 
Fürstenmuseums  in  Dresden.  Leipzig,  E.  A.  Seemann.  1907. 
(II),  52  SS.   Mit  10  Taff.    8". 

Seyffert,  OsTcar.    Drei  untergehende  Dörfer  [Quosdorf,  Zietsch,  Otter- 
schützj:  Dresdner  Anzeiger.    1907.    Nr.  154.    S.  2f. 
„  Über  sächsische  Volkskunst:    Unsere  Heimat  VI    (1906  07),    108 
bis  III. 

Siebrnacher,  J.  Grofses  und  allgemeines  Wappenbuch  in  einer  neuen 
vollständig  geordneten  und  reich  vermehrten  Auflage  mit  heral- 
dischen und  historisch -genealogischen  Erläuterungen  neu  her- 
ausgegeben. Der  abgestorbene  Adel  der  Sächsischen  Herzog- 
tümer, bearbeitet  von  G.  A.  v.  Mülverstedt.  Lieferung  519!  522. 
Nürnberg,  Bauer  &  Raspe  (Emil  Küster).  1907.  68  SS.  Mit 
54  Taff.    4''- 

Singer,  Hans  W.  Dresden.  I.  The  Ro3-al  Picture  Gallery.  Translated 
by  Matt.  Sampson.  (The  Modern  Cicerone.)  Stuttgart,  Union. 
(1907.)   X,  157  SS.    Mit  100  Abb.  und  3  Plänen.    8". 

SöhneJ,  Hermann.  Niederlausitzer  auf  mittelalterlichen  Universitäten: 
Niederlausitzer  Mitteilungen  X  (1907),  83—104. 

Sommerfeldt,  Gustav.  Aus  dem  Güterleben  des  16.  u.  17.  Jahrhunderts. 
I.  Christoph  Bartsch  aus  Kamenz  bei  Achatius  von  Borck  auf 
Romten  bei  Osterode:  Mitteilungen  der  literarischen  Gesellschaft 
Masovia  zu  Lötzen  XII  (1907),  154 — 158. 

Stieda,  Wilhelm.  Ein  Landesgevverbeamt  für  das  Königreich  Sachsen. 
Leipzig,  A.  Deichert  Nachf.    1907.    32  SS.    8*^. 

Str.,  E.  0.  Lengenfelder  Skizzen.  II.  Zur  Geschichte  der  Tuchmacher- 
innung: Unsere  Heimat  VI  (1907),  138—143.    Mit  Abb. 

Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXVIII.    3.  4.  24 


3^4 


Literatur 


Stühel,  [Bruno].  Wilhelm  Puckert,  Geschichtsforscher:  Allgemeine 
Deutsche  Biographie  LIII  (1907),  141  f. 
„  Deutsche  Bibliothekare  [darunter  die  Dresdner  Konrad  Häbler, 
Theodor  Peterniann.  Otto  Richter,  Paul  Emil  Richter,  Franz 
Schnorr  von  Carolsfeld,  der  Leipziger  Gustav  Wustmann  |: 
Illustrierte  Zeitung  CXXVIII  (1907)  Nr,  3325.  S.  472—475.  Mit 
Bildnissen. 

Stuhl fauth,  G.  Eine  Ludwig  Richter-Erinnerung:  Christliches  Kunst- 
blatt IL  (1907),  282 — 284. 

Theohald,  L.  Thomas  Naogeorgus,  ein  Tendenzdramatiker  der  Re- 
formationszeit: Neue  Kirchliche  Zeitschrift  XVn(i9o6),  764 — 794. 

Tille,  Armin.  Leipziger  Leichenpredigten.  Nebst  Verzeichnis  der  im 
Besitze  des  Vereins  für  die  Geschichte  Leipzigs  betindlichen 
Leichenpredigten  unter  Anführung  der  darin  enthaltenen  genea- 
logischen Tatsachen:  Mitteilungen  der  Zentralstelle  für  deutsche 
Personen-  und  Familiengeschichte.    Heft  II  (1906),  65 — 127. 

Tretf'tz,  J.     Paul    Hassel:    Historische  Vierteljahrsschrift  X   (1907), 

I27f. 

Trotschlce,  Erwin.  Feuer!  Aus  Dresdens  alten  Tagen:  Dresdner 
Anzeiger.    Sonntags-Beilage.    1907.    Nr.  25. 

V.  Treitsch]:e.  Heinrich.  Ausgewählte  Schriften,  i. —  2.  Bd.  Leipzig, 
S.  Hirzel.  1907.  (II),  337,  357  SS.  S°.  (Bd.  L  293— 305  :  Die  Völker- 
schlacht bei  Leipzig.) 

Tschaclert,  F.  Sj-nkretistische  Streitigkeiten:  Realenc3'cIopädie  für 
protestantische  Theologie  und  Kirche  XIX  ^  (1907),  243  —  262. 

Tuxen,  A.  P.  Felttogene  i  Nordtyskland  og  Baahuslen  i  Ostersoen 
og  Kattegat  17 10  — 17 12.  Udarbejdet  ved  Generalstaben  af  A.  P. 
Tuxen,  C.  L.  With-Seidelin,  A.  L.  Hansen.  (Bidrag  til  den  Store 
Nordiske  Krigs  Historie  udgivne  af  Generalstaben.  III.)  Kobenhavn 
&  Kristiania,  Nordisk  Forlag.  1906.  XI,  511  SS.  Mit  7  Karten 
und  Plänen.    8". 

Uhle,  Paul.  Die  Kaiserhoffnungen  der  Wettiner  in  Geschichte  und 
Sage.  Ein  Erinnerungsblatt  am  Schlachttage  von  Lucka  (31.  Mai 
1307):  Dresdner  Anzeiger.    1907.    Nr.  149.    S.  5! 

Vollcmann,  Hans.  S3'lvius  Leopold  Weifs,  der  letzte  grofse  Lautenist. 
Biographische  Skizze:  Die  Musik.  VI.  Jahrgang  (1907).  XXIII, 
273—289. 

Walthcr,  J.  Der  Fürstenzug  am  Königlichen  Schlosse  zu  Dresden: 
Dresdner  Anzeiger.    1907.    Nr.  224.    S.  2f. 

Walther,  W.  Der  sächsische  Fürstenzug.  Leipzig,  F.  E.  Wachsmuth. 
(1907.)    7  Bll.  je  48,5  '     146  cm. 

TFap^/j/fr.  Vom  bergmännischen  Bildschnitzer  Ernst  Kaltofen  in 
Dresden.    Freiberg,  Gerlach.    1907.    36  SS.    S*^*. 

Weber.  Der  Leipziger  Bank-Prozefs:  Der  Pitaval  der  Gegenwart 
II  (1907),  89-171. 

[Weber,  Paul.]    Die  Schlacht  bei  Jena  1806.    Katalog  der  Hundert- 
jahr-Ausstellung   im    städtischen    Museum    zu   Jena.     Nachtrag 
Nr.  483 — 600  und  Berichtigungen  zum  i.  Teile.   Jena,  Frommann. 
1906.    16  SS.    8». 

[Weinhold,  E.J  75  Jahre  Leben  und  Wirken.  Gedenkworte  zum 
75  jährigen  Bestehen  des  Pädagogischen  Vereins  (e.V.)  zu  Chemnitz. 
Chemnitz,  Druck  von  Richard  Müller.  1906.  66  SS.  Mit  3  Bild- 
nissen. 8°. 
Weller,  R.  Markneukirchen:  Heimatsklänge  III  (1907),  8  —  18.  Mit 
Abb. 


Literatur. 


365 


Werner,  Arno.  Musik  und  Musiker  in  der  Landesschule  Pforta: 
Sammelbände  der  Internationalen  Musikgesellschaft  Vlll  (1906/07), 
535—550. 

Widemann,  Ernst.  Aus  der  Vorzeit.  Nachrichten  über  die  Familie 
Näcke:  Nachrichten  über  die  Kirchgemeinde  Höckendorf  mit 
ßorlas  und  Obercunnersdorf  vom  Jahre  1906.    S.  9—13. 

Wk^hel.  War  eme  lederne  Brücke  Hockstein -Hohnstein  möglich?: 
Über  Berg  und  Thal  XXX  (1907),  154. 

Wiedemann,  Heinrich.  Die  Wahl  der  Prinzessin  Maria  Kunigunde 
von  Sachsen  zur  Koadjutorin  des  Stiftes  Essen:  Beiträge  zur 
Geschichte  von  Stadt  und  Stift  Essen  XXIX  (1907),  48—73. 

Woerinann,  Karl.  Die  Raurafrage  in  der  Dresdner  Gemälde- 
galerie. Ein  Rückblick  und  Ausblick:  Museumskunde  III  (1907), 
140  —  157. 

TFo/f,  B.  Skizzen  von  der  ehemahgen  kursächsischen  Armee  (Schlufsj: 
Archiv  für  Kulturgeschichte  V  (1907),  187—215. 

Wolf,  G.  Aufgaben  und  Grundsätze  der  deutschen  Territorialpolitik 
in  der  Reformationszeit:  Korrespondenzblatt  des  Gesamtvereins 
der  deutschen  Geschichts-  und  Altertums -Vereine  LV  (1907), 
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de  Wolf  Addison,  Julia.  The  Art  of  the  Dresden  Gallery.  A  Critical 
Survey  of  the  Schools  and  Painteis  as  represented  in  the  Roj-al 
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Mit  Taff.    8^. 

V,  Wolf,  Karl.  Der  russische  Feldzug  1812.  IL  Folge:  In  russischer 
Gefangenschaft.  Nach  dem  bisher  unveröffentlichlen  Tagebuch  des 
sächsischen  Sousleutnants  K.  v.  W.:  Unsere  Heimat  VI  (1906/07), 
117 — 119.  154—160.  182  —  188.  205—215. 

Wolf,  Bichard.  Aus  der  Geschichte  der  Stadt  Marienberg:  Wissen- 
schaftliche Beilage  der  Lpz.  Ztg.    1907.    Nr.  22. 

Wolff,  P.  Romanus  Teller,  Leipziger  Theolog:  Realenc^-clopädie 
für  protestantische  Theologie  und  Kirche  XIX ■'  (1907),  475. 

Wotschke,  Th.  Die  Verwandten  des  chursächsischen  Kanzlei  s  Brück 
in  Posen:  Historische  Monatsblätter  für  die  Provinz  Posen  VII 
(1906),  49—52. 

Wünschmann,  Max.  Annaberger  auf  dem  grofsen  Fürstlichen  Ge- 
meinschiefsen  zu  Freiberg  in  der  Trinitatiswoche  1572:  Der 
Sehma-Bote.    1907.    Nr.  1802. 

„  Rede  zur  Feier  des  400jährigen  Bestehens  der  priv.  Freischützen- 
Kompagnie  zu  Annaberg:  ebenda  Nr.  1803 f. 

Wustmann,  Gustac.  Aus  der  Geschichte  des  Leipziger  Tage- 
blattes: Leipziger  Tageblatt.  Jubiläumsausgabe  vom  i.JuH  1907. 
S.  2  —  6. 

„  Die  Schongauer  in  Leipzig:  Kunstchronik  N.  F.  XVIII  (1907I 
Nr.  21. 

„  Zur  Entstehungsgeschichte  der  Schumannschen  Zeitschritt  für 
Musik:  Zeitschrift  der  Internationalen  Musikgesellschait  VIII  (1907), 
396—403. 

„  Lepra  oder  Sj^philis   [Untersuchung  auf  Lepra  in  Leipzig  1492]: 
Archiv  für  Geschichte  der  Medizin  I  (1907),  7of. 
Z.     Die  Gartenstadt  an   der  Mandau  [Zittau]:    Sachsenpost  I  (1907) 
Nr.  24.    S.  5—8.   Mit  7  Abb. 

„  Oberwartha:  ebenda  Nr.  28.    S.  5  —  8.    Mit  6  Abb. 
Z.,  A.     Die  Stadt  am   Pöhlberge:    ebenda    Nr.  33.    S.  <;  — 8.    Nr,  34, 
S.  5-7.    Mit  17  Abb.  ii  i  i^ 


24* 


5  66  Literatur. 

Zinck,  P.  Rockenlieder,  gesammelt  in  Schellerhau  bei  Altenberg  im 
Erzgebirge:    ^litteilungen  des  Vereins  für  sächs.  Volkskunde  IV 

^  (1907),  191 — 202  (Fortsetzung  folgt). 

ZTinkocic,  Jlartin.  Wann  wurde  Mitteleuropa  von  den  Slaven  be- 
siedelt? Beitrag  zur  Klärung  eines  Geschichts-  und  Gelehrten- 
Irrtums.  2.,  wesentlich  vermehrte  Ausgabe.  Kremsier  undTeschen, 
S.  Stuks.    1906.    212  SS.    Mit  Abb.  u.  2  Karten.    8^. 


1857 — 1907.  Denkschrift  zur  Erinnerung  an  das  5ojähr.  Bestehen 
der  Sparkasse  der  Stadt  Annaberg  i.  Erzgeb.  am  i.  Mai  1907. 
Annaberg,  C.  O.  Schreiber.    (1907.)    19  SS.    4". 

Annaberger  Wochenblatt.  Tageblatt,  Amtsblatt  für  die  könig- 
liche Amtshauptmannschaft  Annaberg  und  die  königlichen  und 
städtischen  Behörden  zu  Annaberg  und  Jöhstadt.  1807.  1907. 
(Jubiläums -Nummer.)    Annaberg,  C.  O.  Schreiber.    12.  Sept.  1907. 

.      40  SS.    Mit  Abb.    Gr.-2  0. 

Inhalt  u.  a.:  100  Jahre.  —  Ein  Jahrhundert  in  unsern  vier  Wänden. 
—  Annaberg  in  den  letzten  hundert  Jahren.  —  Paul  Thomas, 
Das  obererzgebirgische  Dorfwirtshaus.  —  Aus  der  Geschichte 
der  Königl.  Amtshauptmannschaft  Annaberg.  —  Aus  der  Ge- 
schichte des  Königlichen  Lehrerseminars  zu  Annaberg.  —  Dost, 
Vom  Musikleben  Annabergs  vor  100  Jahren.  —  Wild,  Die  Ent- 
wickelung  der  Posamenten -Industrie  in  Annaberg  und  Um- 
gebung. —  Max  Grube,  Der  Annaberger  Pfennigmeister.  — 
H.  Lungwitz,  Erzgebirgisches  Zmngeschirr  und  der  Zinn- 
sammler. 

Zum  Gedächtnis  unsers  am  2.  Januar  1907  in  Herrnhut  entschlafenen 
Bruders  Charles  Buchner,  Doktor  der  Theologie,  Bischof  der 
Brüderkirche.  Herrnhut,  Missionsbuchhandlung.  1907.  24  SS. 
Mit  Bildnis.    8». 

Das  fünf  hundertjährige  Jubiläum  der  Stadt  Ehrenfriedersdorf: 
Amts-  und  Wochenblatt  für  die  Königl.  Amtshauptmannschaft  zu 
Annaberg.    1907.    Nr.  86.    S.  if. 

Sächsische  Fahnengedenktage;  Der  Kamerad  XLV  (1907).  Nr.  28. 
S.  9f. 

Burg  Frauenstein  im  Erzgebirge:  ebenda  Nr.  25.  S.  17 — 20. 
Mit  Abb. 

Kirchliche  Notizen  aus  dem  Lehnbuche  Markgraf  Friedrich  des 
Strengen  von  Meifsen  (1349  50):  Sächsisches  Kirchen-  und  Schul- 
blatt.   1907.    Sp  599 — 601.    (Schlufs  folgt.) 

Chronik  von  Froh  bürg  und  Umgegend.  1906.  Frohburg,  B.  Geifsler. 
(1907.)    16  SS.    80. 

Ein  Gespensterspuk  in  der  Superintendentur  zu  Glauchau  im 
Jahre  1675:  Sachsenpost  I  (1907).  Nr.  20.  S.  1—3.  Nr.  21.  S.  iif. 
"Nr.  22.    S.  6—9. 

Gold-  und  Erzsucher  in  Sachsen:  ebenda  Nr.  22.  S.  1 — 3.  Nr.  23. 
S.  1-3 

Zur  Geschichte  des  Heimatschutzes  in  Sachsen  1893  bis  1907: 
Dresdner  Anzeiger.    1907.    Nr.  242.    S.  2 f. 

Hill  iger  aus  Freiberg  in  Sachsen:  Genealogisches  Handbuch  Bürger- 
licher Familien  XIII  (1907),  233 — 271.   Mit  Wappen. 

Eine  geheimnisvolle  Frau  [Gräfin  Kielmannsegg]:  Sachsenpost  I 
11907).    Nr.  26.    S.  I — 3. 


Literatur. 


;67 


Neue  Sächsische  Kirchengalerie.  Unter  Mitwirkung  der  säch- 
sischen Geisthchen  herdusgegeben.  Die  Ephorie  Marienberg, 
Lieferung  15  —  34  Sp.  337-'824.  Leipzig,  Arwed  Strauch,  (igof.) 
Mit  Abb.  und  Taff.    40. 

Oberst  Hugo  Klemm  1823 — 1905:  Klemms  Archiv.  1907.  Nr.  20. 
S.  324—328.    Mit  Bildnis. 

Zum  200jährigen  Jubiläum  der  Firma  Klepperbein  [in  Dresden]: 
Dresdner  Anzeiger.    1907.    Nr.  94.    S.  6. 

Von  Königgrätz  bis  an  die  Donau.  Darstellung  der  Operationen 
des  österreichisch-preufsischen  Feldzuges  1866  nach  der  Schlacht 
bei  Königgrätz.  Der  Rückzug  der  Nordarmee  vom  Schlachtfeld 
des  3.  Juli.  Mit  Benützung  der  Feldakten  des  k.  und  k.  Kriegs- 
archivs bearbeitet  von  einem  Generalstabsoffizier.  Mit  einer 
Generalkalte  1:200000  des  Operationsraumes,  6  Beilagen  und 
_  einer  Textskizze.  Wien,  L.W.  Seidel  &  Sohn.  1907.  VI,  188  SS.  S°. 

Ein  Jahrhundert  eigener  Kupfermünzprägung  in  Sachsen  1772 
bis  1873:  Sachsenpost  I  (1907).    Nr.  17.    S.  9— 11. 

Festschrift  der  Rettungsgesellschaft  „Samariterverein  zu  Leipzig" 
zur  Erinnerung  an  das  25jährige  Bestehen  herausgegeben  vom 
Vorstand.  Leipzig,  Druck  von  Friedrich  Gröber.  1907.  218  SS. 
Mit  Abb.    80. 

Leipzigs  kirchliche  Zugehörigkeit  und  Kirchenwesen  in  früheren 
Jahrhunderten,  namentlich  im  Zeitalter  der  Keformation:  Der 
Hausvater  XVI  (1907),  253  —  257.  283  f. 

Das  unterirdische  Leipzig:  Der  Leipziger  II  (1907),  737^  Mit  6  Abb. 

Leipziger  Studentenpoesie  vor  200  Jahren:  ebenda  792f. 

Leipziger  Tageblatt  und  Handelszeitung.  Jubiläums- Ausgabe. 
1807— 1907.    Leipzig,  E.  Poltz.    1907,    8  SS.    Gr.-2*'. 

Luther  und  die  Vorverhandlungen  der  Leipziger  Disputation  (1519) 
nach  archivalischen  Akten  und  Briefen  jerier  Zeit:  Sächsisches 
Kirchen-  und  Schulblatt.  1907.  Sp.  486  — 488.  5oif.  518  —  520. 
(Fortsetzung  folgt.) 

Zur  Erinnerung  an  das  fünfzigjährige  Bestehen  des  Königl.  Sachs. 
Militärvereins  I  zu  Dresden.  1857— 1907.  Dresden,  Otto  Reichel, 
(1907.)    37  SS.    Mit  Abb.  8» 

Mirusblatt.  Nr.  15  f.  Leisnig,  Druck  von  Herrm.  Ulrich  (Wölbung  & 
Feiste).    1907.    S.  225—256.    8^. 

Aus  Mittweidas  Chronik:  SachsenpostI(i907j.  Nr.26.  S.8.  Mit3Abb. 

Ein  20ojähriges  Behördenjubiläum  in  Sachsen  (Kgl.  Oberrech- 
nungskammer): Dresdner  Anzeiger.    1907.    Nr.  142.    S.  7. 

Kunstschätze  in  einem  sächsischen  Klostergute  (Oberwartha): 
Unsere  Heimat  VI  (1906/07),  195 f. 

Die  ehemaligen  Königl.  Hannoverschen  Offiziere  in  der  Sächsischen 
Armee.  Eine  40  Jahr- Erinnerung:  Der  Kamerad  XLV  (1907). 
Nr.  15.    S.  10 f. 

Bilder  aus  dem  Plauenschen  Grunde  bei  Dresden:  Sachsenpost 
I  (1907).    Nr.  26.    S.  5—7.    Mit  3  Abb. 

Raubschlösser  in  der  Sächsischen  Schweiz:  ebenda  Nr.  32.    S.  8f. 

Louis  Riedel:  ebenda  Nr.  30.    S.  1—4.    Mit  2  Abb. 

Gedenkfeiern  an  Sachsengräbern  im  Jahre  1906:  Der  Kamerad 
XLV  (1907)    Nr.  14.    S.  9-12.    Mit  Abb. 

Sebnitz:  Sachsenpost  I  (1907)    Nr.  32.   S.  5— 7.    Mit  10  Abb. 

Der  Stammbuchbote.  Nachrichtenblatt  der  Stammbuchführer  des 
Vereins  ehemaliger  Füratenschüler.  Nr.  33  —  39.  März  1906  bis 
September  1907. 


368  Literatur. 

Nachschlagebuch  für  die  Veröfifentlichungen  des  Königlich  Säch- 
sischen Statistischen  Landesamtcs  (bis  1905  „Statistisches 
Bureau  im  Königlichen  Ministerium  des  Innern")  und  des  früheren 
„Statistischen  Vereins  für  das  Königreich  Sachsen"  in  den  Jahren 
1831  bis  Mitte  1907.  Herausgegeben  vom  Könighch  Sächsischen 
Statistischen  Landesamt  Dresden,  C.  Heinrich  in  Komm.  1907. 
121  SS.    8°. 

Sächsische  Steinbrüche.  Die  Porphyrbrüche  auf  dem  Rochlitzer 
Berge:  Sächsische  Industrie  III  (1907),  261! 

Sächsische  Talisman-  oder  Glückspfennige:  Sachsenpost  I  (1907). 
Nr.  24.    S.  8  -lo. 

Wapler'sches  Familienblatt.    1907.    Nr.  32.    S.  497  —  512. 

Zur  Neuordnung  des  sächs  Wasserrechts:  Zeitschrift  für  die  ge- 
samte Wasserwirtschaft  II  (1907),  33 — 37. 

Zum  Gedächtnis  Pastor  Rudolf  Weidauers:  Bausteine  XXXVIII 
(1906),  66—84. 

Wentzel  aus  Grofsschönau  in  Sachsen:  Genealogisches  Handbuch 
Bürgerlicher  Familien  XIII  (1907),  491—494.    Mit  Wappen. 


Alt- Kirchberg.  Mitteilungen  des  Altertumsvereins  Kirchberg.  Nr.  i — 4. 
(1906.) 

Inhalt  u.a.:  Göbel,  Die  Abnahme  der  Kirchrechnungen  vor 
mehr  denn  2ooJahren.  —  S[cheibe],  Das  Jahr  1907  als  Kirch- 
berger  Jubiläumsjahr.  —  Die  neueren  Veröffentlichungen  zur  Orts- 
und Parochialgeschichte  Kirchbergs  und  seiner  Umgebung. 

Blätter  für  die  Geschichte  der  Sächsischen  Armee.  1907.  Nr.  3—9. 
Inhalt:  C.  v.  Metz  seh,  Hans  Adam  von  Schöning.  —  Friedrich 
August,  Graf  von  Rotowsky.  —  Alte  Kapitulationen  und  Militär- 
Abschiede.  —  Das  2.  Bataillon  des  Infanterie-Regiments  „Prinz 
Maximilian"  in  den  Gefechten  bei  Weichselmünde  im  Mai  1807. 
—  e.V.  Metzsch,  Die  Königlich  Sächsischen  Truppen  im  Feld- 
zuge 1807  gegen  Preulsen  und  Russen.  —  Die  Anfänge  des  Kriegs- 
ministeriums. —  Bekleidungs- Abrechnungsbuch  (1829  —  1835).  — 
Ulricus  Graf  von  Promnitz.  —  Etat  und  Rangliste  des  Resiments 
zu  Rols  Graf  von  Promnitz  im  Jahre  1682.  —  E.  Schurig,  Das 
Kgl.  Sachs.  Lehr  Infanteriebataillon  vom  16.  Januar  bis  2.  März  1867 
unter  Oberstleutnant  von  Montb6.  —  Johann  Edmund  Hotten- 
roth,  Historietten  aus  den  Jahren  1806  und  1807. 

Dresdner  Geschichtsblätter.  Herausgegeben  vom  Verein  für  Ge- 
schichte Dresdens.    XVI.  Jahrgang.    1907.    Nr.  i.  2. 

Inhalt:  Otto  Richter,  Das  Dresdner  Vogelschiefsen  im  Jahre 
1660.  —  Hubert  Ermisch,  Die  älteste  Dresdner  Zollrolle.  — 
Totenschau.  —  Paul  Racliel,  Fürstenbesuche  in  Dresden.  — 
Otto  Richter,  Das  Degenlragen  der  Handwerksgesellen.  — 
Ungetreue  Ratsherren. 

Mitteilungen  des  Altertunisvereins  zu  Hauen  i.  V.  18.  Jahresschrift 
auf  die  jähre  1907— 1908.  Plauen,  R.  Neupert  jr.  in  Komm.  1907. 
V,  527  SS.    8  0. 

Inhalt:  C.  v.  Raab,  Schlofs  und  Amt  Vogtsberg  bis  Mitte  des 
16.  Jahrhunderts  und  das  Erbbuch  vom  Jahre  1542. 


Literatur.  369 

Mitteilungen  der  Gesellschaft  für  Zittauer  Geschichte.    Nr.  4.    Zittau, 
Druck  von  Richard  Menzel  Nachf.    1907.    24  SS.    Mit  i  Taf.    8°. 

Inhalt:  E.  Wilisch,  Das  Ende  der  Zittauer  Schulkomödie.  — 
G[ärtner],  Wie  das  Volk  vor  260  Jahren  in  Zittau  bezw.  in  der 
Lausitz  sprach.  —  E.  Wilisch,  Das  erste  Billard  in  Zittau.  — 
Em.  Koch,  Aus  dem  Museum. 

Mitteilungen  des  Vereins  für  Geschichte  von  Annaberg  und  Umgegend 
X.Jahrbuch  für  1905 — 1907.     2.  Bd.     5.  Heft.     Annaberg,   Graser 
(Rieh.  Liesche)  in  Komm.    1907.    S.  297 — 376. 

Inhalt:  Bönhoff,  Die  Herrschaft  Pöhlberg  bis  zu  ihrem  defini- 
tiven Anfall  an  das  Haus  W^ettin.  Ein  Beitrag  zur  Territorial- 
geschichte des  Erzgebirges  (mit  Kartej.  —  Georg  Schmidt,  Die 
Glocken  der  Ephorie  Annaberg.  —  Nekrologe:  Kommerzienrat 
Woldemar  Wimmer;  Bildhauer  Ed.  Rob.  Henze;  Stadtrat  Friedrich 
Bamberg;  Vizedirektor  em.  Friedr.  Wilh.  Hunger. 


Naehriehten. 


Im  Königl.  Sächsischen  AltertumsTCreiu  hielt  am  8.  April 
Dr.-Ing.  Mackowsk}-  einen  Vortrag  über  die  geschichtliche  Ent- 
wicklung des  Stadtplans.  Die  diesjährige  Studienfahrt  des  Vereins 
fand  am  i.Juni  statt  und  galt  dem  Besuche  der  alten  Burgstätten 
des  Wildenstein  {Kuhstall)  und  Arnstein  (Ottendorfer  Raubschlofs), 
wobei  die  Herren  Archivrat  Dr.  Beschorner  und  Dr,  Meiche  die 
Führung  übernahmen  Ein  gemeinschaftliches  Mahl  in  Sebnitz  be- 
schlofs  den  Ausflug.  —  Die  Mitgliederzahl  betrug  bei  Beginn  des 
Vereinsjahrs  1907  08  483. 

Der  Verein  für  Geschichte  Dresdens  (970  Mitglieder)  veröffentlichte 
aufser  der  Vierteljahrsschrift  „Dresdner  Geschichtsblätter-'  das 
20.  Heft  seiner  „Mitteilungen",  enthaltend  eine  mit  Lichtdruck- 
abbildungen ausgestattete  Abhandlung  von  Ernst  Sigismund  über  den 
Dresdner  Maler  Ferdinand  von  Rajski.  Im  Winterhalbjahr  1906  07 
wurden  fünf  Vorträge  gehalten;  es  sprachen  am  17.  Oktober  Rats- 
archivar Dr.  Richter  über  das  Dresdner  Vogelschiefsen  im  Jahre  1660, 
am  14.  November  Archivar  Dr.  Beutel  über  die  Dresdner  Rommunal- 
garde,  am  12.  Dezember  Archivrat  Dr.  Beschorner  über  unter- 
gegangene Dörfer  in  der  Umgegend  von  Dresden,  am  13.  Februar 
Professor  Dr.  Rachel  über  Ferdinands  I.  Besuche  in  Dresden  1538 
und  1547  und  am  13.  März  Professor  Dr.  Wuttke  über  die  Dresdner 
Münzkonvention  vom  Jahre  1838.  Am  9.  Juni  wurde  ein  Ausflug 
nach  Stolpen  und  Neustadt  unternommen,  der  bei  herrlichem  Wetter 
um  so  genufsreicher  und  anregender  verlief,  als  in  den  Mitgliedern 
Mörtzsch  und  Dr.  Meiche  vorzüglich  unterrichtete  Führer  zu  Gebote 
standen. 

Der  Altertumsverein  zu  Kirchherg  fMitgliederzahl  76)  hat 
kürzlich  seinen  Vizevorsitzenden,  Fabrikant  Otto  Poppe,  durch 
den  Tod  verloren;  er  hat  dem  erfreulich  auf  blühenden  Museum,  das 
er  schon  zu  Lebzeiten  reich  bedacht  hat,  letztwillig  einen  schönen 
alten  Archivschrank,  eine  Truhe,  alte  Stickereien  u.  a.  überwiesen. 
In  drei  Versammlungen  sprachen  Herr  Bräuer  über  die  Reihenfolge 
der  Besitzer  im  „Ringe"  seit  200  Jahren,  P.  Scheibe  über  Familien- 
chroniken, über  sieben  Einladungen  zum  Kirchberger  Schulexamen 
aus  den  Jahren  1683  — 1699  und  über  die  Kirchberger  Spitz-  und 
Beinamen.  Die  „Mitteilungen"  brachten  Aufsätze  von  Bönhoft  über 
das  Bergwerk  Hohenforst  im  Mittelalter,  von  Scheibe  über  die 
Kirchberger  Spitznamen  und  „Proben  geistlichen  Briefstils  aus  den 
Jahren  1770 — 1840". 


Nachrichten. 


371 


Im  Tereiii  für  die  Geschichte  Leipzigs  hielten  im  Winterhalb- 
jahr 1906/07  Vorträge:  24.  Oktober:  Lehrer  Paul  Benndorf  „Ent- 
stehung der  israelitischen  Friedhöfe,  des  Neuen  Johannis- ,  Nord- 
und  Südfriedhofes  in  Leipzig";  7.  November:  Dr.  Paul  Rühlmann, 
Semina^berlehrer  in  Annaberg  „Die  Oktobertage  vor  100  Jahren 
und  die  öffentliche  Meinung";  12.  Dezember:  Realschullehrer  Dr.  Joh. 
Kretzschmar  „Die  Lehnshoheit  des  Stiftes  Merseburg  über  Leipzig" ; 
9.  Januar:  Dr.  Armin  Tille  „Eine  unbenutzte  Quelle  der  Leipziger 
Handelsgeschichte".;  23.  Januar:  Oberlehrer  Dr.  Rudolf  Müller 
„Geschichte  von  E.  M.  Arndts  Schrift  ,Was  bedeutet  Landsturm 
und  Landwehr?'  unter  besonderer  Berücksichtigung  Sachsens"; 
6.  Februar:  Redakteur  Dr.  W.  Bruchmüller  „Der  Typus  der  Leip- 
ziger Studenten  im  18.  Jahrhundert";  27.  Februar:  Stadtbibliothekar 
Dr.  Ernst  Kroker  „Die  Leipziger  auf  der  Universität  Witten- 
berg im  Reformationszeitalter";  13.  März:  Direktor  Dr.  Albrecht 
Kurzwelly  „Die  Entwicklung  der  Leipziger  Goldschmiedekunst". 
Am  9.  Mai  wurde  ein  Studienausflug  nach  Naumburg  und  Dorn- 
burg unternommen.  In  den  Vorstand  trat  Lehrer  Paul  Benn- 
dorf als  II.  Sammlungsvorsteher  ein.  In  einer  aufserordentlichen 
Generalversammlung  wurde  am  18.  Dezember  die  Übergabe  der 
^'ereinssammlungen  in  das  Eigentum  und  die  Verwaltung  der 
Stadt  Leipzig  nach  dem  Umbau  des  Alten  Rathauses  einstimmig 
beschlossen. 

Der  A'erein  für  Geschichte  Meifsens  veranstaltete  im  letzten 
Sommer  auf  Veranlassung  des  Herrn  Hans  Loose  in  Leipzig  und 
rnit  Unterstützung  des  Deutschen  Buchgewerbemuseums  in  Leipzig 
eine  Ausstellung  wertvoller  Plakate  im  Stadtmuseum  (Franziskaner- 
kirche). Unsere  Notiz  im  letzten  Hefte  dieser  Zeitschrift  (S.  179) 
berichtigen  wir  dahin,  dafs  zurzeit  Prof.  Dr.  Leicht  Vorsitzender, 
Oberlehrer  Dr.  Böhm  Vorstandsmitglied  ist. 

Der  Altertiimsyerein  zu  Plauen  i.  V.  beabsichtigt  unter  Zu- 
grundelegung einer  vom  Buchhändler  Gurt  Sünderhauf  in  Nordhausen 
angelegten,  dem  Verein  vor  längerer  Zeit  zum  Geschenke  gemachten 
und  von  seinem  Vorsitzenden  A.  Neupert  sen.  vervollständigten 
Sammlung  ein  bibliographisches  Repertonum  zur  Geschichte  des 
sächsischen  Vogtlandes  herauszugeben  und  richtet  an  Verfasser  und 
Verleger  die  Bitte,  dies  Unternehmen  durch  genaue  Angabe  der 
betretfenden  Schriften,  namentlich  auch  der  leicht  der  Beachtung 
entgehenden  Gelegenheitsschriften  und  Aufsätze  in  Zeitungen  und 
Zeitschriften,  zu  unterstützen. 

Der  Altertumsverein  für  Zwickau  und  Umgegend  hielt  im 
letzten  Jahre  am  29.  November  und  20.  Dezember  1906  und  am 
28.  Februar  1907  Versammlungen  ab.  Es  sprachen  Lehrer  Schleinitz- 
Keinsdorf  über  einen  Vorkämpfer  der  Aufklärung,  den  Apotheker 
Joh.  Gg.  Schmidt  in  Zwickau  (Verf.  der  „kuriosen  Grillen"  usw.), 
Oberlehrer  Lic.  Dr.  Giemen  über  kostbare  Seltenheiten  der  Rats- 
schulbibliothek, über  den  „Katzenveit"  (einen  Berggeist,  ähnlich  dem 
Rübezahl)  auf  dem  Kohlberg  (d.  h.  Steinkohlenbergwerk)  und  über 
den  Prinzenraub. 

Im  Verein  für  Sächsische  TolliSkunde  hielt  am  2.  März  Ober- 
lehrer Wendt,  der  Leiter  der  Königl.  Fachgewerbeschule  für  Spiel- 
warenarbeiter in  Grünhainichen,  einen  durch  Lichtbilder  erläuterten 


5  "7  2  Nachrichten. 

Vortrag  über  erza^ebirgische  Spielwarenindustrie.  Ferner  sprach  an 
demselben  Tage  Lehrer  Müller  aus  Marbach  über  das  Weihrachts- 
fest  und  Weihnachtssitten  im  oberen  Erzgebirge  in  Verbindung  mit 
dem  Vortrag  einiger  Volkslieder.  —  Bei  der  am  23.  Mai  in  Eisenach 
stattgehabten  Versammlung  der  Delegierten  deutscher  Vereine  für 
Volkskunde  wurden  der  zweite  Vorsitzende  des  Vereins  für  Sachs. 
Volkskunde  Prof.  Dr.  Mogk  in  Leipzig  zum  Vorsitzenden  des  Ver- 
bandes, Prof.  Dr.  O.  Seyffert  in  Dresden  zum  Stellvertreter,  Dr.  Dähn- 
hardt  in  Leipzig  zum  Schriftführer  gewählt.  Der  Sitz  des  Verbandes 
ist  fortan  Leipzig. 

In  den  Tagen  vom  3.  bis  7.  September  wurde  zu  Dresden  die 
X.  Versammlung  Deutscher  Historiker  abgehalten.  Den  Vorsitz 
führten  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  Seehger  (Leipzig),  Oberregierungsrat 
Dr.  Ermisch  und  Professor  Dr.  Gefs  (Dresden)  In  der  Eröffnungs- 
sitzung, die  am  4.  September  wie  alle  Vortragssitzungen  in  der 
Aula  der  Technischen  Hochschule  stattfand,  begrülsten  Kultusminister 
V.  Schlieben,  Oberbürgermeister  Geh.  Finanzrat  Beutler  und  der  der- 
zeitige Rektor  Geh.  Hofrat  Pattenhausen  im  Namen  der  Staats- 
regierung, der  Stadt  und  dtr  Technischen  Hochschule  die  gut  be- 
suchte Versammlung.  Vorträge  hielten  Geh.  Kirchenrat  Prof. 
Dr.  Hauck  (Leipzig)  über  die  Rezeption  und  die  Umbildung  der 
allgemeinen  S3-noden  im  Mittelalter;  Prof.  Dr.  O.  Hintze  (Berlin)  über 
die  Entwicklung  der  modernen  Ministerialvervvaltung:  Ratsarchivar 
Prof.  Dr.  Otto  Richter  (Dresden)  über  Dresdens  Bedeutung  in  der 
Geschichte  (öffentlicher  Vortrag);  Prof.  Dr.  A.  Schulte  (Bonn)  über 
die  deutsche  Kirche  des  Mittelalters  und  die  Stände;  Prof.  Dr.  Kro- 
niayer  (Czernowitz)  „Hannibal  und  Antiochus  der  Grofse,  eine 
strategisch-politische  Betrachtung";  Geh.  Hofrat  Prof.  Dr.  K.  Lamp- 
recht (Leipzig)  „Zur  Ausgestaltung  der  universalgeschichtlichen 
Studien  im  Hochschulunterricht" ;  Privatdozent  Dr.  G.  Caro  (Zürich) 
über  Grundherrschaft  und  Staat;  Prof.  Dr.  F.  Keutgen  (Jena)  über 
Königtum,  Fürstentum,  Kirche. 

Aus  den  Verhandlungen  der  in  denselben  Tagen  unter  Vorsitz 
von  Oberregierungsrat  Dr.  Ermisch  und  Regierungsrat  Dr.  Lippert 
abgehaltenen  VIII.  Konferenz  von  Vertretern  landesgeschichtlicher 
Publikationsinstitute  heben  wir  den  von  Archivrat  Dr.  Beschorner 
gegebenen  und  durch  eine  reichhaltige  Ausstellung  von  älteren  und 
neueren  Rissen,  Karten  und  Proben  erläuterten  Überblick  über  die 
Geschichte  der  sächsischen  Kartographie  und  die  neueren  historisch- 
geographischen Arbeiten  in  Sachsen  hervor.  Auf  die  durch  die 
Königl.  Sächsische  Kommission  für  Gest  hichte  der  Versammlung 
überreichte,  von  R.  Kötzschke,  H.  Beschorner,  A.  Meiche  und  R.  Becker 
bearbeitete  Schrift:  „Die  historisch -geographischen  Arbeiten  im 
Königreich  Sachsen"  werden  wir  noch  zurückkommen  Die  Stadt 
Dresden  ehrte  die  Versammlung  durch  einen  Begrüfsungsabend  im 
Festsaale  des  Ausstellungsgebäudes,  bei  dem  der  Singechor  der 
Kreuzschule  unter  Leitung  des  Musikciirektors  O.  Richter  Volks-  und 
Minnelieder  vortrug.  Den  Beschlufs  der  Versammlung  bildete  am 
7.  September  ein  Ausflug  nach  Freiberg. 

Die  Historische  Kommission  für  die  Provinz  Sachsen  und  das 
Herzogtum  Anlialt  hielt  am  11.  und  12  Mai  unter  Vorsitz  des 
Geh.  Regierungsrates  Prof.  Dr.  Lindner  zu  Tangermünde  ihre  Jahres- 
versammlung ab.  Von  den  ..Geschichtsquellen"  ist  der  erste  Band 
d'-r  Kirchen  Visitationsprotokolle  des  K^urkreises  1528  —  1592  (von  Pallas- 


Nachrichten.  ^yj 

Herzberg)  erschienen  und  ein  zweiter  im  Druck  (er  ist  seitdem  auch 
veröffentlicht  worden).  Nahe  bevor  steht  der  Abschlufs  des  Naum- 
burger Urkundenbuchs  (von  Dr.  Rosenfeld- Magdeburg)  und  der 
Matrikel  der  Universität  Erfurt  1635 — 1816  (von  Prof.  Stange-Erfurt). 
Die  übrigen  in  Angriff  genommenen  Publikationen  (s.  diese  Zeit- 
schrift XXVII,  407  f)  sind  zumeist  gefördert  worden.  Der  Bericht 
des  Prof.  Heldmann  über  den  Plan  einer  Herausgabe  von  Quellen 
zur  städtischen  Verfassungs-,  Verwaltungs-  und  Wirtschaftsgeschichte 
ergibt,  dafs  zunächst  eine  genauere  laventarisation  der  Stadtarchive 
notwendig  ist.  Für  die  von  Prof.  Gröfsler  beantragte  Bearbeitung 
wissenschaftlich  begründeter  Heimatskunden  der  einzelnen  Kreise 
ist  eine  Kommission  gebildet  worden.  Von  der  „Beschreibenden 
Darstellung  der  Bau-  und  Kunstdenkmäler"  ist  zwar  kein  neues 
Heft  erschienen,  aber  die  Kreise  Heiligenstadt,  Liebenwerda  und 
Querfurt  sind  im  Manuskript  nahezu  vollendet.  Die  Kopialarbeit 
an  den  Feldwannenbüchern  und  die  Revisionsarbeit  an  den  ]\Iefs- 
tischblättern  ist  vorgeschritten  und  wird  voraussichtlich  in  zwei 
Jahren  vollendet  sein.  Über  die  Grundkarten  und  über  die  Inven- 
tarisation  der  nichtstaatlichen  Archive  war  leider  nichts  zu  berichten. 

Der  IX.  Thüriug'er  Archivtag  trat  am  2.  Juni  d.  J.  zu  Arnstadt 
unter  Vorsitz  des  Prof.  Dr.  Grofse,  Vorstand  des  fürstlichen  Re- 
gierungsarchivs daselbst,  zusammen.  Die  Benutzungsordnung  des 
Archivs  der  Stadt  Mühlhausen  wurde  als  vorbildlich  anerkannt;  es 
wird  die  Einführung  ihrer  Bestimmungen  für  alle  Staats-  und  Stadt- 
archive Thüringens  angestrebt  werden.  Den  Hauptvortrag  hielt 
Prof.  Dr.  Grofse:  ,,Ein  Gang  durch  Schlofs  Neideck  im  Jahre  1583". 
Zum  Obmann  für  das  nächste  Jahr  wurde  Prot.  Dr.  Bangert,  Vor- 
steher des  Fürstl.  Geh.  Archivs  in  Rudolstadt,  gewählt.  Die  nächste 
Versammlung  soll  am  zweiten  Sonntag  nach  Pfingsten  in  Rudolstadt 
stattfinden. 

An  dem  siebenteu  deutschen  Archirtag,  der  unter  Vorsitz  des 
Geh.  Archivrat  Dr.  Obser  am  14.  September  zu  Karlsruhe  stattfand, 
nahmen  von  sächsischen  Archivaren  Regierungsrat  Dr.  Lippert,  der 
Vorstand  des  Kriegsarchivs  Oberstleutnant  z.  D.  Hottenroth  und  der 
Bautzner  Ratsarchivar  Prof.  Dr.  Arras  teil.  Ein  näheres  Eingehen 
auf  die  Verhandlungen  erübrigt  sich,  da  speziell  sächsische  Fragen 
nicht  berührt  wurden.  Die  Versammlung  schlofs  am  15.  September 
mit  einem  Ausflug  nach  Speier. 

Dieser  Ausflug  bildete  zugleich  die  Einleitung  zur  Haupt- 
versammlung des  Gesamtvereius  der  Deutschen  (iJeschichts-  und 
Altertumsvereine,  die  vom  15.— 18.  September  in  Mannheim  unter 
Vorsitz  des  Geh.  Archivrat  Dr.  Bailleu  und  unter  persönlicher 
Teilnahme  Sr.  Königlichen  Hoheit  des  Erbgrofsherzogs  zu  Baden 
tagte.  Unter  den  Vorträgen  heben  wir  besonders  hervor  die  des 
Geh.  Hofrat  Dr.  Wille- Heidelberg  über  den  Humanismus  in  der 
Pfalz  und  des  Geh.  Archivrat  Dr.  Wolfram-Metz  „Pfalzgraf  Georg 
Hans,  eine  Lebenstragödie''.  Von  sächsischen  ^'ereinen  waren  ver- 
treten der  Königl.  Sächsische  Altertumsverein,  die  Oberlausitzer 
Gesellschaft  der  Wissenschaften,  der  Verein  für  Sächsische  Volks- 
kunde, die  Vereine  für  die  Geschichte  von  Dresden,  Leipzig,  Meilsen, 
der  Altertumsverein  zu  Leisnig,  die  Dresdener  numismatische  Ge- 
sellschaft und  der  Verein  zur  Begründung  und  Erhaltung  einer 
Zentralstelle     für     deutsche    Personen-    und    Familiengeschichte    in 


-j«4.  Nachrichten. 

Leipzig.  Die  Königl.  Sächsische  Kommission  für  Geschichte  liefs 
durch  "^RegiermTgsrat  Dr.  Lippert  eine  Anzahl  Exemplare  der  ge- 
legentlich der  riistorikerversammlung  (s.  o.)  erschienenen  Denk- 
schrift über  die  historisch -geographischen  Arbeiten  im  Königreich 
Sachsen  überreichen. 

Die  sechshuuderljälirige  tredenlifeier  der  Schlacht  bei  Lucka, 

die  am  31.  Mai  in  Lucka  S.-A.  begangen  wurde,  nahm  einen  glän- 
zenden Verlauf.  Seme  Majestät  der  König  von  Sachsen  und  Ihre 
Königlichen  Hoheiten  die  Herzöge  von  Sachsen-Altenburg,  Sachsen- 
Meiningen  und  Sachsen-Coburg-Gotha  hatten  Vertreter  gesandt.  Den 
Höhepunkt  der  Feier  bildeten  die  Grundsteinlegung  zu  einem  den 
Sieg  der  meilsnischen  Waffen  verherrlichenden  Brunnendenkmal  auf 
dern  Marktplatze,  die  Festtafel  im  Ratskeller  und  die  Aufführung 
des  von  Pastor  Bruno  Lamprecht  verfafsten  Festspiels:  „Friedrich 
mit  der  gebissenen  Wange  genannt  der  Freudige".  An  die  Jubiläums- 
feier schlofs  sich  am  i.  und  2.  Juni  ein  Heimatfest  an,  bei  dem  auch 
der  historische  Festzug  nicht  fehlte.  Eine  vortrefflich  ausgestattete 
Festschrift  haben  Professor  Dr.  Adolf  Schirmer  und  Hermann 
Schroedel  auf  Friedrichstanneck  dargeboten.  Sie  enthält  eine  Ab- 
handlung des  Erstgenannten  über  die  Schlacht  bei  Lucka,  die  ein 
hie  und  da  verbesserter  Auszug  aus  seinem  unter  demselben  Titel 
erschienenen  Programm  des  Gymnasiums  zu  Eisenberg  ist,  imd  eine 
kurze  Chronik  von  Lucka  von  Pastor  Bruno  Lamprecht,  die  leider 
nur  wenig  Quellenangaben  enthält,  so  dafs  eine  Scheidung  der  ur- 
kundlichen und  der  weniger  zuverlässigen  chronikalischen  Angaben 
schwierig  ist,  ferner  wohlgelungene  Bildnisse  der  regierenden 
Fürsten  aus  dem  Hause  Wettin,  einschliefslich  des  Fürsten  und  des 
Kronprinzen  von  Bulgarien,  der  Könige  von  Portugal  und  Belgien, 
ein  allerdings  nicht  beglaubigtes  Bildnis  der  Brüder  Diezmann  und 
Friedrich,  die  Grabmäl'er  der  beiden  letzteren  und  alte  Abbildungen 
der  Stammburg  Wettin,  von  Meifsen  im  Jahre  1651,  von  Altenburg 
(nach  JNIerian),"  der  Wartburg  von  aufsen  und  innen,  des  mutmafs- 
lichen  Schlachtfeldes  u.  a. 

Vom  20.  bis  22.  Juli  feierte  Ehreiifriedersdorf  das  fünf- 
huudertjährige  Jnbiläuin  als  Stadt  mit  Kommers,  Kirchenparade, 
Fe.vtkonzert,  Illumination  und  einem  Spaziergange  nach  dem  Greifen- 
stein. Es  war  ein  wohlgelungenes  Heimatfest;  aber  gegen  die  Be- 
zeichnung als  Stadtjubiläum  wird  man  im  Interesse  der  geschicht- 
lichen Wahrheit  Einspruch  erheben  müssen.  Denn  dafs  Friedrich 
der  Streitbare  im  Jahre  1407  Ehrenfriedersdorf  zur  Stadt  erhoben 
habe,  ist  eine  lokale  Überliefeiung,  die  nicht  allein  urkundlich  un- 
beweisbar, sondern  sogar  nachweislich  falsch  ist.  Ehrenfriedersdorf, 
das  meines  Wissens  1344  zum  ersten  Male  in  der  Geschichte  genannt 
wird,  mag  schon  im  13.  Jahrhundert  entstanden  sein;  es  hatte  1377 
zwar  Marktrecht,  war  aber  ein  Dorf  und  blieb  dies  auch,  als  der 
Grimmaer  Vertrag  zwischen  den  Herren  von  Waidenburg  zu  Wolken- 
stein und  den  Markgrafen  von  Meifsen  vom  16.  Oktober  1407  die 
Rechte  an  den  Bergwerken  auf  Grund  des  \'ertrages  von  1377  neu 
regelte.  Bis  über  die  Mitte  des  15.  Jahrhunderts  hinaus  wird  es 
stets  als  Dorf  bezeichnet;  als  Städtlein  wohl  zuerst  im  Jahre  1456, 
d.  li.  nachdem  Ehrenfriedersdorf  aus  dem  Besitze  der  Herren  von 
Waidenburg  dauernd  in  den  des  Hauses  Wettin  gelangt  war. 
Indes  hat  Ehrenfriedersdorf  das  Stadtrecht  schon  einige  Jahre 
voriier    bekommen,    aber    natürlich,     wie    auch    das    Stadtwappen 


Nachrichten. 


375 


beweist,  von  den  damaligen  Stadtherren,  den  Herren  von  Waiden- 
burg, nicht  vom  Markgraf  Friedrich  IV.,  dem  später  der  Beiname 
des  Streitbaren  beigelegt  wurde.  Wenn  die  Stadt  Ehrenfrieders- 
dorf letzterem  ein  Denkmal  errichtet,  so  hat  sie  eigentlich  keinen 
Anlafs  dazu:  er  ist  nie  der  Stadtherr,  am  allerwenigsten  aber 
der  Stadtgründer  gewesen.  Man  hüte  sich  wenigstens,  ihn  in 
der  Inschrift  als  solchen  zu  bezeichnen;  das  wäre  eine  monu- 
mentale Geschichtsfälschung,  wie  sie  heute  wirkhch  nicht  mehr 
vorkommen  dürfte.  Näheres  über  die  Entstehungsgeschichte  von 
Ehrenfriedersdorf  hat  P.  Bönhoff  im  Amts-  und  Wochenblatt  für 
die  Amtshauptmannschaft  Annaberg,  Beilage,  Nr.  8i  berichtet; 
übrigens  betonte  auch  der  Ehrenfiiedersdorfer  Bürgermeister 
Troeger  in  der  Ansprache,  mit  der  er  die  Feier  erötfnete  (ebenda 
Nr.  86),  wie  sehr  unsicher  der  geschichtliche  Untergrund  des  Jubi- 
läums ist. 

Auch  in  (jferiug'swalde  wurde  in  den  Tagen  vom  31.  August 
bis  2.  September  unter  lebhafter  Beteiligung  ein  stark  besuchtes 
Heimatfest  gefeiert.  Wohlgelungen  war  namentlich  der  Festzug, 
der  Bilder  aus  der  Vergangenheit  und  aus  der  Gegenwart  von 
Geringswalde  in  buntem  Wechsel  vorführte. 

Das  Annaberg'er  Wochenblatt,  Tageblatt,  Amtsblatt  für  die 
Königüche  Amtshauptmannschaft  Annaberg  und  die  königlichen 
und  städtischen  Behörden  zu  Annaberg  und  Jöhstadt,  feierte  am 
12.  September  sein  hundertjähriges  Jubiläum.  Die  hübsch  aus- 
gestattete Festnummer  bringt  einen  Faksimiledruck  der  i.  Nummer 
vom  12.  September  1807,  „ Jubiläums -Grüfse  aus  dem  deutschen 
Dichterwald"  und  eine  Anzahl  Aufsätze  zur  Geschichte  der  Zeitung, 
der  Städte  Annaberg  und  Jöhstadt  u.  a. 

Zum  Bau  eines  Stadtmuseums  in  Bautzen  auf  dem  Kornmarkte 
wurde  aus  städtischen  Mitteln  die  Summe  von  300000  Mark  be- 
willigt, Weitere  100000  Mark  stehen  durch  eine  Stiftung  des 
Kommerzienrat  Weigang,  der  auch  seine  wertvolle  Gemäldesammlung 
der  Stadt  geschenkt  hat,  zur  Verfügung.  Nach  den  Bestimmungen 
der  Stiftungs-  und  Schenkungsurkunde  ist  der  Bau  bis  Ende  1908 
fertigzustellen. 

Bei  der  Eönigl.  Sächsischen  Kommission  für  Geschichte   ist 

am  28.  August  d.  J.  durch  den  Kammerherrn  Dr.  Arnold  von  Frege- 
Weltzien  auf  Zabeltitz  und  Abtnaundorf  eine  von  Frege-Weltzien- 
Stiftung  begründet  und  vom  Kultusministerium  als  rechtsfähige 
Stiftung  genehmigt  worden.  Ihr  Zweck  ist  die  Förderung  der  vater- 
ländischen sächsischen  Geschichtsforschung  und  -Schreibung  durch 
Zuerkennung  von  Preisen,  die  auf  Grund  vorheriger  Ausschreibung 
von  Preisaufgaben  oder  auch  ohne  solche  zu  erteilen  sind.  Die 
Höhe  eines  Preises  soll  in  der  Regel  1000  Mark  betragen.  Die  Ver- 
tretung der  Stiftung  steht  dem  geschäftsführenden  Mitgliede  der 
Kommission  zu.     Das  Stiftungskapital  beträgt  20000  Mark. 

Die  von  der  Erfurter  Akademie  gemeinnütziger  Wissenschaften 

ausgeschriebene  Preisaufgabe  „Der  sächsische  Bruderkrieg  1446 
bis  1451"  wird,  da  sie  nicht  den  gewünschten  Erfolg  gehabt  hat, 
nochmals  gestellt.  Endtermin  ist  der  i.  Januar  1909;"  der  Preis  ist 
auf  800  Mark  erhöht.  Bewerber  haben  die  mit  emem  Kennwort 
versehenen  Arbeiten  an  Prof.  Dr.  Stange  in  Erfurt  einzusenden. 


276  Nachrichten. 

Der  vogtländische  Dialektdichter  L.  Riedel  zu  Plauen  i.  V.  be- 
ging am  27.  April  seinen  60.  Geburtstag.  Eine  sinnige  Feier  im 
„Prater"  vereinte  alle  Klassen  der  Bevölkerung  zu  einer  Huldigung 
für  den  um  das  Volkstum  des  Vogtlandes  hochverdienten  Mann. 
Unter  anderem  wurden  ihm  die  Urkunde  einer  neubegründeten 
„Riedelstiftung"  und  ein  Ehrendiplom  des  Vereins  für  sächsische 
Volkskunde  überreicht. 

Am  Hauptstaatsarchiv  zu  Dresden  ist  die  durch  Ernennung 
des  ersten  Staatsarchivars  Oberregierungsrat  Dr.  Ermisch  zum 
Direktor  der  Königl.  öffentlichen  Bibliothek  und  durch  Auf- 
rücken der  Staatsarchivare  Regierungsrat  Dr.  Lippert  und  Archivrat 
Dr.  Beschorner  erledigte  Stelle  eines  dritten  Staatsarchivars  dem 
bisherigen  Kreisarchivsekretär  am  Königl.  bayrischen  Kreisarchiv 
zu  Nürnberg  Dr.  Arthur  Brabant  übertragen  und  ihm  der  Titel  als 
Archivrat  verliehen  worden. 

Das  neue  Ständehaus  zu  Dresden,  das  bei  dem  bevorstehenden 
Zusammentritt  der  Kammern  zum  ersten  Male  in  Benutzung  genom- 
men wird,  gewährt  die  Möglichkeit,  die  landständische  Bibliothek 
bedeutend  zu  vermehren.  Es  ist  daher  eine  selbständige  Bibliothek- 
verwaltung vorgesehen  und  für  dieselbe  in  der  Person  des  Historikers 
Dr.  Armin  Tille  in  Leipzig,  des  Herausgebers  der  „Deutschen 
Geschichtsblätter"  und  der  Abteilung  ,, Deutsche  Landesgeschichte" 
in  der  Heeren -Ukertschen  Sammlung  ein  besonderer  wissenschaft- 
licher Beamter  gewonnen  worden. 


Register. 

Von  Arthur  Richter. 


Abiegnus  (=Thanner),  Jac.  123  f. 
Adolph,  Hzg.  V.Sachsen -Weifsen- 

fels  77. 
Agnes,    Gemahlin    Kaiser  Hein- 
richs III.  276  f. 
Albrecht,  Kaufmann  225. 

„  Mkgr.  V.  Brandenburg,  Hoch- 
me)ster  d.  deutsch.  Ordens  119. 

„  (d.Beherzte),Hzg.v.  Sachs.  305. 
Alexander  VI.,  Papst  115. 
Altdorf  b.  Geithain  274. 
Altenau  b.  Mühlberg  90. 
Altenberg  216.  255.  264. 
Altenburg  118. 

Altertumsverein,  Kgl.  Sachs.  178. 
J70. 

„  Museum  zu  Dresden  181. 
Althamer,  Andr.  125. 
Amsterdam  203. 
d'Ancre,  Marschall  187. 
Anhalt  267. 

s.  a.  Georg,  Joachim. 
Annaberg  125.  133. 

„  Verein  für  Geschichte  178.  370. 

„  Wochenblatt,    looj.  Jubiläum 

375- 
Annaburg  205.  223. 
Ansbach  120. 
Apel,  Kaufmann  225. 
Apetzkaws  s.  Karras,  Apetz. 
Archivtag,  6.  deutscher  183. 

„  7.  deutscher  373. 

„  9.  Thüringer  373. 
V.  Arnim,  Frau  Kammerh.  iio. 

„  Fräulein  iio. 
Arnold,    Balthasar,    M.,  Diak.  in 

Torgau  134. 
Arnsdorf  b.  Rochlitz  270. 
Arnstadt  128. 

„  Dragoner  65.  105.  107. 


Aub(Au,Aw,Ahu),a.d.Gollach  125. 
Auerbach  i.  V.  126 f. 
Augsburg  4.  125.  128.  131  f.  216. 
August,  Prinz  v.  Preufsen  251. 

„  Hzg.,  Administrator  v.  Magde- 
burg 188.  190. 

„  Kurfürst  v.  Sachsen  5.  7.  133. 
Augustusburg  205. 
Aufsig  216. 

Babst,  Bürgermeisterfamilie  286. 
Bapst,  Valentin,    Leipz.  Drucker 

307. 
Back,  Kupferstecher  219. 
Bär,  Siegmund,  Bürgermeister  i. 

Bautzen  326.  328. 
Bärenstein  255.  264. 
Balbi(y),  Oberstleutn.  v.  245  f. 
Baldaut,  Christoph  126. 
Balthasar,   Mkgr.  v.  Meifsen  283. 
Bamberg  129. 
Baner,  Johann,  schwed.  General 

190  f. 
Bartelmei,  Leibmedikus  39. 
Bartholomaei,  Hofrat  i.Dresden  99. 
Barutau  s.  Beruteaux. 
Bastouches  (Bastuche),   Elsabeth 

203. 
Bauch,  Joh.  Gottlieb  86. 
v.  Baudis,  Wolff  Heinr.,  General 

63.  76  f.  . 
„  Karabiniers  105  ft. 
v.  Baudissin,  Generalleutnant  189. 
Bautzen  65.  216.  326.  328. 
„  Stadtmuseum  375. 
Bayreuth  s.  Wilhelmine. 
Bedeln,  Dorf  293. 
Behem  (Beham,  Beheim,  Bemhe, 

Bhoem,  Phem),  Simon  124  ff. 
Beigern  99. 


378 


Register. 


Belvedere,  Pavillon  b.  Warschau 
248. 

Beizig,  Amt  7. 

Benckendoiff,  Frau  Geh.  Rat  90. 

V.  Benckendort,    Frau,     geb.   v. 
Schleinitz  215. 

Benno,  Bischof  v.  Meifsen  usf. 

Berggold,  C.  S.  244. 
,,  Kondukt- ur  79. 

Berlin   52.    80.  87.  100.  201  f.  216. 
225.  242  f.  245.  251  f. 

Bertha,  Kaiserin,  Gemahlin  Hein- 
richs IV.  4. 

Bertholdi,  Andrea  217. 

Beruteaux  (Barutau),  Koch  204. 

Bevern,  Prinz  v.  81. 

Bhoem  s.  Behem. 

V.  Biberstem  324. 
„  Hans,  Herr  zu  Sorau  u.  Bees- 

kow  (Befskavi)  325. 
„  Johann  IL  326. 

Bibra  256.  266, 

V.  Bibrach,  Gebhard  324. 
„  (Bebrach),     Hans,     Vogt    zu 
Dohna  323.  329. 

Bilinska,  Frau  Gräfin  109. 

Blanck,  Malelicant  57. 

Blankenfeld,   Johannes,    Bischof 
V.  Reval  iigf 

V.  Block,  Frau  Oberst  iio. 

Bobersen  b.  Riesa  76.  91.  iio. 

V.  Bodenhaufsen,  Frau  iio. 

Böhme,  J.  Chr.,  Feldart.-Brücken- 
schreiber  iii. 

Böhmen  94.  191.  206.  267. 

Böhmisch-Kamnitz  216. 

V.  Böhn,  Inf.-Regiment  55.  65.  73. 
106. 

Börnchen  255.  264. 

Boetius,  C.  F.,  Kupferstecher  112. 

Büttger  (Bötlicher  20),  Joh.  Friedr., 
Baron,  Alchimist  i7ff. 
„  Böttgersteinzeug  31.  40.  44. 

Bohemus  Aubanus,  Joh.,  Deutsch- 
ordenspriester 125. 

V.  Bolberitz,  Gerhard  326. 

Bombsdorf,  Reisestallmeister  210. 

Bonard.  Bratkoch  204. 

Boner,  Andr.,  Mag.,  a. Landau  123. 

V.  Bora,  Frau  v.  Christoph  Kirsch 

IS- 

Borack  b.  Mühlberg  90. 

Borna  115. 
„  Kunigundenkirche,      Königs- 
kirche 277.  365. 


V.  Borna,  Frenzel  324.  328! 
Borschütz    (Borschitz)    b.   Mühl- 
berg 90.  94. 
Böse,   Frau  Generalleutnant  109. 
V.  Böse,  Frau  iio. 
Boysen.  Karl.  Prof.  Dr.  184. 
V.  Bräuner,  Gräfin  109. 
Brand  b.  Annaburg  223. 
Brandenburg  2.  88.  243.  267. 

s.  a.  Albrecht,  Kasimir,  Sophie. 
Braunschweig  130. 
ßredekopf,  Gregorius,   a.  Konitz 

123. 
V.  Bredow,  pr.  Kapitän  108. 
Breiter.feld  b.  Leipzig  195. 
Bremen  7. 

Breslau  2.  103.  216.  225. 
V.  Bretschneiüer,  J.,  Geh.  Kriegs- 
rat 89. 
Brückner,  WolÖ",  Tagelöhner  15. 
Brühl,  Graf  72    79.  220.  226. 
V.  Brühl,  Kämmerer  211. 
Buch,  Kloster  115!  295  If. 
Bucher,  Kommissionsrat  89. 
I   Buddenbrook,   pr.   Generalmajor 
I         108. 
V.  Bülav,  Frau  110. 
Bülow,  Sachs.  Gesandte  246, 
V.  Bünau,  Günther,  sächs.  Rat  121. 
sen.  325. 

„  Hauptmann  286. 

„  Kanzler  iii. 

„  Geh.  Rat,  Schlofsherr  v.  Lau- 
enstein 256. 

„  Frau  Geh.  Rat  u.  Canzler  109, 

„      „        ,,       „    die  jüngere  109. 
Bünauisches  Gericht  264. 
Bürger,  Amtsverwalter  89. 
Bussius,  Sekretär  19.  21.  43!  46  f. 
Butzer  (Bucer),  Mart.  127. 

Caila,  Inf.-Reg.  65.  73.  106. 
Camerarius,  Joach.  127 tf. 

„  Gothardus  128. 
Caninichenberg  b.  Warschau  248. 
CarafFa,  kais.  General  136. 
V.  Carlowitz,  Herr  268. 

„  Frau  Kammerh.  iio. 

„  Fräulein  110. 

Carlowitz isches  Gericht  256.  267. 
Carsdorf   (Carnitz),    b.   Rochlitz 

275.  278. 
Castell,  Frau  Generalleutn.,Gräfin 

109. 
Celle  52. 


Register. 


379 


Charlotte,  Prinzessin  v.  Preufsen 

8i. 
Chemnitz  65.  191.  266.  299. 

„  Luftwasser  213.  214. 

„  Verein  für  Ch.  Geschichte  178. 
Chemnitz,  Historiker  194.  196. 
China  26.  33.  34.  44. 

„  Porzellan  20.  22.  29.  40.  41.  48. 
Cholidistcha  276. 
Christian,  Bischof  v.  Naumburg 
299. 

„  Kurfürst  v.  Sachsen  299. 
Clanberg  in  Solingen  52. 
V.  Cleen,  Dietr.,    Landkomtur  v. 

Hessen  121. 
Clessel  8  5  f. 

Cobenthal  s.  Jacobsthal. 
Coccei,  Noa  Joh.  198  f. 
Colditz  297.  300. 
V  Colditz,  Heinr.  297. 
Compiegne  68. 
Contessa,   Andr. ,  a.  Breslau  103. 

225. 
Cosel,  Gräfin  Augusta  Constantia 

75. 
Cofsdorf  s.  Kofsdorf. 
Cottewitz  90. 
Cracus,  poln.  Fürst  137. 
Criegern,  Kür.- Reg.  65.  105  t. 
Cronschwitz,  Kloster  137 ff. 
Crüger.  Reg.  Kavallerie  65. 
Cunnersdorf  100. 
Czernicho    (Czerniachow,     Czer- 

niakow)  b.  Warschau  219.  247  ff. 
Czafsnitz  s.  Zafsnitz. 
V.  Czirnhawse,  Heinr.  326. 

Dänemark  187. 

Dankelmann,  Eberhard  v.  187. 
Danzig  214. 

V.  Dehn ,    Frau ,   auf  Helffenberg 
110. 

„  Derschau,  pr.  Oberst  108. 
Dessau  128. 

s.  a.  Leopold. 
Deutscher  Orden  ii7ft'. 
Deutschherren  138  ff. 

:,  Steine  138 ff. 
Dewpskaras  s.  Karras,  Apetz. 
V.  Diefskau   (Diskau)   Frau  Geh. 
Rat  109. 

„  Frau,  geb.  v.  Schöning  110. 

„  Fräulein  iio. 

„  Joh.  190  f. 
Dietrich,  Veit  128. 


Dietze,  Christoph  Mor.,  Vizeober- 
landfeldmesser 54.  89f.  113. 
Dippoldiswalde  263. 
Dittersdorf  255 ff".  259.  264. 
Divry,  Graf  204. 
V.  Dobeneck ,  Job ,  Bischof  v.  Po- 

mesanien  121  f. 
Döbeln  258  f. 
Döbra  b.  Liebstadt  267. 
Dönnhoft",  Graf,  Generalmajor  108. 
Dohms  (Damas)  b.  Lauban  324. 
Dohna(Donyn,Donynn)  255.  321  ff'. 
„  Schöppensprüche  321  ff. 
„  Burggrafen:  Jan  323.  329. 
„    „  Jeschke  323.  328. 
„    ,,  Otto  Heyde  IlL  323.  329. 
„     „  Otto  Mul  323.  327. 
Dossau,  Frau  Major  iio. 
Draschke,  Draschkengut  b.  Roch- 

litz  275.  301. 
Dresden   i9flf.   26  ff.   34.  40 f.  47  t. 
52.  54  f.  63.  65.  67  f.  81    87.  97. 
99f.    102.    104.    112.    116.    i97ff. 

200 f.  203  ff.  214.  216.   22of.  231  ff. 

245 ff.  249.  252 ff.  256 ff.  263.  267. 
274.  280.  305. 
„  Kgl.  öff.  Bibliothek  184. 
,,  Landständ.  Bibliothek  375. 
„  Hauptstaatsarchiv  375. 
„  Holländisches  (Japan.)  Palais 

34-  55-  202 ff; 
„  Porzellansammlung  27.  34^48. 
„  Museum  des  Kgl.  Sachs.  Alter- 
tumsvereins 181. 
„  Verein  f.  Gesch.  370. 
V.  Drefsky  (Dresky),  Inf.-Reg.  73. 

106. 
Drosekowe  b.  Rochlitz  275.  301. 
Düna  60. 

Dünnstein,  Sauerbrunnen  21 3  f. 
V.  Dürrfeld,  Oberst  221. 
V.  Dürrfeldt,  Oberstleutnant  240. 
Dumont,  Leipziger  Bankier  203. 
Du  Moulin,  pr.  Oberst  108. 
Dunin,  Frau  Starost  109. 
„  Fräulein  104. 
Dusemer,  Heinr.  141. 


Eberhardt,  Bartholomäus,  in  Gör- 
litz 325. 

Eck,  Joh.  126 f. 

Eger,  Sauerbrunnen  21 3  f. 

Ehrenfriedersdorf,  500 j.  Stadt- 
jubiläum 374. 


Neues  Archiv  f.  S.  G.  u.  A.     XXVIII.    j.  4. 


25 


38o 


Register. 


V.  Einsiedel,  pr.  Oberst  io8. 

,,  pr.  Major  io8. 
Eisenach  284. 
Eisleben  56. 
Elbe  53.   55-   63.  75f.    88.  94.  loi. 

HO.     195.     205.      215.      220.     222f. 

243  f- 
Elster,  Dorf,  Amt  Wittenberg  68. 
Elsterberg  126. 
Elsterwerda  97. 
Elstra  67.  81, 
V.  Eltz,  Georg,  Komtur  v.  Osterode 

120. 
Emser,  Hieronymus  3  20 f. 
England  187. 

Eperjes  (Epperies)  m  Ungarn  1 36  f 
Erfurt  128t.  131.  134.  196.  216. 
,,  Akatlemie     gemeinnütziger 

Wissenschaften  375. 
Erlau  280. 
Ermisch,  Oberregierungsrat,  Dr. 

184.  375. 
Ernst,  Hzg  v. Sachsen,  Erzbischof 

V.Magdeburg  117. 
„  Kurfürst  v.  Sachsen  289.  305. 
V.  Erpach,  Frau  Gräfin  109. 
Erzgebirge  21,  47,  100,  205. 
Essex  187. 

Faber,  Heinr,  133. 

Fabricius,  Georg  133. 

V.  Feilitzsch,  Phil.  121. 

Ferrari,  Aquil.  217. 

Fichtenberg   b.    Mühlberg   a.  E. 
90.  94. 

Fischer,  Jul.  William,  Konrektor 
Prof.  Dr.  in  Plauen  184, 

Fischheim  b.  Rochlitz  270. 

V.  Fleming,  HansFriedr. ,  Infan- 
terie-Oberstleutnant 237. 

V.  Flemming,  J.  H.,  Graf,  General 
63,  239f. 

Florus  123. 

de  Folard,   Chevalier  J.  Gh.   63  f. 
66.  74.  242  ff. 

Fontenelle  22 f.  27.  33.  46. 

Forchheim  i.  Bayern  127. 

Forster,  Joh.  128. 

Forstmann,  Engelhard  9  ff. 

Frankfurt  a.  M.  129.  216. 
„  a,  O.  192. 

Frankreich  25.  33.  68.  187. 
s.  a.  Ludwig  XIV. 

Frauenhain  102. 

Fraustadt  60. 


V.  Frege-Weltzien,  Arnold,  Kam- 

merh.  Dr.  375. 
Freiberg  14.   65.    122  f.    191.    265. 
305. 
„  Altertumsverein  179. 
„  König- Albert-Museum  179. 
Friderici,  Fabr.  in  Suhl  52. 
Friedland  328. 

Friedrich  IL  (d.  Ernste),  Mkgr.  v. 
Meifsen  284. 
„  Ill.(d.Strenge),  Mkgr .v.  Meifsen 

277.  283  f.  289. 
„  IL  (d.  Grofse),  König  v.  Preufsen 
(Fritz)  58 f.    68.   82.    108.   242f. 

245  f-  ^ 

„  Wilhelm  I ,  König  v.  Preulsen 

58 f.  62.  64.  72  ff.  8off.  97  f.  108  f. 

202.    222f.    241.    249.    251  f. 

„  V.  Sachsen,  Hochmeister  d. 
deutschen  Ordens  117  ff. 

„  Pfalz^raf  v.  Sachsen  295! 

„  IL  (d.  Sanfim.),  Kurfürst  v. 
Sachsen  300. 

„  III.  (d.  Weise),  Kurfürst  v. 
Sachsen  117. 

„  August  I.  (d.  Starke),  Kurfürst 
V.  Sachsen  (August  IL,  König 
V.Polen)  17  21.  27!".  41  f.  51- 
57 ff  82.  84ff.  96f.  100 ff.  107 1 
113.  222.  227.  237.  242.  244f. 
247  ff. 

„  August  IL,  Kurfürst  v.  Sachsen 
(August  IIL ,    König   v.  Polen) 

S8f.  79-  8sf. 
„  August  IIL  (I.)  Kurfürst  (König) 

V.  Sachsen  261,  334. 
„  Christian,  Kurfürst  v.  Sachsen 

86. 
„  Wilhelm,Hzg.v.Sachsen-Zeitz 

135- 
„  Prinz,  Kür.-Reg.  65.  68.  105  f. 
V.  Friesen,.  Heinr.  Friedr.,    Graf, 
Oberkammerherr  75.  203. 
„  Fürstenberg,  Fürst  23. 
Fürstenhoff,Oberstleutnant  54. 92  f. 

ml. 
Fuhrmann,  Wolfg.,  Leibarzt  132. 
V.  Füllen,  Frau  Kammerh.  iio. 

Gatow  b.  Spandau  245  f 
V.  Gebhardt,  Prof.  Dr.  184 
Gebirgs verein  f.  d.  Sachs.  Schweiz, 

Abt.  f.  Gesch.  (Hist.  Sektion) 

180. 
Geiler  v.  Kaisersberg  306. 


Register 


381 


Geisingen  255. 

Geifsler,  Chrn,  Benjamin  253  ff. 
Geithain  142.  274.  280.  298. 
Geographus  Laurent  inus   s.  Sap- 

puhn,  Gg.  Heinr 
Georg,  Fürst  v.  Anhalt  127  ff. 

„  Hzg.    V.  Sachsen    usf.    117 f. 
122.  286.  293.  299f.  308. 
Geringsroda  9. 
Geringswalde  280. 

„  Heimatfest  374. 
V.  Gersdorf,  Leuther  323  f. 

„  Katharina,  s.  Witwe  323. 

„  Hans  (Jon),  auf  Kuhna  323 f. 

„  Tamme  3251. 

„  Nickel- Voitländer  326. 

„  Gerfsdoift",     Frau    Kammerh., 
Gräfin  iio. 

„  Frau  HO. 
Gesamtverein  d.  Deutsch.  Gesch.- 
u.  Altertumsvereine  183.  373. 
Gesellschaft,  Oberlaus.,  d.  Wiss. 

z.  Görlitz  178. 
V.  Gieleissen,  Frau  Gräfin  109. 
Glaser,  Conrad,  v.  Lichtenfels  123. 
Glashütte  255. 

„  Stadtjubiläum  182. 
Glaubitz    b.  Riesa    5 3  f.   76.   90 ff. 

95.  99ff.  235. 
Gleich,  Hofprediger  Dr.  97. 
Gleichmann,  Vize-Hofsekretarius 

203. 
Gnandstein  5  f. 
Görlitz  178.  258.  321  f.  324ff. 
Goethe,  Joh.  Wolfg.  v.  8.  88. 
Gohlis  90.  93 

Gohrisch  b.  Riesa  89 f.  93. 
Gohrischwald  (Gehölz)  54.  74.  77. 

92.  100.  226. 
Goldacker,   Drag.- Reg.    65.    105. 

107. 
Goldmann,  J.,   Hoftapezierer  95. 
GoUach  125. 
Gommern  7. 

Gosmar,  Balthasar,  Hauslehrer  1 26. 
Gotha  131.  133. 

s.  a.  Sachsen-Gotha. 
Graditz,  Gestüt  223. 
Graz  136. 
Grimma  284. 
V.  Grifslau,  Heinr.  327. 

„  Niklas  327!. 

„  Peter,  auf  Rudelsdorf  327. 
Gröbern  65.  76. 
Gröblitz  299. 


Grödel  89!  94.  loi.  215. 
Grofsenhain  52 f.  56.  65.  69f.  89  f. 

102.  108.  III ff. 
de  Grossis,  Achilles,  päpstl.  Legat 

119. 
Grolssedlitz  324. 
GrofsZschocher  64. 
Gruna  ö.  Görlitz  326. 
V.    Grumbkow,     Generalleutnant 

108.  210    252, 
Guben  65. 
Günther,  Joh.,  böhm.  Edelmann 

299. 

Haacke,  pr.  Kapitän  81. 
V.  Haake,  pr.  Kapitän  108. 
Haase,  Mart.,  Pächter  91. 
Habsburg  62,  136. 

s.  a.  Rudolf. 
Hackeborn,  Kür.-Reg.  65.  105  f. 
Hackentall,  Donat  294. 
Haedrich,  Oberstleutnant  88. 
Häfsler,  Joh.  G.  298. 
Hahnemann,  W.  214. 
Hainichen  265. 
Halberstadt  216. 
Halle  6    216,  322. 
Hamburg  94.  216. 
V.  Harrenberg,  Frau  11  o. 

„  Domherr  a.  Magdeburg  iio. 
Harlha  280. 

Hartitzsch,  Inf -Reg.  257. 
Hasse,  Komponist  221. 

,,  Faustina,  s. Gem., Sängerin 221. 
V.  Haugwitz,   Frau  Hofmarschall 

109. 
Hausmann,  Nikolaus  9. 
Hayn  205. 

Hegcndorfer,  Christoph  125. 
Heilberg  in  Preulsen  136  f. 
Heinrich  L,  Kais-.r  273.  277. 

„  IL,  Kaiser  276. 

„  III.,  Kaiser  276. 
Heinsius,     Brandenburg.      Dom- 
pfarrer 194.  199. 
Heinze,  Postmeister  99. 
Heise,  Joh.  Gottlob,  Ph3-s.  263. 
V.  Heller,  pr.  Kapitän  108. 
Helft'enberg  11  o. 
Heller,  Klaus  328. 
Helt,  Georg,  v.  Forchheim  127. 
Hempe,  Joh.  Zach.  239. 
Henneberg  6.  128 
Hennicken,  J.  Chr.,  Kammerrat  89. 
Henil,  Lukas  115. 


25' 


382 


Register. 


Henrici,  Chr.  Friedr.,  gen.  Pican- 
der  87.  220. 

Hessen  129. 

V.  Hetzschitz,  Wilh.  335. 

V.  Heyden,  Frau  Hauptmann  iio. 

V.  d.  He3'den,  zwei  Fräul.  iio. 

Heyne,  Joh.  Gg.  205. 
„  J.  G.,  Hoffleischer  221. 

Hildebrand,  Oberst  64    240. 

V.  Hoberg,  Heinr.  326!". 
„  Pet.  3 26 f. 

Höllgründe,  die,  b.  Annaburg  223. 

Hoese,  Hoftischler  95.  200.  225. 

Hofmann,  Johann  IV.,  Bischof  v. 
Meilsen  332. 

Hofmann,  Lukas,  Meifsner  Kleri- 
kus  115. 

Hotfmann,  Joh.  Paul,  Bilderhänd- 
ler 86. 
„  Wolf,  Arzt  9. 

Hohmann,  Baumeister  86. 

Hohnstein  220. 

Holland  225. 

Hollstein,  Prinz  v.  210. 

Holstein,  Hzg.  v.,  Generalmajor 
108. 

Holzenberg  20. 

Holzkirchen  b.  Lauban  258. 

Homberg,  Chemiker  22.  33.  42 

Homburg,  Joh.  125. 

Homilius,  Buchbinder  221. 

Hommelfshan,  Joh.  307. 

Honorius  Cubitensis,  Joh.  122 ff. 

V.  Hopfgarten,  Kanzler  257. 

V.  Horst,  Fräulein  I09 

Hoym,  Graf,  Minister  82.  iii. 

Hübotter  und  Schaaf,    Fabr.   in 
Grofsenhain  52. 

Indianisches  Porzellan  203  f. 
Italien  33. 

Jacobsthal  (Jakobsthal)  90.  136. 
Japan  26. 

„  Porzellan  202  ff. 
V.  Jenzenstein,  Joh.  II.,  Bischof  v. 

Meifsen  332. 
Joachim,  Fürst  v.  Anhalt  127.  132. 
Joachimsthal  126. 
Johann.  Bischof v. Naumburg  usf. 
Johann  Friedrich  d.Grofsm.,Kurf. 
V.  Sachsen  128.  130. 

„  Georg I.,  Kurf. V.Sachsen  187 ff. 

i97ff- 
„  Georg  IL,  Kurf.  v.  Sachsen  334. 


Johann  Georg  III.,  Kurf.v.  Sachsen 
61.  68.  238. 
„  Georg  IV.,    Kurf.  v.  Sachsen 
100.  238. 
Junkwirt,  Fabian,   Kirchner  296. 
Justinus  122  f. 

Kaiserling  (Keiserüng),  pr.  Leut- 
nant 81.  108. 

Kandier,  Joh.  Joach.  203. 

Kalbitz  57. 

Kaiisch  60. 

V.  Kaikreuth  324. 

Kanitzki,    Hotbrauereiverwalter 
215. 

Kannenstein,  Baron  29. 

Kapfenburg  nw.  v.  Ulm  125 

Karl  XII.  V.  Schweden  60  f. 

Karras,  Apetz  323.  325. 

Kasimir,    Mkgr.   v.  Brandenburg 
120  f. 

Katte,  Leutnant  82. 
„  Dragoner  65.  105.  107. 

Katzenstein   b.  Sörnzig  275.   286. 

Kees,  J.  J,,  Oberpostmeister  100. 

Keiserling  s.  Kaiserling. 

Kiefslingswaldau  (e)  20    46. 

Kindelbrück  65. 

Kinderbrück,  Rochl.  Förster  278. 

Kirchberg,  Altertumsverein  371. 

Kirsch,  Christoph  15. 
,,  s.  Frau,  v.  Bora  15. 

Kittel,  Joh.  Jak.  (Micrander)  87. 

V.  Kittlitz,  Heinr.,  auf  Eisenberg 

324. 
„  Joh.  III.,    B:schof   V.  Meifsen 

331  f. 
V.  Kitzscher,  Joh.  117  ff". 
Klein -Trebnitz  (=  Klein-Dröbig) 

b.  Grofsenhain  90. 
V.  Kleist,  pr.  Oberst  108. 
Klingenberg,    Dragoner    65.    68. 

105  ff. 
Klissow  60. 

V.  König,   Ulr.   58.    89.  io7f.  226. 
Köuiglin,  Frau  Gräfin  109. 
Königsberg  121  f. 
Königsfeld  b.  Rochlitz  269.  277. 
Königshain  b.  Rochlitz  277. 
Königsmarck,    schwed.    General 

191. 
Königstein  loo.  214.  222.  226. 
Kötterner  Borscheiberg  273. 
Kolditz,    Thimo    v.,    Bischof   v. 

Meifsen  333. 


Register. 


383 


Kommission,  Kgl.  Sachs.,  f.  Ge- 
schichte ijöff.  375. 

Konitz  123. 

Konrad,  Mkgr.  v.  Meifsen  280. 
„  V.  Thüringen,  Hochmeister  140. 

Konstanzer  Konzil  330. 

Kofsdorf  58.  81.  108. 

Kofselitz     (Koselitz,     Koselich, 
Kisseling,  Kesseling)  293,  301. 

Krakau  123.  i36f. 

Kralapp,  Dorf  295  f. 

Krause,  Tapetenmaler  95. 

Krell,  Kanzler  187. 

Kreinitz  (Kreynitz)  90.  99.  136. 

Kreylser,  Zimmermann  92. 

Krieger,  Gottfr.  55. 

Kriemhild  3. 

V.  Kröcher,  pr.  Oberst  108.  210. 

Krosna  297. 
„  Gerhardt  dictus  de  296. 

Krügner,  Kupferstecher  79 

Kühne,  M.,  in  Radewitz  95. 

Kühne,  M.  14. 
„  Ursula,  s.  Witwe  14. 

Kundmann,Joh. Christ.,  Polyhistor 
20.  44  f. 

Kunegszewig,  Wald  b.  Rochlitz 
277. 

Kunigunde,   Kaiserin,    Gemahlin 
Heinrichs  IL  276.  280. 

Landau  123. 

Landsberg,  Mart ,  Leipziger  Buch- 
drucker 122  ff. 
V.  Landskrone,  Pritsche  324. 

„  Hans  324. 

„  Ingram  324. 

„  Kalkreuter  324. 

„  Nickel  324. 

„  Peter  324. 

„  Witche  324. 

„  Zschaslau  324. 
Lang,  Joh.  131.  134. 
Lange,  Accisrat  105 
Langenrinne  b.  Freiberg  65. 
Langensalza  241. 
la  Rue,  Koch  204. 
Laticephalus  s.  Bredekopf. 
Lauban  75.  258. 
Lauenstein  253 ff.  263.  267. 
Lausitz  195.  268. 
Layderet,  Pastetenbäcker  204. 
Lechen,  Lechiten  136!. 
Leckwitz  loi. 
Leibnitz,  Gottfr.  Wilh.  26. 


V.  Leibnitz (Leubnitz),  C.  H.,  Ober- 
jägermeister 205 

Leipzig  54.  57.  64.  82.  86 f.  100. 
112.  117.  i22ft.  i3if.  188.  190 ff'. 
201.  205.  216.  225.  240.  263.  322. 

335- 
„  Kleiderordnung  305  ff. 
,,  Stadtgeschichtliches    Museum 

181. 
„  Universitätsbibliothek  184. 
„  Verein  für  Geschichte  371. 
V.Leipziger,  Fräulein  iio. 

„  Oberstleutnant  240. 
Leisnig  6.  216.  276.  284 
„  Geschichts-  u.  Altertumsverein 

179. 
Leopold,  Fürst  V.  Dessau  214.  242. 
„  Wilhelm,  Erzhzg.  V.Österreich 

195.  197. 
Le  Plat,  Baron  203. 
Lessa  a.  d.  Elbe  76  f.  91. 
Lichtenburg  59.  219.  223. 
Lichtenhan,  Matt.  307. 
Lichtensee  53.  90 ff. 
Liebeln  326. 

Liebenwerdaer  Heide  100. 
Liebstadt  253.  255ff.  259.  262ff. 
Liegnitz  322. 

Linger,  Generalmajor  108.  210. 
Linz  216. 

Lippin,   Kgl.  Leibwäscherin   210. 
Lippold,  Kaufmann  225. 
List,  Heinrich,  Vogt  zu  Pirna  u. 

Dohna  323.  325. 
V.  Lochau,  Mart.,  Abt  in  Altzelle 

usf. 
„  Fräulein  iio. 
V.  Loevvendal,      Frau     Oberhof- 
marschall Baronin  109. 
„  Frau  Oberst  Baronin  iio. 
„  Inf.-Reg.  SS-  65.  73-  105. 
London  201.  225. 
Longuelune,  Landbaumeister  100. 
Lorenzkirch  b.  Strehla  136 f. 
V.  Lofs,    Frau    Geh.   Rat    Ober- 

stallm.  109. 
Lothius,  Geistl.  261. 
Lotter,  Melchior  335. 
Lubomirska,    Frau  Miesnickowa 

Fürstin  109. 
Lucka,  Schlacht  b.  182.  374. 
V.  Ludewig  (Ludwig),  Oberst  64. 

241. 
Ludwig  XIV.  V.  Frankreich  59.  68. 
Lübben  64 f. 


384 


Register. 


Lüttich  52. 

Lützelburg,  Grat  201.  225. 
Luik  52. 

Luther,  Martin  125.  134.  340, 
V.  Lynar,   Chrn.  Levyn   Graf  81. 
108.  250. 

Magdeburg  3.94. 110. 117.  216.  322. 
Mainz  4. 
Mannheim  216. 

V.  Mannteuffel,   Frau  Geh.  Kab.- 
Min.,  Grälin  109. 
„  zwei  Fräulein,  Gräfinnen  iio. 
Marburg  139  f. 
V.  Marche,  Oberst  221. 

.,  Inf -Reg.   65.   73.  75.   105.  240. 
Marienburg  140. 
Maria  Josepha,  Kurprinzessin  v. 

Sachsen  58 f.  109. 
Mark-Siedhtz  97. 
Markthennersdorf  258. 
Martinus  Herbipolensis  s.  Lands- 
berg, Mart. 
Massa,  Nicolaus  127. 

.,  PoUienus  127. 
Mathesius,  Balthasar,  Diak.  141. 
„  Melchior,  Rochlitzer  Chronist 
141.  283.  291.  293. 
Matthäus,  Abt  v.  Buch  usf. 
^lathilde,  Gemahlin  Heinrichs  1. 

277. 
V.  Maxen,  Frau  Kammerh.  109. 
.,  zwei  Fräulein  iio. 
Mav,  Joh.,  a.  Römhilt  124. 
Mecklenburg  94. 

Meifsen  6.  170'.  56.  63.  usf.  133^- 
188.  193.  20s   216.  220.  253.  271. 
299.  321. 
„  Fürstenschule  St.  Afra,  afra- 

nische  Feste  137. 
„  Bischöfe  s.  Benno,  Hofmann, 
lenzenstein,  Kittlitz,  Kolditz, 
Niclaus,  Petrus,  Planitz,  Sal- 
hausen,  Schleinitz,  Schönberg, 
Weifsenbach,  Ysenberg. 
„  Mkgf.  s.  Balthasar,  Friedrich, 

Konrad,  Wilhelm. 
,,  Porzellan  17  ff.  202. 
„  Verein  für  Geschichte  179.  371- 
Melanchthon,  Phil.  127 f.  i3off. 
V.  M-ilzing,  Frau   iio. 

„  Fräulem  iio. 
Merschwitz  s.  v.  Leckwitz  loi. 
Merseburg  128.  130.  132.  271. 
s.  a.  Thietmar. 


Messerkramer,  Markus  14. 

s.  Witwe  14. 
Metzner,  Jac.  298. 
V.  Metzrath    (Metzinrode),    Chri- 
stoph 326. 

„  Colmann  326.  329. 
V.  Metzsch,  Jos.  Levin  126, 
Meurer,  Georg  14. 
Micrander  s.  Kittel. 
Mierisch  Dragoner  92. 
V.  Milckau,  Oberstleutn.  64.   240. 
V.  Milkau,  Hiob  299. 
Mittweida  280.  289. 
Mniszeck ,    Frau    Kronmarschall, 
Gräfin  109. 

„  Frau  Gräfin  109. 
Mock,  J.  Chr.  249. 
Molitoris.  Johannes  134- 
Monti,     Marquis,     französ.    Ge- 
sandte s8. 
Moritz,  Kurf.  v.  Sachsen  i3off. 

„  Marschall  v.  Sachsen  243  f. 

„  Hzg.  V.  Sachsen-Zeitz  135. 

„  Wilhelm,  Hzg.v.  Sachsen-Zeitz 

135- 
Moritz  b.  Riesa  S4f-   7^.  91  f-  94- 

loif..  iiof.  215.  219.  235. 
Moritzburg  104.  200.  205. 
Müglitz  259. 
Müiilberg  (Mulberg)  S3f.   63.  69. 

82 fl.  94    99.  III f.  130.  205.220. 

240.  243  f. 
Mühltroff  b.  Plauen  126. 
Mützenburg  301. 
Mulde  269.  271.  28s.  295.  3ooff. 
Musa,  Ant.  128    131. 
Muskau  214. 
Mylau  126. 
Mylius,  Kupferstecher  79. 

Naumburg  133.  142-  299. 
s.  a.  Christian,  Johann. 

de  Nehem,  Fräulein  109. 

Nehmitz,  Michael  3 9  f. 

V.  Neitschütz,  Frau  General-Post- 
meister 109. 

Neutaubenheim,  Rittergut  273, 

Niclaus,  Bischof  v.  Meifsen  299. 

Nicol  de  Strazburg,  Steinmetz  279. 

Nicolai,  Friedr.  245  f. 

V  Niemegken,  Fräulein  iio. 

Ningritz  s.  Nünchritz. 

Nordhausen  131. 

Nordischer  Krieg  60 f.  82. 

Nossen  205.  265 f.  278. 


Register. 


385 


Nofswitz  b.  Rochlitz  275.  280.  286. 

297.  301. 
Nünchritz  55.  94. 
Nürnberg  128 ff.  141.  299. 

Oelsnitz  4.  7. 
„  Hans  von  der,  Vogt  zu  Dohna 

..    323-  .325- 
Osterreich  268. 

s.  a.  Leopold  Wilhelm. 
Oettingen  216. 

Oginska,  Frau  Woiwod,  Gräfin 
109. 

„  Fräulein,  Gräfin  109. 
Oibernhau  52. 

Oliverius  Arzignanensis  122. 
Orzelska,   Gräfin   loi.    109.  205 f. 

209.  211.  2i3f.  226. 
Oschatz  6.  305. 
Oslander,  Andr.  126. 
Ostindisches  Porzellan  44. 
Ottendorf  277. 
Ottenhain  b.  Rochlitz  277. 
Ottmann,  Oberpostm.  99. 
Otto  I.,  Kaiser  3 

,,  IL,  Kaiser  271. 

,,  III.,  Kaiser  271,  277. 

Pallavicini,  Stefano  220  f. 

Pallavicino,  Carlo  220. 

V.  Panne vvitz,  pr.  Oberst  108. 

„  Hans,    zu  Lossa   nö.  Königs- 
wartha  326. 

,,  „  auf  Königswartha  326. 
Pantzschmann,  Augustin  307. 
Papete,   Pontonnierleutnant   iii. 
Paris  22.  33.  42.  44.  68.  204.  243. 
Pauch,  G.  M.  248. 
Pegau  135. 
Penig  274. 

V.  Penzig.  Hans,  auf  Muskau  326. 
Peraudi, Raim., päpstl. Legat  usf. 
Petrikau  120  ff. 

Petrus,  Bischof  V.  Meifsen  333  f. 
Peucer,  kurf.  sächs.  Leibarzt  187. 
Pfaffenecke  b.  Zeithain  93. 
Pfeffinger,  Joh.  128  f. 
V.  Pflugk    (Pflug),    Damm    Sieg- 
mund, auf  Strehla  90. 

„  joh.  Siegmund,  auf  Strehla  136. 

„  Generalleutnant  251. 

„  Madame  97. 

„  (Pflügen),     Frau     Trabanten- 
hauptm.  109. 


V.   Pflugk   (Pflügen),    2  Fräulein 
Töchter  iio. 

„  „  Frau  General-Leut.  109. 

„  „  Frau  General-Major  110. 

„  „  Frau  Major  iio. 
Pforta  129. 

Pfundt,  Cretien  Guillaume  248. 
Phem  s.  Behem. 
Philippus  s    Melanchthon. 
Philippus  Tarvisinus  123. 
Picander  s.  Henrici. 
Pillaitz    67  f.    75  f.    104.   254.   256. 

259. 
Pinckert,  Christoph  198  f. 
Piper,  Kaufmann  225 
Pirna  63.  102    220.  256ff. 

„  Verein  für  Geschichte  179. 
Planitz  b.  Zwickau  65. 

„  von  der,  Rudolf,  Bischof  von 
Meifsen  334. 
Plauen  i.  V.  126. 

„  Altertumsverein  179.  371. 
Plotzk,  Jungfrauenkloster  7. 
Pocreyn,   Frau  Feldherr,  Gräfin 

109. 
Poczyn.  Madame  210. 
Podewils,  Graf  246. 
Pöppelmann,  Matthias  Dan.,  Ober- 
landbaumeister 54.  93.  95 f.  98. 
loof.  in.  219.  247. 

„  Oberstleutnant  63.  69  f.  78  f. 
Poetzsch,  G.,  Musketier  57. 
V.  Pohlenz,  pr.  Kapitän  108. 
Polen  2of.  60.69.  860".  93.  118.  243. 

Weifser  Adler-Orden  107  f. 
V.  Polenz,  Georg,  Liz.  d.  Rechte 
121 . 

„  Oberst  221. 
Polybius  64.  242. 
Pomesanien  s.  Dobeneck. 
Pommern  121. 

V.  Ponigkau,  Frau  Oberst  iio. 
Poppitz    301.  303. 
Posen  1191  121. 
Prag  216.  327. 
Pretzsch  63.  200.  205.  214. 
Preufsen    62.    88.    93.    120.    i36f. 

187.    24lf. 

s.  a.  August,  Charlotte,  Fried- 
rich, Friedrich  Wilhelm. 

Primsdorf  (Prymsdorf)  324. 

Prohainques,  Frau  Trabanten- 
hauptmann 109. 

Promnitz  76    91.  iio.  220.  235. 

Pursten  b.  Rochlitz  270. 


386 


Register. 


Pultusk  60. 
Panitz  60. 

V.  Rabenau,  Friedr.  326.  329. 

Radeberg  243. 

V.  Radeberg,  Ecke,   auf  Holten- 

dorf  u.  Thiemendorf  326. 
„  Jone  326. 
Radeburg  216. 
Raden  so.  Frauenhain  102. 
Radewitz    (Rädzgen,    Roetzgen) 

53f.  S7-  59-  72-  75-  83    88.  gof. 

94f.    100 1.    107.   112 f.  200.  202. 

205.  213.  215!.  221.  236f.  25oft. 
Radibor     (Radewar),     Lehngut, 

nnw.  Bautzen  326. 
Rädzgen  s.  Radewitz. 
Rathen  s.  Raden. 
V.  Rechenberg  324. 
Reichenbach  324. 
Reichwalde  326. 
Reinard,  General-Quartiermeister 

210. 
Reinsdorf  b.  Zwickau  8. 
Keusch,  Joh.  133  f. 
Reyer,  VVolfg.  9 
Rhau  (Rhavi)  133. 
Richard,  Wolf^.,  Arzt  125. 
Richter,Gottfr.,  Zeltschneider  103. 
Riedel,  L.,  Dialektdichter  375. 
Riesa  (Risa)  53    76.   92.  94    iiof. 

219.  265. 
Ristori,  Giov.  Alb.  221. 
Roblein  (Robelin),   Beikoch   204. 
Robring,  Chrn.  87. 
Rochlitz  (Rochelinze  etc.,  Roch- 

ider  etc.  276!)  119.  i38f.  143. 

269  ff. 
„  Burg,  Schlofs  271  ff. 
,,  Kunigundenkirche  276  f. 
„  Verein  f.  Rochlitzer  Geschichte 

179. 
V.  Rochow,  pr.  Oberst  108. 
Rodach  (Herzogt.  Koburg)  133. 
Röderau  76.  91. 
Rödern  b.  Radeburg  216. 
Roetzgen  s.  Radewitz. 
V.    Rohr,     Frau     Fräulein  -  Hof- 
meisterin 109. 
V.  Rohrscheidt,  Oberstleutn.  196. 
Rom  118.  120  f. 
Rosenlecher,  Leonh.  14. 
Rossau  b.  Hainichen  265. 
Rofswein  259. 
Roth,  Stephan  i.Zwickau  9.126.321. 


Ronen  33. 

Rudolf  V.  Habsburg  4. 
Rudolstadt,  Inf.-Reg.  75. 
Rüdinger,  Esrom  129. 
Rüger,Geh.Kammerschreiber  210. 
Rutowski,  Graf  73.  79. 

Sachsen   7.   16.   18     21  f.    25!   28. 

32.   61.   63ff,   68.   82.    86ff.    98. 

117.    135!    138.  187.  242.  254! 

„  Regimenter   55.   65.   73.   105 fl. 

,,  Verein  für  sächs.  Volkskunde 

■     180.  372. 

„  s.  a.  Albrecht,  August,  Chri- 
stian, Ernst,  Friedrich,  Fried- 
rich August,  Friedrich  Chri- 
stian, Georg,  Johann  Friedrich, 
Johann  Georg,  Maria  Josepha, 
Moritz,  Sigismund,  Xaver. 
Sachsea-Gotha,  Prinz  v.,  Inf.-Reg. 

65.  73.  106. 
Sachsen- Weifsenfeis, Herzogv.  56. 
„  ,,  s  a.  Adolph. 
„  „  „  „  Inf.-Reg.  55.  65.  73.   106. 
Sachsen -Zeitz  s.  Friedrich  Wil- 
helm, Moritz,  Moritz  Wilhelm. 
Sachsendorf  b.  Rochlitz  270. 
Sageritz  91. 
V.  Salhausen,  Joh.,    Bischof  von 

Meifsen  335. 
St.  Cloud  33.  44 f. 
St.  Georgii,  Kardinal  118. 
Sapieha,  General  210. 
Sappuhn,  Georg  Heinr.  i35flf. 
„  „  „  Sohn    des    vorigen  (Geo- 
graphus  Laurentinus)  137. 
V.  Sars,  Oberst  242. 
Scerhusen,  Heinr.  327. 
Schack,  pr.  Stallmeister  108. 
V.  Schatz,  in  Strafsburg  330. 
Schieritz  b.  Meifsen  187.  198. 
V.  Schleinitz  188. 
„  Andr.  193. 

„  Christoph,  Kammerjunker  199. 
„  Flegel  192. 
„  Heinrich,  Oberst  199. 

„  Joachim,  General  i87ff.  192. 

„  Johann,  Bischof  V. Meifsen  333 f. 

„  Kleinwitz  192. 
Schleiz  17. 

Schlenker,  P.,  Musketier  57, 
Schlesien  2.  268. 
Schleusingen  128  f. 
Schlieben,  Amt  6. 


Register. 


387 


Schmalkaldischer  Krieg  302. 

V.  Schmerzing,  Fräul.  iio. 

Schmidt,  Kaufm.  in  Dresden  auf 
d.  Neumarkt  256. 
„  Gottfr.,  a.  LauBan  75. 
„  Sebastian,  Colditz.  Forst- 
meister 300. 

Schmölln  126. 

Schnorr  v.  Carolsfeld,  Geh.  Hofr., 
Prof.  Dr.  184. 

Schob,  Maurermeister  93. 

Schönau  b.  Königstein  100. 

V.  Schönberg,  A.  F.  89 
„  Dietr.III.,Bischof v.Meil:5en332. 
„  Kasp.,  „        „       „       333. 

Schönbergisches  Gericht  265. 

Schönborn  325. 

Schönbrunn  so.  Görlitz  325. 

Schönburg  265. 

V.  Schönfeld,  Frau  Kammerh. 
Gräfin  109. 

V.  Schöning,   H.  A.,   Gen. -Feld- 
marschall 63.  239. 

Scholetz  b.  Warschau  249. 

Scholtze,   Chrn.  Gottfr.  Achmed, 
Rekt.  a.  D.,  Prof.  Dr.  184. 

Schreck,  Conr.  298  f. 

Schreiber,  Kupferstecher  in  Leip- 
zig 98.  III f. 

V.  Schreibersdorf,  Heinr.  (Heinze) 
326. 

Schröter,  Laurentius  133  f. 

V.   d.  Schulenburg,    Joh.   Matth., 
Reichsgr., General  63.  68  f  239. 

v.Schulenburg,FrauGeneralmajor 
109. 

Schulmann,  Oberst  198. 

V.  Schumacher,  pr.  Kriegsrat  108, 

Schumacher,  Geh.  Kriegsrat  210. 

Schumann,  Amtm.  89. 
„  Val.  126. 

Schuster,  Oberpostverw.  99. 

Schwäbisch-Hall  125. 

Schwarzl;ach  b.  Rochlitz  270. 

Schweden  273. 
s.  a.  Karl. 

Schweditz  90. 

Schweinfurt  5 

V.  Sebin,  Hans  326 f. 

Seelitz  (Sils,  Zelitcz,  Zeelicz)  b. 
Rochlitz  270.  293.  299    301. 

Seidel,  Kasp.  298. 

V.  Seiffertitz    (Seifertitz,   Seyffer- 
ticz),  Freih.,  Gtneralleutn.  90. 

92.    lOI. 


V.  Seiffertitz,  Frau  Generalleutn. 
109. 

,,  Fräul.,  Tochter  d.  Generals  HO. 

„  zwei  Fräulein  iio. 

„  Oberküchenmeister  206. 

„  Frau        ,,  Baronin  109. 

„      „    Ober-Schenk       ,,         109. 
Selzner    (Seltzer)    Sauerbrunnen 

213  f. 
V.  Sendomir,  Woiwod  211. 
Seythayn  s  Zeithain. 
Shakespeare  8. 
Siegfried  3. 

Sigismund,  Herzog  v.  Sachsen  300. 
Sillig,  Diak.  in  Döbeln  259. 
Sils  s.  Seelitz. 
Simon,  M.,  Musketier  57. 
Sinesisch  s.  China. 
Sörnzig  275.  301  flf. 
Solingen  52. 
Sommerau  324. 

Sophie,   Markgräfin   v.  Branden- 
burg 120  f. 
Spahn,ßuchdruckerinMeifseni37. 
Spalatin  126  f. 
Spandau,  Amt  245! 
Speier  4.  129. 

Sperlingsdorf-Spernsdorf  291.  293. 
Spreher,  Luc.  298. 
Spring,  Matthes  15. 
Städten  280. 
Starcke,  Accisrat  225. 
V.  Starschedel,  Fräul.  iio. 
Steinbrecht,  Geh.  Baurat  140. 
Steinbrück,  Lispektor   19.  21.  22. 

27 f.  37 ff.  43.  47. 
Steinfurth  82. 

Stöbnig  b.  Rochlitz  280.  301. 
Stössel,  Joh.  Conr.  221. 
Stollsdorf  b.  Rochlitz  270. 
Stralsund  61. 

Strafsburg  (Strazburg)  132.  279. 
Strehla  83.  90.  99.  136. 
Streumen  53!  75.  90 ff.  98.  215. 
Stromer,  Heinr.,  V.Auerbach  126  f. 
Struensee  187. 
Stüblinger,  brandenb.  Kanzler,  Dr. 

121. 
Suhl  52. 

v.Sulkowska,  Frau  Kammerh.  109. 
V.  Sumersenburc,  Graf  Dietr.  302. 
V.  Sydow,  Oberst  108. 

Tanner  s.  Thanner,  Jac. 
Tappein  (Tapin),  Beikoch  204. 


388 


Register. 


Tauber  125. 

Tempelholer  Feld  80 

Teulfer,  Mr.  203. 

Tham,  Val.,  Diak.  in  Torgau  134. 

Thanner  (Tanner,  Abiegnus),  Jac. 

123  f.  307 
Tharandt  100. 
Thiele,  Alex.,  Hofmaler  58. 
Thietmar,  Bischof  v.  Merseburg 

271.  276f. 
Thorn  60.  118.  121. 
Thüringen  138. 

s.  a.  Konrad. 
Thuillier,  Dom  Vincent  de  64. 
Tiefenau  88  ft.  96  f. 
Tierbaum,  Dorf  297. 
Tille,  Armin,  Dr.  376. 
Tilly,  schwed.  General  194. 
Tirol  2.  216 

Topfseifersdorf  b.  Rochlitz  270. 
Torgau   63.   65.   68.   82.   112.    134. 

188.  190.  195.  205.  214.  220.  239. 

263.  266f. 
„  Altertumsverein  88. 
V.    Torgau,     Foltsch,     Vogt     zu 

Dohna  u.  Pirna  323.  325. 
Torlo,  Madame  103. 
Torstenson  195  f 

V.  Trandorf,  Chrph.  190  f.  196  198!. 
Trebnitz  90. 
Tridentiner  Konzil  132. 
Trier,  Reichstag  120. 
Tröglitz  65. 
Troemer  (Joh.  Chrn.,  Toucement) 

87.  221. 
Trogus  Pompeius  122. 
V.  Truchsefs  251. 
V.  Tschirnhausen    (Tzschirnhaus, 

Schürnhausen),        Ehrenfried 

Walter  18  ff. 
Tübingen  128. 
Türkei  6i.  103. 

Übigau  246  ff. 

Uhlmann,  J.,  in  Raden  102. 

Ujasdow  b.  Warschau  249. 

Ulm  125. 

Ungarn  118.  136. 

Unger,  Elias,  Sekretär  83. 

Urhinus,  Chrph.,  a.Warschau  123. 

Uttenhofen,  Ü.-B.  4. 

Vakrius  Maximus  122 ff. 
Varus,  Ant.  133 f. 
Venedig  98.  122.  127.  221. 


Versammlung  (10.)  Deutscher  Hi- 
storiker (Verband  Deutscher 
Historiker)  183.  372. 

V.  Viereck,  pr.  Staatsrat  108. 

V.  Vittingshoff,  Fräulein  iio. 

Vitzthum  V.  Ecks  tädt,  Oberst  1 89  f. 

Vogtland  6. 

Vollmer,  Korporal  57. 

V.  Wachholz,  pr.  Kapitän  108. 
Wackerbarth,  Graf,  General  53. 
56  f.  62  ff.  69.  72.  77.  84.  88.  90. 

95.    97.    216.    222f.    229.    231. 

Waldheim  265.  280. 
V.  Waldstein,  Frau  Gräfin,  Ober- 
hofmeisterin 109. 

,,  Fräulein,  Gräfin  109. 
Warschau    63.   68,    102.   200.   216. 

247  ff.  268. 
Wartensleben,  Graf,  pr.  Leutn.  108. 
Wawel,  Berg  b.  Krakau  137. 
Weber,  Barthel  55. 

„  Chrph.  55. 

„  J.  Ch.,  Schiffseigner  102. 

„  Wolf  294. 
Wechselburg  139.  141.  302. 

„  Herrschaft  266. 
V.  Wehlen,  Kammerherrin  91  f.  94. 

„  J.  G.,  Kammerjunker  iii. 
Weiditz,  Dorf  296. 
Weichsel  247  f. 
Weichselslawen  136. 
V.  Weida,  Heinr.  der  Mittlere  140. 
I   Weidemann,  Kommerzienrat  84. 
Weidmann,  Accisrat  7g. 
W^eidschitz  (Weyschitz)  293.  300  f. 
Weimar  126. 

„  Bat.  65.   106. 
Weifsbach  b  Rochlitz  270. 
V.  Weilsenbach,  Joh.  V.,  Bischof 

V.  Meifsen  332 f. 
V.  Weifsenfeis,  Herzog  241. 

„  Prinzessin  109. 
s.a.  Adolph,  Sachsen- Weifsen- 
fels. 
Weifsensee,  Schlofs  117. 
Wenig,  Feuerwerkshauptm.   222. 
Wermsdorf  56. 
V.  Werther,  Dietr.,  sächs.Rat  121  f. 

„  Frau  Kammerh.  Gräfin  109. 

„      „    Geh.  Kab -Min.  Gräfin  109. 
Wettin  188. 
Weyda  216. 
Wibelt,  Maler  201. 
Wickershain  b.  Rochlitz  270.  280. 


Register. 


389 


Wiedemann,  Brodeur  225. 
Wien  103.  2i8.  267. 
Wiesnowiecka,  Fi  au  Fürstin  109. 
V.  Wilcke  239. 

„  Inf.-Ree;.  55.  65. 
Wilhelm,  Markgraf  v.  Meifsen  279. 

283,  299. 
Wilhelmine,  Markgräfin  v.  Bay- 
reuth 243. 
V.  Willfsdorff,  zwei  Fräulein  iio. 
Wingendorf  265. 
Wittenberg  5.  63.  68.  125 ff.  i3of. 
216.  305. 

,,  Inval.-Komp.  56. 
Wittgenau  216. 

Wittgendorf  b.  Rochlitz  270.  275. 
Wittstock  190. 
Wochatz  258. 
Wolf,  Stadtschreiber  in  Rofswein 

259. 
V.  Wolffcrsdorff,  Frau  Major  110. 
Wolfgang  s.  Fuhrmann. 
Worms,  Reichstag,  1509    119. 
Wülknitz  53.  9of. 
Württemberg  132. 
Würzburg  130.  307. 
Würzen  57.  133.  214.  265. 
V.  Wuttginau,  Generalmajor   iii. 

Xaver,  Prinz  v.  Sachsen  97. 

v.Ysenberg,Joh., Bischof  v.Meifsen 

333. 


Zabeltitz  72.  90. 

„  Kiesel  (,sächs.  Diamanten')  72. 
Zacharias,  J   A.,  Bäckerm.  94. 
Zafsnitz  (Czafsnitz),   \'orwerk  b. 

Rochlilz  293.  299! 
Zawisza,  Frau  Starost  109. 
V.  Zehmen,  Fräulein  109. 
Zeithain  (Seythayn)  soff.  2Coff. 
Zeitz  65.  115. 
Zelitcz,  Zeelicz  s.  Seelitz. 
Zelle  81. 

Zerbst  1270'.  133. 
Zetteritz  276. 
Zettlitz  276. 

Ziegler,  Pferdehändler  225. 
Ziesar  203. 
Zillus  s.  Zöllnitz. 
Zittau  224. 

,,  Gesellschaft  für  Z.  Gesch.  180. 
Zöllnitz  (Zillus)  275  f. 
Zschillen,  Kloster   119.  275.  302f. 
Zucchi,  Andrea,  Kupferstecher  79. 

219. 
Zühlsdorf  223. 
Zürich  4. 
Zürner,  Land-  u.  Grenzkommissa- 

rius  51.  78.  III  f. 
Zugck,  Mund-  u.  Hof  bäcker  94. 
Zweta  65. 
Zwickau    iff.   65.    122!    126.    191. 

307.  321. 
„  Altertumsverein  371. 


Berichtigungen: 

S.  26  bez.  33:  Der  ganze  Absatz  S.  33  („Für  das  vermeintliche" 
usw.)  bis  zur  Mitte  von  S.  34  („zuzuschreiben")  gehört  auf  S.  26  vor 
den  letzten  Absatz  („Doch  gesetzt  selbst"). 

S.  33  u.  42  lies  Homberg  statt  Holmberg. 

S.  112  lies  Boetius  statt  Boetins. 

S.  122  lies  1513  statt  1813. 


Buchdruckerei  der  Verlagshandlung. 


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